Crystal Heart: Truth of the heart

Crystal Heart – Truth of the heart

~~~Kapitel 3~~~

Völlig unerwartet und ohne Vorwarnung knirschte es vernehmlich und der Schnee unter ihren Füßen gab nach. Vorbei war es mit dem Moment der Intimität und Nähe, als sie beide stürzten und nur noch versuchten, sich abzufangen und nicht ineinander zu verheddern. Letzteres war von wenig Erfolg gekrönt. Allerdings konnten sie nicht verhindern, dass sie dabei den kleinen Abhang hinunter rutschten und erst auf einer ebenen Fläche zwischen Bäumen zum Stillstand kamen. Das Herz schlug John bis zum Hals. Rasch checkte er, ob er in Ordnung war und drehte sich dann zu Alexa, deren Körper dicht an dem seinen lag.

„Alles in Ordnung?“ keuchte er und beugte sich über sie.

„Ja… ja, ich denke schon.“ erwiderte Alexa ähnlich atemlos.

„Wirklich? Nicht verletzt?“, fragte er nochmals nach und ließ seinen Blick über sie gleiten, ohne dabei jedoch seine rechte Hand unter ihrem Kopf zu bewegen, während die andere Hand vorsichtig über ihren Kopf strich und kurz auf ihrer Wange ruhte. Danach fuhr er überprüfend an ihrem Arm und ihrer Seite entlang. Dass sie dadurch noch mehr in Johns Arme rutschte, entging den beiden zunächst.

„Nein. Der Schnee war ziemlich weich. Er hat wohl das meiste abgefangen und gepolstert“, japste die Antikerin dann.

„Ja… wenn wir das nächste Mal Ski und Schlittenfahren wollen, sollten wir auch wirklich Skier und Schlitten nutzen, um einen Abhang runter zu kommen“, scherzte John, um den Ernst der Lage zu überspielen. Sie hätten durch den Schneerutsch auch verschüttet werden oder gegen einen Baum prallen können.

„Einverstanden“, gab Alexa zurück und wagte kaum, sich zu rühren.

Nicht aus Angst, vielleicht doch verletzt zu sein. Vielmehr schien sie wie gelähmt, als sie registrierte, dass sie regelrecht in Johns Armen lag.

Sie spürte sein Gewicht, auch wenn es nicht sonderlich schwer auf ihr ruhte. Aber sie glaubte auch seine Körperwärme zu spüren, die sie trotz des kalten Schnees an ihrem Rücken, mit zu wärmen schien. Sein Gesicht war direkt über ihrem und noch immer ließ er seinen Blick prüfend über sie und ihr Gesicht gleiten.

„Es ist wirklich alles in Ordnung. Ich bin nicht verletzt“, versicherte sie ihm nochmals.

„Gut… gut“, erwiderte John erleichtert und suchte wieder den Blickkontakt. Er verlor sich erneut in der blaugrünen Tiefe ihrer Iris.

Dann waren es nicht nur ihre Augen, die ihn magisch anzogen, sondern auch ihr Mund. Die rosigen und vollen Lippen waren wie gemacht für einen Kuss. John wollte nicht daran denken, aber in diesem Moment … Unwillkürlich beugte er sich tiefer über sie. Sein Gesicht war nun ganz nah. Alexa wurde schwindlig und warm. Das Herz pochte bis zum Hals, als sie bereits seinen warmen Atem an der sensiblen Haut ihres Gesichtes spürte. Nur ein Fingerbreit noch und sie wäre verloren…

„Alexa?… Colonel?… Könnt ihr mich hören?“

Dorians Stimme durchbrach die Stille des Augenblicks und holte sie wie ein Donnerschlag in die Wirklichkeit zurück. Sie kam aus dem Funkgerät, das aus Johns Tasche gefallen sein musste und nun neben ihnen am Boden lag.

„John?“, hallte nun auch die rufende Stimme seines Bruders durch den Wald.

Augenblicklich zuckte John zusammen und auch Alexa versteifte sich, als beide mit großen Augen zum Funkgerät starrten. Unsicher schnellte sein Blick zu ihr zurück, doch ihr Gesichtsausdruck sprach wie seines, von einer gewissen Ernüchterung. Doch besonders in John etablierte sich das Gefühl des Bedauerns und einer scheinbar unstillbaren Sehnsucht.

„Alex? Sag doch mal was? Wo steckt ihr denn?“

„John?“

Es war Alexa, die schnell nach dem Funkgerät griff und sich und John gänzlich in die Wirklichkeit zurück brachte.

„Wir sind hier.“

„Oh schön und wo ist hier?“

„Ähm… wir sind etwa 500 Meter von der Siedlung weg. Wir…“

„Was ist denn passiert? Warum habt ihr euch denn nicht gleich beim ersten mal gemeldet?“, ertönte nun Daves Stimme durch das Funkgerät.

„Wir… ihr solltet vorsichtig sein. Der Schnee kann an manchen Stellen nachgeben. Wir sind einen kleinen Abhang runter gerutscht und waren noch beschäftig uns einzusammeln.“

„Geht’s euch gut? Habt ihr euch verletzt?“, donnerte diesmal wieder Dorians Stimme besorgt durch das Funkgerät.

„Nein, es ist alles in Ordnung.“

„Wirklich? Du klingst irgendwie-„

„Es geht uns gut. Wir treffen uns in der Siedlung“, erwiderte Alexa bestimmt und deaktivierte das Funkgerät.

Für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich ihre Blicke wieder, wobei beide in ihrem Gegenüber ein Bedauern zu erkennen glaubten. Ein kaum erkennbares Nicken erfolgte, bevor sie sich voneinander lösten. John zog sie mit sich auf die Beine und konnte ein kleines verlegenes Schmunzeln nicht unterdrücken. Verstohlen lächelnd sahen sie sich an, während sie sich gegenseitig den Schnee aus Haaren und von der Kleidung strichen. Doch dann kam Alexa´s Hand über Johns Brust zum ruhen und er konnte es nicht mehr verhindern. Für einen winzigen Augenblick hatte sie mehr in ihm lesen können, als er jemals bereit war zuzugeben.

Wie erschrocken weiteten sich ihre Augen und sie trat eilig einen Schritt zurück.

„Alexa, ich… ich…“, versuchte John zu entgegnen, doch seine Stimme gehorchte ihm nicht recht.

„Wir sollten zurück zur Siedlung“, entgegnete sie schnell und blickte ihn unergründlich an, bevor sie sich umdrehte und eiligst den Abhang hinauf kletterte.

John schloss die Augen, seufzte und fluchte leise. Wie konnte ihm das passieren? Wieso war er so unvorsichtig gewesen und hatte zugelassen, dass sie so tief in ihn dringen konnte? Soweit hatte er es nicht kommen lassen wollen. John folgte ihr augenblicklich und sie machten sich schweigend auf den Weg zur Siedlung.

Auf dem gesamten Weg zurück wurde nicht gesprochen. Johns Stimme gehorchte ihm zum einen nicht und zum anderen wusste er einfach nicht, sich zu erklären, während Alexa noch immer verwirrt schien.

~~~///~~~

Carol und Patrick stapften durch den Schnee und genossen das winterlich-romantische Bild, schneebedeckter Landschaften, bis Patrick merkte, dass ihn die Gedanken um seinen Sohn nicht so recht loslassen wollten.

„Also, du bist wirklich der festen Überzeugung, dass da etwas zwischen John und Alexa vorgeht“, meinte Patrick, der zunächst daran dachte, dies als Frage zu auszudrücken.

Doch er kannte seine Frau noch immer gut genug, um zu wissen, dass Carol genau wusste, was in jedermann vorzugehen schien. Besonders bei Personen innerhalb der Familie.

„Ich bin der Überzeugung, dass etwas in John vorgeht.“

„Na schön. Er ist also verliebt“, stimmte Patrick zu und bemerkte, wie Carol tief einatmete.

„Ich glaube, über dieses Stadium ist er längst hinaus.“

„Wo ist dann das Problem? Warum streitet er es so vehement ab? Er hat doch sonst bei Frauen keine Probleme diesbezüglich.“

„Ja, das mag sein. Aber das mit Alexa ist etwas ganz anderes. Du musst bedenken, dass ganz andere Umstände gelten. Wir sind hier in einer anderen Galaxie, Rick. Wir sehen Tag für Tag den Beweisen für außerirdisches Leben ins Gesicht. Die Arbeit, die hier getan wird, ist nicht alltäglich. Es gibt hier soviel unerklärliches. Das haben wir doch sogar an uns selbst erlebt.“

„Worauf willst du hinaus?“

„Alexa ist zwar ein Mensch, aber sie ist dennoch eine Außerirdische, eine Antikerin und John hat das Antikergen.“

„Du denkst, das ist eine Gensache?“

„Ich denke, da ist vielmehr. Aber ich kann es nicht greifen. Ich kann es nicht so ganz verstehen. Siehst du, Alexa hat emphatische Fähigkeiten und kann jederzeit eine Art Verbindung zu John aufnehmen. Und John spürt es, wenn sie das tut. Er spürt, wenn sie in diesen katatonischen Zustand verfällt und ich glaube er kann sogar kurzfristig voraussahnen, wann das geschieht.“

„Hm. Aber wir und andere haben dieses Gen auch, nicht aber solche Fähigkeiten.“

„Siehst du und genau das ist eines von vielen Dingen, die ich nicht verstehe.“

„Tja, Liebes. Vielleicht ist es eine Art von… Seelenverwandtschaft“, gab Patrick amüsiert zurück.

„Das glaubst du selbst nicht, Rick. Siehst du, ich bin Psychologin. Psychologie ist auch eine Wissenschaft und bisher hat man die meisten Dinge erforschen können, so dass man ihnen später einen Namen geben und mit ihnen arbeiten oder sie behandeln kann. Man kann es somit förmlich greifen, es nachvollziehen und verstehen. Ich bin sicher, dass diese Verbindung zwischen John und Alexa ebenfalls eine Ursache hat. Etwas, was sich hoffentlich bald erklären und greifen lässt.“

„Ich weiß, dass du die Dinge die dir deine Patienten und vielleicht auch unsere Jungs anvertrauen, niemals ausplauderst, aber da du John ständig ganz offen damit konfrontierst, auch verkuppeln genannt,… würdest du mir dennoch vielleicht genaueres erzählen, was du zwischen John und Alexa beobachtet hast?“

Wieder atmetet Carol tief durch, überlegte kurz und hängte sich dann an Patricks Arm ein.

„Also…“, begann Carol zu erklären, während sie langsam wieder den Rückweg zur Siedlung antraten.

Kaum wieder bei der Siedlung angekommen, fiel Carol sofort auf, dass etwas vorgefallen sein musste, als sie die beiden erblickte. Die Tatsache, dass ein passender Abhang zum Ski und Schlittenfahren von Dave und Dorian gefunden worden war, rückte für sie weit in den Hintergrund.

Während des ganzen Fluges zurück zur Stadt, beobachtete sie John und versuchte auch irgendwelche Anhaltspunkte an Alexa´s Verhalten zu finden. Doch spätestens nach der Landung, als Alexa eiligst den Jumper verließ und John ihr kurz aber unsicher nachsah, verstärkten sich ihre Vermutungen.

Carol wartete noch einen Moment, bis auch die Antiker außer Reichweite waren, bevor sie John mit einer Frage über sein Erlebnis konfrontierte.

„Also, was ist passiert?“

„Was meinst du? … Nichts. Was soll denn passiert sein?“

„Das will ich ja von dir wissen, John. Irgendwas ist auf dem Festland vorgefallen. Das sehe ich dir doch an.“

„Der Schnee unter meinen Füßen gab nach und ich bin einen kleinen Anhang runter gerutscht und gekullert und fand mich auf einer Lichtung wieder. Das ist passiert.“

„Ich meinte eigentlich was anderes…. Was ist mit Alexa?“

„Die ist mit gekullert.“

„John-„

„Mom, was immer du glaubst, was vorzugehen scheint, es geht nichts vor. Das ist nichts. Ich bin es wirklich langsam leid, das ständig sagen zu müssen. Was muss ich tun, damit du mit deinen… deinen… damit du endlich aufhörst, irgendwas anzunehmen?“, pfefferte John seiner Mutter entgegen und spürte, wie sein Ärger langsam stieg.

„Du könntest mal die Wahrheit sagen“, gab Carol ruhig zurück.

„Das ist die Wahrheit. Da war nichts zwischen Alexa und mir, das ist nichts und da wird wohl nie was sein. Hör einfach auf, okay. Das ist mein Ernst, Mom. Schluss damit“, gab John wütend zurück und stapfte davon.

„Wird wohl nie was sein?“, zitierte Patrick seinen Ältesten, als dieser schon längst aus der Bucht verschwunden war.

„Da ist ganz sicher mehr passiert als nur rutschen und kullern. Ob er … und Alexa ihn vielleicht zurück gewiesen hat?“, spekulierte Dave.

„Ich weiß nicht. Aber John… Sein Verhalten macht mir wirklich langsam Sorgen. Das muss aufhören“, seufzte Carol und schlenderte mit Patrick und Dave aus der Jumperbucht.

 

Am frühen Abend

Patrick hatte nicht lange nach John suchen müssen. Er fand ihn in der Jumperbucht und beobachtete eine Zeit lang stumm, wie John gedankenlos immer wieder einige Teile aus dem Helikopter nahm, auf einem Werkzeugtisch ablegte, nur um sie dann kurze Zeit später wieder zurück in den Black Hawk zu legen. Er schien mit seinen Gedanken weit weg zu sein und wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, wie etwas in seinem Inneren rumorte.

„Ich dachte wir kümmern uns zusammen um ihn“, meinte Patrick und registrierte wie John leicht erschrak.

„Ich habe mir nur einen Überblick verschafft.“

„Ach so. Ich frage mich, wie du ihn hier rauskriegen willst, wenn er fertig ist. Ihn durch den Turm nach außen zu fliegen, könnte schwierig um nicht zu sagen gefährlich werden“, sagte Patrick und sah zum Schacht hinauf, durch den sonst die Jumper nach außen gelangten.

„Ich habe mit Caldwell geredet. Wenn er soweit fertig ist, oder wir einen anderen Platz für ihn haben, lässt er ihn raus beamen.“

„Ah, schön, Ein Problem weniger. Wäre doch bloß alles so einfach“, seufzte der Vater leicht theatralisch und sah nicht, wie John die Augen verdrehte als er zudem innerlich aufstöhnte.

„Hat Mom dich geschickt?“, fragte er wohlwissend, worauf sein Vater hinaus wollte.

„Nein, nicht direkt. Aber sie macht sich Sorgen um Dich und mir gefällt es nicht, wenn sie sich sorgt.“

„Dann sag ihr, dass es keinen Grund gibt, sich Sorgen zu machen“, entgegnete John prompt.

„Das habe ich schon. Aber das war lange bevor ich heute Nachmittag mit eigenen Augen gesehen habe, dass etwas geschehen sein musste.“

„Verdammt nochmal! Jetzt reicht´s! Es ist nichts-„

„Vorsicht Junge! Du hast heute Mittag schon deine Mutter so angefahren und du weißt, dass ich sowas nicht dulde. Noch mal eine solche Tonart ihr oder mir gegenüber und es setzt was. Und es ist mir gleich, ob du größer oder stärker, oder ein hochdekorierter Colonel bist. Habe ich mich klar ausgedrückt?“, gab Patrick in einem strengen Ton zurück, der John schon als Kind mit Achtung erfüllte.

„Ja, Sir.“

„Außerdem erwarte ich, dass du dich bei deiner Mutter entschuldigst.“

„Das hatte ich sowieso vor“, gab John leise zurück.

„Gut. Aber mir wäre es lieb, wenn du dich erst einmal… genügend beruhigt hast, bevor du zu ihr gehst. Also… Karten auf den Tisch. Was ist passiert?“

„Habe ich doch gesagt. Der Schnee gab nach, wir sind einen kleinen Abhang runter gerutscht und-„

„Ich lasse mich nicht für dumm verkaufen, John. Die Air Force mag dich vielleicht dazu gedrillt haben, alles runter zu spielen, aber ich kenne dich besser. Mit deinem Verhalten verrätst du dich. Entweder du lügst und siehst mir daher nicht in die Augen, was dich nunmal zu einem ziemlich schlechten Lügner macht, oder… es geht um eine Frau, was ich eher vermute… denn jedes mal, wenn man den Namen Alexa erwähnt, weichst du aus. Ganz zu schweigen von deinen Reaktionen, wenn es um die Geschehnisse von heute Nachmittag geht. Aber jetzt ist Schluss damit. Keine Lügen mehr, kein Ausweichen und vor allem bin ich es leid, dass du dir alles einzeln aus der Nase ziehen lässt… Genauso wie damals, als du Nancy näher gekommen bist. Da hast du dich ähnlich aufgeführt, mein Sohn…“, sprach Patrick schließlich leise, als er sich an seine Ex-Schwiegertochter erinnerte.

Nancy hatte immer einen recht positiven Einfluss auf John und sein Leben gehabt. Doch durch Johns Drang nach der Fliegerei und seine Arbeit, die damit verbunden war, war die Beziehung zum Scheitern verurteilt.

„Dad-„, stöhnte John und wurde gleich wieder von seinem Vater unterbrochen.

„John… Wenn du mit mir nicht als dein Vater sprechen willst, dann sieh mich eben als einen Freund an oder was weiß ich, aber rede um Himmels Willen. Ein volles Geständnis und hinterher geht es dir bestimmt besser und vielleicht finden wir auch eine Lösung.“

„Du hörst dich schon genauso an, wie Mom“, lachte John auf und schüttelte den Kopf.

„Das haben fast zwanzig Jahre Ehe mit einer Psychologin so an sich. Die hinterlassen nun mal Spuren… jetzt komm schon. Leg das Ding weg und erzähl was passiert ist“, bat Patrick und setzte sich in den Co-Piloten Sitz des Helikopters.

John hingegen stöhnte leise auf, während er das kleine Bedienteil des Bordcomputers weglegte, sich kurz am Werkzeugtisch abstützte und langsam zur Überzeugung kam, dass es wirklich keinen Sinn mehr hatte, ständig auszuweichen.

„John…“, rief Patrick nochmals. „… ich habe diesen Helikopter nicht nur zum schuften und zum fliegen besorgt. Deine Mutter ist von ihm als Therapiewerkzeug ganz begeistert und ich habe ihr versprochen, es genauso zu sehen und… mich anzustrengen. Also, jetzt komm mir wenigstens ein bisschen entgegen. Schwing deinen Hintern hier her und spuck es aus. Was ist auf dem Festland passiert?“

„Wir waren spazieren und-“

„Was?“, fragte Patrick nach und verzog angestrengt horchend das Gesicht, obwohl er seinen Sohn schon recht gut verstanden hatte.

Doch er wollte, dass die Distanz zwischen ihnen verringert wird und John sich zu ihm ins Cockpit setzte. Ein wenig Nähe während eines solchen Gespräches wäre mit Sicherheit nicht verkehrt, es würde zumindest für etwas Entspannung sorgen und frühere Vertrautheit wieder herstellen.

John drehte sich um, vermied es aber seinen Vater direkt anzusehen. Den kleinen Weg zum Helikopter legte John wie gelähmt zurück und Patrick konnte abermals sehen, wie John noch immer mit sich rang.

„Ich sagte, wir waren spazieren, haben geredet, dann gab der Boden unter unseren Füßen nach und ich… habe die Kontrolle verloren“, brachte John schließlich kopfschüttelnd hervor und sah noch immer mit einem leeren Blick in die Gegend.

„Geht es vielleicht etwas genauer?“

„Wir haben über den Kristall gesprochen, den sie mir geschenkt hat. Sie meinte, dass sie… dass sie mir dankt und mir vertraut… mir mehr vertraut, als anderen. Sogar mehr, als ihrer Familie“, wisperte John zum Schluss.

„Verstehe…“

Er schürzte die Lippen, nickte bedächtig und verkniff sich ein siegessicheres Lächeln. Stattdessen klopfte er auf den Pilotensitz. Wieder seufzte John, kam der stummen Bitte seines Vaters aber nach, als er träge auf den Pilotensitz kletterte.

„… Was hast du ihr geantwortet?“

„Ich konnte nicht… ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich habe nur noch gemerkt, wie sie… du weißt schon, versucht hat, in mir zu lesen und dann gab der Schnee nach und wir rutschten den Abhang runter.“

„Aber ihr habt euch nicht verletzt, oder?“

„Nein, nein. Als wir unten ankamen, da… ich dachte zuerst, sie sei verletzt, aber dann… ich weiß auch nicht. Ich habe einfach… ich war so dicht davor, sie…und dann…“, sprach John und schüttelte abermals den Kopf.

„Was kam dann dazwischen“, wollte sein Vater wissen.

„Beavis und Butt-Head.“

„Kenne ich nicht. Sind das Athosianer?“, fragte Patrick vollkommen ahnungslos.

„Dave und Dorian! Dorians Stimme plärrte durch das Funkgerät und Dave hat ebenfalls den Schnee von den Bäumen gebrüllt. Es hat nur noch… nur ein winziger Augenblick und ich hätte sie…“

„Geküsst? Aber das ist doch nicht der Grund, warum sie so verwirrt war, als ihr zurück zur Siedlung kamt, oder?“

„Alexa hat nach dem Funkgerät gegriffen und damit war der Moment dahin. Wir haben uns gegenseitig den Schnee abgeklopft und dann…“

„Was dann? Was ist passiert?“

„Ich habe die Kontrolle verloren, das ist passiert. Ich habe nicht aufgepasst … und die Kontrolle verloren“, meinte John leise und schüttelte den Kopf als er sich an jenen Moment erinnerte.

John sprach nicht weiter und es dauerte eine ganze Weile, bis Patrick aus den Worten schlau wurde. Zuerst kam ihm der Verdacht, dass John die junge Frau vielleicht bedrängt haben könnte, doch er war sich sicher, dass sein Sohn so etwas niemals tun würde. Erst als er sich an das Gespräch mit seiner Frau erinnerte, machte sich ein Verdacht in ihm breit.

„Ich bin mir sicher, dass du dich nicht irgendwie daneben benommen hast und sie vielleicht-„

„Nein! Nein, ich habe nichts dergleichen… Sowas könnte ich niemals tun. Ich habe… sie hat wohl etwas entdeckt, dass… ich weiß auch nicht.“

„Das sie nicht entdecken sollte?…“, fragte Patrick nach und ließ nicht locker, als er einen entsprechenden Gesichtsausdruck seitens John bemerkte.

„…Ich weiß, dass Alexa empathische Fähigkeiten hat. Sie kann fühlen, was andere fühlen. Deinem Gestammel entnehme ich jetzt mal, das sie in diesem Moment etwas gefühlt haben könnte, dass du die ganze Zeit tief in dir vergräbst, aber du nicht auszusprechen wagst…“

Patrick konnte abermals sehen, wie John mit sich rang und nach Erklärungen und vielleicht sogar Ausflüchten suchte. Er ahnte, dass John die Wahrheit nicht einfach so nennen würde, vielleicht sogar selbst noch nicht so recht entdeckt hatte. Ihn zu diesem Punkt zu bringen, wäre Sisyphus-Arbeit und doch wollte er ihn nicht so leicht davon kommen lassen.

„… Warum wehrst du dich so dagegen?“

„Tu ich doch gar nicht!“, verteidigte sich John aufbrausend.

„Ach nein? Jedesmal wenn man dich darauf anspricht, streitest du es vehement ab. Heute Mittag hast du sogar deine Mutter angefahren und ich reiße mir hier fast ein Bein aus, um dich zum reden zu bringen… Was hat Alexa gefühlt? Warum war sie so… verwirrt und ist so schnell aus dem Jumper geflüchtet?“

„Ich weiß es nicht.“

„Oh John, ich bitte dich! Was ist so schwer daran, es beim Namen zu nennen? Wir wissen doch beide, dass da mehr ist, als Kollegialität und Freundschaft. Sie hat dir gesagt, dass sie dir fast bedingungslos vertraut. So was tut man aber nicht, wenn man jemanden nur flüchtig kennt. Vielleicht kennt sie dich besser, als du dich selbst.“

„Dad, sie hat sich heute Mittag regelrecht vor mir erschrocken! Ich habe ihr einmal versprochen, dass ich… dass ich auf sie aufpasse und sie… beschütze. Aber jetzt… jetzt hat sie vor mir Angst. Wie soll ich da noch…“

„Was lässt dich so sicher sein, dass sie Angst vor dir hatte? Ich meine, du hast deine Gefühle so tief in dir vergraben, dass du vermutlich nicht einmal selbst weißt, was du fühlst“, erklärte Patrick und merkte wie er langsam die Geduld zu verlieren drohte. Doch er atmete nochmal tief durch und riss sich zusammen.

„Ich habe versucht… ich wollte es ihr erklären, aber sie… sie hat mir keine Chance gelassen. Sie wollte wieder zurück zur Siedlung und-„

„Und du hättest wahrscheinlich ohnehin nicht gewusst, was du sagen solltest, nicht wahr? John, wie soll das zwischen euch jetzt weitergehen? Wollt ihr euch auf ewig aus dem Weg gehen?“

„Ich habe keine Ahnung, Dad“, seufzte John.

„Warum hast du ihr überhaupt versprochen, auf sie aufzupassen und zu beschützen? Sie ist Soldatin. Kann sie da nicht auf sie selbst aufpassen?“, wollte der Vater wissen, wohlwissend dass er sich auf andere Weise an die Problematik tasten musste.

„Dieser Kerl, der hinter ihr her ist… er… mit ihm ist nicht zu spaßen. Er scheint uns zu kennen, kann vermutlich unsere Gedanken lesen. Er hat Kolya ausgebuddelt und wieder zum Leben erweckt, nur um mich abzulenken und währenddessen an Alexa ranzukommen. Wenn er in ihrer Nähe ist, dann spürt sie ihn und… er jagt ihr eine Heidenangst ein, Dad. Ihre Eltern wissen etwas, aber sagen nichts und Alexa erinnert sich nicht an ihn, trotzdem… trotzdem hat sie eine verfluchte Angst vor ihm, dass… Du hättest sie sollen, als wir nur über ihn geredet haben, sie war so… ich habe sie noch nie so gesehen. Ich weiß nicht, wer der Kerl ist oder was er von ihr will, ich weiß nur, dass er ihr nicht zu nahe kommen darf. Und wenn ich… und wenn ich ihn dafür töten muss. Aber er wird sie nicht bekommen. Ich kann nicht zulassen, dass er ihr zu nahe kommt.“

„Warum?“

„Ich würde es mir nie verzeihen, wenn ihr etwas zustößt.“

„Warum John?“, fragte Patrick erneut und mit mehr Nachdruck.

„Weil… weil…“

„Weil du etwas für sie empfindest“, stellte Patrick klar und sah, wie John die Augen schloss und aufgab dagegen anzugehen.

„Verdammt, ja!“, antwortete John heftiger als gewollt.

Doch diesesmal ging Patrick nicht auf den schroffen Ton seines Sohnes ihm gegenüber ein. Stattdessen bedachte er ihn mit weiteren fragenden Blicken und ermutigte ihn, endlich zu seinen Gefühlen zu stehen.

„Was empfindest du, John?… Was hat sie gefühlt?“

„Ich denke-„

„Ah-ah. Nicht denken, John. Fühlen. Hör auf dein Herz, Junge, nicht auf deinen Verstand. Was fühlst du? Was empfindest du für sie?“

Es dauerte eine Weile, in der John tatsächlich in sich horchte und mit sich rang. Doch warum machte es ihm so zu schaffen, die Wahrheit zu sehen und zu erkennen, vor allem zu akzeptieren? Ihm wurde klar, dass er schon enorm weit gekommen war und dass sein Vater schon längst wusste, was in ihm vorging. Es war nur ein letzter winziger Schritt von Nöten…

„Liebe… ich liebe sie.“

The End

Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis. Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

2 Kommentare:

  1. Dann lasse ich dir mal ein Kommentar hier.
    Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten um dann doch noch auf SGP zu warten.
    Ich kann ja verstehen, das man mal auf einer Weinhachtsfeier etwas Alkohol trinkt, aber gleich so viel, das alle am nächsten Morgen KO sind? Hat aber perfekt in die Story gepoasst.
    Die Verschiedenen Geschenke waren auch sehr gelungen.
    Ich habe mich schon gefragt, ob der Fighter noch ein mal in einer der Storys vorkommen wird:)
    Jetzt bin ich ja mal auf den ersten Flug von John gespant, nicht das er ihn direkt vor die Wand setzt.
    John´s Geschenk übertrifft ja alles.
    Ein UH-60M Black Hawk Selbstbauset 🙂

    Wird ja auch Zeit, das John seine Gefühle die er für Alexa hat zugibt. Die beiden haben halt eine Verbindung.
    Die Situation wie sie es erfahren hat ist zwar nicht die perfekte gewesen, aber früher oder später währe es ja eh heraus gekommen.
    Jetzt haben die beiden wenigstens noch Zeit um drüber zu reden, bevor der Typ (Der der hinter ihr her ist) wieder etwas plant und sie wieder 100% geben müssen.

    Lg Am17

    PS: Ich bin ja dafür, das sie in der letzten Story im letzten abschnitt zusammen komen 🙂 Früher geht aber auch.

    • Hallo Am17,

      schön, dich hier begrüßen zu können und vielen Dank für dein liebes Kommentar.

      Tja, so eine Weihnachtsfeier hats in sich 😀

      Der Fighter von Alexa wird wohl noch öfter vorkommen, keine Sorge. Auch wenn ich noch nicht weiß, ob John ihn mal fliegen wird, denn er muss erst repariert und etwas aufgemotzt werden, denn zur Zeit scheinen die 302er mehr drauf zu haben.

      Und der Black Hawk… ja, da hat Daddy mal gut zugehört und Herz gezeigt. Es ist zwar kein Selbstbauset, sondern eher ein Wrack, aber wenn sie anfangen ihn zu reparieren, dürfte es am Ende aufs gleiche rauskommen.

      Ob John und Alexa so schnell dazu kommen, darüber zu reden, ich weiß nicht, aber ich kann versprechen, dass es ein paar Moment geben könnte die man als heftiges knistern bezeichen könnte. Einige Szenen schwirren mir da so durch den Kopf.

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