Weihnachts-Post oder warum Daniel Jackson in Damen-Unterwäsche wühlte

Unbenannt-1

Serie: Alexa Saga
Series Order: 09
Genre: Humor, Action, Friendship,
Rating: R-16
Charaktere: Multi-Charakter aus SGA und SG-1, OC
Anmerkung/Wichtig: Als Antwort für meine de_bingo Weihnachts-Karte für den/das Prompt: `Weihnachtspost´

Kurzinhalt: Wie `Victorias Geheimnis´ bei Alexas Problem half …
Alexa braucht Informationen und Daniel soll sie liefen. Dumm nur, dass Alexas Vater, General Thalis, seine Nase überall hat und das General Landry vom Stargate Center kein bisschen besser ist. Da ist Einfallsreichtum gefragt!

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Erde, Cheyenne Mountain – Stargate-Center, an einem Freitag vor dem 4. Advent

-Diese Frau! Wenn das lantianischer Einfallsreichtum ist, will ich verdammt sein!-“, dachte sich Daniel, als er vor der bergigen Lieferung stand.

Beinahe täglich wurden Einkäufe getätigt und es kamen Lieferungen von Bestellungen an, die für die Mitglieder der Atlantis-Expedition bestimmt waren. Dank der vielen Logistik- und Versorgungsoffiziere im Stargate-Center mussten diese Waren nur kurz auf ihren Weitertransport zur Stadt der Vorfahren warten.

Daniel hatte im Grunde damit auch nichts zu tun, es sei denn, er hatte den Auftrag, einer jungen Antikerin unbemerkt Informationen zukommen zu lassen. Informationen, die auch ihr Vater kannte, aber offenbar nicht preisgeben, Alexa aber immens wichtig erschien und unbedingt erfahren wollte. Es war irgendwie verwirrend und verrückt, denn der Archäologe und die Antikerin haben sich etwas einfallen lassen müssen, diese Informationen unentdeckt an ihrem Vater vorbei zu schmuggeln. Und das sollte wirklich nicht einfach sein, denn General Thalis schien überall und sehr neugierig zu sein. Abgesehen von Alexas Wunsch, einige der irdischen Sprachen zu lernen und Daniel als ihren Mentor einzusetzen, hätte es ganz einfach sein können.

Die Informationen sollten mit dem wöchentlichen Datenstrom zwischen Atlantis und der Erde hin und her fließen, doch Tristanius war von der Idee seiner Tochter einige Sprachen zu lernen ganz begeistert und so steckte er immer wieder selbst einmal seine Nase in vereinzelte Wörterbücher und ihre Arbeiten und sogenannten Hausaufgaben. Im Nu hatte Daniel nun zwei Schüler und die Chance auf eine reibungslose und unentdeckte, verschwörerische Kommunikation war dahin. Eine neue Idee musste her und Alexa hatte sie.

Sehr zu Daniels Leidwesen, denn wenn er nur schon an die Blicke dachte, die ihm der junge Sergeant zuwarf, als er nach einer ganz bestimmten Lieferung fragte und darauf bestand, gerade diese eine Kiste mit diesem speziellen Inhalt kurzzeitig zu entwenden, wurde ihm ganz mulmig. Und was erst geschehen würde, wenn dieser Sergeant anfinge zu reden und es die Runde auf dem Stützpunkt machte … für Vala wäre es ein gefundenes Fressen. War diese Frau doch ohnehin ganz interessiert an ihm und versessen, ihn in eine Beziehung mit ihr und somit auch ins Bett zu bekommen. Doch wenn erst seine Kollegen und Freunde davon Wind bekamen … Ganz zu schweigen von General Landry …

Schnell schüttelte Daniel den Gedanken daran ab, schloss die Tür zu seinem Büro und machte sich daran, den Inhalt der einzelnen Verpackungen auszubreiten.

Tatsächlich dauerte es auch keine fünf Minuten, bis Daniel mit dem Corpus Delicti in seinen Händen von General Landry überrascht wurde. Der Mann hatte die Angewohnheit, sein Eintreten so zeitnah an das klopfen an der Türe zu setzen, dass ein `Herein´ vollkommen unnötig oder zumeist erst gar nicht wahrgenommen wurde. So starrte Daniel nun vollkommen überrascht und wie gelähmt in das nicht minder erschütternde und bestürzte Gesicht des Stützpunktkommandanten.

„Doktor Jackson?“

„General! Ähm … es ist nicht das, wonach es aussieht!“

„Darauf wette ich. Aber bevor ich Ihnen mitteile, wonach es in meinen Augen aussieht, möchte ich Ihnen doch die Möglichkeit geben, mir eine logische und leicht verständliche Erklärung zu geben.“

„Äh … ähm …“

Daniels Hirn arbeitete auf Hochtouren. Wie sollte er anfangen? Wo sollte er überhaupt anfangen? Was sollte er sagen? Natürlich sollte es die Wahrheit sein, denn auch Landry wusste von Alexas Wunsch, hinter das Geheimnis ihres Vaters zu kommen. Aber wie sollte er sie halbwegs plausibel rüberbringen, ohne gleich als krank oder als ein Lustmolch dargestellt zu werden?

-Schlimmer kann es wohl nicht mehr kommen-, dachte sich Daniel, als er fieberhaft nach den richtigen Worten suchte und den zarten Stoff, der gerade zum heiklen Beweismaterial wurde, zur Seite legte. Aber er irrte, als gleich darauf eine gut gelaunte Vala ins Büro stolzierte und mit funkelnden Augen auf den Warenberg starrte. -Oh verdammt!-

„Oh Daniel! Mein Schatz! Ich wusste es doch! Aber du hättest mir nicht so ein süßes Geschenk machen sollen. Wenn wir es miteinander treiben, wäre sie nur im Weg und-“

„Vala! … Das ist nicht für dich und wir werden es ganz bestimmt auch nicht miteinander … treiben und es ist wirklich ganz einfach zu erklären!“

„Und ich bin immer noch ganz Ohr, Doktor Jackson“, entfuhr es dem ungeduldigen General, dem sich eine nicht minder neugierige, aber wirklich diabolisch grinsende Vala anschloss.

„Also, wissen Sie, General … das war so … vor vier Wochen …“, begann Daniel und lieferte dem General eine Erklärung, die er beim besten Willen nicht erwartet hatte.

An einem Freitag vor dem 1. Advent

Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu, als Samantha Carter, Carolyn Lam, Vala, Alexa und Elisha Thalis durch die Gänge des Stargate-Centers eilten.

Das wäre an für sich nichts Besonderes, würden sie nicht Zivilkleidung und unzählige Tüten und Taschen tragen. Aber auch das war noch lange nicht so ungewöhnlich, als die Tatsache, von einem nicht minder bepackten John und Dave Sheppard, Daniel Jackson, Cameron Mitchell und Teal´c begleitet zu werden. Und als würde das noch nicht reichen, kämpften sich drei weitere Soldaten mit Taschen, Tüten, Kartons und Boxen stöhnend, ächzend, keuchend und stolpernd beinahe im Blindflug durch die Flure.

Die Shoppingtour quer durch New York und Los Angeles schien für die fünf Frauen ein voller Erfolg gewesen zu sein, während die Herren der Schöpfung nur noch an Flucht oder Erlösung dachten. Die Idee, die fünf zu begleiten, kam nicht von ungefähr, stellte sich aber als die größte Fehlentscheidung des Jahres heraus. Zumal es zu dieser Jahreszeit kurz vor den Feiertagen in den Städten und Geschäften kaum noch ein Durchkommen gab. Und dennoch gingen sie mit, harrten aus, zeigten Geduld und Geschmack, der allerdings in den seltensten Fällen geteilt wurde, und gaben sich als die perfekten Gentlemen, die Türen öffneten, die Taschen trugen und zu Kaffee und einem Essen einluden.

Aus Solidarität begleiteten Daniel, Cameron und Teal´c die beiden Sheppard Sprösslinge John und Dave, denn ersterer hatte im Gegenzug zu seinen Leidensgenossen keine Wahl. General Thalis bestand darauf, dass seine Tochter Alexa und seine Frau Elisha nicht alleine und nicht nur in der Gesellschaft von Sam, Vala und Carolyn durch die Straßen irrten. So hatte John nicht lange bitten müssen, ahnte aber bereits im Vorfeld zu was sich diese Shoppingtour entwickeln würde – warnte allerdings niemanden.

Das Vala bereits ein Profi im Kreditkarten verschwinden und glühen lassen war, war ihm bereits zu Ohren gekommen, als Daniel ihn vorwarnte und ihn bat, Portemonnaie und andere Zahlungsmittel und Wertgegenstände zu sichern. Und trotzdem war es wieder einmal Daniel, dem während der Shoppingtour das plötzliche Verschwinden seiner Kreditkarte auffiel und sie tatsächlich kurze Zeit später -natürlich durch Vala- über den Ladentisch einer sündhaft teuren Schuhboutique wandern sah.

Ihr wieder einmal die Leviten zu lesen und eine Szene zu machen, stellte sich als vollkommen sinnlos heraus, denn Daniel wurde mitten im Satz stehen gelassen, als Vala das nächste Schnäppchen entdeckte. Sofort wurde den Freundinnen davon berichtet und schon machten sich fünf vor Verzückung schnatternde und quietschende Frauen auf zur nächsten Schnäppchenjagd und ließen die fünf gepeinigten und verzweifelten Männer einfach stehen.

Aber auch Colonel Steven Caldwell auf der Deadalus bekam sein Fett weg- ging es den fünf Frauen doch nicht schnell genug, als es um das Beamen aus einem New Yorker Hotelzimmer in ein Hotelzimmer in Los Angeles ging. Ganz zu schweigen, dass der Raumschiffkommandant beim besten Willen nicht verstand, warum er einen mittelgroßen Lagerraum freigeben und die Ausbeute der ersten Shoppingtour darin verstauen lassen sollte. Der Blick, den er der Gruppe zuwarf, als man ihn darüber informierte, dass noch lange nicht alle Einkäufe getätigt seien, war unbeschreiblich.

Erst ein chorgleiches „Um Himmels Willen, Colonel! Tun Sie es bitte einfach!“ von John, Cameron und Daniel stimmte Steven gnädig und er bat Marks sogleich, die Gruppe so schnell als möglich wieder in das nächste Hotelzimmer zu beamen.

Mit unerschöpflichem Elan und beispielloser Zielstrebigkeit stürmten die Damen gleich aus dem Hotel in Richtung Rodeo Drive. Der Wahnsinns-Weihnachtsshopping-Marathon wurde fortgesetzt und nun, nach endlos scheinenden Stunden, hatte man endlich Erbarmen und ein Ende gefunden. Hoffte man(n) zumindest.

Schnatternd, kichernd und glücklich grinsend, betraten die Damen den großen Gruppenraum und ließen sich sogleich auf die große Couch fallen, während die zu Taschenträger degradierten Männer nicht nachkamen, den neuesten Shoppingexpertinnen ihre Beute auszuhändigen. Auch die letzten `tragenden´ Soldaten fanden endlich den Weg in den Raum, doch die unabsichtliche Slapstick Nummer startete erst, als einer von ihnen über fallen gelassene Tüten und Boxen stolperte und der Länge nach, alle viere von sich streckend auf dem Boden landete. Der zweite Sergeant ließ nicht lange auf sich warten, als er aufgrund eingeschränkter Sicht durch zu hochgestapelte Kartons über die Beine des ersten Sergeants stolperte und die Kartons in weitem Bogen quer durch die Lüfte flogen. Das Chaos war perfekt.

Kopfschüttelnd und meckernd machten sich die Damen daran, die Kartons und den zerstreuten Inhalt wieder aufzusammeln und zu sortieren, während die beiden geschundenen Sergeants stöhnend und ächzend wieder auf die Beine kamen und mit dem dritten im Bunde schnellstens das Weite suchten. Kopfschüttelnd und krampfhaft das lachend verkneifend, beobachteten die Männer das Geschehen und dachten sich ihres. Es war die Stimme General Landrys, die John, Cameron, Sam und Alexa aufspringen und Haltung annehmen ließ.

„Was um alles in der Welt …“

Schnell entließ der General die vier aus ihrer Haltung und beobachtete ungläubig, wie die Damen sich wieder des Sortierens, des Bewunderns und der munteren Diskussionen widmeten.

Es war eine Sache eine ganze Handvoll Männer im Schlepptau zu haben, wenn man gerade dabei war, schöne und bequeme Unterwäsche auszusuchen und zu kaufen. Ihre fünf Begleiter hatten zwar ein gewisses Glitzern und Funkeln in den Augen, kaum dass sie durch die Läden der weltberühmten Dessous- und Damenunterwäschemarke liefen, für die sogar die schönsten und berühmtesten Models alljährlich über den Laufsteg flanierten. Aber sie verhielten sich wirklich Gentlemen-like und zurückhaltend, als es um das geduldige Ausharren während des Anprobierens ging. Auch jetzt steckten die Herren lieber ihre Nasen in ihren Kaffee oder Tee, nahmen sich eine Zeitschrift zur Hand oder erledigten geschäftliche Korrespondenz über Handy und anderes, um nicht auf die unabsichtliche chaotisch präsentierte Unterwäsche zu starren.

„Das Shoppen wurde erfolgreich abgeschlossen, Sir“, meinte Cameron, der sich wieder erschöpft auf seinem Stuhl niederließ.

„Von wegen erfolgreich. Und von wegen abgeschlossen! In wie vielen Läden waren wir, wo mindestens einer von uns nicht das bekommen hat, was er wollte, oder was man von einem gut sortierten Geschäft erwarten kann? Und warum werben sie mit einem Produkt bis zur höchsten nervlichen Belastungsgrenze und haben dann nicht auseichend auf Lager, wenn man mal Zeit findet, es zu kaufen? Du hast von Shopping ja keine Ahnung, Mitchell, Darling“, wandte Vala ein, die gerade Alexa half, ihre zerstreute Wäsche einzusammeln und zu sortieren.

„Ja, wenn ich nur daran denke, dass ich mich so auf den Pyjama, das Negligé und den Bikini gefreut habe und dann … `tut mir leid, aber das Negligé führen wir nicht in dieser Farbe … tut mir leid, aber der Pyjama ist ausverkauft … tut mir leid, wir haben den Bikini in ihrer Größe nicht mehr. Aber er steht auf der Liste der Nachlieferungen´“, äffte Alexa frustriert die Verkäuferinnen der berühmten Dessous-Läden nach. „Und das in vier Läden!“

„Bikini?“, platzte es lachend aus Dorian, der mit seinem Vater den Raum betrat. „Was willst du denn mit einem Bikini?“

„Anziehen … und schwimmen!“, erwiderte Alexa gereizt.

„Und was willst du damit?“, fragte er weiter, als er sich bückte, einen Spitzen-BH aufhob und mit großen Augen musterte. „Wen willst du denn damit verrückt machen? … Oder jemanden umbringen?“,

„Das geht dich überhaupt nichts an!“ gab sie zurück und entriss ihrem Bruder die Unterwäsche. Doch dieser gab sich so schnell nicht geschlagen und griff nach dem nächsten Hauch von nichts. Seine Schwester zu necken und zu ärgern schien sein Lebensinhalt zu sein.

„Warum trägst du so etwas?“

„Weil ich es kann!“, entfuhr es ihr gereizt und schnappte abermals nach ihrer Wäsche.

„Für so etwas bezahlt man Geld?“, fragte Tristanius ungläubig und beobachtete, wie Alexa und auch Elisha die hauchdünne Unterwäsche, die wohl mehr zeigen als verdecken würde, wieder in ihre Verpackung steckten.

„In der Tat. Und für andere Dinge … viele andere Dinge“, meinte Teal´c, der mit seiner typisch hochgezogenen Augenbraue über das Chaos blickte.

„Es gibt sogar Frauen, die Millionenbeträge kassieren, nur damit sie in solcher Wäsche über den Laufsteg laufen und von Millionen von Zuschauern betrachtet werden. Die meisten dieser Zuschauer sind allerdings wohl männlich und gaffen nur“, erklärte Dorian und zog perplex dreinschauende Blicke auf sich. „Das habe ich gerade in diesem Fernseh-Ding gesehen. Ich habe allerdings nicht gegafft. Obwohl es angeblich ein Evolutionsding bei den Männern sein soll und ich es schon interessant fand und … die Frauen waren auch sehr schön und ich finde … ich sollte besser den Mund halten“, fuhr Dorian fot und schwieg dann, als ihm der etwas entrüstete und mahnende Gesichtsausdruck seines Vaters auffiel.

„Ja, halte besser den Mund. Wir wissen ohnehin, dass du so ganz und gar nicht in den Plan der Evolution passt“, gab Alexa spitz zurück und erntete leises aber zustimmendes lachen und prusten.

Sogar Tristanius musste sich kurzzeitig auf die Zunge beißen, bevor seine Sorge wieder überhand nahm. „Ich hoffe doch stark, dass du dich nicht in dieser … in diesem Nichts der Öffentlichkeit Preis gibst.“

„Natürlich nicht, Pa! Ich habe mir auch andere Dinge gekauft. Ein paar Jeans und Pullover und Tops und Schuhe und alles, was Frau so braucht, wenn sie zivil tragen will. Außerdem habe ich auch noch ein paar Geschenke für dich und Ma, und wenn der da endlich meine Unterwäsche zufriedenlässt, bekommt er vielleicht auch was“, antwortet Alexa und sah mit scharfem Blick zu ihrem Bruder.

„Dorian! Lass die Finger von der Unterwäsche deiner Schwester!“

„Wieso liegt hier alles so verstreut herum? Konnten Sie nicht abwarten, bis sie in ihren privaten Gemächern sind, bevor sie hier ihre-„

„Das solltest du besser deine Sergeants fragen, die uns helfen sollten, unsere Sache hier hereinzutragen“, erklärte Carolyn ihrem Vater Hank Landry, seines Zeichens, Kommandant des Stargate-Centers. „Stattdessen waren die drei nicht einmal in der Lage gerade auszugehen, ohne über ihre eigenen Füße zu stolpern“. Inspizierend widmete sich die Ärztin wieder mehreren Tüten und sorgte dafür, dass sie wieder zu dem richtigen Eigentümer kamen.

Voller Unverständnis schüttelten die beiden Generäle den Kopf, bevor Landry an den nächsten Punkt der Tagesordnung erinnerte.

„Na schön. Sie sollten dieses Chaos schnellstens beseitigen. Aufgrund der Besuche der Familie Thalis und Sheppard habe ich ein Abendessen für beide Familien und meine ranghöchsten Offiziere arrangieren lassen, dass in etwa einer halben Stunde serviert wird.“

Es war faszinierend zu beobachten, wie schnell, und das trotz penibler Gründlichkeit und beinahe ansteckendem Enthusiasmus, Ordnung in das Chaos gebracht wurde. Im Nu hatten sämtliche Tüten, Taschen, Boxen und Kartons wieder ihren Inhalt als auch ihren Besitzer sowie einen neuen vorübergehenden Aufenthaltsort gefunden.

Auch frisch machen und umziehen konnte man sich gerade noch, bevor man sich nun an der großen Dinnertafel wiederfand. Die Köche, die sonst nur für das Essen der Stützpunktkantine verantwortlich waren, hatten sich diesmal selbst übertroffen und servierten ein leckeres mehrgängiges Menü. Es war so lecker, dass sogar Alexa während des Essens immer wieder auf den Teller ihres Vaters neben sich schielte, was diesem nicht entging –kannte er doch seine Tochter und wusste, was nun käme.

Sie mochte das Fleisch zwar nicht, dafür aber überbackenen Käse und da Tristanius Käse nicht ausstehen konnte, wollte man sich des munteren Tauschgeschäfts bedienen, wenn man sich in Sicherheit wähnte und glaubte, nicht beobachtet zu werden. Schnell schob er seinen Teller näher zu seiner Tochter, ließ diese den Austausch von Käse und Fleisch vornehmen und tat danach, als sei nichts gewesen. Alexas bittenden und unwiderstehlichen Blicken konnte Tristanius schon von ihren Kindesbeinen an nichts entgegensetzen und so galt es nach jeder angenehmen und spaßigen Verschwörung ein kleines, liebevolles grinsen zwischen Vater und Tochter auszutauschen. Dass John die beiden jedoch bei ihrer `delikaten Transaktion´ schweigend und lächelnd beobachtet hatte, entging den beiden.

Das Essen war trotz angeregter Unterhaltung über die vergangenen Stunden und die vielen Eindrücke und Erlebnisse der Antiker Familie auf der Erde im Nu vorbei und so zogen sich die Herren der Schöpfung zu Cognac und Zigarren zurück, während die Damen eine dritte Shoppingtour in der virtuellen Welt des Internets einleiteten. Sehr zu Carols Vergnügen, war es für sie im Moment doch die einzige Möglichkeit, mithilfe der Kreditkarten und Bankverbindungen ihrer beiden Söhne unbehelligt ihre Besorgungen und Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Sie hoffte inständig, dass die Deklassifizierung des Stargate-Programs ihr dazu verhelfen würde, wieder unter Menschen in der Öffentlichkeit weilen zu können und nicht mehr für tot gehalten zu werden. An die Fragen und das Interesse an ihrer wundersamen Wiederauferstehung wollte sie lieber nicht denken.

Auch Alexa stöberte ein wenig in Internetshops, was sie am Ende jedoch noch frustrierter werden ließ. Auch dort schien der ersehnte Bikini und Pyjama, als auch das Negligé ausverkauft zu sein oder standen auf Nachlieferung. Unfähig, sofort eine Entscheidung über trotzdem bestellen oder nicht bestellen zu treffen, schlenderte sie eine Stunde später zu Daniel Jackson, der in seinem Büro noch einige Berichte über untersuchte Artefakte studierte.

„Hey!“

„Hey! Na, wie läuft die Internet-Shopping-Tour? Gibt es schon Stau auf der virtuellen Datenautobahn?”, fragte Daniel amüsiert, doch Alexa war noch immer etwas unsicher, wenn es um irdische Floskeln und Humor ging.

„Stau auf der Autobahn? Wir haben den Stützpunkt nicht verlassen. Wir sind nur ein paar Räume nebenan und-“

„Ah nein, das war nur ein Scherz. Ich meinte … Haben Sie denn im Internet alles gefunden, was sie in den Läden … den unzähligen Läden nicht gefunden haben?“

Alexa musste schmunzeln, als sie den noch immer leicht verzweifelten, hauptsächlich aber erschöpften Gesichtsausdruck des Archäologen sah, der sich offenbar mit leichtem Grauen an den zuneige gehenden Tag erinnerte.

„Gefunden ja, aber auch dort scheinen die Dinge sehr begehrt zu sein. Es war irgendwie merkwürdig, aber auch tröstlich zu sehen, dass mein Geschmack in Sachen Kleidung offenbar nicht besonders von dem der anderen Erdenfrauen abweicht. Allerdings ist es auch beunruhigend, denn ich frage mich, ob es geschmacklich gesehen, dann nicht langweilig sein könnte, wenn doch so viel andere Frauen, das gleiche wollen, tragen und benutzen.“

„Das glaube ich nicht. Auch wenn Sie den gleichen Geschmack haben, wie viele andere Frauen auch, so sieht es bei Ihnen oder an Ihnen doch wieder ganz anders aus. Ich finde, Sie haben heute durchweg guten Geschmack gezeigt, als es um das auswählen und kombinieren und probieren und … alles ging. Erinnern Sie sich noch an die etwas korpulentere Frau, die es Ihnen gleich tun wollte?“

„Du meine Güte ja!“, brachte Alexa schmunzelnd hervor, als sie sich an den Vorfall in einer Bekleidungsabteilung in einem großen Kaufhaus erinnerte.

Alexa war während der Anprobe einer hautengen Jeans und einem raffiniert geschnittenen Shirt der etwas korpulenteren Dame aufgefallen. Während Alexa noch reichlich Lob und Bewunderung für ihre Wahl und dem guten Sitz der Kleidung aufgrund ihrer schlanken Figur erhielt, glaubte die füllige Dame, mit der gleichen Kleidung ihre etwas zu rund geratenen Rundungen mehr Betonung schenken zu müssen.

Richtig gefährlich und ungemütlich wurde es –hauptsächlich für die arme Verkäuferin- als diese ihr zu einer größeren, vorteilhafteren Kleidung riet. Die Antwort der Dame fiel natürlich länger und gemeiner aus, als das Ergebnis, dass mit einer gerissenen Jeans und einem nicht minder unbrauchbaren Shirt endete. Bezahlen musste die Dame die beiden Artikel dennoch, konnte sie aber nicht mehr nutzen. Alexa enthielt sich während des gesamten Szenarios jeglichen Kommentars, fragte sich aber, ob sich die arme Verkäuferin je wieder von ihrem Trauma erholen würde.

„Sehen, Sie, an Ihnen sieht die Kleidung wirklich besser aus und glauben Sie mir, der Verkäuferin geht es bestimmt gut. Sie ist es gewohnt, mit schwierigen Kunden umzugehen“, beruhigte Daniel die junge Frau, die abermals ein Schmunzeln zeigen musste.

„Ja, vielleicht. Aber mir fallen andere Worte als `schwierig´ ein, um diese Frau zu beschreiben. Aber keines davon spielt auf ihre Figur an, sondern eher auf ihr loses Mundwerk. Aber was soll´s. Ich denke, sie hat aus dem heutigen Ereignis gelernt. Apropos gelernt …“, meinte Alexa, ging zur Tür, um noch einmal einen prüfenden Blick in die Gänge zu werfen. Schnell schloss sie diese und kehrte zu Daniels Schreibtisch zurück. „Haben Sie schon Fortschritte bei der Übersetzung der Gravur auf den Steinen gemacht?“

„Ja, aber es ist nicht besonders viel und es sagt bisher auch noch nichts Interessantes aus. Ich wollte mich noch eine kurze Zeit darum kümmern, bevor ich Ihnen die Ergebnisse zukommen lasse. Allerdings … frage ich mich immer noch, wie das gehen soll. Sie in Papierform in Wörterbücher oder als codierten Datenstrom rüberzuschicken, stellte sich als unmöglich heraus, wie Sie sich bestimmt erinnern.“

„Ja, ich weiß, mein Vater ist überall. Sprachen interessieren ihn nun auch und so ist kein Wörterbuch mehr vor ihm sicher. Genauso wenig muttersprachliche Expeditionsmitglieder. Neulich hatte sich sogar Doktor Lébolte bei mir beschwert, weil er kaum noch Zeit fand, seine Arbeit zu tun und ständig als Ansprechpartner für meinen Vater fungieren musste. Nicht mehr lange und der Mann findet sich als Fremdsprachenlehrer wieder. Ich muss mich auch schon ständig auf Französisch, Italienisch oder Spanisch mit meinem Pa unterhalten. Und was die Datenströme angehen … ich glaube es gibt wirklich keine Codierung oder Tricks, die mein Vater nicht kennt. Da können wir es noch so gut tarnen und verstecken, ein Blick reicht aus, und erkennt das Bild oder Muster oder was auch immer sofort.“

„Tja, wir müssen wohl noch mal gründlich darüber nachdenken, denn in nächster Zeit bin ich stark eingespannt. Ich werde da nicht zu Ihnen kommen können … wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen“, meinte Daniel und verfiel wie Alexa in Gedanken.

Doch diese schien schneller zu sein und größeren Ideenreichtum zu besitzen und so wunderte sich der Archäologe über das plötzliche und mehr als hoffnungsvolle Grinsen der jungen Frau.

„Ich habe da eine Idee …“, platzte es aus Alexa und Daniel schwante Übles …

Freitag, vor dem 4. Advent

Daniel schluckte abermals, als er mit seiner Erklärung geendet hatte. Dennoch war es ihm nicht möglich, aus dem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck des Generals schlau zu werden. Während dieser ihn immer noch starr ansah und nur vereinzelt verwirrt blinzelte, hoffte Daniel, der General und schließlich auch Vala, würden ihm diese abstruse und verrückt klingende Erklärung ohne weitere Fragen oder Kreuzverhöre glauben. Zumal es auch die Wahrheit war.

Aber da er selbst kaum glauben konnte, wozu er sich bereit erklärt hatte, dank Alexas eindringlich-überzeugendem Zureden, machte sich Daniel auf die Dinge gefasst, die da kämen. Doch der General schien bedient.

Noch einmal blinzelte Landry perplex, bevor er wieder zu seiner Stimme fand. „Den Antikern kann man wohl wirklich alles zutrauen, hm?“ Dann nickte er kurz und langsam, bevor er auf dem Absatz kehrt machte und einen stutzigen Daniel mit einer schelmisch grinsenden Vala zurück ließ.

„Also, wenn das nicht der größte Schwachsinn wäre, den ich je gehört habe, wäre es wirklich witzig“, meinte Vala, die sich am ertappt-wirren Gesichtsausdruck ihres Teamkameraden erfreute.

„Das ist die Wahrheit!“

„Aber natürlich. Wenn das so ist, werde ich mich jetzt in meinem Quartier weiter darüber amüsieren. Sam will nachher noch vorbei kommen-“

„Vala, wenn du das irgendjemanden erzählst, dann … Vala … Vala!“

Doch die hübsche Außerirdische war bereits verschwunden. Sie rief noch etwas durch den Flur, was Daniel nur zur Hälfte verstand, ihn aber noch ein wenig mulmiger werden ließ. Wenn er nur schon daran dachte, wie sehr und wie lange seine Kollegen sich darüber amüsieren würden …

Mit hängendem Kopf schlenderte er zur Tür, um sie wieder zu schließen. Warum, wusste er selbst nicht so recht, immerhin war der Schaden bereits angerichtet. Seufzend machte er sich wieder an die Arbeit, denn diese wurde sehnlichst in Atlantis erwartet …

Samstag, vor dem 4. Advent

Heute würde ihr Warten und ihre Ungeduld endlich ein Ende haben. Sie würde sich nicht nur über die nachgelieferten Artikel freuen. Nein, Alexa wartete auf mehr. Doch zunächst galt es Dave Sheppard, den jüngsten der Sheppards zu begrüßen. Der junge Geschäftsmann, der vor Kurzem erst in das Stargate-Program eingeweiht wurde – dank der Wiederauferstehung seiner Eltern von den Toten – würde die Weihnachtsfeiertage auf Atlantis mit einer Familie verbringen.

Kaum war dies geschehen, kam auch schon die erste Flut der Versorgungsgüter von der Erde durch das Tor. Weihnachtspost für die Expeditionsmitglieder, mit Geschenken und Präsenten und Leckereien von den Lieben, Verwandten und Freunden auf der Erde.

Alexa hatte es nicht mehr ausgehalten und so wunderte es Tristanius, der beobachtend im Kontrollraum stand, plötzlich nur noch die herausragenden und strampelnden Beine seiner Tochter aus einem der größeren Transportcontainer zu sehen. Sie war mit solchem Elan und körperlichem Einsatz bei der Sache, dass es den Anwesenden ein amüsiertes Kopfschütteln und grinsen entlockte, als man sie im Beinahe-Handstand in dem Boxen wühlen sah.

Einige der Wachsoldaten im Gateraum zeigten nach heftigen Lachanfällen endlich ein Erbarmen und sortierten die vielen Päckchen und Pakete, die durch Alexas raschelndem, rumpelndem und polterndem Wühlen –gelegentlich war auch ein dumpfes fluchen aus dem Container zu hören- zum Vorschein kamen.

„Alexa?“, rief der ältere Antikergeneral und beobachtete das Geschehen mit beispiellosem Rätseln und wachsendem Unbehagen. „Was um alles in der Welt machst du da?“

„`uchem!´“, hallte es dumpf aus dem Container und Tristanius sah ratsuchend zu den Sheppards, die nur mit den Achseln zuckten.

Doch dann mussten auch John, Dave und Tristanius Einsatz zeigen, als Alexa plötzlich energischer strampelte und lauter fluchte. Sie wollte wieder aus dem Container raus, schien aber irgendwie festzustecken. Die beiden Brüder mussten sich krampfhaft das Lachen verkneifen, als sie der Antikerin beim heraus klettern halfen und dann das vor Anstrengung leicht errötete und verschwitzte Gesicht und die vollkommen zerzauste Frisur mit einzelnen statisch aufgeladenen Haaren sahen.

„Hah! Ich habe ihn!“, triumphierte die junge Frau und hielt freudig grinsend den ersehnten Karton in den Händen.

„Ja, das ist nicht zu übersehen. Was sollte das?“, wollte Tristanius wissen, als er immer wieder über ihre zu Berge stehenden Haare und ihren zerknitterten Kragen strich und versuchte, Ordnung in das Chaos zu bringen.

„Ach das. Ich habe mich so sehr auf den Bikini und den Pyjama und ein paar andere Dinge gefreut … da habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten“, erklärte Alexa schnell, grinste ganz frech und hopste dann eilig davon.

Auch wenn sie ihrem Vater nicht zutraute, in ihrer Wäsche zu wühlen, so wollte sie dennoch kein Risiko eingehen. Ganz zu schweigen, dass sich in dieser Kiste auch die Geschenke für ihre Familie und ihre Freunde und Kollegen befanden. Erst als sie diese verpackt und sicher verstaut hatte, rief sie die anderen und widmete sich dem eigentlich Ersehntem.

Kurze Zeit später in Alexas Quartier

„Deswegen hatten Sie es vorhin so eilig, Ihren Karton zu finden“, entfuhr es John, der Alexas Erklärung aufmerksam gefolgt war und sie nun dabei beobachtete, wie sie die einzelnen Papierhinweise aus dem zarten Stoff kramte. „Wie zum Teufel ist Jackson denn auf die Idee gekommen, seine Übersetzungsergebnisse da rein zu packen?“

„Eigentlich … war es meine Idee“, gab Alexa zurück und wühlte weiter.

„Ihre Idee? Wieso wundert mich das nicht? Das könnte man als Nötigung ansehen!“

„Rodney!“, unterbrach John mahnend seinen Teamkameraden, der schon seit Wochen unausstehlich war.

Nicht umsonst wurde er seit Anbeginn der Atlantis-Expedition von seinen Mitarbeitern und Untergebenen insgeheim als Grinch, beziehungsweise McGrinch bezeichnet. Er konnte das Fest mit all seinem Drum und Dran und sogar der Begeisterung und der Freuden seiner Mitarbeiter und Kollegen nicht ausstehen und je näher Weihnachten rückte, desto tiefer rutschte Rodney McKays Laune gen Keller.

„Ach Nötigung! Ich bitte Sie! Was bleibt mir denn anderes übrig, wenn mein Vater immer überall ist? Das mit den Wörterbüchern und dem Sprachunterricht hat nicht hingehauen, weil ihn ebenfalls die irdischen Sprachen interessieren und den codierten Datentransfer können wir auch vergessen, da sie alle ohne Ausnahme durch seine Hände laufen. Aber aus meiner Unterwäsche hält er sich raus!“

The End

Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis.
Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

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