SGA/ALEXA: Healing Memories

HM Cover

Serie: Alexa Saga
Series Order: 07
Characters: Sheppard, McKay, Teyla, Ronon, Woolsey, Keller, Lorne, OC, diverse andere Bekannte des SG(A)-Verse
Genre:OC, ein bisschen AU, Adventure, Friendship, Action
Rating: R-16
Wortanzahl: ca. 76.000 Worte

Kurzinhalt: Johns Überleben hängt von seinen Erinnerungen ab…
Sheppards Vater bittet seinen Sohn um eine Aussprache. Als dieser endlich gewillt ist, nach einer Routine Mission mit ihm zu reden, geraten beide wieder einen Streit, in dessen Verlauf John zusammenbricht.
Zunächst ist unklar was mit ihm ist, doch dann findet man schnell heraus, dass John in seinen Erinnerungen gefangen ist. Um zu Überleben, muss er durch die Hölle. Doch jemand bestimmtes steht ihm unerwartet zur Seite…

~~~///~~~

Atlantis

 

„Aber vielleicht auch nicht, Colonel“, antwortete Daniel, der mit John gerade auf dem Weg zu Woolsey war.

Heute war eigentlich ihr freier Tag, aber Richard hatte John und Daniel dennoch zu sich rufen lassen.

Nun waren sie schon kurz vor seinem Quartier. Nach all der Aufregung der vergangenen Tage, hoffte man nun endlich auf einen ruhigen und erholsamen Tag.

Nur das absolut notwendige Personal tat Dienst. Angefangen von nur zwei Köchen in der Kantine, einem Assistenzarzt und einer Krankenschwester in Bereitschaft auf der Krankenstation und vielleicht vier Personen im Kontrollraum.

Selbst John trug dieses Mal Zivilkleidung.

„Hören Sie, es ist nicht so, dass ich die drei nicht verstehen kann, aber glauben Sie mir, dass es mit Sicherheit keine gute Idee ist, wenn sie erführen, was hier in den letzten Jahren so los war.“

„Das ist es ja … ich rede nicht davon, ihnen jedes kleinste Detail zu erzählen, aber der eine oder andere Missionsbericht könnte vielleicht schon ausreichen. Abgesehen davon habe ich schon mit Woolsey gesprochen … Ihr Vater hat sich mit ihm darüber unterhalten, eine Freigabe für die Einsicht in die Missionsberichte zu beantragen.“

„Sicher hat er das“, spottete John, „ist ja mal wieder typisch für ihn. Er kann es einfach nicht lassen.“

Endlich bei Woolsey angekommen, betätigte John den Türsummer, worauf nur Sekunden später geöffnet wurde.

„Colonel Sheppard, Doktor Jackson! Kommen Sie rein“, bat Richard erfreut.

Selbst an seinen freien Tagen trug er Anzug und Krawatte und John fragte sich allmählich, ob er damit auch ins Bett ging.

Doch John fiel auf, dass er nicht alleine war.

Gerade die Menschen, die er am wenigsten hier erwartet hätte, saßen bereits auf Woolseys Couch.

Patrick und Carol Sheppard, seine Eltern und Dave, sein Bruder.

„Keine Sorge, es ist nichts vorgefallen. Setzten Sie sich doch!“, bat er und wies auf die Sesselgarnitur seines Apartments.

„Ich dachte mir, wir könnten mal in Ruhe ein kleines Schwätzchen halten und uns mal von Doktor Jackson erzählen lassen, was es auf der Erde Neues gibt.“

John erstarrte kurz, während er sich eigentlich in einem Sessel niederlassen wollte, und blickte Woolsey zweifelnd an.

„Kann ich Ihnen beiden etwas anbieten? Einen Wein oder einen Cognac?“

John war versucht, Richard um einen Cognac zu bitten, am besten noch einen doppelt oder dreifachen, denn er wusste schon, warum er hergerufen wurde. Aber wozu Jackson mitgekommen war, wusste er nicht. Vielleicht wirklich nur, um ein kleines Schwätzchen zu halten. Schließlich ließ er sich nur einen Cognac geben.

„Nun Doktor, was gibt es neues?“, eröffnete Woolsey die erste Runde.

„Nur das Übliche, Sie wissen ja. Die Ori sind vernichtet, Tomin versucht sich in Schadensbegrenzung und Wiedergutmachung, Die Goa`uld sind kaum noch anzutreffen, dennoch haben Teal´c und Bra´tac alle Hände voll zu tun, eine ordentliche und … unbeeinflussbare Regierung aufzubauen, auch wenn nur noch wenige Jaffa da sind und die Tokra werden auch immer weniger.“

„Das sind gute und weniger gute Nachrichten. Wie steht es eigentlich mit Präsident Hayes? Wie ich hörte, wurde er für eine zweite Amtszeit gewählt.“

„Ja richtig. Er wurde mit großer Mehrheit wieder gewählt und … vielleicht sollte ich das lieber nicht sagen, aber es geht das Gerücht um, dass er geheime Besuche auf den wichtigsten Offworld-Basen plant.“

„Er will … auch hierher kommen? Wieso ist er nicht gekommen, als wir noch mit Atlantis auf der Erde waren? Wäre für ihn doch einfacher gewesen und für uns auch“, meinte John.

„Atlantis war auf der Erde? Wann?“, fragte Patrick neugierig.

„Vor ’nem halben Jahr etwa.“

„Und da wurdest du auch befördert …“, schlussfolgerte er, doch John ging nicht weiter darauf ein.

„Wieso wäre das einfacher gewesen? Als wir nur kurz da waren, sah Atlantis nicht gerade einladend aus und unsere Leute waren auch nicht auf Vordermann“, erwiderte Richard amüsiert.

„Das meine ich ja, damals hätten wir noch eine gute Entschuldigung gehabt. Jetzt muss ich meine Leute wieder flott machen“, beschwerte sich John halbherzig.

„Wie gesagt, es ist nur ein Gerücht. Ich persönlich glaube es nicht. Es gibt schon jedes Mal ein riesen Trara, wenn es darum geht, dass er ins Stargate-Center kommt und den einen oder anderen Alliierten kennenlernen will. Sein Stabschef wird nicht mitmachen, wenn es um einen Besuch in einer anderen Galaxie geht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er die Antiker kennenlernen will.“

„Also gibt es wieder ein Trara“, witzelte John, worauf Daniel wieder lächeln musste.

„Wo sind die Antiker überhaupt?“, wollte Richard wissen.

John antwortete ihm.

„Tja, der General und seine Frau machen sich einen schönen gemeinsamen erholsamen Tag, Dorian und McKay wollten ihre Köpfe zusammenstecken und über höhere Physik quatschen und Alexa schläft offensichtlich immer noch.“

 ~~~///~~~

 

Obwohl es fast Mittag war, lag Alexa immer noch in Ihrem Bett und schlief. Als sie heute Morgen von den einfallenden Sonnenstrahlen geweckt wurde, die ihr ins Gesicht schienen und sie aus einem erstmals schönen Traum weckten, kämpfte sie sich aus dem Bett, schlich zum Fenster und zog die Gardinen zu. Danach schlurfte sie wieder zum Bett und wickelte sich wieder in ihre Decke.

-Sonne, ich liebe dich, aber jetzt gehst du mir auf den Zeiger!-, war ihr letzter Gedanke, bevor sie augenblicklich wieder einschlief.

Eine große lichtgeflutete Halle zur Hälfte gefüllt mit jungen Menschen, die mit hinter dem Rücken verschränkten Händen in Reih und Glied stehen. Den Blick gerade nach vorne gerichtet auf ihren Mentor.

„Ich bin für Ihre Kampfausbildung verantwortlich. Unter anderem …“

Ein groß gewachsener Mann, dunkelhaarig, sehr muskulös, kurze schwarze Haare, braun gebrannte Haut, dunkle braune Augen, die eine gewisse Wärme, aber auch Souveränität und Strenge ausstrahlten.
„Auch in Waffenkunde und der entsprechende Umgang mit solchen werde ich Ihnen beibringen. Aber seien Sie sich eines gewiss, der Unterricht und das Training bei mir werden nicht leicht sein. Sie werden hier mehr als einmal mit verschiedensten Verletzungen rauskommen … Ich wage auch zu behaupten, dass Sie mich hassen werden. Und das ist gut so, denn dann werde ich Sie lehren, solche Emotionen für Sie nützlich zu gebrauchen …“

„Ich kann mir vorstellen, dass du nicht gerade begeistert bist, Alexa, aber …“

„Begeistert? Vater, er war mein Ausbilder! Er ist immer noch Ausbilder! Was will er hier?“

„Alexa, die Akademie fiel einer Naturkatastrophe zum Opfer und ist teilweise schwer beschädigt worden. Der Wiederaufbau wird sich eine ganze Zeit hinziehen, zumal im Moment auch andere Dinge Vorrang haben. Er und einige andere Deiner Ausbilder, haben durch die Zerstörung der Akademie ihr Zuhause und ihre Arbeit verloren. Andere sogar ihr Leben. Er war früher genauso Soldat wie du, wurde Ausbilder und hat sich nun hier her versetzen lassen. Er untersteht nun ebenfalls meinem Befehl. Ihr beide habt mittlerweile den gleichen Rang und werdet zusammenarbeiten.“

„Was?! Oh nein, nein, nein, also Vater, ich bin wirklich nicht gerade … Weißt du, was er damals auf der Akademie gesagt hat? Er sagte, das wir ihn hassen würden!“

„Das sagen alle Ausbilder, Alexa. Sogar meiner hat das damals gesagt.“

„Und hast du es getan?“

„Natürlich nicht!“

„Siehst du Vater! Das ist der Unterschied zwischen uns.“

„Alexa … bitte lass mich keinen Befehl daraus machen. In einer Stunde kommt er an. Ich möchte, dass du ihn mit mir begrüßt und dafür sorgst, dass er sich hier wohlfühlt und sich auch schnell wieder an seine Arbeit gewöhnt …“

„Nnnnggaaarr …“ -Ich hasse ihn!-

Nervös wiege ich mich von einem Fuß zum anderen.

Würde er immer noch so streng sein? Würde er mich beurteilen und prüfen? Wer weiß, vielleicht ist die ganze Geschichte mit der angegriffenen Akademie nur Schein, um doch meine Befähigung als Soldat im Nachhinein zu prüfen. Schließlich war er damals auch ein Mitglied im Gremium der Lantianischen Militärakademie und hatte somit auch enormen Einfluss auf das Bestehen oder Versagen der Kadetten. Warum ausgerechnet er?

Aber es dauert nicht lange, bis ich von seinem Anblick gefesselt werden würde. Groß, stark und selbstbewusst kommt er aus dem Gate, tritt vor den General, legt die Tasche auf dem Boden ab und salutiert. Erst jetzt fällt mir auf, wie gut er eigentlich aussieht und welche Wirkung seine Stimme hat.

„Commander Darius Pelon meldet sich wie befohlen!“

„Commander Pelon, willkommen in Atlantis. Sie kennen noch meine Tochter, Commander Alexa Thalis?“

„Natürlich, ich bin nicht wirklich überrascht, Sie hier zu sehen, Alexa. Schon als junge Kadettin setzte ich bereits große Hoffnungen und Vertrauen in Sie. Wie ich sehe, wurde ich nicht enttäuscht … Commander.“

Ich bringe tatsächlich ein kleines verlegenes Lächeln hervor, bevor ich es wage, ihm direkt in die Augen zu sehen.

Ich tauche ein, in die dunklen und warmen Augen, in denen man tatsächlich Ruhe und Frieden finden könnte. Augen, die Wärme, Geborgenheit und noch mehr ausstrahlen. Augen, in denen man sich verlieren und … verlieben könnte.

-Hasse ich ihn wirklich?-

„Willkommen auf Atlantis, Commander Pelon …“

Völlig verschmutz, abgekämpft und verschrammt kommen wir durch das Gate zurück nach Atlantis.

„Nun, ein kurzer Bericht“, fordert der General.

„Gefahr erfolgreich neutralisiert, Situation unter Kontrolle, Sir“, berichte ich kurz, während ich zum Kollegen sehe und mich weiter in diesen dunklen Augen verliere.

Pelon´s Hand, die durch meine langen Haare streicht und ein Grashalm herausfischt …

Sein Lächeln, das perfekte weiße Zähne zeigt, ein Lächeln, dass das Herz zum Schmelzen bringt …

„Was tust du, wenn dein Gegner dich zu Boden bringt und dich dort festhält?“, fragt Commander Pelon.

Seiner Stimme folgen augenblicklich Taten. Blitzschnell umfasst er mit seinen großen muskulösen Armen meine Taille, hebt mich kurz hoch, lässt mich wieder zu Boden und drückt mit seinem Kinn gegen meine Brust und zwingt mich damit zu Boden. Seine Hände umfassen meine Handgelenke, er sitzt auf mir, seine Beine hindern mich am strampeln, ich kann mich nicht befreien … ich will mich nicht befreien. Sein Gesicht ist nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Wieder sehe ich in diese Augen und spüre Hitze in mir aufkommen, mein Puls wird schneller, sein Lächeln, das erstirbt, seine Lippen, die immer näher kommen …

-Ich liebe ihn …-

Verträumt und glücklich beobachte ich den Sonnenuntergang am Pier … ich höre seine Schritte die sich nähern, spüre seine Arme, die mich von hinten umschlingen. Kräftige, starke Arme, die dennoch unendlich sanft und zärtlich zu mir sind … seine Wärme, die erst meinen Rücken, dann mein Herz erwärmt … sein Atem an meinem Ohr …

„Amaris …“, haucht er zärtlich, bevor seine Lippen meinen Hals berühren und zu meinem Lippen wandern …

„Du musst es ihm sagen, Alexa. Er wird es früher oder später ohnehin erfahren, Liebes“, sagt meine Mutter und ich stimme ihr zu …

„Vater … ich … es gibt etwas … ich muss dir etwas sagen“

„Was ist denn? Raus damit! So schlimm kann es schon nicht sein, wenn schon deine Augen in letzter Zeit so klar funkeln und strahlen, kann es nur etwas Schönes sein.“

„Vater, ich … Commander Pelon … ich und er … wir lieben uns.“

Die Augen meines Vaters sehen mich überrascht und schockiert an.

„Ihr tut was?! … Das soll wohl ein Scherz sein?! … Ihr seid Soldaten, ihr arbeitet zusammen! Das darf nicht sein! … Das kann doch wohl nicht wahr sein?!“ …

Eine ganze Weile brüllt er die Kommandozentrale zusammen, dann knurrt er unverständliche Worte vor sich her und geht schließend auf und ab, bis er sich beruhigt hat. „Du liebst ihn wirklich?“

„Ja.“

„Und er liebt dich auch?“

„Ja.“

„Er … behandelt er dich gut?“

„Ja Vater, er … er ist ein wundervoller Mann.“

„Es ist euch also wirklich ernst?“

Ich nicke.

„Nun gut … so soll es dann sein. Aber wehe ihm, wenn er meiner Tochter weh tut! … Es wird keinen Platz im Universum geben, an dem er sich dann vor mir verstecken kann!“

Er kniet vor mir nieder und hält meine Hände in den seinen …

„Mea Amaris … du machst mich so glücklich … dein Lächeln, deine Augen, in die ich mich schon auf der Akademie verloren habe, aber es nie zeigen durfte … dein Herz, deine Güte, Fürsorge und deine Weisheit, sogar deine Sturheit und dein Temperament … deine Schönheit, die keine Beispiele kennt … Alexa, ich bitte dich … werde die meine … mea madronas …“

Mein Herz pocht und quillt über vor Freude und Liebe … nun knie auch ich nieder und küsse ihn … seine warmen, weichen Lippen, die immer fordernder werden, doch ich löse mich wieder und sehe in seine fragenden Augen …

„Heißt das ja oder …?“

Ich nicke freudig, bevor er mich wieder leidenschaftlich küsst …

Langsam erwachte Alexa aus ihrem Traum. Endlich war es mal keiner, in dem sich nur Mord und Totschlag abspielten. Sie fühlte sich ungewöhnlich wohl und ausgeruht. Warum auch nicht? Ihre Familie war wieder vereint, Dorian war wieder gesund und er selbst, es galt keinen Krieg oder andere Krisensituation zu bewältigen, kurz um es war alles ruhig und in bester Ordnung.

Nur dieser Traum, so schön er auch war, ließ sie nachdenklich werden.

-Wer war dieser Mann? Und überhaupt, war es nur ein Traum, oder doch eine Erinnerung? Der Mann sah schon verdammt gut aus. Neben ihm würde sogar Ronon noch wie ein Strich in der Landschaft aussehen. Aber irgendwo her kenne ich ihn, also vielleicht doch kein Traum, immerhin waren auch Atlantis und Vater darin vorgekommen … und die Akademie und …-

Alexa sprang aus dem Bett, stellte sich kurz unter die Dusche und sah sich dann ihre Habe aus der Kapsel an.

Es dauerte auch nicht lange, bis sie fündig wurde. Auf einem kleinen Kristall war ein Bild gespeichert, das genau den Mann aus ihren Träumen zeigte. Aber nirgendwo war ein Name angegeben.

-Wie war das noch? P… Pa… Pi… Po… Pe… Pel… Pel… Pelon, ja!-

Alexa kramte weiter, fand aber sonst nichts mehr, was auf die Identität des Mannes hinwies, oder Aufschluss darauf geben würde, in welcher Beziehung sie zu ihm gestanden hatte.

-Aber es gibt Leute, die es mit Sicherheit wissen.-

Sie druckte das Bild aus, steckte es ein und machte sich auf den Weg zum Quartier ihrer Eltern.

~~~///~~~

„John, ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt Dinge gibt, von denen du nicht willst, dass wir sie erfahren. Vermutlich, weil sie wohl … zu schrecklich sind. Ich bin sehr froh, dass du gesund und noch am Leben bist, aber … verstehe doch, ich bin deine Mutter und habe das Recht zu wissen, was in den letzten Jahren war. Ich habe fast zwanzig Jahre von euch und eurem Vater nachzuholen … verstehst du, das ist nicht gerade einfach für mich, John. Ich bitte dich doch nur um ein bisschen Zeit, die du mit mir … mit uns verbringen könntest.“

„Mom, ich kann dich verstehen … wirklich! Nur …“ stöhnte John gequält auf.

„Jetzt komm mir bitte nicht mit Geheimhaltung. Früher oder später werden wir es doch erfahren. Dein Vater hat bereits beantragt, die Missionsberichte einsehen zu dürfen.“

Carol verlor allmählich jeden Nerv, um sich zurückzuhalten oder gar ihre Psychologenseite zu zeigen und behutsam in ihn zu dringen.

„Natürlich hat er das“, antwortete John eingeschnappt.

„Ach John, jetzt reiß dich mal zusammen! So schlimm kann es wohl nicht sein. Uns würde es schon reichen, wenn du uns die eine oder andere Geschichte, die du erlebt hast, erzählen würdest. Es muss ja keine allzu … blutige sein“, stimmte Dave seinen Eltern zu.

„Tja, wenn du es nicht blutig magst, wird der Nachmittag ziemlich schweigsam.“

Seine Eltern und sein Bruder sahen ihn zwar erschrocken an, versuchten sich aber nichts anmerken zu lassen.

John konnte sie verstehen. Er konnte sie gut verstehen. Er, an ihrer Stelle würde vermutlich genauso empfinden.

„Wisst ihr was? Beantragt die Freigabe, lest euch alles durch, und wenn ihr dann Fragen habt, dann fragt. Aber erwartet keine nette Anekdoten dazu. Es gibt … es gibt Dinge … für die es besser ist, dass sie ruhen“, erklärte John kurz und knapp und machte sich auf den Weg, Richards Quartier zu verlassen.

„Wo willst du denn hin?“, fragte Patrick ihn perplex.

„Zu Alexa … meditieren. Ich will nicht, dass sie nochmal solche Probleme bekommt. Und ich will hier raus!“

Somit war John verschwunden und ließ seine bedrückte Familie mit dem schweigenden Woolsey und dem peinlich berührten Jackson alleine.

Sollten sie sich doch die Missionsberichte geben lassen. Sollten sie sie sich doch hundert Mal durchlesen und von ihm aus auch einrahmen und übers Bett hängen. Es änderte nichts.

Was geschehen war, war geschehen. Es machte nichts rückgängig oder gar schöner oder besser. Eher das Gegenteil.

John hatte geglaubt, dass einige Erlebnisse aus seinem Kopf gelöscht wären. Aber er irrte. Vergessen hatte er nichts. Aber auch nicht verarbeitet. Er hatte die Bilder, Erlebnisse und Emotionen verdrängt und hatte es geschafft, irgendwie damit zu leben.

Nun kamen drei Leute an, die unbedingt wieder alles ans Tageslicht bringen wollten. Aber er wollte es nicht zulassen. Doch verhindern konnte er es auch nicht.

An diesem Tag wollte er sich nicht mit seinen Eltern und seinem Bruder streiten. Das würde immer noch kommen, spätestens, wenn sie die ersten Missionsberichte lasen, und dann Fragen stellten.

Bis dahin konnte er sich mit anderen Dingen ablenken.

Doch gerade der Gedanke an die Existenz gewisser Erinnerungen, löste diese aus.

Für einige Momente zog er sich auf einen kleinen Balkon zurück und atmete ein paar Mal die frische Meeresluft ein und wieder aus.

Als er so auf das ruhige Meer blickte, konnte er nicht verhindern, dass sich bereits die ersten Bilder in seinem Kopf meldeten.

-Nein! Nein. Denk nicht daran. Das ist vorbei, John. Du hast die Schweine dran gekriegt. Den beiden hast du helfen können. Sie leben. Das ist das Wichtigste. Also denk jetzt nicht mehr dran!-, schallte er mit sich selbst und verdrängte mühevoll die Bilder aus seinem Kopf.

Stattdessen stellte er sich lieber Rodneys Wale und Fische im Meer vor, wie sie friedlich vor sich her schwammen.

Ja, er selbst könnte nun auch eine Meditation brauchen.

 ~~~///~~~

Alexa war mittlerweile am Quartier ihrer Eltern angekommen und wollte schon den Türsummer betätigen, als sie plötzlich unverhoffte Emotionen verspürte. Emotionen, die nicht ihr gehörten.

Unbeschwertheit, Glück, Freude, Verlangen und Liebe.

Es waren die Gefühle ihrer Eltern, die sie bis vor die Tür spüren konnte. Auch wenn man sonst keinen Mucks aus dem Quartier hören konnte, konnte Alexa sich denken, was da drin gerade vor sich ging.

Ein Lächeln entstand in ihrem Gesicht und Alexa beschloss, die beiden lieber nicht zu stören und schlich sich schnell wieder weg.

Einige Meter ging sie, bis sie wieder stehen blieb und sich mit hochrotem Kopf und völlig überrascht zur Tür zurück wendete, als sie weitere Emotionen empfand.

-Du meine Güte!-

Leidenschaft und Ekstase!

Immer noch überrascht, aber zufrieden grinsend schüttelte sie den Kopf und machte sich wieder auf den Weg zurück in ihr Quartier.

Sie gönnte es ihren Eltern von ganzem Herzen. Schließlich hatte sie mitbekommen, dass ihre Mutter und ihr Vater vor einigen Tagen erst einen heftigen Streit gehabt hatten. Erst als ihr Vater in ihr Quartier kam und sagte, dass es keine Anklage gegen sie wegen Hochverrats geben würde und er ihr versprach, ein besserer Vater zu sein, konnte sie sich denken, worum es gegangen sein musste. Aber sie war glücklich, dass die beiden sich wieder gefunden hatten.

In Gedanken verloren, merkte sie nicht, wie ihr Bruder Dorian um die Ecke gerannt kam und sie fast umwarf.

„Sag mal! Du hast doch Augen im Kopf, dann benutze sie auch!“

„Immer mit der Ruhe, Schwesterchen. Ist ja nichts passiert. Und ich habe auch keiner schönen Frau hinterher gesehen, falls du darauf hinauswillst.“

„Wenn ich das doch bloß glauben könnte.“

„Hm! Sind Mutter und Vater in ihrem Quartier? Ich müsste was mit ihnen besprechen.“

-Soll ich ihm jetzt sagen, dass sie besser nicht gestört werden sollten? Hmm …-

„Äh ja, aber …“

Dorian machte sich schon auf den Weg, als Alexa ihn zurückhielt.

„Aber was?“

„Es ist keine gute Idee, da jetzt ….“

Es war zu spät, Dorian war nicht mehr zu bremsen.

„Ach was soll´s“, murmelte Alexa und verzog grinsend das Gesicht, während sie in Deckung ging. Die Einzigen, die ihr leidtaten, waren ihre Eltern. Doch das, was nun auf Dorian zukommen würde, wäre eine gerechte Strafe für … für was eigentlich? Es war so vieles, was er vermurkst hatte oder womit er sie ärgern wollte. Wer weiß, was er noch so angestellt haben könnte, woran sie sich aber noch nicht erinnerte?

Nur wenige Sekunden dauerte es, bis man die aufgeregten und ärgerlichen Stimmen des Generals und seiner Frau aus dem Raum und durch den gesamten Flur hören konnte.

„Verdammt nochmal, Dorian! Kannst du nicht wie jeder andere auch den Türsummer benutzen oder dich sonst irgendwie bemerkbar machen?!“

„Habe ich doch! Habt ihr das denn nicht gehört?!“

„Oh! Dorian also wirklich, das ist sehr peinlich!“

„Entschuldigt, … ich … ohhh … Euch ist das peinlich?! Was soll ich denn sagen? Ich wollte euch niemals dabei sehen, wie ihr … whäää!“

„Dorian, jetzt ist es aber genug! Sieh zu, dass du raus kommst. Dein Anliegen kann nicht so wichtig sein. Das hat auch noch bis später Zeit. Beim Abendessen! Und jetzt geh!“

„Ja, aber … es tut mir ja wirklich leid … aber das hier … könntet ihr vielleicht …“

„RAUS!“

Dorian flitzte nur so aus dem Quartier raus, da sein Vater, einen drohenden Schritt auf ihn zu machte.

Alexa, die sich hinter der Ecke des Flures versteckt hatte, musste sich selbst die Hände vor den Mund halten, um nicht lauthals lachen zu müssen.

„Deckung! Weg hier!“

Schnell schnappte er seine Schwester am Arm und rannte mit ihr davon.

Einige Meter liefen sie noch, bevor sie an einem Balkon keuchend und lachend zum Stehen kamen.

„Du wusstest es, oder?“, brachte Dorian zwischen seinen Lachanfällen heraus.

„Tut mir leid. Ich habe versucht, dich zu waren aber … du warst erstens zu schnell, ich konnte dich nicht mehr aufhalten und zweitens … sieh es als Strafe an.“

„Strafe? Weswegen willst du mich denn bestrafen?“

„Hm, wo soll ich da anfangen? Meine versenkte Jacht, deine Stimme im System meines Schiffes, meine Waffe, die du eigentlich reparieren solltest und dann doch auseinanderfiel … wer weiß, was du sonst noch alles angestellt hast? Du hast Glück, dass ich mich nicht an alles erinnern kann.“

„Du hast Glück, dass du nicht das gesehen hast, was ich gesehen habe“, murmelte er kopfschüttelnd und sah unsicher zu seiner Schwester, die im selben Moment die gleiche Reaktion auf Dorians Erfahrungen und Gesehenes zeigte.

„Whäää!“, gaben sie unisono bekannt und schüttelten sich, bevor sie wieder in lachen ausbrachen.

„Und das am Nachmittag … Wie geht es dir?“

„Das fragst du mich?“

„Pa hat mir vor ein paar Tagen erzählt, dass du Schwierigkeiten mit deiner Empathie hast.“

„Ich hatte. Colonel Sheppard, seine Mutter und Pa haben geholfen. Ich denke, ich kann es jetzt ganz gut kontrollieren.“

„Das ist schön. Ich freue mich, dass es dir wieder gut geht“, sagte Dorian und nahm seine Schwester in den Arm.

„Und du? Wie geht es dir? Hast du noch … irgendwie …“

„Verlangen nach Drogen? Nein. Ich … ich bin froh, dass das nun wirklich vorbei ist. Nur irgendwie habe ich das Gefühl, dass … ich weiß nicht. Nach allem, was ich bisher so gehört und erfahren habe, sollen diese Menschen hier ganz erpicht darauf sein, uns kennenzulernen und mit uns zusammenzuarbeiten. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass sie eher misstrauisch sind. Vor allem dieser McKay. Er ist wirklich klug und scheint auch einiges drauf zu haben, wie er es nennt, aber ich fühle selbst, dass er mir nicht so ganz vertraut. Ich habe sogar mitbekommen, wie darüber gesprochen wurde, dass ich bewacht werden sollte. Und dieser … dieser Ronon, der schleicht ständig um mich herum. Abgesehen von seinem Erscheinungsbild, dass auf den ersten Blick nicht gerade von Freundlichkeit zeugt, macht er mich nervös.“

„Das darfst du nicht so eng sehen, Dorian. Diese Leute hier haben schon einige Erfahrungen mit den Wraith und diesem Enzym machen müssen. Einige von ihnen haben selbst einen Entzug durchstehen müssen. Darunter auch McKay und Ronon. Ich glaube, McKay versucht herauszufinden, inwieweit er mit dir mithalten kann, vielleicht fühlt er sich durch deinen schlauen Kopf auch etwas unterlegen und Ronon … hat ganz besonders schlimme Erfahrungen mit den Wraith gemacht. Er hat seine gesamte Heimat verloren, seine Frau, er war jahrelang auf der Flucht vor ihnen und wurde dann von einem früheren Freund an sie verraten. Er wurde selbst abhängig gemacht. Er weiß, wie ein Entzug ist. Auch wenn man ihm es nicht ansieht und er auch sehr wortkarg ist, denke ich, dass er sich nur Sorgen macht. Vielleicht … vielleicht hofft er, dass du mal mit ihm sprichst.“

„Darüber?! Ich kann mich noch wage an damals erinnern, als er mich aufhalten wollte. Der reißt mir doch den Kopf ab, wenn ich ihn darauf anspreche.“

„Warum sollte er? Er will dich bestimmt nur besser kennenlernen. Glaube mir, im Grunde ist er ein ganz anständiger Kerl. Du musst nicht immer das Schlimmste erwarten oder nur das Böse in einem Menschen sehen. Du hattest doch früher auch niemals Probleme auf andere zuzugehen.“

„Ja … ja, vielleicht hast du recht. Ich denke, ich werde wieder zurückgehen und mir diesem McKay noch mal vorknöpfen. Ich muss wissen, welche Veränderungen überall durchgeführt wurden und wie es nun genau um die Stadt steht.“

„Einen Moment noch, Dorian“, sagte Alexa, hielt ihren Bruder zurück und nahm das Bild aus ihrer Tasche. „Kannst du mir sagen … kennst du diesen Mann?“

Dorians Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig und Alexa konnte spüren, dass etwas nicht stimmte.

„Dorian?“

„Das ist … das war … Darius Pelon. Er … er war dein Ausbilder auf der Akademie …“

„Und?“, fragte Alexa nach, da sie glaubte, dass da noch mehr gewesen sein musste.

„Du erinnerst dich wirklich nicht? … Er war auch … er … ich denke, es ist besser, wenn du Mutter und Vater fragst. Die können dir das besser erklären“, meinte Dorian und machte sich daran endgültig zu gehen.

„Ja, aber …“

„Glaube mir, es ist wirklich besser, wenn sie es dir erklären. Tut mir leid, ich muss wieder zurück.“

Sprachlos blieb Alexa auf der Bank sitzen und starrte auf das Meer hinaus. Natürlich hatte sie versucht, seine Emotionen zu lesen, doch sie war noch nicht so gut darin, einzelne Gefühle bestimmen und benennen zu können. Sie war sich jedoch sicher, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Dorian war wie vor den Kopf gestoßen, als sie ihm das Bild dieses Mannes gezeigt hatte.

Nun war sie sich mehr als sicher, dass dieser Mann früher eine gewisse Rolle gespielt haben musste, nur ob es auch die war, die sie geträumt hatte …

Eine kleine Weile saß sie noch auf dem Balkon und beschloss dann zurück zu ihrem Quartier zu gehen und dort weitere Nachforschungen anzustellen.

Kaum dort angekommen traf sie auf Sheppard.

„Alexa, Hi.“

„Colonel, Hallo. Wollten Sie zu mir?“

„Also erstens, wir haben dienstfrei, Alexa. Es heißt John, okay? Ich weiß nicht, wie oft ich es noch sagen muss.“ Alexa lächelte ertappt. „Und zweitens, ja. Ich brauche eine Abwechslung. Wie wäre es mit Meditation? Hatten wir ja schon lange nicht mehr gemacht.“

„Eigentlich wollte mal nach etwas recherchieren.“

„Wie wäre es mit beidem? Zuerst die Meditation, dann die Recherche. Und dabei helfe ich Ihnen auch gerne.“

„Ist es so schlimm seine Eltern bei sich zu haben, Col… John?“

Alexa konnte sehen, dass er sehr angespannt, aber auch erschöpft wirkte.

„Wenn diese darauf bestehen, die letzten Jahre in Form von Missionsberichten und detailgenaueren Berichterstattungen meiner verschiedensten Stationierungen zu erhalten …“

Alexa konnte ihn verstehen. Auch sie wurde schon von seiner Familie darauf angesprochen und bezüglich einiger Erlebnisse mit Colonel Sheppard ausgefragt. Aber auch sie musste sich auf die Schweigepflicht berufen.

„Sie haben es ja noch gut. Ihr Vater kennt all Ihre Missionsberichte und Erlebnisse. Er ist ja schließlich Ihr vorgesetzter Offizier.“

„Na, ich weiß nicht, ob das so gut ist. Auch ich hatte … einige Dinge, die ich ihm gerne … verheimlicht hätte … denke ich. Ganz zu schweigen von meiner Mutter.“

„Sie erinnern sich nicht“, fasste John für sie zusammen.

„Nein“, gab Alexa knapp aber ehrlich zurück. John nickte.

„Wer ist das?“, fragte er, als er das Bild in ihrer Hand sah.

„Der Grund für meine geplanten Recherchen. Ich … ich habe vorhin von ihm … geträumt. Erst danach habe dieses Bild auf einem der Kristalle aus den restlichen Sachen aus der Station gefunden. Alles, was ich bisher herausgefunden habe, war sein Name und das er wohl mein Ausbilder auf der Akademie gewesen sein soll. Ich wollte meine Eltern fragen, aber Dorian und ich haben feststellen müssen, dass der Zeitpunkt, sie zu stören, nicht gerade günstig war und Dorian wollte nicht so recht mit der Sprache herausrücken.“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Ich habe gespürt, dass da etwas war … ich weiß nicht. Ich kann noch nicht genau sagen, was für ein Gefühl es war, aber dieses Bild hat eine Reaktion in ihm hervorgerufen und er bestand schon fast darauf, dass ich mit meinen Eltern sprechen soll.“

„Und das wollen Sie nun doch nicht?“

„Nein. Seine Reaktionen und all die Geheimniskrämereien … Ich habe das Gefühl, dass mir doch nur wieder irgendeine Geschichte erzählt wird.“

„Sie glauben, dieser Mann da hat etwas damit zu tun? Ein weiteres Puzzleteil?“

„Keine Ahnung. Aber das will ich ja herausfinden.“

„Was dagegen, wenn ich helfe?“

„Nein, der Name ist ja schon mal bekannt und zu zweit könnte es vielleicht noch schneller gehen.“

„Schön, na dann mal ran ans Puzzle.“

 ~~~///~~~

Schon seit über einer Stunde durchforsteten die beiden die Datenbank, doch bisher war ihre Suche nach einem Darius Pelon ergebnislos geblieben. Alexa verließ so langsam der Mut und Frust machte sich in ihr breit.

„Das kann doch nicht wahr sein! Nichts! Hier ist absolut nichts zu finden. Als ob alles gelöscht wäre!“

„Denken Sie das wirklich? Wir haben erst angefangen zu suchen und die Datenbank ist riesig, das wissen Sie selbst. Wir müssen dran bleiben.“

„Ich weiß nicht … Alles, was mich und meine Familie betrifft, scheint aus der Datenbank verschwunden zu sein. So was gibt es doch nicht … das ist nicht normal. Ich habe das Gefühl, dass … je mehr ich nicht herausfinde, desto überzeugter bin ich, dass etwas nicht stimmt. Erst dieser Fremde, der mich kennt und verfolgt, aber von dem niemand etwas weiß oder wissen will und nun dieser Mann, den offensichtlich jeder kennt, aber keiner darüber sprechen will …“

„Jetzt warten Sie doch mal ab. Vielleicht sollten Sie doch mal mit Ihrer restlichen Familie darüber sprechen. Es wäre interessant zu erfahren, was die zu sagen haben. Vielleicht erhalten wir so mehr Anhaltspunkte für eine weitere Suche in der Datenbank.“

„Ja vielleicht haben Sie recht.“

„Wissen Sie was? Ich denke wir machen hier für heute Schluss und kümmern uns um Ihre Meditation. Das wird Ihnen gut tun, wenn Sie wieder runterkommen. Darum kümmern wir uns ein anderes Mal.“

„Na schön“, antwortete sie und verstaute das Bild wieder im kleinen Kästchen und dieses dann in ihrem Nachttisch. Danach setzte sie sich wieder im Schneidersitz auf ihr Bett und begann sich zu entspannen. Doch dann fiel ihr etwas ein, was sie John schon lange sagen wollte.

„Bevor wir anfangen, sollte ich Ihnen noch etwas erzählen. Ich denke, dass Sie es wissen sollten.“
„Was denn?“, fragte John stutzig.

„Es geht um Ihre Familie … besser gesagt um Ihre Eltern. Sie …“

„Oh kommen Sie! Sagen Sie es nicht! Die haben Sie auch wegen der Berichte angesprochen.“

„Ähh, ja, aber … ich habe ihnen nichts gesagt. Aber darum geht es nicht.“

„Okay, worum dann?“

„Ich weiß nicht so recht, wie ich Ihnen das sagen soll …“

„Am besten ist, Sie fangen vorne an“, sprach er ihr grinsend zu.

„Ich habe Ihren Vater schon mal gesehen. Früher.“

John sah sie verdutzt an. „Wie bitte? Sie haben was? … Wann?“

„Damals, auf diesem Wüstenplaneten … kurz, bevor Sie mich gefunden haben. Ich dachte bisher, dass es eine Halluzination sei, aber als Sie ihn mir vor ein paar Tagen vorgestellt haben … habe ich ihn wieder erkannt.“

„Aber … da war er noch … tot“, sprach John leise.

„Ich weiß. Damals … na ja zuerst war da ein Licht, dann war es plötzlich Ihr Vater, der mir sagte, dass Hilfe unterwegs sei und ich durchhalten soll. Damals dachte ich es sei eine Halluzination, aber …“

„Deswegen wurden sie zurückgeschickt“, sprach John mehr zu sich selbst.

„Was?“

„Laut Jackson kann man zurückgeschickt werden, wenn man etwas tut, was gegen die Regeln der Aufgestiegenen verstößt. Die haben sich damals eingemischt.“

Alexa blickte ihn verständnislos an. „Eingemischt? Nur weil er mir erschienen ist?“

„Nein, aber … als wir Sie damals gesucht haben, trafen wir auch auf diese verdammte Wolke. Irgendwas hat sie damals von unserem Jumper abgehalten und uns direkt auf den Planeten gebracht, ich hatte nämlich eine Zeit lang keine Kontrolle über den Jumper. Später auf dem Planeten war auch was, dass dieses verdammte Vieh daran hinderte, mich zu fressen. Ronon hat es auch gesehen, aber bis heute, gab es keine Erklärung dafür.“

„Und jetzt glauben Sie, dass es ihre Eltern waren?“

John verzog das Gesicht. „Es würde zumindest erklären, warum sie wieder da sind und das Sie sie erkannt haben.“

„Dann sollten Sie mit ihnen sprechen“, meinte Alexa.

„Ja, vielleicht. Aber nicht jetzt. Das hat Zeit bis später. Also … lassen Sie uns anfangen.“

Nun war Johns Frage, warum seine Eltern wieder zurückkehrten, endlich geklärt. Aber er hatte dennoch keine Lust wieder zu ihnen zurückzugehen und es ihnen zu erzählen. Sie würden ohnehin nur vom Thema abschweifen und wieder mit ihrem `Verhör´ anfangen. Für heute wollte er lieber seine Ruhe haben.

Spät am Abend

„Ihr seid immer noch zerstritten“, sagte Carol, die neben ihrem Mann Patrick lag.

Vor über einer Stunde wollten sich Carol und Patrick schlafen legen, aber nun lagen sie noch immer wach und machten sich Sorgen. Natürlich wieder um ihren Ältesten.

„Es hat sich nicht viel verändert, Carol“, antwortete Patrick.

„Dave hat mir erzählt, was seit damals alles passiert ist. Wie sollte sich da auch etwas ändern. Keiner von euch gibt nach. Ihr seid beide so was von stur!“

„Ich wollte immer nur das Beste für John und Dave … genau wie du.“

„Das weiß ich doch. Aber du weißt auch, dass du das eine oder andere Mal … schon etwas zu weit gegangen bist, nicht wahr? Allerdings … glaube ich nicht, dass er nachtragend ist, Patrick … ich glaube viel mehr, dass es ihm wohl genauso geht, wie dir damals“, sprach sie eindringlich zu ihrem Mann, der bisher immer noch die Decke angestarrt hatte, doch nun sah er zu seiner Frau.

„Ihr müsst endlich miteinander sprechen“, fuhr sie fort und Patrick starrte wieder die Decke an.

„Ich weiß, ich habe ihn bereits darum gebeten, aber …“

„Aber was?“

„Es kam immer irgendwas dazwischen … entweder wird diese Alexa entführt, oder ihr Bruder läuft nicht ganz in der Spur, oder wir fliegen mit einer ganzen Stadt durchs Weltall, weil irgendeine Wolke oder was weiß ich … Energie frisst. Mein Gott! Hast du gesehen, wie diese Stadt geflogen ist?!“, fragte Patrick, der immer noch über das erlebte staunen musste.

„Ja! Es war unglaublich! Ich hätte nie gedacht, dass so was Großes fliegen kann! Und schon gar nicht dass John … Das gehört unter anderem auch zu den Dingen, die wir erst noch begreifen müssen. Erst dann können wir lernen, damit umzugehen. Und glaube ja nicht, das mir entgangen ist, wie du versuchst, vom eigentlichen Thema abzulenken.“

„Ach Carol, bitte … es ist wirklich nicht einfach. Das weißt du doch selbst! Wir … wir waren tot und plötzlich stehen wir nackt in unserer Küche, erschrecken Dave fast zu Tode, erfahren was von Außerirdischen und …“

„Ja, ich weiß. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, Rick. Aber im Gegensatz zu dir … habe ich nun über zwanzig Jahre nachzuholen Es ist auch für mich nicht sehr einfach. Manchmal habe ich das Gefühl, dass … dass mir meine beiden Jungs … und du … völlig fremd sind. Abgesehen von vielen anderen Dingen.“

Carol atmete tief durch, setzte sich auf und fuhr dann fort.

„Patrick … ich habe dich beobachtet … seit dem Moment in dem wir … zurückkamen. Ich habe deine Reaktion gesehen, als John plötzlich vor uns stand und im Stargate-Center, als man uns über all das aufgeklärt hat. Und auch im Kontrollraum, wie er mit diesem Kolya oder wie der Kerl heißt, redete und später mehrmals … ausgerückt ist … Sag mir, was du dabei empfunden hast.“

„Oh, Carol also bitte, ich bin nicht einer deiner Patienten!“, brachte er hervor und setzte sich auf.

„Nein, aber sag´ es mir trotzdem! Was hast du gefühlt, als er neulich diese Rettungsmission durchführte … als dieser … Kolya ihm drohte, oder wie er seinen Leuten Befehle erteilte?“

Patrick fühlte sich ertappt. Carol hatte es immer noch drauf, den wunden Punkt eines Menschen zu treffen. Und das auch noch mit präziser Direktheit. Wenn sie zur Hochform auflief, schaffte sie das sogar mit nur einem einzigen Wort.

„Er ist Soldat, Carol! Das ist seine Arbeit … es … gehört dazu, dass …“

Doch Carol überzeugte es nicht, stattdessen starrte sie ihn an.

Patrick rang mit sich. „Verdammt Carol! Wie sollte ich denn …? Dieser Kerl hat meinem Sohn gedroht! Und er hat nichts Besseres zu tun, als sich auch noch in Höhle des Löwen zu begeben … und dann … wird er auch noch fast erschossen.“

„Ich dachte, er ist ein Soldat. Ist es dann nicht normal, dass er sich in Gefahr begibt?“

Carol wartete nur kurz, bevor sie weiter sprach. Schließlich sah sie wie ihr Mann immer aufgebrachter wurde und nach den richtigen Worten suchte. „Er ist nicht nur einfach ein Soldat, Rick. Er ist dein Sohn … unser Sohn. Es geht doch nicht wirklich um seine Berufswahl oder Kolya oder irgendwelchen anderen Gefahren, denen er ständig ausgesetzt ist. Er ist das, was du immer sein wolltest – frei. Er hat seine eigenen Entscheidungen getroffen, ist seinen eigenen Weg gegangen, und wenn wir mal ehrlich sind, ist aus ihm doch ein guter und anständiger Mensch geworden. Oder etwa nicht?“

„Ich … habe mir das alles etwas anders vorgestellt, Carol.“

Doch Carol gab nicht auf und starrte ihn stattdessen fordernd an. Tatsächlich hielt er es nicht lange aus und begann zu stottern.

„Also,.ich … er … na ja, er ist mein Sohn, und … er … ich …“

„Patrick Nathaniel Sheppard! Du hast schon mal besser gestottert!“

„Ach verdammt Carol!“

„Ihr Männer seid doch alle gleich! Als ob euch ein Zacken aus der Krone bricht, wenn ihr einmal über eure Gefühle sprecht! Du hattest doch früher auch kein Problem damit, dass zu sagen, was dir wichtig erschien. Ist es das? Liegt es daran, dass dir die Beziehung zu John nicht wichtig genug erscheint?“

„Natürlich nicht! Er ist mein Sohn und ich liebe ihn, egal was war oder ist. Ich mache mir Sorgen um ihn! … Ich will, dass es ihm gut geht. Ich will … ich will, dass … dass er glücklich ist“, gab er endlich zu und war über sich selbst überrascht. Carol lächelte wieder und nickte langsam.

„Und …? War das jetzt so schlimm? Ich finde, genau das, solltest du ihm sagen.“

„Er ist doch kein kleiner Junge mehr, Carol. Ich kann doch nicht einfach …“

„Doch du kannst! Du musst! Es spielt keine Rolle, ob er ein kleiner Junge ist oder schon ein erwachsener Mann. Er ist immer noch dein Sohn und du liebst ihn. Ich will dir keine Vorwürfe machen, Rick, aber als du es früher hättest sagen sollen … hörte er nur Vorschriften oder Vorwürfe von dir. Du hast eine zweite Chance erhalten … Ich bitte dich von ganzem Herzen, Rick … nutze sie.“

Patrick sah seine Frau mit einem resignierten Blick an, bevor er sich dann wieder auf den Rücken legte.

„Rick … es tut mir im Herzen weh, zu sehen, wie ihr miteinander umgeht, wenn ihr euch nicht gerade aus dem Weg geht. Diese Aufgestiegenen haben uns viele Jahre jünger gemacht und uns zurück geschickt. Wir sind jetzt beide um die fünfzig Jahre alt, gesund und haben eine zweite Möglichkeit, eine normale glückliche Familie zu sein, genauso wie früher, als die beiden noch klein waren. Patrick … ich wünsche mir das so sehr zurück!“, sprach sie mit zitternder Stimme und konnte nur mühevoll die Tränen unterdrücken.

„Ich habe ihn um ein Gespräch gebeten und das … werde ich auch mit ihm führen. Ich werde mit ihm sprechen …“, beruhigte er sie und strich ihr über ihren Arm.

„Versprochen?“, unterbrach sie ihn hoffnungsvoll.

„Ja. Ich verspreche es dir. Ich werde gleich morgen zu ihm gehen.“

„Am besten morgen früh.“

Irritiert sah er zu ihr auf. Carol saß immer noch aufrecht im Bett. Durch das hereinfallende Mondlicht konnte er erkennen, dass sie mehr auf ihrer linken Seite saß, und die Beine seitlich weggestreckt hatte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass seine Frau immer noch eine äußerst attraktive Frau war. Trotz ihres Alters. Und das Mondlicht tat sein übriges dazu. Dennoch erkannte er, dass Carol sich etwas verändert hatte. Sie machte einen starken und gesunden Eindruck auf ihn. Ihre dunklen Haare glänzten, ihre Haut war noch immer straff und strahlend schön. Ihre braunen Augen waren klar, funkelnd und feurig. Es war der gleiche Anblick wie einst, als er sich in sie verliebte, dennoch bemerkte er die kleinen Zeichen des Alters. Aber Patrick fand, dass das Alter seine Frau nur anmutiger und schöner machte. Er fühlte, wie er sich gerade neu in seine Frau verliebte.

„John hat morgen wieder eine Mission nach M1… noch irgendwas. Wenn du dich beeilst und früh aufstehst, erwischst du ihn vielleicht noch beim Frühstück. Ihr könntet ja einen Zeitpunkt ausmachen, an dem ihr miteinander redet.“

„Woher weißt du das schon wieder?“ fragte er überrascht.

Carol hatte ja schon immer das unglaubliche Talent, alles zu wissen und alles zu erfahren. Egal ob wichtig oder nicht. Es war jedes Mal ein Spießrutenlauf, ein Geburtstags-, Hochzeits-, oder Weihnachtsgeschenk vor ihr zu verstecken. Sogar in seiner eigenen Firma konnte er nichts verstecken. Und ihre beiden Jungs waren da nicht anders.

„Ich habe da meine Quellen … Ich habe mit Ronon gesprochen und mit Amelia aus dem Kontrollraum.“

„Du bist unmöglich, weißt du das? Vor dir ist auch Nichts und Niemand sicher!“

Carol lachte auf und schmiegte sich an Patricks Brust. Zärtlich legte er seinen Arm um sie.

„Ronon … das ist doch dieser … dieser Mann, der wie ein vorzeitlicher Höhlenmensch aussieht, oder?“

„Patrick! .Ja … aber ich habe mich sehr nett mit ihm unterhalten können. Abgesehen von seinem Aussehen, scheint er ein sehr netter und anständiger junger Mann zu sein, wenn auch am Anfang etwas wortkarg. Aber was noch wichtiger ist – er gehört zu Johns Freunden. Soweit ich weiß, hat er John damals zu … deiner Beerdigung begleitet.“

Patrick brummte vor sich hin.

Einige Augenblicke schwiegen beide vor sich hin, bis Patrick es nicht mehr aushielt. „Weißt du eigentlich, dass du immer noch verdammt sexy bist … so in Deinem Negligé?“

Carol lachte kurz siegessicher auf.

„Rede mit John und das Negligé verschwindet vielleicht.“

Diesmal brummte Patrick voller Vorfreude. Minuten später waren sie Arm in Arm eingeschlafen.

 ~~~///~~~

Patrick wachte tatsächlich früh auf, bezweifelte aber, dass John schon wach wäre. Schließlich war es gerade mal fünf Uhr in der Früh.

Schnell schaute er zu Carol, die immer noch tief und fest schlief. Er musste schmunzeln, als er sah wie verwuschelt ihre Haare waren und strich ihr vorsichtig einige Strähnen aus dem Gesicht. An ihrem Oberkopf standen viele Strähnen einfach wild in verschieden Richtungen ab und erinnerte ihn daran, woher Johns Frisur kam. Seine Haare standen an der gleiche Stelle ab. Sanft küsste er sie auf die Wange und schlich ins Badezimmer.

Nur wenige Minuten später stand er unter der Dusche und spürte plötzlich neben dem Wasser auch die warmen Hände seiner Frau, die ihm sanft über den Rücken strichen und ihn dann umdrehten. Patrick ließ sich zu einem leidenschaftlichen Kuss hinreißen, bevor Carol sich von ihm löste.

„Du weißt doch noch, was du mir gestern versprochen hast?“, fragte sie fast atemlos.

Gestern Abend konnte sie sich noch ganz gut beherrschen, nicht über ihren Mann herzufallen und ihn zu verführen, aber als sie ihn nun unter Dusche stehen sah, hielt auch sie es nicht mehr länger vor Sehnsucht aus.

„Ja … ich gehe gleich zu ihm.“

Wieder küsste er seine Frau und wanderte mit seinen Lippen ihren Hals entlang.

Wie sehr hatte er sie vermisst, wie oft hatte er sich nach ihr gesehnt. Selbst nach ihrem Tod hatte er niemals wieder eine andere Frau gehabt. Der ein oder andere Flirt vielleicht, aber er ging auch nie einen Schritt weiter. Er hatte immer das Gefühl, dass er seine tote Frau betrügen würde.

„Ich habe das so sehr vermisst … ich habe dich so sehr vermisst, Rick.“

„Ich dich auch … ich … ich liebe dich so sehr … du hast mir so gefehlt“ brachte er stöhnend hervor und wünschte sich, mehrere Hände zu haben, um seine geliebte Frau zu berühren und zu halten.

„Hallo Seemann!“, hauchte Carol amüsiert, als sie merkte, dass ihr Mann fast nicht mehr zu bremsen war.

„Hattest du … nicht etwas … vor?“, fragte sie atemlos.

„Ich arbeite … daran.“

„Ich meinte nicht … Oh Gott, Patrick!“, stöhnte sie laut auf, als sie seine Hände an Stellen spürte, an denen sie sie nicht erwartet hatte.

„Ich … meinte nicht das!“

„Ja … ja, ich … geh gleich!“, antworte Patrick angestrengt, bevor er merkte, dass er ihr nicht mehr widerstehen konnte. Auch das warme niederplätschernde Wasser half ihm nicht gerade bei seinem Widerstandsversuch.

„Oder … ich gehe … vielleicht doch … etwas … später“, entschied er und ergab sich mit seiner Frau der Leidenschaft.

Fast zwei Stunden später lag Carol wieder im Bett, Patrick hatte sich rasiert und angezogen und wollte sich nun endlich auf den Weg machen, um John um ein Gespräch zu bitten.

Ein letztes Mal beugte er sich zu Carol und küsste ihre Schulter. Kaum dass er sich erheben wollte, hielt sie ihn am Arm fest.

„Rick … sei bitte nett zu ihm … und fair!“, bat sie ihn und blickte ihm tief in die Augen.

Patrick lächelte sie nickend an und wollte wieder aufstehen, als sie ihn immer noch aufhielt.

Ein verführerisches Lächeln umspielte ihren Mund und ihre Augen.

„Ach, und Rick … Danke“, hauchte sie ihm zu.

Patrick war sich in diesem Augenblick nicht sicher, ob dieses `Danke´ für seine Bereitwilligkeit, mit John zu sprechen gedacht war, oder für das zweite leidenschaftliche Wiedersehensgeschenk eben unter der Dusche, das dann im Bett endete.

Noch einmal beugte er sich zu ihr und gab ihr einen langen intensiven Kuss, bevor er sich mit größter Mühe von ihr losriss, aber an der Tür stehen blieb.

„Entschuldige Liebes, aber wenn ich jetzt nicht gehe, dann … dann bekomme ich heute nichts mehr zustande … jedenfalls nichts Vernünftiges. Schlaf weiter.“

 ~~~///~~~

Patrick suchte John in seinem Quartier, in der Cafeteria, sogar im Trainingsraum, aber erst im Kontrollraum konnte Amelia ihm sagen, dass sein Sohn bereits in wenigen Minuten zu seiner Mission aufbrechen würde und er daher schon in der Umkleide war, um sich umzuziehen und auszurüsten.

Doch einer der Soldaten, die Patrick und seine Frau sonst auf Schritt und Tritt folgten, wollte ihn nicht zur Umkleide bringen. Schließlich gab es dort auch Waffen und somit gehörte die Umkleide zu den sensiblen Bereichen. Erst als Richard dies mitbekam, gab er dem Soldaten die Anweisung ihn dorthin zu begleiten.

Richard erinnerte sich an das Gespräch, dass er vor ein paar Tagen mit Patrick hatte, dass das Verhältnis von Vater und Sohn nicht das Beste sei, und dass es Zeit sei, dies zu ändern. Richard hoffte, dass Patrick nun genau dies vorhätte.

„Verdammt, Rodney! Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, dass Sie heute gut frühstücken sollen. Ganz zu schweigen von dem Briefing, in dem darüber gesprochen wurde, dass wir über Mittag dort bleiben würden. Und wir bleiben ja auch nur bis dreizehn Uhr dort. Also regen Sie sich ab und stecken Sie sich einen Powerriegel mehr ein“, versuchte John den nörgelnden Wissenschaftler endlich zum Schweigen zu bringen.

Was nur schwer gelang.

„Ts, ein Powerriegel mehr“, spottete McKay, „mit ´nem Riegel mehr ist es nicht getan, Sheppard! Gott weiß, dass ich dann vielleicht keinen hypoglykämischen Schock mehr bekomme, aber sollten wir gerade dann in Trouble stecken, werde ich mich wahrscheinlich nicht mehr so gut konzentrieren können, wie sonst!“

„Ich bin sicher, dass dann mein Sohn auch damit klar kommt, Doktor“, sagte Patrick, der bislang die gesamte Szenerie schmunzelnd und unbemerkt vom Türrahmen aus beobachtete.

„Dad! Was machst du hier? Du darfst dich hier gar nicht aufhalten“, brachte John verwirrt heraus und ging auf den begleitenden Soldaten zu.

„Henderson, was soll das? Sie sollten ihn von den sensiblen Sicherheitsbereichen fernhalten!“

„Tut mir Leid Sir, aber Mister Woolsey hat …“

Patrick unterbrach ihn. „Amelia hat mir gesagt, wo du bist und Richard war einverstanden, dass er mich hierher begleitet. Ich ähh … ich würde gerne etwas mit dir besprechen.“

Patrick spürte schon jetzt, wie ihm beinahe der Schweiß ausbrach.

Teyla und Ronon, die bereits fertig waren, verließen die Umkleide. Auch Henderson nahm etwas Abstand und bezog vor der Tür Stellung. Nur Rodney stand immer noch neugierig an Ort und Stelle.

„Kann das nicht warten? Ich muss los … Woolsey mag es überhaupt nicht, wenn in seinem Zeitplan etwas durcheinandergerät“, entgegnete John, während er seine taktische Weste anzog und deren Inhalt überprüfte.

Kurz darauf drehten beide ihren Kopf zu dem Wissenschaftler und funkelten ihn mehr oder weniger böse an.

Augenblicklich kamen Ronon und Teyla zurück, packten Rodney links und rechts an seiner Weste und manövrierten ihn raus.

„Bist du sicher, dass du Woolsey gemeint hast?“, fragte Patrick amüsiert und beobachtete den protestierenden Wissenschaftler.

„Ich muss los“, erwiderte John, schloss geräuschvoll seinen Spint und drängelte sich an seinem Vater vorbei.

Doch dieser wollte nicht so schnell aufgeben und hielt seinen Sohn am Arm fest.

Er war schon so weit gekommen, hatte mittlerweile genug Mut und Kraft um die ganze Sache endlich durchzuziehen. Noch einmal wollte er eine solche Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen.

„John warte! Bitte … nur ein paar Minuten …“

John atmete tief durch und wartete auf die Dinge, die kommen würden.

„John … wir sollten reden.“

„So etwas hast du schon mal gesagt.“

„Ich … ich hatte früher schon mehrmals die Chance dazu gehabt, ich … habe sie nur nie genutzt. Und in letzter Zeit kam so viel dazwischen …“

John atmete wieder tief durch und verdrehte kaum merklich und verlegen die Augen.

Die ganze Situation wurde ihm immer ungemütlicher.

„Dad …“

„Nein … bitte John, … deine Mutter sitzt mir schon seit Tagen im Nacken und Dave … na ja, der ist im Moment auch nicht gerade gut auf mich zu sprechen und ich will nicht wieder vorher tot umfallen, bevor … ich weiß, du musst los und ich weiß auch, dass ein … simples `Tut mir Leid´ nicht genügt oder alles wieder ungeschehen macht, aber … es ist die Wahrheit und … oh verdammt nochmal“, stöhnte Patrick und merkte, dass es doch schwerer war, seine Fehler einzugestehen und zuzugeben, als er dachte.

Völlig fertig und verzweifelt fuhr er mit der Hand über sein Gesicht.

„Okay … hab´ verstanden“, erwiderte John, dem das alles langsam zu viel wurde und es beenden wollte.

Mehr aus eigenem Interesse, als um seinen Vater vom Stottern zu erlösen. Er wollte sich das nicht wirklich anhören. Er konnte sich denken, wie es endete. Ein kleines kurzes Gespräch, Friede, Freude und heile Welt und ein paar Tage später würde das ganze Theater von vorne beginnen.

Patrick hob die Hand, sah aber weiterhin zu Boden. „Nichts ist okay, Junge. Wir haben uns doch darauf geeinigt, dass wir darüber sprechen müssten. Ich habe … viele Fehler gemacht. Ich kann sie vielleicht nicht rückgängig oder wieder gut machen, aber … ich …“

Er hob den Kopf und John stockte der Atem. Sein Vater hatte Tränen in den Augen.

„Ich kann mich wenigstens entschuldigen. Wir Sheppard’s wissen, wann wir zu weit gegangen sind und etwas falsch gemacht haben … und dass wir uns angemessen zu entschuldigen haben. Ich hatte gehofft … du hast nach dein “

Patrick schluckte. „Lass mich nicht betteln, John“, flehte er zitternd und kämpfte stark um seine Fassung. Und auch John ließ das nicht mehr ungerührt. Verlegen, aufgelöst und mit der Situation nun gänzlich überfordert, sah er sich um und suchte nach passenden Worten. So hatte er seinen Vater nur ein einziges Mal erlebt.

Vor über zwanzig Jahren, am Krankenbett seiner Mutter, als diese einfach nicht mehr aufwachen wollte.

„Dad …“, versuchte John ihm zu antworten aber er kam nicht weit, denn sein Vater brach nun fast ganz in Tränen aus.

John wusste nicht, was er tun sollte, also packte er ihn am Arm und führte ihn zu der Bank, die in der Mitte stand, und ließ ihn sich dort hinsetzen.

Im gleichen Augenblick hörte er auch schon Rodneys nervende Stimme aus seinem Headset.

„Sheppard, wo bleiben Sie denn, wir warten!“

„Jetzt nicht, Rodney“, gab John ruhig zurück.

„Ja aber …“

„Gleich Rodney!“, erwiderte er etwas energischer.

„Sheppard, das Tor ist schon …“

„Verdammt McKay, ich habe gesagt, jetzt nicht!“, schrie er fast zurück und blickte auf seinen Vater herab, der sich offensichtlich wieder gefangen hatte.

„Ist ja gut! Man was ist denn mit Ihnen heute los?“

„McKay!“, brüllte John diesmal so laut zurück, dass ein Funkgerät eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen wäre und sein Vater ihn überrascht ansah.

Kurzerhand nahm John sein Headset einfach aus dem Ohr, atmete tief durch und setzte sich neben seinen Vater, ohne ihn dabei aber anzusehen.

Eine ganze Weile schwiegen beide, bis John schweren Herzens den nächsten Schritt machte. „Hör zu Dad … ich kann … ich könnte die Mission auch verschieben und dann …“

„Nein, nein … geh nur. Ich denke, ich … ich brauch sowieso noch …“

„Heute Nachmittag?“, fragte John nach und Patrick nickte.

„Gut … okay … dann … alles klar?“

Patrick atmete einmal tief durch und stand dann auf. „Ja, alles klar … aber wenn du das irgendwann deiner Mutter erzählst, was ich mir hier gerade geleistet habe … also …“

John musste leicht lächeln und nickte verstehend.

„Okay, also … wann ungefähr kommst du wieder zurück? Ich frage nur …“

„Wenn alles glatt läuft, um dreizehnhundert … um ein Uhr heute Mittag“, korrigierte John sich noch schnell.

Auch Patrick konnte langsam wieder lächeln. „Wie wäre es dann mit fünfzehn oder sechzehnhundert Uhr? Du willst sicher noch etwas essen und musst wahrscheinlich auch Bericht erstatten“, erwiderte Patrick schmunzelnd.

„Okay … ja ist gut. Ich … bin um drei da“, versprach John seinem Vater.

Patrick und John nickten danach kurz und wussten dann wieder nichts mit sich anzufangen, bis Sheppard Senior das Schweigen brach.

„Du … solltest dich auf den Weg machen, bevor dein Chefwissenschaftler einen hypoglykämischen Schock bekommt.“
John lachte los. „Ja, Gott bewahre! … Na schön, gehen wir.“

„Äh, kann … kann ich noch mit, bis ans Gate?“, fragte Patrick.

„Ja … sicher.“

„Viel Glück … und du weißt schon … pass auf dich auf“, sprach Sheppard Senior leise, bevor John zu seinem wartendem Team ging.

John nickte ihm zu und gesellte sich zu den anderen.

„Oh, da sind Sie ja endlich! Was hat denn so lange gedauert?“ pfefferte Rodney seinem Teamleader entgegen.

„Ich war beschäftigt, Rodney.“

„Ach ja? Und womit? Wissen Sie, Sie hätten auch etwas genauer sein können, anstatt ein `Jetzt nicht´ zu brüllen. Gespräche zwischen Vater und Sohn … Das ist doch nichts Ungewöhnliches. Wir bekommen auch so raus, was Sache ist.“

John funkelte ihn einen Moment böse an, bevor er Rodney blitzschnell einen Klaps auf den Hinterkopf verpasste.

„Abmarsch!“, befahl John ihm mit letztem Nerv und schüttelte nur noch den Kopf. Ronon und Teyla folgten Rodney grinsend, während Alexa an der großen Treppe stand und dem Team hinterher sah.

Sie würde vorläufig nicht mehr an Missionen mit dem Team teilnehmen. Es gab noch zu viele Unklarheiten und es musste noch eine Menge zwischen dem General und dem Expeditionsleiter geklärt werden, bevor der General seine Tochter wieder raus schicken könnte.

Abgesehen davon, dass Tristanius noch immer nicht genügend Vertrauen in Sheppard und den Rest hatte und das auch noch immer eine Gefahr für seine Tochter dort draußen lauerte.

John blickte nochmal kurz zu seinem Vater, der wissentlich grinste. Patrick hatte noch niemals seine Jungs geschlagen, aber er fand immer, dass ein gelegentlicher kleiner Klaps auf den Hinterkopf, wenn sich einer seiner beiden Jungs mal daneben benommen hatte, noch niemandem geschadet hatte.

Amüsiert stellte er fest, dass John wohl der gleichen Ansicht war.

Kaum war auch John durchs Gate verschwunden, schaltete es sich ab.

Sheppard Senior blieb kurz stehen und blickte ihm nach.

Wieder atmete er tief durch.

Ein Anfang war gemacht. Er fluchte zwar innerlich, dass er sich so hatte gehen lassen, aber das war ihm nun auch egal.

Womöglich hätte sein Sohn auch nicht einer Aussprache zugestimmt, wenn nicht ein paar Tränen gekullert wären. Dennoch waren sie real und Patrick glaubte sogar zeitweise, er würde wieder einen Herzinfarkt erleiden, sosehr schmerzten ihn die Erinnerungen an seine Fehler und sein Versagen.

Aber dieser Schritt war schon lange fällig. Und so oder so … es musste früher oder später getan werden, denn schließlich galten er und seine Frau auf der Erde als tot. Atlantis war nun für sie ein neues Zuhause, ob es ihnen gefiel oder nicht. Und hier lebte nun mal auch ihr Sohn. Daher war es praktisch unmöglich, sich ständig aus dem Weg zu gehen.

„Ich würde gerne zurück in mein Quartier“, wandte er sich schließlich an Henderson, seine militärische Begleitung.

Dieser nickte einmal kurz und ließ ihn dann vorausgehen.

M1- 899

„Tja, das war mal wieder eine Reise für den A…“

„Es hätte auch gut sein können, dass wir etwas Interessantes entdecken, Rodney“, unterbrach Teyla die Meckerei des kanadischen Wissenschaftlers.

„Oh, hier gibt es mit Sicherheit Interessantes … für die Botaniker. Ich muss zugeben, dass dieser Planet eine unglaubliche Vielzahl an Flora zu bieten hat. Da dürfte sich Doktor Parrish nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Aber für mich, den führenden Wissenschaftler und Astrophysiker der Stadt, waren das die langweiligsten 5 Stunden meines Lebens. Hier ist absolut nichts zu entdecken.“

„Ist wirklich gar nichts auf Ihrem Scanner?“, fragte John nach und bahnte sich weiterhin durch die hohen Gräser, vorbei an Hecken, Büschen und Bäumen, die teilweise erstaunliche Ähnlichkeit zu den heimischen Pflanzen auf der Erde hatten.

„Nein! Bisher nichts. Wir sollten zurück. Ich habe noch eine Menge Arbeit zu tun und einige Simulationen am Laufen, die ständig überwacht werden müssen.“

„Dafür haben Sie Ihre Leute McKay. Denen dürfen Sie ruhig vertrauen, die haben auch studiert und wissen, was zu tun ist.“

„Von wegen! Bei diesem Haufen muss ich ständig überall sein. Keine einzige Sekunde kann man sie aus den Augen lassen. Und was ist mit Dorian? Weiß der Teufel, was er in meiner Abwesenheit anstellt.“

„Jetzt machen Sie mal halblang, McKay. Dorian war früher selbst der führende Wissenschaftler der Stadt. Er wird schon wissen, was er tut und was in einem Notfall zu tun ist.“

„Oh ja sicher! Bis er wieder an die Wraith gerät.“

„Ist es wirklich das, was Sie beschäftigt? Muss man Sie daran erinnern, dass es auch ganz andere Kaliber getroffen hat … oder liegt es daran, dass er Ihnen möglicherweise weit voraus ist?“

Rodney prustete. „Ich bitte Sie! Wie weit kann er schon sein? Bestimmt weiß er nicht mehr als ich. Und was seine Wraithanbeterei angeht, ist es wohl kein Wunder! Der Junge kam wohl nie raus und nach allem was wir bisher wissen, kann er noch nicht mal mit einer Waffe umgehen oder sich sonst wie verteidigen.“

„Nicht jeder ist zum Kämpfen geboren“, kommentierte Ronon.

„Außerdem ist er nicht mehr von dem Enzym abhängig. Er ist gesund und kann er sehr wohl mit Waffen umgehen. Er baut und repariert sie“, meinte Teyla.

„Das ist ja wohl was anderes.“

„Er ist eben Pazifist … irgendwie“, kam es wieder von John.

„Diese Antiker haben bisher von den Wraith nichts gewusst. Vor dreizehntausend Jahren waren die Wraith noch keine wirkliche Bedrohung und Dorian wird schon noch lernen, sich zu verteidigen“, murmelte Ronon weiter.

„Sie haben einen Narren an dem Jungen gefressen, was?“, gab John schmunzelnd zurück, doch Ronon antwortete nicht weiter.

Für John war das auch nicht nötig, er konnte ahnen, welche Gedanken den Satedaner beschäftigten. Die beiden verbanden gleiche Erfahrungen was die Wraith und die Enzymabhängigkeit betraf und er konnte sich gut vorstellen, dass die beiden eine gemeinsame Basis des Umgangs miteinander fanden, was bei Ronon nicht immer eine Selbstverständlichkeit darstellte.

„Kaum zu glauben, dass er ein so zurückhaltender Mensch sein soll. Sein Vater ist Soldat, ein General, seine Schwester ist auch Soldat … sogar Elisha war einmal bereit, eine Waffe zu gebrauchen, als es um ihre Tochter ging, nur er …“, erläuterte Teyla.

„In jeder Familie gibt es ein schwarzes Schaf.“

„Das sagt der Richtige …“, gab Rodney spitzfindig auf Johns Kommentar zurück.

„In der Familie Sheppard dürften das wohl Sie sein, hm?“
Abrupt blieb John stehen und drehte sich mit einer finsteren Miene zu McKay um. „Was soll denn das heißen?“

„Wieso haben Sie nie gesagt, dass Patrick Sheppard Ihr Vater ist? Oder besser gesagt, warum haben Sie überhaupt nie oder kaum über Ihre Familie gesprochen?“

„McKay, fangen Sie jetzt nicht damit an“, erwiderte John und versuchte deutlich zu machen, dass er keine Lust und keinen Nerv hatte, darüber zu sprechen.

„Aber wieso? Er ist ihr Vater, es sind Ihre Eltern und sie waren aufgestiegen …“

„McKay!“

„Ach kommen Sie schon! Wir werden früher oder später ohnehin herausbekommen, wie das Sheppard`sche Familienleben so ist. Ihre Familie bleibt doch hier … oder nicht?“

John stöhnte auf, verdrehte die Augen und schüttelte entnervt den Kopf. „Womit habe ich das verdient? Ja, sie bleiben hier, nur Dave muss wieder zurück. Also, reicht das für den Moment? … Sehen wir zu, dass wir nach Hause kommen und Sie etwas zu essen bekommen, Sie werden nämlich gerade unausstehlich und akzeptieren Sie endlich, dass Sie nicht immer alles sofort erfahren müssen, wenn Sie glauben, etwas erfahren zu können, okay? Und jetzt los. Ich werde einen Jumper herschicken, der kann den Planeten mal abchecken. Vielleicht ist uns ja was entgangen, außer Bäume, Sträucher und Pflanzen und die kann sich Parrish ansehen …“ erwiderte John und näherte sich einer riesigen Rosenhecke. „Hübsch. Ich kenne da jemanden, dem diese Rosen ziemlich gefallen dürften.“

„Wir sollten hier erst alles von Parrish untersuchen lassen. Wer weiß, womöglich sind einige dieser Pflanzen giftig“, sagte Rodney und fummelte weiterhin an seinem Scanner herum.

„Ach hören Sie schon auf, McKay. Das ist eine einfache Rosenhecke. Die sieht genauso aus, wie die in unserem Garten auf der Erde.“

„Kann ich nicht beurteilen, ich war nie in Ihrem Garten“, gab Rodney spitzfindig zurück und spielte wieder auf Johns Vergangenheit und seine Familie an.

„Es ist eine ganz simple Rosenhecke. Es kann bestimmt nichts schaden, einen Zweig mit nach Atlantis zu nehmen. Parrish kann ihn sich dann genauer ansehen, aber ich bezweifele, dass er etwas finden wird. Danach wird sich jemand über einen Setzling freuen.“

„Ihre Mutter?“, erriet Teyla.

„Ganz genau!“

„`Kann bestimmt nicht schaden?´ Darf ich Sie daran erinnern, was das letzte Mal passiert ist, als Sie einem unscheinbaren Kristall, der an Bäumen wächst, zu nahe gekommen sind? Ich habe keine Lust, wieder so etwas durchzumachen.“

„Ganz ruhig , Rodney. Das war was vollkommen anderes. Das ist hier ist einfach nur eine Rose.“

„Tun Sie, was Sie nicht lassen können, Sheppard. Aber wehe es gibt wieder Ärger.“

Rodney gab es auf, seinem Teamleader ins Gewissen reden zu wollen. Er kannte seine Sturheit und Dickköpfigkeit nur allzu gut und außerdem, was war schon dabei?

Diese Rose sah wirklich genauso aus, wie die bekannten Rosenarten auf der Erde.

John hatte gerade nach einem kleinen Ast greifen können, als er einen kurzen brennenden Schmerz an seinem Schienbein spürte.“

„Au … was zum … Ahhh!“

Noch bevor ein zu seinem Bein sehen konnte, hatte sich etwas um dieses gewickelt und zog ihm im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weg.

Rücklings landete er auf dem Boden, er spürte, wie ihm durch den Aufprall die Luft aus den Lungen gepresst wurde und für einen Moment glaubte er, dass einige Rippen gebrochen seien. Doch nach dem ersten tiefen Atemzug war er sich sicher, dass nichts weiter geschehen war. Schnell setzte er sich wieder auf und suchte nach der Ursache für seinen Schmerz am Bein und auch für den Sturz.

„Colonel! … Alles in Ordnung?“

Besorgt trat Teyla näher und musterte Sheppard von oben bis unten.

„Ja … ja, ich habe wohl mit meinem Bein einer der Dornen gestreift. Muss mich in diesem Gewächs verfangen haben.“

„Ihr Bein … Sie bluten!“

„Halb so schlimm, ist nur ein Kratzer“, meinte John und sah durch den entstanden Riss in der Hose auf sein Schienbein, an dem langsam einige Tropfen Blut hinab rannen.

„So viel zur harmlosen Rosenhecke, hm?“, kommentierte Rodney eingeschnappt.

„Ich sagte es schon, es ist nur ein Kratzer, kein Grund zur Aufregung.“

„Ach nein? Weiß der Kuckuck, was jetzt passiert? Diese Dornen könnten vergiftet sein oder … oder … wir sollten zurück nach Atlantis und das überprüfen lassen.“

„McKay! Regen Sie sich ab. Es ist einfach nur ein Rosendorn. Ich habe mich daran gekratzt und im Gewächs verfangen. Mehr ist da nicht. Aber damit Sie heute beruhigt einschlafen können … wir wollten ohnehin nach Hause. Dann kann Jennifer mich auf den Kopf stellen und Sie werden sehen, dass da nichts ist“, beruhigte John den Wissenschaftler und ließ sich von Teyla und Ronon wieder auf die Beine helfen.

Finster blickte er noch einmal zu den rosaroten, kleinen Rosen, die ihn geradezu frech anzugrinsen schienen, bevor er sich wegdrehte und davon humpelte.

Atlantis

„Tja, also der Scan verrät nichts Ungewöhnliches und die ersten Bluttests sind bisher auch unauffällig. Und das ist wirklich keine allzu schlimme Verletzung“, beruhigte Jennifer die Anwesenden und beäugte kritisch das Schienbein des Colonels.

„Was habe ich gesagt?“, gab John selbstsicher zurück.

„Es hätte aber auch gut anders sein können.“

„McKay, lassen Sie es endlich gut sein, ja?“, mahnte John und machte deutlich, dass er bald seine Geduld verlieren würde.

„Es ist zwar ein recht heftiger Kratzer und auch ziemlich tief, aber zum Glück muss er nicht genäht werden“, informierte Doktor Keller ihn und machte sich an die Arbeit, die Wunde zu desinfizieren und zu verbinden.

Zehn Minuten später konnte das Team die Krankenstation verlassen und auch John humpelte nicht mehr.

Nun galt es für John einen Bericht anzufertigen, mit Woolsey über die weitere Vorgehensweise zu sprechen und etwas Kleines zu essen. Danach käme erst der richtig harte Teil des Tages. Das Gespräch mit seinem Vater.

 ~~~///~~~

 

Sein Bericht war schon fertig, gegessen hatte er auch und er hatte sogar schon in seinem Quartier geräumt, das mittlerweile nicht mehr ordentlicher sein konnte.

Doch nun saß John auf seinem Bett und wusste zunächst nichts mit der übrigen Zeit anzufangen.

Er hatte noch etwa eine Stunde Zeit, bis er sich mit seinem Vater treffen sollte. Er hatte ihm versprochen, sich Zeit für ihn zu nehmen und endlich ein klärendes Gespräch mit ihm zu führen.

Aber John fragte sich, was es da noch zu klären gäbe. Sein Vater war sich offenbar bewusst, dass er mit seinem Verhalten in der Vergangenheit nicht immer auf dem richtigen Weg gewesen sein musste und das hatte er auch schon zugegeben. Ebenso meinte er, dass ein Neuanfang nicht schlecht sei. Warum dann noch reden? Warum die Vergangenheit wieder herauf wühlen?

Gerade als John erneute Zweifel überkamen, ertönte der Türsummer.

„Alexa! Was machen Sie denn hier?“, fragte er überrascht, als er sie erblickte.

„Ähm … ich wollte mich nach Ihrer Mission von heute Morgen erkundigen und fragen, wie es Ihnen geht. Ich habe gehört, dass Sie verletzt wurden.“

„Ach, das ist nur ein Kratzer. Habe mich in einer Rosenhecke verfangen. Ansonsten gab es nichts Spannendes auf diesem Planeten. Nur Pflanzen über Pflanzen über Pflanzen … und ein nörgelnder McKay.“

Alexa nickte lächelnd.

„Was ist mit Ihnen? Was gibt es Neues an der Front?“

„Front?“

„Ja. Sie wissen schon. Ihr Vater, die Gespräche mit Woolsey … wissen Sie eigentlich, wann Sie wieder im aktiven Dienst sind?“

„Ich bin im aktiven Dienst. Nur … eben nicht draußen. Mein Vater … es sieht so aus, als ob er recht gut damit zurechtkommt, was in letzter Zeit so passiert war. Er hat sich jedenfalls in jeden einzelnen Missionsbericht regelrecht eingegraben und kam jedes Mal mit einer anderen Stimmung wieder nach oben, aber … ich bin mir nicht ganz sicher, was das IOA und dessen Vorgehensweise und … alles betrifft. Es kann auch gut sein, dass mein Vater Sie bald auf die Berichte anspricht und Genaueres erfahren will.“

„Gut zu wissen … Was ist los?“, fragte John genauer nach, als er merkte, dass sie irgendetwas zu bedrücken schien.

„Nichts, alles bestens.“

John glaubte ihr nicht, was er auch durch einen entsprechenden zweifelnden Blick deutlich machte.

„Sie merken wohl alles und geben nicht locker, was?“

„Zum Ersten ja … und zum Zweiten nein.“

„Ich frage mich immer noch, was diese ganze Geheimniskrämerei soll. Ich verstehe nicht, was mein Vater damit bezweckt, mich nicht mehr raus zu lassen. Nur weil da draußen jemand ist, der etwas von mir will? Warum sagt er es nicht einfach? Was ist so schlimm daran? Mit dem Kerl werde ich auch noch fertig, auch wenn ich immer noch nicht weiß, wer er überhaupt sein könnte oder was er von mir will. Warum werden meine Empfindungen und Wahrnehmungen einfach so abgetan? Ich verstehe auch nicht, warum … warum ich mich nur bruchstückhaft an Dinge erinnere. Warum macht man um alles so ein Geheimnis oder warum weigert sich mein Bruder, mir etwas zu erzählen? Manchmal hätte ich nicht übel Lust, ihn zu fragen und meine Familie zu zwingen, endlich zu reden. Ich fühle doch, dass da was ist, dass sie mir Dinge verheimlichen und das Verrückte daran ist, sie wissen doch, dass ich es bemerke … das ich es fühle! Was soll das alles?!“

„Ich weiß es auch nicht … wer weiß, was der Grund für die Zurückhaltung Ihrer Familie ist. Vielleicht will ihr Vater sie nicht belasten. Er muss nur mehr Vertrauen zu uns schöpfen. Geben Sie ihm etwas Zeit … War er denn früher auch so misstrauisch?“

„Nein … nein, ich denke nicht. Er war immer ein sehr vorsichtiger Mensch aber mit Misstrauen hatte er noch nie Probleme. Zumindest soweit ich mich erinnern kann. Er hat mir auch noch nie irgendetwas verheimlicht … denke ich“, erklärte Alexa.

„Ich denke er wird bald offener sein. Ein wenig Zeit, genügend Informationen und ein Woolsey, der ihn in der Mangel hat, können manchmal Wunder bewirken.“

„Er scheint nicht der Einzige zu sein, der etwas verheimlicht“, meinte Alexa, als sie prüfend zu John sah, der ihren Blick ertappt erwiderte.

„Sie sind schon ganz gut im Lesen von Menschen“, gab dieser etwas finster zurück.

„Es tut mir leid. Manchmal geht diese Fähigkeit noch mit mir durch … was ist es?“

„Ich wollte es Ihnen sagen, aber bei den momentanen Umständen … wollte ich Sie nicht noch mehr beunruhigen und ängstigen.“

„Ich habe so schnell keine Angst, Colonel. Worum geht es?“

John zögerte noch eine ganze Weile und suchte nach einem Anfang, nach den richtigen Worten, doch ihm fiel nichts Passendes ein. „Vor ein paar Tagen, als Sie mit ihrer Empathie zu kämpfen hatten, habe ich in Ihrem Quartier einen kleinen Zettel gefunden. Darauf waren einige Symbole, ähnlich denen auf den Steinen von M4X-282. Das hat mich ein wenig stutzig gemacht, also habe ich Jackson darauf angesetzt und … er hat es tatsächlich übersetzen können.“

„Und was stand drauf?“

„Diese Notiz gehörte Ihrem Vater, er hatte sie in seiner Tasche, er hat sie wohl verloren. Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass er diesen Kerl kennen muss, denn …“

„Was stand auf diesem Zettel, Colonel“, forderte Alexa energischer und achtete gar nicht darauf, dass John ernsthaft mit sich haderte. Einige Augenblicke vergingen, in denen John schwieg, doch es brachte nichts. Sie würde nicht aufgeben.

„`Sie wird bald mir gehören´ … Ich vermute, dass dieser Kerl ihm diese Notiz irgendwie zukommen ließ und nun versucht, Angst und Schrecken zu verbreiten. Vielleicht ist das auch ein Grund für das Schweigen Ihrer Familie. Sie wollen Sie nicht ängstigen.“

„Ich sagte schon … ich habe keine Angst“, erwiderte Alexa, schlenderte zum Fenster und blickte auf das Meer hinaus.

Doch John wusste, dass sie log. Er konnte im Gegensatz zu ihr zwar keine Gefühle lesen, aber er konnte gut beobachten und er kannte die Antikerin mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass sie panische Angst verspürte. Auch wenn sie es noch so gut zu verbergen versuchte.

„Das sehe ich anders. Hören Sie, ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Sie sich fühlen müssen und ich kann das auch gut verstehen, glauben Sie mir. Ich an Ihrer Stelle hätte auch Angst … na ja vielleicht nicht Angst, aber es würde mich wohl sehr … beunruhigen … Ich werde nicht zulassen, dass dieser Typ Ihnen zu nahe kommt, okay? Was immer er von Ihnen will, er wird es nicht bekommen. Er wird Sie nicht bekommen. Ich … ich werde auf Sie aufpassen … und …“, sprach John ihr leise zu, während er sich neben sie stellte und sie zu sich umdrehte.

Unsicher sah sie zu ihm hinauf und gab auf, ihm und auch ihr selbst etwas vorzumachen. „… Sie beschützen … ich werde Sie beschützen.“

Augenblicke vergingen, in den sich beide in die Augen sahen, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Das schien auch nicht nötig zu sein. John wusste, was sie empfand und er spürte auch, dass sie gerade wieder die mentale Verbindung zu ihm aufgenommen hatte. Er war sich sicher, dass sie seiner Aussage, vor allem aber seinem Versprechen glaubte, denn er hatte alles daran gesetzt, dass sie das alles nicht nur hörte, sondern auch durch ihre Empathie und die Verbindung spüren konnte.

Der Moment nahm unendliche Ausmaße an, sie sahen nur noch sich. Er sah nur noch ihre Augen. Blaugrün, strahlend klar, offen und freundlich, aber doch voller Sorge, Ungewissheit und Angst. Und dennoch lag noch immer ein gewisses Etwas in ihnen, dass ihn regelrecht in den Bann zu ziehen schien.

Und auch Alexa sah nur noch das grün-braun, die Stärke und Kraft, die seine Augen ausstrahlten. Auch eine gewisse Wärme, die sie irgendwie anzog und nicht mehr loslassen wollte.

Ein Türsummen brachte die beiden wieder ins hier und jetzt zurück. Aufgeschreckt ließ John Alexas Arm wieder los, blinzelte einige Male verwirrt und verlegen und ging dann zur Tür.

„Mom…“

„Hallo John, ich wollte nur mal … oh, offenbar störe ich. Ich kann …“

„Nein, Sie stören nicht. Ich wollte sowieso gerade gehen“, brachte Alexa hervor, und verlies eilig Johns Quartier.

„Stimmt etwas nicht? Habe ich Euch etwa bei irgendetwas gestört?“, fragte Carol verdutzt.

„Nein, nein. Alles in Ordnung.“

„Ich dachte, ich besuche dich mal. Seit ich hier bin, habe ich noch kein einziges Mal ein Quartier gesehen.“

„Tja, jetzt bist du ja da. Immer herein spaziert“, erwiderte John und breitete einladend die Arme aus.

„Ja, nur … habe ich es mir ein wenig anders vorgestellt. Ich dachte, du hättest eine kleine Wohnung … eine Penthousesuit wie Mister Woolsey oder etwas Ähnliches“, gab seine Mutter zurück und sah sich unauffällig um.

„Was sollte ich denn mit einer Wohnung? Mir reicht das hier. Ich bin eh die meiste Zeit unterwegs.“

Carol nickte, als sie verstand, dass John eher ein spartanisches Leben bevorzugte. Zu verdanken war das wohl seiner Ausbildung und seinem Leben als Soldat, das in den meisten Situationen keinen Luxus zuließ und nur selten besondere Annehmlichkeiten bereithielt. Doch als ein leitendender Militärkommandant hätte er doch bestimmt Anspruch auf eine etwas gehobenere Unterkunft.

Dennoch schien John Wert auf das eine oder andere Detail zu legen. Beispielsweise das Johnny Cash Poster, das er in der Zwischenzeit erneuert haben musste. Ein Surfbrett und ein Skateboard, was Carol verwundert und auch etwas stutzig die Augenbrauen hochziehen ließ. Die eine oder andere Sportzeitschrift lag auf dem Schreibtisch und auch kleine Modellflugzeuge standen an den Fenstern und Tischen.

„Kannst du so etwas fliegen?“, fragte Carol neugierig, als sie eines der kleinen Flugzeuge in die Hand nahm und genau besah.

„Diese Maschine? Ja.“

„Und die hier? Ist das auch ein … ein Kampfjet?“

„Ja. Alle Modelle sind Kampfjets. Und ich kann jede einzelne davon fliegen.“

„Ich dachte, du wärst nur für Helikopter ausgebildet worden.“

„Ach weißt du, kennt man eine, kennt man sie alle. Es hat sich so ergeben, dass ich auch ein paar Mal in einem Kampfjet sitzen durfte.“

„Und das? Ist das auch … sieht irgendwie komisch aus.“

„Das ist eine F-302.“

„In den letzten zwanzig Jahren hat sich so viel getan. Die Dinger werden wohl von Jahr zu Jahr immer moderner. Damals hat man sich wahrscheinlich nicht mal träumen lassen, dass sie sich so entwickeln. Wer weiß, wie weit die Technik noch geht“, erwiderte Carol und bestaunte weiterhin das kleine 302 Modell.

„Die meisten Menschen auf der Erde wissen von der 302 nichts. Sie gehört zum Stargate-Programm und untersteht somit der Geheimhaltung.“

Carol nickte bedächtig. „Und so welche sind hier auch? Oder gibt es hier nur diese Puddle-Jumper?“

„Wir haben die Jumper hier. Sie haben gegenüber den 302ern einige Vorteile. Sie können sich tarnen, haben Drohen, passen durchs Gate, ohne dass man sie auseinandernehmen muss, die Trägheitsdämpfer sind auch viel ausgereifter, es gehen mehr Leute rein, er hat einen Schutzschild und sie agieren überwiegend über das neurale Interface, was es im Kampf … einfacher macht.“

„Hattest du viele Kämpfe mit den Jumpern?“, fragte Carol und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass die Sorge in ihr wuchs.

„Ein paar, aber sie waren nie so schlimm“, antworte John.

Er hatte keine Lust mehr ihr ständig etwas vorzumachen oder zu gar zu lügen. Früher oder später würde sie ohnehin das eine oder andere herausfinden, aber so konnte John sie wenigsten mit Infos versorgen, sie beruhigen und selbst entscheiden, welche und wie viel sie bekommen sollte. Und nebenbei würde es vielleicht sogar für Ruhe und Entspannung innerhalb der Familie sorgen.

„John … ich weiß, dass du gleich zu deinem Vater gehen willst, um dich mit ihm auszusprechen. Ich bin sehr froh und sehr dankbar, dass du ihm zugesagt hast und mit ihm gemeinsam die Lasten der Vergangenheit aus der Welt schaffen willst. Nur, ich bitte dich … gib ihm genug Zeit und … am besten ist, wenn du ihn erst einmal reden lässt. Auch wenn dir vielleicht nicht gefällt, was er sagt. du weißt, wie dein Vater ist. Er tut sich schwer damit, das auszudrücken, was wirklich wichtig ist, was in ihm vorgeht. Er möchte diese Gelegenheit von ganzem Herzen nutzen. Er meint es wirklich ernst, also … versuche zumindest ihn zu verstehen und ihm irgendwie entgegen zu kommen. Ihr sollt natürlich beide zu Wort kommen und sagen, was euch beschäftigt und am Herzen liegt. Dasselbe habe ich auch ihm gesagt, aber … kannst du mir denn ebenfalls versprechen, zu versuchen, ihn zu verstehen? Zumindest ein wenig?“

„Mom … es ist ja nicht so, dass ich das absolut nicht will. Ich weiß auch, dass jetzt vieles passiert ist und anders ist, aber … es ist nur so, dass ich all das schon erlebt habe. Immer wieder gibt es Gespräche, ich erkläre oder versuche ihm meinen Standpunkt zu erklären, aber er … lässt seinen und seine Meinung als eine Art Gesetz im Raum stehen. Ein Wort ergibt das andere und am Ende … sind wir nicht viel weiter. Ich bezweifle, dass es diesmal anders sein wird.“

„Ich weiß nicht, was in den letzten Jahren gewesen ist, John. Ich kann es nicht beurteilen, aber ich bin jetzt wieder da und … wenn alle Stricke reißen sollten, werde ich eben als Vermittler fungieren müssen. Aber mir wäre es lieber, wenn ihr beide das selbst geregelt bekommt. Ihr seid zwei erwachsene, vernünftige Männer und ihr werdet doch wohl noch miteinander sprechen können, ohne euch an den Hals zu gehen. Strengt euch einfach ein bisschen an, denn ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, wieder eine intakte, glückliche Familie zu haben. Soweit es in dieser Stadt eben möglich ist. Aber wir müssen eben alle daran arbeiten und uns bemühen und was die Meinungen deines Vaters betreffen, da wird er sich nun an gewisse Dinge und Umstände gewöhnen müssen … so wie ich“, erläuterte Carol leise, als sie sich wieder ihrem Sohn näherte und seinen Bauch berührte, der erst vor einigen Tagen eine Kugel abbekommen hatte. „Wie geht es dir eigentlich? Tut es noch sehr weh?“

„Nein, alles bestens“, erwiderte John und klopfte sich auf die entsprechende Stelle. Tatsächlich hatte er schon gestern keine Schmerzen mehr empfunden und auch die anstrengenderen Bewegungen machten ihm nichts mehr aus.

„Wir waren tot, John und nun leben wir wieder und sind hier … bei dir. Fern der Erde, in einer anderen Galaxie, auf einem fremden Planeten, in einer außerirdischen Stadt. Nichts ist mehr so, wie es war. Aber wir können alles daran setzen und alles versuchen, um unser Leben wieder aufzunehmen und unsere Familie wieder zusammenzubringen. Es wird vielleicht nicht mehr so sein, wie früher, aber ich möchte nicht, dass es schlimmer wird. Die Dinge müssen bereinigt werden, John. Ihr müsst euch aussprechen.“

„Ich weiß … ich werde mit ihm reden. Wir kriegen das schon hin, ich verspreche es dir.“

Erleichtert schlang Carol ihre Arme um ihn und zog ihn in eine Umarmung, die John nach einem kleinen Zögern nur zu gerne erwiderte.

~~~///~~~

Unsicher und mit einem mehr als einem flauen Gefühl im Magen stand John vor der Tür. Den Soldaten, der sonst immer Wache davor schob und seinen Vater begleiten sollte, hatte er bereits abgezogen, als er ankam.

John wusste nicht, wie lange er schon da stand. Sekunden, Minuten? Er war sich ja noch nicht einmal sicher, ob er das wirklich tun sollte.

Natürlich wollte John ebenso, dass endlich Ruhe und Frieden in die Familie kehrten. Noch mehr wollte er, dass diese ganze Geschichte nicht die Runde in der Stadt machte, denn in den letzten Tagen hatten einige Leute schon mehr mitbekommen, als ihm und den anderen seiner Familie überhaupt lieb sein dürfte. Doch am allermeisten wollte er selbst endlich Ruhe finden, und wenn er ehrlich war, wollte er doch ein normales Verhältnis zu seinem Vater haben. Er liebte und respektierte ihn. Er sah schon als kleiner Junge zu ihm auf und bewunderte ihn, doch je älter er wurde, desto mehr wünschte sich John, dass auch sein Vater einmal ihn in irgendeiner Weise bewunderte. Dass er sich mit dem was John für sich selbst entschied und plante, nicht einverstanden war, war eine Sache. Aber die Art und Weise, wie er das John wissen ließ, schmerzte ihn. Nun hatte sein Vater mit wenigen Worten und nicht gerade auf direktem Wege verlauten lassen, dass er sich dessen bewusst sei, ob das jedoch wirklich der Tatsache entsprach? Ob er das wirklich irgendwie gut machen will oder kann?

Es würde nur einen Weg geben, das herauszufinden.

John fuhr sich einmal mehr durch die Haare und dann über das Gesicht. Er nahm sein Headset vom Ohr, noch einmal atmete er tief durch und betätigte dann den Türsummer.

Wenige Sekunden später öffnete Patrick.

„Hi“, kam es brüchig aus Johns Mund, während sein Vater nach einigen Sekunden erleichtert ein winzig kleines Lächeln zustande brachte.

„Komm rein.“

„Willst du etwas trinken?“

John schüttelte ablehnend den Kopf und wusste nicht so recht wohin mit sich, bis sein Vater ihm deutete, sich doch in einen Sessel zu setzen.

„Wie war es auf dem Planeten auf dem ihr heute Morgen ward? Was Interessantes gefunden?“, fragte Patrick und versuchte einen Einstieg in ein zunächst lockeres Gespräch zu finden.

„Nein, nicht wirklich. Nur eine Menge Pflanzen, um die sich die Botaniker kümmern können.“

„Hm, ich kann mir nicht so ganz vorstellen, dass es in dieser Galaxie andere Pflanzen gibt als zu Hause.“

„Oh doch, die gibt es. Bei einigen wird sogar vermutet, dass sie Leukämie heilen können. Während auf der anderen Seite hier einige Rosenhecken aggressiver sind als auf der Erde.“

„Leukämie? Wirklich?“, kam es wirklich überrascht vom Vater.

„Wird noch erforscht, aber es wird mit Sicherheit einen therapeutischen Zweck geben.“

„Und was hat es mit aggressiven Rosenhecken auf sich?“

„Habe mich mit einer angelegt.“

Patrick zog die Augenbrauen hoch und sah zweifelnd zu John.

„Wie hast du denn das angestellt? Ist alles in Ordnung?“

Wieder war John durch die besorgt klingende Frage seines Vaters aus dem Konzept gebracht worden und musste sich wieder auf das Gespräch konzentrieren.

„Ja, alles bestens. Ich habe nur einige Rosen da gefunden, die aussahen, wie die, die Mom im Garten hatte. Ich dachte, ich könnte sie mitnehmen, aber irgendwie habe ich mich an so einem Strauch verfangen und gekratzt. Und da McKay keine Ruhe mehr gab und fast hyperventilierte, sind wir wieder nach Hause.“

„Also ist es nur ein Kratzer?“

„Ja, nur ein Kratzer. Aber mit diesen Rosen werde ich auch noch fertig“, antwortete John und registrierte ein leichtes Jucken an jenem Kratzer.

„Na davon geh ich mal fest aus. Du bist immerhin auch mit vielen anderen Dingen fertig geworden, dann dürfte das wohl das kleinste Problem sein“, gab Sheppard Senior lächelnd zurück und auch John erwiderte das Lächeln eher reserviert.

Danach folgten schweigsame Momente, in denen Patrick am meisten nach den Worten suchte.

„John … ich …“ Patrick suchte nach Worten, einem Ansatz, einer Erklärung, einer Entschuldigung, nach irgendetwas, doch sein Kopf war wie leer gefegt. Seine Verzweiflung stieg allmählich an, denn er wusste, würde ihm nicht bald etwas einfallen, würde er nicht bald etwas sagen, das ihm schon lange am Herzen lag, dann würde dieser Tag genauso enden, wie viele andere Tage in der Vergangenheit auch. Die eigentlichen Dinge bleiben unausgesprochen, stattdessen gäbe es wieder einmal nur Streit und Zwietracht. „Ich kann mir vorstellen, was du denkst. Immerhin hatten wir schon öfter solche Momente … solche Situationen. Ich erinnere mich gut an früher. Zu gut. Ich weiß, wir haben schon oft versucht … zu einem Auskommen zu finden. Aber jedes Mal …“

Patrick fiel erneut ins Schweigen, als er sich an die vielen misslungen Versöhnungen erinnerte. Warum fiel es ihm nur so schwer, die Dinge einfach zu benennen?

John hingegen fühlte sich gar nicht wohl. Natürlich wusste auch er noch, wie es damals lief. Er erinnerte sich ebenfalls nur zu gut an die vielen Streitereien, an die vielen Versuche sich wieder anzunähern. Er glaubte nicht wirklich daran, dass es diesmal anders laufen würde. John war versucht, selbst etwas zu sagen.

-Ihn ermutigen, ihm entgegenkommen, so wie Mom es sich wünschte? Ihm sagen, dass alles nicht nötig sei und er ihn schon verstehen würde und somit kurzen Prozess machen und einfach von vorne anfangen?-

Verstand er ihn denn wirklich? Meinte er es denn überhaupt ernst? Oder war es nur ein Vorwand, um selbst nicht darüber reden zu müssen, weil er hoffte, dass sein Gegenüber ihm entgegen kam und für ihn in die Presche sprang und somit alles erledigte?

John wusste nicht, was er sagen sollte. Er wusste nur, dass ihm wirklich nicht ganz wohl war. Ihm war leicht übel und auch etwas zu warm und er war sich sicher, dass es nicht von der Sonne herrührte, in der er saß. Immerhin war es auch nicht die Jahreszeit für hohe Temperaturen. Er nahm an, dass es sein Blutdruck war, der nur auf das salzige und auch gut gepfefferte Essen von vorhin reagierte.

„Ich habe deine Mutter sehr geliebt und das tue ich noch. Vielleicht sogar noch mehr, als je zuvor. Kaum dass ich sie zum ersten Mal sah, wusste ich, dass sie diejenige ist, mit der ich alt werden wollte. Ich war der glücklichste Mann der Welt, als sie meine Frau wurde und noch glücklicher als ich erfuhr, dass sie schwanger war … als du unterwegs warst. Ich war so stolz und … ich war dabei, als du zur Welt kamst und als ich dich das erste Mal sah, dich zum ersten Mal in meinem Armen hielt, da … man will dann alles richtig machen. Man schwört sich, ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein und alles zu tun, damit es den Kindern gut geht. Es soll ihnen besser gehen, als einem selbst. Die Kinder sollen alles haben was sie brauchen und noch mehr. Alles muss vom feinsten und nur das Beste sein. Man ist bereit alles zu tun, was nötig ist. Man ist bereit, weit über seine Grenzen zu gehen, in der Hoffnung, dass … dass sie nicht irgendwann dieselben Fehler machen, wie man selbst. Wenn Kinder zur Welt kommen, dann empfindet man einen ungeheuren Stolz und ein Glück, dass sich mit nichts auf der Welt vergleichen lässt. Man sieht ihnen zu, wie sie wachsen, wie sie spielen, wie sie lernen und lachen. Und du … du warst schon damals etwas ganz besonderes. Du hast so schnell gelernt, du bist so schnell gewachsen. Deine Mutter und ich sind kaum mitgekommen und dennoch war es das Schönste, dir dabei zuzusehen. Auch als ich bemerkte, dass du schon mit zwei Jahren einen ganz schönen Dickschädel hattest.

„Dad … hier geht es doch nicht wirklich darum, wie ich als Kind war. Hier geht es nicht um meine Kindheit … Sag doch einfach, was du sagen wolltest“, bat John und rief sich wieder zur Ruhe.

Seine Mutter bat ihn, seinen Vater erst mal reden zu lassen und nun stellte er fest, dass dies gar nicht so einfach war. Sein Vater verrannte sich in Dinge, die im Grunde nicht wichtig waren. Außerdem wurde ihm nicht gerade besser. Ihm war immer noch zu warm und übel und zudem ging ein leichtes Brennen von seinem Kratzer aus, was ihn langsam nervte.

„Doch, hier geht es um deine Kindheit, John. Da hat alles angefangen. In einer Stellung wie der meinen, denkt man nur wenig an die Gegenwart. Die Zukunft ist immer in unserem Blickfeld. Nicht nur in der Arbeits- und Geschäftswelt, sondern auch in der Familie. Besonders wenn Kinder da sind. Man wünscht sich und hofft, dass die ganze Arbeit, die man sich jahrelang gemacht hat, nicht am Ende umsonst ist und dass das Erreichte und Erbaute über die Generationen weitergegeben werden kann. Das man eine Sichere und geregelte Umgebung geschaffen und eine lukrative Investition gemacht hat, von denen der Nachwuchs ohne Sorgen profitieren kann. Man wünscht sich für seine Kinder eben nur das Beste. Vor allem hofft man, dass sie es genauso sehen, wenn sie älter werden. Und wenn sie dann noch ziemlich clever sind … so wie du, dann hat man das Gefühl, das es manche Dinge einfacher macht, was im Nachhinein meistens eher schlecht als recht ist. Den Eltern kommt nie in den Sinn, dass ihre Kinder … man hat immer wieder bestimmte Bilder vor Augen. Vorstellungen Hoffnungen und Träume … wie sie erfolgreich sind und glücklich und das am besten im gemachten Nest. Eltern sehen gerne sich selbst, wenn sie in das Gesicht ihrer Kinder sehen. Man sieht in das Gesicht seines Sohnes und sieht sich selbst darin … man hofft, sich selbst darin zu sehen.“

Patrick schwieg wieder und sah zu John, der zusammengesunken in seinem Sessel saß. Ihm mussten die unterschiedlichsten Gedanken im Kopf umhergehen. Sein Blick war unstet, doch kein einziges Mal sah er zu ihm. Patrick sah, dass ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Entweder beschäftigten ihn seine Worte oder es ging ihm nicht gut.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“

„Ja“, antwortete John knapp und hoffte, dass dies alles bald ein Ende hatte. Ihm wurde immer wärmer, die Übelkeit ließ auch nicht nach, im Gegenteil sie schien noch stärker zu werden und sein Kratzer fühlte sich mittlerweile eher wie ein großer tiefer Schnitt an. Doch noch immer glaubte er, dass es sein Blutdruck sei, der wohl leicht gestiegen sein musste und dadurch ein pochendes Gefühl an der kleinen Wunde und in manchen Gliedern verursachte.

„Bist du sicher? Du schwitzt und bist auch irgendwie blass. Willst du nicht doch etwas trinken?“

„Wasser.“

Patrick reichte ihm ein Glas Wasser, dass John in einem Zug leer trank.

„John ich …“

„Dad … ich weiß, was du damit sagen willst. Zumindest kann ich es mir denken, aber … was willst du von mir hören? Was … was soll ich dir sagen? Ich meine, das alles hast du mir schon früher gesagt und jedes Mal … Warum sollte es diesmal anders sein?“

„Es ist aber anders. Ich weiß, wir haben das schon so oft … sag mir einfach, was … sag mir einfach, was du denkst.“

„Habe ich das nicht oft genug getan? Was bringt es denn überhaupt, darüber zu reden? Wir beide wissen, wie dass alles enden wird. Du sagst mir deinen Standpunkt, ich dir meinen, der dir nicht gefällt, es kommt zum Krach. Einen Tag später knurren wir irgendwelche halbherzigen Entschuldigungen vor uns her und ein paar Tage später geht das ganze wieder von vorne los. Ich habe da wirklich keine Lust mehr drauf, Dad.“

„Was erwartest du von mir, John? Soll ich auf die Knie fallen und um Verzeihung bitten?“

„Hier geht es doch nicht um Entschuldigungen! Du erwartest von mir, deine Meinungen und Ansichten zu respektieren und zu teilen, aber auf meine oder die von anderen achtest du herzlich wenig. Und solange sich daran nichts ändert, wird sich auch zwischen uns nichts ändern.“
„Dann lass uns da ansetzen. Teile mir deine Meinungen und deine Ansichten über etwas mit und gib mir vernünftige Gründe, warum ich ebenfalls dieser Meinung sein sollte.“

„Ich verlange gar nicht, dass du derselben Meinung bist. Alles, was ich je wollte, war … ich wollte nur, dass du meine Entscheidungen und mein Handeln auch einmal einfach so respektieren kannst, ohne sie bis in jedes kleinste Detail zu ergründen und auseinanderzunehmen.“

„Ich muss gestehen, dass mir das bei dir schon schwerfällt, einfach mal so mit irgendetwas einverstanden zu sein.“

„Da haben wir es ja schon. Es klingt ganz so, dass es noch nicht einmal meine Entscheidungen und Schritte sind, zu denen ich mich entschieden habe, sondern wohl nur an mir selbst.“

„Ach ich bitte dich, das ist doch Unsinn!“

„Ah ja? Egal was ich in meinem Leben getan oder gelassen habe, du warst mit nichts zufrieden oder einverstanden!“

Patrick prustete kopfschüttelnd und sah zum Fenster hinaus.

„Jetzt übertreibst du gewaltig, Junge!“

„Fangen wir doch mal bei meinem High-School-Abschluss an. Du hast erwartet, dass Dave und ich nur die besten Noten haben, und wehe, sie waren dir nicht gut genug. Ich gehörte mit meinem Abschluss zu den besten fünf, dir war es nicht gut genug.“

„Das ist doch gar nicht wahr!“

„Tagelang hast du rumgenörgelt und wolltest sogar, dass ich die Prüfungen wiederhole. Aber dann lässt du mich stattdessen diesen bekloppten Mensa-Test machen. Erinnerst du dich, was passierte, als ich bestand und es abgelehnt habe, diesem Verein beizutreten?“

Wieder schüttelte Patrick den Kopf. Diesmal nicht, weil er es abstritt, sondern weil er sich nur zu gut an diese Zeit erinnerte. Es war eine der schlimmsten Momente, als er den Geduldsfaden verlor und seinem Unmut und Unverständnis Luft machte und seinem ältesten Sohn schreckliche Dinge an den Kopf warf.

Patrick wusste, dass er damals wirklich überreagiert hatte und mehr als einen Schritt zu weit ging.

„Und was ist mit der College-Sache? Ich hatte mich für Stanford entschieden. Es war eine genauso gute Elite Universität wie Harvard. Dir hat es wieder nicht gepasst. Sogar Mom hat sich mit dir in die Wolle gekriegt. Dir war es egal. Dein Wille sollte Gesetz sein. Ich wollte dir entgegen kommen. Ich wollte es dir recht machen. Nur ein kleines bisschen Freiheit hättest du mir gönnen können. Was wäre an Stanford so schlimm gewesen? Ich habe da genauso gut Mathematik studiert, wie ich es in Harvard gekonnt hätte.“

„Du hast ja zum Schluss deinen Willen bekommen. Du hast in Stanford studiert. Zwei Jahre lang und dann kamst du an und verkündest aus heiterem Himmel, der Air Force beitreten zu wollen. Wofür war dann die ganze Aufregung zuvor? Für nichts und wieder nichts! Zwei Jahre … zwei teure Jahre Mathematik in Stanford und du wolltest plötzlich deinen Kopf lieber in die Wolken stecken!“

„Weil ich schon immer Interesse am Fliegen hatte und das wusstest du! Aber die Interessen der anderen sind dir meist egal!“

„Das ist doch nicht wahr! Du hättest doch nur mal mit mir darüber reden sollen. Ich hätte dafür sorgen können, dass du eine gescheite Ausbildung bekommst und in einer angesehenen Luftfahrtgesellschaft unterkommst. Stattdessen kamst du gleich mit der Air Force an! Im Grunde hast du mich damit hintergangen.“

„Luftfahrtgesellschaft? Soll ich dann als Pilot einer Frachtmaschine oder Passagiermaschine ständig zwischen A und B tingeln? Jeden Tag denselben Trott? Und mit dir darüber zu reden, war so gut wie unmöglich. Das hat sogar Mom gemerkt, als sie versucht hat, zwischen uns zu vermitteln. Wie oft habe ich dir gesagt, dass ich … wie oft hat Mom dir versucht zu sagen, dass meine Interessen ganz wo anders liegen. Dir hat das doch von vorneherein nicht gepasst. Du hast ja schon Zustände bekommen, wenn ich nur ein Poster eines Flugzeugs in meinem Zimmer aufgehängt habe. Da lag deine Sorge mehr an der Wand, als an mir oder meinem Wunsch, ein Pilot zu werden.“

„Nein John. Meine Sorge lag immer bei dir. Bei dir und deiner Sicherheit. Dass du zur Air Force gingst, hat es für mich nur schwerer gemacht. Als deine Mutter damals starb, war an dich kein rankommen mehr.“

„Natürlich! Jetzt bin ich es! Du hast dich doch nach Mutters Tod so verändert. An dich ist niemand mehr herangekommen. Du hast dich dermaßen verändert, dass weder ich noch Dave an dich herangekommen sind. Unausstehlich warst du und egal worum es ging, du warst noch sturer und unerbittlicher als sonst. Dir war es schon immer ein Dorn im Auge, dass ich anderes vorhatte, als in deiner Firma zu sitzen. Da kam dir das mit der Air Force gerade recht. Das ist so typisch für dich. Du schiebst andere vor und legst dir die Sachen so zurecht, wie du sie brauchst.“

„Jetzt mach mal halblang John! Meine Sorge um dich war immer echt. Was hast du denn von mir erwartet? Soll in Jubel ausbrechen, wenn mein Sohn Soldat wird? Wenn er mit Waffen hantiert? Wenn er sein Leben in irgendwelchen Kriegsgebieten aufs Spiel setzt? Du erwartest von mir und … und den anderen, dass wir das, was du tust, akzeptieren und wir einverstanden sind, dass dir die Kugeln um die Ohren fliegen. Aber du hast es bisher kein einziges Mal für nötig empfunden, uns zu sagen, was genau du eigentlich tust. Du hast damals noch nicht einmal erwähnt, dass du wohl in einer Spezialeinheit warst.“

„Woher weißt du das?“

„Ich bitte dich John! Wenn du nicht den Mund aufmachst, muss ich mich eben anderweitig umsehen.“

„Ja … so, wie du Woolsey in den Ohren liegst. Wie oft habe ich in den letzten Tagen gesagt, dass es der Geheimhaltung untersteht?“

„Wie oft hast du es davor gesagt? Zu oft würde ich meinen. Zu oft, um es noch als glaubwürdig zu erachten. Und deine Beruhigung `es ist alles halb so wild, es ist eine Ausnahmesituation´ hat spätesten dann aufgehört zu funktionieren, als ich dabei zusehen musste, wie du über den Haufen geschossen wurdest!“

„Weißt du was? Du kannst dir von mir aus die Berichte geben lassen und lesen. Du lebst nun hier und erfährst wohl zwangsläufig das eine oder andere, aber jetzt geht es um etwas anderes … wir haben uns schon wieder in eine Sackgasse hinein manövriert. Du versuchst mir deinen Standpunkt klar zu machen, ich dir meinen und das ganze ging nach hinten los – wie immer. Du kannst noch immer nicht akzeptieren, dass ich mit meinen Entscheidungen und meinem Weg zufrieden bin.“

„Zufrieden?! Du bist tatsächlich zufrieden, wenn dir Kugeln um die Ohren fliegen oder wenn du in Luft gesprengt werden könntest? Ich glaube das einfach nicht. Diese Arbeit ist wohl in vielerlei Hinsicht gefährlich. Sie kann einem nicht nur das Leben kosten, nein, wenn man Glück hat, bleibt man am Leben, hat aber dafür den Verstand verloren, weil man den Heldenkomplex nicht mehr kontrollieren kann!“

„Ich bin bestimmt kein Held. Ich mache hier nur meine Arbeit. Ich habe mich dazu verpflichtet, diese Leute zu schützen und auf sie aufzupassen und im Notfall auch zu verteidigen, aber du drehst es dir mal wieder so, wie du es brauchst. Es hat einfach keinen Sinn“, erklärte John und stand auf. Augenblicklich spürte einen stechenden Schmerz an seinem verkratzten Knöchel. Nur mit Mühe konnte er ein Aufstöhnen und das Verziehen des Gesichts verhindern. Irgendetwas stimmte da nicht. Doch eine Abklärung was da los sei, musste noch etwas warten.

„Ich hatte wirklich geglaubt, dass wir nach allem nun endlich die Sache aus der Welt räumen können, aber … das ist wohl einfach nicht möglich. Du kannst keinen Schritt nach vorne machen, ohne dabei mit einer Anklage und Beschwerden zu kommen. Man kann dir einfach nichts recht machen“, sprach John weiter, als er spürte, wie ein leichter Schwindel ihn überkam.

„Du willst mich einfach nicht verstehen, John! Ich kann sagen, was ich will … Du verstehst einfach nicht, was ich dir sagen will.“

„Oh doch, ich verstehe sehr gut. Dir passt es nicht, dass ich zur Air Force ging! Dass ich Soldat wurde!“

„Mir passt es nicht, dass du dein Leben riskierst, als sei es nichts wert! Deine Sturheit gepaart mit deinem Leichtsinn, wird dich früher oder später ins Grab bringen!“

„Ich weiß genau, was ich tue. Du hast keine Ahnung, was in dieser Galaxie los ist …“

„Wie sollte ich, du redest ja nicht darüber! Ich muss um einzelne Informationshäppchen regelrecht betteln und dann muss ich noch zusehen, wie irgendeine Kreatur dich erschießen will oder wie eine andere sich …“

Abrupt hielt Patrick inne. Beinahe hätte er zu viel gesagt.

„Warum sollte ich darüber reden?! Du hörst entweder nicht zu oder verwendest alles gegen einen! Wie oft habe ich damals versucht mit dir über etwas zu reden, aber entweder hast du versucht, deine eigene Ideen und Vorstellungen einem aufzuzwingen, oder du warst nach Mutters Tod nicht zu erreichen und hast dich in deiner Firma verschanzt. Was hast du da erwartet? Du hast versucht mir etwas zu sagen. Du hast mir versucht mitzuteilen … was dich beschäftigt. Aber du … du …“

Wieder erfasste John ein weiterer Schwindelanfall. Er war stärker als zuvor. Er war so stark, dass John gezwungen war, sich an der Tischplatte des Esstisches festzuhalten, sonst hätte er zu taumeln begonnen und wäre womöglich gestürzt.

John senkte den Kopf und atmete gegen dieses elende Gefühl in seinem Kopf. Der ganze Raum drehte sich, seine Übelkeit nahm wieder zu und er hatte das Gefühl, als seien Millionen Ameisen in seinem Gehirn auf Wanderschaft, so stark kribbelte es.

„John?“

Er spürte, wie seine Kraft ihn allmählich verließ.

„Oh verdammt!“

„John, was ist los?“

Seine Kraft reichte nicht mehr für eine feste, klare Stimme aus. Seine Knie knickten ein und er fiel zu Boden.

„John!“

Der Schmerz an seinem Knöchel wurde stärker und strahlte nun weiter in den Fuß und in die Wade aus. Nur wage sah er, wie sein Vater auf ihn zu stürmte und sich neben ihn kniete. Sein Gesicht war nicht mehr als ein Umriss, die Geräusche schienen sich immer weiter zu entfernen. Das Tätscheln an seiner Wange nahm er kaum wahr und die Stimme seines Vaters war so weit weg, dass er kaum verstand, was er sagte.

„John, was ist denn? Was hast Du?“

„Ich … weiß nicht. Schwindlig … Schmerzen …“

„Wo? Wo hast du Schmerzen?“

„Knöchel … mein Bein …“

Hastig zog Patrick die Hose aus Johns Einsatzstiefel und entdeckte das Pflaster auf der Wunde an Johns Bein.

„Du meine Güte! John, das ist schwer entzündet! Hast du die Wunde denn nicht behandeln lassen?“, fragte Patrick entsetzt, als er das Pflaster entfernte, da dieses bei Weitem nicht mehr groß genug war.

„War nur ein Kratzer … ist schlimmer … geworden …“

„Verdammt, jetzt fängt es auch noch an, zu bluten!“

Schnell eilte er ins Badezimmer, schnappte sich eines der Handtücher und wickelte es um das Bein seines Sohnes.

„Hey … hey, nicht wegtreten. Schön hier bleiben … Meine Güte, du glühst ja! Du hast Fieber!“, stellte Patrick fest, als er Johns Gesicht berührte.

„Kranken…station …“, brachte John mit größter Mühe hervor, bevor ihn ein weiterer Schwindelanfall packte und er fast das Bewusstsein verlor.

„Ja … ja … kannst du gehen?

„Weiß nicht.“

„Versuchen wir es. Los, komm! Hoch mit dir!“

Patrick packte ihn am Arm, legte diesen über seine Schulter und versuchte ihm auf die Beine zu helfen. Äußerst wackelig stand John mehr auf dem gesunden Bein, doch kaum kam es zum ersten Schritt, konnte er ein Stöhnen vor Schmerzen nicht mehr unterdrücken. Wäre sein Vater nicht, der ihn stützte, würde er wie ein nasser Sack umfallen.

„Meinst du, du schaffst es?“

„Muss …“

„Na schön, los geht’s.“

Nur mühsam und sehr langsam schafften sie es aus dem Quartier.

 ~~~///~~~

 

„Was meinst du? Kriegen die sich wieder? Oder besser gesagt endlich?“, fragte Dave, der mit seiner Mutter auf einer Bank auf einem der Balkone saß.

„Na das will ich doch hoffen. Wenn die beiden nicht langsam die Kurve kriegen, muss ich mir ernsthafte Gedanken machen. Dann habe ich wohl keine andere Wahl, als die Psychologin raushängen zu lassen, wie dein Vater sagt.“

Dave schmunzelte und nippte an seiner Flasche Wasser.

„Wir könnten sie auch in einen Raum sperren und sie so lange drin lassen, bis sie alles geklärt haben. Die Stadt ist groß genug, da wird es mit Sicherheit einen abgelegenen Raum geben, wo sie sich austoben können.“

„So verlockend das auch klingt, aber ich glaube das nützt auch nichts, Dave. Die zwei haben sich über die Jahre so sehr zerstritten … das weißt du doch am besten oder nicht? … Dave, was ist damals passiert, als ich …“

„Ach Mom, das ist vorbei und schon lange her.“

„Dave … bitte“, bat sie ihn mit ruhiger Stimme.

„Wie soll ich dir das sagen? … Wo soll ich überhaupt anfangen? Es war … heftig. Es verging kein Tag, ohne das die beiden sich in den Haaren hatten. Nachdem du … alles hatte sich irgendwie verändert. Dad hatte sich verändert und John auch. Dad hatte sich zurückgezogen, sich in der Firma verschanzt und in die Arbeit gestürzt. John wurde ruhiger, er ging seine eigenen Wege. Er hat kaum noch mit uns über irgendetwas gesprochen. Und wenn es mal etwas gab, worüber geredet werden musste, entwickelte sich das Ganze jedes Mal zu heftigen Diskussionen und der Streit wurde regelrecht vom Zaun gebrochen. Dad war nicht wiederzuerkennen und John ging jedes Mal stiften. Entweder war er bei Freunden oder er quartierte sich im Strandhaus ein. Ich habe immer nur zusehen müssen, wie die beiden … es war kein rankommen an die beiden. Weder an Dad, noch an John. Ich habe oft versucht, die beiden irgendwie … ich wollte immer, dass sie sich vertragen und dass wir einfach … aber ich habe es nicht geschafft. Manchmal haben sie mir gar nicht zugehört. Manchmal haben sie sich so sehr gestritten, dass ich … ich war meist im Weg und manchmal haben sie mich noch nicht mal wahrgenommen.“ Du … du hast einfach gefehlt, Mom. Ich habe mir sooft gewünscht, du wärst noch da und könntest sie zur Vernunft bringen, aber … du hast uns allen gefehlt.“

„Ach Dave … es tut mir so leid! Es tut mir so leid, dass du dass erleben musstest, dass ihr alle so etwas durchmachen musstet. Ich wünschte, das alles wäre nie passiert. Es tut mir so leid, dass ich nicht für euch da war … es tut mir so leid …“, sprach Carol leise, als sie ihrem jüngsten Sohn um den Hals fiel und ihn in eine feste Umarmung zog.

„Es war nicht deine Schuld, Mom. Du konntest doch nichts dafür … du hattest einen Unfall.“

„Ich weiß, aber dennoch … manchmal habe ich das Gefühl, euch im Stich gelassen zu haben.“

„Das hast du nicht, mach dir keine Sorgen. Jetzt bist du da. Jetzt … wenn die beiden sich endlich ausgesprochen haben, dann wird alles wieder gut. Dann wird alles wieder wie früher. Wir sind wieder eine Familie.“

„Ja, wenn sie sich auch wirklich aussprechen …“, meinte Carol, als sie sich wieder von Dave löste und ihre Tränen wegwischte.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es zwischen den beiden nicht gut laufen wird. Vielleicht sollte ich mal kurz vorbei sehen und … ich hole mir eine Weste aus unserem Quartier, das recht als Vorwand um nur mal kurz rein zusehen und wehe den beiden, sie machen nicht irgendwelche Fortschritte oder streiten schon wieder! Ich habe es endgültig satt mit diesen sturen, engstirnigen Streithähnen!“, brachte Carol entschlossen hervor und machte sich voller Tatendrang auf den Weg.

Dave folgte ihr lächelnd. So kannte er seine Mutter. Er wusste, wenn sie sich etwas vorgenommen hatte, dann zog sie es auch durch und so schnell würde sie nichts und niemand bremsen können.

 ~~~///~~~

Carol und Dave kamen gerade in den Gang, der zum ihrem Quartier führte, als sie Patrick und John durch den Flur wanken sahen.

„Was zum …“, entfuhr es Dave, wobei Carol sofort sah, dass etwas nicht in Ordnung war.

„Um Himmels willen! Was ist denn los? Was ist passiert?“

„John ist verletzt. Er ist krank“, ächzte Patrick, der Mühe hatte, John zu stützen.

„Verletzt?! Wie konnte das passieren? Ihr seid doch etwa nicht aufeinander losgegangen?! …“, fragte Carol schockiert und sah John genauer an. „John? … John! Sag´ doch was, John.“

Doch es kam nicht mehr als ein leises stöhnen von John.

Schweiß stand ihm auf der Stirn, er war blass, kaum ansprechbar und schon fast weggetreten. Seine Haut fühlte sich glühend heiß an, als Carol sein Gesicht in die Hände nahm.

„Ach was, Blödsinn! Das muss heute Morgen passiert sein. Er hat sich an so einer dämlichen Hecke gekratzt und jetzt hat er sich wohl irgendwas eingefangen. Er ist vorhin zusammengebrochen. Wir müssen ihn auf die Krankenstation bringen. Los Dave, hilf mir! So lang, wie dein Bruder ist, so schwer ist er auch“, stöhnte Patrick, während Dave seinen Bruder von der anderen Seite stützte.

„Transporter“, wisperte John leise, als er für einen kurzen Moment der Unterhaltung folgen konnte.

„Ja, wir sollten einen finden, der direkt zur Krankenstation führt“, meinte Carol und lief voraus, doch an einer Weggabelung blieb sie stehen und wartete, bis die Drei sie eingeholt hatten.

Nur wenige Schritte machten sie in die linke Richtung, als John sich nicht weiter führen lassen wollte.

„Was ist denn?“

„Falsche … Richtung … rechts … Transporter.“

„Okay, falsche Richtung … andere Seite“, meinte Patrick und drehte wieder um. Nach wenigen Metern hatten sie den Transporter erreicht, doch niemand wusste so recht, wie es nun weiterginge.

„Auf welchem Stockwerk ist die Krankenstation nochmal? So modern hier auch alles ist, ein Plan hier drin wäre wirklich nicht verkehrt “, beschwerte sich Carol, als sie den Bildschirm genauer betrachtete.

John hingegen konnte sich mit einem seiner Arme aus der Stütze seines Vaters und seines Bruders befreien und drückte die entsprechenden Zieleingaben ein, bevor ihn erneut die Kraft verlies und er wieder drohte, zusammenzubrechen.

Dave und Patrick konnten ihn gerade noch auffangen und wieder stützen, als sie auch schon direkt vor der Krankenstation ankamen.

„Mein Gott! Colonel, was … was ist denn passiert?“

Jennifer war die Erste, die die Sheppard’s erblickt hatte. Ihr Blick glitt über John Sheppard, der von seinem Bruder und seinem Vater gehalten wurde. Das Handtuch, das um sein Bein gewickelt war, war schon blutdurchtränkt, er schien kraftlos, kaum bei Bewusstsein zu sein und seine Augen waren trübe, sein Blick unstet.

„Es geht ihm gar nicht gut. Er ist vorhin einfach zusammengebrochen und die Wunde ist sehr entzündet. Irgendwas stimmt nicht, es ist wohl mehr als ein Kratzer“, ächzte Patrick und bugsierte John mit Daves Hilfe zu einer Liege auf die Jennifer wies.

„Nehmen Sie ihm den Waffengurt ab und legen Sie ihn hier hin. Ich sehe mir das an.“

Jennifer entfernte das Handtuch vom Bein des Colonels und erschauerte.

„Mein Gott! Aber … das war doch nur ein Kratzer. Sogar ein Pflaster war fast überflüssig … Marie, ich brauche sofort Desinfektionsmittel und Verbandmaterial und nehmen Sie ihm Blut ab. Das sieht wirklich nicht gut aus. Vermutlich ist er mit irgendetwas infiziert worden.“

Während Marie damit beschäftigt war, John etwas Blut abzunehmen, machte sich Jennifer daran, die Wunde neu zu versorgen. Doch kaum, dass sie das umliegende Gewebe berührt hatte, entwich John ein schmerzerfülltes Aufstöhnen.

„Es tut mir leid Colonel, aber ich muss die Wunde nochmal desinfizieren und neu verbinden. Sie werden auf die Zähne beißen müssen.“

Es kam nicht mehr als ein kaum wahrnehmbares Nicken von John, der kurz drauf wirklich arg mit brennenden und pochenden Schmerzen zu kämpfen hatte.

Er hatte schon viele Verletzungen in seinem Leben erlitten, einige davon waren schwer und ernst, aber das ein so simpler Kratzer, sich zu einer solchen Qual entwickeln konnte, war ihm bisher niemals in den Sinn gekommen.

„Doktor … was ist los mit ihm? War es wirklich nur ein Kratzer? Das sieht mir eher aus, wie … eine schwere, tiefe Wunde. Ich verstehe das nicht“, flüsterte Carol der Ärztin zu, als sie mit dem Verbinden fertig war und sich daran machte, den Scanner zu aktivieren.

„Ich weiß es nicht, Misses Sheppard. Ich bin genauso ratlos wie Sie. Als das Team von ihrer Erkundungsmission zurückkam, haben wir allen Blut abgenommen und ich habe mir auch seine Verletzung angesehen und es war wirklich nur ein Kratzer, der noch nicht einmal stark geblutet hat. Es gab keinerlei Hinweise darauf, dass etwas nicht in Ordnung sei. Aber in dieser Galaxie ist wohl nichts unmöglich, da können sich wohl sogar Rosen als gefährlich herausstellen. Wir werden ihn erst einmal scannen. Vielleicht sehen wir da schon etwas und dann warten wir auf die Testergebnisse der Blutuntersuchung. Doktor Neeves ist ein Spezialist. Wenn Colonel Sheppard mit irgendetwas infiziert worden ist, wird er es finden. Machen Sie sich keine Sorgen, Misses Sheppard, er ist hier in guten Händen, wir kümmern uns um ihn.“

„Was ist denn hier los? Colonel?“, entfuhr es Elisha, die mit einigen Instrumenten und Geräten die Krankenstation betrat und John in einem äußerst schlechten Zustand erblickte.

„Colonel Sheppard ist wohl mit irgendetwas infiziert worden. Ich wollte gerade den Scanner aktivieren“, informierte sie Doktor Keller.

„Infiziert? Wie? Durch diese Beinverletzung?“

„Höchstwahrscheinlich. Er berichtete heute Morgen, dass er sich an einer Rosenhecke gekratzt hätte. Ich habe es mir angesehen und es war nichts weiter. Auch der erste Bluttest war negativ.“

„Oh, das sieht übel aus“, bemerkte Elisha, als sie den Verband um Johns Verletzung etwas anhob und einen Blick darauf warf.

„So … fühlt es sich … auch an“, ächzte John, der mittlerweile den Unterhaltungen besser folgen konnte.

„Glaube ich gerne. Na schön, sehen wir uns an, was der Scanner zu sagen hat.“

Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis der Scanner seine Arbeit getan hatte und sich blankes Entsetzen in den Gesichtern der Anwesenden zeigte.

„Oh mein Gott! Was ist das?“

Im Büro des Expeditionsleiters

„Mir wurde berichtet, dass Sie Bekanntschaft mit den Ori gemacht haben“, sage Tristanius, der schon eine ganze Weile in Woolsey Büro saß und mit dem Expeditionsleiter und Daniel Jackson über das Stargateprogramm der Erde sprach.

„Ja. Na ja, Bekanntschaft trifft es nicht ganz. Wir haben sie eher zufällig getroffen, als ein Mitglied von SG-1, Vala Mal Doran und ich, durch ein Kommunikationsgerät Ihres Volkes die Gestalt anderer Menschen in der Ori-Galaxie angenommen haben.“

„Wieso haben Sie das getan?“, fragte Tristanius neugierig, aber auch ruhig weiter.

„Es war nicht beabsichtigt. Es war eigentlich eher so eine Art … Unfall. Wobei ich mir bei Vala nicht immer so sicher bin. Die entsprechenden Berichte kann ich Ihnen gerne zukommen lassen. Ich denke nicht, dass General Landry Einwände hat. Er freut sich schon sehr darauf, Sie kennenzulernen und hofft, dass Sie sich für einen kurzen Besuch auf der Erde entscheiden.“

„Hm, wir werden sehen. Sie haben die Ori also besiegt?“, fragte Tristanius grübelnd und überflog schnell einen weiteren Bericht.

„Ja. Nach langen und harten Kämpfen“, antwortete Daniel und beobachtete den General, der offensichtlich in der Lage war, ihm zuzuhören und gleichzeitig in den Berichten zu lesen.

„Störe ich?“, ertönte Alexas Stimme vom Eingang des Büros.

„Commander! Nein, natürlich nicht“, antwortete Woolsey, der aus seinem Sessel in die Höhe schoss. Auch Daniel und Tristanius erhoben sich.

„Du wolltest, dass ich bei einigen Berichten zugegen bin?“, wandte sie sich an ihren Vater.

„Ja, das ist doch recht, Mister Woolsey?“

„Selbstverständlich, Ihre Tochter kennt die Berichte ja bereits und über ihre Mitarbeit der letzten Monate, kann sie selbst bestimmt besser davon berichten“, antwortete Richard und überließ seinen Sitzplatz Alexa, während er sich seinen Schreibtischstuhl ran zog.

„Ich lese gerade Deinen ersten Bericht, nachdem du wieder in die Stadt zurückgekehrt bist.“

Prüfend sah er zu seiner Tochter, die einen müden und doch angestrengten Eindruck machte. Es schien ihr nicht gut zu gehen, denn sie war gerade dabei, den Knoten in ihrem Haar zu öffnen und es entsprach nicht den militärischen Ordnungen, im Dienst längeres Haar offen zu tragen.

„Stimmt etwas nicht?“

„Nein, alles in Ordnung“, antwortete Alexa.

Doch Tristanius genügte es nicht, denn er rückte ein Stück näher an sie heran und bedachte sie mit ernstem Blick.

„Du machst mir nicht den Eindruck, dass alles in Ordnung sei.“

„Ich habe nur Kopfschmerzen, das ist alles.“

„Kopfschmerzen? Eine Attacke?“, fragte Woolsey besorgt nach.

„Nein, nur Kopfschmerzen. Es ist noch neu und ungewohnt für mich, jeden Tag von morgens bis abends Schilde aufrechtzuerhalten, um nicht jedermanns Emotionen zu empfangen.“

„Soll ich deine Mutter rufen? Dann kann sie dir …“

„Nein, es ist nicht so schlimm. Ich brauche nur etwas weniger Druck am Kopf und es geht wieder.“

„Sie hätten etwas sagen sollen, dann hätten wir diese Besprechung an einem ruhigeren und weniger belebten Ort führen können.“

„Nein, Mister Woolsey. Das geht schon in Ordnung. Ich kann mich nicht immer verschanzen. Auf diese Weise lerne ich besser und schneller, damit zurechtzukommen.“

„Na schön. Aber wenn etwas ist, dann sagen Sie bitte sofort Bescheid.“

Alexa antwortete mit einem Lächeln, doch Tristanius war noch nicht so ganz überzeugt, weshalb er sie noch eine ganze Weile beobachtete.

Doch er ahnte nicht, dass sie sich noch immer Gedanken um das vorherige Gespräch mit Colonel Sheppard machte. Besonders dieser kurze, aber auch merkwürdige Moment, der plötzlich zwischen ihnen herrschte, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Und das verunsicherte und verwirrte sie und ließ sie keinen klaren Gedanken fassen, ließ ihren Verstand regelrecht aussetzen, bis sie plötzlich wieder das Bild dieses Mannes vor Augen hatte, das sie erst kürzlich im Traum gesehen hatte.

-Wer war dieser Mann nur? Was hat dieser Traum zu bedeuten? Was war damals gewesen?-

„Alexa?“

„Was? Entschuldige, was hast du gesagt?“

„Ich fragte, ob deine Erinnerungen direkt nach deinem Erwachen begannen einzusetzen, oder ob es etwas Zeit brauchte.“

„Ähm, es … es hat ein wenig gedauert. Ein oder zwei Tage. Dann begann ich mich, durch Träume zu erinnern. Aber es waren und sind immer nur vereinzelte Bruchstücke.“

„Wann konntest du dich an uns erinnern?“

Gespannt sah Daniel zwischen den General und dessen Tochter hin und her und wunderte sich über die Zurückhaltung und Reserviertheit des Mannes, wobei ihn dieses Gespräch doch eher wie eine Befragung, noch dazu mit sachlicher Kälte durchgeführt, erinnerte.

„Erst vor etwas mehr als einer Woche … als wir in diesem Dorf waren, in dem Mutter mit ihrer Kapsel landete. Wir kamen dort kurz nach einem Wraithangriff an und sahen uns dort um, und als ich dann Mutters Gewand in einem der Häuser fand, da kam mir einiges in den Kopf, aber nicht alles … Ich habe sie dort unten im Stollen gespürt. Es war das erste Mal, dass ich … jemanden spüren konnte. Aber … ich weiß nicht, warum ich mich nicht früher an euch erinnert habe oder warum ich mich noch immer nicht an gewisse Dinge erinnere.“

„Das ist nicht mehr wichtig. Wir werden herausfinden, warum du Schwierigkeiten mit deinem Gedächtnis hast und deine Erinnerungen werden zurückkehren. Über die Vergangenheit brauchst du dir keine Gedanken zu machen.“

Alexa musste sich stark beherrschen, um nicht sofort ihren Vater auf seine Geheimnisse anzusprechen.

Sie solle sich um die Vergangenheit keine Gedanken machen, obwohl jemand aus dieser Zeit großes Interesse an ihr zeigte und sie offenbar verfolgte und beobachtete, während ihr Vater so tat, als sei nichts? Es bestand Gefahr für sie, für die Familie und womöglich sogar für jeden in dieser Stadt und er hielt Informationen zurück, legte eine Maske auf und schwieg!

Sogar Dorian begann ein ähnliches Verhalten zu zeigen, schwieg, und verwies lieber auf ihre Eltern, als das er ihr einfach sagte, wer dieser Mann auf dem Bild sei.

-Was um alles in der Welt ist hier nur los?-

Gerade als sie ihren Vater auf diesen Mann, diesen Darius Pelon ansprechen wollte, kam Amelia ins Büro.

„Mister Woolsey, Sir, tut mir leid, wenn ich störe, aber ich habe gerade eine Nachricht aus der Krankenstation erhalten. Colonel Sheppard ist mit einer stark blutenden Wunde zur Krankenstation gebracht worden.“

„Was ist passiert? Ich dachte, er wäre bei seinem Vater.“

„Ja Sir, er wurde von diesem in die Krankenstation gebracht, nachdem er wohl zusammenbrach.

 Offenbar hat er sich mit irgendetwas infiziert. Sein Gesundheitszustand ist schlecht. Es … es sieht nicht gut aus.“

Sofort sprang Alexa auf und hastete aus dem Büro.

Krankenstation

„Was ist das? So etwas habe ich noch nie gesehen.“

„Ich habe schon so einiges gesehen, aber auch mir ist das neu. Ich vermute es ist ein fremder Erreger, ein Mikroorganismus“, nahm Elisha an, als sie die Scanergebnisse vergrößerte.

„Ja, ich hoffe nur, das Antibiotika schlägt an und die Blutergebnisse zeigen kein allzu schlimmes Bild. Ansonsten wüsste ich nicht, wie wir einen fremden Erreger bekämpfen könnten“, gab Jennifer besorgt zurück.

„Wir sehen in der Datenbank nach. Vielleicht ist dort etwas über aggressive Rosenhecken verzeichnet“, schlug Elisha vor, als sie Alexa am Eingang zur Krankenstation stehen sah.

Es dauerte auch nur wenige Momente, bis Tristanius, Mister Woolsey und Daniel Jackson sie eingeholt hatten und ebenfalls die Krankenstation erreichten.

„Ma? Was ist passiert? Ist John … Colonel Sheppard wirklich krank?“

„Es sieht so aus. Dieser Kratzer ist doch etwas ernster, als zunächst angenommen. Wahrscheinlich hat diese Pflanze ihn mit einem bisher fremden Erreger, einem Mikroorganismus infiziert. Es wird sein Nervensystem angreifen.“

„Ist es ansteckend?“, wollte Richard wissen.

„Nein. Mister Sheppard war direkt mit Colonel Sheppard’s Verletzung in Kontakt gekommen, aber bei ihm konnten wir keine Infizierung feststellen. Das ist bisher leider die einzig gute Nachricht. Wir versuchen eine Antibiotika Behandlung, doch bei einem fremden Erreger besteht die Möglichkeit, dass die üblichen Behandlungen nicht anschlagen. Außerdem werden ihm auch starke Schmerzmittel verabreicht. Wir warten noch auf die Testergebnisse der Blutuntersuchung, aber ich brauche auf jeden Fall mehr Informationen über diese Pflanze.“

„Wenn es denn die Pflanze war, die den Colonel außer Gefecht setzt.“

„Es kann nur die Pflanze gewesen sein. Der Kratzer hat sich innerhalb der letzten Stunde zu einer großen und stark entzündeten Wunde entwickelt. Er hat Schmerzen, besonders wenn man an das umliegende Gewebe kommt.“

„Nein, jetzt nicht mehr“, kam es von John, der mittlerweile etwas munterer wirkte und hören konnte, was einige Meter weiter weg besprochen wurde.

„Das ist doch gut. Die Schmerzmittel wirken. Das ist doch schon mal ein kleiner Erfolg“, erwiderte Patrick erfreut, doch John nahm ihm gleich wieder den Wind aus den Segeln.

„Nein, ist es nicht. Ich spüre nichts. Gar nichts mehr. Mein Bein ist … taub. Ich spüre überhaupt nichts mehr und ich kann es nicht mehr bewegen.“

 ~~~///~~~

 

„Es ist, wie ich vermutete. Diese Mikroorganismen haben sich am Ischias Nerv festgesetzt. Ich will nicht sagen, das der Nerv beschädigt oder zerstört wird, aber er wird wohl lahmgelegt“, erklärte Elisha, weiter und veranschaulichte ihre Worte durch den neuesten Scan.

Doch dieses Mal zog man sich in einen Nebenraum zurück und vermied es so, dass John alles mitbekam.

„Er ist gelähmt?! Er wird nie wieder gehen können?“

Carols Besorgnis wuchs immer mehr an, was durch ihre schockierte Stimme deutlich wurde.

„Im Moment hat es den Anschein. Doch es ist denkbar, dass die Lähmung nach einer Heilung wieder verschwindet und er sich wieder vollkommen regeneriert.“

„Ich brauche unbedingt diese Pflanze.“

„Ich werde Major Lorne anweisen, mit einigen Botanikern auf diesen Planeten zu gehen. Sie sollen etwas von dieser Pflanze oder was immer es auch ist, herbringen“, stimmte Richard Woolsey zu.

Teyla, Ronon und McKay hatten sich zwischenzeitlich ebenfalls in der Krankenstation eingefunden und ihre Besorgnis und Genesungswünsche schon vorgebracht, wobei McKay es sich nicht nehmen ließ, seinem Teamleader in Erinnerung zu rufen, dass er wohl als Einziger die potenzielle Gefahr einer außerirdischen Pflanze erkannt hätte, wobei doch mal wieder niemand auf ihn hören wollte. Nachdem John ihn zunächst mit Augenrollen und einem genervten `Ja ja ja´ abfertigen wollte, dies jedoch nicht so ganz gelang, platzte ihm doch langsam der Kragen, was dem Wissenschaftler gerade noch so auffiel, sodass er sich mit Knurren und Murren und einer besänftigen Teyla zu den anderen in den Nebenraum begab.

Lediglich Ronon stand noch an Johns Krankenbett.

„Ronon, Sie müssen mir einen Gefallen tun. Sie wissen doch noch, worüber wir letztens gesprochen haben. Wegen Alexa und diesem unbekannten Kerl, der ihr nachsteigt …“

Ronon machte durch seine gewohnt stoische Miene klar, dass er sich durchaus an jenes Gespräch erinnerte. Der Hüne von Sateda war noch niemals ein Freund vieler Worte gewesen, das hatte John bereits am ersten Tag ihrer Begegnung gelernt und doch wusste dieser stets, was in ihm vorzugehen schien.

„Ich will, dass Sie auf sie aufpassen, falls ich … Sie wissen schon.“

„Wird wieder. Ist doch nur ein Kratzer.“

John musste lachen.

„Ja, sicher. Aber mir geht es ums Prinzip. Wenn ich … wenn irgendwann einmal … etwas sein sollte … Es geht mir nur um Alexas Sicherheit. Sie wissen, was Sache ist … was mit ihrer Familie ist. Wenn ich irgendwann einmal nicht mehr bin, oder wenn ich sonst irgendwie selbst nicht mehr dazu in der Lage bin … sie muss beschützt werden. Dieser Typ will irgendetwas von ihr. Ganz egal was es ist, er darf ihr nicht zu nahe kommen. Dieser Kerl … Beschützen Sie sie.“

Ronon nickte leicht.

„So schlimm?“

„Ich weiß nicht. Keine Ahnung. Ich … es ist nur so ein merkwürdiges Gefühl. Mir geht es aber jetzt um Alexa. Ich habe ihr versprochen, dass ich … hören Sie Ronon, Ihr darf nichts passieren. Er darf sie nicht in die Hände bekommen.“

„Ich kümmere mich darum.“

Es war das einzige, was Ronon ihm zur Antwort gab, es reichte John jedoch. Er kannte seinen Freund gut genug, um zu wissen, dass er ihn und seine Bitte ernst nahm.

Der Rest seines Besuches lief eher schweigend ab, bis Alexa an John´s Bett trat. Ronon ließ die beiden alleine und gesellte sich ebenfalls zu der Gruppe im Nebenraum.

„Colonel …“

„Hey, alles klar?“

„Das fragen Sie mich? Sie liegen doch schon wieder hier.“

„Machen Sie sich keine Gedanken. Alles halb so wild. Das ist `ne kleine Entzündung und eine noch kleinere Infektion. Das übliche halt. Sie kennen das ja.“

„Tue ich das? Wenn Sie sich mit `das Übliche´ auf die Tatsache beziehen, dass sie wieder einmal auf der Krankenstation gelandet sind, dann ja. Dann kenne ich es.“

„Also wenn sie das so salopp sagen, klingt es irgendwie wie ein Vorwurf.“

„Und wenn es einer wäre?“

„Dann wäre ich sehr getroffen und würde mich verteidigen und sagen, dass es wirklich nur wie eine ganz normale Rose aussah, die ich gerne jemandem mitbringen wollte.“

„Seien Sie nicht getroffen, sondern lieber ehrlich. Sie konnten es mal wieder nicht lassen, hm? Ich wette, McKay und die anderen haben Sie gewarnt, aber Sie konnten ihre Neugier nicht im Zaum halten.“

„Hey!“, beschwerte John sich gespielt eingeschnappt.

„Anderen predigen Sie immer wieder, nicht alles gleich anzufassen, aber Sie selbst halten sich nicht an die selbst aufgestellten Regeln.“

„Ich habe diese Regel nicht aufgestellt.“

„Aber halten sich auch nicht daran!“

„Gott! Sie sind ja schlimmer als McKay und alle anderen zusammen!“, kam es wieder charmant lächelnd von John.

„Wie sieht´s bei Ihrem Vater aus?“, versuchte John das Thema zu wechseln und registrierte sofort darauf, dass er wohl wieder einmal einen wunden Punkt getroffen haben musste.

„Alles bestens. Er geht die Berichte durch und wollte mich vorhin zu meiner Mitarbeit mit Ihnen befragen.“

„Und? Ist er immer noch sauer darüber?“

„Ich denke nicht.“

„Aber …?“

„Ist nicht so wichtig. Wir können ein andermal darüber sprechen. Wenn es Ihnen besser geht.“

„Alexa …“

Stur und mahnend blickte er sie an und machte deutlich, nicht so schnell aufgeben zu wollen.

„Er verliert kein Wort darüber“, erklärte Alexa leise, nachdem sie sich nochmals umsah und sichergehen konnte, dass sie nicht von den anderen gehört zu werden.

„Über diese Sache mit diesem Kerl?“

Alexa nickte resigniert.

„Stattdessen fragt er mich nach meinen Gedächtnisproblemen und sagt mir, dass ich mir um die Vergangenheit keine Gedanken machen soll. Wie soll ich das anstellen, wenn ich mich noch nicht einmal an sie erinnere, oder … sie mich in Form eines verrückten Aufgestiegenen verfolgt? Wenn meine Fragen nicht beantwortet werden? Ich weiß nicht …“

„Hey, ich weiß, dass Sie das ziemlich beschäftigt, aber … es bringt jetzt gar nichts, die Nerven zu verlieren. Ihr Vater hat mit Sicherheit einen guten Grund, warum er nichts sagt. Auch wenn es nur fehlendes Vertrauen ist. Sie sollten ihm … er muss nur …“

John hielt inne, als er wieder diesen Schwindel aufkommen spürte. Eine bleierne Müdigkeit legte sich über ihn. Alle Wahrnehmungen erreichten ihn nur noch wie durch einen Schleier.

„Colonel? Was ist denn? Was haben Sie?“, fragte Alexa besorgt und registrierte seine Anspannung, sah, wie seine Lippen zitterten und seine Augenlider begannen zu flattern.

„Er … ich …“

John kämpfte um seine Stimme, versuchte sich mitzuteilen, doch es kam kein Ton über seine Lippen.

Alarmiert sah Alexa zum Monitor, auf dem die Daten verrückt zu spielen schienen. Sein Puls raste unregelmäßig und sein Blutdruck schnellte in die Höhe.

„Ma! … Doktor Keller! Kommt schnell her! Etwas stimmt nicht mit John!“, rief sie in die Richtung des Nebenraumes, als sie sah, das Johns Zustand sich rapide verschlechterte.

Panisch versuchte Alexa ihn wachzuhalten, als sie sein Gesicht berührte.

„John! … John, bleiben Sie hier … wach bleiben … John … bleiben Sie bei mir.“

Doch sein Blick schweifte unstet umher, seine Lippen bewegten sich, formten ihren Namen. Dann plötzlich verkrampfte er sich heftig und sackte ebenso abrupt und haltlos in sich zusammen.

„John!“

Die nahenden Schritte von Elisha und Jennifer nahm Alexa gar nicht mehr wahr. Auch nicht, dass ihre Mutter sie mehr oder weniger aus dem Weg bugsieren musste, um an den Colonel kommen zu können.

Alles, was Alexa noch sehen und hören konnte, war Johns lebloser Körper und der lange ununterbrochene Signalton des EKG-Geräts.

 ~~~///~~~

Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass Johns Herz nach kurzer Zeit und einer intensiven Herz-Lugen-Massage und einigen Medikamenten wieder anfing zu schlagen. Sein Puls war nun ruhig und gleichmäßig, was man von seiner Atmung nicht behaupten konnte. Doktor Keller hatte keine andere Wahl, als ihn durch einen Tubus künstlich zu beatmen.

Nun lag er im Raum für Intensivpatienten, angeschlossen an den verschiedensten Monitoren und Geräten, die seinen Blutdruck, seine Herztätigkeit und Sauerstoffgehalt im Blut überwachten. Auch der medizinische Scanner war im Dauereinsatz und überprüfte ständig den gesamten Organismus als auch die EEG-Werte des Gehirns. Das EKG zeugte durch das piepsen von einem regelmäßigen Herzschlag, nur die Beatmungsmaschine arbeitete geräuschvoll und mahnte, dass es um seinen Zustand sehr ernst stand und er ohne diese Unterstützung nicht überleben würde.

„Doktor, was ist mit John? Geht es ihm besser? Wird er wieder gesund?“

Carol bombardierte die Ärztin mit Fragen und hoffte durch so viele Informationen wie möglich gegen ihren Schock durch Johns kurzzeitigem Herzstillstand anzukämpfen.

„Er hatte einen Herzstillstand. Wir haben ihn zwar reanimieren können und sein Zustand scheint auch stabil, aber seine Atmung ist zu schwach und unregelmäßig. Er muss künstlich beatmet werden aber … er ist ins Koma gefallen.“

„Ins Koma? Aber … aber … es ging ihm doch besser. Sie haben ihm Antibiotika gegeben und es schien ihm besser zu gehen. Was ist passiert? Warum ist er …“

„Das Antibiotika und die Schmerzmittel haben nicht wirklich angeschlagen, im Endeffekt wirkt es nicht. Dieser Erreger ist sehr stark und resistent gegen unsere Medizin. Er breitet sich aus und hat bereits das Rückenmark erreicht … wenn wir nicht bald etwas finden, dann … dann könnte er auch das Gehirn befallen und dann …“

Jennifer blieben die Worte im Halse stecken. Obwohl sie aufgrund ihres Berufes und so manche einer Situation schon das eine oder andere Mal schlechte Nachrichten und Prognosen übermitteln musste, so fiel es ihr nun doch etwas schwer, die Tatsachen einfach so beim Namen zu nennen.

„Dann stirbt er?! Nein … nein, das kann nicht sein. Sie müssen doch etwas tun können! Sie müssen …“

„Wir tun was wir können, Mister Sheppard …“, sprach Jennifer beruhigend auf Dave ein, der bisher eher still im Hintergrund stand, „aber wir brauchen zunächst mehr Informationen über diesen Organismus, um dann eine geeignete Behandlung einzuleiten.“

„Major Lorne ist mit Teyla, Doktor McKay und einigen Botanikern unterwegs zu diesem Planeten um einige Proben dieser teuflischen Pflanze zu holen. Sie dürften dafür nicht allzu lange brauchen“, informierte Richard die Gruppe.

„Das hoffe ich und ich hoffe auch, dass Sie etwas finden, um ihm zu helfen, denn ich bin nicht zurückgekommen um meinen Sohn sterben zu sehen“, gab Patrick entschlossen zurück, doch man konnte die Sorge und Unsicherheit in seiner Stimme hören.

„Patrick …“, kam es leise von Carol, wobei sie verzweifelt und in Tränen aufgelöst in die Arme ihres Mannes flüchtete, der nichts anderes tun konnte, als sie zu halten und zu trösten. Was ihm nur schwer gelang, denn er selbst hatte mit seinen Empfindungen zu kämpfen, die ihm stärker denn je beschäftigten.

Genauso wie Dave, der noch immer im Hintergrund stand und nervös von einem Fuß auf den anderen trat.

„Wir tun, was wir können. Ich werde mich um die Datenbank kümmern. Vielleicht finde ich dort einen Eintrag oder Hinweise. Vielleicht auch nur etwas Vergleichbares, wo wir ansetzen und womit wir arbeiten können“, ermutigte Elisha die Familie, worauf sie Carol noch einmal tröstend den Arm drückte.

Tristanius, der mit Woolsey zur Krankenstation gekommen war und Dorian, der durch McKay von Sheppard’s Zusammenbruch erfahren hatte, folgten Elisha und Jennifer, während Daniel Mühe hatte, die Familie zumindest wieder in den Nebenraum zu bringen und zu beruhigen.

Alexa hingegen stand noch immer vor dem Intensivraum und starrte auf die Bildschirme, auf denen John aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen war. Wieder hatte man sie aus dem Weg bugsieren müssen, als sein Zustand stabil genug war, um ihn zu verlegen. Der Schock saß ihr noch immer in den Gliedern, ließ sie erstarrt an ein und derselben Stelle stehen und ließ sie auch keinen klaren Gedanken fassen. Alles, was sie sah, war John, der bewusstlos im Bett lag und von Dutzenden Maschinen und Geräten überwacht und am Leben gehalten wurde.

Noch vor einigen Minuten hatte sie sich mit ihm unterhalten, hatte ihm Vorwürfe gemacht, die er mit seinem üblichen charmanten Lächeln abtat. Sie hatte ihm ihr Herz ausgeschüttet und er … er hatte ihr zugehört, sie getröstet und ihr Mut gemacht. Er war der Einzige, mit dem sie sich über beinahe alles unterhalten konnte, er war der einzige, dem sie blind vertraute, der immer Zeit für sie hatte. Manchmal hatte er sich diese Zeit trotz aller Widrigkeiten, Hektik und anderer Probleme einfach genommen. Er war derjenige, der ihr mit ihrer Empathie wirklich helfen konnte. Misses Sheppard hatte lediglich einige Übungen aufgezeigt, doch John war derjenige, der durch seine Anwesenheit, durch seine mentale Kraft und seiner eigenen Fähigkeit, sie auf irgendeine Art und Weise zu spüren, wirklich helfen und unterstützen konnte. Es war schon merkwürdig, dass sie ausgerechnet zu ihm eine mentale Verbindung aufnehmen konnte.

Nun lag er da, schwach, hilflos und dem Tode nahe. In einem solchen Zustand hatte sie ihn noch nie gesehen. Aber sie wusste, dass er schon oftmals schwer verletzt worden war und es auch schon mehr als einmal kritisch um ihn gestanden haben musste.

Sie hatte sich noch nicht einmal für seine Hilfe bedanken können. Weder bei der Befreiung und Rettung von Dorian noch für seine Hilfe während ihrer `empathischen Krise´. Ganz zu schweigen für sein Eingreifen und der Befreiung aus ihrer Gefangenschaft bei Kolya.

Wenn er jetzt … sterben würde, dann … ja, was dann? Was eigentlich? Dann hätte sie ihm noch nicht einmal gedankt? Ihm nicht gesagt, dass er … eine gute Hilfe war? Ein guter Pilot, ein guter Teamleader, ein guter Kommandant, ein guter Kollege, ein … guter Freund? War er das wirklich? Es musste wohl so sein. Wieso hatte sie sonst diese Verbindung zu ihm aufbauen können? Ausgerechnet zu ihm und zu niemandem sonst?

Er war ein guter Freund. Er war ihr nun bei Weitem nicht mehr so fremd, als am Anfang, als sie ihn kennenlernte. Mag sein, dass sie durch ihre Fähigkeit, in die Herzen und Seelen der anderen sehen zu können, mehr über ihn erfahren konnte. Aber die Tatsache, dass er einfach da war, wenn es ihr schlecht ging, oder dass er ihr zuhörte und half, während ihre Eltern schwiegen und Geheimnisse hüteten, sprach für sich.

Und da war noch etwas. Etwas, dass sie noch immer beschäftigte.

Dieser merkwürdige Moment, der herrschte, als sie an diesem Tag kurz bei ihm war. Als er ihr versprach, sie zu beschützen …

Die Empfindung in diesem Moment war ganz anders gewesen, als die, die sie in der letzten Zeit des Öfteren verspürte. Zwar war diese Empfindung auch stark und mächtig, aber dafür klar, warm, ruhig … und friedlich, von Bosheit gab es keine Spur. Dennoch zog es sie genauso in den Bann und machte sie unfähig, sich dagegen zu wehren.

Nur ganz langsam ließ der Schock nach, so dass Alexa sich wieder rühren konnte.

Unsicher sah sie sich um, bevor sie unbemerkt in Johns Krankenzimmer schlich. Nur sehr langsam, beinahe übervorsichtig trat sie an sein Bett heran, ließ ihren Blick über die vielen Monitore, Geräte, Kabel und Schläuche schweifen, bevor sie ihre Aufmerksamkeit auf John richtete.

Sein Gesicht war blass, ein dünner Schweißfilm bedeckte seine Stirn, die Augen waren geschlossen.

Man konnte sogar in diesem Zustand sehen, dass er gegen diesen Erreger, diesen Mikroorganismus ankämpfte.

Aber noch immer schien er leblos und wäre nicht die Beatmungsmaschine, die seine Lungen mit Sauerstoff versorgte und sich somit sein Brustkorb leicht hob und wieder senkte, könnte man glatt annehmen, dass das Leben seinen Körper verlassen hätte. Doch da war noch das EKG, das in einem regelmäßigen Takt piepte und zeigte, dass noch Hoffnung bestand.

Alexas Kehle schnürte sich beinahe schmerzhaft zu. Sie glaubte, nicht mehr atmen zu können. Ihr Herz schien stärker und schneller zu schlagen als je zuvor und auch dort schien ein merkwürdiger Schmerz zu sitzen, der sie schwächte, an ihr zehrte und ihr das Bewusstsein zu rauben drohte.

„Colonel? … Colonel, ich … ich weiß nicht, ob Sie mich hören, oder ob ich gerade mit mir selbst spreche, aber … Sie … Sie dürfen nicht aufgeben, hören Sie? Sie müssen diesen Erreger bekämpfen, Sie müssen … schmeißen Sie ihn raus, okay? Sie … Sie haben hier eine Menge Leute, die … Sie haben eine Aufgabe. Atlantis braucht Sie. Ohne Sie wird die Stadt … sie wird nicht mehr so sein, wie früher. Und was ist mit dem Team? Ronon, Teyla, Rodney und …“

Alexa schluckte und atmete tief durch, bevor sie weitersprach. „Sie brauchen Sie. Sie haben … Sie haben mir etwas versprochen, John. Was soll ich denn machen, wenn Sie … mit wem soll ich dann reden, wenn … wer hilft mir denn, wenn ich wieder zu viel emotionales Input habe? Ich … auch wenn ich es kontrollieren kann, es reicht nicht, es ist nicht gut genug. Ich kann es noch nicht gut genug und ich … Sie sind der einzige, der … mir helfen kann … der mir wirklich helfen kann. John, ich … ich habe Angst …“

Alexa spürte, wie sich ihre Kehle immer weiter zuzog. Oder war es ein Kloß in ihrem Hals, die Enge in ihrer Brust, die sie nicht richtig atmen ließ? Sie fühlte, wie sich Tränen in ihren Augen bildeten. „John bitte … ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn dieser Kerl auftaucht und … Sie haben mir versprochen, dass Sie … John, ich habe so furchtbare Angst … ich brauche Sie. Bitte … John … Bitte wachen Sie wieder auf …“

 ~~~///~~~

 

Nachdenklich beobachtete Dorian seine Schwester auf den Bildschirmen vor dem Intensivraum. Er bemerkte nicht, dass Ronon sich neben ihn gestellt hatte und seinem Blick folgte.

Erst als er zur Seite sah, schreckte er auf.

„Erschrecken Sie gerne Leute?“

„Manchmal … war keine Absicht.“

Einige Augenblicke vergingen, in denen geschwiegen und starr auf die Bildschirme geschaut wurde. Doch irgendwann wurde Dorian neugieriger.

„Wen beobachten Sie wirklich? Ihren Kommandanten, meine Schwester oder mich? Befürchten Sie, dass ich noch immer den Wraith ergeben bin?“

„Sagen Sie es mir.“

„Wie mir gesagt wurde, bin ich mit diesem Problem wohl nicht der Einzige gewesen.“

Ein nichtssagender Blick haftete kurz auf Dorian, bevor Ronon sich wieder zu den Bildschirmen wendete.

„Ist ´ne Zeit lang her.“

„Wird es irgendwann wirklich vorbei sein?“

„Nicht solange noch irgendwo ein Wraith existiert.“

„Ich meinte eigentlich etwas anders.“

„Ist kein Enzym mehr in Ihnen, ist zumindest das vorbei.“

„Für Sie ist es das nicht? … Verständlich, bei dem, was die Wraith … Ihnen angetan haben. Es tut mir sehr leid, dass Sie so etwas durchmachen mussten und so viel verloren haben … Alexa hat mir erzählt, was damals passierte“, erklärte er schnell, als Ronon ihn mit einem fragenden Blick bedachte.

„Sie wollen Sie nicht vernichten?“

„Das ist etwas kompliziert. Ich bin kein Mann, der einfach so … vernichten kann.“

„Sie haben Sie abhängig gemacht. Sie haben Sie in Gefahr gebracht und wollten Sie und Ihre Familie töten. Sie hassen sie nicht?“

„Nein. Ich hasse die Wraith nicht“, gab Dorian mit einem leichten Lächeln zurück. „ich mag sie aber auch nicht. Ich weiß, was sie mir angetan haben. Mir und vielen anderen, aber ich kann keine Lebewesen wegen ihrer Lebens- und seiner Ernährungsweise oder sonst etwas hassen und deswegen einfach so vernichten.“

„Sie nähren sich an Menschen.“

„Ich weiß. Verstehen Sie das nicht falsch. Auch ich finde diese Tatsache abstoßend, schrecklich und ich kann sie schon gar nicht tolerieren, aber … sehen Sie Ronon, ich bin ganz anders als mein Vater und meine Schwester. Vielleicht sogar auch anders als meine Mutter. Ich bin kein Soldat. Ich kann nicht so einfach … ich schätze das Leben über alle Maßen. In all seinen Formen und seinen Entwicklungen. Ich erforsche es, ich beobachte und studiere es und ich will lernen und kennenlernen. Dazu gehören auch die Wraith. Doch nach allem was ich bisher weiß, sind sie durch unsere Schuld, durch das Versagen oder Unterlassen meines Volkes entstanden. Im Grunde sind es auch nur Lebewesen. Lebewesen, dessen größter Teil ums Überleben kämpft, während nur ein kleiner Teil von ihnen ihrer grausamen und brutalen Seite voll und ganz nachgeht und die Menschen dermaßen quält. Zusammengefasst sind sie den Menschen in dieser Galaxie zahlenmäßig überlegen. Mir ist bewusst, dass auch ein Ausgleich keine vernünftige Option ist. Es bleibt wohl nur die Vernichtung, wenn ein anderes Leben geschützt und erhalten werden soll. Da stimme ich mit Ihnen überein. Aber bei allem Verständnis für die Menschen und ihrer Geißel, ich kann nicht töten. Ich kann keine Leben vernichten.“

„Sie bauen Waffen.“

„Ja, das stimmt. Ich baue sie, aber ich nutze sie nicht.“

„Kommt aber fast aufs Gleiche raus. “

„Ich verstehe, dass Sie das so sehen. Ich kann differenzieren. Mir ist die Gefahr durch die Wraith bewusst. Ich könnte es aber auch ganz genau nehmen und sagen, dass auch die Wraith ein Recht auf Existenz und Leben haben. Aber bis uns eine Möglichkeit einfällt, eine friedliche Koexistenz gewährleisten zu können, besteht höchste Gefahr für anderes Leben. Und da kommt mein innerer Konflikt zum Vorschein. Ich schätze das menschliche Leben, jegliches Leben, auch das der Wraith. Ich muss unterscheiden und Variablen, Tatsachen, Umstände und mögliche Entwicklungen abwägen. So kann ich mein eigenes Gewissen zumindest teilweise überlisten und … beruhigen. So kann ich mit mir selbst im reinen sein und entsprechend handeln und unterstützen.“

Ronon schwieg nachdenklich. Natürlich hatte auch er sich mehrmals Gedanken um die Wraith gemacht. Doch er machte niemals Unterschiede. Für ihn waren sie nur grausam und eine Abartigkeit. Zu gefährlich für jeden, der nur in ihre Nähe kam. Das haben sie schon mehr als einmal selbst bewiesen. Hunderte, Tausende von Menschen, die ihr Leben lassen mussten, ganze Welten, die von ihnen vernichtet wurden. Es verwirrte, erstaunte ihn aber auch, jemanden zu treffen, der noch intensiver darüber nachdachte und trotz aller Widrigkeiten zuerst mit seinem Gewissen Zwiesprache hielt und genaue Unterschiede zwischen Recht und Unrecht, Nutzen und Schaden, Leben und Verderben machen konnte.

 ~~~///~~~

 

Ihr Blick war leicht tränenverschleiert, als sie nach unten sah und bemerkte, dass sie wohl nach seiner Hand gegriffen haben musste, die nun in ihren Händen lag. Seine Hand war warm, beinahe heiß. Sie spürte die Schwielen in der Handfläche und die zarte Haut mit ihren feinen Härchen auf dem Handrücken. Doch es war keine Kraft in ihr. Verlegen ließ sie ihn wieder los. Doch das Gefühl seiner Haut auf ihrer verspürte sie noch eine ganze Weile.

„Wachen Sie wieder auf, John … bitte. Lassen Sie mich nicht alleine. Ich brauche Sie …“

Alexa rang nach ihrer Fassung, versuchte sich zusammenzureißen. Sie versuchte das Chaos in ihrem Inneren in den Griff zu bekommen, es wegzuschieben, doch es schien nicht zu funktionieren. Noch immer hatte sie das Gefühl, nicht richtig atmen zu können, der Druck wurde immer größer und verzehrender. Sie konnte nicht mehr. Sie musste raus und diese Anspannung irgendwie loswerden.

Ein letztes Mal blickte sie verzweifelt in Johns Gesicht, bevor sie eilig den Raum verließ.

„Al?“

Verwundert über die Hast seiner Schwester, versuchte Dorian sie aufzuhalten.

„Was ist los? Was hast du denn?“, fragte er, als er sie gerade noch so am Arm halten konnte.

„Nichts. Lass mich, Dorian. Ich kann … ich will alleine sein.“

Alexa hatte sich aus seinem Griff gelöst und verließ eiligst die Krankenstation.

„Und jetzt? Wollen Sie …“

„Nein, ich denke nicht daran. Ich lasse sie nicht aus den Augen“, antwortete Dorian, der Ronon´s Frage voraus zu ahnen glaubte. Gemeinsam machten sie sich auf, um ihr unbemerkt zu folgen.

 ~~~///~~~

Geradezu magisch zog es sie an den neuen großen Sandsack in der Trainingshalle, die an diesem Tage kaum betreten worden war.

Nur wenige Minuten lehnte sie sich erschöpft gegen den Sack und versuchte gegen das anzukämpfen, dass in ihr wühlte und sie regelrecht zu lähmen drohte. Sie spürte, dass es kein empathischer Einfluss irgendeines Bewohners der Stadt war. Dennoch konnte sie die Herkunft, den Ursprung und die Bedeutung nicht genau bestimmen. Sie wusste nur, dass es aus ihrem tiefsten Inneren nach außen zu brechen drohte. Es war verzehrend, schmerzend, lähmend und sehr intensiv. Es verwirrte und ängstigte sie auch.

Ihre Atmung beschleunigte sich, der Puls begann zu rasen und irgendwann brach es einfach aus ihr heraus.

Mit einem lauten Schrei und einem harten Hieb schlug sie auf den Sack ein.

Der Druck ließ zwar nach, doch es rumorte noch immer etwas in ihr.

Ihre Atmung und ihr Puls begannen sich zu normalisieren, sodass sie nach wenigen Augenblicken in der Lage war, ihre Faust aus dem Sandsack zu befreien. Träge sah sie zu, wie der Sand durch das entstandene Loch auf den Boden rieselte und sich ein kleines Häufchen bildete.

Langsam sank sie zu Boden, ließ die Schultern hängen und kämpfte gegen die Empfindungen in ihrem inneren und die aufkommenden Tränen an.

Ihr Kopf fühlte sich auf einmal leer an, die Gedanken waren verschwunden. Sie war noch nicht einmal fähig, klar zu denken. Für einen Moment genoss sie die wohltuende Leere, Ruhe und Klarheit, die Empfindungen ließen nach.

Doch plötzlich spürte sie die Anwesenheit von zwei Personen.

„Habe ich nicht gesagt, dass ich alleine sein will?“, kam es gereizt von Alexa.

„Ja hast du, aber …“

„Warum verfolgt ihr mich dann?“

„Wir verfolgen dich doch nicht.“

„Ach nein? Hat Vater euch geschickt, um mich zu beobachten und zu kontrollieren?“

„Was? Nein! Ich mache mir Sorgen um dich.“

„Das ist nicht notwendig, Dorian. Es geht mir gut.“

„Den Eindruck machst du mir aber nicht“, erwiderte Dorian und ging auf seine Schwester zu, während Ronon im Türrahmen stehen blieb.

„Deine Eindrücke interessieren mich nicht! Wenn ich sage, ich will alleine sein, dann meine ich es auch so.“

„Was ist denn nur los mit dir? Du verhältst dich so merkwürdig. Du hast früher immer über alles mit mir gesprochen und jetzt … du weißt doch, dass ich immer für dich da bin.“

Alexa stand wieder auf und sah kurz zu ihrem Bruder, der sie noch immer besorgt musterte.

„Ich will Zeit für mich haben, Dorian. Mein Kopf ist voll von merkwürdigen Dingen … Ich brauch einfach Zeit für mich“, gab sie nun ruhiger zurück.

„Na schön“, stimmte Dorian widerwillig zu und sah seiner Schwester nach, die den Trainingsraum verließ.

„Vielleicht macht dieses Gefühle-lesen ihrem Kopf zu schaffen. Ist ja noch neu für sie“, meinte Ronon, der noch immer die Besorgnis im Gesicht des Antikers sehen konnte.

„Ja, vielleicht. Aber ich glaube nicht, dass es ihr Kopf ist … sondern vielmehr ihr Herz.“

Krankenstation

„Aber können Sie diesen Erreger denn nicht irgendwie … abtöten? Sie haben doch all diese Technik und Möglichkeiten.“

Noch immer hatte Carol mit ihrer Angst und Sorge um ihren Sohn zu kämpfen. Keine noch so kleine Möglichkeit und Theorie ließ sie aus, um eine mögliche Heilung zu finden.

„Es gibt da eine Möglichkeit den Erreger abzutöten, aber die befallen Nerven würden ebenso absterben und ehrlich gesagt, so weit will ich nicht gehen. Er wäre danach für immer gelähmt und ans Bett gefesselt“, erklärte Elisha, als sie sich einige Minuten Zeit genommen hatte, um mit der Sheppard Familie zu sprechen. Doch ein kurzes Piepsen unterbrach die Unterhaltung, sodass sie alarmiert zum Intensivraum liefen.

„Was ist das? Was ist passiert?“, fragte Patrick.

Es war Jennifer, die die Werte im Auge behalten hatte und nun antwortete.

„Sein gesamter Metabolismus verändert sich. Sein Nervensystem ist extrem geschwächt. Innerhalb einer Stunde erreicht der Organismus das Gehirn.“

 

M1-899

„Das ist die Pflanze?“, fragte Lorne ungläubig und verzog skeptisch das Gesicht, während er sich die Hecke genauer besah.

„Ja, das ist sie. Lassen Sie sich nicht täuschen. Sie ist sehr gefährlich“, warnte Teyla, die die Hecke ebenfalls argwöhnisch musterte.

„Sie sieht aber aus wie eine ganz normale Rosenhecke. Sind Sie wirklich sicher, dass sie es ist?“, fragte einer der Botaniker und ging näher heran.

Eine Antwort war allerdings nicht mehr möglich, denn die Hecke setzte sich in Bewegung und wollte mit einem längeren Zweig nach dem Botaniker schnappen, der gerade noch ausweichen konnte.

„Whoa! Schätze das heißt ja. Die ist ja ganz schön angriffslustig.“

„Bleiben Sie lieber auf Abstand, Doktor. Sonst landen Sie auch noch auf der Krankenstation“, kommentierte Rodney trocken, während er weiterhin die Daten auf seinem kleinen Scanner auswertete.

„Ist Colonel Sheppard von ihr wirklich so schwer verletzt worden?“

„Die Verletzung war nicht das schlimmste, Doc. An den Dornen muss wohl so eine Art Gift sein. Ein Mikroorganismus oder so was. Hat den Colonel ins Koma befördert“, informierte Lorne und überlegte, wie man an die Pflanze rankommen könnte, ohne attackiert zu werden.

„Ob sie uns versteht?“, kam es nachdenklich vom Botaniker und zog somit die verwirrten Blicke der anderen auf sich.

„Die Rosenhecke?! Wie soll sie denn antworten? Durch die Blume sprechen?“, kam es sarkastisch von McKay.

„Wieso denn nicht? Ich sage ja nicht, das sie reden kann, aber vielleicht kann sie uns schon irgendwie verstehen und wenn sie sich dann auf die eine oder andere Weise mitteilen kann …“

„Das soll ein Witz sein, oder?“

„Wieso? Zuhause spreche ich auch mit meinen Pflanzen.“

„Warum schockiert mich das jetzt nicht? … Und, was erzählen sie so?“

„Na, nichts. Aber sie zeigen es, dass sie mich verstehen. Es ist doch allgemein bekannt, dass, wenn man den Pflanzen gut zuspricht, sie wachsen und gedeihen, während andere, die man eher vernachlässigt, unter Umständen sogar eingehen.“

Noch immer sah McKay äußerst zweifelnd zu dem Botaniker, der es kurz darauf doch fertigbrachte, zu der Pflanze zu sprechen.

„Hallo … wir sind friedliche Forscher und … wir wollen dir nichts Böses …“

„Das glaube ich einfach nicht!“, stöhnte McKay kopfschüttelnd. Der Botaniker ließ sich jedoch nicht beirren und sprach enthusiastisch weiter.

„Heute Morgen waren schon mal Leute hier und ein Mann hat sich dir wohl in seiner Unwissenheit genähert und wurde verletzt. Ich bin sicher, dass es nicht mit Absicht geschehen ist, aber…jetzt ist er sehr krank und wir müssen herausfinden, wie wir ihm helfen können …“

Eine kleine Weile wartete das Team ab, doch es kam keinerlei Reaktion von der Pflanze. Und zu Rodneys Erwarten, auch keine Antwort.

„Kannst du dich irgendwie mitteilen, wenn du uns verstehst?“

Noch immer kam keine Reaktion.

„Ich schätze, das heißt dann wohl nein“, stellte der Botaniker enttäuscht fest.

„Haben Sie ernsthaft eine Antwort oder eine Reaktion erwartet? Frei nach dem Motto: Ich verstehe Dich nicht, deswegen sage ich Nein.“

„Es hätte doch gut möglich sein können.“

„Klar! Und in der nächsten Stunde unterhalten wir uns mit dem Baum dort drüben und erfahren den neuesten Tratsch, welche Blume mit welchem Gras hinter welcher Hecke rummacht!“

„Okay, das reicht jetzt“, unterbrach Lorne das Geplänkel zwischen den beiden Doktoren, „so kommen wir nicht weiter. Das bringt nichts. Fakt ist, wir brauchen etwas von der Pflanze. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, wie wir ein Stück der Pflanze, als auch einen Teil der Wurzel bekommen können, ohne dass wir mit Schrammen und Kratzern zurückkommen. Irgendwelche Vorschläge?“

„Holen wir Ronon her. Mit seiner Waffe kann er das Ding kleinhäckseln und wir haben keine Probleme mehr“, meinte Rodney und tippte weiterhin auf seinem Scanner rum.

„Dafür brauchen wir doch Ronon nicht“, kommentierte einer von Lorne´s Männern und entsicherte seine Waffe.

„Einen Moment mal! Wir ballern nicht einfach so auf … irgendetwas. Auch wenn es nur eine Pflanze ist, so scheint sie doch eine gewisse Intelligenz zu haben.“

„Hoch genug um Leute anzugreifen, aber zu niedrig um zu antworten“, kam es murrend von McKay.

„Es spielt keine Rolle, wie hoch sie ist. Wir können bestimmt auf anderem Wege Proben von der Hecke nehmen und weniger Schaden anrichten“, antwortete Lorne.

„Und was ist mit dem Schaden, dem sie Sheppard angetan hat und noch immer tut? Wer weiß, was noch mit ihm geschieht“, erwiderte McKay.

„Das ist mitunter ein weiterer Grund, warum wir uns beeilen sollten. Wir könnten sie doch mit einem Ast oder ähnlichem ein wenig anlocken und sie festhalten. Bei Colonel Sheppard hat sie auch nach ihm gegriffen und sich um sein Bein gewickelt. Zwar nur kurz, aber es könnte diesmal ausreichen, um einen Ableger abzuschneiden“, schlug Teyla vor und bemerkte danach, dass wohl sonst niemand eine andere Idee hatte. Vor allem keine bessere.

„Ich denke, das ist wohl die einzige Möglichkeit etwas von ihr zu bekommen. Rivers, Sie halten sich mit einem Messer bereit und passen Sie auf, dass es Sie nicht selbst erwischt. Mitchum, Sie kümmern sich um einen längeren stabilen Ast, der möglichst einer Gabel gleicht. So können wir sie vielleicht besser festhalten und Henson … Sie kümmern sich um die kleine Gefahrgutbox, halten Sie sie offen und stellen Sie sicher, dass wir die Proben sicher und ohne viel Trara darin verstauen können. Alle anderen … bleiben in Deckung“, wies Lorne seine Teamkameraden an, die sich sofort an die Arbeit machten.

Nur suchte Teyla eine geeignete Stelle, von der sie einen leichteren Zugriff auf einen Teil der Wurzel haben könnte. Doch erst als sie um die Hecke herumging, bemerkte sie den weicheren Boden unter ihren Füßen. In einer angemessenen Entfernung zur Hecke, aber doch noch nah genug, begann sie mit einer kleinen Schaufel zu graben, in der Hoffnung, zumindest einige Wurzelenden entdecken zu können.

Wirklich tief kam sie nicht, denn tatsächlich stieß sie schon recht schnell auf eine dickere Wurzel, die sich ihre neu gewonnene Freiheit zunutze machen wollte.

Mit einem erschrockenen Aufschrei fiel Teyla nach hinten und konnte sich geistesgegenwärtig vor der aus dem Boden schießenden Wurzel in Sicherheit bringen.

„Was ist passiert? Woah! Sie hätten etwas sagen sollen, Teyla“, gab Evan von sich, während er ebenfalls vor einer fast zwei Meter langen, wild umherschlagenden Wurzel auswich.

„Ich dachte nicht, dass sich auch die Wurzel so verhalten würde“, antwortete Teyla und sah schon Mitchum und Rivers näher kommen. Lorne nahm den zweiten Ast entgegen und versuchte nun mit Mitchum die Wurzel zu bändigen und irgendwie zu fixieren, damit Rivers ein Stück ab- oder herausschneiden konnte.

Nur mit größtem Kraftaufwand und noch größerer Vorsicht gelang es einige Male, zumindest kurzfristig die Wurzel festzuhalten. Doch für die Entnahme einer Probe reichte es nicht. Immer wieder wand sie sich oder schlug aus.

„Sir, wie wäre es mit dem Stunner? Vielleicht funktioniert er auch bei Pflanzen!“, schlug Mitchum vor, während er noch immer den Angriffen der Wurzel und mittlerweile auch einiger Äste auswich.

„Ein Versuch ist es wert. McKay!“, schrie Lorne schon fast, denn mittlerweile war der Lärm durch das rascheln der Blätter der Hecke sehr laut. Außerdem schien diese auch sonst eine merkwürdige Art von Geschrei von sich zu geben, der eine Unterhaltung in normaler Lautstärke fast unmöglich machte.

„Ja, ja, ich bin schon dabei“, antwortete Rodney und stellte sich eher ungeschickt dabei an, mit dem Stunner ein Ziel anzuvisieren.

„Auf was soll ich denn schießen?!“

„Auf was wohl?! Schießen Sie zuerst auf die Hecke!“

Gesagt, getan, auch wenn Rodney dies eher zögerlich tat, schien die Hecke sich zumindest etwas zu beruhigen und schlug nun nicht mehr mit ganz so vielen Ästen und Wurzeln um sich. Und vor allem auch nicht mehr allzu fest, so dass es Lorne und Mitchum doch noch gelang, mit einem Ast einen der Hecke anzulocken und auf dem Boden festzuhalten.

„Rivers, Beeilung. Wir können ihn vermutlich nicht mehr lange halten.

Während Lorne und Mitchum alle Hände voll zu tun hatten, schaffte es Rivers ein etwa dreißig Zentimeter langes Endstück des Astes regelrecht abzuhacken. Natürlich verwunderte es kaum jemanden, dass es der Pflanze wohl eine gewisse Art von Schmerz bereitete, als diese wieder dieses schreiend ähnliche Geräusch machte und zu neuem Leben erwachte.

Mitchum allerdings, konnte nicht schnell genug in Deckung hechten als in die Wurzel mit einem Stoß umhaute.

„Mitchum?!“, besorgt sah Lorne zu seinem Kameraden, der sich wieder aufrappelte und nach seinem verloren gegangenen Ast suchte.

„Alles in Ordnung, Sir. Nichts passiert.“

Reglos lag der abgetrennte Teil der Pflanze auf dem Boden, sodass Teyla ihn nach einem kurzen überprüfen, besser gesagt nach einem kurzen Stups, mit der Schaufel aufheben und in die Gefahrgutbox legen konnte.

„Okay, einen Teil haben wir schon mal, jetzt brauchen wir noch etwas von der Wurzel“, meinte Lorne und wischte sich mit seinem Ärmel über die Stirn.

Er hatte schon mit Einigem zu tun gehabt und vor allem hatte er auch mit vielem gerechnet, als es hieß, dass er fremde Planeten erforschen würde. Doch Kämpfe mit Rosenhecken? Dabei waren sie ihm doch so gut in Erinnerung gewesen. Zumindest die, seiner Großmutter. Die waren weit weniger aggressiv. Doch diese hier, war eine echte Herausforderung.

„Ähm Major?“, sprach Mitchum leise und sah langsam an sich herab.

Lorne, Teyla, Rodney und auch der Botaniker, der sich bisher eher ruhig hinter einem nahegelegenen Baum verschanzt hatte, folgten seinem Blick zu seiner Jacke, auf der, in etwa Brusthöhe, ein kleiner Teil der Wurzel haftete.

„Nicht berühren“, bat der Botaniker und nahm eine kleinere Schaufel zur Hand.

„Hatte ich auch nicht vor, Doc, aber …“

„Bin schon dabei … es ist gut möglich, dass in der Wurzel dieser Mikroorganismus gebildet wird. Deswegen bitte ich Sie alle vorsichtig zu sein“, erklärte der Botaniker und nahm vorsichtig das kleine Stück der Wurzel von Mitchums Jacke.

„Wahrscheinlich ist dieses Stück an Ihnen hängen geblieben, als sie Pflanze nach ihnen geschlagen hat.

„Ja Sir, sieht so aus. Denken Sie, das Stück ist groß genug?“

„Es ist handgroß. Das muss reichen. Ich habe keine Lust mehr, mich mit diesem Ding abzugeben. Alles einpacken. Wir gehen zurück und Sie lassen sich gründlich durchchecken. Notfalls bleiben Sie eine Weile unter Quarantäne, bis sicher ist, dass es Sie nicht auch noch erwischt hat.“

Atlantis

Schon seit einiger Zeit war Alexa in ihrem Quartier, hatte zuerst aus dem Fenster hinaus gesehen und sich dann auf ihr Bett gelegt um die Decke anzustarren und ihre Gedanken schweifen zu lassen. Keinen einzigen hatte sie fassen und zu Ende führen können. Dafür war sie noch immer zu aufgewühlt. Doch irgendwann hatte sie genug gegrübelt, nahm das Foto dieses Darius aus ihrem Nachttischen und stellte es auf selbiges. Eine Weile sah sie es an, versuchte sich an irgendetwas zu erinnern, doch es funktionierte nicht. Irgendwann spürte sie, wie eine leichte Müdigkeit sie übermannte. Sofort fiel sie in einen kurzen, leichten Schlaf.

Ronon und Dorian hielten sich noch immer in Alexas Nähe auf.

Ihnen war klar, dass sie es wohl wusste oder spüren konnte, doch beide einigten sich wortlos darauf, dass es ihnen egal sei und sie auf jeden Fall in ihrer Nähe bleiben würden. Ob es ihr nun passte oder nicht.

Dorian hatte sich schon immer Sorgen um seine kleine Schwester gemacht. Erst recht als vor vielen Jahrtausenden der ganze Wahnsinn begann. Wieder spürte er Wut, Trauer, Verzweiflung und Schmerz in sich aufkommen, als er an jene Zeit zurückdachte. Ein Wahnsinniger terrorisierte seine Schwester und die ganze Familie, er verfolgte sie, tötete jeden, der ihm in die Quere kam, so auch ihren Geliebten. Ließ sie unvorstellbare Dinge sehen und tun und hatte schließlich fast alles in ihr zerstört, was sie ausmachte. Ihre Seele, ihr Herz, ihr Denken … Es war ein Wunder, dass sie es wieder nach Hause zurückgeschafft hatte, dass sie überhaupt überlebt hatte. Doch die Zeit danach … er würde dieses Bild niemals vergessen, als er sie in ihrer Zelle besuchen wollte und sie blutüberströmt auf dem Boden liegen sah … das Messer neben ihr …

„Sie machen sich Sorgen.“

Ronon´s Stimme brachte ihn wieder in die Gegenwart zurück. Dorian atmete tief durch und hoffte seine Emotionen mit einem langen tiefen ausatmen loszuwerden.

„Sie ist meine kleine Schwester. Ich mache mir immer Sorgen. Haben Sie keine Geschwister?“

„Nein.“

„Ich frage mich gerade, was wohl sein wird, wenn sie wieder einen dieser Aussetzer hat. Bisher schien Colonel Sheppard der einzige zu sein, der sie zurückholen kann. Wo immer sie dann auch ist und warum auch immer gerade er es ist. Aber wenn sie jetzt wieder wegtritt …“

„Sheppard liegt in Koma.“

„Ja. Ich hoffe, dass er bald wieder gesund wird, nicht nur für Alexa, auch für ihn selbst.“

„Der schafft das schon. Er ist hart im Nehmen.“

„Sheppard ist für Sie mehr als ein Kommandant. Er ist ein Freund, nicht wahr?“

Es dauerte eine kleine Weile, bis Ronon einmal zögerlich nickte.

„Er ist ein guter Mann, oder?“

„Einer der Besten hier …“, kam es wortkarg vom großen Hünen, der sich neben Dorian auf den Boden eines Balkons gesetzt hatte. „Was haben Sie vorhin gemeint, als Sie sagten, dass es wohl mehr ihr Herz sei?“

Schon die ganze Zeit hatte Ronon diese Frage stellen wollen und nun beobachtete er, wie Dorian begann zu schmunzeln.

„Es war ein Gedanke, der mir durch den Kopf ging. Manchmal kann ich mich nicht beherrschen und sage einfach, was ich denke. Die Worte kommen einfach so raus, ohne dass ich vorher darüber nachgedacht habe. Dieses Mal war es zum Glück nur etwas Offensichtliches.“

„Sie glauben, zwischen beiden läuft etwas?“

„Sagen Sie es mir. Meine Schwester ist schon ein wenig länger hier als ich.“

„Keine Ahnung. Glaube nicht. Aber ihm scheint etwas an ihr zu liegen … freundschaftlich.“

„Verstehe.“

„Wäre das schlimm? Wenn die beiden … Sie wissen schon“, wollte Ronon wissen.

„Ich denke nicht. Nicht für mich. Wenn er wirklich ein guter Mann ist, so wie Sie sagen und wenn er aufrichtig ist … sie hätte so jemanden verdient. Nach allem was …“

Abrupt schwieg Dorian, als ihn erneut Bilder aus der Vergangenheit heimsuchten.

Bilder seiner glücklichen Schwester, seines besten Freundes, der sein Schwager hätte werden sollen. Doch plötzlich änderten sich die Eindrücke. Seine Schwester, in Panik, in Trauer, in Wut und Verzweiflung. Sein bester Freund, der schwer verletzt und sterbend auf einem Schlachtfeld, in den Armen seiner Schwester lag … später … die Totenwache … Regungslos stand sie an seinem Sarg, blickte starr in das Gesicht ihres Versprochenen. Die Apathie hatte sie so sehr im Griff, dass Mutter sie wegführen musste. Unentwegt blickte sie auf einem imaginären Punkt vor sich. Sie weinte nicht, sie sprach nicht, sie aß und trank nichts, sie schlief nicht … und am nächsten Morgen war sie verschwunden. Monatelang hatte man sie gesucht. Vater hat sämtliche Kräfte mobilisiert, ums sie ausfindig zu machen und zurück zu bringen, in Sicherheit. Immer wieder ging er selbst raus, um nach Alexa zu suchen, die sich auf ein psychopathisches Spiel mit dem Mörder ihres Versprochenen eingelassen hatte.

Sie hatte das Spiel gewonnen, nach langen, schweren und grauenvollen Monaten. Doch nun war ihr Gegner wieder da und er verlangte eine Revanche.

„Was war denn?“

Dorian verfluchte sich abermals. Schon wieder hatte er nicht nachgedacht, sondern darauf los geplappert.

Nun galt es zu retten, was zu retten war, wobei er innerlich aufstöhnen und den Kopf schütteln musste. Schlimm genug, dass sein Vater um alles ein Geheimnis machen musste und nicht reden wollte, aber dass er auch schweigen sollte …

„Ach nichts. Habe mal wieder … sagen wir einfach, dass es für Alexa früher nicht immer einfach war. Sie … hat schon so einiges durchmachen müssen. Das ist alles“, erklärte er schnell und stand auf, als er hörte, wie gerade diese aus ihrem Quartier kam, etwas Unverständliches murmelte, als sie die beiden Männer auf dem Balkon sitzen sah.

Ohne weiter auf die beiden einzugehen, setzte sie ihren Gang zur Krankenstation fort und stöhnte innerlich auf, als sie spürte, dass sie ihr weiterhin folgten.

Sie hatte keine Lust sich nochmals mit den beiden anzulegen, es würde ohnehin keinen Sinn machen. Ronon war sturer als alles, was sie bisher kannte und Dorian … war auch nicht besser. Er würde sie mit Ausreden und Begründungen und sonstigen um den Verstand bringen. Und dafür hatte sie nun wirklich keine Kraft. Die wenigen Minuten, die sie vorhin gedöst hatte, reichten gerade mal, um ihre Aufmerksamkeit und Konzentration wieder auf das aktuelle Problem zu fokussieren.

Krankenstation

„Ich hoffe, wir haben genügend von dieser verfluchten Hecke mit gebracht, denn ich habe nicht wirklich den Drang, mich nochmal mit ihr anlegen zu müssen. Das Ding lebt!“, meinte Lorne, als er mit dem restlichen Team erschöpft das angrenzende Labor auf der Krankenstation betrat.

„Bisher scheint sie noch ganz ruhig zu sein“, erklärte Elisha, die mit ihren behandschuhten Händen im Isolations- und Untersuchungskasten steckte. Auch Jennifer hatte sich auf der anderen Seite in die integrierten Handschuhe des Kastens gezwängt und half Elisha beim öffnen der Gefahrgutbox, sodass sie schon gleich das erste Stück der Pflanze entnehmen und auseinandernehmen konnten.

„Wie liefen die Untersuchungen?“, wollte Jennifer wissen.

„Uns geht es soweit gut. Wir sind nicht gekratzt worden, auch wenn das Ding ziemlich … kratzbürstig war. Mitchum allerdings steht unter Beobachtung. Eine Wurzel hat ihn erwischt und ein paar Meter durch die Luft geschleudert. Zwar hat nur seine Kleidung was abbekommen, aber ich will sichergehen. Nicht dass er sich neben Sheppard einquartieren muss“, erklärte Evan weiter und sah misstrauisch zu den Pflanzenstücken im Isolationskasten.

„Wie … wie sieht es eigentlich bei Sheppard aus? Irgendwelche Fortschritte?“, wollte Rodney wissen und beobachtete seine Freundin bei der Arbeit.

„Sein Zustand verschlechtert sich von Minute zu Minute. Die Wachstumsrate dieses Mikroorganismus steigt stetig an und er verbreitert sich in rasender Geschwindigkeit. Manchmal habe ich den Eindruck, dass gerade das Gehirn sein bevorzugtes Ziel ist.“

„Was würde passieren, wenn er das Gehirn erreicht?“, fragte Daniel, der sich etwas von Familie Sheppard entfernte.

„Schwer zu sagen. Dazu wissen wir noch zu wenig über den Erreger. Aber ich schätze mal, dass es unter anderem auch zu Hirnschäden, Organversagen, Lähmungen und Atemstillstand kommen kann“, informierte Jennifer ihn flüsternd und hielt mit einigen Instrumenten die erste Pflanzenprobe fest, sodass Elisha mit einem Skalpell zu Werke gehen konnte.

Doch kaum hatte sie den ersten Schnitt gemacht, schien das kleine Wurzelstück zu neuem Leben zu erwachen und begann zu zappeln. Es wurde so unruhig, dass sich Jennifer und Elisha zurückziehen mussten und die Klappen für die Hände schnell wieder schlossen.

„Meine Güte! Das kann doch nicht wahr sein.“

Kaum ausgesprochen schoss die Wurzel mit einer ungeheuren Kraft und Geschwindigkeit durch das Glas des Isolationskastens direkt in Elishas Gesicht.

Es hätten nur noch wenige Zentimeter gefehlt, als ein roter Blitz direkt vor ihrer Nase die Wurzel getroffen hatte und sie zu Boden beförderte.

Starr vor Schreck und mit weit aufgerissenen Augen nahm sie nur am Rande wahr, dass Tristanius hervor preschte und sie in Schutz nahm.

Überrascht sah er zunächst auf die Wurzel, dann zur linken Seite, aus dem dieser Blitz herkam und tatsächlich stand dort Ronon mit seiner erhobenen Waffe.

Schnell hatte sich Elisha wieder gefangen.

„Danke Ronon. Ich danke Ihnen.“

Ronon nickte nur einmal, als er näher trat und sich das aggressive Pflanzenstück näher ansah.

„Ist alles in Ordnung, Ma?“, fragte Dorian, der mit seiner Schwester näher trat.

„Ja, es ist nichts passiert. Alles in Ordnung, mir geht es gut.“

„Ich denke, jetzt ist sie tot.“

„Meinen Sie?“, kam es von Dorian.

„Bin sicher. War auf Töten gestellt“, gab er brummend von sich und zeigte die Einstellung seiner Waffe, bevor er sie wieder wegsteckte.

„Dann sollten wir uns beeilen. Vielleicht können wir noch genügend brauchbares Material sammeln.“

„Elisha, das Ding hat Dich angreifen wollen. Es ist gefährlich. Du kannst doch jetzt nicht …„

„Lass gut sein, Tristan. Ich kann und ich werde. Dieses Stück hier ist tot. Es kann nichts mehr anrichten, aber es könnte Colonel Sheppard’s Leben retten. Also fang nicht schon wieder an, mit mir streiten zu wollen, dafür habe ich keine Zeit.“

Nachdem man das kleine Wurzelstück aufgehoben und in einen neuen Isolationskasten gelegt hatte, waren Elisha und Jennifer schon fast fertig mit den augenscheinlichen Untersuchungen, während Carson Beckett sich hinter das Mikroskop geklemmt hatte und dort einige interessante Entdeckungen machen konnte, die er allerdings erst noch mit Eintragungen in der Datenbank vergleichen wollte.

 ~~~///~~~

„Wissen Sie schon etwas Neues, Doktor Beckett?“, erkundigte sich Carol, die es vor Sorge und Kummer nicht mehr auf dem Stuhl hielt.

„Leider noch nicht allzu viel. Wir wissen nur, dass es keine gewöhnliche Rosenhecke ist. Sie ist mehr so eine Art Schlingpflanze, die ganz zielgerichtet nach Warmblütern sucht. Es steckt möglicherweise ein Wunsch nach Symbiose dahinter oder eine Art von Fortpflanzung oder Transformation. Das würde zumindest erklären, warum dieser Erreger so schnell zum Gehirn will.“

„Was hat das damit zu tun.“

„Nun … Pflanzen sind zwar auch Lebewesen, aber die chemisch-biologische Zusammensetzung zwischen Menschen und Pflanzen ist vollkommen anders. Dieser Organismus arbeitet auf eine Veränderung hin.“

„Was für eine Veränderung?“, wollte nun Patrick wissen.

„Eine Veränderung, die ausreichend ist, um Samen zu streuen oder …“

„Oder was?“

„Oder sich in John einzunisten und … ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll …“

„Sie meinen, ihn in eine Pflanze zu verwandeln?“

„So etwas in der Art. Dennoch denke ich, dass es ihm nicht gelingen wird. Auch wenn dieser Erreger sehr stark ist, wird es niemals ausreichen, um seine Aufgabe zu vollenden. Der Mensch und seine Chemie ist einfach zu komplex für eine solche Verwandlung, die funktionieren soll.“

„Das ist doch gut, oder?“ kam es hoffend von Patrick.

„Nun ja, nicht unbedingt. John würde niemals zu einer Pflanze werden, aber der Transformationsprozess wird schwere Schäden verursachen, mit dem der Körper nicht zurechtkommt.“

„Das heißt … er wird … so der so sterben“, wisperte Carol und spürte wieder Panik und Verzweiflung aufkommen.

„Nicht wenn wir etwas finden, was den Erreger sicher abtöten kann, ohne Ihrem Sohn weiter zu schaden.“

„Angenommen Sie finden etwas, wird John dann wieder vollkommen gesund sein? Ich meine, wird er Schäden davon zurück behalten? Er ist doch jetzt schon gelähmt.“

Diesmal war es Dave, der sich besorgt zu Wort meldete.

„Das kann ich nicht genau sagen. Es wäre denkbar. Wie Elisha schon sagte, zerstört dieser Erreger kein Nervengewebe, sondern legt es nur lahm. Seine Genesungschancen stehen zumindest, was das angeht, recht gut. Aber auch nur dann, wenn uns schleunigst etwas einfällt.“

„Dann sollten wir Sie nicht weiter aufhalten, Doktor. Danke. Ich werde zu John gehen. Vielleicht … vielleicht merkt er ja, dass ich da bin“, sagte Carol und ging tief in Gedanken versunken zurück in Johns Krankenzimmer.

~~~///~~~

Schon eine ganze Weile saß Carol an Johns Bett, hielt seine Hand und sprach zu ihm, obwohl sie sich nicht sicher war, ob er sie hörte oder sie sonst auf irgendeine Weise wahrnahm. Natürlich hatte sie während ihres Studiums und ihrer praktischen Tätigkeit schon mehrmals die neusten Forschungsergebnisse und Berichte darüber gelesen, aber jeder erzählte etwas anderes. Jeder hatte eine eigene Meinung und Theorie. So wie sie selbst. Sie glaubte fest daran, dass John ihre Gegenwart irgendwie wahrnehmen könnte.

Er konnte schließlich auch auf mysteriöse Art und Weise herausfinden, wo Alexa sich aufhielt, als er sie suchte.

Wenn er sie irgendwie spüren konnte, warum nicht auch seine eigene Mutter? Zumal die beiden schon immer ein Herz und eine Seele waren. Sie hatten eine ganz besondere Beziehung zueinander.

„Wenn ich doch nur wüsste, was gerade in deinem Kopf vorgeht … und ob du mich hörst. Wenn du dich doch nur irgendwie bemerkbar machen könntest. John, du darfst jetzt nicht aufgeben. Nicht jetzt, wo ich dich wieder habe. “

Wie auf ein Stichwort hin begann das EEG-Gerät zu piepsen und ließ Carol erschrocken aus ihrem Stuhl fahren.

„John? … John, um Himmels willen, was ist denn? John! Doktor!“

Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis Jennifer und Elisha hineingestürmt kamen. Auch alle anderen und der Rest des Teams fanden sich im Intensivzimmer ein.

„Was ist mit ihm?“

„Es ist das EEG. Der Erreger hat das Gehirn erreicht“, sagte Jennifer und sah auf den neuesten Scan.

„Was?!“

„Seine Gehirnwellen sind sehr unausgeglichen. Das ist nicht gut.“

„Und jetzt? Was machen wir denn jetzt? Sie müssen ihm doch irgendwie helfen können“, bat Carol.

„Ich könnte versuchen, das zentrale Nervensystem mit elektrischen Impulsen zu stimulieren“, schlug Elisha vor und nahm sich die entsprechen Geräte zur Hand.

„Elektroschocks?!“, kam es schockiert von Patrick.

„Nein. Es ist harmloser. Es ist vergleichbar mit Herzschrittmachern. Es ist ein äußerst leichter Stromimpuls, der die Gehirnwellen wieder gleichmäßig werden lässt.“

„Wird es ihm wehtun?“, fragte Carol, die erneut von Panik ergriffen wurde.

„Nein, er wird nichts spüren. Sie wissen doch, dass das Gehirn der einzige Teil im menschlichen Körper ist, das keinen Schmerz empfinden kann.“

„Ja … ja natürlich.“

Wie hatte Carol das vergessen können? Es war das Erste, dass sie in ihrem Studium lernte. Eigentlich sogar schon früher. Selbst in der Schule hatte man dies lernen können.

Nach einem kurzen beratenden Gespräch mit Jennifer und Carson legte Elisha ein kleines Gerät auf Johns Kopf. Es reichte von der einen Schläfe, über die Stirn bis zur anderen Schläfe und begann zu blicken, als Elisha es einschaltete. Es war mit einem weiteren kleineren Scanner verbunden, der nun über zwei weitere Bildschirme, einen kompletten Scan des Gehirns als auch detaillierte Messwerte der Gehirnwellen und –muster, als auch die Einstellung des Gerätes zeigte. Dieser Scanner wiederum war an eine kleine Konsole angeschlossen, an der die entsprechenden Einstellungen vorgenommen werden konnten.

„Ich fange mit der niedrigsten Stufe an. Mal sehen, ob es schon ausreicht.“

Sie gab einige Befehle ein und sah dabei auf die Monitore um eventuelle Veränderungen zu beobachten.

Nur kurz wartete sie ab, bis sie die Intensität erhöhte. Aber auch das ließ die Werte nicht in den Normalbereich zurückkehren. Elisha musste noch mehrmals die Stärke der Stromimpulse erhöhen, bis plötzlich etwas geschah.

Alexa wurde plötzlich unruhig. Es war eine Empfindung, die sie geradezu übermannte und sie teils erschrocken und teils überrascht aufstöhnen ließ. Somit hatte sie die Aufmerksamkeit aller anderen unabsichtlich auf sich gezogen.

„Was ist los mit dir?“, fragte Dorian, der an sie herantrat.

„Es ist John … ich spüre da was.“

~~~///~~~ 

-Lachend saß John an einem Tisch in der Schulkantine. Einige seiner Schulkameraden hatten sich um ihn versammelt, da sie eigentlich gemeinsam zu Mittag essen wollten.

Allerdings hatte das Beisammensein inzwischen den Charakter einer Schlacht angenommen: Jeder wollte der Beste darin sein, die Erbsen weit und zielgenau abzuschießen – aus der Nase.

Die Schüler nutzten die Tatsache mittlerweile gnadenlos aus, dass noch kein Lehrer eingegriffen hatte. Denn es wurde ganz spontan eine Lehrerkonferenz einberufen und das Personal in der Kantine schien mittlerweile vollends überfordert.

Dutzende Male hatte das Servicepersonal an den Essensausgaben versucht einzugreifen, doch es brachte nicht viel. Vor allem dauerte es nicht allzu lange, bevor die Schweinerei von vorne begann.

Auch der Koch hatte sein Glück versucht, wollte die Bande von Rabauken zur Vernunft bringen, doch die Geduld hatte ihn schnell verlassen.

Er hatte sich lieber dazu entschieden, gleich den Direktor der Schule zu informieren. Die Schüler störte dies jedoch nicht besonders, sie setzten ihre Schlacht fort, sodass auch im Eifer des Gefechts das eine oder andere Tablett auf dem Boden landete.

John hingegen hielt sich jedoch aus den größten Sauereien heraus. Er bestritt mit seinen Schulkameraden lieber einen kleineren Wettkampf.

„Ach John, du schaffst das doch nie!“

„Wart´s ab, Matt. Wetten, ich treffe das Glas dahinten?“, gab der achtjährige John von sich und steckte sich eine Erbse in die Nase, nachdem er tief einatmete.

„Quatsch, das schaffst du nicht. Das sind mindestens zehn Meter“, meinte Peter, ein weiter Freund von John.

„Man, bist du schlecht im schätzen, das sind höchstens vier Meter“, gab John sicher zurück.

Mit einem Finger hielt er sich das eine Nasenloch zu, berechnete den Winkel, zielte und schoss.

John beförderte die Erbse mitten ins vorher gezeigte Glas.

Die Jungs lachten und jubelten, doch der Spaß war schnell vorbei, als der Direktor, wohlbemerkt mit hochrotem Kopf und zügigem Schritt in den Speisesaal stürmte.

„Was ist hier los? Was soll dieser Unsinn? Hat man euch Schlingeln Zuhause nicht beigebracht, dass man mit Essen nicht spielt?“, ertönte seine Stimme brüllend.

„Zuhause schon, aber … wir sind nicht Zuhause“, gab John vorlaut zurück.

„Und da haben wir ja schon den Rädelsführer! John Sheppard! Warum verwundert mich das nicht? Bei deinem Zuhause hätte ich eigentlich anderes, Besseres erwartet.“

„Hey, das war ich nicht!“, verteidigte sich John, als ihm klar wurde, dass ihm die Schuld an der Essensschlacht zugeschoben werden sollte.

„Natürlich nicht! Du bist wohl die Unschuld in Person! Es ist doch mehr als verwunderlich, dass immer, wenn etwas passiert, du dabei oder zumindest in der Nähe bist.“

„Ich war es aber wirklich nicht! Wir haben nur ein paar Erbsen geschossen! Die da haben angefangen und das meiste …“, versuchte John zu erklären und wies auf eine andere Gruppe Schüler, die zudem auch noch älter waren. Doch diese wuschen sich ebenfalls die Hände in Unschuld.

„Ja, mit Erbsen fängt es meisten an und endet dann … in dieser Schweinerei! Mir scheint, ich muss mich nochmal mit deinem Vater zusammen setzen. Wie gefällt dir das? Wenn du glaubst, dass du durch dein betuchtes Zuhause und die großzügigen Spenden und Unterstützungen deines Vaters an diese Schule, eine Narrenfreiheit genießen könntest, hast du dich aber geirrt. Er hat bestimmt nicht gehofft, dass du hier lernst, wie man mit seiner Nase die Erbsen vier Meter weit schießt!“

„Siehst du, ich habe doch gesagt, es sind höchsten vier Meter!“, sagte John und wandte sich dabei wieder zu Peter.

„John Sheppard! Sofort in mein Büro. Und zwar schnell und ihr kommt mit. Mit gehangen, mit gefangen. Das nächste Mal überlegt ihr es euch vielleicht zweimal, mit wem ihr verkehrt. Und wenn eure Eltern erst einmal informiert sind, werden sie euch ohnehin, die Flausen austreiben. Und wenn das nichts bringen sollte, wird euch Mister Selter gern beaufsichtigen, während ihr die Kantine aufräumt und säubert. So geht es nicht! Wo sind wir denn hier?! Das hier ist zwar eine öffentliche Grundschule, aber hier gibt es Regeln und euer Benehmen ist mehr als … widerlich. Was soll denn werden, wenn ihr zur Highschool sollt? Anarchie?! Es wundert mich ohnehin, dass er dich in eine öffentliche Schule lies. In einer privaten und strengeren Einrichtung wärst du besser aufgehoben und das werde ich ihm auch nahe legen. Los jetzt!“, echauffierte sich der Direktor und zog John und einige anderen der Jungs vom Stuhl und beförderte sie aus der Kantine. Doch der bevorstehende Ärger schien die Jungs nicht zu kümmern. Noch immer lachend und kichernd folgten sie in dem Direktor …-

~~~///~~~

„Ich stimuliere seine Gehirnwellen nun fast über die gesamte Frequenzbreite, aber die Werte sind immer noch undeutlich“, erklärte Elisha, gab jedoch nicht auf, als sie noch immer das Gerät zur Stimulierung bediente.

„Aber irgendetwas geschieht mit ihm … in seinem Kopf. Er …“

„Was? Was ist mit ihm? Was …? Geht es ihm schlechter?“, wollte Carol wissen, wobei sie sich nicht sicher war, auf wen sie denn nun hören sollte.

„Nein … ich … er … ich weiß nicht. Ich spüre da etwas. Er empfindet etwas.“

„Hat er vielleicht doch Schmerzen?“

„Nein. Er fühlt … sich gut. Er ist irgendwie … belebt und fröhlich.“

„Sehen Sie das?“, fragte Elisha, während sie immer wieder zwischen den Monitoren und John hin und her sah.

„Ja, die Cortexwellen werden ausgeprägter. Ein REM-Stadium“, meinte Jennifer, die ebenfalls die ganze Zeit über die Werte an den Monitoren im Auge behielt.

Prüfend sah Carol ihrem Sohn ins Gesicht, und obwohl seine Augen geschlossen waren, konnte sie deren schnelle Bewegungen ausmachen.

„Er träumt …“, stellte sie verwundert fest, „das können Sie fühlen?“

„Ich weiß nicht genau, wovon er träumt, aber ich spüre Gefühle von Freundschaft … und eine Art … Liebe …“

~~~///~~~

-„Wieso denkt er immer, dass ich all so was mache?“, hatte John gefragt, der mit seiner Mutter in seinem Zimmer saß.

Erst vorhin waren sie aus der Schule zurückgekehrt und sein Vater war nicht gerade bester Laune. Was wohl daran lag, dass er ein sehr intensives und langes Gespräch mit dem Schuldirektor hatte.

John hatte alles versucht seinen Vater und den Direktor davon zu überzeugen, an der Schweinerei in der Schulkantine nicht hauptsächlich beteiligt zu sein und im Gegensatz zu seinem Vater, hatte der Direktor ihm nach einiger Zeit geglaubt und die Hauptschuldigen ebenfalls ins Büro zitiert. Auch wenn auf diese nun ebenfalls eine saftige Strafe zukommen würde, so waren die Geduldsfäden von Patrick und dem Direktor gerissen.

Nur haarscharf schrammte John an einem rausschmiss an der öffentlichen Schule vorbei, da der Direktor natürlich ein gewisses Ansehen der Familie Sheppard und das der Schule selbst berücksichtigen musste. So legte er dem Geschäftsmann nach einiger Zeit nahe, seinen Sohn auf eine andere, eine private Schule zu schicken, wo es eine intensivere Betreuung geben würde und so sein Lausbubenleben mit strengen Blicken beobachtet würde.

Das ließ sich Patrick natürlich nicht zweimal sagen, zumal er ohnehin seine Söhne schon von Anfang an auf eine private Eliteschule gehen lassen wollte. Einzig Carol hatte darauf bestanden, dass John auf eine öffentliche Schule ginge, umso mit gleichaltrigen zusammen zu sein, die nicht aus wohlhabendem Hause kämen. So würde John auch die anderen Seiten kennenlernen und sehen, dass es nicht jeder so gut hätte wie er, ohne dass sich dabei bei John Vorurteile und Klassenunterschiede bilden würden.

Nun hatte ihm Patrick aber noch eine Wahl gegeben.

„Sind wir doch mal ehrlich John, Erbsen durch die Nase zu schießen, ist nichts, was in eine Schulkantine gehört“, erwiderte Carol, die immer der ruhigere Pol zwischen Vater und Sohn war.

„Es war aber nicht so schlimm wie das, was die anderen getan haben.“

„Aber besser auch nicht. Du hättest dich da ganz heraushalten können. Außerdem waren die Erbsen doch nur die Spitze des Eisbergs.“

„Spitze des Eisbergs?“, fragte John verwirrt nach, als er diese Terminologie nicht verstand.

„Denk mal gut nach, John. Es gab immer wieder Prügeleien, Streiche und so viele andere Zwischenfälle-„

„Aber ich habe nie angefangen!“

„Darum geht es nicht. John … dein Vater und ich möchten, dass du eine gute Schulbildung bekommst. Ich habe mich durchsetzen können, dass du auf eine gute öffentliche Schule gehen konntest, wo der Druck nicht ganz so hoch ist und es noch gewisse Freiheiten für dich gibt. Wir dachten, dass es gut ist, wenn du auch Kinder kennenlernst, denen es nicht ganz so gut geht, wie dir und deinem Bruder. Wir dachten, dass du auch da Freunde finden würdest. Aber das hat nicht funktioniert.“

„Ich habe da doch Freunde!“

„Nein, John. Wir haben doch schon mal darüber gesprochen. Erinnerst du dich? Echte Freunde stiften dich nicht zu einer Essenschlacht an und lassen dich dann beim Direktor und deinem Vater dafür büßen. Sie hätten zugegeben, dass sie beteiligt waren und nicht du die Hauptschuld trägst. Und wie oft hattest du Streit mit diesen sogenannten Freunden? Wie oft haben sie dich mit deinen reichen Eltern aufgezogen? Ich kann verstehen, dass du dir das nicht gefallen lassen und dich wehren wolltest, aber es wird nie aufhören, verstehst du? Das mit der öffentlichen Schule war keine gute Idee.“

„Dann ist es nicht meine Schuld?“

„Die Mittäterschaft an der Essensschlacht und so manch einer Auseinandersetzung und der eine oder andere Streich schon, das weißt du auch. Aber wir können dich nicht mehr auf diese Schule gehen lassen. Es würde immer wieder Probleme geben, die dich und die anderen Schüler ablenken. Wir wollen, dass du Spaß hast und Freunde, und dass es dir gut geht, aber wir möchten auch, dass du ein guter Schüler bist und später einen guten Schulabschluss hast und etwas Vernünftiges aus deinem Leben machst. Du sollst studieren und„

„Vaters Firma übernehmen? Und wenn ich das nicht will?“

„Du kannst auch etwas anderes machen. Was du willst, aber du brauchst die passenden Voraussetzungen dafür und dass heißt, dass man lernen und sich auch mal zusammenreißen muss. John, was immer du später werden willst, mit einer guten Bildung, stehen dir alle Türen offen. Egal, ob du Lehrer, Anwalt, Doktor oder sonst was werden willst. Und wenn du Bauarbeiter werden willst. Hauptsache ist, dass du dich dabei wohlfühlst und glücklich bist. Aber egal, was du später einmal tun willst, es ist niemals verkehrt, gute Noten vorweisen zu können, verstehst du?“

„Und was ist, wenn ich später einmal … ein Flugzeug fliegen will?

„Kein Problem. Hast du einen guten Abschluss?“

„Nein, ich geh doch noch zur Schule.“

„Tja, siehst du? Dann schlage ich vor, dass du dich etwas anstrengst. Mehr lernen, statt Blödsinn anzustellen. Denn wenn du später ein Pilot werden willst, musst du vieles wissen.“

„Und was?“

„Ähm, na ja … du musst wissen, wie viel Treibstoff dein Flugzeug verbraucht und wie lange du mit einer bestimmten Menge Treibstoff fliegen kannst. Das musst du ausrechnen können und du musst einen Kurs berechnen, der dich sicher ans Ziel bringt und die technischen Details deines Fliegers kennen, ach da gibt es so vieles. Frag mal Mister Winston, den Piloten deines Vaters. Der kann dir das bestimmt sagen. Das wirst du alles lernen. Aber du musst schon mal einiges können, bevor du lernst zu fliegen und das bedeutet?“

Erwartungsvoll sah Carol zu ihrem achtjährigen Sohn, der klein beigebend mit den Augen rollte. „Ich muss in der Schule mehr aufpassen und gute Noten haben.“

„Und keinen Unsinn mehr anstellen, wie Erbsen mehr mit der Nase abschießen.“

„Das sah aber lustig aus“, gab John grinsend von sich, was Carol nur zu einem schwachen Schmunzeln brachte.

„Ja, für dich und die anderen Rowdys vielleicht, aber ich finde es ziemlich eklig. Außerdem macht man so was mit Essen nicht. Es gibt so viele Kinder, die sehr froh wären, wenn sie ein paar Erbsen zum Essen hätten. Sieh mal in Afrika, da haben die Leute nichts zu essen und kein sauberes Trinkwasser. Viele Kinder sind sehr krank und schwach, weil sie einen so großen Hunger haben, aber nichts zu essen bekommen, weil die Familie zu arm ist. Und nicht selten … sterben sie vor Hunger. Da gibt es Kriege und Krankheiten … die sich die meisten von uns nicht einmal vorstellen können. Wir sollten dankbar sein, dass es uns noch gut geht. Also, wenn du das nächstes Mal keinen Appetit auf Erbsen hast, dann lass sie einfach auf dem Teller liegen, anstatt sie in deine Nase zu stecken. Verstanden?“

„Okay.“

„Okay. Und jetzt? Weißt du jetzt, auf welche Schule du nun gehen willst? Du kannst froh sein, dass dein Vater dir noch eine Wahl gibt. Ich hatte daran gedacht, dich nach Ojai zu schicken, aber das gefällt deinem Vater nicht, weil es da nicht ganz so streng zugeht und außerdem wärst du dann nur an den Wochenenden Zuhause, was mir ehrlich gesagt nicht gefällt.“

„Das ist ein Internat, oder?“

„Ja. Aber es ist sehr schön da und wie gesagt, es ist nicht ganz so streng, aber dein Vater will es nicht.“

„Und ich will nicht in eine Klosterschule!“

„Dann eben die andere Schule. Aber eines sage ich dir gleich, John. Da geht es etwas strenger zu und du wirst aufpassen müssen, was du sagst und was du tust und auch die Lehrer werden dich im Auge behalten. Dort gibt es strengere Regeln als an anderen Schulen, aber wenn du dich an sie hältst, kannst du immer noch eine Menge Spaß haben. Die haben da auch viele sportliche Aktivitäten und verschiedene Kurse, in denen du dich austoben kannst. Du findest bestimmt etwas Passendes für dich. Und Freunde ganz sicher auch. Du bist etwas ganz Besonderes, John. Das weiß dein Vater, das weiß ich und deswegen wollen wir, dass es dir gut geht und du alles erreichst, was du vorstellst oder wünschst. Dein Vater und ich möchten nur das Beste für dich. Aber du wirst dich etwas zusammenreißen müssen. Zeig deinem Vater, dass du auch anders kannst und das mehr in dir steckt, okay?“

„Okay.“

„Denn ich weiß, dass das mehr in dir steckt. Irgendwo hier drin“, meinte Carol und tippte auf Johns Brust, bevor sie begann ihn zu kitzeln, was ihn zum Lachen und wilden strampeln brachte, während Carol ihn munter weiter kitzelte.

„Da drin steckt es, ich weiß es genau …“-

~~~///~~~

Alexa konzentrierte sich stärker auf die Empfindung, als sie plötzlich glaubte, Genaueres erspüren zu können. Ein Lächeln legte sich über ihren Mund.

„Es ist definitiv eine Art Liebe … Ihnen gegenüber“, sagte sie an Carol gerichtet.

„Er träumt von mir?“

„Ich glaube, es ist mehr als das. Es scheinen mir mehr Erinnerungen zu sein, denn diese Empfindungen, sind zwar nicht schwächer, aber … sie fühlen sich nicht so stark und klar an, wie momentan empfundene Emotionen.“

„Dann ist das so eine Art Reaktion auf die Stimulierung, denn die Gehirnwellen werden besser. Offenbar haben Sie die richtige Amplitude gefunden“, meinte Jennifer, die ebenfalls ganze Zeit die Monitore mit den Werten im Auge behielt.

„Ja, aber … sein Metabolismus verändert sich noch immer. Ich weiß nicht … vielleicht kann ich die Veränderung unterbrechen, wenn ich die Therapie vermehrt auf den Cortex richte“, spekulierte Elisha und studierte weiterhin die Werte. Doch Patrick verstand noch immer nicht, wovon alle sprachen.

„Moment, was soll das heißen? Was bedeutet das alles?“

„Das bedeutet, dass seine Gehirnwellen zwar besser werden, aber er ist noch nicht außer Gefahr. Der Erreger wütend weiter vor sich hin und versucht den Stoffwechsel zu verändern. Wir müssen weiter dagegen angehen.“

 ~~~///~~~

-„Hallo Misses Sheppard“, sagte John süffisant grinsend und nahm seine frisch angetraute Frau in den Arm.

Noch immer war sie in ihr Brautkleid gekleidet. Lediglich die Schuhe hatte sie schon vor Stunden ausgezogen. Hohe Absätze waren einfach nichts für eine Hochzeit mit stundenlangem Tanzen und kaum einer Minute ruhigem Sitzen.

Jetzt hatten sie endlich die Feier hinter sich lassen können, die meisten Gäste waren schon gegangen und das Ehepaar hatte sich ins Schlafzimmer zurückgezogen. Immerhin war es schon beinahe früher Morgen.

„Hallo Mister Sheppard“, gab Nancy zurück und ließ ihre Hände über Johns Oberkörper gleiten, auf direktem Wege zu den Knöpfen seines Jacketts.

„Hey! Das heißt nicht Mister.“

„Na schön, dann eben Captain. Aber glaube ja nicht, dass ich auch noch vor dir strammstehe, mein Lieber.“
„Nein, du musst nicht strammstehen, sondern … jemand anderes“, gab John zwischen vielen leidenschaftlichen Küssen zurück und ließ sein Jackett zu Boden fallen, bevor er mit Nancy lachend ins Bett fiel …

 ~~~///~~~

 

Erschrocken berührt japste Alexa kurz nach Luft, bevor sie versuchte, diese Gefühle loszulassen und sich zurück zu ziehen.

„Was ist? Was haben Sie gefühlt?“, erkundigte sich Carol erneut

„Ähm … ich bin mir nicht sicher, aber …„

„War es was Schlimmes?“

„Nicht unbedingt. Jedenfalls nicht für John.“

„Ich verstehe nicht.“

„Es waren wohl wieder Erinnerungen. Nur diesmal waren sie … na ja, sie waren … sehr … persönlich.“

„Das wird dir wahrscheinlich noch öfter passieren, dass du Emotionen empfängst, die sehr persönlich sind“, erklärte Elisha, die immer wieder zwischen John, seinen Werten auf dem Monitor und ihrer Tochter hin und her sah.

„Das ist mir schon klar, nur, das war mir … wohl etwas zu persönlich.“

„Ist das etwa so eine Art Angriff? Fühlt er, dass du in seinem Kopf bist? Wehrt er sich dagegen?“, wollte Tristanius erfahren, der sich bisher still und beobachtend im Hintergrund hielt.

„Nein, nein, wahrscheinlich merkt er nicht, dass ich ihn lese. Aber diese Erinnerungen waren … diesmal etwas mehr als freundschaftlich.“

Noch immer hatte Alexa Schwierigkeiten, das eben Empfangene richtig zu beschreiben. Und zugegebenermaßen funkte auch eine kleine Peinlichkeit dazwischen, was sie allerdings leicht amüsieren würde, wenn die Lage nicht so Ernst wäre.

„Ah ja?“, kam es wieder von Carol, die noch immer Johns Hand in der ihren hielt.

„Sie haben diesmal nichts mit Ihnen zu tun. Es war … eine andere Art von Liebe. Es war … leidenschaftlich und … und erotisch.“

„Oh“, lautete die einzige Antwort von Carol, bis sie begriff, worauf Alexa hinaus wollte, „oh! Sie meinen …“

„Ja“, gab Alexa schnell zurück.

Auch Carol war nun ein wenig peinlich berührt, bis sich ein kleines Lächeln in ihrem Gesicht bildete. „Nun ja, er ist ein erwachsener Mann und … ja.“

Carol schwieg nun lieber, während Elisha sich ein Schmunzeln verkneifen musste.

Es verging einige Zeit, in der Elisha weiterhin die Stärke der Impulse überwachte und auf einer höheren Einstellung behielt. Ebenso ließ auch Alexa eine kleine Weile verstreichen, bevor sie es wagte, wieder Johns Empfindungen zu lesen. Auch wenn sie nicht wusste, woran er sich erinnerte und auch keine Bilder empfing oder gar sehen konnte, so war es für sie doch ein Eingriff in seine Privatsphäre. Es ging so schon weit genug, da wollte sie nicht noch Eindrücke über sein Sexualleben gewinnen.

Die Zeit verging, ohne dass zunächst größere Schwierigkeiten auftauchten, aber eine gezielte Therapie gegen den Mikroorganismus wurde auch noch nicht gefunden. Immer wieder hatten Carol und Patrick sich abgewechselt, wenn es darum ging, mit John zu sprechen. Beide hofften, dass er sie doch irgendwie hören könne und dass sie ihm Mut machten und ihn für den Kampf gegen diesen Erreger bestärkten. Auch Dave hatte sich durchgerungen, in einer einsamen Minute zu seinem Bruder zu sprechen, auch wenn er nicht so recht wusste, was er sagen sollte, so hoffte er, dass sein Bruder ihn wahrgenommen hatte.

Alexa empfing immer wieder unterschiedliche Gefühle, die in ruhigen, schönen, witzigen aber denkwürdigen Momenten in Johns Leben empfunden worden sein mussten. Gelegentlich waren auch wieder einige intensive Gefühle dabei, die sie ins Straucheln brachten oder die sie wieder dazu brachten, sich für einen Moment zurückzuziehen, doch kein einziges Mal war es auf irgendeine Weise unangenehm.

Ihr Vater jedoch verstand nicht, warum sie unentwegt beinahe pausenlos an seiner Seite stand und in ihm las. Er sah, wie sehr sie sich anstrengte, wie sehr es an ihrer Kraft zehrte und wie sie immer wieder drohte, ihre Konzentration zu verlieren.

Noch einmal schüttelte er ratlos mit dem Kopf, bevor er zu ihr ging und sie sachte am Arm wegführte.

„Könntest du mir bitte erklären, was du da tust? Warum liest du pausenlos in ihm? Das hat keine Wirkung auf ihn, aber dafür auf dich.“

„Auf mich? Es geht mir doch gut“, erwiderte Alexa überrascht. Die Tonart ihres Vaters war ruhig, nicht mehr so gereizt und anklagend wie vor einigen Tagen. Im Gegenteil, sie erkannte eine gewisse Sorge darin.

„Du siehst mir aber nicht danach aus, als ginge es dir gut. Du wirkst erschöpft. Deine Empathie fordert dir im Moment zu viel ab. Du solltest dich ausruhen und aufhören in ihm zu lesen. Ich verstehe ohnehin nicht, warum du das tust.“

„Warum ich … ich will ihm helfen.“

„Siehst du denn nicht, dass es ihm nicht hilft? Es ist zwecklos. Er hat nichts davon, wenn du ihn liest.“

„Ich denke schon, dass es etwas bringt … auch wenn er nur spürt, dass ich … das jemand da ist. Er war es auch oft für mich“, entgegnete Alexa und ging wieder zurück zu John.

Tief durchatmend und erneut kopfschüttelnd blieb Tristanius nur kurz zurück. Irgendetwas ging in seiner Tochter vor, dass er nicht recht verstand und auch nicht nachvollziehen konnte und er bezweifelte, dass es mit ihrer Empathie zu tun hatte. Nein, hier war etwas anderes im Spiel.

~~~///~~~

„Das darf doch nicht wahr sein! Das kann nicht sein!“, entfuhr es Jennifer, als sie den neuesten Scan begutachtete.

„Was denn?“

Neugierig schloss sich Elisha an und verglich die Werte mit den neuesten Ergebnissen der Blutuntersuchung.

„Du meine Güte! Der Organismus …“

„Was ist denn? Stimmt etwas nicht? Was ist denn nun mit John?“

Alarmiert fuhr Carol von ihrem Stuhl hoch und blickte angespannt und erwartend zu den beiden Medizinerinnen.

„Der Mikroorganismus, die Mikroben reagieren offensichtlich.“

„Ist das ein gutes Zeichen?“, kam es hoffend vom Patrick.

„Nein, sie reagieren nicht so, wie wir es gehofft hatten. Die Wachstumsrate hat sich beinahe verdoppelt.“

„Verdoppelt?! Wie denn? Warum? Wir haben doch gar nichts … John hat doch keine neuen Medikamente bekommen. Wir haben ihm doch nichts gegeben, was eine solche Reaktion hervorrufen könnte und ihn sich vermehren lässt.“

Ratlos starrten Jennifer und Elisha auf die Ergebnisse, bis sich in Elisha ein Verdacht breitmachte.

„Vielleicht doch … wir haben die Gehirnwellen, den Cortex stimuliert.“

„Und? Was hat das damit zu tun?“ fragte Jennifer.

„Es war doch recht früh zu erkennen, dass dieser Erreger es ziemlich eilig hatte, zum Gehirn zu gelangen.“

„Ja und weiter?“

„Und wir wissen, dass im Gehirn die verschiedensten Prozesse stattfinden, hervorgerufen, beziehungsweise begleitet mit verschiedenen chemischen Zusammensetzungen.“

„Ja?“, kam es noch immer ahnungslos von Jennifer und Carol.

„Was ist, wenn das Ziel des Organismus gar nicht das eigentliche Gehirn ist, sondern die chemischen Stoffe? Enzyme, Endorphine, Hormone, Peptide, Proteine oder verschiedene andere Botenstoffe.“

„Sie meinen dieser Erreger … ernährt sich von einem dieser Stoffe? So was habe ich noch nie gehört“, meinte Dave zweifelnd.

„Ich schon. Na ja mit etwas Ähnlichem hatten wir schon mal zu tun“, erklärte Jennifer

„Die Kristallwesen auf diesem einen Planeten … der hat sich von Angst ernährt, nicht wahr?“, fragte Alexa nach.

„Ja, stimmt. Er hat die Wirte befallen und sie in ihren Träumen mit ihren größten Ängsten konfrontiert. Er hat sich dadurch ernährt.“

„Ein Kristall, der sich von Angst ernährt? Das ist doch verrückt!“, gab Dave zurück.

„Ich weiß, wie das klingt, aber vergessen Sie nicht, wir sind hier in einer anderen Galaxie. Was glauben Sie, was es hier alles gibt, was wir noch nie gesehen haben oder von dem wir glauben, dass es unmöglich ist?“, antwortete Jennifer.

„Und was machen wir jetzt? Wie sollen wir herausfinden, auf was genau dieser Erreger reagiert?“, fragte Patrick, der seine Sorge und Ungeduld immer weniger im Griff hatte.

„Das haben wir schon …“, kam es von Alexa, worauf sie mit irritierten Blicken bedacht wurde. „Die Träume, Erinnerungen, seine Empfindungen.“

„Natürlich! Endorphine! Bestimmte Endorphine sind für bestimmte Träume und Erinnerungen verantwortlich beziehungsweise, sie werden dann vermehrt ausgeschüttet, während andere Endorphine …“

„Für andere Träume und Erinnerungen sorgen“, schloss sich Carol der Hypothese von Elisha an.

„Dann ist das die Lösung? Dann kann er geheilt werden?“, fragte Patrick, der wieder neue Hoffnung schöpfte.

„Es wäre zumindest ein Anfang. Wenn wir einen Einfluss auf die Art seiner Träume und Erinnerungen ausüben könnten … Das würde andere Endorphine auf den Plan rufen, die den Erreger möglicherweise angreifen. Aber ich wüsste nicht, wie man das erreichen könnte. Solche Endorphine künstlich herzustellen, dauert zu lange“, erklärte Jennifer.

„Ich könnte versuchen, die Amplitude etwas zu verändern, sodass sie auf die Erinnerungen einwirken. Ich weiß nicht, ob es funktionieren wird, aber wir versuchen es einfach“, sagte Elisha und machte sich an die Arbeit.

Alexa hingegen machte sich wieder daran, sich auf John zu konzentrieren. Sie versuchte in ihm zu lesen, seine Gefühle zu erspüren, um so ihre Mutter und Doktor Keller zu informieren, sollte es funktionieren. Doch es dauerte nicht lange, bis sie etwas sehr eigenartig verspürte und die sie mehrmals schaudern ließ.

„Was ist mit dir?“ Besorgt trat Tristanius näher an sie heran und musterte sie aufmerksam.

„Ich weiß nicht. Er wehrt sich irgendwie. Er will nicht … ich weiß nicht genau. Ich glaube er wehrt sich gegen … er kämpft gegen das an, was gerade in ihm passiert.“

„Er kämpft gegen den Erreger?“, wollte Patrick wissen, doch Alexa schüttelte mit dem Kopf.

„Nein, er kämpft gegen die Behandlung. Er … will es nicht zulassen. Ich glaube John weiß nicht, was gerade passiert, oder warum. Er versteht es nicht.“

„Mein Gott! Er mauert sogar, wenn er in Koma liegt. Das darf doch nicht wahr sein?“, stöhnte Carol kopfschüttelnd. „John? John, hörst du mich? Wir haben eine Möglichkeit gefunden, dir zu helfen, aber du musst es einfach geschehen lassen, verstehst du?“ Nur kurz sah sie zu Alexa, die im Moment jedoch nichts wahrnehmen konnte. „John, ich weiß, dass es nicht einfach ist. Ich weiß, dass es dir viel abverlangt, aber … du musst mitmachen, hörst du? Dein Leben hängt davon ab!“

Immer wieder sprach Carol zu John, drückte seine Hand und sah zu Alexa, die am Ende doch nur mit dem Kopf schütteln musste.

„Ich glaube, er hört Sie nicht.“

„Es muss doch etwas geben, um ihn …“

Verzweifelt ließ sich Carol wieder auf den Stuhl neben Johns Bett fallen, noch immer seien Hand haltend.

Es war zum verrückt werden. Eine mögliche Therapie war zwar gefunden, doch John hörte sie nicht. Er wusste nicht, auf was dieser Erreger aus war. Er verstand nicht, dass seine Träume und Erinnerungen der Schlüssel für eine Heilung waren. Es gab keine Möglichkeit, es ihn wissen zu lassen, ihn zu überzeugen oder überhaupt mit ihm in Kontakt zu treten. Oder doch?

„Können Sie weiterhin die Impulse auf den entsprechen Bereich in seinem Gehirn leiten, während Alexa versuchen könnte, mit ihm in Verbindung zu treten?“, fragte Carol zunächst an Elisha gewandt, sich dann aber Alexa zuwandte.

„In Verbindung treten? Wie denn?“

„Sie haben von uns allen hier, den meisten Einfluss auf John.“

„Was?“

„Als vor Kurzem Ihre emphatischen Fähigkeiten erwachten und Sie zum ersten Mal in diese Starre fielen, da müssen Sie kurz zuvor eine merkwürdige spirituelle, mentale Verbindung zu ihm aufgenommen haben. Sie haben irgendwie nach ihm gegriffen oder ihn gerufen. Denn zu diesem Zeitpunkt haben wir Sie in der ganzen Stadt gesucht. Wir hatten aber keine Ahnung, wo Sie sich aufhielten, doch John glaubte plötzlich zu wissen, wo sie seien. Er hat Sie irgendwie gespürt. Ich weiß nicht genau, was da vor sich ging, ich verstehe es auch jetzt noch nicht, wie er immer wieder während Ihres … emphatischen Trainings spüren konnte, dass Sie in Schwierigkeiten steckten. Aber irgendetwas ist zwischen euch beiden, dass es vielleicht ermöglichen könnte, mit ihm in Kontakt zu treten und ihm zu sagen, dass er kämpfen soll.“

Carol glaubte ganz sicher, nun eine Möglichkeit gefunden zu haben, John wissen zu lassen, was vor sich ging und was nun nötig war. Sie glaubte aber auch, dass keine großartige Überredungskunst von Nöten sei, um die junge Antikerin um ihre Mithilfe zu bitten. Das Problem lag viel mehr an ihrer beider Unkenntnis.

„Aber ich weiß nicht wie … ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Ich habe es nicht bewusst getan.“

„Das ist mir klar, aber Sie sind die Einzige, die ihn vielleicht erreichen kann. Sie müssen sich konzentrieren und sich daran erinnern, was Sie gedacht oder gefühlt haben, bevor, Sie … ihn … versuchen Sie es. Bitte.“

„Ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Ich …„

„Konzentrieren Sie sich. Blenden Sie alles andere aus. Ich weiß auch nicht. Stellen Sie sich vor, wie Sie ihn vor sich sehen, wie Sie auf ihn zu gehen oder …“

„Stell dir vor, es sei eine Tür, durch die du hindurchgehen musst. Die Tür symbolisiert seinen Verstand. Sein Bewusstsein. Du musst da hineingelangen“, wandte Tristanius ein und zog überraschte Blicke auf sich.

Auch Alexa war für einen kurzen Moment irritiert, doch die Zeit ließ keinen weiteren Gedanken über den plötzlichen Sinneswandel ihres Vaters zu.

„Kommen Sie, setzen Sie sich hier hin, entspannen Sie sich, schließen Sie die Augen und lassen Sie uns anfangen“, bat Carol und führte die junge Frau zum Stuhl neben Johns Bett.

Nach mehrmaligem tiefen ein und ausatmen, einem unsicheren Blick zu ihrem Vater, der ihr daraufhin zögerlich, aber ermutigend zunickte, schloss Alexa die Augen und versuchte ihre Umgebung, mit allen ihren Anwesenden, Geräuschen und Gerüchen, sowie sonstige Sinneseindrücke vollkommen auszublenden.

Kein Gedanke raste mehr durch ihren Kopf. Eine vollkommende Leere hatte sich vor ihrem inneren Auge ausgebreitet, bis … bis sie plötzlich glaubte, etwas zu erkennen.

~~~///~~~

-Eine schwarze nebelähnliche Wand schien sich allmählich zu lüften und ließ den Blick auf eine Mauer, gebaut aus dunkelroten Ziegelsteinen, frei.

Eine Mauer? … Johns Mauer?

Endlos schien sie sich in die Höhe zu erstrecken. Auch den Grund konnte sie nicht erkennen. Es gab nichts, woran man sich hätte halten können, um an ihr hinauf zu klettern. Doch von was hatte ihr Vater gesprochen? Von einer Tür, die sie durchschreiten sollte? Eine Weile ging sie an dieser Mauer entlang, bis sie fand, wonach sie suchte. Hölzern, robust und schwer fand sie das Portal vor. Vor allem aber war es verschlossen. Immer wieder drückte sie sich dagegen, doch sie bewegte sich keinen Millimeter.

„Colonel?“

Ein zunächst zaghaftes Klopfen folgte ihrem Ruf, doch nichts geschah.

„Colonel Sheppard? … Colonel, können Sie mich hören?“

Alexas klopfen wandelte sich nun doch zu einem festeren Schlagen und Hämmern gegen die Tür.

„John? … John, bitte … ich bin es, Alexa! John? … John, hören Sie mich? … John? … John! Bitte lassen Sie mich … ich muss mit Ihnen sprechen! Es ist wichtig! … John?“

Ein kurzes knackendes Geräusch ließ sie glauben, oder vielmehr hoffen, dass das Türschloss entriegelt wurde und ein letzter Versuch folgte, sich gegen die Tür zu drücken, die sich nur schwer öffnen ließ.

Doch das, was sie nun hinter der Tür erblickte, überraschte sie.

Der Gateraum von Atlantis leuchtete unter dem reflektierenden Licht des aktivierten Stargates. Jedoch schien die Einrichtung nur auf diesen Ort begrenzt und zudem noch verwaist zu sein. Dass Johns Bewusstsein sich ausgerechnet durch den Gateraum manifestierte, verwunderte sie etwas.

„John?“, rief sie in den leeren Raum hinein. Kein Echo, keine Antwort.

„John? … John, bitte! … John?“

Sie stieg nur zur Hälfte die große Treppe hinauf. Ein kurzer Blick reichte aus, um zu erkennen, dass auch der Kontrollraum, das Büro und der Konferenzraum verwaist waren.

Das Gate war jedoch noch immer aktiv. Wo es wohl hinführte?

Zögerlich blieb sie davor stehen, überlegend einen Schritt zu wagen, in der Hoffnung, John zu erreichen.

„Alexa?“

Erschrocken fuhr sie herum und erblickte einen verwirrten, beunruhigten und fast furchtsamen John Sheppard, der sie misstrauisch beäugte.

„John …„

„Was ist hier los?“

„Was meinen Sie?“

„Wo bin ich hier?“

„Das wissen Sie nicht? … John … das ist … das hier ist Ihr Unterbewusstsein. Ich habe versucht, mit Ihnen In Verbindung zu treten, um mit Ihnen zu reden.“

„Warum? … Mein Unterbewusstsein? Was soll das? Warum sind wir hier? Was ist passiert?“

„Wissen Sie das denn nicht mehr? … Sie waren vor Kurzem auf einem Planeten und sind von einer Pflanze angegriffen worden. Sie hat Sie mit einem Mikroorganismus infiziert, der sich von einem bestimmten Endorphin ernährt. Wir glauben, dass ihre Träume und Erinnerungen Einfluss auf das Verhalten und das Wachstum des Erregers …„

„Träume? … Soll das heißen, dass ich das alles hier träume?“

Perplex schüttelte Alexa den Kopf, er schien von allem nichts mehr zu wissen und nicht zu verstehen, was vor sich ging.

„John, Sie liegen in Koma. Das hier ist Ihr Unterbewusstsein … und vermutlich auch ein Teil Ihres Bewusstseins. John bitte hören Sie mir zu. Dieser Erreger ernährt sich von Endorphinen, die für positive Gefühle, Erinnerungen und Träume verantwortlich sind. Wir haben noch keine Möglichkeit gefunden, wirklich aktiv dagegen vorzugehen, aber wir glauben, dass Endorphine, die bei schlechten Träumen und schlimmen Erinnerungen ausgeschüttet werden, gegen den Organismus vorgehen.“

Alexa spürte plötzlich, dass sich die Umgebung irgendwie zu verändern schien. Teilweise sah es sogar so aus, als ob John verschwinden würde, als ob die Umgebung verschwinden würde. Das konnte nur bedeuten, dass ihre Verbindung zu John nicht mehr lange halten würde. Irgendetwas geschah mit ihm … oder mit ihr, denn Übelkeit machte sich in ihr breit. Schwindel erfasste sie und ließ sie taumeln.

„Alexa?“

„Hören Sie, Sie müssen sich an weniger schöne Dinge erinnern. Nur so können Sie den Erreger in sich bekämpfen.“

„Aber wie? Ich weiß nicht …“

„Erinnern Sie sich an andere Dinge. Ich … ich kann nicht länger hier bleiben, John. Irgendetwas stimmt nicht. Sie müssen sich an schlechte Dinge erinnern, hören Sie? Sie müssen diesen Erreger bekämpfen. Wir haben sonst keine andere Wahl. Ma unterstützt Sie mit elektrischen Impulsen, die sie in die entsprechende Region Ihres Gehirns leitet, aber Sie müssen mithelfen. Es ist Ihre einzige Chance, John. Bitte … Sie dürfen jetzt nicht aufgeben! John-„

„Alexa? … Alexa!“

Doch sie war verschwunden. Sie hatte sich einfach in Luft aufgelöst. John blieb alleine im Gateraum zurück. –

~~~///~~~

Abrupt öffnete Alexa die Augen, japste nach Luft und fiel fast vom Stuhl, wenn Carol und Tristanius sie nicht festgehalten hätten.

„Alexa? … Hey, alles in Ordnung? … Geht es dir gut?“

Es dauerte eine Weile bis Alexa sich wieder im Griff hatte und ihre Atmung sich langsam normalisierte und Ihre Orientierungslosigkeit sich wieder legte.

„Ich habe … Er versteht nicht, was mit ihm geschieht.“

„Sie haben wirklich mit ihm sprechen können?“, fragte Carol perplex.

„Ich habe ihm gesagt … er wusste nicht mehr, was passiert war. Ich habe es ihm erklärt und ihm gesagt, was er tun muss, aber dann … irgendwas stimmt nicht. Ich konnte nicht mehr dort bleiben, in seinem Verstand. Ich weiß nicht, ob er begriffen hat, was er tun soll.“

„Das werden wir bald sehen. Ich stimuliere weiterhin den Cortex. Wenn er es verstanden hat und mitarbeitet, wirst du es spüren. Das heißt, wenn es dir wieder besser geht“, meinte Elisha und sah noch immer äußerst kritisch zu ihrer Tochter, die langsam von ihrem Stuhl aufstand.

„Ich … Ich brauche nur ein paar Minuten. Ich will nur etwas frische Luft schnappen.“

Doch Alexa kam nicht weiter, als zur Tür, als sie plötzlich stehen blieb, sich an den Türrahmen anlehnte und zu taumeln begann.

„Alexa? … Kleines?“

„Pa … hältst du mich bitte fest? Weil ich nämlich gleich …“

Weiter kam Alexa nicht, denn eine ungeheure Schmerzwelle erfasste ihren Kopf und trieb sie wieder mit einem Schmerzensschrei in die Bewusstlosigkeit.

Der General hatte sie gerade noch auffangen können, sodass sie nicht hart zu Boden fiel.

„Dass sie diese Schmerzen erleidet, habe ich nicht gewollt“, sagte Carol entschuldigend zu Elisha.

„Das ist nicht Ihre Schuld. Alexa hat diese Attacken immer zu. Ich denke nicht, dass ihre Handlung, in den Verstand Ihres Sohnes einzudringen, etwas damit zu tun hat. Machen Sie sich keine Gedanken. Auch wenn ich noch nicht weiß, was der Grund für diese Attacken ist, so weiß ich doch zumindest, dass sie ihr nicht wirklich schaden. Sie wird eine Weile bewusstlos sein, und wenn sie wieder aufwacht, gebe ich ihr das Serum gegen die Schmerzen. Das bringt sie innerhalb von Minuten wieder auf die Beine. Nur bis dahin … wissen wir nicht, ob Alexas Botschaft bei Ihrem Sohn angekommen ist. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, ob er mitarbeitet, was er fühlt oder durchlebt“, erklärte Elisha.

Unisono erklangen die Stimmen von Rodney und Dorian aus dem Hintergrund.

„Ich habe da eine Idee!“

„Wir haben da ein Gerät …“, trällerten Rodney und Dorian gleichzeitig los, was sie erneut zu gegenseitigen überraschten Blicken brachte.

„Sie haben ein Gerät?“, kam es danach fragend von Dorian.

„Klar haben wir. Sie auch?“

„Natürlich haben wir auch …„

„Meine Herren … bitte“, unterbrach Carol das kleine Geplänkel zwischen den Männern.

„Wir haben da ein Gerät, mit dem wir … praktisch Alexas Aufgabe übernehmen könnten. Sie zeigt nicht die Emotionslage einer Person, aber sie ermöglicht Einblicke in die Träume und Erinnerungen“, erklärte Dorian, nachdem Rodney ihm den Vortritt ließ.

„Moment, Moment, soll das etwa heißen, dass Sie damit in die Köpfe der Leute sehen können? Dass man das sieht, was derjenige träumt?“, kam es ungläubig von Rodney und doch lag ein Hauch Erstaunen in seiner Stimme.

„Ja, es wäre etwas kompliziert und es würde mit Sicherheit auch zu lange dauern, diese Technologie und die Funktionsweise genauer zu erklären, aber ja. Man sieht die exakte Wiedergabe einer Erinnerung oder eines Traumes, die gerade im Unterbewusstsein oder Bewusstsein einer Person stattfindet.“

„Das ist ziemlich faszinierend. Auch wir haben ein ähnliches Gerät. Allerdings funktioniert es nur von Person zu Person. Man kann dort Erlebnisse und Erinnerungen speichern und sie in das Bewusstsein von jemand anderen kopieren oder derjenige kann sie auch nur betrachten“, erklärte Daniel, der sich der Unterhaltung anschloss.

„Ja, aber nur Einblick in Johns Gedächtnis und Traumwelt zu erhalten, bringt nicht viel, wenn er nicht gewillt ist, sich an bestimmte Dinge zu erinnern. Was ist, wenn die Stimulierung nicht so funktioniert wie gedacht?“

„Er muss dazu gebracht werden. Das hat Alexa doch versucht“, erwiderte Daniel.

„Ja, aber sie sagte, dass sie nicht sicher sei, dass John auch verstanden hätte, was er tun soll. Er scheint in seiner Traumwelt ziemlich verwirrt zu sein. Möglicherweise ist es dieser Organismus, der wühlt in seinem Hirn ziemlich rum und könnte schon enormen Schaden-“

„Okay, Doktor McKay, Doktor Jackson, Mister Thalis-„

„Dorian”, korrigierte er Carol freundlich.

„Daniel“, schloss dieser sich an und sah mit Dorian und Carol neugierig zu McKay.

„Ähm … äh … oh ja, Rodney natürlich.“

„Schön. Dorian, Daniel, Rodney … wir haben keine Zeit, um lange Diskussionen abzuhalten. Auch wenn ich Ihnen Dreien zu gerne zuhören würde, und über Ihren Intellekt und Einfallsreichtum zu staunen. Aber hier geht es jetzt um das Leben meines Sohnes.“

„Ja richtig … vorhin hatten wir doch kurz das Gespräch über die Kristallwesen, die sich von Angst ernährten, nicht? Tja, damals haben wir unser Gerät genutzt, um in den Traum von jemand anderem zu gelangen, um dieses Wesen wieder loszuwerden. Um genau zu sein … war es … Sheppard, der … mir in meinen Traum geholfen hat. Wie dem auch sei, wir haben das Ding nur ein wenig verändern müssen, sodass wir in den Verstand von jemandem dringen konnten und ich weiß auch noch, wie das geht. Wir müssten es erneut von der Erde fordern und dann könnten wir es eventuell mit Ihrem Gerät verbinden und schon wissen wir, was in Johns Kopf vor sich geht. Es müsste dann nur noch jemand eine kleine Reise in Sheppard’s Unterbewusstsein machen wollen und ihn dazu bringen, sich an das richtige zu erinnern.“

„Ist das wirklich möglich?“

„Er müsste es ihres anfordern und ich muss unseres genauer betrachten. Aber ich denke nicht, dass es da Schwierigkeiten geben könnte“, gab Dorian zurück.

Carols unsicherer Blick glitt zu Jennifer und Elisha, die sich selbst für einen kurzen Moment bedenklich ansahen.

„Es ist wohl die einzige Möglichkeit. Alexa ist ausgefallen und die Zeit drängt“, meinte Jennifer.

„Ja, und zwar so sehr, dass wir noch nicht einmal mehr auf seine Privatsphäre achten können“, gab Carol bedrückt zurück, bevor sie zustimmend nickte.

„Na schön, probieren wir es. Aber sag bitte Deinem Vater Bescheid. Du weißt, dass er … empfindlich reagiert, wenn es um dieses Gerät geht“, bat Elisha und sah eindringlich zu Dorian, der wissend nickte.

„Ich werde mich mit dem SGC in Verbindung setzen und unseres anfordern“, gab Daniel bekannt und machte sich sofort auf den Weg, während Carol sich wieder neben John setzte.

 ~~~///~~~

 

„Pa … Pa, ich muss dich kurz sprechen“, bat Dorian seinen Vater, der noch immer bei Alexa saß und sie kaum aus den Augen ließ.

Seit ihrer Attacke, die sie wie viele Male zuvor in die Bewusstlosigkeit trieb, stand oder saß er an ihrer Seite und wartete darauf, dass sie wieder erwachte.

„Hat das nicht Zeit?“

„Nein. Es geht um Colonel Sheppard. Wir brauchen das Gerät zur Visualisierung seiner Träume und Erinnerungen. Wir brauchen …“

Dorian konnte gar nicht so schnell reagieren, wie Tristanius von seinem Stuhl aufsprang, seinen Sohn am Arm packte und einige Meter weiter führte, um sich ungestört mit ihm zu unterhalten.

„Du hast ihnen von dem Gerät erzählt?“, fragte er eher ungehalten.

„Ja. Na ja, im Sinne von der Problematik um Colonel Sheppard Gesundheitszustand-„

„Hast du ihnen gesagt, wozu es genutzt werden kann? Wozu wir es genutzt haben? Dorian, ich warne dich, wenn du …“

„Ich habe nichts über unseren Gebrauch bei Alexa erzählt, falls du darauf hinaus willst. Ich sagte ihnen lediglich, dass wir dadurch die Möglichkeit hätten, zu kontrollieren, was er träumt und woran er sich erinnert. Doktor McKay teilte mir mit, dass sie ebenfalls im Besitz eines Gerätes seien, dass die Möglichkeit bietet, Erinnerungen aufzuzeichnen und sie einer anderen Personen zugänglich zu machen. Sie haben es vor einiger Zeit genutzt und so verändert, dass es Colonel Sheppard möglich war, in Doktor McKay´s Bewusstsein zu dringen und ein Kristallwesen zu vertreiben, dass von ihm Besitz ergriffen hatte. Hast du diesen Bericht denn noch nicht gelesen? Wie auch immer. Wir wollen versuchen, beide Geräte zusammenzuschließen, um so Einfluss auf Sheppard’s Erinnerung zu erhalten. Es könnte sein Leben retten.“

„Wenn sie doch selbst ein solches Gerät haben, was wollen sie dann mit unserem?“

„Wie ich schon sagte, wir würden sehen, was er sieht … oder in diesem Fall, gesehen hat. Mit ihrem Gerät ist es nur begrenzt möglich. Wenn wir beide Geräte vereinen, müsste sich nur noch jemand damit einverstanden erklären, in Sheppard Verstand einzudringen, da Alexa außer Gefecht gesetzt ist. Wir können vielleicht auch eine Möglichkeit zur Kommunikation einbauen. Auf diese Art können wir an diesen Jemand wichtige Informationen weiterleiten und … na ja, er kann dann Sheppard dadurch … Beine machen.“

„Ich bin nicht gerade begeistert darüber, Dorian.“

„Das kann ich mir denken, Vater. Aber wenn Colonel Sheppard’s Leben gerettet werden soll, dann ist es die einzige Möglichkeit, die noch bleibt.“

Tristanius schwieg nachdenklich, während er zu seiner Tochter sah. Auch Dorian verfiel in Schweigen und wartete mehr oder weniger geduldig auf eine Antwort seines Vaters. Doch irgendwann schien ihm die verstrichene Zeit zu lang zu sein.

„Pa, ich weiß nicht, mit welchen Gedanken du dich beschäftigst, aber ich könnte mir vorstellen, dass Sheppard eine größere … wichtigere Rolle spielt, als du ihm zugestehen willst. Du selbst und Mutter, ihr habt mir erzählt, welchen Einfluss er auf Alexa hat. Was, wenn sie in Zukunft noch öfter diese Aussetzer hat? Kannst du sie zurückholen? Was ist mit dem, was er schon getan hat? Er hat meine Schwester gefunden und nach Hause gebracht, er half ihr bei der Suche nach uns, bei der Befreiung aus ihrer … und meiner Gefangenschaft. Und was ist mit …“ Noch einmal sah sich Dorian prüfend um, nur um sicherzugehen, nicht gehört zu werden. „Was ist mit Kieran? Er ist irgendwo da draußen und bereitet sich auf etwas vor, was jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Wir könnten jede erdenkliche Hilfe brauchen, um ihn los zu werden. Sheppard zu helfen könnte uns eine Möglichkeit, einen Weg ebnen, Alexas Sicherheit zu gewährleisten.“

„Er ist nicht von unserem Volk, Dorian.“

„Er hat unser Gen.“

„Ein einfaches Gen. Nicht mehr.“

„Bist du sicher? Es ist nie untersucht worden. Was daran liegen mag, dass sie von nichts wissen. Sie wissen nicht, wonach sie suchen müssen. Aber das alles spielt keine Rolle mehr, wenn Kieran sich erst einmal zu erkennen gegeben hat. Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber in der kurzen Zeit, in der wir wieder hier sind, sind mir einige Dinge aufgefallen. Diese Menschen mögen vielleicht im Vergleich zu unserer Entwicklung zurückliegen, aber viel fehlt nicht mehr. Sheppard ist intelligent, stark, auch wenn man es ihm nicht ansieht und er scheint Alexa gegenüber einen gewissen Einfluss zu haben. Sein Beschützerinstinkt ist jedenfalls stark, und nachdem von einem mysteriösen Fremden gesprochen wurde, ist er auch erwacht, denn er hat Ronon höchstwahrscheinlich damit beauftragt, Alexa im Auge zu behalten oder warum glaubst du, ist er ständig in ihrer Nähe? … Was, wenn er doch mehr in sich hat, als nur das einfache Gen? Was, wenn du nicht der Letzte bist? … Vor zehntausend Jahren gingen unsere Nachfahren zur Erde. Womöglich war dort noch der eine oder andere Agema unter ihnen. Zugegeben, die Chancen sind gering, aber … die Verbindung zwischen Alexa und ihm ist doch wirklich erstaunlich … So oder so, wir brauchen ihn.“

Zögerlich nickte Tristanius. „Dorian“, rief er ihn noch schnell zurück, da er bereits unterwegs war, „du wirst keine Informationen preisgeben, wozu das Gerät wirklich genutzt wurde. Stell sicher, dass nicht noch irgendwelche … Überreste zu finden sind, bevor ihr euch daran zu schaffen macht und wenn Fragen auftauchen, erzähl ihnen irgendwas. Forschungszwecke oder sonstiges. Alexa hatte jedenfalls nichts damit zu tun. Ist das klar?“

„Ja, völlig klar … Da ist noch etwas. Kürzlich zeigte Alexa mir ein Bild … von Darius …“

Schlagartig erbleichte Tristanius und sah mit einem undefinierbaren Blick zu seinem Sohn.

„Sie wollte wissen, ob ich ihn kenne und wer er sei.“

„Was hast du geantwortet?“

„Nicht viel. Ich sagte, er sei ihr Ausbilder gewesen. Sie wollte mehr wissen. Ich sagte, sie solle sich an dich und Mutter wenden.“

„Hat sie Verdacht geschöpft?“

Dorian sah seinem Vater noch einmal kurz und unsicher in die Augen, bevor er antwortete. „Nicht, was die Wahrheit betrifft. Aber ich denke sie ahnt, dass es wohl mehr als die Beziehung zwischen Ausbilder und Kadett gewesen sein muss. Welcher Kadett hat denn auch schon ein Bild seines Ausbilders in den privaten Sachen?“

„Ich werde mich darum kümmern.“

Dorian nickte einmal zaghaft und machte sich dann im Quartier seiner Eltern auf die Suche nach dem Gerät.

 ~~~///~~~

 

Es hatte nicht einmal eine halbe Stunde gedauert, in der Daniel dem Stargate Center den Grund für die Anforderung des gewünschten Gerätes mitgeteilt hatte und es durch das Stargate geschickt wurde. Nun trug er es geradewegs in Rodneys Labor, wo dieser schon sehnsüchtig darauf gewartet und sich die Aufzeichnungen des letzten Gebrauchs vorgeknöpft hatte.

 „Okay, dann legen Sie mal los. Wo ist Dorian?“, fragte Daniel, der das Gerät direkt vor Rodneys Nase platzierte.

„Sucht noch deren Version des Dings. Hm, ich bin wirklich mal gespannt, ob es was taugt.“

„Ich frage mich eher, wozu sie solche Geräte überhaupt genutzt haben.“

„Wir nutzen unseres zum Training für SG-Teammitglieder. Gelegentlich auch, um den Hintern eines Colonels zu retten.“

„Oder den eines leitenden Wissenschaftlers“, gab Daniel zurück, worauf Rodney ihn mit einem scharfen Blick bedachte.

„Oh bitte. Erinnern Sie mich nicht daran.“

 ~~~///~~~

Dorian hatte nicht lange nach dem Visualisierungsgerät suchen müssen, doch das Überprüfen von möglichen Überresten aus den vorangegangenen `Sitzungen´ dauerten doch etwas länger als erwartet. Schließlich wollte er ganz sicher gehen, dass nicht irgendwelche Probleme auftauchen würden oder gar einiges ans Tageslicht kam, was sein Vater offenbar gerne geheim halten wollte. Warum auch immer. Er verstand es selbst nicht so recht.

Natürlich wusste er, dass sein Vater ein sehr vorsichtiger Mann war, aber sein Verhalten in der letzten Zeit glich schon eher Misstrauen. Dennoch war er sich sicher, dass sich seine Gedanken fieberhaft um Alexa, ihre Sicherheit und das Problem `Kieran´ drehten. Er wusste auch, dass er alles Erdenkliche in Betracht zog, alles nur menschenmögliche unternehmen würde, um sie zu beschützen und die Gefahr aus der Welt zu räumen.

Warum nur misstraute er diesen Menschen? Hatte er wirklich so wenig vertrauen, oder war es gar Scham?

War es wegen dem, was bereits passiert war? Ihn traf doch nicht die Schuld daran. Seit Tausenden von Jahren ging man nicht mehr von einer Gefahr aus, auch wenn doch noch immer ständig und vor allem im strenggeheimen, Agema´s ausgebildet worden waren. Nur sein Vater und dessen bester Freund Marsilius sollten endgültig die Letzten gewesen sein. Auf das Blut der Nachkommen kam es nicht mehr an.

Das Kieran so weit in die Vergangenheit recherchieren würde, und dass er doch tatsächlich fündig geworden war, hatte wirklich niemand ahnen können. Und noch weniger, dass er so weit ging.

Sollte man es nun als gut oder schlecht bewerten, dass sein Vater über Kieran´s Recherchen von seinen engsten Vertrauten im Geheimdienst informiert wurde, sodass er einen weiteren Agema zur Unterstützung rufen konnte?

Als gut galt es, dass er überhaupt an Unterstützung dachte und sie auch nutzen wollte. Er erkannte wohl rechtzeitig die Gefahr und forderte Hilfe an. Etwas, was er auch jetzt besser tun sollte, anstatt dessen …

Schlecht war nur, dass Darius, die angeforderte Hilfe, keine spezielle Ausbildung zum Agema vollzogen hatte. Wie sollte er auch? Er gehörte zur jüngeren Generation, deren Blut nicht mehr entscheidend war und somit wurde er nie über seine Herkunft, seine Aufgabe und sein Schicksal informiert. Bis der General ihn zu sich beordert hatte. Er hatte ihn über seine Aufgabe aufgeklärt und ihm das Leben seiner Tochter anvertraut, dieser jedoch den wahren Grund für einen neuen Kollegen verheimlicht.

Ja, er hatte sogar ihm, seinem Sohn die Wahrheit offenbart. Alexa aber nicht. Warum?

Um sie nicht zu ängstigen? Um sie zu schützen?

Es hatte eine Weile gedauert, bis Alexa sich an ihn gewöhnt hatte, umso schwerer war es dafür aber für Darius. Je mehr er sich in sie verliebte hatte, desto schwerer fiel es ihm, zu schweigen.

War es jetzt das Schweigen oder die Liebe, die ihn das Leben kostete?

Natürlich war es im Grunde Kieran´s Hand, die die tödliche Waffe führte, aber Dorian glaubte immer, dass es seine Liebe und Sorge um Alexa war, die ihn nicht klar denken ließ und ihn geradewegs und voller Zorn in die Klinge trieb. Genauso wie sein Tod, der alles offenbarte und sich Alexa dazu entscheiden ließ, Rache zu üben und sich auf diese Jagd einzulassen.

Dorian konnte nicht verhindern, dass sich erneut einige der schrecklichsten Bilder in seinem Kopf zurückmeldeten. Mit Tränen verschleierten Blick fand er noch einen kleinen Datenkristall, auf dem er nach einer kurzen Überprüfung doch tatsächlich einige Erinnerungsfetzen fand. Ausgerechnet die, an der er sich gerade erinnerte. Oder besser gesagt, waren es die Erinnerungen seiner Schwester. Bilder, die sie während ihrer Suche und ihres Rachedurstes gesehen hatte. Durch die Prozedur, die mit diesem Gerät bei ihr durchgeführt wurde, hatte auch er zwangsläufig einiges zu sehen bekommen.

Zerstörung, Schlachtfelder, Angst und Schrecken, Mord und Totschlag, Folter und Qualen, dutzende von Toten und Verletzten, kranke und sterbende Menschen, die verzweifelt nach Hilfe riefen. Kinder die nach ihren Eltern riefen, die aber niemals wieder kamen. Ganze Welten, ganze Zivilisationen, vernichtet und ausgestorben wegen dem den Wahn eines einzelnen.

Einem Wahn, indem seine Schwester eine Rolle spielte.

Voller Wut warf er den Kristall in die nächstbeste Ecke und wurde doch etwas enttäuscht, als er nicht in dutzend Teile zersprang. Mit einem Stöhnen und einem Kopfschütteln ließ sich Dorian nach hinten fallen und registrierte sofort den kalten Boden, auf dem er bis jetzt gesessen hatte. Nur für wenige Minuten schloss er die Augen, atmete ruhig ein und aus und bemühte sich, seine Emotionen wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Er war noch niemals ein Mann, der sich so schnell und einfach den niederen Empfindungen hingab. Nur bei Kieran, nur bei diesem einen Thema, bei nur einem einzigen Gedanken an diese Vergangenheit, schien er leicht und schnell die Kontrolle zu verlieren. Wie würde es wohl diesmal laufen? Würde Vater jetzt wirklich einen Weg finden, Kieran loszuwerden? Würde er wieder nach Hilfe bitten? Wann würde er endlich ehrlich sein und reden?

Je mehr Dorian darüber nachdachte, desto mehr war er davon überzeugt, dass es ihn und seine Mutter eine Menge Arbeit kosten würde, ihn davon zu überzeugen, sich diesen Menschen anzuvertrauen. Auch wenn sie nicht von ihrem Volk waren, wenn niemand von ihnen ein Agema war und noch nicht einmal wussten, was dies bedeutete, so konnten sie ihre Kräfte und ihr Wissen doch vereinen und diesen Verrückten ein für alle Mal loswerden. Mehr als zehntausend Jahre Angst und Schrecken … nein, es musste ein Ende haben.

Dorian stand wieder vom Boden auf, packte die restlichen Sachen, die er während seiner Suche im Quartier verteilt hatte, wieder ein und nahm den weggeworfenen Kristall wieder an sich. Dann würde er dieses letzte Überbleibsel eben seinem Vater überreichen, wenn sie schon nicht zersplittern wollte. Er würde ihn entweder vernichten, oder ihn, wie den Hauptkristall, der wirklich alle Erinnerungen seiner Schwester enthielt, ebenfalls verstecken und ihn strengstens hüten. Dann schnappte er sich das Gerät und machte sich auf den Weg zu den Laboren.

~~~///~~~

„Da sind Sie ja. Sie haben aber lange gebraucht“, kommentierte Rodney.

„Wenn Sie sich durch die gesamte Habe Ihrer ganzen Familie wühlen müssten, würden Sie auch Zeit brauchen. Lassen Sie uns anfangen“, entgegnete Dorian und machte sich daran, das Gerät der Erde genauer zu betrachten.

„Das ist keine Erdentechnologie, oder?“

„Nein. SG-1, in dem unser geschätzter Daniel hier Mitglied ist, hat es vor einigen Jahren auf einem ihrer Reisen zu einem anderen Planeten in der Milchstraße entdeckt.“

„Das Volk auf diesem Planeten wollte es sich zur Aufgabe machen, die Erfahrungen und Kenntnisse effizient an ihre Nachfahren weiter geben zu wollen. Das ist dabei herausgekommen. Später allerdings stellte sich heraus, dass es zu militärischen Zwecken dienen sollte“, schloss sich Daniel der Unterhaltung an.

„Und wozu nutzen Sie es nun?“

„Im Grunde ist unser Verwendungszweck fast identisch. Wir dachten an eine Nutzung zum Training der SG-Teams. Hin und wieder aber dient es auch zur Rettung für … besessene leitende Wissenschaftler.“

Rodney verdrehte auf die erneute Anspielung seitens Daniels die Augen und stöhnte auf.

„Können wir vielleicht die Besessenheit beiseiteschieben und uns hierauf konzentrieren? Soweit ich weiß, sieht es nicht gut aus, was Johns Zustand angeht … also, müssen Sie unbedingt hier sein?“, fragte er gereizt, was Daniel nur schwer ein Grinsen unterdrücken ließ.

„Ich muss nicht.“

Eine Weile starrten sich die beiden unentwegt an, doch als Rodney klar wurde, dass Daniel wohl nicht so schnell verschwinden würde, wandte er sich wieder an Dorian.

„Ich habe hier einen Computer für Sie vorbereitet. Ich zeige Ihnen, wie sie ihr Gerät daran anschließen und die nötigen Programme …“

Dorian hörte schon nicht mehr richtig zu, als er bereits das Visualisierungsgerät angeschlossen und ein Diagnoseprogramm laufen ließ.

„… aufrufen können“, beendete Rodney stutzig und erntete kurz darauf einen wartenden Blick von Dorian.

„Doktor McKay … ich bin so weit.“

„Ja … ja, schön. Dann lassen Sie uns anfangen.“

Einige Minuten vergingen, in den die beiden sich immer mehr in Ihre Arbeit vertieften. Somit wurde es Daniel zu langweilig. Technische Dinge waren nicht wirklich sein Steckenpferd, also entschied er sich, die beiden in Ruhe weiterarbeiten zu lassen.

„Ich werde zur Krankenstation zurückgehen, vielleicht bin ich da nützlicher. Vielleicht wäre es auch nicht schlecht, wenn ich denen da eine Zeit nennen kann, wie lange das hier dauern könnte.“

„Eine Stunde“, kam es von Rodney, während Dorian eine ganz andere Zeit im Kopf hatte.

„Eine halbe Stunde.“

„Ich entscheide mich einfach mal für die goldene Mitte und sage denen eine Dreiviertel Stunde. Sollte es schneller gehen, umso besser.“

Und somit machte sich Daniel schnell und leise davon.

„Wozu haben Sie eigentlich dieses Gerät benutzt?“, wollte Rodney wissen. Schon eine ganze Weile brannte ihm diese Frage auf der Seele. So wie viele andere auch.

„Forschungszwecke“, lautete die knappe Antwort des Antiker´s. Genau, wie sein Vater es verlangte.

Bisher hatte er gehofft, dass die Neugier der Menschen sich im Zaum halten würde, doch allmählich konnte er sich denken, dass er damit bei Rodney an der falschen Adresse sein würde.

Verdenken konnte er es ihnen natürlich nicht. Immerhin sah er die Menschen als ihre Nachfahren an, auch wenn sein Vater anderer Meinung war. Doch das bedeutete auch, dass sie die Neugier und den Wissensdurst wohl geerbt haben mussten.

Still und heimlich hoffte Dorian, dass vielleicht der eine oder andere von ihnen, vielleicht sogar John Sheppard noch mehr geerbt haben könnte.

„Und welche Forschungszecke?“

„Verschiedene. Es hat uns interessiert, was es mit Erinnerungen und Träume auf sich hat. Wo sie her kommen, wie sie entstehen, warum sie entstehen-„

„Das haben sie, ich meine ihr Volk, noch nicht herausfinden können? Ich habe den Eindruck, dass wir, was das angeht, weiter sind, als sie. Sicher bin ich mir nicht, aber …“

„Hm.“

„Hm? Wie meinen Sie das? Was meinen Sie mit Hm?“, fragte Rodney irritiert.

„Mit `Hm´ meine ich, dass ich etwas gefunden habe, was uns und dem … sagen wir, Besucher des Unterbewusstseins, einen bestimmten Blick auf die Dinge verschafft.“

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Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis.
Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

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