Freaky Fridays

Series: Alexa-Saga

Series Order:  15.1

Pairing(s)/Charaktere: Multi-Chara, OC,
Genre:
Friendship, Humor, Action, Romance, H/C
Rating: PG
Warnungen: Action, Drama, Comedy, Sci-Fi, sexuelle Belästigungen, Frauenfeindlichkeit,  Hurt/Comfort, aber gelegentlich wird es auch mal was zum schmunzeln geben.
Wortanzahl:
ähhhh….

Kurzinhalt: Lachen und Weinen liegen manchmal so dicht nebeneinander … vor allem Freitags …

1. Freitag

„Sie geht dir wieder aus dem Weg, hm?“, fragte Patrick Sheppard, seines Zeichens der Patriarch der Familie und einstiger erfolgreicher Geschäftsmann, als er den Golfschläger schwang und den Ball ins kühle Nass des Planeten beförderte.

Währenddessen verfolgte John den Flug des Balles und versuchte sich seine Verwunderung über den gelungenen Schlag nicht anmerken zu lassen. Was ihm nicht schwer fiel, denn seine Gedanken waren wie in letzter Zeit recht häufig nicht wirklich bei der Sache. So zuckte er nur mit den Achseln und legte seinen Ball auf das Tee. „Ist auf der einen Seite vielleicht ganz gut so. So kriege ich womöglich ein paar Idioten hier besser unter Kontrolle.“

„Ah. Die Tratschtanten“, kommentierte Patrick. „Das eine oder andere Getuschel habe ich auch mitbekommen. Nichts Genaues und auch nicht direkt ins Gesicht, aber … es hat schon gereicht.“

So sah nun Patrick seinerseits, wie sein Ältester den Golfball voller Wut ins Wasser drosch.

„Von Wyler?“, wollte John wissen und schätzte die Entfernung ein, die sein Ball zurückgelegt hatte.

„Ich kann nicht sagen, ob Wyler noch immer die Quelle ist. Ehrlich gesagt war das Getuschel vom Inhalt her nicht das schlimmste. Die meisten würden es gerne sehen, wenn du und Alexa … sagen wir einfach, sie wären froh, wenn zwischen euch beiden mal was anderes herrschen würde außer Zwist und Streitigkeit. Wir alle wären froh und dankbar. Abgesehen davon hast du Wyler in den letzten Tagen doch ständig rausgeschickt, oder?“ setzte Patrick schnell hinzu.

„Ich dachte, es kühlt ihn ein bisschen ab, wenn er den Babysitter für die Geologen gibt oder Informationsbeschaffung über die Wraith betreibt.“

Patrick nickte, ließ seinen Sohn aber auch nicht aus den Augen, was ihm die nächste Erkenntnis einbrachte. „Hör auf, dir selbst Vorwürfe zu machen.“

„Ich hätte einfach meine Klappe halten sollen.“

„Du hattest keine Kontrolle über das was du gesagt hast. Diese Maschine hat das aus dir rausgepresst“, versuchte der Vater zu beruhigen.

Doch John schüttelte nur den Kopf. „Ich dachte es sei das Beste, wenn ich mir irgendwas ausdenke und sie solange damit hinhalte, bis mein Team zurückkäme.“

„Was funktioniert hat!“

„In Gefahr habe ich sie gebracht“, meinte John. „Ich habe zugelassen, dass … „

„Dass deine Fantasie die Überhand gewann … John, ich sage dir das nur einmal. In dieser Situation hast genau das richtige getan. Du hast dich mit diesem Wunschtraum geschützt, du hast keine Informationen preisgegeben und hast ihnen nicht das gegeben, was sie wollten. Dein Team kam und hat dich da rausgeholt. Dein Folterknecht ist tot, die Maschine ist zerstört, und alles was du ihnen vorgespielt hast, ist auf dem Kristall, den deine Mutter dir gegeben hat. Alexa hat es auch wohlbehalten zurückgeschafft. Alles andere geht niemanden etwas an. Wyler ist nur ein kleines Arschloch, dem es offenbar zu langweilig ist. Ihn raus zu schicken ist vielleicht keine schlechte Idee. Früher oder später … kümmert sich das Karma um ihn.“

John atmete tiefdurch. Die Ansicht seines Vaters war simpel und einfach, aber vielleicht auch gar nicht verkehrt. „Karma, hm? Bei dem geringsten Mist den Wyler sich als nächstes leistet, kriegt er einen Rückflug.“

Patrick nickte zustimmend. „Gut. Und jetzt hör auf, so vor dich hinzubrüten. Da gibt es noch einen Haufen Bälle, die baden wollen. Hallo Commander!“, grüßte Patrick die junge Antikerin, die gerade um die Ecke bog und überrascht stehen blieb.

„Mister Sheppard! Colonel! Ich wusste nicht, dass sie hier …“

„Wir haben unsere Driving Range kurzfristig verlegt. Wir wollten mal ausprobieren, wie es sich von hier aus schlägt.“

Alexa nickte, auch wenn sie nicht wirklich verstand, was so toll daran sein sollte, auf einen kleinen Ball einzuschlagen.

„Hat Ihre Mutter Sie endlich aus ihren Fängen gelassen? Wie geht es Ihnen?“, fragte Patrick, und schlug ein Ball mit Schwung einige Hundert Meter weit, was Alexa immer noch leicht verstört dreinschauen lies.

„Gut. Für den leichten Dienst scheint es zumindest zu reichen.“

„Schön. Das freut uns. Das sind tolle Nachrichten. Oder John?“

„Ja!“, platze es sofort aus John, der sich gerade fragte, wo er mit den Gedanken war.

„Dann will ich sie beide nicht weiter stören. Ich suche mir woanders einen ruhigen Platz für meine Berichte.“

Während Alexa sich umdrehte und sich daran machte, das Pier zu verlassen, landete Patricks nächster, diesmal leichterer Schlag in Johns Kniekehlen, was ihm einen wütend-irritierten Blick seitens seines Sohnes einbrachte. Patricks weitere Geste, endlich selbst den Mund aufzumachen, sprachen Bände. Zumindest hoffte John, dass es das war, was sein Vater ihm mitteilen wollte.

„Willst du es nicht auch mal ausprobieren?“

Zufrieden nickte Patrick.

„Du hast noch nie Golf gespielt, oder? Zugegeben, das ist vielleicht keine richtige Golfanlage, aber für ein paar nette Schläge reicht es alle mal.“

„Und wir könnten gut Unterstützung brauchen. Wie ich meinem Sohn schon sagte, diese Bälle wollen gebadet werden“, schloss sich Patrick an, während er den nächsten Ball auf dem Tee platziert, ausholte und den Ball in die Luft beförderte.

Irritiert blinzelnd verfolgte Alexa den Flug des Balles und dessen Landung einige Hundert Meter weiter im Wasser.

„Wenn Sie die Bälle waschen wollen, warum geben sie sie nicht in eine der Waschanlagen?“

Sowohl John als auch Patrick mussten sich ein Schmunzeln über diese beinahe naive Unschuld verkneifen.

„Das ist doch nur so eine Redenswendung“, meinte Patrick und nahm die junge Frau am Arm und führte sie zum Tee. „Kommen Sie, versuchen Sie es mal. Die Berichte laufen schon nicht weg.“

John glaubte, sein Vater würde bald alle Rekorde im Schneiden von Grimmassen und stummen Gesten brechen, als er ihm danach den Schläger aus der Hand nahm und ihm dafür den Ellenbogen in die Rippen stieß.

Grimmassen und Gesten die nur -Mach dich ran, Junge!- und -Muss ich mich denn um alles kümmern?– bedeuten konnten.

„Warte, ich … ich zeige dir erst wie es geht und wie man den Golfschläger halten muss“, platze es aus John, als er Alexa den Schläger wieder abnahm und sie erst sanft aus dem Weg bugsierte, während sie offenbar noch immer nicht so recht wusste, was sie von alle dem halten sollte.

„Golf? Mir scheint es eher ein Fall von Umweltverschmutzung zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Material biologisch abbaubar ist.“

Dieses Mal konnte sich John ein leises Lachen nicht verkneifen, als er Alexa auch den Ball abnahm und auf dem Tee platzierte. „Die Bälle haben alle einen Sender. Sobald die Apollo oder die Daedalus hier sind, beamt mir ein netter Sergeant oder Lieutenant sie wieder raus. Dann schmeiße ich sie immer in die Waschanlage und sie sind so gut wie neu.“

„Um dann wieder von euch ins Meer befördert zu werden. Eine kurze Frage: Warum? Was ist so toll daran?“

Nun sahen sich Vater und Sohn doch etwas ratlos an, bevor Sheppard Senior offenbar zu einer Erklärung anzusetzen versuchte. „Es dient mehr der Entspannung und Ablenkung. Es ist aber auch gut für die Geduld und Konzentration.“

„Und es macht manchmal echt Spaß einfach mal auf etwas eindreschen zu können, dass sich nicht wehrt“, schloss sich John an, holte aus und schlug auf den Ball, dem Alexa dann wieder zweifelnd blinzelnd folgte.

„Aha.“

„Also, pass auf. Du stehst so zum Ball, hältst so den Schläger und haust so … drauf“, erklärte John, als er ihr abermals zeigte, wie dieses Spiel wohl zu spielen sei und ein weiterer Ball das Weite suchte.

„Ich weiß nicht“, meinte Alexa, wurde dann aber von John wieder in Position gebracht.

„Das macht Spaß, vertrau mir“, meinte John begütigend. Währenddessen konnte sich Patrick nur schwer ein Grinsen verkneifen, als John einen Blick zu ihm riskierte obwohl dieser nur deshalb so dicht hinter ihr stand, damit er so am besten ihren Griff kontrollieren konnte.

„Versuchen wir erst ein paar Trockenschläge“, brachte John hervor und schüttelte in einem günstigen Moment mahnend den Kopf, was Patricks schnell dazu veranlasste seine Mine wieder zu schulen.

Auch wenn John es in den letzten Tagen eher bevorzugte, ihr aus dem Weg zu gehen und ihr allen Raum zu lassen, war es nun ein schönes Gefühl ihr so nah zu sein, aber ihr Duft machte es ihm gleichzeig auch schwer, denn sie roch fantastisch. Und geradezu verführerisch. Bestimmt war es irgendetwas, was ihre Mutter aus den vielen neuen Pflanzen in der botanischen Abteilung selbst herstellte.

Es kam ihm gerade gelegen, dass ihm just in jenem Moment eine weitere leichte Meeresbrise ins Gesicht wehte und ihn so davon abhielt, seine Nase, womöglich noch sein ganzes Gesicht in ihrem Haar vergraben zu wollen.

Trotzdem zog er diese Lehrstunde im einfachen Golfball schlagen tapfer durch und begleitete Alexa bei den ersten trockenen Schlägen, bis er glaubte, sie könne die Schwinger auch alleine durchführen.

„Sieht doch ganz gut aus, oder was meinst du, Dad?“, fragte John, als er noch einen weiteren Schritt zurücktrat. Gott, wie sehr er hoffte, dass man diese kurze erregende Ablenkung nicht ansah.

„Nein, das ist perfekt. Sie haben schon die perfekte Haltung. Ich wette, Sie knacken auch den Rekord“, stimmte Patrick zu und platzierte den Ball vor ihr.

„Ich soll jetzt einfach so den Ball ins Meer schlagen?“

„So weit Sie können“, antwortete Patrick kopfnickend.

„Hau einfach weg das Ding“, stimmte John zu und lehnte sich lässig an die naheliegende Ecke. Noch einmal tief durchatmend.

Alexa zuckte nur mit den Achseln, brachte sich in Position, peilte den Ball an und ließ den Schläger mit vollem Schwung … ins Meer sausen, während der Ball vom Tee fiel, langsam in Richtung Kante rollte und dann ebenfalls ins Meer fiel.

Zurück blieb eine mehr als irritierte Antikerin, die ratlos zum übriggebliebenen Griff in ihren Händen blickte. „Hoppla.“

„Was zum Teufel …?“ Ungläubig blickte John zwischen Alexa und dem schon längst untergegangenen Schläger hin und her.

„Also, das ist jetzt enttäuschend“, fuhr Alexa fort und betrachtete betrübt den Griff.

„Enttäuschend? Was soll ich denn sagen? Das war mein … wie um alles in der Welt hast du das denn hinbekommen? Das war … das war ein 400 Dollar Schläger!“

„Ich? Was habe ich denn …? Ich habe alles so gemacht wie – … 400 Dollar? Du gibst 400 Dollar aus, nur um damit Bälle ins Meer zu pfeffern?“

Dieses Mal konnte Patrick das laute Prusten auch nicht mehr unterdrücken. Verdammt, er mochte die junge Frau. „Es war wohl ein Montagsprodukt.“

Nun war Alexa vollends verwirrt. „Montagsprodukt? Es ist Freitag.“

John verbarg das Gesicht in seinen Händen, bevor er wieder schluckte, durchatmete und Alexa die Überreste seines liebsten Schlägers abnahm. „Was er damit sagen will, ist das es wohl eher ein fehlerhaftes Produkt gewesen war.“

„Freitag passt wohl eher. Für jemanden kam das Wochenende wohl nicht schnell genug.“

„Wohl eher Freitag, der 13te“, murmelte John griesgrämig und schlenderte zu seinem Golfbag.

„Tut mir leid“, begann Alexa sich zu entschuldigen. „Ich ersetze ihn dir. Ich kaufe dir einen neuen.“

„Nein, nein. Ist ja nicht deine Schuld. Es war … eben ein Montagsprodukt. Ich hatte ihn heute zum ersten Mal benutzt und offensichtlich hielt er nur die paar Schläge aus.“

„Aber du hast 400 Dollar dafür bezahlt. Gibt es nicht sowas wie eine Garantie oder so?“, wollte Alexa wissen, was John wortlos die Zähne knirschen, Patrick aber überrascht fragend die Augenbraue heben ließ.

„Ich glaube eher nicht. Was solls“, meinte John und ließ den Griff wenig gefühlvoll in den Bag zu den anderen Golfschlägern fallen. „Vielleicht finden wir etwas anderes, dass dir Spaß macht.“

„Ich habe doch viele Dinge, die mir Spaß machen. Einige kann man durchaus auch als Hobby betrachten“, gab Alexa zurück.

„Ich meinte eigentlich etwas, was wir gemeinsam … nicht so wichtig“, erwiderte John schnell, als er Alexas Blick sah. Noch immer war er sich nicht sicher, ob er mit dem einen oder anderen vielleicht zu schnell vorpreschen würde.

Zeit bräuchte sie, hatte sie gesagt und er wollte sie ihr geben. Dann hatte er durch diese verdammte Foltermaschine die Klappe nicht halten können und schon ging sie sich gegenseitig aus dem Weg. Aber die Idee seines Vaters, Alexa, die Ihnen eher zufällig des Weges kam, gleich mal das Golfspielen näher zu bringen, war trotzdem nicht schlecht. Ein bisschen so zu tun, als sei nichts gewesen, als würde er sich nicht erinnern, sollte niemandem wehtun.

Für einen Moment schien John seine Gefühle in seine Gedanken gelassen zu haben, den Alexa hatte wieder Abstand zwischen ihm und ihr aufgebaut und machte sich daran, das Pier zu verlassen. „Ich … ich muss mich jetzt um einige Berichte kümmern. Ich ersetze dir den Schläger. Tut mir wirklich leid.“

Und damit war sie um die Ecke verschwunden.

„Was war das jetzt? Wieder nicht aufgepasst?“ wollte Patrick wissen und John zuckte resigniert mit den Achseln.

„Ach Junge“, seufzte Patrick. „Aber immerhin hat sie dir dafür die restlichen Schläger nicht übergezogen. Das ist eine Verbesserung. Ich habe nämlich den Eindruck, dass das sonst kein Problem für sie wäre.“

John nickte zustimmend, war aber selbst überrascht über diese neue Entwicklung. Schließlich wusste er doch nicht, dass Alexa, kaum dass sie um die Ecke gebogen war, kurz stehen blieb, gegen ihre eigenen Empfindungen kämpfte, dann aber mit einem Lächeln aufgab. Das mit dem Schläger bedauerte sie zwar, doch diese kurze Zeit mit, besonders aber die Nähe zu ihm hatte ihr durchaus gefallen.

~~~///~~~

Seit fast einer Woche hatte John zwar nicht mehr an das Golfspiel gedacht, sich dafür aber sehr über Alexa gewundert. Nein, er hatte sich weniger gewundert, sondern vielmehr gefreut. Sie schien ruhiger und nicht mehr so sehr erpicht darauf zu sein, ihm aus dem Weg zu gehen. Zwar blieb sie nie lange anwesend, liefen sie sich irgendwo über den Weg oder hatten eine gemeinsame Tätigkeit zu erledigen, dafür ergriff sie auch nicht mehr sofort die Flucht. Vor allem aber hatte sie ihm seit ihrem letzten Gespräch nicht mehr angegiftet. Trotz allem war, auch wenn sie sich ausgesprochen hatten, noch lange nicht alles klar zwischen ihnen.

John würde ihr allen Freiraum der Welt geben, und würde auch jede ihrer Entscheidungen akzeptieren. Dennoch keimte noch immer ein wenig Hoffnung in ihm auf.

Erst recht, als er nach einem langen Tag und noch mehr Ärger über einen seiner Männer sein Quartier betrat und den krachneuen, auf Hochglanz polierten und mit einer hübschen Schleife versehenen Golfschläger auf seinem Bett vorfand.

John nahm stutzend den Schläger auf, setzte sich aufs Bett und begann, das daran befestigte Kärtchen zu lesen.

-Ich hoffe, es ist der richtige Schläger und ich hoffe auch, dass er nicht an einem Montag oder Freitag produziert wurde.

Daher ist dieser Schläger ebenfalls mit einem Sender versehen, solltest du noch einmal auf die Idee kommen, mit mir Golf spielen zu wollen, denn im Grunde finde ich die Idee, gelegentlich mal auf einen toten Gegenstand einzudreschen, gar nicht so verkehrt. Es hat was.

Alexa-

John lächelte.

——

Klicke auf „Next“ um zum nächsten Freitag zu kommen.

2. Freitag

 

Lorne hatte sich die Männer vorgeknöpft, John hatte sich die Männer vorgeknöpft. Doch irgendwie bezweifelte John, dass es Wirkung zeigen würde. Hatte er bisher noch einen recht lockeren Führungsstil gezeigt, würde sich das wohl bald rächen. Er konnte nur hoffen, dass Lorne recht hatte, und es wirklich nur bei Wyler, dem Hauptübeltäter und seinen 1-2 Mitläufern blieb, die die Gerüchte in die Welt setzten und allmählich gegen die Antiker und einige andere hetzten. Sollte seine erste noch freundlich gehaltene Ermahnung und der zweite sich gewaschene Anschiss keine Wirkung zeigen, würde er noch ganz andere Saiten aufziehen müssen.

Und was die Reaktion der Antiker anging, so tappte er im Dunkeln. Die Gerüchte über ihn und Alexa hatten bestimmt schon den General erreicht. Immerhin wurde er selbst an jeder zweiten Ecke von mindestens jedem zweiten Expeditionsmitglied kichernd oder neidisch gegrüßt oder auch mit Tuscheln hinter seinem Rücken oder vor vorgehaltener Hand bedacht.

Es wäre eine Erklärung dafür, warum sich Alexa, trotz des kleinen Golfspiels, dass eigentlich ganz witzig endete, immer noch rar machte. Dank seiner Worte, die er in seiner Verwirrung während seiner Gefangenschaft auf M47-P32 Alexa zu wisperte … und für die er nun eben mit jenen Gerüchten und Blicke bedacht wurde. Ganz zu schweigen von dem ganzen Theater davor.

Vielleicht war es auch nur eine Frage der Zeit, bis Alexas Temperament wieder überhandnahm und der General seine gefürchtete Fähigkeit, die Wände beben zu lassen, einsetzen würde.

Warum nur mussten diese Dinge immer so laufen, wie er es sich so ganz und gar nicht vorstellte? Konnte nicht einmal etwas glatt und wie am Schnürchen laufen?

Auch wenn Johns Erinnerungen zum größten Teil wieder geordnet waren, kämpfte er noch immer mit leichten Kopfschmerzen und gelegentlichem Schwindel. Aber zumindest war er nicht der einzige, der sich noch immer tagtäglich auf der Krankenstation zu melden hatte. Auch wenn Alexa seit über einer Woche aus der Krankenstation entlassen war, schien ihre Mutter sie noch nicht so recht vom Haken lassen zu wollen.  Täglich hatte sie sich zu Untersuchungen auf der Krankenstation zu melden. Dennoch blieb John nicht gänzlich verschont.

Er würde allerdings niemals laut zugeben, dass dies für ihn der einzig wahre Grund war, sich freiwillig auf der Krankenstation einzufinden, um sie zu sehen und ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Oder gemeinsam über das Piksen, Scannen und Herumdoktern zu nörgeln.

Vielleicht war es einfach nur an der Zeit, mal wieder etwas zu entspannen und ein wenig zu lachen und so steuerte er Alexas Werkstatt an, in der Hoffnung sie für einen kleinen Spaziergang und einen Abstecher in die Labore von Rodney und Dorian überreden zu können. Wäre doch gelacht, wenn man die beiden nicht mit vereinten Kräften und harmlosen Neckereien an den Rand der Verzweiflung bringen könnte. Noch mehr hoffte er, dass sie ihm dabei nicht wieder eine Abfuhr verpasste.

Was sie nicht tat. Erstaunlicherweise, denn es kostete ihn nur ein klein wenig Mühe sie von ihrem Projekt fortzureißen und für einen Moment fürchtete er schon einen neuen Temperamentsausbruch. Aber dann gab sie nach. Sie gab nach und stimmte ihm schließlich sogar zu, dass sie eine Ablenkung gebrauchen könnte.

So bogen die beiden nun um die Ecke zu Dorians Labor und blieben doch glatt überrascht stehen, als sie neben diesem auch Rodney erblickten. Beide schienen völlig vertieft in das Studium eines fremderscheinenden Gerätes und zudem auch noch in völliger Einigkeit zu sein, was John und Alexa augenblicklich stutzig machte.

Beide waren brillante Wissenschaftler, jeder auf seinem Gebiet unschlagbar und mit Persönlichkeit, die entweder zu bewundern war oder zum Flüchten riet. Doch eine so harmonische Zusammenarbeit hatten die beiden bisher noch nie gezeigt. Irgendwas war im Busch und John glaubte schon den kalten Schauer in seinem Nacken zu spüren, der ihn immer überkam, kurz bevor eine Situation von –Oh-oh– zu –Großer Gott, wir gehen alle drauf– wechselte. Doch dann sah er, wie Alexa, die dicht neben ihm stand, offenbar ebenfalls ein Schauder überkam, der ihren ganzen Körper zu ergreifen schien und den sie nicht mehr unterdrücken konnte. Und auch ihr Blick sprach Bände. Vielleicht wäre es besser, so schnell wie möglich das Weite zu suchen, und alles und jeden auf dem Weg zu warnen, dass bald die Hölle losbrechen würde.

Doch dann fielen ihre Blicke wieder auf das merkwürdige anmutende Gerät und die Neugier siegte.

„Hey Leute. Was gibt’s Neues?“, wollte Alexa wissen, was John offenbar nicht reichte.

„Und noch wichtiger: Was tut ihr da und vor allem wie tief oder wie schnell sitzen wir in der Scheiße?“, fügte John hinzu, was Alexa ein Schmunzeln und Rodney und Dorian ein Augenrollen und entnervtes Seufzen entlockte.

„Hey, ihr Zwei“, begann Dorian zu antworten. „Das Gerät ist neu.“

„Wurde in einem Raum in einer der untersten Sektionen des Ostpiers entdeckt“, fuhr Rodney fort.

„Wir wollen rausfinden, was es ist, was es tut und oder wofür es gut ist“, erklärte Dorian weiter und überlies alles andere seinem Kollegen.

„Und wir sitzen nicht in der Scheiße und werden es auch nicht, solange ihr eure Hände-„

„NEIN! Nicht anfassen!“, hallte es noch lautstark durch das Labor, hinaus in die Flure und, wenn man dem Empfinden der beiden Forscher glauben mochte, auch noch bis in die Kommandozentrale. Doch die Hände der beiden Soldaten lagen bereits auf dem Gerät.

Es folgten ein kurzes aber lautes Summen, irritierte Blicke, große Augen, gefolgt von Sprachlosigkeit. Alexa sah unsicher zu John, John sah irritiert zu Alexa. Dann musterten die beiden sich selbst, bevor sie sich wieder ungläubig beäugten.

„Oh-oh“, wich es leise aus Johns Mund.

„Oh-oh“, echote Alexa sah dann, wie John zu den beiden Wissenschaftlern blickte, die noch immer unsicher zwischen ihnen und dem Gerät hin und her sahen.

Rodney begriff als Erster, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. „Oh-oh.“

„Oh-oh?“, platze es panisch aus Dorian. „Bitte kein Oh-oh. Nein, nein. Ich kann im Moment so gar kein Oh-oh gebrauchen. Weg mit Oh-oh. Kein Oh- oh! In meinem Labor gibt´s keine Oh-ohs!“

„Ihrem Labor? Das ist auch mein Labor. Und für keine Oh-ohs ist es ein bisschen zu spät. Mir scheint das ein gewaltiges Oh-oh zu sein, wenn ich mir diese Energiespitze ansehe, die der Computer aufgezeichnet hat.“

Dorian folgte Rodneys Blick, tauschte einen besorgten Blick mit diesem aus, bevor er sich dann besorgt wieder zu den beiden Soldaten drehte. „Oh-oh.“

„Was sollte das? Was habt ihr euch gedacht? Lernt man das auf der Militärschule?“, platze es aus Rodney. „Gibt es da ein Extra Fach, in dem man lernt, alles anzutatschen und sämtliche Knöpfe zu drücken, an Reglern zu schieben und einfach mal zu sehen, was passiert?“

„Hey, hey, hey“, kam es von Alexa, als sie versuchte ihm gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch Rodneys Irritation wuchs nur noch mehr an, als er zwischen der Antikerin und dem Colonel hin und her blickte.

„Wir haben euch doch gewarnt. Wieso konntet ihr eure Finger nicht einfach mal bei euch behalten?“, wetterte Rodney weiter.

„Hey, deine Warnung hätte ruhig etwas früher kommen können, Rodney“, platze es aus Alexa, was Rodney zunächst eingeschnappt dreinschauen ließ, ihn aber nicht beirrte.

„Du hast mich nicht mal aussprechen lassen! Alexa.“

Den Namen der Antikerin hatte Rodney derart übellaunig und trotzig ausgesprochen, dass beide Soldaten ertappt zusammenzuckten, was wiederum den Pegel der Besorgnis der beiden Forscher geradezu in die Höhe schnellen ließ. Irgendwas, war ganz und gar nicht in Ordnung.

„Was … was ist überhaupt passiert?“, wollte Dorian wissen. „Habt ihr irgendwas gespürt? Geht’s euch gut?“

„Na ja …“, begann Alexa, sah dann aber betrübt zu John, der noch bedrückter aus der Wäsche guckte als man es je für möglich hielt. „Uns geht so weit gut, denke ich. Aber wir haben da ein klitzekleines Problem.“

In den kommenden Minuten begriffen Dorian und Rodney, dass das Problem weder klitzeklein noch so einfach zu überleben war, wenn erstmal der General erfahren würde, was passiert war.

Denn jeder Versuch, das gerade Geschehene wieder rückgängig zu machen scheiterte kläglich und die Stresskurve stieg stetig an, genau wie die Nerven zum Zerreißen gespannt waren, was mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, Angiftungen und sogar Drohungen endete.

„Vielleicht sollten wir zuerst die Stadt evakuieren, bevor wir es Vater sagen. Ich weiß nämlich nicht, ob wir dieses Mal das Beben der Wände überleben“, meinte Dorian, der sich resigniert neben Rodney auf den Stuhl fallen ließ.

Zähneknirschend und der Verzweiflung nahe, sahen John und Alexa zu Rodney, dem auch schon ein Hauch von Verzweiflung anzusehen war. „Ich bin ein toter Mann.“

~~~///~~~

„Ihr seid was?!“, entfuhr es Tristanius, der dabei geradezu aus dem Stuhl in die Höhe schoss, und wie Woolsey zunächst schweigend, aber mit wachsendem Unglauben den herumgedrucksten Erklärungen der vier Personen zugehört hatte.

Nun standen sie wie die begossenen Pudel vor dem Schreibtisch im Büro des Stadtkommandanten, und wunderten sich einmal mehr, wie schnell der General in die Luft gehen konnte.

„Colonel, um Himmels Willen, bitte sagen Sie mir, dass das nur ein Scherz von zwei gelangweilten Wissenschaftlern und zwei Soldaten ist“, bat Woolsey flehend, doch das erhoffte Grinsen blieb aus. „Colonel?“

„Der steht da“, murmelte John, als Woolseys fragender Blick auf ihm ruhte und wies mit dem Kopf in Richtung Alexa, die neben ihm stand.

Woolsey sah zu Alexa, dann wieder zu John und wieder zurück zu Alexa. Doch diese schnitt nur eine Grimasse, die nicht zu deuten war und zuckte dann in typischer Sheppardscher Manier die Achseln.

„Ihr … ihr habt tatsächlich die Körper vertauscht?“, knurrte Tristanius.

„Nicht mit Absicht“, platze es aus John, was die beiden Kommandanten stutzen ließ.

Nun war es an Tristanius verwirrt aus der Wäsche zu gucken, zwischen den beiden Soldaten hin und her zu blicken und sich zu fragen, mit wem er es gerade wirklich zu hatte.

„Mit was denn sonst? Wie um alles in der Welt konnte das passieren?“

„Ich verwette mein gesamtes Labor, das es bestimmt etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass die beiden ihre Finger nicht bei sich behalten konnten“, antwortete Dorian, was ihm die wütenden Blicke des Colonels und seiner Schwester einbrachte.

Verdammt, es war wirklich verrückt mit seiner Schwester zu sprechen und dabei den Colonel zu sehen.

„Was für ein Gerät ist das überhaupt?“, wollte Richard wissen. „Wo kommt es her?“

„Na eines, dass offenbar genau das tut, was es getan hat. Leute vertauschen“, antwortete Dorian relativ gelassen, was ihm mit einem mahnenden Blick seitens seines Vaters gedankt wurde.

„Henson hat mit seinem Team einige Räume im Ostpier erkundet und dabei ein paar Dinge in einer Art Labor gefunden. Das war dabei“, fuhr Rodney fort und brachte ein Bild des Gerätes auf den Bildschirm.

„Heißt das, wir haben noch mehr vertauschte Leute in der Stadt rumlaufen?“, verlangte Richard aufgebracht zu wissen. „Wie viele haben das Ding angefasst, bevor es in Ihrem Labor ankam?“

„Niemand. Es wurde sonst niemand vertauscht. Henson hat das Ding von jemanden ohne Gen herbringen lassen“, erklärte Rodney weiter. „Wenn sonst jemand vertauscht worden wäre, hätte man das schon längst gemerkt oder es wäre uns gemeldet worden. Was das angeht, haben manche Leute offenbar tatsächlich dazu gelernt.“

„Nur leider nicht die, auf die es ankommt, Doktor. Hier fand offenbar kein Lernfortschritt statt“, knurrte Tristanius und wies auf die beiden Personen, die von Rodney und Dorian flankiert wurden. „Also, könnte man nun bitte endlich Mister Woolseys Frage beantworten und uns sagen, was es mit diesem Gerät wirklich auf sich hat? Was tut es oder wozu dient es?“

„Ja … was das angeht … Sie kennen das Gerät also auch nicht?“, fragte McKay weiter.

„Ich kann Ihnen versichern, Doktor, wenn ich es kennen würde, hätte ich es höchstwahrscheinlich schon längst vor den beiden in Sicherheit gebracht. Wie wird das wieder rückgängig gemacht?“

„Wissen wir nicht“, gab Dorian zu. Doch dies tat dem vor Wut funkelndem Blick seines Vaters offenbar keinen Abbruch.

„Wir haben alles versucht“, wandte Rodney sofort ein. „Als wir gemerkt haben, was passiert war, dachten wir, es könne genauso schnell wieder rückgängig gemacht werden, wenn sie das Gerät noch mal anfassen. Zuerst haben wir Alexa alles anfassen lassen, dann John, dann die beiden zusammen. Dann andersrum und dann-“

„Ich bekomme Kopfschmerzen“, stöhnte Tristanius resigniert und lies sich im Bürostuhl nieder. „Ich bekomme schon wieder diese Kopfschmerzen.“

„Und was gedenken Sie nun zu tun? Es muss doch eine Möglichkeit geben, das wieder rückgängig zu machen“, wollte Richard wissen, dem es scheinbar nicht besser ging, als er krampfhaft versuchte, seine Verärgerung zu unterdrücken.

„Na ja, wir … wir lassen uns was einfallen“, erwiderte Rodney.

„Doktor McKay, bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber dieser Aussage kann ich im Moment so gar nichts Beruhigendes entnehmen. Bitte sagen Sie mir, dass das wenigstens alles war. Das sonst nichts Ungewöhnliches passiert ist“, wollte Richard wissen,

„Nein. Abgesehen von der Energiespitze, die die Messgeräte kurz vor und während dem Austausch gemessen haben, ist uns nichts weiter aufgefallen“, antwortete Rodney. „Wir … wir sehen uns die Aufzeichnungen und Werte noch mal genauer an, vielleicht finden wir ja etwas, das helfen könnte.“

„Nun gut. Was geschehen ist, ist geschehen. Hoffen wir, dass sich schnellstmöglich eine Lösung finden wird. Bis dahin, Colonel …“, erklärte Richard seufzend, und sah zu John, der jedoch nur in Alexas Richtung nickte, was wieder Verwirrung in Woolsey aufkommen ließ. „Es ist wohl besser, wenn Major Lorne solange für Sie einspringt.“

„Ich kann auch ein Team führen“, meine Alexa, was nun beide Kommandanten stutzen ließ.

„Ihr müsst jedesmal zu eurem Gegenüber weisen, wenn man euch beim Namen nennt“, erklärte Tristanius leicht aufgebracht und blinzelte selbst zwischen seiner Tochter und dem Colonel hin und her. „Wie glaubst du, soll das im Feld ablaufen, wenn jemand nach dem Colonel ruft? Oder nach dir? Oder schlimmer, wenn jemand dich für den hält, der du bist?“

Nun stutze Alexa, was Tristanius selbst noch mehr verwirrte. „Du weißt, was ich meine. Nein, Mister Woolsey hat recht. Das Chaos ist so schon groß genug und ich bin sicher, der Colonel …“, es folgte ein Blick zu Alexa, in der nun mal der Colonel steckte, „stimmt uns da zu.“

John hoffte, dass seine mehr oder weniger begeisterte Zustimmung auch genauso rüberkam, wie er es meinte. Bisher hatte er keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, wie es sich in Alexas Körper überhaupt anfühlte. Oder welche Probleme sich noch daraus ergeben könnten. Und irgendwie war ihm bei diesen Gedanken auch nicht ganz wohl. Hoffentlich gab es bald die erlösende Rettung und alles wäre wieder so wie es sein sollte.

„Und deine Mutter und Doktor Keller muss ich auch informieren. Sie sollen euch beide untersuchen, um festzustellen, ob nicht noch weitere … Komplikationen vorliegen“, fügte Tristanius knurrend hinzu, was nun auch John die Miene verziehen ließ. Seine Mutter würde missbilligend den Kopf schütteln, bevor sie ihm eine Standpredigt hielt und sein Vater würde sich vor Lachen wahrscheinlich am Boden kringeln. Hoffte er zumindest. Na, das konnte ja was werden.

~~~///~~~

„Tja, … wieso überrascht mich das jetzt nicht?“, entfuhr es Carol mehr als missbilligend, während Patrick selbst mit sich kämpfte und einfach nicht aufhören konnte, zwischen seinem Sohn und der Antikerin hin und her zu sehen.

Es hatte nicht lange gebraucht, die restlichen Familienmitglieder der beiden Soldaten zu rufen und sie über die Geschehnisse aufzuklären. Major Lorne und Daniel Jackson, dessen Neugier ihn ins Büro führte waren jedoch die einzigen, die sich mit ihrer Überraschung, ihrer Entrüstung oder was immer ihnen gerade durch den Kopf schoss, zurückhielten.

„Was zum Teufel habt ihr euch dabei gedacht?“, fuhr Carol fort und sah dann mahnend zu ihrem Mann, der noch immer nicht recht wusste, was er von alledem zu halten hatte.

„Ich bezweifle, dass sie überhaupt gedacht haben“, murrte Elisha, die anfing, Tristanius ein wenig den Nacken zu massieren. Man konnte dem Mann die Kopfschmerzen mittlerweile ansehen.

„Und jetzt? Wie soll es jetzt weitergehen, hm?“, fragte Patrick, der endlich zu Wort gefunden hatte und dicht vor seinen Sohn trat.

„Wenn Sie das von Ihrem Sohn wissen wollen, schlage ich vor, ihn zu fragen. Äh, sie … mich … ihn“, antwortete Alexa und wies zur Person neben sich. Nun war die eigene Verwirrung auch schon komplett.

Patrick blickte hin und her, warf die Hände in die Luft und drehte sich, einen verzweifelten Laut ausstoßend, um. „Großartig! Wirklich großartig!“

„Vor einigen Jahren haben wir ganz ähnliche Erfahrungen mit einem Gerät gemacht“, brachte Daniel ein. „Habt ihr schon versucht-“

„Ja! Ja, wir haben alles versucht. Wir kennen den Bericht, okay?“, erklärte Rodney abwinkend.

„Ich sollte mich trotzdem mal mit dem SGC in Verbindung setzen“, wandte Daniel ein. „Vielleicht helfen die bisher gesammelten Informationen doch noch.“

„Elisha, ich habe Kopfschmerzen. Ich habe schon wieder diese elenden, mörderischen Kopfschmerzen“, beklagte sich Tristanius bedauernswerter als zuvor.

„Ich weiß, Liebling. Ich auch.“

~~~///~~~

John konnte verstehen, dass Alexa sich nach all den ganzen Irrungen und Wirrungen um ihre vertauschten Körper lieber zurückziehen wollte. Ihm erging es nicht anders. Doch zunächst galt es noch das eine oder andere mit dem Major zu klären, der hoffentlich nur ein paar Tage für ihn einspringen würde müssen.

„Sorgen Sie dafür, dass Henson nicht wieder irgendwelche Geräte in die Labore unserer beiden Obergeeks schleppt. Er soll am besten alles da lassen, wo es ist. Inklusive seiner eigenen Hände.“

„Ja Ma´am … Sir! Entschuldigung.“

John hätte ihm gerne etwas entsprechendes entgegengepfeffert, aber Lorne hatte sich schnell wieder eingekriegt und es war auch nicht wirklich seine Schuld. Da konnte er ihm noch nicht einmal einen mahnenden Blick zuwerfen.

„Sobald dieses Wechsel-dich-Bäumchen-Spiel zu Ende ist, sollen sich McKay und Dorian unter strengsten Vorsichtsmaßnahmen mal ansehen, mit was wir es da unten noch tun haben“, ordnete John weiter an und bog mit dem Major um eine Ecke des labyrinthartigen Flurs innerhalb der Stadt und blieb dann stehen. „Und vor allen Dingen. Niemand erfährt etwas davon, dass … Sie wissen schon.“

„Ja Sir. Verstanden.“

Lorne hatte gerade wieder die Richtung gewechselt um sich um seine Aufgaben zu kümmern, während John den nächsten Transporter ansteuerte, als er plötzlich unsanft aus dem Flur in ein leerstehendes Büro gezogen wurde.

Schnell fand er sich mit dem Rücken an der Wand wieder und wurde dort von Wyler festgehalten.

„Niemand soll was erfahren, hm?“

„Loslassen! Sofort!“, befahl John und schaffte es, Wyler von sich zu stoßen.

„Warum so prüde, Süße? Neulich hattest du kein Problem damit, dich Sheppard an den Hals zu werfen. Und noch mal werde ich dich nicht so einfach davonkommen lassen. Wird Zeit, dass ich auch endlich meinen Teil von dir kriege.“

John machte sich schon auf den nächsten Angriff gefasst, als plötzlich jemand durch die Tür neben ihm preschte und Wyler am Kragen packte und wegstieß. „Gar nichts kriegst du!“

John blickte auf und war überrascht, als er seinen Retter erkannte. Erst recht, als dieser ausholte und dem sich aufrappelten Wyler einen gekonnten rechten Haken verpasste, der ihn sofort wieder zu Boden schickte.

„Dad?“

„Alles okay?“, fragte Patrick leicht außer Atem, ließ seinen Blick über seinen Sohn im Körper der Antikerin gleiten und begann die schmerzende Hand zu schütteln. „Au!“

„Wie … woher …?“, stotterte John noch immer überrascht.

„Ich war kurz hinter Lorne und beinahe schon um die Ecke als ich aus dem Augenwinkel gesehen habe, wie du hier reingezogen wurdest. Ich wäre gerne schneller gewesen, aber-“

„Schon okay. Danke“, murmelte John noch immer überrascht und blickte auf Wyler, der noch immer bewusstlos vor ihm lag. Dann griff er zu seinem Funkgerät.

„Lorne, kommen Sie sofort zum Büro 42 zurück und bringen Sie zwei Wachen mit. Wir haben einen Gast für unsere Brig.“

„Ja, Ma´am. Sir! Verdammt noch mal!“

John versuchte weiterhin Lornes Verwirrung zu ignorieren, als er einmal mehr tief durchatmete, Wyler mit dem Stiefel umdrehte und sich vor ihn hockte. Wyler stöhnte leise vor sich hin als er langsam wieder zu sich zu kommen schien.

Überraschend war allerding sein Anblick. Erst jetzt fiel ihm ein dunkelviolettes Veilchen auf, das sein linkes Auge zierte, während auf der rechten Wange eine nicht unerhebliche Platzwunde prangte. Patrick pfiff beinahe bewundernd auf. „Auch wenn ich gerne die Lorbeeren dafür ernten würde, aber das …“, flötete Patrick, sich noch immer die Hand massierend und haltend, während John selbst Wyler genauer begutachtete. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihm breit.

„Tja, Wyler. Glückwunsch. Sie haben mir gerade den letzten Grund geliefert, Sie endlich aus der Stadt werfen zu können.“

„Er hat gesagt: Nochmal lasse ich dich nicht davonkommen. Ich hoffe doch stark, er meint nicht das, was ich denke, das er meint“, brachte Patrick hervor, der sich noch immer die schmerzende Hand hielt.

„Ich fürchte doch, Mister Sheppard“, antwortete Lorne, der gerade mit zwei Wachen im Schlepptau den Raum betrat. „Nett“, kommentierte Lorne weiter, als er den Schaden in Wylers Gesicht begutachtete. „Ich habe gerade erfahren, dass Wyler letzte Woche versucht hat, sich an jemanden zu vergreifen. Einer Frau.“

„Wer?“

„Ich weiß es nicht. Ich hielt es zunächst nur für ein Gerücht, aber als Wyler darin verwickelt sein sollte, wollte ich mehr wissen. Man hat mir keine Namen genannt und eine offizielle Beschwerde oder Anzeige ging bisher auch nicht ein.“

„Aber Alexa kann es doch nicht gewesen sein“, wisperte Patrick seinem Sohn zu. „Sie hätte schon beim ersten Mal nicht viel von Wyler übriggelassen.“

„Beweisstück A“, erwiderte John wütend und wies zu Wyler. „Die Handschrift kommt mir bekannt vor.“

„Und wenn der Commander nicht die einzige ist?“, fügte Lorne hinzu.

John fuhr such mit den Fingern über die Nase und seufzte. Patrick wusste nur zu gut, dass John dies immer tat, wenn er drohte, die Geduld zu verlieren. „Schaffen Sie mir Wyler in die Brig. Ist er in zehn Minuten nicht wieder ansprechbar, soll ihn sich ein Sanitäter ansehen. Unter Bewachung, klar?“

„Ja … Ma´am.“

„Das macht Ihnen Spaß, hm?“, platze es leise aus John, was Lorne schmunzeln ließ, während die beiden Wachen noch einen irritierten Blick austauschten, bevor sie sich um Wyler kümmerten und ihn aus dem Raum schleiften.

„Wo willst du hin?“, fragte Patrick verdutzt, als John sich daran machte, aus dem Büro zu stapfen.

„Ich werde mir Alexa mal vorknöpfen.“

„Warte … Junge, ich glaube hier geht es um mehr als nur sexuelle Belästigung. Sei vorsichtig.“

John antwortete nicht, aber warf seinem Vater noch einen Blick zu, bevor sich endgültig auf den Weg machte. „Lass jemanden nach deiner Hand sehen.“

~~~///~~~

Eine ganze Weile stand er in der Werkstatt und beobachtete Alexa, wie sie in seinem Körper an ihrer Maschine werkelte. Sie schien ihn bisher nicht bemerkt zu haben und John überlegte, wie er dieses heikle Thema am besten angehen könnte. Wenn er nur schon daran dachte, was Wyler den Frauen angetan haben könnte … dass Wyler Alexa angerührt hatte …

„Wann wolltest du es mir sagen?“, platze es leise aus John.

Sie erschrak nicht, drehte sich aber nicht gänzlich zu ihm. „Dir was sagen?“

„Wyler“, antwortete John kurz und knapp und beobachtete die plötzliche Anspannung in seinem Körper. „Ich habe ihn gerade in die Brig verfrachten lassen, nachdem er mich angegriffen hat. Etwas, was offensichtlich nicht zum ersten Mal passiert ist.“

„Mit Wyler wäre schon noch fertig geworden.“

„Den Anfang habe ich gesehen, aber wärst du mit ihm fertig geworden, bevor oder nachdem er sich an einer dritten Frau vergriffen hätte? Oder einer vierten? Einer fünften?“

Nun drehte Alexa sich doch zu ihm und blickte ihn stutzend an. „Wer?“

„Wissen wir nicht. Auch nicht, was genau passiert ist. Als Lorne Wyler abholte, erzählte er mir, dass er gerade die Info bekommen hätte, dass sich Wyler letzte Woche an jemand anderem vergreifen wollte. Und er glaubt nicht, dass es sich auch dieses Mal nur um Gerüchte handelt.“

Alexa schüttelte mit dem Kopf. Sie tat sich offenbar schwer mit dem gerade gehörten. „Du wusstest das nicht? Du hast nicht irgendwas bei ihm spüren können?“, fragte John leise nach.

„Nur das üblich Abartige, dass man bei Männern wie ihm spürt. Und nein, ich wusste nicht, dass er … wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mehr getan, als ihn nur zu verwarnen.“

Nun seufzte John, fuhr sich mit den Händen übers Gesicht und versuchte krampfhaft nicht doch noch die Geduld zu verlieren. „Gott, Alex … warum hast du mir das nicht gesagt?“

„Es gab mal eine Zeit, da hatte ich deinen Posten inne, John“, antwortete Alexa leise. „Mit allen Rechten und Pflichten, allen Aufgaben und Aufträgen, und natürlich auch alle möglichen Probleme, die auch du kennen dürftest. Aber Männer wie Wyler gab es in unserer Gesellschaft nur wenige, und wenn … schlug man dabei selten einen Kuschelkurs bei ihnen ein. Es wurde mit ihnen ganz anders umgegangen, als ihr es heute tut … Jetzt sind mir regelrecht die Hände gebunden.“

„Was ist passiert? Was hat er getan?“

„Wyler ist ein Mann, der glaubt, dass Frauen nichts zu melden haben. Selbst, wenn sie nur das tun sollen, was er will. Für ihn sind sie schwach und minderwertig und bestenfalls nur auf ihrem Rücken nützlich. Seine Worte.“

„Hat er dich angegriffen? Hat er dich angefasst?“, wollte John wissen. Doch die letzte Frage kam fordernder heraus, als er beabsichtigte. Das konnte er an Alexas Blick sehen. Doch sie gab nach, bevor er weitersprechen konnte.

„Er hat es versucht. Gestern Abend erst kam er in mein Büro, verschloss die Tür und meinte, es sei Zeit heraus zu finden, was … was du so anziehend an mir finden würdest und ob es ihm nicht auch gefallen würde. Ich habe ihm gesagt, dass ein solches Gespräch weder erwünscht noch angebracht sei und er sich wieder seinen Aufgaben widmen soll. Es hat ihn nicht gekümmert. Er redete weiterhin solch wirres Zeug von wegen, dass meine Zeit des Soldaten spielen vorbei sei und ich mich daran gewöhnen soll, bald nichts mehr zu melden zu haben. Als ich ihn warnte, dass ich ihn wegen solcher Gespräche vom Dienst suspendieren lassen könne, packte er mich am Arm und drohte mir damit, mich schneller auf den Knien vor ihm wieder zu finden, als ich gucken könnte. Es sei schließlich der Platz, den ich verdienen würde. Wie jede andere Frau auch. Er … wollte mich nicht loslassen. Im Gegenteil. Als er noch weiter gehen wollte, habe ich ihm ein Veilchen verpasst, den Arm verdreht, ihn mit der Tischplatte meines Schreibtisches bekannt gemacht und ihm zu verstehen gegeben, dass es das letzte Mal gewesen sei, dass er sich mir gegenüber so verhalten und seinen Platz in dieser Expedition verspielt hätte. Dann habe ich ihn aus meinem Büro geworfen und einen Bericht darüber angefertigt.“

„Verdammt noch mal … das hättest du mir sagen sollen, Alex.“

„Mit solchen Typen hatte ich schon früher zu tun. Wie gesagt, nicht viele, aber ich bin bisher immer mit ihnen fertig geworden, ohne dass ich gleich wie ein zartes Fräulein durch die Stadt gerannt wäre und um Hilfe geschrien hätte. Und den Bericht hatte ich auch bereits fertig.“

„Und wann wolltest du ihn mir geben?“

„Ich wollte in Ruhe mit dir darüber reden. Ich wollte nicht, dass die ganze Stadt Wind davon bekommt. Der Flurfunk läuft ohnehin schon heiß. Und außerdem wollte ich nicht …. ich wollte nicht, dass du, denkst, ich sei …“

„Ich denke nicht, dass du schwach bist. Ich halte dich auch nicht für die typische Jungfrau in Nöten. Ich weiß sehr gut, was du kannst und dass du mit Wyler fertig geworden wärst. Das derzeitige Kunstwerk gefällt mir sogar. Ehrlich gesagt, hätte ich es sogar gerne gesehen“, gab John ruhig zurück.

„Da scheinst du der einzige zu sein. Wenn es nach meinem Vater geht, müsste ich 24 Stunden am Tag eingehüllt in Watte zuhause rumlungern und abwarten. Ich weiß zwar immer noch nicht auf wen oder was, aber Hauptsache, ich sehe nichts, ich höre nichts und kriege nichts mit und ich setze mich auch ja nicht irgendeiner, auch nicht der geringsten Gefahr aus. Es dauert wahrscheinlich auch nicht mehr lange, und ich bekomme einen der Biomed-Sensoren, der mich rund um die Uhr überwacht und dann wehe der armen Ecke, an der ich mir den kleinen Zeh stoße.“

„Alex …“, seufzte John leise. Es tat ihm weh, zu sehen, wie sehr sie das Schweigen und das sonstige Verhalten ihres Vaters mitnahm. Und es musste schon enorm sein, denn er sah gerade in sein eigenes Antlitz und konnte dort die Enttäuschung, die Wut und Verzweiflung erkennen.

„Hör zu, es tut mir leid, dass ich es dir nicht früher gesagt habe. Hätte ich gewusst, dass Wyler sich noch an jemand anderen vergriffen hat, wäre er mir nicht so einfach davongekommen. Mir wurde nichts darüber mitgeteilt und ich lese nicht andauernd in den anderen. Trotzdem, ich wollte heute mit dir darüber reden, aber dann … “ Alexa sah an sich herab, dann zu John oder eher zu ihrem eigenen Körper und auch John konnte nur noch verstehend nicken.

„Na schön … okay. Hast du sonst noch irgendwas von Wyler mitbekommen oder etwas was ihn betrifft?“

„Nur Gerüchte über dich und mich, die wahrscheinlich von ihm kommen.“

„Wir sollten herausfinden, wer die andere Frau ist und was genau passiert ist und zusehen, dass das Ganze nicht noch weiter die Runde macht.“

„Dabei könnte ich vielleicht behilflich sein“, meinte Carol, die ihnen gerade vor der Werkstatt entgegentrat.

„Woher weißt du-“

„Ich war gerade auf der Krankenstation und unterhielt mich mit Jennifer über die Behandlung und Therapie einiger meiner Patienten, als dein Vater mit einer geprellten Hand ankam. Es dauerte nicht lange, bis ich die ganze ungeschönte Wahrheit erfuhr.“

„Darauf wette ich. Dad hat gesungen, hm?“

„Wie ein Vögelchen. Ein stolzes Vögelchen. Er hat mir erzählt, wie er dazwischen ging, als Wyler dich für Sie hielt“, erklärte Carol weiter und sah zwischen John und Alexa hin und her. „Und dass er jetzt in der Brig sitzt. Keine zehn Minuten später informierte mich Lieutenant Darcey, dass sie nun doch bereit sei, mit dir über einen Zwischenfall, der vor etwa eine Woche stattfand, zu sprechen.“

„Darcey ist die Frau, die von Wyler angegriffen wurde?“

„Ja.“

„Und du wusstest das? Warum sagt man mir sowas denn nicht gleich?“, platze es aus John.

„Ich unterliege der Schweigepflicht, John. Darcey hat sich mir erst vor kurzem in einer Sitzung anvertraut. Ich habe versucht, sie zu ermutigen, mit dir darüber zu sprechen oder auch mit dem Commander oder einer anderen weiblichen Vorgesetzten, wenn ihr dies lieber wäre, aber sie wollte nicht. Bis vorhin. Auf der Krankenstation hat jemand mitbekommen, was passiert war und der Flurfunk lebte wieder auf. Darcey wartet in deinem Büro auf uns.“

~~~///~~~

Es führte kein Weg daran vorbei. Nachdem John und Alexa Lieutenant Darcey erst einmal davon unterrichteten, was mit ihnen geschehen war, immerhin sprach sie nun mit ihrem Vorgesetzten in einem Frauenkörper, sprudelte es nur so aus der jungen Frau heraus. Mit jedem Wort, dass die Frau sagte, stieg die Wut in ihm und auch in Alexa. Schlimm genug, das Gefühlschaos in seinen eigenen Augen zu beobachten, aber all die Emotionen von Darcey, seiner Mutter und auch Alexa plötzlich auch noch selbst zu spüren, überwältigte ihn fast. So fühlte sich der empathische Input also an.

Noch mehr irritierte ihn jedoch die Tatsache, dass nach all der Zeit noch immer Probleme und Vorurteile herrschten, die eigentlich nicht mehr existieren dürften.

„Es blieb aber nicht bei unangebrachten Kommentaren und Bemerkungen“, schlussfolgerte John. Er würde ihr dieses Gespräch gerne ersparen, aber das würde niemanden nutzen.

„Nein, Ma´am … Sir.“

„Vergessen Sie mal Rang und Namen und erzählen einfach weiter, Helen.“

„Als ich ihm sagte, dass ich sein Verhalten melden würde und er aus dem Team genommen würde, packte er mich und schubste mich gegen die Wand. Er hielt mich dort fest und sagte, dass es das letzte Mal gewesen sei, dass ich es gewagt hätte, ihm zu sagen, was er zu tun oder zu lassen hätte. Er würde sich von keiner … Schlampe etwas sagen lassen.“

Einmal mehr musste John tief durchatmen um sich zurück zu halten. Aber je mehr er hörte, desto schwieriger wurde es.

„Ich konnte ihn von mir stoßen und sagte ihm, dass er zu weit ging und seine Zeit in Atlantis, im gesamten Stargate-Programm abgelaufen sei. Er war … er war wie ausgewechselt. Er packte mich am Hals und ich habe kaum noch Luft bekommen.“

„Ganz ruhig, Helen. Tief durchatmen“, versuchte Carol die junge Frau zu beruhigen. „Er kann Ihnen jetzt nichts mehr tun.“

„Ich weiß. Ich weiß nur nicht, warum ich fast eine ganze Woche brauchte, bis ich das melden konnte.“

„Mit einem solchen Angriff haben Sie nicht gerechnet“, erklärte Carol weiter.

Helen lachte bitter auf, was die drei Zuhörer stutzen ließ. Dann erzählte sie weiter. „Er sagte, es wäre an der Zeit, dass ich lernen müsse, wo mein Platz sei. Dann leckte er mir über die Wange, versuchte mich zu küssen. Ich hatte alle Hände voll zu tun, mich gegen sein Würgen zu wehren, aber er … er griff mir an die Brüste. Und in den Schritt. Er sagte, dass wenn er mit mir fertig wäre, ich es lieben würde, ihn mit Sir anzusprechen und dass ich es nicht abwarten könne, seine Befehle zu befolgen. Mein Platz sei auf den Knien zu seinen Füßen.“

Wenn John auch nur geahnt hätte, was Wyler sich bisher geleistet hatte, wären die Fäuste von Alexa und seinem Vater nicht das einzige gewesen, was er bekommen hätte. John sah zu Alexa und stellte erschrocken fest, dass Helens detaillierte Berichterstattung Alexa offenbar mehr als bekannt vorkam. Er hatte sie bisher nicht nach Details gefragt, doch er merkte, dass er es besser hätte tun sollen. Allerdings konnte er nun seine Wut kaum noch zügeln und das hörte man, als ihm ein knurren entwich.

„Dann habe ich getreten. In den Schritt. Es hat gereicht, dass er mich losließ und ich … ich habe ihm nochmal ins Gesicht geschlagen. Ich warnte ihn, dass er sich mir nicht nochmal derart nähern soll oder ich würde es melden. Dann machte ich mich daran, alles was passiert war, in einem Bericht zu schreiben.“

„Warum haben Sie das nicht sofort gemeldet, Helen? Warum haben Sie nicht nach Verstärkung gerufen? Warum sind Sie nicht zu mir gekommen? Oder zum Commander?“, wollte John wissen. Er wusste allmählich nicht mehr, wo er die Ruhe und Zurückhaltung hernehmen sollte.

„Alle reden darüber, wie offen und tolerant das Militär gegenüber Frauen sei, aber die Realität sieht ganz anders aus. Sogar Sie, Commander, haben schon mal darüber gesprochen, wie das Leben einer Frau in Ihrem Militär aussah und es klang so einfach und … und sicher. Ich habe hart gearbeitet um so weit zu kommen. Als Kadett habe ich bereits unangemessenes zu hören bekommen und mich beschwert. Ich wurde entweder nicht ernst genommen oder man hat es unter den Teppich gekehrt um die Karriere eines guten Mannes nicht zu gefährden oder zu ruinieren. Als ob meine Karriere nichts wert sei. Einmal wurde es mir als ein Versuch mir eine Beförderung zu erpressen unterstellt. Bevor ich zum Stargate-Kommando kam hat sich mein damaliger Vorgesetzter selbst sexistischer Bemerkungen bedient und mir mit McMurdo gedroht, als ich ihn dabei erwischte, wie er einen weiblichen Senior Airman zwang, seine Stube zu putzen. Auf den Knien.“

„Die Erlebnisse, die Sie hatten sind extrem, Helen, das muss ich zugeben.“, sprach Alexa leise. „Aber auch zu meiner Zeit war es weder einfach noch sicher. Während meiner Ausbildung auf der Akademie hatte ich es mit Ausbildern zu tun gehabt, die glaubten, mein Vater sei ihnen danach etwas schuldig, wenn sie so taten, als würden sie mich und andere Mädchen und Frauen gründlich und gewissenhaft ausbilden. Tatsächlich gab es einige, die glaubten, dass junge Frauen für mehr Ärger als Erfolge sorgen würden. Und sie hatten keine Scheu uns das zu sagen und zu zeigen. Und als ich meinen Posten hier in Atlantis antrat, schreckte es die wenigsten ab, dass mein Vater ein General war. Ich habe niemals versucht einen Vorteil daraus zu ziehen. Nicht bei meiner Ausbildung, nicht bei meiner Arbeit oder sonst wo. In den ersten Monaten wurde ich regelmäßig zum Kommandanten zitiert und musste Rede und Antwort stehen, warum ich immer und immer wieder einige meiner eigenen Untergebenen auf die Krankenstation beförderte oder so viele Versetzungen beantragte.“

Alexa erwiderte Johns stutzenden Gesichtsausdruck mit einem Achselzucken. „Irgendwann änderte sich seine Ansicht darüber, dass ich für mich selbst einstehen und meine eigenen Probleme gut selbst lösen könne, dramatisch. Damals ließ er zum ersten Mal die Wände beben, als es Offizier Emanus fertigbrachte, zu meinem Vater zu gehen und ihm anzubieten, mich zu seiner Frau zu machen, damit ich den Dienst quittieren und er nicht mehr die Befehle eines Mädchens annehmen müsse.“

„Wie bitte?!“, entfuhr es John geschockt. „Ernsthaft?“

„Ernsthaft.“

„Wie alt waren Sie, Ma´am?“

„Und wie hat Ihr Vater reagiert?“

„Ich war zwanzig und stand kurz vor meiner Beförderung zum Captain. Das hat Emanus am Ende auch den Rest gegeben. Das und die Tatsache, dass mein Vater ihn im Schwitzkasten zurück zu mir brachte, ihn das ganze wiederholen ließ, und ich ihn dann zu einem Außenposten am Rande der Galaxie versetzte. Ich dachte, Minus 35 Grad, die dort das ganze Jahr über herrschten, würden ihn etwas abkühlen und guttun. Danach hat mein Vater immer wieder mal damit gedroht, Untergebene zu mir zu schicken, wenn diese unangebrachte Beschwerden vorbrachten. Oder etwas mächtig vergeigt hatten. Manchmal aber auch wenn mein Vater die Person generell nicht ausstehen konnte.“

John schmunzelte und schüttelte den Kopf und auch Helen konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen.

„Nur sprechen Sie ihn nicht darauf an. Im besten Fall streitet er es vehement ab und im schlimmsten Fall ordnet er eine Erkundungstour zu diesem Außenposten an. Mit dem Ergebnis, dass wir wahrscheinlich nicht mehr zurückkommen.“

„Kam dieser Emanus je wieder zurück?“, wollte John wissen.

„Nach zwei Wochen. Um selbst den Dienst zu quittieren.“

John prustete kurz. „Feigling.“

Er hatte schon immer den Eindruck, dass sowohl der General als auch Alexa sich nichts aus Reglements und vorgeschriebenen Vorgehensweisen und stattdessen lieber selbst kurzen Prozess machten. Er musste zugeben, die Vorgehensweise war durchaus interessant.

Alexas Erzählung tat insoweit gut, dass es ein wenig Druck von Helen nahm und die Gesamtsituation etwas entspannte. Trotzdem blieb ein bitterer Geschmack, der John nicht loszuwerden schien. Zumal Alexas empathische Fähigkeiten, mit denen er nun umgehen musste, ihn gerade ganz schon in die Mangel nahm und er den Eindruck hatte, dass es noch viel mehr gab, über das Helen und Alexa berichten könnten. Und er wagte es gar nicht erst daran zu denken, dass womöglich auch seine eigene Mutter ähnliche Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht haben könnte.

„Helen, Wyler ist uns schon vor ein paar Wochen negativ aufgefallen, als er immer wieder Gerüchte in die Welt setzte und gegen den Commander oder mich hetzte. Ich hätte aber niemals gedacht, dass er so weit gehen würde“, erklärte John und sah dann auch zu seinem eigenen Ich. Alexa jedoch schwieg. „Es tut mir leid, wenn ich irgendwann einmal den Eindruck auf Sie gemacht habe, dass Sie mir nicht vertrauen können.“

„Das ist es nicht, Commander. Colonel! Wylers Vater ist ein hochrangiger Colonel bei den Marines. Selbst wenn ich Ihnen früher davon berichtet hätte, würde Wyler nur versetzt werden. Aber sonst passiert ihm nichts. Dafür sorgt schon sein Vater. Bei allem Respekt, Sir, aber ich fürchte Ihr Einfluss wird da nicht reichen.“

„Nicht, wenn es bei einer Aussage bleibt“, gab John zurück und begann seine nächsten Schritte in die Wege zu leiten.

~~~///~~~

Es war gar nicht so einfach für Alexa in Johns Körper die gesamte Expedition in der Kantine zusammenzurufen und über die kürzlichen Ereignisse rund um Wyler zu berichten. Sie wusste nicht, was sie mehr verärgerte. Dass sie praktisch John spielen musste? Dass sie mit Wyler nicht so verfahren konnte, wie sie es früher mit seinesgleichen getan hatte? Dass sich doch tatsächlich noch zwei weitere Frauen und sogar ein Soldat meldeten und Wyler anzeigten?

Vielleicht war es auch ihr Vater, der seinen Missmut über den mehr als entgleisten Erdensoldaten deutlich hervorbrachte, bevor er zunächst John, dann ihr selbst einen Vortrag hielt, der Ihnen noch im nächsten Jahr in den Ohren klingeln würde. Wohlwissend, dass auch dieser zu gerne nach seinen eigenen Vorstellungen vorgehen würde.

Vielleicht war es sogar etwas ganz anderes, dass Alexa selbst nicht wirklich in Worte fassen konnte? Vielleicht war es auch nur die Tatsache, dass sie noch immer in Johns Körper steckte und man noch keine Möglichkeit fand, diesen ganzen Wahnsinn rückgängig zu machen.

Egal was es war, sie hatte sich noch zusammenreißen, mit John die Aussagen der anderen Geschädigten aufnehmen, eine Videoaufzeichnung von einem Angriff von Wyler auf einen seiner Kameraden finden und auswerten, einen ausführlichen Bericht anfertigen und alles für Wylers Rückreise und Anklage vor einem Militärgericht fertig machen können, bevor sie sich dann endgültig zurückzog.

Müde lehnte sie ihre Stirn gegen die kühle Oberfläche des Bugs ihres Fighters, schloss die Augen und atmete tief durch. Wie sollte all das nur weitergehen?

~~~///~~~

So langsam konnte auch John seine eigenen Selbstvorwürfe von den Emotionen manch anderer gar nicht mehr unterscheiden und die gesamte Problematik um sexuelle Belästigung, tätlicher Angriff, ungebührliches Verhalten und ganz zu schweigen seines vertauschten Körpers drohte ihn allmählich zu überfordern. Es war, als ob eine fremde Substanz in der Luft oder vielleicht im Wasser läge und die gesamte Belegschaft den Verstand verlieren ließ.

John hatte selbst beinahe zwei Stunden gebraucht, um sich irgendwie zu beruhigen. Am höchsten Aussichtspunkt zu sitzen und über die Stadt und den Ozean hinweg zu blicken, half da jedoch nicht wirklich.

Auch Rodney und Dorian nochmals etwas Dampf zu machen, endlich einen Weg zu finden, diesen ganzen Wahnsinn rückgängig zu machen, brachte nicht den gewünschten Effekt. Die beiden waren noch immer ratlos.

Das einzige, womit sich John trösten konnte, war die Tatsache, dass die meisten `Eingeweihten´ über den Punkt des Amüsiert seins hinweg zu sein schienen. Es wurde nicht mehr gelacht oder gegrinst, trotz allem blieben einige Verwirrungen und verstörte Blicke nicht aus.

Noch immer hatte er eine Wahnsinns-Lust Wyler aus der Brig zu schleifen und ihm sämtliche Knochen einzeln zu brechen. Am besten vor versammelter Mannschaft so dass jeder die Botschaft verstehen würde. In seinem jetzigen Zustand allerdings würde er weder Alexa noch Lieutenant Darcey einen Gefallen damit tun. Und was mit ihm selbst deswegen geschah … was solls, die Tracht Prügel hätte Wyler und die würde ihm niemand mehr nehmen können.

Je öfter und länger er darüber nachdachte, desto deutlicher glaubte er Caldwells Worte über seinen lockeren Führungsstil wieder zu hören. Der Mann hatte sich in der Vergangenheit mehr als einmal bei ihm darüber ausgelassen, dass sein freundschaftlich gepflegtes Verhältnis zu seinen Untergebenen falsch und fehl am Platze sei und dass es ihm eines Tages übel aufstoßen würde. Ganz zu schweigen, dass er mehrmals versuchte ihm dazwischen zu funken und die Zügel- natürlich nur zu seinem besten und in seinem Interesse- an sich zu reißen. John wollte gar nicht an die Vergangenheit denken und er weigerte sich auch eizugestehen, dass nun jener Zeitpunkt gekommen sein könnte.

~~~///~~~

„Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich Ihnen gratulieren, oder in den Arsch treten soll“, brachte John ruhig hervor, als er vor der Wylers Zelle stand.

Doch kaum hatte sich dieser umgedreht, glitt sein Blick über seinen oder eher Alexas Körper. Es war kein prüfender Blick, soviel stand fest und es widerte John geradezu an. Das einzige was ihm ein klein wenig Befriedigung verschaffte, waren die nicht zu übersehenden Veilchen und die Platzwunde, die man ihm innerhalb von zwei Tagen verpasst hatte. John musste zugeben, dass hätte er seinem alten Herrn gar nicht zugetraut.

„Eigentlich tendiere ich vielmehr dazu, Sie Stück für Stück zur Erde zurück zu befördern“, fuhr John fort.

„Als ob du es draufhättest, es mit jemandem wie mir aufzunehmen“, platze es aus Wyler.

„Oh, ich weiß nicht. Wenn es sogar Colonel Sheppards Vater mit einem Schlag geschafft hat, Ihnen die Lichter auszupusten …“, entgegnete John und musste sich dabei auf die Zunge beißen, nicht mehr zu verraten.

Wylers irritierte Blicke sollten John eigentlich amüsieren, doch er war noch immer derart wütend, dass er kaum wusste, wohin mit sich selbst und er musste sich stark zusammenreißen, nicht doch noch irgendeine Dummheit zu tun und Alexa in Schwierigkeiten zu bringen.

„Sie haben es tatsächlich geschafft, Wyler. Sie werden Atlantis verlassen … mit einer langen Liste von Anklagen, Anzeigen und Beschwerden.  Die Liste Ihrer Verfehlungen ist länger als mein Unterarm. Ungebührliches Verhalten, Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, tätlicher Angriff, sexuelle Belästigung, versuchte Vergewaltigung … und das sogar an vorgesetzten Offizieren.“

„Und nichts davon, wirst du beweisen können“, brachte Wyler grinsend hervor.

„Sicher?“

„Aussage gegen Aussage.“

„Schriftliche Aussagen von Lieutenant Helen Darcey, Staff Sergeant Valerie Morrison und den Doktoren Jasmin Roth und Benjamin Franks. Eine Beurteilung Ihres Dienstes der letzten drei Monate, Zeugenberichte Ihrer Teamkameraden, die mir fast auf Knien dankten, als sie hörten, dass sie Sie loswerden und natürlich meine Aussagen und Berichte. Ganz zu schweigen von der Videoaufzeichnung von vorhin, wie Sie mich packten und in einen Raum zerrten und auch eine Aufzeichnung von Ihnen wie sie Sergeant Nyler in eine körperliche Auseinandersetzung provozierten. Ich bin sicher, wenn das SGC erst einmal hört, weswegen Sie die Rampe im Gateraum des SGCs runter gepoltert kommen, folgen noch einige psychologische Beurteilungen, die mit Sicherheit alles andere als angenehm, geschweigen denn, gut ausfallen werden. Und dann wird man noch weiter in Ihrer Vergangenheit graben, Ihre vorherigen Vorgesetzten fragen und was Ihr Daddy von der Sache halten wird …“

„Ich mache dich fertig“, zischte Wyler aus zusammengebissenen Zähnen und schlug gegen das unsichtbare Kraftfeld der Brig. John zuckte nicht einmal auf. „Ich werde wiederkommen und dich fertig machen. Glaubst du wirklich, dass du damit durchkommst? Du hast hier nur so viel zu melden, wie Sheppard es dir zugesteht. Im Grunde hast du hier gar nichts zu melden. Du bist nicht mehr als ein hübsches Gesicht. Eine hübsche Ablenkung.“

John grinste. „Genau wie Sie es sein werden. Besonders im Vergleich zu Ihren Knastbrüdern in Leavenworth.“ Damit drehte sich John um und verließ einen wild um sich schreienden und drohenden Wyler.

~~~///~~~

„Gibt es endlich Fortschritte?“, verlangte John zu wissen, kaum dass er um die Kurve zum Labor der beiden Wissenschaftler Rodney und Dorian bog.

„Hey Al!“, grüßte Dorian freudig, doch das Lächeln verging ganz schnell. „Tschuldigung. Ganz vergessen.“

„Vergessen, ja? Während du da an dem Übel rumfummelst, hast du vergessen, was es uns angetan hat?“

„Du klingst schon so wie sie!“, platze es weiter aus Dorian, was ihm einen warnenden Blick seitens John einbrachte.

„Hör auf damit, ja? Mir steht echt nicht der Sinn nach solchen Scherzen, okay“, platze es miesmutig aus John, worauf dieser frustriert sein Gesicht in den Händen verbarg. „Sorry.“

„Ist schon okay. Das ist keiner der besseren Tage, die wir haben, hm?“, gab Dorian zurück und ließ seinen Blick über den Colonel im Körper seiner Schwester gleiten.

„Alles okay?“, wollte Rodney wissen und John erkannte Rodneys Besorgnis in dessen Gesichtszügen.

„Nein. Nein, nichts ist okay. Das ist wirklich keiner der besseren Tage. Das ist ein richtig mieser … beschissener Tag und ich kann es nicht abwarten, dieses Arschloch aus meiner Stadt zu befördern.“

„Wie viele?“, wollte Rodney wissen, wohlwissend das John wusste, worauf er hinauswollte.

„Drei Frauen, ein Mann, eine Prügelei mit einem Kameraden … und Alexa.“

„Hm.“

„Was?“, hakte John bei Dorian nach.

„Ach nichts. Ich … ich wundere mich nur, dass dieser Wyler noch am Leben ist.“

„Ich mich auch. Aber dunkellila steht ihm ganz gut. Eine Eisstatue würde mir allerdings noch besser gefallen.“

Dorian stutze nur kurz, bevor er wissend grinste. „Sie hat von Emanus erzählt? Ja, das war was. Pa und Alexa bildeten da eine Front, die niemand so einfach überwinden konnte. Das Bild werde ich nie vergessen, wie er den jappsenden und flehenden Emanus im Schwitzkasten durch die Stadt zu Al schleifte. Und wie sie ihn dann durch das Gate katapultierte. Ahh, die guten alten Zeiten.“

„So viel zum Pazifisten“, meinte John beinahe selbst grinsend und sah zu einem stutzenden Rodney, der selbst beinahe erschrocken zum Antiker-Wissenschaftler sah.

„Ich bin schockiert“, gab Rodney lapidar zurück und blickte wieder zu John. „Auch wenn du vor zwei Stunden erst hier warst, haben wir in der Zwischenzeit ein bisschen was rausfinden können. Zumindest, was das für ein Gerät ist. Aber ich glaube, es wird dir nicht gefallen.“

„Schlimmer kann´s kaum werden, also raus damit“, meinte John resigniert und hockte sich auf einen der Hocker.

„Ich halte mich am besten so kurz wie möglich.“

„Das wäre was neues.“

„Das Gerät diente als eine Art Schlichtungsmittel.“

„Schlichtungsmittel?“

„Ja, ein Schlichtungsmittel zwischen zwei zerstrittenen Parteien. Der Tausch der Körper ist insoweit beabsichtigt, damit diese ein besseres Gefühl und Verständnis für den anderen aufbringen und sich versöhnen können. Die Wirkung lässt nach 1 Woche von selbst nach.“

„Soll das ein Witz sein?“, entfuhr es John knurrend.

„Was? Kürzer geht es jetzt wirklich nicht mehr.“

„Was redest du da von Streit? Alex und ich haben seit Tagen … seit Wochen nicht mehr gestritten!“

„Ja, aber nur, weil ihr beide im Wechsel ausgeknockt auf der Krankenstation gelegen habt!“, erwiderte Rodney nicht minder aufgebracht. „Dauert bestimmt nicht mehr lange und das ganze Theater geht von vorne los!“

„Das ist doch Quatsch! Und was ist mit den Leuten, die gar nicht zerstritten sind?“

„Naja … vielleicht gibt es doch noch etwas, wo ihr euch nicht einig seid und diese Maschine erkennt das. Was weiß ich? Ihr hättet einfach die Finger bei euch behalten sollen! Was erwartest du jetzt eigentlich von uns?“

„Das ihr einen Weg findet das ganze rückgängig zu machen!“

„Die Wirkung lässt doch nach einer Woche nach!“

„Vielleicht solltet Ihr beide das Gerät ausprobieren“, wandte Dorian frech grinsend ein, worauf er mit geradezu mordlüsternden Blicken von den beiden anderen Personen bedacht wurde. Schnell trat er einen Schritt zurück. „Oder auch nicht.“

„Keine Woche, Rodney! Das Ganze wird so schnell wie möglich rückgängig gemacht, verstanden? Am besten heute noch“, platze es aus John. Dann glitt er vom Hocker und schritt wutentbrannt aus dem Labor.

„Warum hast du ihm nicht gesagt, dass das Ganze auch schneller geht?“, fragte Dorian, lange nachdem John verschwunden war.

„Wahrscheinlich aus demselben Grund wie du“, erwiderte Rodney. „Je weniger sie wissen, desto eher vertragen sie sich wirklich und desto schneller herrscht hier wieder Ruhe. Das ist gut für jedermann. Keine Sorge. Sie streiten sich noch einmal kurz und dann versöhnen sie sich.“

„Reines Wunschdenken.“

„Klare Fakten. Ich kenne Sheppard schon lange“, erwiderte Rodney gelassen. „Vertrau mir.“

„Aber du kennst meine Schwester nicht. Vertrau du lieber mir.“

~~~///~~~

Während John die Stadt auf der Suche nach Alexa durchstreifte, fragte er sich nur kurz, warum Wyler sich so verhielt. War etwas vorgefallen? War er mit einer fremden Substanz in Kontakt gekommen, die ihn durchdrehen ließ? Oder hatte womöglich ein fremdes Wesen Besitz von ihm ergriffen? Er versuchte die Grübelei abzustellen und hoffte, dass die Ärzte und Psychologen etwas finden würden.

Es dauerte auch nicht lange bis man ihn darüber informierte, dass in Wylers Blut keine Auffälligkeiten und auch sonst keine Anzeichen für Fremdeinfluss oder sonst irgendwas zu finden war. Seine insgeheime Hoffnung, dass Wyler nur ein Arschloch war, das durchdrehte und dass man ihm nun im Knast beikommen würde, erfüllte sich also. Er war so froh, dass er ihn nun loswurde. Nur war es mehr als bedauerlich, dass so viele Leute erst unter ihm leiden mussten. Für einen weiteren Moment verfluchte John sich selbst dafür, nicht früher gehandelt oder es zumindest früher gemerkt zu haben. Irgendwas lief schief und es musste gehandelt werden.

Er fand sie in ihrer Werkstatt vor. Natürlich. Da John den einzigen Ort an dem nicht nur er, sondern auch Alexa sich am wohlsten und am ungestörtesten fühlte, mit seinem vor-sich-hin-brüten besetzt hatte, zog sie sich an den zweitbesten Platz zurück, wo ihr Ruhe und Abgeschiedenheit garantiert waren. Dorian machte seit dem Zwischenfall mit ihrem „mysteriös verschwundenem“ Werkzeug einen großen Bogen um Ihre Werkstatt und selbst der General betrat den Raum nur, wenn man ihm zuvor eine schriftliche Einladung ankündigte und überreichte. Zumal Alexa den Zugang vor kurzem ohnehin auf sich selbst und John beschränkt hatte, sollten die Türen einmal nicht offen stehen.

Alexa regierte mit einem seufzen, als sie seine Anwesenheit zuerst spürte und dann einen kurzen Blick auf ihn erhaschte. John hingegen blieb am Eingang stehen und sah eine ganze Weile zu, wie sie den Antrieb ihres Fighters offenbar Stück für Stück auseinandernahm und dabei jedes einzelne Teil sorgfältig betrachtete.

„Hast du den Fehler noch nicht gefunden?“, fragte John nach einer Weile.

„Das selbe könnte ich dich fragen“, gab Alexa zurück ohne in ihrer Arbeit inne zu halten.

Das war mehr als deutlich. Wie weit waren ihm die Dinge schon aus der Hand geglitten, dass nun sogar Alexa ihm das vorwarf?

„Wyler wird morgen auf die Erde zurückkehren. Mit einer ganzen Reihe, Anschuldigungen, Anzeigen, Berichten und Beweismaterial. Er wird aus Leavenworth wohl nicht mehr rauskommen. Und wenn, dann nicht mehr lebend“, murmelte John zum Schluss.

„Und das soll mich jetzt erfreuen, oder wie?“, zischte Alexa laut auf und warf das nächste Teil ihrer Maschine unsanft zu den anderen.

„Was würde dich denn erfreuen?“, forderte John nicht minder laut zu wissen.

„Zu sehen, wie er sich zwei Wochen bei Minus 35 Grad schlägt“, knurrte Alexa und griff wieder in ihre Maschine rein, nur um dann plötzlich erschöpft inne zu halten und Ihre Stirn gegen das kalte Metall zu lehnen. „Um ihn dann dort zu vergessen“, wisperte sie und schloss ihre Augen.

John trat näher, betrachtete sie genauer und lehnte sich dann selbst lässig mit verschränkten Armen an ihren Fighter. Ganz dicht neben sie. „Das würde mich auch ziemlich freudig stimmen. Fast so sehr, wie ihm dabei zusehen, wie er seine Zähne und andere Einzelteile im Schnee und im Eis zusammensuchen müsste, nachdem ich sie ihm erst einmal hinterhergeworfen hätte.“

Das lies Alexa doch tatsächlich ein wenig schmunzeln. Zumindest hoffte John das es ein schmunzeln war. Es war merkwürdig, um nicht zu sagen schwer, fremde Emotionen in seinem eigenen einstigen Gesicht zu erkennen.

„Oder zu sehen, wie er sich im Schwitzkasten deines Vaters macht und danach von dir durchs Gate geworfen zu werden. Ich glaube … das würde uns beiden ganz guttun.“

„Ja … nachdem jeder einen Schwinger in Wylers Gesicht frei gehabt hätte“, wisperte Alexa und entfernte sich von ihrer Maschine. Sie konnte ihn nicht ansehen. Wenn sie ihn jetzt ansehen würde, würde er spüren … wie es in ihr aussah. Er würde spüren, was sie empfand. Was sie für ihn empfand. Dazu war sie nicht bereit. Noch nicht.

„Noch besser“, erwiderte John und beobachtete, wie sie begann, eines der ausgebauten Teile an einem Tisch auseinanderzunehmen. „Ich habe mit Wyler nicht anders verfahren können. Ich muss mich an die Gesetze und Vorschriften in solchen Fällen halten. Verdammt, jetzt klinge ich schon wie Woolsey.“

„Denkst du wirklich, dass es das ist, was mich so …“

„Was soll ich sagen, Alex? Ich habe mit Wyler einen Fehler gemacht. Ich habe nicht aufgepasst. Ich war so sehr mit anderen Dingen beschäftigt, dass ich den Überblick und das Wesentliche aus den Augen verloren habe und … überhaupt.“

„Nicht nur du“, gab Alexa leise zu. „Man sollte meinen, dass Elitesoldaten mit jeder Situation fertig werden und immer wissen, was zu tun ist. Stattdessen … stattdessen habe ich zugelassen, dass meine persönlichen Angelegenheiten derart die Überhand gewonnen haben, dass sogar die ganze Stadt davon beeinflusst wurde.“

„Dazu gehören immer zwei, Alex“, meinte John, doch Alexa schüttelte den Kopf.

„Nein, John. Ich habe meine … ich habe die Gefühle und das Verhalten eines einzelnen, Dinge, die ich im Grunde gar nicht kannte, als Vorwand genutzt und sie jemand anderem angehangen und sie so lange gedreht und gewendet, wie ich es brauchte, bis ich … bis ich besser mit allem zurechtkam als mit der Wahrheit.“

„Was ist denn die Wahrheit?“, wollte John wissen. Er wusste, dass sie von Darius sprach. Er konnte ihre Wut, Ihren Schmerz und Ihre Enttäuschung nur allzu deutlich in seinem eigenen Gesicht ablesen.

„Wenn ich das nur wüsste“, wisperte sie leise. „Vielleicht … vielleicht ich wollte einfach nicht, dass er womöglich Recht hat.“

„Womit?“

„Bevor er ging … bevor er endgültig ging, hat er einige Dinge gesagt, die … ich damals nicht hören wollte. Ich würde sie auch heute nicht hören wollen, aber … ich würde mich mittlerweile selbst belügen, wenn ich sie noch immer abstreiten würde. Aber wenn ich mich noch weiter dagegen wehre … dann wird alles nur noch schlimmer und die Schäden nur noch größer“, erkläre Alexa müde und drehte sich zu ihm ohne ihn jedoch anzusehen. „Ich wollte einfach nicht, dass er Recht hat.“

John seufzte und schloss die Augen. Es war an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen. „Da sind wir schon zu zweit.“

Stutzend sah sie zu ihm. Besser gesagt zu ihrem eigenen Körper. Sie sah, wie er den Kopf hängen ließ, bevor er sich dann auf den Boden setzte und sich an das Vorderrad lehnte. „In der Nacht bevor er ging, erschien er in meinem Quartier und hat einige Dinge gesagt, die … dir wahrscheinlich noch weniger gefallen würden.“

„So etwas wie, dass er mich freigeben muss, da ich bald einem anderen gehören würde und so was?“, platzte es resigniert aus Alexa, was John jedoch schlucken ließ.

John nickte. „So in etwa. Dann noch so was, wie … dass du in Gefahr wärst, dass ich dich schützen müsste und … dass du mich brauchen würdest.“

John sah wie ein begossener Pudel zu ihr hinauf und rechnete jeden Moment mit dem Ausbruch eines Super-Vulkans. Doch sie blieb ruhig. Stattdessen, war ein winziges und irgendwie trauriges Lächeln zu erkennen, bevor sie mit dem Kopf schüttelte. „Du hast mir das eigentlich nicht erzählen wollen, weil du dachtest, ich würde denken, dass du wie er denkst, nicht wahr?“

„Unter anderem, ja. Ich weiß, dass du … du all das spüren kannst, aber ich hatte trotzdem die Befürchtung, dass du es vielleicht nicht …“

„Dass ich es missinterpretiere? Dass ich denken würde, alle Männer seien gleich?“ Alexa wartete nur kurz auf Johns Antwort, die lediglich in einem stummen Blick folgte. „Ich wollte in ihm lesen. Aber es ging nicht. Ich konnte es einfach nicht. Als ich ihn darauf ansprach, meinte er, dass seine Gefühle zu stark seien, als dass ich sie lesen könne. Ich könne nicht mit ihnen umgehen. Sie würden mich überwältigen.“

„Und … hatte er recht?“

„Ich habe es versucht. Ich habe es so sehr versucht, aber … er hatte nur insoweit recht, dass es nicht seine Gefühle waren, die so stark sind“, gab Alexa leise zurück und sah zum ersten Mal seit John gekommen war, zu ihm.

„Tut mir leid.“

„Nein! Nein, das muss es nicht. Wirklich nicht. Dafür musst du nicht entschuldigen. Ich … ich kann damit umgehen, John. Vielleicht nicht so schnell, wie ich es will … wie wir beide es gerne wollen, aber mit der Zeit komme ich immer besser damit klar und irgendwann …“

John lächelte und Alexa erwiderte sein Lächeln, als sie nach seiner ausgestreckten Hand griff und sich ganz dicht neben ihn auf dem Boden niederließ.

~~~///~~~

John hatte es geradezu genossen, dass Alexa die halbe Nacht so dicht bei ihm gesessen, und er dadurch sogar ihre Körperwärme an seiner Seite wahrgenommen hatte. Sie hatten in die halbe Nacht hineingeredet. Gut, Alexa hatte die meiste Zeit geredet und doch hatten sie beide sich miteinander aussprechen können. Ruhig, vertrauensvoll, versöhnlich. Sie versprachen sich gegenseitig, in Anbetracht der momentanen Situation so viel Respekt und Verständnis für den jeweils anderen aufzubringen, wie es die Situation erlaubt. Oder ihnen eher abverlangte, denn die simpelsten und alltäglichsten Dinge wurden für beide langsam etwas unangenehm.

Mit Anbruch der anderen Hälfte der Nacht weigerte Alexa sich jedoch in ihr Quartier zurück zu gehen. Sie würde dort keine Ruhe finden, hatte sie gemeint.  Entweder wären ihr Bruder oder ihre Eltern ständig unter irgendeinem Vorwand zu ihr ins Quartier geschlichen. Und das nur um zu sehen, wie es ihr ginge. Für Dorian wäre es wohl interessant gewesen, welche Anzeichen und Symptome sie durch dieses unheilvolle Gerät noch zeigen könnte und wenn es nach ihren Eltern ginge, wäre sie nach dem Biss dieses Mistviehs auf dem paradiesischen Planeten noch immer nicht völlig geheilt und müsste ständig mit augenscheinlichen Untersuchungen und dem medizinischen Scanner gepiesackt werden.

Tatsächlich wurde sie noch immer sehr schnell müde und schlief auch sehr viel. Doch John merkte auch, dass sie langsam wieder mehr aß und nicht mehr ganz so dürr erschein. Seiner Meinung nach, ging es ihr erheblich besser. Sie war noch nicht wieder hundertprozentig fit, aber auf gutem Wege.

Er lächelte, als er die Augen aufschlug und sie schlummernd in ihrem Schlafsack neben sich liegen sah. Es war seine Idee, zwei Schlafsäcke aus der Ausrüstung eines Jumpers zu „leihen“ und es sich unter ihrem Fighter in ihrer Werkstatt gemütlich zu machen. Alexa war von der Idee begeistert.

Mit Sicherheit hatte der General bereits die ganze Stadt nach ihr und schlussendlich auch nach ihm abgesucht. Andererseits hatte er sich bestimmt denken können, wo sie sich befanden. Er hoffte nur inständig, dass er nicht doch noch in seiner allmählich übertriebenen Fürsorge hier rein gepoltert kam und die Wände beben ließ.

John konnte dem Drang nicht widerstehen und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Erst dann bemerkte er, dass sich etwas verändert hatte. Sein Blick glitt zu seiner Hand, hinauf zu seinem Arm. Er richtete sich ruckartig auf und blickte weiter an sich herab. Dann hörte er leises rascheln an seiner Seite, als Alexa erwachte. „Was ist denn los?“

John grinste nur zur Antwort als er zu ihr blickte. Sofort war sie hellwach und sah auch an sich selbst herab. Wieder traf ihn dieses unwiderstehliche Lächeln, bevor beide aufsprangen und aus der Werkstatt rannten.

~~~///~~~

„Die Iris ist offen, Richard. Sie können Wyler herschicken. Er wird schon sehsüchtig erwartet“, entfuhr es General Landry missmutig.

„Er ist unterwegs. Der Datentransfer beinhaltet alle Anzeigen, Berichte, Beurteilungen und Untersuchungsergebnisse der letzten drei Monate und sollte Sie in Kürze erreicht haben“, erwiderte Richard, der sich mit General Thalis für das kurze Gespräch mit Landry in das Büro zurückgezogen hatte.

Zu Beginn des Gesprächs war es für Landry noch höchst amüsant zu erfahren, was sich durch die Entdeckung eines weiteren Antiker-Gerätes zwischen Sheppard und der Antikerin ereignet hatte. Doch das wandelte sich schnell, als Richard den Mann über die weniger lustigen Zwischenfälle informiert hatte. Und Tristanius Verärgerung tat sein Übriges dazu.

„Der Datentransfer ist bereits abgeschlossen und Walter kümmert sich um alles weitere. Ich werde mich darum kümmern, dass mit Wyler schnellstmöglich verfahren, und er noch schneller meinen Stützpunkt verlassen wird. Wo sind der Colonel und der Commander?“

„Sie … haben es sich zur Aufgabe gemacht, Wylers Rückreise zu Ihnen vom Gateraum aus selbst zu überwachen.“

„Ah ja?“, entfuhr es Landry mit zweifelnd hochgezogener Augenbraue.

~~~///~~~

An Händen und Füßen gefesselt wurde Wyler in den Gateraum geführt. John und Alexa hatten ihn dort bereits erwartet. Genauso wie ein Großteil der Besatzung. John würde jedoch niemals zugeben, dass ihm das gefiel. Und noch weniger, dass er selbst dafür gesorgt hatte. Er hatte noch eine Rechnung offen und er wollte sie für jeden sichtbar und verständlich begleichen.

„Das ist noch nicht vorbei, Sheppard.“

„Da haben Sie Recht, Wyler. Für Sie ist es noch lange nicht vorbei. Wir aber werden Sie bis spätestens heute Mittag vergessen haben.“

„Ich komme wieder. Ich komme wieder und dann werde ich Sie fertig machen. Und dich …“, zischte Wyler und rückte dicht an Alexa ran. „Für dich lasse ich mir was Besonderes einfallen. Du wirst mich noch um Verzeihung bitten. Auf Knien wirst du mich um Verzeihung bitten.“

„Meinen Sie so?“, fragte Alexa kurz, lies ihr Knie mit aller Kraft in die Höhe schnellen und traf ihn am empfindlichsten Punkt. Ein erstickter Laut entfuhr seiner Kehle, die Farbe wich ihm aus dem Gesicht und er sank auf die Knie und kippte dann gänzlich zusammengekrümmt zu Boden.

Nur leicht bog sie sich zu ihm herab. „„Falls es immer noch nicht klar ist … das war für Darcey, Morrison, Roth und Franks.“

Bevor Alexa ein weiteres Mal Wyler angriff, trat John vor und packte Wyler am Kragen und zog in auf die Beine

„Und dabei hält sie sich noch zurück. Ich mich nicht.“ Johns rechter Haken traf ihn im Gesicht und man konnte nicht nur das Knacken des Nasenbeines hören, nein, Wyler wurde abermals zu Boden geschickt und schlitterte bis unmittelbar vor das Gate. Spätestens morgen wäre seine Gesichtsfarbe eine ganz andere.

Schmunzelnd sah Alexa zu John, doch John bemerkte auch ein wenig Bewunderung in ihrem Blick. Dann schlenderte er wieder zu Wyler und zog ihn abermals auf die Füße. Einige Male schnippte er mit den Fingern vor dessen Gesicht bis er wieder ganz bei sich war.

„Das war für mich. Und jetzt wäre es besser, wenn Sie nichts mehr von sich geben, Wyler. Sonst überlege ich es mir noch mal, doch noch die ganze Stadt auf Sie loszulassen.“

„Dafür werden Sie zahlen, Sheppard!“

„Wissen Sie was? Sie können gerne Beschwerde einreichen. Und sollten Sie tatsächlich das Glück haben, mit irgendwas durchzukommen, dann will ich mir meinen Verweis wenigstens verdient haben“, platze es aus John, bevor er abermals die Faust schwang und mit voller Wucht Wylers Magen traf. Wieder krümmte er sich, doch John nutze die Gelegenheit, wirbelte Wyler herum und beförderte ihn mit einem Tritt in dessen Hintern durch das Gate.

~~~///~~~

Auf der Erde beobachtete Landry, wie Sergeant Wyler kopfüber und ohne irgendeinen Halt zu finden die gesamte metallene Rampe hinunterpolterte, sich mehrmals überschlug und auf dem harten Betonboden zum Liegen kam. „In eine Zelle mit ihm!“


Mehr „Freitage“ folgen demnächst ….

Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis. Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

2 Kommentare:

  1. Hallo Shahar,
    ich habe die beiden Freitage natürlich direkt nach Veröffentlichung bereits gelesen und damals nicht kommentiert, aber ich dachte, ich kann das jetzt noch nachholen.
    Ich liebe die Alexa-Saga einfach immer noch total und würde mich freuen, wenn Du irgendwie die Zeit findest, noch weiterzuschreiben. Ich warte auch, kein Problem. Nut bitte brich sie nicht ab, wenn es irgendwie geht! Ich möchte doch so gerne wissen, wie es mit John und Alexa weitergeht…

    LG Adrianathysa

    • Hey, freu mich von dir zu lesen. Noch mehr, dass du noch dabei bist.
      Ich werde die Story nicht abbrechen. Nur weiß ich nicht, wann ich dazu komme, weiter zu schreiben.
      Zur Zeit bin ich ganz schon im Stress. Ich hoffe immer noch dass sich das bald legt.
      Die Freitag Reihe ist im Moment ein bisschen schwierig für mich, da die Handlung der nächsten mit der Corona-Lage in Verbindung kommt und das obwohl ich die Idee schon lange davor hatte. Und irgendwie fühle ich mich damit nicht so ganz wohl.
      Ich muss mir was anderes ausdenken, was im Moment eher schwierig für mich ist. Aber ich bleibe dran.

Schreibe einen Kommentar zu Shahar Jones Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.