Hidden Wish

Titel: Hidden Wish
Series:
Alexa-Saga
Series Order:
15
Genre:
Adventure, Action, Drama, Friendship, Romance, Hurt/comfort
Warnings:
Torture,
Disclaimer:
Mir gehört nix, ich tue auch nicht so, als würde es mir gehören. Es ist alles nur aus Spaß und zur Unterhaltung. Mich zu verklagen, bringt nix, wäre nur Geldverschwendung, da ich damit auch nix verdiene.

Kurzinhalt: Es sollte eine normale Erkundungsmission sein, doch dann kehrt AR-1 ohne John Sheppard zurück. Dieser findet sich als Gefangener eines nicht ganz so primitiv geglaubten Volkes wieder, dass an die Geheimnisse der Atlanter gelangen will. Während man sich in Atlantis auf eine Befreiungsaktion vorbereitet, muss John einen Weg finden, sich gegen die qualvollen Verhörmethoden zur Wehr zu setzen …

~~~///~~~

Das Tor aktivierte sich unplanmäßig, was selten ein gutes Zeichen war. Und auch dieses Mal hatte Richard kein gutes Gefühl zumal Rodney und Teyla hastig durch das Gate in den Gateraum stolperten, während Ronon auf dem Rücken über den Boden rutschte und mit seiner Waffe auf das noch offene Wurmloch zielte und einige Schüsse abgab.

„Was ist los? Was ist passiert?“, verlangte Richard zu wissen.

„Wir brauchen sofort eine Marine-Einheit und müssen zurück!“, japste Rodney antwortend.

Richard ließ einen Blick über die Gruppe gleiten, bevor ihm das Offensichtliche auffiel. „Wo ist der Colonel?“

„Noch auf M47-P32. Wir müssen sofort los und ihn befreien!“

~~~///~~~

John wurde wach und war gefesselt. Nicht an einen Stuhl, nicht an eine Wand und auch nicht einfach mit hinter dem Rücken zusammengebundenen Händen. Nein. Beinahe stehend hing er an einer Apparatur, die jegliche Bewegung unmöglich machte. Zumindest glaubte John, dass es dieses Ding war, das ihm das ekelhafte Gefühl von Kribbeln und gleichzeitiger Lähmung verschaffte.

Er versuchte irgendwie einen Bezug zu einem Horror- oder Science-Fiction-Film zu finden, doch es wollte ihm nur der Virtual Reality-Kokon aus dem Stargate-Center einfallen, den man einst nutzte, um die Soldaten zu trainieren. Beinahe musste er über diese Ironie schmunzeln. Er hielt damals nicht viel von solchen Methoden. Andererseits hatte eine modifizierte Version dieses Teil schon einmal Rodneys und auch sein Leben gerettet. Doch irgendwie bezweifelte er, dass er dieses Mal so glimpflich davonkäme.

„Was wollen Sie?“, krächzte John. Mittlerweile erinnerte er sich daran, von einem verdammten Stunner erwischt worden zu sein. Er hoffte zumindest, dass es ein Wraithstunner gewesen war, der ihn traf, als er sich mit seinem Team zurückziehen wollte und er hoffte auch, dass zumindest seine Leute davongekommen waren. Und alsbald mit Verstärkung zurückkämen.

„Ich dachte, das hätten wir bereits deutlich gemacht“, gab sein Entführer lapidar zurück. „Sie werden uns alles sagen, was es über die Stadt der Vorfahren zu wissen gilt.“

„Oh … tja, wo soll ich da anfangen?“

„Ihre Größe, ihre Technologie, die Anzahl der Bewohner, ihre Verteidigungsmöglichkeiten …“, fuhr sein Kidnapper gelassen fort.

„Wollen Sie es in alphabetischer Reihenfolge oder nach Dringlichkeit?“

„Falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten, Colonel, Sie sind an eine unserer Maschinen angeschlossen. Es ist eine beeindruckende Maschine. Über die Sensoren, welche sich an Ihrem Kopf befinden, ist sie mit Ihrem Gehirn verbunden. Sie hindert Sie nicht nur daran, sich zu rühren, wie Sie mittlerweile gemerkt haben dürften, sie liest auch Ihre Gedanken. Ich kann Sie fragen was ich will und natürlich können Sie sich noch so sehr weigern, mir Antworten zu geben oder ausweichen. Was ich damit sagen will, ist, dass Sie es sich einfach machen und die Antworten einfach denken können oder Sie machen es sich schwer und … es wird schmerzhaft für Sie. Aber so oder so, die Maschine wird mir die Antworten liefern, die ich will.“

„Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich Ihnen irgendwas verrate? Auf welche Weise auch immer.“

Sein Kidnapper ließ seinen Blick über John gleiten, schürzte die Lippen und nickte dann kurz aber bedächtig. Dann griff er zu einem Panel, das mit Knöpfen und Reglern geradezu überfüllt schien. „Die schwere Variante dann.“

John sah noch, wie er einen Schalter betätigte und schon schien sein Schädel geradezu zu explodieren.

~~~///~~~

4 Stunden zuvor in Atlantis

John hatte noch nicht einmal die Krankenstation betreten, da musste er sich schon krampfhaft auf die Zunge beißen und sich das Lachen verkneifen, als er sah und hörte, mit welchen Versuchen Alexa ihre Mutter zum Verlassen der Krankenstation weich kochen wollte. Umso beeindruckender war Elishas Beharrlichkeit. Andererseits war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Drohung mit dem Narkoseinjektor wieder aufkäme.

„Alexa, du hast sechzehn Tage in Koma gelegen. Du wirst dich kaum auf den Beinen halten können“, erklärte Elisha mit den letzten Fünkchen Geduld.

„Ich will doch nur zum nächsten Balkon. Das ist nicht weit. Das kriege ich schon hin“, gab Alexa zurück. Sie schwang die Beine über den Rand des Bettes und John konnte sehen, wie viel Anstrengung es sie kostete, überhaupt bis zum Ausgang zu kommen. Danach lehnte sie sich lässig an den Türrahmen und versuchte sich nichts anmerken zu lassen.

„Du hast es gerade mal zur Tür geschafft und glaube ja nicht, ich wüsste dein lässiges Anlehnen nicht zu deuten. Wenn die Tür nicht wäre, würdest du umfallen wie ein nasser Sack.“

„Ich will doch nur mal kurz hier raus. Ein bisschen Luft, ein bisschen Sonne und vielleicht mal eine nette kleine Dusche statt des blöden Schwammbads“, entgegnete Alexa kleinlich.

Elisha ließ prüfend ihren Blick über ihre Tochter gleiten und John wurde abermals Zeuge davon, wie die junge Antikerin es mit nur einem Blick schaffte, ihren Willen durchzusetzen.

„Na schön. Aber du wirst nicht allein gehen. Ich habe noch ein Meeting mit Jennifer und Carson. Wenn du dich noch ein wenig geduldest, kann ich dich danach in einen Rollstuhl verfrachten und wir beide fahren für ein Stündchen auf den nächsten Balkon. Danach gibt es ein Bad. Für eine Dusche reicht deine Standfähigkeit noch nicht aus.“

Es kam noch besser, bemerkte John, als er zusah, wie Alexa mit ihrer Mutter über die Wartezeit, die Dauer ihres Besuchs auf dem Balkon und zuletzt das versprochene Bad feilschen wollte. Ehe er sich versah, erklärte er sich bereit für Elisha einzuspringen und Alexa zu einem der Balkone zu begleiten, darauf zu achten, dass sie auch brav ihre Schonkost verzehrte und sie nicht zu lange in der prallen Sonne sitzen zu lassen.

Doch er und Elisha blieben eisern, als Alexa die beiden in eine Verhandlung über den allseits verhassten Rollstuhl verstricken wollte. Erst als John meinte, dass er sie auch liebend gerne durch Atlantis tragen würde, fand sich Alexa zähneknirschend mit dem Rollstuhl ab.

~~~///~~~

Alexa hasste den Rollstuhl mit einer Inbrunst, die nicht in Worte zu fassen war, doch die frische Meeresbrise, die ihr durch das Haar wehte und die ersten Sonnenstrahlen, die sie trafen, ließen sie das Gefährt schnell wieder vergessen.

Zudem hatte John ihr eine ganze Weile über die letzten zwei Wochen vor allem aber über ihren Fighter berichtet. Es überraschte sie, dass John sich in all dieser Zeit so intensiv um ihr Projekt gekümmert hatte.

„Ich werde die Berechnungen noch einmal durchgehen“, meinte John, als er sich neben sie auf eine Bank setzte. „Vielleicht habe ich etwas übersehen. Was gut möglich wäre, denn das meiste ist selbst mir ein wenig zu hoch. Aber komme noch dahinter.“

„Warum? Warum machst du dir all diese Arbeit? Warum willst du …?“

„Er ist dir wichtig. Du hast lange an ihm gearbeitet, sehr viel Zeit und Mühe in ihn gesteckt und ich kann mir vorstellen, dass er in gewisser Weise ein Teil von dir ist. Ich weiß, wie weh es tun würde, wenn du ihn einfach aufgeben würdest.“

„Nicht, weil er für die Erde und das Stargate-Kommando oder für das Militär im Allgemeinen sehr interessant wäre?“

„Das mag vielleicht auf die Leute vom SGC oder dem Pentagon zutreffen. Auch wenn ich hoffen will, dass es auch unter ihnen einige gibt, die wissen, was er zu bedeuten hat und ihn zu schätzen wissen.“

„Was hat er denn zu bedeuten? Was bedeutet er dir?“

„Für das Militär wäre es ein beeindruckendes Stück Technologie, dass trotz seines Alters von über dreizehntausend Jahren ziemlich nützlich wäre. Es würde die 302er auf den zweiten Platz werfen und rechnet man die Jumper mit, sogar auf den dritten Platz. Für die Verteidigung von Atlantis und anderen Basen und als Staffel an Bord unserer Schiffe wäre der Fighter unverzichtbar. Das ist wohl klar. Für mich … als Pilot muss ich zugeben, dass ich mehr als neugierig auf ihn bin. Wer wäre das nicht? Aber persönlich … weiß ich einfach, was er dir bedeutet.“

Den Rest ließ John unausgesprochen, doch er sah, dass Alexa eben jenes Ungesagte verstand.

„Ich glaube nicht, dass es an irgendeiner Berechnung liegt“, entgegnete Alexa nach einer Weile. „Vielleicht ist es einfach eine simple Fehlfunktion oder fehlerhaftes Material. Ich habe mir damals alles mühsam zusammensuchen und zusammenbauen müssen und manches Material habe ich erst weiterverarbeiten und veredeln müssen. Vielleicht ist mir da ein Fehler passiert. Wenn man bedenkt, wie …“

„Wie was?“, fragte John weiter nach, doch Alexa schüttelte nur mit dem Kopf.

„Wahrscheinlich war ich das eine oder andere Mal einfach nicht richtig bei der Sache.“

Und dieses Mal war es John, der das Unausgesprochene verstand. Er wusste, dass Alexa kurz vor Darius Tod mit dem Bau des Fighters begann und er konnte sich denken, dass es nach seinem Verschwinden nicht leicht für sie gewesen sein musste. Umso mehr wunderte er sich nun, dass sie dies zwar mit wenigen Worten zugab, dabei aber nicht wieder Gift und Galle spuckte.

„Es tut mir leid.“

„Was?“ platze es aus John. Hatte er gerade den Themenwechsel nicht mitbekommen?

„Es tut mir leid, wie … wie ich mich in letzter Zeit aufgeführt habe.“

„Mir auch“, gab John leise zurück und vermied es, wie Alexa, seine Gesprächspartnerin anzusehen.

„Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe.“

„Tja, na ja, ich hatte es wohl verdient. Ich hatte Dinge gesagt, die ich nicht hätte sagen sollen.“

„Obwohl du Recht damit hattest.“ Nun sah John zu ihr, wenn auch nur kurz. „Ich habe mich weder dir noch ihm gegenüber richtig verhalten. Ich verstehe einfach nicht, was hier vor sich geht. Was hier passiert, aber das war kein Grund so … durchzudrehen.“

„Am Ende sind wir alle nur Menschen“, gab John salopp zurück. „Wir finden raus, was hier vor sich geht, was mit uns passiert. Aber zuerst musst du wieder auf die Beine kommen.“

„Wir könnten vorher schon anfangen und dazu bräuchte ich noch nicht mal meine Beine.“

„Natürlich nicht, wenn ich dich tragen darf.“

Zuerst warf Alexa ihm einen nicht wirklich zu deutenden Blick zu, doch dann erkannte John ein winziges Lächeln auf ihren Lippen. „Na schön, dann werde ich dich eben weiter durch die Flure schieben.“

„Und das kannst du wirklich gut“, neckte Alexa den Soldaten, während sie einen Datenkristall mit ihrem Computer verband.

„Danke. Also was hat es mit dem Ding da auf sich?“

„Das Ding da beherbergt einige Daten und Informationen aus meiner Vergangenheit. Ich dachte mir, ich sehe sie mir mal an und vielleicht bimmelt da was.“

„Klingelt, Alexa. Es heißt vielleicht klingelt da was.“

„Dir macht das wirklich Spaß!“, stellte Alexa fest, doch im Gegensatz zu Johns Verdacht, sie würde gleich wieder an die Decke gehen und ihn zusammenstauchen, brachte sie ihm ein Lächeln entgegen, das er schon lange nicht mehr gesehen hatte und das ihn geradezu fesselte.

„Mehr als du glaubst. Also, du denkst, dass du herausfinden kannst, was hier los ist, indem du dir ein altes Familienalbum ansiehst?“

„Es ist ein wenig mehr als ein Familienalbum und es geht hier auch mehr um den Typ, den du Sandmännchen genannt hast.“

„Irgendwas sagt mir, dass dieser Name ihm nicht mal annähernd gerecht wird“, murmelte John und rückte näher an Alexa, um auf den Bildschirm blicken zu können. „Du bist dir also sicher, dass es jemand aus deiner Vergangenheit ist?“

„Es kann nur so sein. Selbst Kolyas Replikator hat davon gesprochen. Er wusste, wer der Kerl war.“

„Ich frage mich immer noch, warum er ausgerechnet einen Replikator erschaffen hat“, rätselte John. „Dass das Sandmännchen besondere Fähigkeiten hat, ist klar, aber einen Replikator zu erschaffen, nur um an Informationen zu kommen, und ihn dann noch so zu programmieren, dass er nicht redet … Informationsgewinnung stand offenbar nicht an erster Stelle.“

„Nein, das tat es nicht“, seufzte Alexa. „Es ging ihm um Folter. Durch den Replikator hat er uns beide gequält, John.“

Das wusste John nur allzu gut und er tat sich schwer damit, nicht wieder an jene Geschehnisse zurückzudenken. „Aus Rache vielleicht? Ist damals irgendetwas vorgefallen, wofür sich der Typ jetzt rächen will?“

„Ich weiß es nicht. Ich erinnere mich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass ich mir einige Feinde gemacht habe. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass sie Zehntausende von Jahren warten, um sich dann auf so eine kranke Art und Weise zu rächen. Abgesehen davon, handelte ich damals nach dem Prinzip, die Arbeit nicht so lange aufzuschieben und mich um meine Feinde, die mir wirklich irgendwann gefährlich werden könnten, lieber gleich zu kümmern.“

John musste auflachen, obwohl er Alexas Aussage sehr gut Glauben schenken konnte und er ebenfalls mehr als einmal diesem Prinzip gefolgt war. „Na schön. Wir suchen also nach jemandem aus deiner Vergangenheit, der einiges über dich weiß, dass du selbst wohl nicht weißt, der das Wissen hat, Tote wieder auferstehen zu lassen und Replikatoren zu erschaffen.“

„Und in der Lage ist, auch ohne Replikator an Informationen über uns alle zu kommen, die er dann in seinen kranken Spielchen gegen uns einsetzen kann.“

„Genau. Okay. Klingelt da schon was bei dir?“

Alexa schüttelte mit dem Kopf und tippte weiter auf ihrem Computer herum. „Nein.“

„Hm. Na schön, dann fangen wir einfach an zu suchen. Es sollte wohl nicht so schwer sein, einen Psychopathen zu finden.“

 

Alexas Quartier in Atlantis, 4 Stunden später

„So“, seufzte Elisha, als sie das Quartier ihrer Tochter betrat. „Zeit für dein geliebtes Bad.“

Zielstrebig steuerte Elisha das Badezimmer an, ließ warmes Wasser einlaufen und griff lächelnd nach Alexas Lieblingsbadeschaum. Sie selbst mochte den verführerischen Duft ebenfalls sehr gerne und beschloss, bald wieder auf die Erde reisen zu wollen und ihren Mann mit einer weiteren Shoppingtour um den Verstand zu bringen.

„Das Meeting mit Jennifer und Carson dauerte doch ein wenig länger. Dafür gibt es aber auch ein paar Minuten länger in der Wanne“, meinte Elisha, als sie aus dem Badezimmer kam. Doch ihr fiel sofort auf, dass Alexa gar nicht wirklich zuhörte. Sie schien anderweitig beschäftigt zu sein. Nein, nicht beschäftigt. Unruhig. Alexa schien extrem beunruhigt. „Was ist los, Schatz?“

„Ich weiß nicht … Ist irgendwas passiert?“, lautete Alexas Gegenfrage.

„Was meinst du? Wegen des Meetings? Wir haben jede Woche ein Meeting und besprechen-„

„Nein … nein. Irgendwas ist … irgendwas stimmt nicht. Ist Colonel Sheppard von seiner Mission zurück? Ist er verletzt?“

„Nicht, dass ich wüsste. Er ist doch eben erst vor einer halben Stunde aufgebrochen.“

„Aber ist er wieder zurück?“, verlangte Alexa energischer zu wissen.

„Ich weiß es nicht. Alexa, was ist denn los?“

„Das Funkgerät … wo ist das verfluchte Funkgerät?“

Elisha beobachtete, wie Alexa fieberhaft nach ihrem Funkgerät suchte, nur um sich dann kurz darauf verzweifelt an sie zu wenden. „Ma, du musst im Kontrollraum für mich nachfragen.“

„Nachfragen? Was soll ich denn nachfragen? Was ist denn los mit dir, Kind? So aufgebracht habe ich doch noch nie erlebt.“

„Ma, bitte! Frag im Kontrollraum nach, ob Colonel Sheppards Team zurückgekommen ist. Ich finde mein verdammtes Funkgerät nicht. Wo steckt nur das Mistding?“

Elisha verstand nicht wirklich, was gerade passierte, doch sie ahnte, dass es für ihre Tochter vielleicht eine gewisse Beruhigung wäre, zu erfahren, dass alles in Ordnung sei.

Und so kontaktierte Elisha ihren Mann, der im Moment jedoch sehr abgelenkt schien.

Irgendetwas ging vor sich. Verwundert sah Elisha zu ihrer Tochter. Offenbar nahmen ihre empathischen Fähigkeiten neue Ausmaße an. Doch sie hatte nicht die Zeit darüber nachzudenken. Jetzt hieß es erst einmal Ruhe bewahren und dafür zu sorgen, dass Alexa nicht die ganze Stadt mobilisierte und dann zusammenbrach, denn noch immer taumelte sie gefährlich umher, während sie ihr Quartier nach ihrem Headset durchwühlte.

„Und?“, fragte sie hektisch nach.

„Es scheint alles nach Plan zu laufen. Ich glaube, deine Empathie spielt dir wieder Streiche, hm?“

„Ist er zurückgekommen?“

„Nein, noch nicht. Die Mission läuft offenbar noch. Aber weißt du was? Ich werde mich mal persönlich im Kontrollraum zeigen und deinem Vater und den anderen ein bisschen auf den Zahn fühlen. Aber du wirst sehen, es ist alles in Ordnung. Ich gebe dir sofort Bescheid, ja?“

Elisha stellte noch das Wasser ab, und schon war sie verschwunden. Alexa blieb unsicher zurück und ihre Nervosität nahm stetig zu. Irgendetwas war ganz und gar nicht in Ordnung.

~~~///~~~

„Also“, begann Richard, als er das Team in den Konferenzraum führte. „Jetzt berichten Sie von Anfang an.“

„Wir haben keine Zeit für große Berichte und spezifische Details“, platzte es aus Rodney. „Wir müssen sofort zurück.“

Richard strömte weiterhin Ruhe und Beharrlichkeit aus, auch wenn es in seinem Inneren ganz anders aussah. „Ich verlange auch keine großen Berichte oder spezifische Details. Die relevanten Details würden mir vorerst genügen. Also, was ist passiert?“

„Wir kamen auf P32 an und hatten ziemlich schnell Kontakt mit den Einheimischen aufnehmen können. Aber eines kann ich Ihnen sagen. Diese übertriebene Freundlichkeit war mir schon immer zuwider und suspekt.“

Hilfe suchend wandte sich Richard an Teyla, denn McKays Erbitterung schaffte nicht gerade Klarheit.

„Das Volk von M47-P32 schien anfangs wirklich sehr freundlich und aufgeschlossen. Man führte uns ihre Stadt und wurden von dem Administrator und seinem Stab empfangen. Von Feindlichkeit und irgendeiner List haben wir nichts erkennen können. Doch dann … wurden Fragen gestellt. Immer mehr Fragen. Ihre Neugier wurde ziemlich groß. Als sie erfuhren, dass wir aus Atlantis kamen, stieg ihre Neugier stetig von Minute zu Minute. Als sie anfingen mehr über unsere Technologie erfahren zu wollen, entschied Colonel Sheppard vorerst zurückzukehren und später nochmals Kontakt mit ihnen aufzunehmen.“

„Wir sollten vielleicht noch erwähnen, dass man uns eine ganze Menge fragte, während diese Sippe keine einzige unserer Fragen beantworten wollte. Abgesehen von den ein- zwei Uninteressanten am Anfang. Das kam mir schon merkwürdig vor“, warf Rodney ein.

„Was geschah dann?“, fragte Tristanius, der mit verschränken Armen am Eingang zum Konferenzraum stand.

„Wir entschuldigten uns, sagten, dass wir zurückerwartet würden und uns auf jeden Fall nochmals bei ihnen melden würden“, erklärte Teyla weiter. „Wir gingen zurück zum Gate, und kurz bevor wir es erreichten, umzingelte man uns. Sie wollten uns nicht zurückkehren lassen. Dann nutzten sie Wraithstunner und trafen den Colonel.“

„Haben uns durch gezieltes Feuer auseinandergebracht. Wir konnten Sheppard nicht mehr erreichen und ihn zurückbringen“, fügte Ronon knurrend hinzu. Tristanius nickte bedächtig.

„Sie werden ihn wohl weiter befragen wollen“, meinte Teyla.

„Ts, befragen! Das hatte schon eher was von einem Verhör, als wir dort waren. Ich möchte nicht wissen, was sie mit John machen wollen.“

„Sheppard wird nichts sagen“, knurrte Ronon weiter.

„Das mag sein. Aber das Risiko steigt mit der Zeit. Die anfängliche Annahme, es handele sich bei diesem Volk um relativ einfache, friedliche und technologisch etwas rückständige Leute war wohl falsch. Dr. McKay hat recht, wir wissen nicht genau was dieses Volk will, was es mit dem Wissen beabsichtigt und welche Methoden sie zur Informationsgewinnung anwenden. Es muss sofort gehandelt werden“, entschied Tristanius.

„Ja. Also können wir jetzt endlich los?“, schloss sich Rodney fragend an.

„Einverstanden. Major Lorne mit seinem Team und zwei Marine-Einheiten sollten wohl ausreichen.“

 

Währenddessen auf M47-P32

John keuchte auf, als sein Peiniger ihm eine kurze Verschnaufpause gönnte und den Regler der Höllenmaschine zurückschob.

Ihm war schwindelig und übel und er konnte vor Schmerzen kaum die Augen öffnen. Hatte er geschrien, während sein Folterknecht sich mit nur mit wenigen Handgriffen erbarmungslos durch seinen Verstand wühlte? John wusste es nicht. Alles, was ihm blieb, war der Gedanke daran, dass er diesen Mistkerl töten würde, sobald er frei sei. Und dass er auf keinen Fall irgendetwas verraten durfte.

„Sie machen es sich wirklich nur unnötig schwer, Colonel. Sie verstehen immer noch nicht, dass die Art und Dauer Ihrer Qualen doch nur von Ihnen allein bestimmt wird. Zugegeben, ich betätige den einen oder anderen Schalter, aber sehen Sie, je früher Sie reden, oder auch nur denken, desto schneller sind wir hier fertig und Sie sind ein freier Mann.“

„Das glauben Sie doch selbst nicht“, schnaubte John und versuchte seinen Puls und seine Atmung unter Kontrolle zu bringen. „Wir beide wissen, dass Sie mich nicht am Leben lassen können. Die Gefahr, dass ich Sie vorher töte, ist Ihnen viel zu groß.“

„Hm, das mag sein. Sie sind kein dummer Mann, John Sheppard“, entgegnete sein Geiselnehmer. „Wir sind uns in vielerlei Hinsicht ähnlich. Wir beide sind bereit Opfer zu bringen. Sie, in dem Sie glauben, durch Schweigen Ihre Leute zu beschützen und ich, in dem ich weiß, dass Sie mich töten, sobald Sie eine Gelegenheit dazu bekommen. Allerdings werde ich vorher alle Informationen, die ich aus Ihrem Verstand gewinnen konnte, an meine Leute weitergegeben haben.“

„Und dann wollen Ihre Leute sich Atlantis unter den Nagel reißen? Das wird nicht passieren.“

„Oh doch. Das wird es. Mit welchem Widerstand muss in der Stadt bei einer Invasion durch das Tor gerechnet werden?“, wollte Johns Geiselnehmer wissen und schaltete die Maschine wieder ein. John knurrte erneut auf und kämpfte gegen den Drang, seinen Schmerz hinausschreien zu wollen.

 

Alexas Quartier in Atlantis, 3 Stunden zuvor

„Wir sollten seine Pause machen“, meinte John und kappte die Verbindung zwischen Datenkristall und Computer.

Alexa seufzte frustriert. „Ich glaube ohnehin, dass ich auf den Dingern nichts finden werde.“

„Hat sich beim Anblick des einen oder anderen auf den Bildern nicht dein Spinnensinn gemeldet?“, wollte John wissen, während er sich und Alexa ein wenig Wasser in Gläser einschenkte.

„Spinnensinn?“

„Sag bloß, du hast den Film noch nicht gesehen. Spiderman“, begann John zu erklären, als er sah, wie Alexa ihn ahnungslos ansah. „Ein Mann, Peter Parker, wird von einer radioaktiv-verseuchten Spinne gebissen und bekommt dadurch einige Fähigkeiten, die Spinnen so haben. Darunter auch den Spinnensinn. Er hört und sieht besser als jeder andere und kann so auf Gefahren besser reagieren.“

„Ich kenne den Film. Und nein, mein Spinnensinn hat sich nicht gemeldet. Außerdem mag ich es nicht, diese Fähigkeiten mit Spinnen in Verbindung zu bringen. Ich kann die Viecher nicht ausstehen.“

„Ja, das Gefühl kenne ich. Wie steht´s mit Käfern?“, wollte John keck wissen. Alexa verzog jedoch leicht angewidert das Gesicht. „Ohh, na dann habe ich aber Glück, dass du mich nicht gesehen hast, als ich zum Käfer wurde“, meinte John grinsend, auch wenn die Erinnerung daran, selbst ihm immer noch einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

„Das habe ich. Oder hast du vergessen, dass, dank Dorian und Rodney ich und einige andere erst neulich einen recht interessanten Einblick in deinen Verstand hatten?“, brachte Alexa entgegen.

Nur kurz schien John verwirrt zu sein, bevor er sich dann gänzlich Alexa zuwandte. „Und? Du musst zugeben, dass ich besser aussah, als alle anderen Käfer, die du je gesehen hast.“

„Muss ich?“, fragte Alexa herausfordernd und doch zeigte sie ihm wieder dieses unwiderstehliche Lächeln, das ihn beinahe um den Verstand brachte.

„Es wäre besser für dich“, gab John wispernd zurück und beugte sich zu ihr herab, nur um dicht vor ihrem Gesicht inne zu halten und ihr in die Augen zu sehen. „Sonst … muss ich mir tatsächlich noch eine Disziplinarstrafe ausdenken.“

„Und das wollen wir doch nicht“, entgegnete Alexa wispernd, als sie begann, verstohlen an Johns Hemdkragen zu zupfen.

„Nein, das wollen wir nicht“, meinte John, sah einmal mehr auf ihren Mund, dann wieder in ihre Augen.

„Du warst tatsächlich der blaueste, bestaussehendste … und … sexieste Käfer, den ich je gesehen habe.“

„Gerade noch die Kurve gekriegt“, hauchte John, bevor er seine Lippen zärtlich auf die Alexas presste.

Alexa zog an seinem Hemdkragen, während John sich ganz sanft mit ihr gänzlich auf das Bett sinken ließ und seine Küsse fortsetzte. Energischer, fordernder, heißer …

 

Kontrollraum in Atlantis, Gegenwart

Es herrschte eine kontrollierte Hektik im Kontrollraum und somit war es nicht gerade eine Beruhigung für Elisha zu wissen, dass die Empathie ihrer Tochter immer besser zu funktionieren schien.

„Tristan, was ist passiert?“, fragte, sie kaum, dass sie den angrenzenden Konferenzraum betrat und den hinausstürmenden Teammitgliedern aus dem Weg sprang.

„Nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest, Elisha“, versuche der General sie zu beruhigen.

„Tristan“, mahnte Elisha ihren Mann.

Tristanius seufzte kaum merklich auf und verließ den Raum, ließ Woolsey zurück und führte seine Frau auf den Balkon, wo sich ihnen auch ein besorgter Dorian anschloss.

„Ich mache mir Sorgen“, begann Elisha, noch ehe ihr Mann zu einer Erklärung ansetzen konnte. „Und Alexa auch. Sie fühlt eindeutig, dass etwas nicht stimmt.“

„Colonel Sheppard wurde bei seiner Mission gefangen genommen. Sein Team schaffte noch die Rückkehr, wird aber gleich wieder zu seiner Befreiung aufbrechen.“

„Wieso wurde er gefangen genommen?“, fragte Dorian stutzend. „Ich dachte, es sei ein ziemlich rückständiges Dorf, zu dem sie reisen wollten.“

„Eine Fehlannahme“, erwiderte Tristanius. „Sie scheinen auf unsere Technologie aus zu sein und werden versuchen, ihm Informationen zu entlocken.“

„Wenn Alexa das erfährt …“, seufzte Elisha.

„Ich denke, in Anbetracht ihres Zustandes ist es besser, wenn sie vorerst nicht davon erführe“, entschied Tristanius.

„Du glaubst ernsthaft, dass das funktioniert?“, fragte Dorian zweifelnd. „Sie weiß doch bereits jetzt, dass etwas passiert ist. Den Rest bekommt sie auch noch heraus.“

„Und wir kennen sie gut genug, um zu wissen, was sie sich dann einfallen lässt“, schloss sich Elisha den Ausführungen ihres Sohnes an. „Tristan, du hättest sie sehen sollen. So aufgeregt habe ich sie noch nie gesehen. Sie ist so in Sorge um den Colonel … als ob sie wüsste, dass er, insbesondere er, in Schwierigkeiten steckt.“

„Und das soll schon was heißen, wo sie ihn bisher doch immer nur verflucht hat“, lautete Dorians Kommentar.

„Was das betrifft, glaube ich, dass dieses Stadium ihrer Entwicklung fast abgeschlossen ist. Heute Morgen hätte sie wieder die Gelegenheit gehabt, ihn zu verfluchen oder in der Luft zu zerreißen, aber … sie ist ruhiger geworden. Zugänglicher. Und der Colonel hat offenbar auch einen Weg gefunden, ihre Barriere zu durchbrechen. Deswegen ist es nun umso wichtiger, herauszufinden, wie wir nun vorgehen sollen. Sie ist noch nicht vollständig genesen aber sie weiß, dass etwas passiert ist. Ich konnte sie kaum in ihrem Quartier behalten.“

„Dann ist es nur eine Frage, bis sie aus ihrem Quartier ausbricht und die Kavallerie mobilisiert“, fügte Dorian hinzu. „Abgesehen davon bin ich nicht gerade begeistert davon, ihr noch mehr vorzuenthalten, geschweige denn vorzumachen.“

„Dorian hat recht. Sie sollte es erfahren. Sie sollte es von uns erfahren“, schloss sich Elisha an.

Tristanius atmete einmal mehr tief durch, nickte dann. „Ich spreche mit ihr.“

~~~///~~~

„Wurde eine Befreiungsaktion in die Wege geleitet?“, fragte Alexa, die mit verschränkten Armen am Fenster ihres Quartiers stand.

Äußerlich schien sie ruhig und gefasst, doch innerlich, so konnte Tristanius sehen, vibrierte sie geradezu vor Anspannung und der Belastung, der sie offenbar noch immer nicht wieder gewachsen war. Und wenn er sich nicht irrte, glaubte er sogar Sorge in ihrem Blick zu erkennen.

„Major Lorne wird mit dem Team des Colonels und zwei weiteren Marine-Einheiten den Colonel zurückbringen.“

Tristanius versuchte Ruhe und Zuversicht auszustrahlen, doch es schien nicht wirklich bei Alexa zu fruchten.

„Ich werde mitgehen“, entschied sie bestimmend.

„Das wirst du mit Sicherheit nicht“, erwiderte Elisha entschlossen. „Du gehörst wieder auf die Krankenstation. Ich frage mich ohnehin, warum du dich noch immer in deinem Quartier aufhältst.“

„Weil ich mich hier wohler fühle. Zumindest bis jetzt. Ich werde die Teams begleiten. Ich kann sie immer noch unterstützen“, verteidigte sich Alexa beinahe trotzig.

„Du kannst dich kaum auf den Beinen halten“, platze es aus Dorian, der daraufhin einen giftigen Blick seiner Schwester erntete.

„Du wirst nicht an dieser Aktion teilnehmen. Deine Mutter erklärte mir, dass du für die nächsten zwei Wochen -mindestens- dienstunfähig bist. Und allein des Augenscheins wegen muss ich ihr zustimmen“, entschied Tristanius.

„Aber-„

„Glaubst du etwa wirklich, dass es mir nicht auffällt, wie du dich an alles, was dir gerade gelegen kommt, anlehnst, damit du nicht einfach so umfällst? Glaubst du auch, dass ich nicht sehe, wie blass und erschöpft du bist? Oder wie sehr du zitterst? Oder wie oft du in den letzten Minuten beinahe in die Knie gegangen wärst? Ich möchte es dir nicht als dein vorgesetzter Offizier befehlen, Alexa. Ich bitte dich als dein Vater … dein besorgter Vater darum, dich den Anweisungen deiner Mutter zu fügen und dich zu erholen. Der Colonel wird wohlbehalten zurückkehren.“

Alle Überzeugungskraft und Überredungskunst schien nutzlos, als er sah, wie Alexa sich kaum merklich den Kopf schüttelnd umdrehte und auf den Ozean hinausblickte. Tristanius glaubte zu sehen, wie sich ihr Widerwillen zuerst in Sorge, dann in pure Verzweiflung zu wandeln schien. Und das war etwas, dass er nicht verstehen konnte. Aus irgendeinem Grund auch nicht verstehen wollte. Dennoch bereitete ihm der Kummer seiner Tochter selbst eine Qual, die ihm weder fremd noch erträglich schien. Langsam trat er dicht hinter seine Tochter und strich beruhigend über ihre Arme.

„Er wird wohlbehalten zurückkehren, weil ich mich an seiner Rettungsaktion beteilige.“ Kaum ausgesprochen wirbelte Alexa zu ihm herum. „Vorausgesetzt“, fuhr er fort, „Du bleibst hier und ruhst dich weiter aus. Ich lasse es dich wissen, sobald wir zurückgekehrt sind.“

Alexa schien nur kurz zu überlegen. „Ich bleibe in meinem Quartier.“

Auch wenn es eine Entscheidung seitens Alexa war, sah er beinahe resigniert zu seiner Frau, die zuerst kaum merklich mit den Augen rollte, dann aber einverstanden nickte, während Dorian nur grinsend mit dem Kopf schüttelte.

„Am besten in liegender Position“, gab Tristanius zurück und wies mit seinem Kopf in Richtung ihres Bettes.

Tatsächlich schlenderte Alexa zu dem Bett, ließ sich dort genüsslich nieder und griff nach dem Buch, dass auf ihrem Nachttisch lag.

Zufrieden nickte Tristanius. „Ich melde mich, so schnell ich kann.“

Nach einem mahnenden Blick seitens Elisha und einem zweifelnden Gesichtsausdruck ihres Bruders verließ ihre Familie sie, damit sie sich endlich ein wenig ausruhte, was Alexa so gar nicht in den Sinn kam, als sie, kaum, dass sich die Türen geschlossen hatten, wieder aufsprang und sich begann, umzuziehen.

~~~///~~~

Für Richard grenzte es schon fast an ein Wunder, dass die Familie Sheppard erst kürzlich von der Problematik um den Colonel erfahren hatte und sich erst jetzt im Kontrollraum einfand. Bedachte man allerdings, dass zwischen der Rückkehr von Sheppards Team, deren Berichterstattung und das Aufstellen der Teams für die Befreiungsaktion keine halbe Stunde vergangen war, so relativierte sich diese Zeitspanne eigentlich wieder. Mittlerweile interessierte es ihn mehr, woher, oder eher von wem sie informiert wurden. Aber auch diesbezüglich konnte Richard den Kreis der Verdächtigen eingrenzen, als sich Elisha zu ihnen gesellte und aufmerksam die letzten Unterhaltungen zwischen Tristanius und den Teams lauschte.

„Ich habe noch einen Jumper angefordert“, erklärte Tristanius an Richard gerichtet. „Ich denke, dass ein wenig Luftunterstützung im Notfall nützlich sein könnte.“

„Verstanden“, gab Richard nickend zurück. „Viel Glück.“

„Bring bitte nicht nur den Colonel wohlbehalten zurück, sondern auch dich selbst“, meinte Elisha flüsternd, als er sich flüchtig von ihr verabschieden wollte.

Er lächelte, drückte kurz aufmunternd ihren Arm und bat sie, ein Auge auf Alexa zu werfen. Sie nickte und sah zu, wie er sich den Teams anschloss, die darauf warteten, dass das Tor angewählt wurde und der Jumper voraus flog.

Nur wenige Sekunden vergingen, bis sie die Bestätigung hatten, dass der leichte Widerstand auf der anderen Seite niedergeschlagen und der Weg für die Teams frei war.

Doch kaum hatte das letzte Teammitglied die Stadt verlassen, sah Elisha noch eine weitere Person durch das Gate stürmen.

„Alexa!“

 

M47-P32

Gerade als Major Lorne auf der anderen Seite angekommen war und die wenigen gegnerischen Wachen am Gate entweder am Boden liegen oder davonlaufen sah, drehte er sich zu den Teams, um ihnen weitere Instruktionen zu erteilen. Doch es war die letzte Person, die durch das Gate gestolpert kam, auf die Knie fiel und ihn fluchen ließ.

„Commander! Was soll denn das werden?“

Noch während Alexa sich mühsam auf deine Beine kämpfte, schritt der General auf sie zu, packte sie nicht besonders sanft am Arm und zog sie wieder auf die Beine. Sie würde niemals zugeben, dass es womöglich doch keine so gute Idee gewesen war, an dieser Aktion teilzunehmen und noch weniger würde sie zugeben, dass ihr die Hilfe ihres Vaters gerade gelegen kam. Alles war gut, solange sie stand oder ging.

„Alexa! Hattest du mir nicht versprochen, dass du in deinem Quartier bleibst und auf Nachricht wartest?“, polterte Tristanius los.

„Glaubst du etwa wirklich, ich kenne nicht den Unterschied zwischen einer Bitte und einem Versprechen?“, fragte Alexa leicht atemlos, aber in derselben Tonlage, in der sich ihr Vater vor Kurzem bediente.

„Alexa-„

„Glaubst du auch, dass ich Jo- den Colonel einfach so zurücklasse, nach allem, was er für mich, für uns getan hat? Oder, dass ich nicht wirklich wüsste, wenn ich es nicht schaffe?“

„Du würdest nicht einmal zugeben, dass du Probleme hast, wenn dir dein Kopf hinterher rollen würde! Du kehrst sofort zurück.“

„Nein, ich kann nicht“, wisperte Alexa. Es war ihr beinahe egal, ob man ihr die Sorge und Verzweiflung um John ansehen könnte. Sie hatte bereits mitbekommen, wie man über sie und John spekulierte, und konnte sich denken, über was die Teammitglieder mit den anderen später tuschelten, was auch nicht wirklich verwunderlich war, nach allem, was sie und John sich in den letzten Wochen geleistet hatten. Auch wenn sie wusste, dass im Grunde sie die Schuld am Gerede und Gespött hatte, obwohl auch Johns Verhalten mit Sicherheit verwunderlich für den einen oder anderen gewesen war. Ein Grund mehr, ihn endlich aus dieser Misere herauszuholen und herauszufinden, was vor sich ging.

„Alexa, das ist Insubordination.“

„Du hast nichts befohlen und ich habe nichts versprochen. Es war eine Bitte, die du geäußert hast und der ich nicht nachzukommen gedenke.“

„Alexa!“

„Du kannst mich gerne in Atlantis so viel du willst zurechtweisen, aber jetzt schlage ich vor, dass wir uns endlich auf den Weg machen, bevor die, die entwischen konnten mit Verstärkung zurückkommen oder man sonst was mit dem Colonel anstellt“, platzte es ungeduldig aus Alexa.

Tief in ihrem Inneren war sie froh, dass Major Lorne sich ein Stück von ihnen entfernt hatte, denn noch immer war ihr nicht wirklich wohl dabei, sich derart gegenüber ihrem Vater und Vorgesetzten zu verhalten. Aber verdammt noch mal, sie hatte schlichtweg die Nase voll von diesem Theater.

„Darüber werden wir uns noch unterhalten“, mahnte ihr Vater sie knurrend, während er seine Waffe wieder in Anschlag nahm und mit stummen Blicken Ronon und Teyla bat, seine Tochter zu flankieren.

In einem hatte ihr Vater recht. Sie würde wirklich niemals laut zugeben, wie schwer es ihr fiel, halbwegs gerade zu laufen, geschweige denn überhaupt auf den Beinen zu bleiben. Alles drehte sich, ihre Beine zitterten und mehr als einmal wäre sie beinahe wieder zu Boden gegangen. Sie wollte aber auch nicht daran denken, dass dieser Wille, der sie aufrecht vorwärtskommen ließ, pure Sturheit sei, den sie laut ihrer Mutter nur von ihrem Vater geerbt haben soll. Ihr ging es einzig und alleine darum, John da raus zu holen und ihn nach Hause zu bringen.

Erstaunlich, welche Veränderungen sich in kürzester Zeit ergeben hatten, dachte sie. Vor Kurzem hätte sie ihm sonst was gewünscht und nun war das Wissen, dass er gefangen gehalten und womöglich gefoltert wurde, beinahe unerträglich für sie. Aber das zu klären, wäre für einen anderen Tag bestimmt.

~~~///~~~

Die Sonne ging bereits unter und tauchte das Meer in flüssiges und glitzerndes Gold.

Der Sand unter ihnen war noch immer angenehm warm, während das Rauschen der Wellen, die sich sanft am Strand brachen nur durch das gelegentliche Stöhnen zweier eng umschlungener Liebende übertönt wurde.

Alexas Hand fuhr durch sein Haar und John erlaubte es sich, sich ein wenig in ihren Berührungen und ihren Küssen zu verlieren, während er sie ebenfalls mit beharrlicher Zärtlichkeit immer weiter in den alles verschlingenden Abgrund trieb.

Für diesen kurzen Moment genoss er ihren Duft, die Wärme, Zartheit und den Geschmack ihrer Haut, als er sie berührte, küsste, kostete. Ihr Keuchen, Stöhnen und Winseln, dass von größter Verzückung sprach, stachelte seine Leidenschaft nur noch weiter an …

~~~///~~~

„Wie sieht es aus?“, verlangte Merin, seines Zeichens der zweite Administrator des Kalev-Volkes zu wissen.

„Er denkt nur noch an diese Frau“, seufzte Feres frustriert.

„Seit fast einer Stunde hängt er an dieser Maschine und wird von dir befragt und du willst mir erzählen, dass er an nichts Anderes denkt, als ein paar Stunden mit diesem Weib? Funktioniert die Maschine nicht richtig oder stellst du die falschen Fragen?“

„Der Colonel scheint einen sehr komplizierten und … auch konditionierten Geist zu besitzen. Wir sollten bei einer möglichen Übernahme davon ausgehen, auf gut ausgebildete Soldaten zu treffen. Er wird nicht er einzige sein, der einen derartigen Widerstand leisten wird.“

„Ich erwarte, dass du mit dieser Maschine seinen Widerstand brichst“, fauchte Merin ungeduldig zurück. „Was ist überhaupt mit dieser Frau? Wer ist sie?“

„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht, dass sie von Bedeutung ist.“

„Dann beschaffe mir endlich bedeutende Informationen. Du hast noch nichts an den Administrator geschickt und er verliert langsam die Geduld. Genau wie ich. In einer Stunde will er die ersten Übertragungen deiner Ergebnisse haben, verstanden?“

„Ich habe verstanden“, gab Feres zurück und beobachtete, wie Merin den Raum verlies. Dann schaltete er die Maschine aus und gönnte John, wenn auch widerwillig, eine weitere Verschnaufpause.

„Sie allerdings kann ich einfach nicht verstehen, Colonel. Sie zwingen mich praktisch dazu, Ihnen Schmerzen zu bereiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das wollen.“

John reagierte nicht, da er noch immer kaum bei Bewusstsein war. Feres packte ihn am Schopf und riss seinen Kopf in die Höhe. „Sie existiert wirklich, nicht wahr? Diese Frau, mit der Sie sich an einem Strand vergnügten.“

Feres wartete nur kurz auf eine Antwort, die doch nicht kam. Er seufzte theatralisch, bevor er Johns Kopf abrupt losließ und John einzig und alleine noch durch seine Fesseln gehalten wurde. Ein kaum hörbares Stöhnen entwich seiner Kehle, das Feres jedoch nicht beachtete.

„Sie ist sehr schön. Sehr … leidenschaftlich und willig, wie mir schien. Sie müssen ein sehr glücklicher Mann sein, Colonel. Sagen Sie, ist sie auch in der Stadt? Wartet sie auf Sie?“

Wieder antwortete John nicht, aber er schaffte es, mit größter Mühe den Kopf zu heben und seinen Peiniger mit einer Verachtung anzusehen, die diesem lediglich ein Grinsen entlockte.

„Da sind sie ja noch! Ich bin beeindruckt, Colonel. Sie sind zäh, das muss ich zugeben“, erklärte Feres und lehnte sich lässig direkt neben John an die Maschine. „Und? Wollen Sie mir nicht doch etwas erzählen? Etwas über diese Frau zum Beispiel.“

„Wenn … Sie sie auch nur … mit dem kleinen Finger anrühren …“, krächzte John atemlos.

„Oh, dann existiert sie also wirklich. Wir machen Fortschritte. Dafür bekommen Sie eine Belohnung.“

John würde auflachen, hätte er die Kraft. So reicht es nur für ein halbherziges Schnauben. “ Sie bekommen nichts aus mir heraus.“

„Das würde ich mir bei dieser Frau noch mal überlegen. Aber zurück zu Ihrer Belohnung. Ich mache Ihnen ein Angebot. Sagen Sie mir, was ich wissen will, und dieser Frau wird nichts geschehen, wenn wir die Stadt einnehmen.“

„Vergessen Sie´s.“

„Hm, ich bin sicher Sie haben gehört, dass der Administrator in einer Stunde die ersten Ergebnisse haben will. Ich schätze mal, Sie sind nicht gewillt, mir zu helfen, seinem Befehl nach zu kommen, oder?“

Es wunderte John selbst, woher er plötzlich die Kraft hatte, seinem Gegenüber ein spottendes und ja, auch ein geradezu gefährliches Lächeln entgegen zu bringen, aber er würde den Teufel tun und auch nur noch einen Mucks von sich geben. Er hoffte inständig, dass diese verfluchte Höllenmaschine doch nicht so gut war, wie sein Folterknecht behauptete und dass er ihr noch eine kleine Weile widerstehen konnte. Zumindest solange bis sein Team hier auftauchte.

„Ein Jammer. Sie hätten das Angebot annehmen sollen. Die höchste Stufe der Maschine hat nämlich bisher noch niemand überlebt.“

Damit entschied Feres mit dem Colonel kurzen Prozess zu machen und ohne weitere Rücksicht endlich die Informationen aus ihm herauszusaugen, als er den Regler bis zum Anschlag schob.

~~~///~~~

Gerade als das Team durch die Korridore der unterirdischen Einrichtung stürmte und nach und nach jeden mit Betäubungsschüssen außer Gefecht setzte, der ihnen in die Quere kam, durchzog eine Schmerzwelle Alexas Geist, der alles bisher Erlebte weit in den Schatten stellte. Es war das reinste Wunder, dass sie nicht laut aufschrie und so weitere Aufmerksamkeit auf das Eindringen der Teams zog.

Stöhnend und keuchend griff sie sich an den Kopf, taumelte zur naheliegenden Wand und sank langsam zu Boden.

„Alexa, was ist mit dir?“, fragte Tristanius besorgt, der sich über seine Tochter beugte. Er musste noch einige Male fragen, bevor er richtig zu ihr durchdrang und Antwort bekam.

„John … er ist da drin. Er … sie … sie quälen ihn.“

„Löse dich von ihm“, befahl Tristanius beinahe barsch. „Du musst dich von ihm lösen, damit wir weitermachen können. Zieh dich aus seinem Geist zurück.“

Sie wusste nicht, was den größeren Widerwillen in ihr wachrief. Alleine der Gedanke, sich von John zu lösen oder das Wissen, dass ihr Vater wieder einmal recht hatte.

Da sie derart zusammengesunken und leise wimmernd auf dem Boden kauernd weder nützlich noch zu ignorieren war, konzentrierte sie sich darauf, Johns Pein auszublenden und sich wieder auf die Beine zu kämpfen. Und wieder einmal kam ihr die Hilfe ihres Vaters, der sie am Arm packte und hochzog, gerade recht.

~~~///~~~

„Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten für ankommende Reisende durch das Gate?“, fragte Feres laut und ungeduldig, denn wegen Johns Stöhnen und Knurren konnte er kaum noch sein eigenes Wort verstehen.

„Fürs Erste“, ertönte eine weibliche Stimme hinter ihm, die ihm einen harten und kalten Gegenstand an den Hinterkopf drückte. „würden wir solche Arschlöcher wie dich ohnehin nicht in die Stadt lassen.“

Feres hielt zunächst inne, bevor er langsam sich ergebend die Hände hob.

„Umdrehen. Schön langsam“, befahl Alexa, die noch immer ihre Waffe, sie hatte mittlerweile zur Neun-Millimeter gewechselt, auf Feres Kopf richtete.

Als er Alexas Aufforderung nachkam, sah er zunächst in zwölf unterschiedliche Waffenmündungen, bevor sein panischer Blick auf Alexa fiel. „Ich erkenne dich.“

„Ah ja?“ Nur kurz ließ Alexa ihren Blick von Feres zu der Maschine, dann hinüber zu John gleiten, und ihr wurde klar, was man John hier antat. „Ausschalten.“

„Und wenn nicht?“, lautete die lässige Gegenfrage.

Es war nicht wirklich mühevoll, die Furcht und Panik, die nur schwer unter Kontrolle zu halten war, zu erspüren. Jeder andere konnte sie ihm sogar ansehen. Dafür fiel es Alexa nach einem weiteren kurzen Blick zu John umso leichter, die Gefühlsregungen ihres Gegenübers zu ignorieren. Entschlossen trat sie noch einen Schritt vor und drückte ihm nun die Mündung ihrer Waffe mitten auf die Stirn. Das Klicken der Entsicherung echote im Raum.

„Wenn du mich tötest, läuft die Maschine weiter in voller Stärke. Ihr habt keine Ahnung, wie diese Maschine zu bedienen ist und das Risiko, einfach irgendwelche Knöpfe zu drücken und dadurch sein Hirn zu verletzen, ist zu groß“, begann Feres zu erklären, als Rodney und Teyla sich daranmachen wollten, John aus seinen Fesseln und den Kabeln zu befreien. „Auf sie zu schießen dürfte auch keine gute Idee sein. Somit würdest du auf jeden Fall deinen Geliebten verlieren.“

Den Kopf zur Seite legend trat Alexa wieder einen Schritt zurück, zielte auf das Knie des Mannes und drückte ab. Ein markerschütternder Schrei begleitete den Sturz des Mannes zu Boden, wo er winselnd und stöhnend seine Hände auf die blutende Wunde drückte.

Rodney, der schon seit seiner Ankunft in den Raum die Halterungen und Kabel der Foltermaschine genauer betrachtete und bereits begonnen hatte, mit seinem Scanner eine Möglichkeit zu finden, John zu befreien, sah zuerst überrascht zu Alexa, dann zum General, der hingegen seine eiserne kalte Miene zeigte.

„Wie schaltet man die Maschine aus?“, verlangte Alexa zu wissen, während sie noch immer die Waffe auf den Mann richtete.

„Das ist … eine komplexe Maschine. Wir haben lange gebraucht … sie zu verstehen“, krächzte Feres.

„Du hast 30 Sekunden, mir das Wesentliche zu erklären. Was tut diese Maschine?“

„Sie gibt uns Informationen.“

„Du meinst, sie liest Gedanken“, schlussfolgerte Alexa und Feres schwieg antwortend. „20 Sekunden. Erzähl weiter.“

„Es gibt nichts mehr, was ich dir erzählen könnte.“

„Dafür könnte ich dir in einen weiteren deiner 206 Knochen schießen. Eine Kniescheibe ist schon hinüber. Willst du die andere wirklich auch noch durch eine Lüge riskieren? Wo und wie werden die Daten gespeichert?“

„In einem Kristall, der dran angeschlossen ist. Aber gebt euch keine Mühe … Ich habe bereits alle Informationen an die Administration gesendet“, keuchte Feres grinsend.

Ein weiterer Schuss löste sich und Feres jaulte abermals auf, als die Kugel sein anderes Knie geradezu zerfetzte.

„Commander!“, mahnte Tristanius. Zwar eher leise, aber doch eindringlich. „Das reicht jetzt.“

„Ich habe noch nicht mal angefangen“, gab Alexa zurück, während Tristanius versuchte, sich nicht die Überraschung über die Kaltblütigkeit seiner Tochter anmerken zu lassen. Alexa hingegen riss sich geradezu von dem Griff ihres Vaters los, ging dicht neben Feres in die Hocke und hoffte inständig, dass man ihr ihre Anstrengung und ihr Zittern nicht ansah. „Nur damit das klar ist, ich weiß, wenn du lügst. Du hast noch 10 Sekunden um mir zu sagen, wie man diese Maschine ausschaltet und den Kristall entnimmt.“

Feres entschied diese zehn Sekunden schweigend zu verbringen und stattdessen ihren Blick starrsinnig zu erwidern. Als das Ultimatum abgelaufen war, nahm Alexa ihr nächstes Ziel ins Visier. „Bisher habe ich mich auf deine Kniescheiben konzentriert, aber ich habe kein Problem damit, mich auch um deine Weichteile zu kümmern. Es wird zwar eine Riesensauerei, aber das würde mir nicht gerade den Schlaf rauben.“

Feres schluckte und wägte, das Risiko ab. Es war ihm zu groß. „Es ist eine Kombination von Tasten … die betätigt werden müssen.“

Alexa deutete mit ihrer Waffe, dass er sich vorwärts bewegen solle, was dieser prompt tat, als er zum Bedienpult der Maschine kroch. „Und denk nicht mal daran, die falschen Knöpfe drücken zu wollen.“ Wieder drückte sie ihm die Mündung ihrer Waffe an den Hinterkopf.

Vor Schmerz und vor Panik keuchte Feres unentwegt auf, als er sich hochzog, auf die Arme stützte und die Maschine deaktivierte. Sofort erkannte man, wie Johns angespannter Körper erschlaffe. Teyla und Ronon machten sich sogleich daran, ihn loszubinden.

„Den Kristall“, forderte Alexa und abermals kam Feres nur widerwillig auch dieser Forderung nach. Alexa riss ihm den Kristall beinahe aus der Hand und achtete kaum drauf, dass Feres wieder stöhnend zu Boden fiel. „Ich hoffe für dich, dass wirklich alle Informationen, die du dem Colonel entlocken wolltest, da drauf sind, und du noch nichts davon an deine Leute gesendet hast.“

„Habe ich nicht! Habe ich nicht!“, platzte es verzweifelt aus Feres als Alexa abermals auf seinen Schritt zielte. „Alles drauf. Es sind alle Informationen da drauf. Aber … aber es ist nicht viel. Er hat nicht geredet. Er hat … er hat nichts verraten.“

Alexa lächelte fast. Natürlich hatte John nichts verraten. Da war sie sich sicher. „Ein Glück für dich.“

Sie trat einige Schritte zurück und wandte sich dann an John, der noch immer an die Maschine angeschlossen war. „Macht ihn endlich los von diesem Ding“, bat Alexa fauchend, als sie sich daran machte ihm die Sensoren, die ihm an der Stirn klebten, zu entfernen.

„Versuchen wir ja, aber diese Dinger sitzen verdammt fest“, beschwerte sich Rodney japsend, der Teyla beim Öffnen der Fesseln half.

Während sie eben noch eine geradezu beängstigende, kalte Rücksichtslosigkeit und Härte gezeigt hatte, kümmerte sie sich nun mit einer Weichheit und Zärtlichkeit um den Colonel, wie Tristanius sie noch nicht bei ihr gesehen hatte.

„John“, wisperte sie diesem zu und hob sanft seinen Kopf. Sein Gesicht glänzte vor Schweiß und noch immer konnte man in seiner Miene Schmerzen und Qualen erkennen.

Sie strich ihm über die Stirn, wischte die Feuchtigkeit und weg und schob eine seiner Haarsträhnen zur Seite, bevor sie wieder, dieses Mal etwas lauter, seinen Namen rief.

„John … John, komm zu dir. Wir bringen dich nach Hause.“

„Alex …“

„Ja, John, ich bin hier. Ich bin hier. Alles wird gut. Wir holen dich hier raus.“

„Alex.“ Johns Stimme war nicht mehr als ein Krächzen. Weniger noch, ein Wispern. „Alex, du musst … hier weg.“

„Nein John-„

„Du musst sofort … weg hier. Zu gefährlich. Es ist zu … gefährlich für … dich. Geh …“

Verzweifelt lehnte Alexa ihre Stirn gegen die von John, streichelte immer wieder über seine Wange und versuchte zu ihm durchzudringen, denn er schien in irgendeiner Vorstellung gefangen zu sein.

„Es ist alles in Ordnung, John. Wir befreien dich. Es ist vorbei, hörst du? Es ist vorbei. Komm zurück, komm zurück.“

„Alex …“

„Ich bin hier, John. Ich bin hier bei dir“, sprach Alexa weiter und streichelte wieder über seine Wange.

„Alex … ich … ich liebe dich.“

Alexas Atmung setzte aus, ihr Herz blieb stehen. Nur für einen Moment. Und dann, für einen noch kürzeren Moment schien ihr Herz explodieren zu wollen. Sie rang nach Luft und versuchte ihren Puls wieder unter Kontrolle zu bringen.

Sie seufzte leise auf, lehnte ihre Stirn wieder an die Seine. „Ich weiß“, wisperte sie.

„Wir haben es. Wir haben ihn endlich“, platze es aus Rodney, der zurücktrat und einen von Lornes Männern Platz machte, der mit Ronons Hilfe den Colonel zum Gate tragen würde. Auch Alexa schritt, wenn auch widerwillig, zurück und gab den Weg frei.

Gerade als sie sich umdrehte und sich daran machte, den Raum zu verlassen, krächzte Feres: „Das ist noch nicht vorbei. Wir werden uns wieder sehen. Wir werden uns wiedersehen, wenn wir eure Stadt einnehmen und du und dein Geliebter, ihr werdet die Ersten sein, die wir an weitere dieser Maschinen anschließen. Wir werden alles von euch erfahren. Alles. Jedes kleinste Detail werdet ihr uns verraten und dann … dann werde ich mit dir und ihm dasselbe machen, wie das, was du mir angetan hast. Ihr werdet sterben, alle. Ihr werdet alle langsam sterben.“

„Nein, werden wir nicht“, erklärte Alexa kalt, zog wieder ihre Waffe aus ihrem Halfter und feuerte auf die Maschine, bis die ersten Knöpfe und Teile absprangen und Funken sprühten, die sich schnell in kleine Flammen und Rauchwolken wandelten. Dann lud sie ein neues Magazin in ihre Waffe.

Mit einem letzten verzweifelten Brüllen griff Feres nach einem schwereren Trümmerteil der Maschine und wollte nach ihr werfen. Alexa war schneller, als sich ein weiterer gezielter Schuss aus ihrer Waffe löste. Langsam ging sie auf ihn zu, kickte mit ihrem Fuß das scharfkantige Metallteil aus dem Weg und hockte sich vor ihn.

„Aber du schon. Du wirst in ein paar Minuten tot sein. Und wenn deine Leute dich hier finden, in deinem eigenen Blut treibend, werden sie erkennen, dass es keine gute Idee war, sich mit uns angelegt zu haben.“ Alexa beugte sich noch ein Stückchen weiter zu ihm. Gefährlich konnte er ihr schließlich kaum noch werden. „Dieser Tod ist noch viel zu gut und viel zu schnell für dich.“

Alexa erhob sich, sah nur kurz auf Feres herab, bevor sie endgültig den Raum verlies. Sie achtete nicht auf die sprachlose Miene ihres Vaters.

 

Atlantis

Richard stürzte, in Begleitung der Sheppards -wen wunderte es- die große Treppe zum Gateraum hinunter, kaum, dass er die Bestätigung des Gate-Technikers über die Rückkehr der Teams erhielt.

Geschocktes Raunen hallte hinter ihm durch den großen Raum, als Ronon und ein Marine den Colonel bewusstlos durch das Gate, direkt zu einer Bahre schleiften. Carol und Patrick Sheppard waren sofort an der Seite ihres Sohnes, und auch Alexa war sofort an Carols Seite. Einen Augenblick später wurde John in Begleitung seiner Familie zur Krankenstation gefahren.

Während der Jumper zurückkehrte und direkt in die Bucht geleitet wurde, winkte der Expeditionsleiter Lorne für einen ersten kurzen Bericht zu sich und auch Tristanius zog seine Tochter eher ungeduldig zur Seite.

„Was um alles in der Welt sollte das, Alexa?“, platze es ungehalten aus dem General. „Ein solches Verhalten war weder notwendig noch akzeptabel. Ich kann nicht glauben … was ich da gesehen habe.“

Es war nicht nur die Ungläubigkeit, die man aus seiner Stimme heraushören konnte, auch seine Miene drückte ein Entsetzen aus, die Alexa selbst noch nicht bei ihm gesehen hatte. Aber aus irgendeinem Grund wollte sie sich weder erklären noch rechtfertigen. Sie konnte es schlichtweg nicht. Und es lag nicht an dem Schwindel, der sie plötzlich erfasste.

„Das wird noch ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Das kann ich dir versichern“, meinte Tristanius fast leise aber ernst und bedachte seine Tochter daraufhin mit einem prüfenden Blick.

Alexa schwieg noch immer. Sie scherte sich auch nicht um die gelegentlichen aber betroffenen Blicke von Major Lorne und Mister Woolsey. Sie war sich sicher, dass Lorne bereits kurz aber gründlich über das, was auf dem Planeten geschehen war, berichtet hatte.

„Hast du denn überhaupt nichts zu deiner Verteidigung zu sagen?“, forderte Tristanius.

„Oh-oh“, murmelte Alexa.

Ein verwirrtes „Was?“ ihres Gegenübers folgte und schon kippte sie langsam ohnmächtig werdend vorne über, direkt in die Arme ihres Vaters.

Lorne stürmte noch zu Hilfe, konnte jedoch nur Tristanius Waffe entgegennehmen, als dieser eilig seine Tochter auf die Arme nahm und zur Krankenstation trug. Dann tauschte er noch einige Blicke mit Woolsey aus, bevor beide dann dem General zur Krankenstation folgten.

~~~///~~~

Am Fuße des Bettes stand Tristanius und verfolgte mit stoischer Miene, wie Elisha die Untersuchung ihrer gemeinsamen Tochter vornahm. Doch er hörte auch am Rande, wie über den Zustand des Colonels, dessen sich Jennifer einige Meter weiter angenommen hatte, gesprochen wurde.

„Ich kann keine körperlichen Verletzungen feststellen“, erklärte Jennifer. „Adrenalinspiegel und Blutdruck sind ein wenig erhöht, aber es ist bisher nicht sonderlich dramatisch. Wir behalten es im Auge. Was war das für eine Maschine, an die er angeschlossen war?“

„Schwer zu sagen. Alexa hat das Ding zerschossen, noch bevor ich genügend Daten sammeln konnte. Aber wenn man bedenkt, mit wem wir es da zu tun hatten und die ganzen Fragen, die die Leute schon gestellt haben, als wir zum ersten Mal da waren-„

„Sie soll Informationen sammeln in dem sie Gedanken liest“, erklärte Lorne und unterbrach somit McKays Erklärungsschwall. „Ich schätze, sie ist dem Gerät ähnlich, dass wir damals eingesetzt haben, um den Colonel von dem Erreger dieser Horror-Rosen zu befreien.“

„Was könnten diese Leute erfahren haben?“, wollte Richard wissen.

„Nichts“, krächzte Alexa, die gerade zu sich kam und sich mühevoll mithilfe ihrer Mutter aufrichtete. „Alles, was John wusste, all seine Gedanken, die er während dieser … Befragung hatte, sind auf dem Kristall, den ich Mrs. Sheppard gegeben habe“, fuhr sie fort und warf ihrem Vater, der hörbar einatmete, einen grimmigen Blick zu. Es war ihr schon klar, dass er ebenfalls, wenn auch ein persönliches Interesse daran haben würde, welche Informationen John womöglich hatte. Selbst wenn er sie nicht weitergeben würde. „Und sein Geiselnehmer hat die Informationen auch noch nicht weitersenden können.“

„Im Moment mache ich mir mehr Gedanken darüber, was diese Maschine während dieser Prozedur mit dem Colonel angestellt hat“, murrte Jennifer, die noch immer die Daten auf den Bildschirmen studierte. „Sein Gehirnscan ist zwar unauffällig, aber laut diesen Anzeigen hat der Colonel enorme Schmerzen. Ich kann nicht einmal sagen, ob dieses Gedankenlesen mit dieser Maschine selbst diese Schmerzen verursacht, oder ob womöglich der Widerstand des Colonels ihn in diesen Zustand versetzt hat.“

„Die Maschine hat ihm diese Schmerzen bereitet“, sprach Alexa weiter und schob die helfenden Hände ihrer Mutter, die sie im Grunde eigentlich wieder zum Hinlegen bewegen wollte, zur Seite. „Ich habe es gespürt, kurz bevor wir ihn fanden. Je mehr er sich weigerte, Informationen zu liefern, desto mehr erhöhten sie die Leistung. Aber … er hat sich widersetzt. Auf seine eigene Art.“

Carol schloss ihre Hand noch ein wenig fester um den Kristall, als ihr klar wurde, was sich darauf befinden musste. „Er hat aber keine bleibenden Schäden davon getragen?“, wollte sie wissen.

„Ich denke nicht. Er ist zwar noch bewusstlos, aber nach allem was ich jetzt weiß, ist es wohl nicht verwunderlich. Ich kann ihm etwas gegen die Schmerzen geben, aber ich würde lieber erst abwarten, bis er zu sich gekommen ist. Wir müssen auch mit einigen Nebenwirkungen rechnen, die allerdings noch nicht bekannt sind. Schwindel, Desorientierung, Verwirrung, eventuell auch eine Amnesie. Eine leichte Amnesie“, erläuterte sie genauer, als sie die besorgten Blicke seiner Familie und Freunde bemerkte. „Aber ich denke, das kriegen wir in ein paar Tagen wieder hin.“

„Gut. Gut“, entfuhr es Woolsey erleichtert. „Sonst wurde niemand verletzt?“

„Nein, Sir“, erwiderte Lorne schnell. „Zumindest nicht auf unserer Seite.“

Richard nickte, wandte sich dann an die Antiker. „Wie steht es um Sie, Commander? Es scheint Ihnen besser zu gehen.“

Kaum hatte Richard ausgesprochen und sich gänzlich an sie gewandt, verdrehte Alexa abermals die Augen und sackte in die Knie. Dass sie nicht gänzlich zu Boden ging, lag einzig und alleine an ihrem Vater, die sie abermals auffing.

„Nicht unbedingt“, kommentierte Dorian, während Tristanius seine Tochter wieder auf das Bett hievte.

„Wir werden es Sie wissen lassen, Mister Woolsey, sobald ich meine Untersuchung abgeschlossen habe.“

„Gut“, wiederholte Richard. „Dann möchte ich Sie, Major, und das Team des Colonels bitte im Büro sprechen, sobald es Dr. Keller und ihre Kollegen es zulassen.“

~~~///~~~

„Ich muss zugeben, dass mir nicht ganz wohl dabei ist, das alles auch so in die Berichte zu schreiben“, fügte Evan seinem ausführlicheren Bericht an.

Richard hatte sich nach den ersten detaillierten Schilderungen über die Ereignisse auf dem Planeten während Johns Befreiung erst einmal setzen müssen und auch die Ergänzungen von Teyla, Rodney und auch Ronon änderten nichts an seiner Bestürzung, als er sich zurücklehnte und seine Hand frustriert über seinen kahlen Schädel strich.

„Da sind Sie nicht der einzige Major. Der Colonel hat das nicht mitbekommen?“

„Das bezweifele ich, Sir. Er war kaum ansprechbar. Es fand zwar eine kurze Konversation zwischen ihm und dem Commander statt, aber es schien, dass der Colonel in einem Traum oder einer Halluzination gefangen war. Dennoch …“

„Dennoch?“

„Nun, es schien dabei eine … gewisse Vertrautheit zwischen dem Colonel und dem Commander zu existieren“, stutzte Evan weiter und tauschte nur kurze besorgte Blicke mit den Teammitgliedern des Colonels aus. „Aber selbst da war er ausschließlich um die Sicherheit des Commanders besorgt. Meinte, sie müsse sofort weg. Sie solle gehen, es sei zu gefährlich für sie.“

„Wie war das Verhalten des Generals?“

„Ich hatte nicht wirklich die Zeit, ausgiebig darauf zu achten, aber es hatte den Eindruck, dass er zum Ende hin ziemlich … angepisst war“, gab Lorne salopp zurück und kassierte dafür eine missbilligend hochgezogene Augenbraue. „Er gab sich bis vorhin allerdings die größte Mühe es sich nicht anmerken zu lassen.“

Richard nickte bedächtig. Lorne hingegen fuhr fort.

„Als er sie auf dem Planeten bremsen wollte, hat sie sich ihm einfach widersetzt und ihre Befragung fortgesetzt. Ich kann aber nicht mit Gewissheit sagen, ob sie dabei ihre empathischen Fähigkeiten nutzte oder nur größeren Druck auf den Befrager ausüben wollte.“

„Ist doch egal. Ich hätte es auch so gemacht“, knurrte Ronon, der sich einem der Sessel niedergelassen hatte.

Richard musste tatsächlich über diese Aussage schmunzeln, kannte er den Sateder mittlerweile doch gut genug. „Ja, und ich bin sicher, dass auch der Colonel so gehandelt hätte, wären die Umstände anders gewesen und der Commander gefangen genommen worden. Und genau das bereitet mir Sorge. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch“, fuhr Richard seufzend fort, erhob sich und ging um seinen Schreibtisch herum. „Natürlich lassen wir niemanden zurück. Mir ist aber auch bewusst, dass wir in den meisten solcher Fälle weder mit diplomatischem Geschick, noch mit Verhandlungen vorgehen können und ich habe auch nicht die Absicht, mich in das Leben und die Beziehungen einiger Expeditionsmitglieder zu mischen, solange diese nicht gegen geltende Regeln verstößt. Aber wenn sich dadurch das Verhalten einiger Expeditionsmitglieder derart verändert, dass sie zu einer Gefahr für diese Stadt und den Menschen in ihr und ganz besonders für sich selbst werden, kann ich nicht länger still hier sitzen bleiben und abwarten.“

„Und was sollen wir jetzt tun?“, fragte Rodney, worauf Richard abermals tief durchatmete und nachdenklich zum Stargate hinabschaute.

~~~///~~~

Vor wenigen Minuten war Alexa wieder zu sich gekommen. Nun saß sie auf ihrem Bett, ließ die weiteren Untersuchungen ihrer Mutter murrend über sich ergehen, aber hielt dem wütenden Starren ihres Vaters stand.

„Was hast du mir zu sagen?“

„Was willst du denn hören?“, fragte Alexa lässig zurück. In ihrem Inneren kochte sie jedoch vor Wut.

„Ich habe kein Verlangen mich auf solche Spielchen mit dir einzulassen“, erwiderte Tristanius zischend. „Was hast du dir dabei gedacht? Was wolltest du mit diesem Verhalten beweisen.“

„Ich wollte weniger etwas beweisen, als vielmehr den Colonel da rausholen.“

„Alexa, es waren bereits zwei Marine-Einheiten, das Team des Colonels und das des Majors zu dieser Aktion eingeteilt. Und ich habe mich ebenfalls für diese Mission gemeldet. Ich habe dich darum gebeten, in deinem Quartier zu bleiben und zu warten.“

„Ich tue mittlerweile nichts Anderes mehr, als zu warten. Nur bin ich mir noch nicht sicher auf was. Oder wen? Geschweige denn warum.“

„Ich habe dir Befehle gegeben, du hast dich daran gehalten. ich habe Anordnungen ausgesprochen, du bist ihnen gefolgt. Aber kaum, dass ich dich um etwas bitte, nutzt du die erstbeste Gelegenheit, dich mir und deiner Mutter zu widersetzten. Mehr noch, du setzt deine Gesundheit und dein Leben aufs Spiel.“

„Es ist nicht anderes oder weniger, als das, was John … der Colonel für mich getan hat.“

„Und dann“, fuhr Tristanius unbeirrt weiter. „Überschreitest du Grenzen. Was du auf dem Planeten getan hast, ist unfassbar. So etwas kann ich nicht … ich kann es ehrlich gesagt, nicht verstehen. Geschweige denn erklären. Das ist unentschuldbar. Das ist … Wie soll ich das Mister Woolsey erklären? Was soll ich den Personen auf der Erde erklären, wenn es zu Gesprächen kommt? Wenn es zu einer Anhörung kommt?“

„Tristan“, bat Elisha ruhig, als sie sah, dass sich die Aufregung ihres Mannes gar nicht mehr legen wollte. „Komm“, bat sie und schob ihren Mann mit einigem Aufwand in das nächstgelegene Büro.

„Du hast keine Ahnung, was sie getan hat, Elisha“, sprudelte es aus ihm. Elisha hingegen sah ihn nur schweigend an, während er in dem winzigen Raum hin und her lief. Sie gab ihm die Zeit, sich wieder zu beruhigen, zu seiner Sachlichkeit zurückzukehren und dann würde er sich auch auf die nächsten Schritte konzentrieren können.

„Das war … es war eine Hinrichtung. Ich weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben soll. Sie hat ihn langsam hingerichtet.“

Elisha schluckte, blieb aber immer noch ruhig, als sie bat: „Erzähl es mir von Anfang an, bitte.“

Das tat er auch. Als er endete, waren sowohl Elisha als auch Dorian zwar blass und doch schienen sie die Aufregung nicht ganz nachvollziehen zu können.

„Also hat sie dasselbe getan, was der Colonel oder du getan hättest, wenn es anders gewesen und Alexa gefangen gewesen wäre“, meinte Elisha.

„Sie hat kaltblütig auf den Mann geschossen! Als sie ihm Fragen stellte, aber nicht die Antwort bekam, die sie wollte, schoss sie ihm erst in beide Knie“, verteidigte Tristanius sich. „Und am Ende hat sie einen gezielten Schuss in dessen Leiste abgegeben. Sie wusste genau, was sie tat. Der Mann ist innerhalb von wenigen Augenblicken verblutet.“

„Sie hat herausfinden wollen, was dem Colonel angetan wurde“, erklärte Elisha. Die Sicherheit und Ruhe, die seine Frau dabei ausstrahlte, überraschte ihn. „Sie wollte wissen, was diese Leute erfahren haben könnten. Sie wollte wissen, ob und welche Gefahr für uns und jeden anderen hier in der Stadt bestünde. Sie stand unter Zeitdruck. Nicht nur, dass sie selbst ziemlich angeschlagen war, es hätte auch jeden Moment Verstärkung auftauchen können, die eine Befreiung des Colonels erschwert oder gar unmöglich gemacht hätte.

„Und was den letzten Schuss angeht“, warf Dorian ein, „Für mich klingt es eher nach Selbstverteidigung oder Notwehr. Du hast doch gesagt, dieser Mann wollte sie mit etwas angreifen.“

„Sie wollte John zurück“, meinte Elisha leise. „Sie wollte ihn und was man ihm antat, rächen. John ist vielleicht Agema und Alexa ist Initia. Sie ist aber auch Soldatin. Vielleicht zeigt sie dadurch dasselbe Verhalten, wenn es um das Leben und die Sicherheit ihres … Partners geht, wie man es eigentlich nur von einem Agema erwartet.“

„Er ist nicht …“, wisperte Tristanius, schüttelte dann aber mit dem Kopf. „Er sagte ihr, dass er sie liebe.“

„Wirklich?“, fragte Elisha hoffnungsvoll.

„Er war offenbar nicht ganz bei Verstand. Sie haben ihm mit diesem Gerät enorm zugesetzt. Er muss fantasiert haben.“

„Vielleicht. Vielleicht war es auch sein Ernst in einem der wenigen klaren Momente, die er hatte. Wie hat Alexa darauf reagiert? Was hat sie gesagt?“, fragte sie weiter.

„Sie war sehr … sie war ihm sehr zugetan. Sie war … um ihn besorgt. Sie sagte, sie wisse es.“

„Sie beginnt, ihre und vor allem seine Gefühle zu akzeptieren“, erwiderte Elisha.

„Wisst ihr, was ich glaube?“, fragte Dorian und wandte sich an seinen Vater. „Du denkst vielleicht, sie habe Grenzen überschritten, ungebührliches Verhalten gezeigt oder wie immer ihr Soldaten es nennen wollt. Ich glaube, sie hat die Nase voll von den ganzen Geheimnissen und Lügen. Verdammt, sie hat empathische Fähigkeiten. Glaubst du wirklich, sie merkt es nicht, dass wir ihr Informationen vorenthalten und sie tagtäglich belügen? Und den Menschen hier machen wir auch etwas vor.“ Dorian versuchte, sich nicht in Rage zu reden und atmete tief durch. „Sie vertraut John und den anderen mittlerweile mehr als uns und ich für meinen Teil kann es ihr nicht einmal verdenken. Vielleicht hat sie uns mit dieser Aktion einfach nur zeigen wollen, dass sie diesen Wahnsinn nicht mehr länger mitmacht.“

Damit ließ der junge Antiker seinen sprachlos grübelnden Vater stehen und verließ die Krankenstation.

Elisha sah fast mitfühlend zu ihrem Mann. „Damit hat er nicht unrecht, weißt du?“ Elisha wartete nur kurz und seufzte dann, als sie sich wieder erhob. „Es geht hier nicht darum, dass sie deiner Bitte nicht nachkam oder dass sie diesen Mann erschoss. Sie hat dir deutlich gemacht, was sie von deinem, von unserem Verhalten hält. Sie nimmt die Dinge allmählich selbst in die Hand und zwingt dich … wie sagen die Menschen immer? Sie zwingt dich, die Karten auf den Tisch zu legen. Und wenn du mich fragst, ist das schon lange überfällig.“

~~~///~~~

Es war nicht unbedingt so, dass Evan nicht wüsste, wie er seinen Bericht zu schreiben hatte. Doch das Umschreiben wichtiger aber fehlender Hintergrundinformationen machte es ihm auch nicht unbedingt einfach. Dass die Antiker mehr wussten, war beinahe nichts Neues mehr. Viel zu oft hatte er bereits während seines Dienstes im Stargate-Center mitbekommen, wie die Antiker über Jahrtausende hinweg das Leben und die Menschen in mehr als einer Galaxie beeinflussten. Aber nun schien es einzelne Personen mehr zu betreffen als andere. Und das auch nicht gerade auf eine positive oder angenehme Weise.

Evan war vor nicht ganz fünf Minuten hinter einer Ecke abrupt stehen geblieben und hatte sich seither das Getratsche einiger Soldaten angehört. Es war nicht wirklich Zufall, dass er diese teils abwertenden und beleidigenden Äußerungen mitbekam. Er wollte ursprünglich mit den Marines, die an Sheppards Rettung beteiligt waren, sprechen. Nun hatte es offenbar ein anfänglich erster Idiot geschafft, noch einen weiteren Idioten zu Ratsch und Tratsch bewegen zu können und wenn er nicht bald einschritt, würde die Gerüchteküche überkochen.

„Gentlemen, ich glaube nicht, dass das Privatleben des Colonels auch nur einen einzigen von ihnen etwas anginge!“

Kaum hatte er den Raum betreten und sich mit lauter und befehlender Stimme bemerkbar gemacht, nahmen die Männer Haltung an.

„Wir … wir haben uns nur gewundert, Sir“, brachte einer der Männer hervor, wobei Idiot Nummer eins abschätzend schnaubte.

„Haben Sie irgendetwas zu vermelden, Sergeant Wyler?“, wollte Lorne von diesem wissen und baute sich vor dem Mann auf.

„Nein Sir“, knurrte dieser.

„Wer wann und warum auf wen steht, hat niemanden zu interessieren“, erklärte Lorne bestimmend und sah den Sergeant, der Idiot, der den Mund als Erstes aufriss, direkt in die Augen. „Und es ist nicht ihr Job, sich zu wundern. Ihnen wird ein Befehl erteilt und sie befolgen ihn. Spekulationen und Gerede über das Privatleben, ob es das des Colonels oder das eines Antikers oder sonst wem ist, hat weder in der Umkleide noch sonst wo stattzufinden.“

„Sie wissen noch nicht einmal, worum es wirklich ging. Und diese Unterhaltung ist privat“, platze es vorlaut aus dem Sergeant.

„Ich habe die letzten fünf Minuten hinter der Ecke dieser Umkleide gestanden und ihren verbalen Dünnschiss mit angehört, Sergeant. Private Unterhaltungen sind hier kaum möglich, ohne dass es die ganze Stadt mitbekommt. Vor allem, wenn solche Tratschtanten wie Sie die Gerüchte erst einmal in die Welt gesetzt haben.“

„Aber Major“, begann einer der anderen Soldaten aus dem Team des Sergeants. „Finden Sie es nicht auch merkwürdig, dass es erst eine Menge Stunk zwischen dem Colonel und dem Commander gab und plötzlich ist heile Welt und sie machen sich tolle Liebeserklärungen? Mit dem Colonel geht doch irgendwas vor.“

„Ob und was zwischen dem Colonel und dem Commander vonstattengeht, hat niemanden zu kümmern. Unterlassen sie derartige Spekulationen und Gerüchte, bevor sie die Beteiligten und andere womöglich in Teufels Küche bringen.“

„Was denn? Ist der Major etwa als Kuppler unterwegs?“, knurrte Wyler erneut.

„Wie war das Sergeant?“, fragte Evan und trat noch näher an den Mann heran. Dabei machte es ihm nichts aus, dass dieser ihn einen ganzen Kopf überragte. „Würden Sie das vielleicht noch mal wiederholen? Ich bin sicher, der Colonel, Mister Woolsey, General und Commander Thalis sind sehr an Ihrem persönlichen Wundern und Berichten interessiert.“

Doch Wyler besann sich eines Besseren und behielt weitere spitzfindige Kommentare für sich.

„Der Nächste, der anfängt wild zu spekulieren oder den Mund derart aufreißt, verbringt die nächsten zwei Wochen in der Brig, bevor er sich sein Rückflugticket zur Erde beim Colonel abholen kann“, ließ Evan verlauten, was auch den Rest der Männer endgültig verstummen und teilweise sogar schlucken ließ. „Haben wir uns verstanden?“

Mit einem klaren „Ja, Sir!“ war zumindest die erste Hürde für Lorne umschifft. „Sie haben zehn Minuten Zeit, bevor ich sie alle im Besprechungsraum 4 auf Ebene 12 sprechen will. Und räumen sie diesen Saustall hier auf!“

~~~///~~~

Tristanius wusste nicht, wie lange er schon am Fenster seines Quartiers stand und nachdenklich auf den Ozean blickte. Der Sonnenuntergang war auf jeden Fall schon vorbei und die ersten Sterne und Monde ließen das Wasser glitzern. Das Abendessen mit seiner Familie, das dieses Mal nur aus ihm, seiner Frau und Dorian vonstattenging, lief sehr schweigsam ab. Dorian und Elisha waren eher nicht zu vergnüglichen Gesprächen aufgelegt, wobei Dorian seinen Frust selbst ohne Worte noch deutlicher ausdrücken konnte, als man bisher für möglich hielt.

Er wusste, was die Gründe für das angespannte Verhalten seiner Familie war. Sogar das Verhalten seiner Tochter konnte er, auch wenn es ihm ganz und gar nicht gefiel, verstehen. Gerade als er seine Gedanken auf das aktuelle Problem lenken wollte, läutete es zu seinem Quartier. Seine Frau öffnete und ließ Richard Woolsey eintreten. Dann zog sie sich wieder ins Schlafgemach zurück.

„Mister Woolsey“, grüßte Tristanius. „Wie geht es dem Colonel?“

„Den Umständen entsprechend. Doktor Keller glaubt, dass sein Erinnerungsvermögen stark durcheinandergewirbelt wurde. Aber sie ist zuversichtlich, dass er sich wieder vollständig erholt, auch wenn er einige Tage strikte Ruhe braucht“, erklärte Richard, versuchte dabei jedoch, seinen Groll zu unterdrücken. „Wie geht es dem Commander?“

„Ebenfalls den Umständen entsprechend. Sie war … sie war noch nicht wieder voll genesen. Meine Frau hat sie für die nächsten Tage sediert. So kann sich zumindest ihr Körper endlich ausreichend erholen“, brachte der General mühsam hervor und schwieg dann einen Moment, während Richard einfach abwartete, ob noch etwas von seinem Gegenüber käme.

Er wartete vergebens. Wieder steig heißer Zorn in ihm auf, den er abermals zu kontrollieren versuchte. Das stoische Schweigen des Mannes war einfach nicht länger zu bewundern. „Ich habe hier die Berichte der einzelnen Teammitglieder. Ich bin sicher, die … Aussagen kommen Ihnen ganz gelegen.“

Tristanius nahm die einzelnen Mappen an, sah dann aber über Woolseys Erklärung überrascht auf. „Mister Woolsey … ich kann Ihnen gar nicht sagen … ich kann Ihnen versichern, dass das Verhalten meiner Tochter-„

„General Thalis“, unterbrach Richard die Erklärungsversuche des Antikers. „Ich habe die letzten Stunden damit zugebracht, Überlegungen darüber anzustellen, ob und was ich in den Berichten stehen lassen soll. Ich habe schon sehr früh gelernt, dass es weder im Stargate-Programm noch hier in Atlantis immer streng nach Regeln, Vorschriften und vorgeschriebenen Abläufen gehen kann und Sie können mir glauben, dass diese Lektionen alles andere als angenehm … oder schmerzfrei waren. Um auf den Punkt zu kommen, ich habe weniger Probleme damit, was Ihre Tochter getan hat, als vielmehr dass sie es überhaupt getan hat. Doch ich bin sicher, sie hatte ihre Gründe. Mir ist bewusst, dass Sie und Ihre Familie seit dem Ende Ihrer Stase und Ihrer Rückkehr mit einigen Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen haben und es liegt mir fern, mich in diese Probleme oder gar in ihr Leben einmischen zu wollen. Aber wenn diese Problematik Auswirkungen auf die Menschen hier in dieser Stadt oder auch nur einzelne Mitglieder der Expedition hat … dann weiß ich nicht, wie lange ich mich noch heraushalten kann.“

Richard tauschte noch einen ernsten Blick mit dem Antiker aus, bevor er sich mit einem „Guten Abend“ verabschiedete und einen noch tiefer grübelnden General stehen ließ.

Tristanius klappte den ersten Bericht auf, überflog ihn, klappte ihn wieder zu und warf ihn frustriert auf den Tisch. Wieder auf den Ozean starrend lehnte er sich an die Wand und seufzte.

„Kein schlechtes Manöver, Alexa. Nicht schlecht.“

~~~///~~~

Blinzelnd und vollkommen desorientiert erwachte John. Als er sich ein wenig aufrichten wollte, schien sein Schädel förmlich auseinander bersten zu wollen. Mühsam unterdrückte er ein Stöhnen. Sein Vater hatte es dennoch mitbekommen.

„Langsam, Junge. Die haben dir offenbar ganz schon im Kopf rumgewühlt.“

„Dad?“ Vollkommen irritiert starrte John zu seinem Vater, dann zu seiner Mutter. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte er, Gespenster zu sehen. Dann kam ihm allmählich die Erinnerung an den Tag, an dem er von seinem Bruder gerufen und in das elterliche Wohnzimmer geführt worden war, in dem seine totgeglaubten Eltern quicklebendig gesessen hatten.

„Erinnerst du dich, wo du bist?“, wollte seine Mutter wissen und abermals dauert es einen Moment, in dem sich John seine Umgebung ansah und dann antwortete.

„Atlantis. Krankenstation. Schon wieder.“

„Gut. Und weißt du auch warum? Weißt du, was passiert ist?“

„Nicht wirklich. Aber es fühlt sich so an, als sei mein Schädel wieder mal Hauptbestandteil irgendeiner Aktion gewesen.“

„Das trifft es so ziemlich auf den Punkt“, flötete Patrick.

„Was ist das Letzte, woran du dich erinnerst?“, fragte Carol weiter.

„Ich war am Strand. Ich war … ich war mit Alexa an einem Strand“, meinte John leise, bemerkte dann aber die zweifelnden Blicke seiner Familie. „Oder nicht?“

„Nicht wirklich“, gab Carol begütigend zurück und drückte die Hand ihres Sohnes. „Aber das wird wieder. Du brauchst Ruhe. Wichtig ist im Moment nur, dass du wieder da bist und dass du in Sicherheit bist. Dein Erinnerungsvermögen-„

„Alexa? Wo … wo ist Alexa? Sie … sie ist doch … real. Oder?“

„Ziemlich“, erwiderte Carol lächelnd. „Es geht ihr gut, John. Sie ist auch in Sicherheit. Gleich da drüben im privaten Krankenzimmer. Sie schläft. Es ist alles in Ordnung. Es ist schon ziemlich spät und du brauchst jetzt auch Ruhe. Morgen geht es dir besser und dann reden wir weiter.“

John stutzte noch immer, als seine Mutter ihm ein letztes Mal beruhigend die Hand drückte und ihm einige Strähnen aus der Stirn strich und ihn dann mit seinem Vater verließ. Es schossen ihm so viele Bilder und Eindrücke durch den Kopf, die schwer zu verstehen und noch schwerer einzuordnen waren. Vielleicht würde eine anständige Portion Schlaf ihm wirklich helfen und sei es nur, dass seine Kopfschmerzen nachließen und er sich dann besser konzentrieren könne. Doch etwas ließ ihm keine Ruhe.

Mühsam rappelte John sich auf, kämpfte gegen den Schwindel, als er endlich auf den Beinen stand und ging in Richtung des privaten Krankenzimmers. Doch die beiden Wachsoldaten an deren Eingang irritierten ihn. Hatte er sie dorthin befohlen? Wann? Warum? Hatte er überhaupt was zu sagen? „Gentlemen, könnten sie sich mal für fünf Minuten die Beine vertreten?“

„Natürlich, Sir. Aber Commander Thalis` Bruder ist noch bei ihr, Sir.“

John nickte und betrat den kleinen Raum. Es dauerte einige Sekunden bis ihm der Name des jungen Mannes wieder einfiel. Kopfschüttelnd über sich selbst gesellte er sich zu ihm.

„Hey, John. Wieder auf den Beinen?“

„Irgendwie“, gab John zurück und wurde gerade noch so von Dorian davon abgehalten, stumm und langsam wie ein nasser Sack umzufallen.

„Hey ho! Eher nicht, hm? Hier. Vielleicht solltest du dich besser setzen“, platze es leicht amüsiert aus Dorian, als dieser ihn auf den von ihm verlassenen Stuhl verfrachtete. „Du hättest besser liegen bleiben sollen.“

„Erst brauche ich ein paar Antworten“, gab John zurück und lehnte sich, aus Sicherheitsgründen, da der Raum sich noch immer drehte, zurück. „Was ist passiert?“

„Erinnerungslücken?“, fragte Dorian.

„Eher Chaos. Ich glaube nicht, dass was fehlt, nur kann ich es nicht ordnen. Alles ist durcheinander.“

Dorian nickte. „Kann ich mir vorstellen. Das Ding hat dir wirklich ziemlich zugesetzt.“

Als John ihn nur stumm aber bittend ansah, begann Dorian die wichtigsten Einzelheiten, zumindest die, die ihm selbst berichtet wurden, aufzuzählen und beobachtete dabei, wie John versuchte, die einzelnen Puzzleteilchen zusammenzusetzen.

„Wie geht es ihr?“

„Sie wird wieder“, meinte Dorian salopp. „Mutter hat sie für die nächsten drei Tage und Nächte aus dem Verkehr gezogen und bis dahin dürfte auch Pa sich wieder abreagiert haben. Und du dürftest dann auch wieder wissen, wer du bist.“

John grinste beinahe, aber selbst das bescherte ihm fast mörderische Kopfschmerzen.

„Wieso hat sie nicht auf ihren Vater gehört?“

„Da gibt es unzählige Theorien“, begann Dorian zu scherzen, wurde dann aber ernst. „Die wahrscheinlichste ist wohl, dass, egal was du jetzt oder später vielleicht denkst … du ihr wichtig bist. Sie hat Gefühle für dich, John. Sonst wäre sie nicht ein solches Risiko eingegangen. Und ich rede nicht von Pa´s Anschiss. Sagt man das so?“

„Ich glaube, ja“, gab John nachdenklich zurück, während er das schlafende Gesicht der Antikerin betrachtete.

„Immer noch Chaos?“, fragte Dorian und tippte auf seine Schläfe.

John nickte. „Unter anderem.“

„Du solltest dich wieder hinlegen“, gab Dorian zurück und machte sich daran, das Krankenzimmer zu verlassen. „Alexa läuft diesmal bestimmt nicht wieder weg.“

Dorian blieb noch einmal am Eingang stehen und drehte sich wieder zu John. „Wenn du ihr ein bisschen Zeit gibst, kriegst du bestimmt auch eine richtige Antwort auf deine Liebeserklärung.“

„Was? Welche …? … Ich habe … was?! Wie … woher …?“

„Flurfunk.“ Dorian zuckte amüsiert grinsend mit den Achseln und John verdrehte teils verärgert, teils beschämt die Augen, was ihm wieder mit Schmerzen quittiert wurde. „Aber ich glaube, Major Lorne hat ihn fürs erste abgestellt. Leg dich wieder hin, John. Morgen kannst du deine Jungs auch noch auseinandernehmen.“

Als Dorian gegangen war, bleib John noch eine Weile sitzen. Er wartete, bis der Schwindel nachließ, sein Gedankenkarussell anhielt und sich sicher war, dass er die nächsten drei Tage mit Ordnung schaffen und Räumung beschäftigt wäre. Und das würde nicht nur seinen Verstand betreffen. Dann erhob er sich wieder und stützte sich auf Alexas Bett. Zentimeter vor ihrem Gesicht hielt er inne. Das Verlangen sie zu küssen war fast übermächtig, doch John widerstand. Stattdessen küsste er ihre Wange.

„Ganz schön verschlagen, hm? Danke.“

The End

Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis. Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

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