SGA/ALEXA: Lost in Paradise – Teil 2

Atlantis

Richard hatte sich nur wenige Minuten in sein Büro zurückgezogen, bevor er das Team um Sheppard und Major Lorne zu sich rief.

Er wusste nicht so recht, wie die Worte aus ihm herauskamen, doch es erschien ihm, als hätte er nicht lange gebraucht, Ronon, Teyla und den Major über die kürzlichen Ereignisse pflichtbewusst und distanziert zu informieren. Dennoch entging ihm nicht die Betroffenheit. Allen voran Teyla, die zunächst mit Fragen eine Gewissheit schaffen wollte, während Ronon noch mit Kampfgeist und Unnachgiebigkeit seinen Unglauben und Unerschütterlichkeit demonstrierte. Es war an Rodney, die beiden mit seinem Wissen und Erfahrung über Technik und ihre Folgen zu überzeugen, obwohl er glaubte, auch in ihm einen gewissen Zweifel zu erkennen.

Oder war es gar sein eigener Zweifel?

Wie oft hatte man den Colonel bereits für tot gehalten, nur um hinterher gerade von diesem eines besseren belehrt zu werden?

„Ich muss schnellstens Familie Sheppard informieren. Das gehört leider zu den traurigen Pflichten. Ich wünschte nur …, ich wünschte, ich könnte Ihnen noch irgendeine Hoffnung geben. Doktor McKay, sind Sie sich absolut sicher, dass … dass man nichts für Sie tun kann?“

„Jetzt wo sich Major Plesky eingewählt hat, spielt das wohl auch keine Rolle mehr, oder?“

„Rodney“, mahnte Teyla leise, die sich über die Reaktionen ihres Teamkameraden und Freundes schockierte und auch als Richard den Wissenschaftler mit einem beinahe entsetzten Blick bedachte, wurde sich Rodney bewusst, worauf dieser eigentlich hinaus wollte.

„Was wollen Sie ihnen überhaupt sagen?“

„Das hängt von Ihnen ab, Doktor. Das ist der Grund, warum ich absolute Klarheit in diesem Fall haben möchte. Ich möchte nur ungern der Familie sagen, dass sie nicht mehr mit der Rückkehr des Colonels rechnen sollen, wenn doch noch eine Chance besteht, und sei sie auch noch so gering, dass sie noch am Leben sein könnten. Sie und Mister Thalis sind die Fähigsten und Erfahrensten, wenn es um die Tortechnologie geht. Also sagen Sie mir die Wahrheit: Könnten sie noch am Leben sein? Ja oder nein?“

Es war nicht das beiläufige Kompliment von Richard oder gar dessen herausfordernde Frage, die ihn arg beschäftigte, es waren auch die hoffnungsvollen Blicke seiner Freunde und Kameraden. Und zu guter Letzt seine eigenen Zweifel und Hoffnungen.

„Ich schnappe mir Dorian und wir sehen uns alles nochmals genauer an, aber versprechen kann ich nichts.“

Woolsey nickte zustimmend. „Das wird das vorerst wohl genügen müssen.“

Auf dem unbekannten Planeten

John und Alexa waren zwar nicht lange unterwegs, aber die Kraterschneise, die der Jumper schlitternd gezogen hatte, kam ihnen schon kilometerlang vor. Nun standen sie an einem Trümmerteil, dass definitiv einmal eine Antriebsgondel war. Alexa hatte es sich natürlich nicht nehmen lassen, sich die Überreste genauer anzusehen und um zu prüfen, ob noch irgendwas zu retten sei. Natürlich war es sinnlos.

Doch es war etwas anderes, dass die beiden Gestrandeten zunächst nachdenklich schweigend dort stehen ließ, aber John als Ersten die Stimme wieder finden ließ.

„Früher habe ich ja manchmal ganz gerne an Zufälle geglaubt, aber wenn ich mir das hier so ansehe und durch den Kopf gehen lasse …“

Schweigend und abwartend sah Alexa zu ihm. aber John konnte beim besten Willen nicht sagen, ob ihr das gleiche durch den Kopf ging oder was ihr überhaupt in den Sinn kam.

„Finden Sie es denn nicht auch merkwürdig, dass wir schon durch die Fehlfunktion des Gates hätten drauf gehen können oder dass wir auf diesem Gottverlassenem Planeten runtergegangen sind?“

„Ob er, wie Sie sagen, Gottverlassen ist, wird sich noch herausstellen. Wie Sie wissen, können Planeten ziemlich groß sein. Es ist also gut möglich, dass wir noch auf irgendeine Zivilisation treffen.“

„Irgendwie bezweifele ich das. Aber wenn das tatsächlich passieren sollte, bestätigt dass nur meinen …“, erwiderte John, wusste jedoch nicht so recht, wie er seine Gedanken und Eindrücke weiter formulieren sollte. Immerhin glaubte er nun, in Alexas Blick zumindest Zweifel oder eher Amüsement entdecken zu können. „Ach kommen Sie schon! Das Gate hat eine Fehlfunktion und anstatt uns zu grillen und uns in unsere Atome zu spalten, spuckt es uns hier aus. Keine Wraith weit und breit, stattdessen ein Planet mit atembarer Atmosphäre, unterschiedlicher Vegetation – eine Menge Sand, da hinten Grün und Blau und wir schaffen es sogar auf diesen Planeten runterzukommen, ohne an der Atmosphäre abzuprallen oder zu verglühen. Ein paar Beulen und Schrammen, und ja auch ein paar gebrochene Knochen bleiben uns zwar nicht erspart, aber … würden Sie das noch als Zufall oder Glück bezeichnen?“

Alexa zuckte nur mit den Achseln, was ihr mit einem stechenden Schmerz quittiert wurde. Dennoch schaffte sie es, sich nichts anmerken zu lassen. Weder, dass ihre Brüche noch ein wenig mehr Zeit zum heilen bräuchten, noch dass sie all diese `merkwürdigen Zufälle und Glücksfälle´ selbst beschäftigten.

Beide warfen noch einen letzten Blick auf die Trümmerteile und die Schneise, die sie bei ihrer `Landung´ hinterließen, markierten abermals die Richtung, in die sie gingen, und machten sich auf den Weg.

Atlantis

Er fand es nicht korrekt, die Familie Sheppard ins Büro zu zitieren. Sie hatten noch gar nicht mitbekommen, dass etwas geschehen war und das was sich zwischen der Familie und Richard entwickelte – es war seiner Meinung nach mehr als eine Bekanntschaft, oder einen Schachpartner- verlangte ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht in einem ruhigen und vor allem privaten Umfeld.

Er hoffte und vertraute darauf, sich in Doktor McKay und Dorian nicht zu irren, so dass er nun der Familie trotz der Hiobsbotschaft auch gerechtfertigte Hoffnung geben konnte. Noch einmal atmete er tief durch, bevor er den Summer zum Quartier betätigte.

Es war Patrick, der ihm gut gelaunt öffnete und ihn grüßte. „Richard! Na, lassen die Expedition und ihre Mitglieder Sie endlich mal einen Freigang machen? Kommen Sie rein.“

Richard lächelte, obwohl er schon den Knoten in seinem inneren deutlich spüren konnte, und trat ein. Carol, Patricks Frau und Johns Mutter saß gerade am Schreibtisch und erledigte wohl einige Hausaufgaben, so wie sie es gerne bezeichnete. Sie hielt es für sinnvoll und mehr als dringend sich in ihrem Berufsfeld als Psychologin wieder auf den neuesten Stand zu bringen, denn mehr als 20 Jahre fehlten ihr und ihre vergangene Existenz auf einer höheren Ebene trug diesbezüglich auch nicht bei. Dennoch war sie es, die sofort bemerkte, dass ihrem Besucher etwas auf der Seele lag.

„Was hat er jetzt wieder angestellt?“, fragte Carol seufzend.

„Nichts, nichts. Es ist nur … wir sollten uns vielleicht setzen“, erwiderte Richard und wartete, bis auch das Paar sich näher zu ihm gesellte.

Auf dem unbekannten Planeten

Nach stundenlangem Marsch in praller Sonne und Temperaturen, die einen beinahe dahin schmelzen ließen, trafen sie endlich auf das erste Grün in Form einzelner Grashalme und vereinzelten kleinen Sträuchern, und wenn der Schein nicht trog, war am Horizont bereits das größere Grün, ein dichter Urwald zu erkennen.

Dennoch dauerte es wiederum mehrere Stunden, bis sie endlich den Urwald erreichten. John wusste nicht, ob es tatsächlich so war, aber es erschien ihm, als fiele das Atmen in diesem Wald leichter. Zudem erschien es ihm auch ein wenig kühler. Womöglich gab es auch Wasser in der Nähe.

John wollte sich gerade an Alexa wenden, als er sah, wie sie bereits die nähere Umgebung scannte, doch irgendetwas schien sie zu beschäftigen. „Was ist?“

„Weiß nicht. Lebenszeichen kann ich keine empfangen. Jedenfalls keine in einer Größe, die uns Sorge bereiten sollte. In unmittelbarer Umgebung gibt es auch kein größeres Gewässer.“

„Dennoch gibt es frisches Trinkwasser“, meinte John, als er zu einem größeren Blatt griff, auf dem sich etwas Wasser sammelte. „Oder?“

Alexa scannte das Wasser und runzelte die Stirn. „Frisch und trinkbar. Wahrscheinlich hat es hier vor Kurzem anständig geregnet und Luftverschmutzung ist auch so gut wie nicht existent …“, erklärte Alexa, währen John sich um das Auffüllen ihrer Trinkflaschen kümmerte.

„Aber?“

„Was?“, fragte Alexa irritiert nach.

„Mir war, als hörte ich eben ein Aber, als Sie die Umgebung untersucht haben.“

„Ich bin mir nicht sicher. Ich hatte kurz den Eindruck, einen Wert hier drauf entdeckt zu haben, der nicht in einen Urwald hingehört. Oder in eine Wüste. Oder überhaupt auf einen gottverlassenen Planeten, wie Sie es vorhin so blumig ausdrückten.“

„Was für einen Wert?“

„Kann ich nicht sagen. Noch nicht. Er ist zu schwach um ihn genauer zu definieren. Vielleicht wird die Anzeige deutlicher, wenn wir weiter gehen.“

„Hatten wir ja sowieso vor. Aber es sind keine Wraith?“

„Keine Wraith“, bestätigte Alexa. „Zumindest keine, die wach und munter herumlaufen.“

„Na schön. Gehen wir weiter. Mal sehen, was wir finden“, meinte John, entsicherte seine Waffe und entschied voraus zu gehen, worauf Alexa nur mit den Augen rollte, sich aber kommentarlos an seine Seite gesellte, um weiterhin auf die Anzeige ihres Scanners zu achten.

Allmählich hatte sie jedes Zeitgefühl verloren, doch es mussten wieder einige Stunden vergangen sein, in denen ihr Blick immer wieder in die Ferne oder vielmehr zwischen die vielen Bäume und Hänge- und Schlingpflanzen schweifen ließ, und gelegentlich waren auch einige Büsche zu finden. Ihre Hoffnung noch auf die eine oder andere essbare Pflanze oder Frucht zu treffen wurde auch bald bestätigt, und als sie sich auch an die Lehren der Akademie und die ihres Vaters und ihrer Mutter erinnerte, fühlte sie sich verpflichtet, den Colonel über die Genießbarkeit einzelner Früchte zu informieren.

Nahrungsbeschaffung schien nun kein Problem mehr zu sein, Wasser hatten sie vorerst auch genügend, es blieb also nur noch eine Bleibe für die Nacht zu finden. Eine kleine Lichtung wäre für ein kleines Lagerfeuer in der Nacht vielleicht am besten, doch bisher schien der dichte Urwald diesbezüglich eher knauserig zu sein. Der Scanner hingegen verriet schon mehr, denn die Anzeige wurde nicht nur immer deutlicher, nein, der Wert stieg immer weiter an. Doch das war nicht das Seltsamste.

„Lassen Sie mich wieder rätseln oder eher teilhaben an Ihrer Theorie?“, fragte John, als er ihren verwirrten Gesichtsausdruck sah.

Alexa warf ihm zunächst einen eingeschnappten Blick zu, bevor sie ihre Erkenntnisse erläuterte. „Na ja, zum einen habe ich eine größere Wasserquelle ausfindig gemacht. Ein paar Kilometer in diese Richtung.“

„Kilometer? Das Ding hat doch nur eine Reichweite von ein paar Hundert Meter.“

„Jetzt nicht mehr“, gab Alexa gleichmütig zurück.

John blinzelte überrascht. „Hätten Sie das nicht vorher sagen können? Ich dachte, so manches wäre schon längst mal aufgemotzt worden.“

„Sie dachten? Sie haben wohl eher erwartet, was? Und Sie glauben wahrscheinlich noch an Wunder, hm? Sagen Sie mir eines Colonel. Haben Sie auch darauf gewartet, dass Ihnen die Adresse von Atlantis einfach so zufliegt, oder haben Sie sich doch ein bisschen anstrengen müssen? Sie sollten vielleicht nicht zu viel erwarten.“

John erkannte sofort, worauf dieses Wortgefecht hinausführen sollte, und entschied sich, nicht weiter auf das Thema einzugehen und ihr stattdessen gleich einen Strich durch die Rechnung zu machen. John schmunzelte leicht. „Ja, da haben Sie auch wieder recht. Was habe ich mir nur gedacht?“

Alexa konnte wirklich nicht sagen, was gerade geschehen war. War es dieses hinterlistige Grinsen im Gesicht ihres Gegenübers oder dessen Aussage, das sie auf eine merkwürdige Art und Weise mehr traf, als sie zugeben wollte?

„Was … was soll das jetzt heißen?“

„Ach Sie wissen schon. Was ist jetzt mit der Anzeige? Großes Gewässer, okay. Sonst noch was?“

Alexa blinzelte noch einige Male, unfähig aus Johns Worten schlau zu werden. Aber dieses Thema würde sie sich für später aufheben. „Ähm … den Wert, den ich vorhin habe messen können … es scheint ein Energiewert zu sein und wir scheinen immer näher heranzukommen.“

„Genauer geht´s nicht?“, hakte John nach.

Alexa prustete genervt auf. „Sie wollten doch nicht mehr zu viel erwarten, oder?“

„Ich will nur wissen, ob es gefährlich werden könnte“, presste John zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus.

„Ich schätze, das finden wir noch früh genug heraus“, murrte Alexa und machte sich wieder auf den Weg, nicht ohne vorher eine der leckeren Früchte von einem der Sträucher zu pflücken, wobei sie aber auch nicht darauf achtete, dass der Ast nach hinten schnellte und John beinahe im Gesicht erwischte.

Abermals musste er auf die Zähne beißen und sich eines Fluchs verkneifen, der ihm schon eine ganze Weil auf der Zunge lag. Hatte er eben noch den Eindruck gehabt, seine Begleitung wäre zumindest wieder ein wenig umgänglicher, wurde er abermals enttäuscht. Seine Existenz in der Nähe dieser Antikerin schien einer ewigen Achterbahnfahrt zu gleichen. Oder eher das stete und runde Auf und Ab eines Riesenrads. Allerdings liebte er Riesenräder. John grinste, als er sich Frohgemutes auf den Weg machte und sich wieder der Antikerin anschloss. So schnell würde sie ihn nicht loswerden.

Wieder schlugen sie sich eine ganze Weile durch den Urwald, trafen auf weitere exotische Pflanzen und Viecher, die durchaus hübsch anzusehen waren und für Biologen und Botaniker das reinste Paradies bedeuten würde. Doch plötzlich lichtete sich der Wald und zum Vorschein kam eine große Klippe, von der es einen spektakulären Blick über einen türkisblauen Ozean gab.

„Hm! So viel zum größeren Gewässer“, meinte John.

„So genau konnte mir der Scanner das auch nicht mitteilen“, gab Alexa knurrend zurück.

„Schon gut … ich meine ja nur. Ich bin selbst überrascht, dass das Ding so groß ist“, verteidigte sich John.

„Das Ding ist ein Ozean“, erwiderte Alexa trocken, während sie weiterhin die Anzeige des kleinen Geräts studierte und somit Johns bösen Blick nicht mitbekam.

„Was ist mit dem Energiewert? Gibt es da was Neues?“

„Nur, dass wir ziemlich nah dran sein müssen … in der Richtung und …“

„Und was?“

„Weiß nicht. Die Signatur kommt mir irgendwie vertraut vor. Mehr kann ich aber erst sagen, wenn ich sehe, womit wir es zu tun haben“, erklärte Alexa und ging einige Schritte.

„Wohin denn? Ich dachte, es ginge in diese Richtung“, meinte John, als er sich darüber wunderte, in welche Richtung die Antikerin schlenderte.

„Colonel, es gibt Momente, in denen ich gerne Mal für mich wäre“, gab Alexa zurück und hoffte, nicht näher auf ihr Vorhaben eingehen zu müssen. Aber so wie es aussah, wurde diese Hoffnung zerstreut. „Momente, ich denen ich gewisse Dinge ohne Zeugen erledigen will.“

John nickte, als er verstand, konnte sich aber ein Kommentar auch nicht verkneifen. „Aber nicht zu weit, klar? Ich warte hier. Wir können uns das, was immer es ist, dann zusammen ansehen.“

Alexa blieb nur kurz stehen, und auch wenn sie ihm bereits den Rücken gekehrt hatte, konnte John ihre Gereiztheit daran erkennen, wie sie den Kopf Hilfe suchend gen Himmel hob, einatmete, kurz die Luft anhielt, dann aber seufzte und murmelnd – wahrscheinlich eher fluchend – den Kopf schüttelte und im nächsten Dickicht verschwand.

John blieb zurück, genoss die Aussicht, inspizierte den Strand unter der mindestens zweihundert Meter hohen Klippe und bedauerte es, kein Surfbrett zur Hand zu haben, denn es schien einige schöne Brecher zu geben, die er liebend gerne ausprobiert hätte. Dann begutachtete er die naheliegenden Sträucher und entschied ein paar der köstlichen Beeren zu naschen. Dass Alexa länger weggeblieben war, als ihm recht war, fiel ihm erst auf, als er ihre Stimme hinter sich vernahm.

„Diese Beeren sollte man besser nicht essen. Sie sind nicht gut verträglich.“

„Ach was. Auf der Erde haben wir gelernt, dass Beeren die so aussehen unbedenklich sind“, gab John sicher zurück.

„Und wie nennt man diese Beeren auf der Erde?“

„Nun … es sind nicht direkt dieselben Beeren, aber … ist doch egal, Sie schmecken und ich lebe noch und wir haben ein bisschen was zu essen. Ich esse sie schon ne ganze Weile, also giftig können sie nicht sein“, erklärte der Soldat weiter, worauf Alexa nur nickte.

„Aha … ich erinnere mich, Ihnen deutlich gezeigt zu haben, welche Beeren und Früchte hier essbar sind. Sie können von Glück reden, wenn Sie sich gleich wieder von Ihnen trennen.“

John seufzte genervt. „Wollen Sie jetzt eine auf Besserwisser machen?“

„Ich meine ja nur. Ich lebe schon ein bisschen länger in dieser Galaxie als Sie. Sie können mir also ruhig vertrauen, wenn es um … verbotene Früchte geht.“

„Und die dreizehntausend Jahre, die Sie mit Ihrem Schönheitsschlaf verbracht haben, zählen Sie tatsächlich dazu?“, gab John spitz zurück, spürte aber gleich darauf ein merkwürdiges Grummeln und wühlen in seinem Magen und ehe er sich versah, konnte er sich nur noch abrupt abwenden und spukte die gegessenen Beeren derart geräuschvoll wieder aus, dass sogar Alexa teils angewidert, aber auch zum teils mitfühlend das Gesicht verzog.

Doch ihr Mitleid schien arg begrenzt zu sein und sie hatte sich schnell wieder im Griff. „Ja, denn sehen Sie, Colonel, manche Dinge ändern sich auch in dreizehntausend Jahren nicht. Und übrigens, wir Besserwisser nennen diese Beeren Vomitacini –Kotzbeeren.“

John wollte ihr abermals einen wütenden Blick zuwerfen, noch viel mehr wollte er ihr eine gepfefferte Antwort geben, doch wieder musste er würgen und hoffen, die Bauchschmerzen würden verschwinden, sobald sein Magen wieder leer sei. Außerdem hoffte er, seine Würde alsbald wieder einholen zu können.

„Sie können froh sein, dass es so läuft. Meine Mutter nutzte diese Beeren früher als Medizin, um eben jene Reaktion kontrolliert hervorzurufen, aber bei einer Überdosis, können schwere Reaktionen auftreten. Stundenlange Koliken, sowie Bewusstlosigkeit waren da keine Überraschung. Die Schmerzen und die Übelkeit sollten vergehen, sobald Sie alles wieder los sind … oh, und bevor ich es vergesse …“, sprach Alexa weiter, wurde aber wieder durch Johns Würgen unterbrochen. „Wenn Sie sich ausgekotzt haben, sollten wir uns etwa zweihundert Meter in dieser Richtung treffen. Es gibt da etwas, das Sie sehen sollten.“

John war sich wirklich nicht so sicher, ob er die Flüche, die ihm gerade einfielen, laut aussprechen sollte, aber er war heilfroh, als endlich das Würgen nachließ und auch die Schmerzen vergingen allmählich, kaum, dass er wieder halbwegs normal durchatmen konnte. Nun galt es nur noch das letzte bisschen Stolz, Ehre und Würde zusammenzukratzen und sich anzusehen, was die Teufelin, äh, Alexa denn gefunden hatte.

Kaum hatte er sich den Mund gespült um den ekligen Geschmack loszuwerden, abermals tief durchgeatmet und die letzten hundert Meter hinter sich gebracht, wurde er von dem Anblick des riesigen weißen steinernen Baus mehr als überrascht.

„So viel zu Ihrer Gefahr“, verkündete Alexa und studierte weiterhin die Anzeigen des Scanners, während John seine kürzliche Entwürdigung gänzlich vergaß.

„Oh … wow!“

Der weiße enorme Bau stellte sich nach näherer Betrachtung eher als eine riesengroße Villa heraus, die schon lange verlassen sein musste. Dennoch befand sie sich in erstaunlich gutem Zustand. Wenn man von dem halben Urwald, der alles überwucherte und dem ganzen Schmutz einmal absah.

„Tja, ich schätze, wir haben nun sogar ein Dach über dem Kopf.“

„Die Energiewerte kommen definitiv von dem Gebäude“, meinte Alexa.

„Aber was genau es damit auf sich hat, wissen Sie nicht?“, wollte John wissen und bemerkte kurz darauf Alexas eingeschnappte Miene.

„Es ist, wie vor einigen Sekunden schon bemerkt, ein Gebäude. Aber warum dieser Bau diese Energiewerte aussendet, kann ich nicht sagen, nein. Vielleicht erfahre ich mehr, wenn ich die Quelle erreiche.“

„Und Lebenszeichen gibt es immer noch keine?“

„Immer noch keine in unserer Größe oder größer.“

„Also Kleinvieh. Na schön. Zur Feier des Tages könnte es heute Abend dann auch noch einen schönen Braten geben. Eichhörnchen oder Echse oder so was.“ Alexas angewiderter Blick sprach Bände, aber John war gerade so schön in Fahrt. „Oder eher Appetit auf Schlange?“

Alexa brummte genervt und machte sich auf den Weg. „Der Kerl frisst wohl alles“, murrte sie noch in lantianischer Sprache, wobei John sich nicht die Mühe machte, genauer nachzufragen. Stattdessen nahmen sie ihre Waffen in Anschlag, brachten die restliche unwegsame Strecke in Angriff um sich dann ausgiebig im Erdgeschoss des Bauwerkes umzusehen.

„Kommt Ihnen die Architektur irgendwie bekannt vor?“, fragte John, der selbst gelegentlich einen Blick auf das LSD in Alexas Hand warf.

„Ich weiß nicht. Ist aber auch nicht viel von der Architektur zu erkennen.“

„Na ja, ein Besen und ein paar Lappen … und vielleicht ein bisschen Politur und hier drinnen könnte es wieder glänzen und blinken wie zu alten Zeiten.“

„Fragt sich nur, wie lange Ihre sogenannten alten Zeiten schon vorbei sind“, gab Alexa weiter und wechselte abrupt die Richtung. „So wie es aussieht, kommen wir der Energiesignatur immer näher.“

„Gut. Solange wir nicht auch irgendeiner Gefahr näherkommen, soll es mir recht sein.“

„Wo bleibt Ihr Abenteuersinn, Colonel?“

„Ich glaube, den habe ich im Wrack des Jumpers gelassen.“

„Oh“, seufzte Alexa mitleidig, wobei John keine Sekunde an ihre Ernsthaftigkeit glaubte. „Ich wette, wenn McKay hier wäre, hätten Sie kein Problem bei dieser Erkundungstour.“

„Ich habe auch nicht Ihrem Vater und den Generälen auf der Erde versprochen, auf McKay aufzupassen, weil irgendein Irrer hinter ihm her ist.“

Das ließ Alexa lediglich die Augen verdrehen, doch John war sich einmal mehr sicher, ihr eine entsprechende Retourkutsche verpasst zu haben. Allmählich machten ihm diese kleinen Wortgefechte wirklich Spaß.

„Sehen Sie es so, Colonel, vielleicht finden wir hier noch was Nützliches.“

„Sie meinen nützlicher als ein Dach über dem Kopf, ne große Wasserquelle und genügend Essbarem, dass von Bäumen wächst? Sie sind eine hoffnungslose Optimistin.“

„Haben Sie etwas daran auszusetzen? Apropos Wasserquelle … ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, was dieses rauschen zu bedeuten hat“, meinte Alexa und drehte sich zu einem größeren Fenster, durch das man neben den Hänge- und Schlingpflanzen einen Wasserfall entdecken konnte.

„Hm! Und eine Dusche haben wir auch.“ John beugte sich etwas weiter durch das Fenster, entfernte das Gröbste an Pflanzen und Schmutz und staunte abermals. „Und für die Lady eine hübsche Badewanne.“

„Wohl eher eine Lagune“, hauchte Alexa.

„Sage ich ja. Ich glaube, wir sind hier in einem kleinen Paradies gestrandet. Hier lässt es sich doch gut eine Zeit lang aushalten.“

„Wenn erst einmal dieser Irrgarten und er ganze Dreck weg wäre und wir ein paar Möbel finden würden, ja, dann wäre es durchaus akzeptabel.“

John ging nicht weiter auf die beiläufige Nörgelei ein, während sie sich weiter der Suche nach der Energiequelle machten. Das Erdgeschoss hatten sie bereits gründlich in Augenschein genommen und die obere Etage war auch nicht gerade aufschlussreicher.

Dennoch fanden sie Dutzende riesige Räume, die einst als Wohn- oder Schlafräume gedient haben mussten. Auch mehr als ein Badezimmer schien es zu geben und beide kamen nach kurzer Zeit zu dem Schluss, dass das Gebäude mit seinen unzähligen Flügeln für mehrere Personen oder vielmehr Familien gedacht sein musste.

„Vielleicht war es auch etwas für eine einzelne Familie und jedes Mitglied hatte seinen eigenen Bereich“, meinte John, als er langsam die Stufen zum Kellergewölbe hinab schritt und in jeden einzelnen Wickel leuchtete, die jedoch von Spinnen und ihren Spinnweben und anderen Krabbeltieren und Insekten bewohnt wurden.

„Wenn Sie meinen. Vielleicht finden wir irgendwo ja etwas, was uns Anhaltspunkte über den Zweck dieses … Schlösschens liefert. Dann können Sie vielleicht auch etwas beruhigter schlafen.“

John rollte mit den Augen und schüttelte den Kopf. Wieso musste sie ihm nur das Leben so schwer machen? Dennoch schafften Sie es gemeinsam den Schrott und gröbsten Schmutz aus dem Weg zu räumen, bevor Alexa bemerkte, dass sie direkt vor der Energiequelle stehen musste.

„Das ist eine simple Wand“, bemerkte John.

„Typisch Mann. Achtet immer nur auf Äußerlichkeiten. Colonel, wie oft haben Sie schon vor einer simplen Wand gestanden, die sich später als vielmehr entpuppte?“

„Ja ja, schon gut, schon gut. Wie … entpuppen wir Sie jetzt?“

„Fangen wir erst einmal mit dem Einfachsten an“, meinte Alexa seufzend und hob die Hand an die Wand, die sich sofort entmaterialisierte und ein riesiges Computerterminal offenbarte.

„Hm!“

„Agnosco Initia!“

John und Alexa zuckten zusammen, als die klare männlich klingende Stimme des Computers ertönte. „Was? Was hat er gesagt?“

„Erkenne … Initia. Was immer das sein soll“, wisperte Alexa und blinzelte, da das ständige Aufflackern des Bildschirmes sie arg irritierte.

„Heißt Initia denn nicht so etwas wie der Beginn, Anfang, Start, oder so was in der Art?“,

„Ja. Wahrscheinlich war das die Meldung, dass er hochgefahren und startbereit ist. Hat wohl einen Wackler drin.“

Auch John war von dem steten Blinken, flackern und flimmern genervt und schlug mit der flachen Hand gegen den Bildschirm. Der Wackelkontakt schien beseitigt, doch die nächste Meldung ertönte.

„Agnosco Agema!“

Eine ganze Weile blickten die beiden Soldaten den nun mehr störungsfreien Bildschirm mit großen Augen an, bevor sie sich gegenseitig bedeutungsvoll ansahen.

„Okay … vielleicht doch kein Wackler.“

„Nein, mit Sicherheit nicht. Agema … das ist doch das Wort, dass Woolsey irgendwo aufgeschnappt hat.“

„Ja, während eines Gesprächs zwischen meinem Vater und meinem Bruder. Es bedeutet Leibgarde, oder auch Leibwächter, je nach dem … sehen Sie sich das hier an! Sehen Sie diese Zeichen? Das sind fast beinahe die gleichen Zeichen und Symbole wie … auf den Steinen auf M4X-282. Die Zeichen und Symbole, die Doktor Jackson entschlüsseln und übersetzen soll.“

„Und mit denen er immer noch Schwierigkeiten hat“, meinte John und studierte die Anzeigen.

„Da ist er nicht der Einzige. Aber … vielleicht …“ Alexa begann in ihrem Rucksack zu wühlen und beförderte ein kleines Tableau zutage. „… kann ich hiermit eine Verbindung mit diesem Computer herstellen und gleich auch noch die Symbole entschlüsseln.“

John war zwar überrascht, dass Alexa ein Tableau, das eigentlich für die Wissenschaftler auf der Alphaseite gedacht war, mitgeschleppt hatte, aber es hatte nun auch was Gutes.

„Na schön, dann schlage ich vor, dass wir hier unsere Zelte aufschlagen. Vielleicht schaffen Sie es ja auch gerade, ein wenig Licht werden zu lassen.“

Alexa sah ihn böse funkelnd an.“Vielleicht wünschen Sie noch Ordnung, Sauberkeit, Politur und einen neuen Anstrich mit einem Knopfdruck, hm.“

„Das wäre was, ja. Aber ich gebe mich für den Anfang auch mit Licht zufrieden.“

„Na, wenn das so ist, es werde Licht!“, höhnte Alexa, worauf doch tatsächlich die unterste Etage in strahlendes Licht getaucht wurde.

Überrascht blickten die beiden sich an, bevor ihr Blick zum Computer in der Wand glitt.

„Hm! Spracherkennung!“

„Umso besser“, meinte Alexa und wandte sich wieder dem Computer zu. „Erkläre Agema!“

„Impossibilis!“

„Erkläre Initia!“

„Impossibilis!“

„Na toll. Er versteht uns, aber kann uns keine Erklärung geben“, maulte Alexa und machte sich daran, einen Zugang zum Anschluss des Tableaus zu finden.

„Vielleicht ist es keine Datenbank, sondern vielmehr ein Computer, der zur Kontrolle einiger Funktionen in diesem Haus dient“, meinte John und machte sich daran, den Keller genauer in Augenschein zu nehmen.

„Licht und Klospülung auf Kommando! Der neue Meilenstein in der technologischen Entwicklung meines Volkes. Ich bin ja so stolz auf mein Erbe!“

John musste sich arg ein lautes Auflachen verkneifen, konnte aber ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Es war wirklich merkwürdig, wie schnell Alexas Stimmung kippen konnte. Im einen Moment, war sie unnahbar, beleidigend, jähzornig und zickig, im nächsten trieften ihre Worte vor Sarkasmus, Hohn und Bosheiten und wiederum einen Augenblick später witzelte sie herum. John schüttelte abermals den Kopf und wandte sich den Überresten, von was auch immer es einmal gewesen sein musste, zu.

Aber außer den kleinen Nagetieren und Insekten, die sich offenbar ganz wohl hier unten zu fühlen schienen und dem Computer schien es im Keller sonst nichts Interessantes oder gar Nützliches zu geben.

„Was genau haben Sie jetzt vor?“, wollte John wissen, als er sich wieder zu ihr gesellte.

„Herausfinden, was hier los ist, was es mit diesem Computer in diesem … dieser Villa auf sich hat, was und warum er etwas über Agema weiß und was er überhaupt kann. Mal sehen, vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich, Ordnung und Sauberkeit per Knopfdruck zu erreichen.“

Nur kurz sah sie lächelnd zu John und ich diesem einen kurzen Augenblick glaubte er, sein Herz sei stehen geblieben. Schnell räuspere er sich. „Na schön. Ich äh … kommen Sie alleine hier unten zurecht?“

„Ich bin schon groß Colonel. Man kann mich ruhig mal fünf Minuten alleine lassen.“

„Na, ich weiß nicht. Und so alleine sind Sie ja auch nicht“, gab John zurück und wies auf die vielen Spinnen in den Ecken und Winkeln hin.

„Ich glaube, die haben mehr Angst vor mir, als ich vor Ihnen.“

„Und das zu Recht. Ich werde mal nach oben gehen und testen, ob der Funk geht, ein nettes Plätzchen für die Nacht und was zu essen finden.“

„Und lassen Sie bitte die Finger von den Beeren oder andern Früchten, die ich Ihnen nicht gezeigt habe. Ich habe keine Lust, die Krankenschwester für Sie zu spielen“, gab Alexa knapp zurück und John wunderte sich einmal mehr über den schnellen Stimmungswechsel.

Kopfschüttelnd machte er sich auf den Weg nach oben, stellte durch Alexas fauchende und genervte Antwort zufrieden fest, dass der Funk funktionierte und dabei gerade ein weiterer Stimmungswechsel vollzogen war, und schlenderte dann durch einen der größeren Räume. Im Nu hatte er die größten Ranken und Gewächse aus dem Raum verbannt, ein Stück Holz und einen alten Lumpen zu einer Art Besen zusammengeflickt und begann nun den gröbsten Schmutz aus dem Raum zu befördern. Am Ende wusste John nicht, wie lange er schon Ordnung schaffte, aber nun sah es doch schon viel wohnlicher aus.

Das fiel auch Alexa auf, als sie aus dem Kellergeschoss kam und überrascht die Augen aufriss. Doch auf ein lobendes Kommentar wartete John vergebens.

„Er ist hinüber.“

„Wie hinüber? Wie haben Sie das denn angestellt?“, fragte John entnervt.

„Ich habe gar nichts … ihm scheint die Energie ausgegangen zu sein!“

„Lief er denn nicht über ein ZPM?“

„Nein, kein ZPM. Ich nehme an, es war kein Zufall, dass dieses Gebäude hier an einem Ozean und einem Wasserfall errichtet wurde und es würde mich auch nicht wundern, wenn wir auf dem Dach noch so etwas wie Solarzellen entdeckten.“

„Also regenerative Energie. Und was hat Ihnen das verraten?“

„Nun, im Gegensatz zu Ihnen habe ich Augen im Kopf, okay? Und jeder Computer, unabhängig, welchem Zweck er dient, besitzt eine Datenbank. Irgendwie habe ich es geschafft, auf einige Blaupausen und Schemata zu stoßen und dann brauchte es nicht viel, um eins und eins zusammenzuzählen und zu erkennen, um welche Energiegewinnung es sich handelt.“

„Okay, okay. Aber wieso ist ihm jetzt die Energie ausgegangen? Die Sonne scheint wie wohl jeden Tag und das Wasser fließt auch noch immer.“

„Da liegt der Haken. Der Computer und so wie es aussieht der gesamte Bau, wurden seit mehr als zehntausend Jahren nicht mehr gewartet. Vielleicht sogar fünfzehntausend Jahre. Irgendwo lag beziehungsweise liegt ein Defekt, der sich mit der Zeit auf weitere Systeme ausgebreitet hat. Abgesehen davon ist Ihnen nie aufgefallen, dass wir dieses Anwesen nicht von der Umlaufbahn haben sehen können?“

„Ich war zu der Zeit anderweitig beschäftigt, falls es Ihnen nicht entgangen sein sollte“, erwiderte John gereizt zurück.

Alexa seufzte erschöpft auf. „Schön. Aber selbst als wir uns durch die Wüste und den Urwald gekämpft haben, haben wir allenfalls den Energiewert messen können und das auch nur, weil wir lantianische Messgeräte genutzt haben.“

„Das soll heißen, dass es getarnt war? Dass nur jemand mit Antiker-Technologie das hier finden kann?“

„So zu sagen, ja. Es scheint eine Art Tarnung zu sein. Allerdings anders als die Tarnung des Jumpers oder gar der Stadt.“

„Aber trotzdem lantianischen Ursprungs?“, versuchte John sich zu versichern.

„Vermutlich.“

„Tja, dennoch ist sie jetzt hinüber. Können Sie es reparieren?“

„Nicht, ohne passendes Werkzeug und auch nicht, wenn ich meine eigene Sprache nicht verstehe. Zumindest gehe ich davon aus, dass sie mal zu meinem Volk gehörte“, knurrte Alexa. „Das Einzige, was darauf hindeutet, sind die Symbole und Schriftzeichen, die denen auf M4X-282 ziemlich ähneln. Ich habe damals die Steine auf M4X-282 untersuchen wollen, weil ich glaubte, dass es ein Relikt, eine Überlieferung oder Ähnliches aus der Vergangenheit unseres Volkes ist und dann hat mein Vater mir strikt verboten, mich diesen Steinen jemals wieder zu nähern. Ich sollte mich von ihnen fernhalten. Er weiß wohl, was auf den Steinen steht, er wusste auch, was auf dieser Notiz stand, die mein mysteriöser Stalker auf M8Z-087 hinterließ, er kennt diese Sprache und dann diese Geheimniskrämerei …“

„Das hängt alles zusammen. Aber das haben wir bereits vermutet“, meinte John, als er bemerkte, dass Sie sich in Rage redete. „Das ist der Beweis dafür, dass er ganz genau weiß, was vor sich geht. Aber jetzt kommt noch dieses Anwesen hinzu. Ich frage mich, was genau es damit auf sich hat.“

„Das habe ich nicht mehr herausfinden können. Aber … glücklicherweise habe ich eine Kopie der Datenbank anfertigen können. Zumindest hoffe ich, dass ich die komplette Datenbank hier drauf habe“, erklärte Alexa und hielt einen Speicherkristall in der Hand. John wunderte sich abermals, woher diesen nun bekommen hatte. „Vielleicht gelingt es Doktor Jackson und Doktor McKay dann zusammen eine Übersetzung anzufertigen und so haben wir dann mehrere Mücken mit einer Klappe geschlagen.“

„Fliegen“, korrigierte John sie.

„Von mir aus auch die. Aber dann erfahre ich endlich, was gespielt wird. Was dieses Haus zu bedeuten hat, die Steine, der … spinnende Stalker, die Geheimniskrämerei … das alles kann kein Zufall mehr sein. Ich glaube so langsam auch nicht mehr an eine simple Fehlfunktion des Gates. Ich meine, wie groß ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit all diesen Fragen und Hinweisen eher zufällig hier auf diesem Planeten, in diesem … Haus mit diesem Computer und all seinen Symbolen landen?“

„Ziemlich gering“, meinte John beiläufig. „Aber wenn es keine Fehlfunktion war, was war es dann?“

„Manipulation? Sabotage? Wollen Sie etwa damit sagen … Dorian kennt sich mit der Gate-Technologie ziemlich gut aus, ja und McKay ist auch ein Genie, was unsere Technologie angeht, aber so was etwas traue ich keinem der beiden zu.“

„Ich traue niemandem auf Atlantis so etwas zu.“

„Also was hätte man davon, uns zu grillen? Was hätte irgendjemand von unserem Tod? Nein, umbringen will man uns mit Sicherheit nicht.“

„Nein … aber vielleicht wollten sie uns nur für eine Zeit lang loswerden.“

„Wieso denn das?“, entfuhr es Alexa und John wunderte sich abermals über das unschuldig scheinende Mienenspiel.

John sah sie eine ganze Weile entrüstet an. „Das meinen Sie jetzt nicht ernst oder?“ Alexa blickte ihn immer noch verdutzt an. „Sagen Sie bloß, es ist Ihnen nicht aufgefallen, dass die ganze Stadt seit Tagen, Wochen spinnt. Eine Fehlfunktion jagt die nächste.“

„Und was haben wir damit zu tun?“

John traute seinen Ohren kaum und so kamen ihm abermals Zweifel über Atlantis als fühlende Stadt auf. Doch aufgeben wollte er so schnell nicht, schon gar nicht, weil es ihn schon seit geraumer Zeit interessierte, was Alexa von dieser Theorie hielt. „Was halten Sie eigentlich von der Theorie einiger Wissenschaftler, dass Atlantis ein … sensibles Wesen sei?“

Alexa blickte ihn nur starr an und John konnte nicht einmal den kleinsten Hinweis über ihre Gedanken oder Empfindungen finden. Er verfluchte sich einmal mehr, nicht ebenfalls emphatische Fähigkeiten zu haben, um herauszufinden, was gerade in ihr vorging. So blieb ihm nichts anderes übrig, als ihre Antwort abzuwarten.

„Wissenschaftler und ihre Theorien, hm. Und jetzt wollen Sie mir sagen, dass Atlantis … was? Krank ist? Depressionen hat? Oder worauf zielt dieses Gespräch ab?“

„So in etwa. So wie Woolsey und Ihr Vater genug hatten und uns Strafarbeit und uns zu einem Besuch auf der Alphaseite verdonnert haben, kann es doch sein, dass Atlantis selbst ebenfalls genug von dem ganzen Hick-Hack mit uns hat und uns … hier hingeschickt hat.“

„Colonel kann es sein, dass Sie außer den Kotzbeeren auch noch andere Früchte gegessen haben, die Ihnen jetzt nicht bekommen? Manche dieser Früchte können Halluzinationen und Wahnvorstellungen hervor rufen.“

Nun lag es an John, sie starr, aber eindringlich anzusehen. Nein, er würde so nicht weiterkommen. „Wissen Sie was? Vergessen Sie es einfach. Ich gehe jetzt mal sehen, was dieses Anwesen noch zu bieten hat.“

Und damit war John zum Hinterausgang verschwunden. Alexa blickte ihm noch nach, nicht wissend, was sie von der Situation und seinen Worten zu halten hatte. Doch kaum hatte sie wieder halbwegs klare Gedanken fassen können, folgte sie ihm und ließ sich von der überwältigenden Schönheit des Wasserfalls und der Lagune hinreißen.

Kühles und erfrischendes Nass, dass in beruhigendem Rauschen in Kaskaden an hellem Gestein hinab in ein großes mit türkisfarbenem Wasser gefülltes Becken floss. Ein kleiner Bach, gesäumt durch einen schmalen, weißfarbigen Sandstrand, der das Becken mit dem Ozean verband. Exotische, wohlriechende Blüten, in den schönsten und buntesten Farben blühten um das Gewässer herum, lockten Mensch und farbenfrohes Federtier an und luden zum Erholen und entspannen ein.

Alexa hatte sich offenbar sofort in diesen Ort verliebt, bemerkte John, als er einen kurzen Blick zur Seite wagte. Er sah, wie ihre Augen die Umgebung musterten und wie dieses entzückte Lächeln ihre Lippen umspielte. Sah, wie sie an einzelnen Blumen schnupperte, ihre Hand in das kühle Wasser tauchte, nur um sich dann etwas davon ins Gesicht zu spritzen. Sie schien sich von Minute zu Minute mehr zu entspannen, das konnte er ihr an ihrem Gesicht und ihrer Haltung ansehen. Sie schien sich wohlzufühlen.

„Wollen wir zum Strand runter? Mal sehen, was es dort zu entdecken gibt? Vielleicht gibt es ja Fische, die wir fangen und grillen können.“

„Mhm“, summte Alexa, sog noch einmal den Duft der Blumen und Früchte auf ihrem Weg neben ihm ein.

Atlantis

Dorian hatte sich zurückgezogen. Vielmehr hatte er sich in seinem Labor eingeschlossen und kauerte nun in einer Ecke auf dem Boden. Er wollte Ruhe, er wollte Frieden, er wollte wieder Klarheit in seine Gedanken bringen. Verdammt, er wollte überhaupt wieder denken können.

Noch niemals in seinem Leben hatte er eine solche Angst und Panik verspürt, noch niemals einen solchen Schmerz, solche Verzweiflung und Hilflosigkeit empfunden.

Nein, das stimmte nicht ganz.

Er kannte das Gefühl der Furcht, der Sorge, der Machtlosigkeit und er wusste auch, was Schmerzen waren, was sie bedeuteten und was sie verursachte. All das hatte er schon einmal empfunden, weil er seine Schwester schon einmal verloren hatte.

Er hatte immer gewusst, dass das Leben eines Soldaten von Gefahr, Schmerz und Leid und auch Tod geprägt war. Das hatte er in der Vergangenheit immer und immer wieder aus den Geschichten seines Vaters hören und später sogar bei seiner Schwester beobachten können. Sie hatte den Tod gesehen, sie hatte den Tod gebracht und hatte ihn sogar beinahe selbst erlebt, als ein Irrer sie in den Wahnsinn trieb.

Dorian schluckte gegen die Übelkeit, die immer ihn ihm aufkam, kaum dass die Bilder der Vergangenheit in seinem Geiste auftauchten und versuchte, Trost darin zu finden, dass man seine kleine Schwester damals nicht aufgegeben, sich stattdessen eines ungewöhnlichen Verfahrens bedient hatte und sie dadurch wieder in ihr Leben zurück fand.

Aber nun? Was blieb nun zu tun, um sie zu retten? Sie war weg! Sie und John waren in dem Jumper, der von Blitzen getroffen und in ein unstabiles Wurmloch gezogen wurde und niemand wusste besser darüber Bescheid, was mit Materie, was mit Menschen geschah, die in ein solches Chaos gerieten.

Verdammt, sogar McKay musste das wissen, also warum ließ er ihn nicht einfach in Ruhe? Warum hatte er erst die Funkverbindung deaktivieren, dann die Videoverbindung zu seinem eigenen Labor unterbrechen müssen, nur um dann noch schnell sein eigenes Labor zu verriegeln? Nicht nur Alexa war weg, auch Sheppard. Und wenn er schon nicht um Alexa trauerte, dann sollte er doch zumindest um seinen Kommandanten, seinen Teamchef, seinen Teamkollegen, seinen Freund trauern, oder?

Dorian blickte auf und ließ seinen Blick ziellos durch sein Labor gleiten, bis er auf dem Bildschirm seines Computers zum Ruhen kam. Zunächst achtete er gar nicht darauf, was er dort zu sehen bekam. Er wusste, es waren die Daten der ersten Tordiagnosen, obwohl im Hintergrund noch weitere Tests liefen. Gerade als Dorian sich fragte, warum er sich noch die Mühe machen sollte, fiel ihm etwas Ungewöhnliches auf.

Er runzelte die Stirn, kämpfte sich auf die Knie, robbte zu seinem Tisch um die Daten besser sichten zu können, und während er noch damit beschäftigt war, sich langsam gänzlich aufzurichten, traf ihn die Erkenntnis, wie ein Fausthieb.

~~~///~~~

Rodney versuchte nun schon seit einer halben Stunde, Dorian über Funk zu erreichen. Ergebnislos. So stand er nun vor dessen verschlossener Tür und wunderte sich, dass er selbst mit einer Überbrückung nicht hineingelangte. Verdammt, das passierte, wenn man versuchte, einen Antiker auszutricksen.

Tief in seinem Inneren konnte er Dorians Wunsch nach Ruhe und Abgeschiedenheit sogar verstehen, auch ihm war im ersten Moment nach der Fehlfunktion und dem allzu schnellem Ableben zwei seiner besten Freunde – ja, er zählte auch Alexa zu seinen Freunden- nach Rückzug. Doch nun ärgerte er sich mehr über sich selbst, weil er doch tatsächlich so schnell hatte aufgeben wollen. Nicht einmal Woolsey wollte er einen Vorwurf machen, da er mit seinen Fragen nach Sicherheit und Gewissheit Zweifel in ihm geweckt hatte und wenn ihn die Vergangenheit und das Leben in Atlantis mit Sheppard und auch den Antikern eines gelehrt hatten, dann, dass man John und Alexa nicht so schnell aufgeben sollte.

Außerdem hoffte er, mit Dorians Hilfe einen noch tieferen Einblick in die Tortechnologie zu erhalten. Noch einmal betätigte er den Türsummer, klopfte, nein, hämmerte regelrecht an die Tür und rief nach seinem Kollegen, doch es kam keine Reaktion. Rodney wollte nicht wirklich so weit gehen und seinen Autorisierungscode zur Überbrückung benutzen, aber wenn der Junge nicht langsam wieder zur Besinnung käme …

„Rodney“, ertönte Teylas Stimme hinter ihm und Rodney sah, dass sie in Ronons Begleitung war.

„Hey“, grüßte Rodney zurück.

„Wie sieht es aus?“, wollte Ronon wissen.

„Er macht nicht auf. Ich stehe hier mindestens schon eine Stunde und hämmere mir die Finger wund. Überbrücken kann ich die Tür auch nicht. Der Junge ist clever.“

„Bist doch cleverer“, nuschelte Ronon und Rodney lächelte leicht.

„Natürlich bin ich … das meinte ich nicht. Ja, ich könnte meinen Code benutzen um die Türen aufzukriegen, aber das hätte einen stadtweiten Effekt auf jeden Nutzer im System. Genau wie damals als Elizabeth oder viel mehr Phoebus … ach, nicht so wichtig. Ich komme nicht zu ihm durch“

„Bist du sicher, dass er da drin ist?“, fragte Teyla weiter.

„Ja. Ich habe extra noch mal über Videofeed nachgeschaut, bevor er die Verbindung zum Hauptrechner gekappt hat. Entweder er schämt sich oder er plant da drinnen etwas ganz …“

Rodney machte eine vage Bewegung in Höhe seines Kopfes, die bedeuten sollte, dass er an etwas Unglaubliches, vielmehr Verrücktes und Gefährliches dachte.

„Er schämt sich bestimmt nicht, Rodney. Er hat seine Schwester verloren. Zumindest glaubt er dies. Er möchte in seinem Schmerz alleine sein.“

„Aber es steht noch gar nicht fest, dass sie wirklich tot sind. Welcher gute Wissenschaftler geht denn gleich von irgendwelchen schlimmen Annahmen aus?“

„Du hast auch zuerst geglaubt, Sheppard sei tot“, gab Ronon prompt zurück.

„Ja, und ich habe mich wieder eingekriegt und mich eines Besseren besinnt. Ich will dem Jungen ja keine falschen Hoffnungen machen, aber … oh Gott, die Sheppards!“

„Rodney“, sprach Teyla leise und eindringlich, als sie ihm die Hand auf die Schulter legte. „Keine Hoffnung ist falsch, wenn bereits Zweifel vorhanden sind. Mister Woolsey kümmert sich um die Sheppards, Ronon und ich werden sehen, ob wir mit den Antikern sprechen können und du tust das, was du am besten kannst.“

„Und das wäre?“

„Sheppard und Alexa den Rücken frei halten und dafür sorgen, dass sie gefunden werden.“

„Und Dorian?“

Kaum ausgesprochen öffneten sich die Türen zu dem Labor und die beiden Wissenschaftler blafften sich gegenseitig an. „Sie sind nicht tot!“

„Was?“, fragte Rodney perplex nach.

„Sie sind nicht tot!“

„Na das sage ich doch! Schön, dass Ihnen das auch endlich aufgefallen ist! Wurde auch langsam Zeit. Wissen Sie, wie lange ich schon an Ihre Tür gehämmert habe? Ich habe schon Prellungen an jeden einzelnen Finger. Es würde mich nicht wundern, wenn morgen alles blau wäre.“

„Ich habe einige Tordiagnosen durchlaufen lassen und plötzlich ist mir dieser Wert aufgefallen. Er dürfte nach dem was wir gesehen haben, gar nicht existieren, geschweige denn eine solche Potenz aufweisen“, wetterte Dorian los, ohne auf die verdutzen Gesichter von Teyla, Ronon und Rodney zu achten. „Aber wenn das wirklich stimmt, könnte es beweisen –na schön zugegeben, eher darauf hindeuten, dass John und Al es lebend durch das Gate geschafft haben … könnten.“

„Das ist das, wovon ich die ganze Zeit rede!“, echofierte sich Rodney, worauf Ronon zu der Augenrollenden Teyla sah, die auf einen günstigen Moment wartete, sich zu verabschieden und die beiden Wissenschaftler ihrer Arbeit zu überlassen.

„Sie haben die ganze Zeit wie ein Besessener an meine Tür gehämmert und dann haben Sie über Ihre Finger gejammert!“

„Ja ja, also was genau haben Sie rausgefunden. Zeigen Sie her.“

Rodney nahm Dorians Tablett an sich und studierte die Anzeigen. Er erkannte schnell, dass eine andere Art von Diagnose durchgeführt wurde, die weitaus aufschlussreicher schien. Dorian würde ihm einiges erklären müssen.

„Unsere Diagnosen unterschieden sich nur in wenigen Punkten grundlegend“, begann dieser, „daher bezweifle ich, dass Ihnen überhaupt ein solcher Wert, geschweige denn ein solcher in dieser Potenz angezeigt wurde. Aber wenn Sie sich das hier genauer ansehen, dann …“

~~~///~~~

Ronon und Teyla hatten ein wenig mit Mühe ihr Vorhaben, die Antiker von den Vermutungen und Versuchen der beiden Wissenschaftler zu informieren, in die Tat umzusetzen. Hauptsächlich, weil die beiden sich zurückgezogen hatten und ihrer Trauer überlassen werden wollten. Und auch Woolsey hatte Schwierigkeiten die Sheppards davon zu überzeugen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Erst als er einige Details aus vergangenen Vorfällen verriet und von Johns Unverwüstlichkeit sprach, war auch bei den beiden die Hoffnung zurückgekehrt.

So hatten sich nun die beiden Familien, Ronon und Teyla als auch Woolsey und Daniel im Labor der beiden Wissenschaftler eingefunden und bombardierten sie nun geradezu mit Fragen, dass kaum ein Wort mehr verstanden wurde.

Erst als Carol einen ohrenbetäubenden Pfiff durch die Räumlichkeiten schickte – eine Spezialität, die den jugendlichen Sheppard Brüdern schon verhasst war- kehrte schlagartig Ruhe ein. Doch Rodney und Dorian hatten wenig Interesse und noch weniger Zeit, auf jede einzelne Frage einzugehen.

„Alles was wir bis jetzt sagen können, ist, dass es daraufhin deutet, dass die beiden möglicherweise noch leben könnten. Wir wissen nicht wie, warum, geschweige denn wo. Und von Garantien und Versprechen wollen wir erst gar nicht anfangen. Und je eher Sie uns in Ruhe weiter arbeiten lassen, desto eher können wir Ihnen Antworten geben.“

Für Rodney und auch Dorian war damit das Frage-Antwort-Spiel beendet und es war an Woolsey, mit Teylas Unterstützung den Menschenandrang im Labor aufzulösen. Doch einige wollten sich nicht so leicht geschlagen geben und nach weiteren zehn Minuten und etlichem Seufzen hatte man auch Patrick einen Datenberg zur Auswertung gegeben. Tristanius zog es vor, mit Woolsey im Kontrollraum auf Neuigkeiten zu warten, Elisha und Carol zogen sich mit Teyla zu einer aufmunternden Gesprächsrunde zurück und Daniel widmete sich wieder seinen Übersetzungen. Doch Konzentration konnten die meisten nicht wirklich aufbringen.

Auf dem fremden Planeten

Nicht nur, dass der Strand zu einem der schönsten Strände gehörte, die John seit Langem gesehen hatte, so gab es auch Fische in Hülle und Fülle und glücklicherweise waren die meisten sogar essbar.

Während John damit beschäftigt war, mit mäßigem Erfolg eine Angel zu basteln, Köder zu suchen und sich später doch eher für das praktischere und Erfolg versprechende Speerfischen entschied, hatte Alexa weitere Früchte gesammelt und den Vorrat an Feuerholz enorm aufgestockt. Auch eine kleine Vorrichtung zum Grillen des Fischs hatte sie gebaut, bevor sie nach einem weiteren Blick im Kellergewölbe des Anwesens weitere nützliche Dinge, darunter so etwas wie Geschirr gefunden hatte.

John war stolz auf die Ausbeute des Fisches und darauf ihn auch – seiner Meinung nach – fachmännisch ausgenommen zu haben. Auf einen lobenden Kommentar seitens Alexa wartete er bisher jedoch vergebens. So behielt er ebenfalls Lob und Anerkennung für die weitere Arbeit und die Mühe, die Alexa in ihre Unterkunft investiert hatte für sich. Trotzdem staunte er über die Tatsache, dass sie die wichtigsten Räumlichkeiten in Anbetracht der Umstände wirklich wohnlich, fast gemütlich eingerichtet und gesäubert hatte.

„Ich habe die Laken und das Geschirr unten im Keller gefunden“, meinte Alexa, als sie Johns Blicken folgte. Offenbar konnte er sich die Bewunderung doch nicht ganz verkneifen. „Die Betten sind wundersamerweise in gutem Zustand und so haben wir jetzt wenigstens halbwegs anständige Schlafstätten. Mit dem Geschirr haben wir auch eine Küche und nach dem Badezimmer können wir später sehen.“

„Notfalls haben wir ja die kleine Lagune mit Dusche oder Wanne. Je nachdem wozu der Sinn steht“, gab John zurück und wendete den Fisch in der behelfsmäßigen Pfanne.

„Das ist das eine. Aber eine funktionierende Toilette ist Ihnen doch bestimmt auch viel lieber als irgendein Busch.“

„Ist es ist mir sogar noch viel lieber, als das Risiko in besagtem Busch von irgendeinem exotischen Vieh in den A … Allerwertesten gebissen zu werden. Ich sehe es mir nachher an, okay.“

Mittlerweile war es schon spät und das kleine Lagerfeuer die einzige Licht- und Wärmequelle, während die beiden Soldaten näher an das Feuer rückten und entschlossen, die Inspektion und mögliche Reparaturen des Badezimmers doch lieber auf den nächsten Tag zu verschieben.

Die Müdigkeit zehrte an ihnen und John kam nicht umhin, ein weiteres kleines Streitgespräch vom Zaun zu brechen, als es darum ging, Alexas Verletzungen noch einmal zu begutachten. Entnervt zischte sie auf, als John beruhigt und zufrieden feststellte, dass es ihr diesbezüglich wohl wieder viel besser ging. Danach machte sie auf dem Absatz kehrt und rauschte in das nächste Zimmer, dass sie als ihr Schlafzimmer erwählte, schloss geräuschvoll die Tür und ließ einen grübelnden Colonel zurück.

Es waren also nicht die Verletzungen und mögliche Schmerzen, die sie derart beschäftigten und sie in diese Missstimmung versetzten. Hatte er etwa wieder etwas Falsches gesagt oder getan? Es war doch ein Zeichen von Sorge, wenn er sich nach ihren Verletzungen erkundigte. Oder war es etwa die verdammte Toilette, für die er einfach zu müde war, um sie sich noch an diesem Abend vorzuknöpfen? Aber auch sie war müde, also hatte sie doch bestimmt Verständnis dafür. Obwohl …

Vielleicht war es aber auch etwas ganz Einfaches, wie die Existenz und Entdeckung dieses Anwesens und der Tatsache, dass auch dieses in die Geheimniskrämerei ihrer Familie verwickelt war und wohl mehr hinter allem steckte, als man sich vorstellen konnte oder wollte. Aber war das ein Grund, die schlechte Laune abermals an ihm auszulassen?

Mit diesem Gedanken und dem Letzten bisschen Kraft hatte John sich in sein Zimmer geschleppt, geradeso seinen Waffengurt abgelegt, war mit dem Gesicht nach vorne ins Bett gefallen und auf der Stelle eingeschlafen.

~~~///~~~

Es war mitten in der Nacht, als John aus einem zunächst unerfindlichen Grund wach wurde. Doch schnell spürte er eine Alarmbereitschaft, die er so noch niemals erlebt hatte. Irgendwas stimmte nicht. Als ein Schrei aus Alexas Zimmer ertönte, wurde sein ungutes Gefühl nur noch bestätigt.

Mit feuerbereiter Waffe stürzte John in ihr Zimmer und sah, wie sich die Antikerin im Bett umher warf.

„Alexa … Alexa!“ John versuchte sie zunächst mit einem vorsichtigen Stupsen wach zu bekommen, doch am Ende blieb ihm nichts anderes, als sie zu packen und ein wenig unsanfter zu schütteln und dabei auch noch ihren umherschlagenden Fäusten auszuweichen.

„Schon gut! Schon gut! Wachen Sie auf!“

„Nein! … Nein!“

„Aufwachen, Alexa! … Alles Okay. Sie haben geträumt. Es ist alles in Ordnung.“

„Was?“

„Sie hatten einen Albtraum.“

Alexa löste sich leise stöhnend aus seinem Griff und floh geradezu aus dem Bett. Taumelnd blieb sie davor stehen und rieb sich verschlafen die Augen, als John sie abermals hielt. „Hey … alles in Ordnung?“

„Ja … nein. Ja.“

Panik lag in ihren Augen, als sie sich zunächst in ihrem Zimmer umsah, bevor ihr Blick durch das Fenster, auf die Terrasse und dann wieder zu John glitt. Und mit einem Mal wusste John was es mit dem mulmigen Gefühl auf sich hatte und warum es ihm bekannt vorkam.

So musste Alexa bisher immer empfunden haben, wenn dieser Fremde Verfolger in der Nähe war. Nun konnte auch John seine Anwesenheit spüren, auch wenn er ihn längst wieder verschwunden glaubte, beobachtete er sicherheitshalber dennoch die nächtliche von zwei Monden beleuchtete Umgebung, glaubte auch für einen Moment ein schwarzes nebliges Etwas zu erkennen, das aber sofort verschwunden war.

„Also, wenn er wirklich hier war, dann ist er jetzt wieder verschwunden. Haben Sie ihn gesehen? Haben Sie ihn erkennen können?“

Alexa schüttelte benommen den Kopf und John wurde sich einmal mehr ihrer Verletzlichkeit und Hilflosigkeit bewusst. „Ich habe geschlafen. Geträumt.“

John nickte nur und beobachtete sie stumm, wie sie wieder auf das Bett zurücksank und nachdenklich ihre Waffe begutachtete. Er ließ ihr eine Weile, beschloss währenddessen, nicht mehr von ihrer Seite zu weichen. Ob es ihr gefiel oder nicht.

„Wollen Sie darüber reden? Wollen Sie mir erzählen, was Sie geträumt haben?“

„Nein. Ich erinnere mich auch nicht mehr daran. Es spielt auch keine Rolle.“

„Da wäre ich mir nicht so sicher“, antwortete John, wohl wissend, dass sie ihn gerade belogen hatte. „Es hätte uns vielleicht Aufschluss geben können, was hier los ist. Vor allem, weil Sie offenbar einen so heftigen Albtraum haben, gerade in dem Moment, in dem er hier sein Unwesen treibt.“

„Es war nur ein Traum, okay. Und ich weiß es einfach nicht mehr“, wiederholte Alexa.

„Schon gut“, gab John mit erhobenen Händen zurück. „Er hätte auch irgendwas mit Ihnen anstellen können, weshalb –„

„Es geht mir gut“, knurrte Alexa zwischen den Zähnen. „Es geht mir gut, es war nur ein Traum, an den ich mich nicht mehr erinnere und der Kerl ist auch wieder weg. Kann ich jetzt endlich wieder schlafen?“

Wieder hob John ergeben die Hände und machte sich daran, es sich auf einem Sessel oder etwas, dass früher einmal ein Sessel war oder einem sesselähnlichen Möbelstück gemütlich zu machen und wurde dabei mit ungläubigen Blicken von der Antikerin beobachtet.

„Was soll denn das werden?“

„Ich mache es mir gemütlich. So weit es dieses Ding überhaupt zulässt.“

„Wenn Ihr Herz so sehr an diesem Ding hängt, können Sie es gerne mit in Ihr Zimmer nehmen.“

„Na schön. Da ich weiß, wie das Ganze hier endet, wenn ich etwas anderes sage, als das, was ich Ihnen jetzt sage …“.erklärte John und überdachte selbst für einen Moment seine Worte, „sage ich es trotzdem. Nur kurz und knapp. Der Kerl hat es einmal gewagt, in Ihr Zimmer zu kommen und hat Ihnen offenbar Albträume beschert. Ein zweites Mal kommt er hier nicht rein. Und ob Ihnen das gefällt oder nicht, ist mir so ziemlich egal. Ich überlasse Ihnen das Bett und ich zwänge mich auf dieses Ding da. Gute Nacht.“

Und somit ließ sich John in das Monstrum eines Sessels fallen und ignorierte Alexas Proteste, die sich zu Beleidigungen, Flüchen, Verwünschungen und schlussendlich zu erbostem Murmeln und Knurren wandelten. Irgendwann war Stille eingekehrt und John lauschte dem leisen und regelmäßigen Atem der der jungen Frau, die wieder eingeschlafen war. Er selbst hielt Wache, die schussbereite Waffe in der Hand und nicht mehr daran glaubend, in dieser Nacht selbst Ruhe und Schlaf zu finden. Dafür gingen ihm zu viele Fragen durch den Kopf und die Sorgen um die Frau, die er liebte, ihn auf Abstand hielt und ihn sogar belog, wuchsen immer mehr an.

~~~///~~~

Die Wut durchzog geradewegs seine Eingeweide, als er sich inmitten des Dschungels materialisierte. Hätte sie nicht geschrien, hätte er sein Werk vollbringen und Alexa auf den richtigen, auf seinen Weg führen können. Aber sein Zorn galt nicht ihr, sondern vielmehr diesem verdammten Sheppard, der nun auch noch brav Wache an ihrem Bett hielt.

Eine ganze Weile beobachtete Kieran aus sicherer Entfernung das Geschehen im Zimmer seiner Alexa und stellte amüsiert fest, dass die fantasievolle verbale Verachtung, die sie Sheppard entgegen brachte, seine Wut erheblich dezimierte. Aber ihm wurde auch bewusst, dass er sich alsbald dieses Colonels von der Erde entledigen müsste, wollte er seinem Ziel endlich entscheidend näherkommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bevor sich diese Ablehnung in lodernde Leidenschaft verwandeln konnte. Und das durfte er auf keinen Fall zulassen.

Für Sheppard würde er jedoch besondere Geschütze auffahren müssen, wollte er ihn erfolgreich aus dem Weg räumen. Dazu bedurfte es eines gründlichen Planes, bei dem nichts, rein gar nichts schief laufen durfte.

Er ließ einen letzten sehsüchtigen Blick zu Alexa gleiten, wandelte sich in einen schwarzen Nebel und verschwand dann gänzlich.

~~~///~~~

John war ein wenig mehr als überrascht, als er erwachte. Nicht nur, dass er doch noch etwas Schlaf gefunden hatte, nein, Alexas Bett war leer.

Im ersten Moment wollte sich Panik in ihm breitmachen, doch er ermahnte sich, nicht gleich vom Schlimmsten auszugehen. Alexa hätte das erneute Auftauchen des Antiker-Stalkers nicht stumm erduldet und er selbst hätte diesen Verrückten mittlerweile wahrnehmen können, kaum dass er sich ein zweites Mal in ihre Nähe gewagt hätte.

Bestimmt war sie bereits wach und kümmerte sich um das Frühstück oder war anderweitig beschäftigt.

Johns Hoffnungen zerschlugen sich zwar, was das Frühstück betraf, doch es beruhigte ihn trotzdem, sie am Strand sitzend und auf das Meer blickend aufzufinden.

„Guten Morgen.“

Alexa erschrak, wischte sich hastig die Tränen von den Wangen und sprang auf. „Colonel! Verdammt noch mal, können Sie mich nicht mal fünf Minuten alleine lassen?“

„Entschuldigung, aber woher soll ich wissen, wie lange Sie schon hier am Strand sitzen und … was ist los?“, frage John, als er nach der anfänglichen Perplexität ihre verweinten Augen sah.

„Fünf Minuten! Das ist los! Nicht mal fünf Minuten habe ich für mich und dann kommen Sie an und wollen, dass ich Rechenschaft ablege.“

„Das ist doch gar nicht wahr! Was soll denn das?“

„Warum sonst folgen Sie mir wohl überall hin? Als ob die letzte Nacht nicht schon schlimm genug war! Zuerst platzen Sie einfach so in mein Zimmer, dann erdreisten Sie sich einfach so über Nacht zu bleiben, und jetzt darf ich noch nicht mal an den Strand … was kommt denn als Nächstes?“

„Oh, tut mir leid, wenn ich mir Sorgen um Sie mache. Wie Sie vielleicht noch wissen, hatten Sie in der letzten Nacht einen ungebeten Gast.“

„Irrtum! Ich hatte zwei! Aber das war das letzte Mal, dass ich Sie derart nah an mich … das war das letzte Mal, dass Sie mir so auf die Pelle rücken!“

„Ich habe Ihrem Vater versprochen, auf Sie aufzupassen. O`Neill und Landry haben es mir sogar befohlen und gestern hätte dieser Kerl sonst was mit Ihnen anstellen können. Sie sollten …“

„Was? Froh und dankbar sein, dass ich Sie als Klette an mir hängen habe?“

„Wissen Sie was? So langsam kann ich verstehen, dass Darius sich aus dem Staub gemacht hat.“

„Was?“, platze es aus Alexa und John glaubte tatsächlich, ihr zumindest für den Moment den Wind aus den Segeln genommen zu haben.

„Sie schaffen es, sogar Aufgestiegene zu vergraulen. Wenn ich mich recht erinnere, hatten Sie neulich sogar einen kleinen Disput mit ihm, und wenn Sie mit ihm auch nur ansatzweise so umgesprungen sind, wie sie glauben, es mit mir tun zu können, wundert es mich nicht mehr, dass er lieber auf seine Ebene zurückgekehrt ist und Sie sitzen gelassen hat.“

John wusste, dass er zu weit gegangen war. Er wusste es schon in dem Moment, in dem ihm die Worte über die Lippen kamen, aber er wusste beim besten Willen nicht, woher diese Worte kamen, geschweige denn, wie er ihr so etwas hatte sagen können. Und er wusste auch nicht, dass Alexas Reflexe und Kraft besser waren, als er bisher annahm, denn die schallende Ohrfeige, die sie ihn verpasste, ließ ihn kurzzeitig Sterne sehen, während das laute Klatschen quer durch den ganzen Dschungel hallte.

Atlantis

Auch wenn sie total übermüdet waren, staunten Rodney und Dorian nicht schlecht, als sie den Führungsstab und die Familien Sheppard und Thalis, als auch Daniel und Doktor Lam in den Konferenzraum baten und diese innerhalb kürzester Zeit erschienen. Verdammt er hätte damit eine Wette gewinnen können, fluchte Rodney leise in sich hinein.

Die beiden Wissenschaftler entschieden, Fragen nicht erst wieder aufkommen zu lassen und auch nicht großartig um den heißen Brei zu reden.

„Sie leben“, gaben beide zeitgleich von sich und blickten sich dann irritiert an.

Dass daraufhin doch wieder Fragen aufkamen, war nicht überraschend, aber es war anstrengend Ihnen die gewünschte Antwort geben zu können und wieder einmal musste Carol mit ihrer Pfeifkraft einschreiten und ein gewisses Maß an Ordnung in den Raum bringen, bevor sie selbst ihre Fragen stellte.

„Wenn sie leben, warum sind sie dann noch nicht zurückgekehrt? Ihnen muss doch selbst aufgefallen sein, dass das nicht die Alphaseite war, auf der sie gelandet sind“, fragte Carol weiter.

„Ich glaube, leben war ein bisschen unglücklich ausgedrückt“, meinte Rodney.

„Unglücklich ausgedrückt?“

„Was Rodney sagen will“, schaltete sich Dorian ein, „ist, dass wir mit 94,8-prozentiger Sicherheit sagen können, dass sie es durch das Tor geschafft haben. Wie es auf der anderen Seite aussieht und warum sie sich nicht gemeldet haben, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen. Aus irgendeinem Grund sind sie wohl nicht in der Lage, uns zu kontaktieren.“

„Wir sollten aber nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen“, warf Rodney schnell ein, bevor die Panik wieder überhandnahm. „Vielleicht wurde nur ihr DHD beschädigt und sie können es nicht reparieren. Immerhin wurden sie von den Blitzen getroffen, bevor sie durch das Tor geschleudert wurden und … und auf dem Planeten, wo sie nun sind, gibt es womöglich auch kein zweites DHD.“

„Könnt ihr uns zumindest sagen, aus welchem Gate genau sie rausgekommen sind?“, wollte Tristanius wissen.

„Nein. Aber daran haben wir die andere Hälfte der Nacht gearbeitet“, antwortete Rodney.

„Die andere Hälfte der Nacht? Ihr habt uns nicht gleich mitgeteilt, dass sie noch leben?“, fragte Daniel leicht ungehalten.

„Wozu? Damit wir wieder mit Fragen bombardiert werden, auf die wir noch keine Antwort haben oder Erklärungen abgeben sollen, die wir einfach nicht abgeben können, weil man uns von der Arbeit abhält, die eben solche Fragen beantworten und Erklärungen liefern könnte?“

„Äh … vergessen Sie es. Also was haben Sie in der letzten Hälfte der Nacht erreicht?“

„Wir hätten uns das hier gerade auch sparen können, wissen Sie?“, murrte Rodney, während Daniel nur seufzend die Augen schloss und dann ergebend nickte. So langsam bekam er den Dreh raus, wie er mit dem zuweilen schwierig geltenden Kanadier umgeben sollte.

„Doktor McKay, bitte“, bat Richard, der bisher den Gesprächen eher ruhig beigewohnt hatte.

„Sie wissen, dass aufgrund einiger technischer Begebenheiten, auf die ich jetzt nicht näher eingehen will, die letzten fünfzig Gate-Adressen die angewählt wurden, gespeichert werden. Aber da es zu einer gravierenden Fehlfunktion gekommen ist, sind die beiden Pechvögel leider nicht auf der angewählten Alphaseite angekommen.“

„Und somit sind sie auch nicht in diesem Speicher zu finden“, schlussfolgerte Patrick und erntete staunende Blicke seitens Rodney.

„Ja. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Ich habe festgestellt -“

„Wir“, warf Dorian korrigierend ein, worauf Rodney seufzend mit den Augen rollte.

„Na schön, wir. Also wir haben festgestellt, dass die Fehlfunktionen gravierendere Auswirkungen auf die Stadt und ihre Technologien haben, als wir bisher vermutet haben und -“

„Lange Rede kurzer Sinn“, platze es erneut aus Dorian, „aus irgendeinem Grund wurde die Datenbank, ganz besonders aber die Liste der Toradressen irgendwie aktualisiert.“

„Aktualisiert? Wie?“, kam es von Tristanius, ein „Warum?“, folgte von Richard, doch Daniel brachte es auf den Punkt und fragte: „Was soll das bedeuten?“

„Das `Wie´ können wir nicht detailliert und das `Warum´ nicht mit Gewissheit beantworten, aber feststeht, dass jetzt mindesten siebzig bis achtzig Gateadressen mehr in der Datenbank zu finden sind, als uns bisher zur Verfügung standen.“

„Und John und Alexa sind auf einem dieser siebzig bis achtzig Planeten zu finden“, hoffte Carol.

„Davon gehen wir aus“, antwortet Rodney kurz.

„Sie gehen davon aus.“

„Wir hoffen es.“

„Sie hoffen es.“

„Hören Sie, ich habe leider keine hellseherischen Fähigkeiten. Ich wünschte, ich könnte Ihnen eine spezifische Adresse nennen, auf dem die beiden sind, aber ich kann es nicht und einfach etwas zu erfinden, dass mir die richtige Adresse auf Anhieb ausspuckt, ist auch nicht so einfach“, verteidigte sich Rodney. „Sie könnten natürlich auch auf einem Planeten sein, der schon die ganze Zeit in der Datenbank auf der alten Liste zu finden war, aber das glaube ich nicht. Es muss einen Grund geben, warum wir nun noch mehr Planeten zum erforschen haben und uns dies gerade jetzt auf diese Weise mitgeteilt wurde.“

„Sie sind sich diesbezüglich sicher? Dass sie auf einem dieser neuen Planeten sind, meine ich“, fragte Richard, was Rodney mit einem „Ziemlich sicher“ beantwortete. „Na schön. Warum nun die Liste der Gateadressen aktualisiert wurde, kann ein andermal geklärt werden. Nun sollten wir vielleicht erfahren, mit was genau Sie die restliche Nacht zugebracht haben?“, verlangte Richard zu wissen.

„Mit der Suche nach einer Möglichkeit die Anzahl der Planeten auf denen sie sein könnten, zumindest zu reduzieren.“

„Und wie viel konnten Sie reduzieren?“, kam es diesmal von Patrick, dem es immer schwerer erschien, Ruhe und Geduld zu beweisen.

„Etwa fünfzig Prozent. Wir konnten einige Adressen von vorneherein ausschließen, aufgrund einiger Umstände wie Veränderungen und Ereignissen, die über die Jahrtausende hinweg ihr Übriges getan haben und andere Begebenheiten wie -“

„Wie die, auf die wir jetzt auch nicht unbedingt eingehen müssen“, schaltete sich Dorian wieder ein. „Am Ende bleiben uns immer noch um die dreißig bis vierzig Planeten, die wir absuchen müssen.“

„Vierzig Planeten? Dafür brauchen wir ewig“, kommentierte Major Lorne.

„Schicken wir sofort ein paar Teams los“, murmelte Ronon.

„Ja, wobei wir bedenken sollten, dass einige dieser Gates ins All führen könnten oder in Umgebungen, die zu Fuß nicht erreichbar sind oder die Gates könnten vergraben sein oder … ich könnte bis morgen früh Gründe dafür aufzählen, warum Jumper immer noch die beste Option sind.“

„Ist das Gate denn überhaupt wieder funktionstüchtig?“, beharrte Tristanius zu wissen.

„Absolut“, kam unisono die Antwort der beiden Wissenschaftler.

„Ohne weitere Fehlfunktionen?“

„Lustig, dass du gerade darauf zu sprechen kommst, Pa. Aus einem uns unerfindlichen Grund-“

„So unerfindlich finde ich ihn allmählich auch nicht mehr“, knurrte Rodney halblaut vor sich hin.

„Wie dem auch sei, seit dem Augenblick, in dem der Colonel und Alexa die Stadt verlassen haben, erreichte uns keine weitere Meldung mehr über irgendwelche Fehlfunktionen, Defekte oder auch nur irgendeine winzige Fehlermeldung. Die meisten Systeme haben sich wieder eingekriegt, ihre Fehler von selbst behoben, neu gestartet … such dir was aus. In den meisten Systemen gibt es mittlerweile auch keine Anzeichen mehr darauf zu finden, dass es je irgendwelche Probleme gab. Nicht einmal die Toilettenspülungen zicken mehr rum.“

„Dann kommt die Theorie, dass Atlantis selbst genervt von den Streitereien der beiden ist, doch nicht von ungefähr, hm?“, kommentierte Patrick.

„Eine weitere durchaus interessante Begebenheit, die ebenfalls zu klären gilt. Allerdings ein andermal“, warf Richard ein. „Wie weit ist die Daedalus entfernt?“

„Etwa eine Woche“, antwortete McKay. „Wir könnten Kontakt zu ihnen aufnehmen und sie bitten, die Planeten mit den neuen Adressen zu checken, die in ihrer Nähe liegen, aber da gibt es immer noch das Problem, dass ihre Sensoren vielleicht durch irgendwelche Anomalien oder -“

„Rodney“, mahnte Teyla mit ruhiger, geradezu beruhigender Stimme. „Damit kann die Daedalus bestimmt umgehen. Colonel Sheppard und Commander Thalis sind wichtig für Atlantis, das weiß auch die Besatzung der Daedalus und sie werden alles ihnen mögliche unternehmen, sie zu finden. Colonel Sheppard und Commander Thalis sind erfahrene und fähige Soldaten und sie verfügen über einen Jumper, der sie so lange schützt. Es geht ihnen bestimmt gut.“

„Wenn er nicht total hinüber ist. Bei John ist das mit den Landungen nämlich immer so eine Sache.“

„Es geht ihnen gut und wir werden Sie finden.“

„Wir sollten nutzen, was wir kriegen können“, meinte Patrick, worauf sich Richard klar wurde, woher der Optimismus des Colonels wohl stammte, während Tristanius energischer auftrat.

„Die Liste sollte unter vier Teams in Jumpern aufgeteilt werden. Auf diese Weise könnten so viele Adressen wie möglich zugleich überprüft werden, während die Daedalus sich ebenfalls an der Suche beteiligen kann. Früher oder später wird sie jemand finden. Früher wäre uns allen allerdings lieber.“

Da Richard bereits den gleichen Gedanken gefasst hatte und ihm ohnehin keine bessere Idee kommen wollte und die Zeit allmählich auch drängte, wandte er sich direkt an Lorne. „Major, lassen Sie die Jumper bereit machen und stellen Sie die Teams zusammen. Ich werde mich mit der Daedalus in Verbindung setzen.“

„Es wäre vielleicht ganz gut, jedem Team eine Person aus dem medizinischen Stab zuzuteilen. Nur für alle Fälle“, warf Jennifer ein, was von Richard und Tristanius bereitwillig und nur zu gerne unterstützt wurde.

Während die Gruppe sich auflöste und sich jeder einzelnen seiner Aufgabe widmete, hielt Tristanius seinen Sohn zurück. „Ich möchte eine Liste mit den neuen Adressen. Mit allen Adressen.“

„Ist gut.“

„Und ich will wissen, was es mit der Aktualisierung der Datenbank auf sich hat. Ich will nicht, dass irgendwelche Informationen ans Tageslicht kommen, über die ich noch nicht mit den Menschen der Erde gesprochen habe.“

„Was das angeht, kann ich dich beruhigen. Wie du weißt, hat man schon lange vor unserer Zeit … also vor unserer ersten Zeit alle Informationen und Daten über das Merkmal, über Agemas und Initias und was weiß ich noch alles gelöscht und die Stadt ist wohl kaum in der Lage, ganz plötzlich diese Infos wieder aus dem Hut zu zaubern“, erklärte Dorian lächelnd.

„Die Stadt sollte gewöhnlich auch nicht in der Lage sein, ihren Unmut über zwei bockige, halsstarrige und ständig streitende Erwachsene derart aus eigener Kraft zu zeigen und dennoch stehen wir nun vor einem unsagbaren Berg von Problemen. Verschaffe mir in unserem Quartier einen gesicherten Zugang zur Datenbank und sorge dafür, dass es niemand erfährt.“

Dorian nickte, schüttelte dann aber seufzend mit dem Kopf, kaum dass sein Vater außer Reichweite war.

„Wo soll das alles nur hinführen?“

Auf dem fremden Planeten

John wusste nicht, wie lange er schon am Strand saß oder woran er die ganze Zeit dachte. Er wusste nur, dass er sich zum hundertsten Male selbst verfluchte.

Wie hatte er nur derart die Kontrolle verlieren können? Wie hatte er solche Worte herausbringen können? Vor allem, wie hatte er Alexa diese Worte ins Gesicht schleudern können?

Was um alles in Welt geschah hier nur?

Sollte er sich etwa derart geirrt haben? Sollte er sich diese Veränderungen, die er in seinem Inneren spürte, am Ende doch nur eingebildet haben? Oder verliefen sie nun eher gänzlich in eine andere Richtung und könnten ihm am Ende sogar gefährlich werden? Viel wichtiger: Konnten sie Alexa gefährlich werden? Machte sie wirklich ähnliche Veränderungen durch wie er und sie wusste vielleicht nur nicht damit umzugehen? Nun, er wusste wahrscheinlich auch nicht besonders gut mit ihnen umzugehen. Immerhin hatte er sich das gerade selbst bewiesen.

Oder war es am Ende vielleicht doch nur Eifersucht, auf einen Typen, welcher längst wieder verschwunden war? Hatte sie vielleicht überhaupt kein Interesse an ihm? Nein, das war es nicht. Dorian hatte ihm erst kürzlich gestanden, dass Alexa ihm ganz und gar nicht abgeneigt war, sondern nur etwas Zeit brauchte. Also, überstürzte er das Ganze vielleicht?

Je mehr er darüber nachdachte und egal, wie er es drehte und wendete, er musste sich bei ihr entschuldigen und versuchen, zu retten, was noch zu retten war. Egal, was sie dazu bewegte, sich derart zu verhalten, ob sie nun ähnliche Veränderungen spürte und vielleicht selbst nichts mit sich anzufangen wusste, oder einfach nur dieses zickige Verhalten zeigte, um ihn aus welchem Grund auch immer auf Abstand zu halten, es musste endgültig aufhören.

John fand sie unter dem Wasserfall stehend. Nackt. Nun, beinahe nackt, denn wenn man es genau nahm, verbarg das schwarze Etwas, das offenbar ein Bikini darstellen sollte, nicht gerade viel von der schlanken und doch wohlproportionierten und durchtrainierten, langhaarigen Frau.

John blieb im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg. Vielmehr vergaß er zu atmen, als er diesen Anblick zunächst genoss. Zwar hatte er schon einen Blick auf eine nur mit BH und Hose spärlich bekleidete und volltrunkene Antikerin werfen können, als er sie erst neulich aus dem Schwimmbecken der Stadt fischen musste, aber nun lag doch weit mehr Anmut und Grazie und vor allem Nüchternheit in ihrer Haltung und in ihren Bewegungen … als wohl gut für sie war.

John japste nach Luft, fuhr sich durchs Haar und über das Gesicht und kämpfte mühselig um Beherrschung, bis er den kleinen Brunnen neben sich endlich entdeckte, in dem er seinen Kopf einmal tief und geradezu brutal hineintauchte und solange im eisigen Wasser verharrte, bis er gezwungen war, den rettenden Atemzug zu nehmen.

„Gottverdammt!“

-Wie kam sie hier und jetzt an diese Wäsche?-, dachte sich John. –Natürlich. Ihre Freundin, die ihr kurz vor ihrer Abreise ein Päckchen überreichte, in dem dieser Hauch von Wahnsinn … äh … Nichts war. Sie hat die Wäsche doch tatsächlich mitgeschleppt.-

Doch John bezweifelte sofort, dass darin irgendeine Absicht lag, immerhin waren sie zu diesem Zeitpunkt in Eile und nun, nach ihren doch so klaren und unmissverständlichen Worten, hoffte Alexa immer noch darauf, eine Weile für sich alleine zu haben. Sie jetzt bei ihrem Bad –Alexa war mittlerweile kopfüber ins Wasser eingetaucht- zu stören oder sich gar nur sichtbar zu machen, wäre unter Garantie keine gute Idee, wollte er nicht noch eine Ohrfeige riskieren. Oder Schlimmeres.

John entschied, ihr noch ein wenig mehr Zeit zum Baden und alleine sein – und ihm zum abkühlen – zu geben, blieb aber dennoch in ihrer Nähe. Vielleicht würde es seine Beherrschung und Kontrolle erneut schulen, wenn er hin und wieder einen Blick zu ihr riskierte, nur um sicherzugehen, dass es ihr gut ging und sie nicht wieder Besuch von diesem mysteriösen Sandmännchen bekam.

~~~///~~~

„Alexa.“

Johns Stimme schreckte sie auf, als sie gerade auf dem Weg zum Haus war und er sich ihr in den Weg stellt.

„Sie geben wohl einfach nicht auf, was? Muss ich jetzt Rechenschaft darüber ablegen, warum ich ein Bad in der Lagune genoss, ohne vorher Ihre Erlaubnis eingeholt zu haben?“

„Warum greifen Sie mich andauern an?“

„Wie bitte?! Sie haben mir doch eben Worte an den Kopf geknallt, die-“

„Für die ich mich entschuldigen möchte!“

Anscheinend schien ihr das wieder die Sprache verschlagen zu haben, denn sie starrte ihn ausdruckslos an.

„Ich weiß nicht warum, oder wie ich das sagen konnte, ich weiß auch nicht, woher die Worte kamen, aber es tut mir leid. Ich habe es nicht sagen wollen, ich … ich habe es wirklich nicht so gemeint, okay?“

„Wenn Sie es sagen.“ Das war alles, was Alexa zurückgab und John musste einmal mehr schlucken, um ruhig zu bleiben. Es war mit einem Mal schwer zu ertragen, dass sie gar nicht gewillt schien, ihm zumindest ein Stück entgegen zu kommen.

„Diese Streitereien zwischen uns müssen endlich aufhören. Ich weiß nicht, was ich Ihnen gesagt oder getan habe, aber wir müssen uns endlich unterhalten und das, was zwischen uns ist, regeln, Missverständnisse aus dem Weg räumen und klare Verhältnisse schaffen und einen Weg finden, miteinander umzugehen.“

„Es gibt zwischen uns nichts zu reden.“

Und mit einem Mal war das letzte bisschen Maß an Beherrschung bei John wieder verschwunden. „Das ist Ihre Meinung. Ich bin es auf jeden Fall leid, alle fünf Minuten in Streit mit Ihnen auszubrechen oder Ihre miese Laune zu ertragen.“

„Dann sollten Sie meinen Rat endlich befolgen und mich in Ruhe lassen!“, platze es aus Alexa.

Ihre Stimme nahm ungeahnte Höhen an, als sie ihn wieder anschrie. Doch bevor John etwas darauf erwidern konnte, raschelte es im Gebüsch neben ihnen, und ehe sie sich versahen, stürzte ein kreischendes, pelziges, gelbschwarz geflecktes Etwas auf Alexa und verbiss sich in ihre Seite.

Unter Schmerzen schreiend stürzte Alexa zu Boden und war kaum in der Lage sich von dem pelzigen Biest zu befreien.

„Alex!“ John reagierte schnell, packte das Vieh im Nacken und konnte es nach einem kurzen Ruck von Alexa und sich wegschleudern. Es entging John, dass das Tier beinahe wie eine fauchende und kreischende Katze klang, doch er hatte andere Sorgen, als er die große und übelaussehende Wunde sah. „Alexa!“

Noch immer lag sie auf dem Boden, krümmte sich vor Schmerz und stöhnte beinahe unkontrolliert. Erst als John sie zu sich drehte und sich die Wunde genauer ansehen wollte, sah er die Panik in ihren Augen.

„Zeigen Sie her. Das wird schon wieder.“

John half ihr auf, doch Alexa konnte kaum geradestehen, geschweige denn geradeaus gehen. Der Biss schien ihr größere Schmerzen zu bereiten, als John sich wohl vorstellen konnte.

„Kommen Sie. Gehen wir rein, ich sehe mir das an.“

Mit Mühe hatten die beiden es ins Gebäude zurückgeschafft, als Alexa erschöpft und vor Schmerz wimmernd auf das Bett fiel und sich dort zusammenrollte und wand. Sie schnappte nach Luft und hielt sich krampfhaft die Bisswunde. John hatte Mühe, an die Wunde zu gelangen.

„Alexa, lassen Sie mich sehen. Lassen Sie mich sehen. Ich muss mir die Wunde ansehen und verbinden.“

„Nein … kein Sinn.“

„Blödsinn. Kommen Sie schon, das wird wieder.“

„Nein. Sie … verstehen nicht. Gift.“

„Was meinen Sie? Sie kennen dieses Vieh?“, fragte John nach, glaubte er doch, sich verhört zu haben.

„Giftig. Das Tier … ist giftig. Der Biss ist …“

„Alexa … hey. Was meinen Sie mit giftig?“ Noch immer versuchte John an Alexas Wunde zu kommen, doch es war schwer, denn sie schien immer wieder krampfartige Schmerzen zu bekommen, begann zu zittern und doch stand ihr der kalte Schweiß auf der Stirn. „Wie giftig? Alexa …“

Mit mehr Nachdruck als John eigentlich lieb war, hatte er endlich gegen ihr Winden und ihren Griff um ihre Mitte ankommen können und begann nun die Wunde zu säubern. „Sieht gar nicht so schlimm aus und es blutet auch gar nicht so stark, wie man meinen sollte. Was hat es mit dem Gift auf sich?“

„Gift …“

„Ja. Sie haben vorhin gesagt, das Tier sei giftig. Wie giftig? Wie äußert sich das?“

„Ja, es … ist gefährlich …“

„Alex? Hey, bleiben Sie schön hier“, platze es aus John, als er sah, dass die Schmerzen offenbar nachließen, sie dafür aber allmählich weg zu driften begann. „Hierbleiben, Alexa. Bleiben Sie wach. Erzählen Sie mir, was für ein Gift das ist? Wie wirkt es? Alexa!“

Immer wieder schien Alexa schlafen zu wollen, doch John war sich nicht sicher, dass dies eine gute Idee sei, wenn sie nun das Bewusstsein verlöre.

„Alexa!“ Immer wieder rüttelte er die Antikerin leicht, um sie wachzuhalten, suchte schnell nach etwas Wasser und einem Tuch und kühlte ihre heiße Stirn.

„Das kann doch nicht wahr sein“, entfuhr es John, als er die Hitze ihrer Haut spürte. Sie glühte und doch war ihr Schweiß kalt und sie zitterte. „Alexa, was ist das für ein Gift? Ich kann Ihnen nicht helfen, wenn ich nicht weiß, was hier los ist.“

„Giftig … nicht … beißen lassen. Sie … dürfen … sich nicht … beißen … lassen.“

„Alexa, was bewirkt das Gift? Gibt es irgendein Gegenmittel? … Alexa!“

„Kein Gegenmittel.“

„Alex, verdammt noch mal!“ John rüttelte noch einmal Alexa, um sie wachzuhalten. „Wie giftig ist es?“

„Tödlich.“

Atlantis

Dorian und Rodney entschieden sich, in Atlantis zu bleiben und weiter daran zu arbeiten, die Liste der möglichen Planeten, auf denen John und Alexa sein könnten, zu verkürzen. Auch wenn kaum noch etwas möglich war.

Sie hatten schon mehr als einen Tag und eine ganze Nacht ohne eine einzige Minute Schlaf verbracht, und nun bahnte sich die zweite schlaflose Nacht an, als Ronon und Teyla von ihrer Suche zurückkehrten, und mit Daniel, Carolyn und den restlichen Sheppards eintraten.

„Und?“, fragte Rodney, ahnte die Antwort jedoch schon.

„Wir haben sie nicht gefunden. Noch nicht“, antwortete Teyla.

„Dafür aber ein paar Einrichtungen von eurem Volk“, schloss sich Ronon an und blickte zu Dorian, der nur verstehend nickte. Es hatten bereits zwei weitere Suchteams von Entdeckungen lantianischer Einrichtungen berichtet, aber keines hatte bisher eine Spur von seiner Schwester oder dem Colonel ausmachen können.

„Das hängt wahrscheinlich mit der Aktualisierung der Liste der Gate-Adressen zusammen. Ihr seid nun schon die Dritten, die von der Entdeckung unserer Einrichtung berichten. Aber ich denke nicht, dass das mit unserem verschollenem Pärchen zu tun hat.“

„Pärchen!“, schnaubte McKay und zog somit amüsierte Blicke auf sich. „Sie streiten ohne Unterlass. Pausenlos.“

„Aber mit einer Leidenschaft …“, murmelte Ronon, was wiederum seine Teamkollegen und sogar Dorian verwundert aufsehen ließ. „Ist doch wahr.“

„Es ist nicht mehr zum Aushalten, das ist es“, platze es erneut aus Rodney, der weiterhin hoch konzentriert in die Tasten schlug.

„Wir werden gleich wieder aufbrechen und die Teams von Edison und Jordan kehren bald zurück, vielleicht haben sie erfreuliche Neuigkeiten“, meinte Teyla, die dich sich an die nervöse Sheppard Familie wandte.

„Und wir kümmern uns weiter um die möglichen Adressen. Vielleicht können wir noch ein paar ausschließen“, versprach Dorian.

Nachdem auch Tristanius im Labor der beiden Wissenschaftler erschien, sich auf den neuesten Stand brachte und auch Elisha vorbeischaute und den beiden ein wenig Kaffee und etwas zu essen mitbrachte, überließ man die beiden wieder ihrer Arbeit.

Doch Rodney hielt es nicht lange aus. „Ist da wirklich was zwischen den beiden?“

Auf dem fremden Planeten

„Alex, wenn es wirklich tödlich wäre, wären Sie jetzt tot. Sie wurden vor Stunden gebissen“, meinte John, der noch immer bei ihr saß, und ihr mit einem feuchten, kalten Tuch ein wenig Abkühlung verschaffte. Nur mit Mühe und unter großen Anstrengungen hatte Alexa ihm bruchstückhaft von ihrer Erfahrung mit dem ersten Biss dieses Tieres erzählen können.

„Tödlich. Es … tötet … in einer … Minute“, krächzte Alexa, bevor sie von einer erneuten Schmerzwelle heimgesucht wurde.

„Vielleicht sind Sie immun … zum Teil immun, wenn Sie schon mal gebissen wurden.“

„Oder es … dauert nur … länger.“

Wieder durchfuhr sie eine Schmerzwelle, die sie dazu brachte, sich in die Laken zu krallen, sich zusammenzurollen, wieder aufzubäumen und ihr letztendlich einen Schrei entlockte, der John durch Mark und Bein ging.

„Ich gebe Ihnen das Serum. Vielleicht hilft es ja.“

Er brauchte nur einen kurzen Augenblick, um ihr eine ganze Einheit des lantianischen Schmerzserums zu verabreichen und zu erkennen, dass es Alexa offenbar nicht im geringsten half, als sie sich erneut von Krämpfen gepeinigt hin und herwarf. Es mussten unmenschliche, kaum auszusprechende Qualen sein, dass sie derart um sich schlug und ihre Schmerzen hinausschrie. Sie hörte kaum noch auf ihn, registrierte seine beruhigenden Worte nicht und wimmerte stattdessen lantianische Worte, die er dagegen kaum verstand. John glaubte auch nicht, dass sie überhaupt einen Sinn ergeben würden und doch wunderte er sich, dass sie nicht schon längst das Bewusstsein verloren hatte.

Immer wieder musste er ihren kraftlosen Schlägen ausweichen, auch wenn ihn der eine oder andere doch traf, war er sich sicher, dass sie nicht wirklich ihm galten. Das Fieber stieg stetig an, sie halluzinierte und glaubte wohl, gegen einen imaginären Feind kämpfen zu müssen. John fluchte, als er zu ihr auf das Bett kroch und sie in seine Arme nahm und versuchte, sie weiter zu beruhigen.
Er fluchte und hoffte, Atlantis würde sie bald finden
.

Atlantis

Patrick Sheppard stand nun eine Weile auf dem Balkon hinter der Kommandozentrale und ließ seinen Blick zum langsam dunkelnden Horizont gleiten. In den letzten Stunden hatte er nichts weiter getan, als dabei zuzusehen, wie ein Team nach dem anderen auf der Suche nach seinem Sohn und der Antikerin durch das Gate gingen, nur um Stunden später kopfschüttelnd und mit Enttäuschungen zurückzukehren.
Zwar konnten die meisten Teams über Entdeckungen lantianischer Einrichtungen oder Ruinen berichten und auch Sheppard Senior kam zu der Überzeugung, dass dies keine Zufälle mehr sein konnten, doch die Hoffnung schwand allmählich. Aufgeben würde er jedoch nicht. Auch wenn die Aufnahme des Zwischenfalls im Gateraum nicht gerade ermutigend schienen, so wusste er, dass seinen Sohn so schnell nichts aufhalten würde.
Die vergangenen Monate hatten ihm die Augen geöffnet und Patrick gezeigt, was für ein Mann John geworden war und er würde den Teufel tun und ihn einfach aufgeben oder an ihm zweifeln. Sein Sohn war am Leben. Er war am Leben und würde bald zurückkehren oder gefunden werden.

Seine Gedanken rotierten wieder und für eine ganze Weile konnte er keinen Einzigen wirklich fassen. Doch am Ende gab es für ihn nur eine Erklärung.

„Verdammt noch mal!“, murmelte er, während seine Hände die Reling fest umklammerten. „Wenn es wirklich wahr ist … ja, sie sind erwachsene Menschen und ja, sie sind ein Krampf im Arsch und ja, ich kann verstehen, dass auch du genervt bist. Eine Lektion war vielleicht wirklich längst überfällig, aber Himmel, meinst du nicht, dass sie es mittlerweile begriffen haben könnten? Weiß der Teufel, wo du sie hingeschickt hast. Du weißt doch selbst, dass es in dieser Galaxie nicht gerade gemütlich, friedlich oder romantisch ist, also … egal wo hin du sie verbannt hast, lass sie einfach wieder zurückkommen. Sie werden sich bestimmt wieder benehmen. Und wenn ich meinem Ältesten, einen führenden Offizier der US Luftwaffe, jeden Morgen den Marsch blasen muss, nur … weißt du, so wird das nichts mit dem verkuppeln.“

„Patrick?“, ertönte Carols Stimme hinter ihm und ließ ihn erschrocken zu ihr herumfahren. „Mit wem redest du?“

„Wenn Atlantis wirklich fühlt, dachte ich, es könnte nicht schaden, mal ein Gespräch mit ihr zu führen.“

„Und wie lautet die Antwort?“

Zur gleichen Zeit im Labor der Wissenschaftler

Jedes Mal wenn Dorian die Augen schloss, sah er Zahlen und Buchstaben vor sich. Im Grunde war es nicht weiter ungewöhnlich, wenn man bedachte, dass er schon seit Stunden, nein, vielmehr Tagen auf Bildschirme starrte und versuchte, seine Schwester und den Colonel zu finden. Und es war auch nicht so, als ob diese wirren umherschwirrenden Zahlen und Buchstaben irgendeinen Sinn ergaben.

Dorian war sich sicher, dass er, wenn es so weiter ging, eher ganz Atlantis in ihre atomaren, vielleicht sogar subatomaren Bestandteile aufgeteilt haben könnte. Zumindest in der Theorie. Wenn er sich noch ein wenig mehr anstrengte – als ob das überhaupt noch möglich sei- würde er vielleicht sogar sämtliche Geheimnisse des Universums enträtseln, bevor er auch nur einen vagen Hinweis auf den Verbleib seiner Schwester und dem Colonel finden würde.

Ein kurzer Blick zu seinem Kollegen McKay verriet ihm, dass auch er allmählich mit Frust zu kämpfen hatte. Seine Schweißperlen auf der Stirn, die verbissene Miene und seine beinahe krampfhaft wirkende Konzentration könnten allerdings auch auf die achtzehn Tassen Kaffee hinweisen, die sich der Wissenschaftler in den letzten sechs Stunden gegönnt hatte. Dass der Mann überhaupt noch funktionierte und nicht durch einen Herzinfarkt oder anderem vom Stuhl gefallen war, wunderte ihn. Es lag wohl größtenteils an Jennifer, die hin und wieder vorbei kam und Rodney, als auch ihn selbst zu einer kleinen Verschnaufpause ermahnte und ganz nebenbei und von Rodney völlig unbemerkt den anregenden Kaffee durch ein offenbar koffeinfreies Gebräu ausgetauscht hatte. Jedes Mal wenn er sich daran erinnerte, meist, wenn Rodney sich eine weitere Tasse eingoss, rauschte zumindest diese Erleichterung durch seine Eingeweide.

Dorian streckte sich einmal mehr, ließ das eine andere oder Gelenk knacken, worüber sich der Kanadier in seiner Konzentration gar nicht mehr störte und öffnete das kleine Fenster, um ein wenig frische Meeresluft zu schnuppern. Das half ihm bisher noch immer am besten, um wach und konzentriert zu bleiben. Oder sich zumindest mal – wenn auch nur kurz- eine kleine Pause zu gönnen.

„Wenn wir sie gefunden haben, werde ich ihr so was von die Leviten lesen“, meinte Dorian, in der Hoffnung, seinen Kollegen auch etwas ablenken zu können.

„Könnte mit Sicherheit nicht schaden, aber ich bezweifle, dass es einen Effekt haben wird“, gab Rodney zurück, ohne seinen Blick vom Bildschirm zu lassen.

„Wie kommen Sie darauf?“

„Wie kommen Sie darauf, dass sie ausgerechnet auf Sie hören wird? Dieses ganze Chaos hier ist doch nur entstanden, weil sie nicht einmal auf ihren eigenen Vater hören kann. Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, wie sie es geschafft hat, den Rang eines Commanders zu erhalten.“

„Durch einen Vater, der seiner Tochter, ebenso wenig seinem Sohn, kaum etwas abschlagen kann“, meinte Tristanius, der gerade um die Ecke kam und in das Labor trat. „Durch einen sehnlichsten Wunsch, einen noch stärkeren Willen, Unnachgiebigkeit, harte Arbeit, Training, Studien und durchaus der Fähigkeit, Befehle zu befolgen. Doch in den letzten dreizehntausend Jahren haben sich einige Dinge verändert und es fanden Ereignisse statt, mit denen sich so manch einer schwertun würde. Diesbezüglich ist meine Tochter leider keine Ausnahme. Doch diese Probleme sind eher privater Natur, und wenn Sie noch einmal darüber nachdenken und die kürzlichen Geschehnisse Revue passieren lassen, wird Ihnen auffallen, dass Alexa durchaus auf mich gehört hat. Ich habe ihr und dem Colonel die Reise zur Alpha Seite befohlen und beide haben diesen Befehl befolgt. Mit der Fehlfunktion des Gates konnte jedoch niemand rechnen. “

Es war weder die Tonart noch die Wortwahl, die Rodney verstummen ließ, als vielmehr das unerwartet auftretende und penetrante Piepsen sämtlicher Computer, die durch verschiedene Programme, Diagnosen und Suchalgorithmen beim Finden der beiden Vermissten helfen sollten.

„Was ist das?“, verlangte Tristanius zu wissen, als er näher an seinen Sohn trat. Glaubte er anfangs noch, kaum etwas mit den Zahlen Buchstaben und Symbolen auf den Bildschirmen anfangen zu können, so lehrte in das plötzliche Aufblinken von sieben Symbolen eines besseren.

„Ist das …“

„Eine Gateadresse“, fuhr Rodney fort.

„Die Gateadresse des Planeten, auf dem Alexa und der Colonel zu finden sind?“, fragte Tristanius weiter.

„Das nehme ich stark an. So sollte es zwar nicht vonstattengehen, aber, ja … ich schätze, dort werden wir sie finden.“

Zur gleichen Zeit auf dem fremden Planeten

„John!“, schrie Alexa heiser, als das nächste dieser Mistviecher auf John zusprang.

John wirbelte herum, ließ sich in die Hocke fallen und erwischte mit einem gezielten Schuss das vierte der pelzigen Plagegeister.

Schnell sprang er wieder auf, schleuderte das tote Vieh zu den anderen nach draußen und schloss endgültig die Terrassentür. Es würde innerhalb weniger Stunden beinahe unerträglich warm werden, doch das erschien ihm immer noch besser, als von diesen elendigen Viechern zu Tode gebissen und vielleicht noch verspeist zu werden.

Ihr gelbschwarz gefärbtes Fell erinnerte an Bienen oder Wespen, während John beim Anblick des langen Schwanzes unweigerlich an eine bestimmte Art von Affe denken musste. Das Fell in seiner Weichheit, die Ohren und ihr Gesicht hingegen sahen so zahm und ungefährlich, beinahe friedlich wie das einer Katze aus. Bis man ihnen ins Maul sehen konnte. Zähne wie die eines Alligators mit zwei Giftzähnen wie bei einer Schlange. In diesem Vieh war wohl alles vertreten.

John kroch wieder zu Alexa und hielt sie. Wieder wurde sie von diesen krampfartigen Schmerzen gepeinigt und konnte nichts weitertun, als sie daran zu hindern, sich selbst und schlussendlich auch ihn zu verletzen. Mittlerweile hatte er den Eindruck, dass dieses Gift sich auf das zentrale Nervensystem auswirkte, denn immer wieder glaubte Alexa in Flammen zu stehen und versuchte sich in ihrer Verzweiflung die eigene Haut von den Knochen zu reißen. Sie hatte sich schon einige fiese Kratzer zugefügt, doch John wäre verdammt, wenn er zuließe, dass sie sich noch weiter verletzte.

Alexa, schrie, weinte, flehte und bettelte. Sie trat und schlug um sich, kaum, dass sie Johns Händen entkommen konnte und doch konnte er nichts weiter tun, als sie zu halten und versuchen auf sie einzureden, sie zu beruhigen und zu hoffen, dass die Krämpfe nachließen.

Stunden war vergangen, ohne dass sich ihr Zustand auch nur im Mindesten verbessert hatte. Zwar konnte er ihr nun mit viel Mühe und gutem Zureden ein paar Schlucke Wasser einflößen und im Moment schrie sie sich auch nicht mehr die Seele aus dem Leib, doch die Schmerzen schienen sie noch immer fest im Griff zu haben und John fragte sich einmal mehr, ob dies die Mitte oder schon bereits das Ende ihres Todeskampfes war. Diese Krämpfe schienen in Intervallen zu kommen und mit jedem Mal schien es schlimmer zu werden.

Immer wieder gingen ihm ihre Worte durch den Kopf. Tödlich. Es tötet in einer Minute. Doch Alexa kämpfte bereits seit Stunden. John hatte nicht viel aus ihr herausgebracht, doch er hoffte, dass Alexa durch den früheren Biss, und das Gegenmittel, dass man ihr damals verabreichte, doch eine gewisse Immunität besaß. Er wollte einfach nicht glauben, dass dies ihr Todeskampf war, und dass dies die letzten Stunden mit ihr sein sollten.

„Jetzt haben Sie es ja geschafft“, brachte Alexa leise und mühevoll hervor.

„Was meinen Sie?“, fragte John, der durch den Erste-Hilfe Kasten wühlte.

„Sie haben mich endlich ins Bett bekommen.“

„Denken Sie wirklich, darauf hätte ich es abgesehen? Nur darauf? Jetzt bin ich wirklich verletzt.“

Alexa brachte tatsächlich ein Schmunzeln zustande. Doch während John sich noch über ihre Schmerzgrenze wunderte – denn er wusste, dass sie, auch wenn sie gerade nicht den ganzen Planeten zusammen schrie, immer noch ungeheure Qualen durch litt – sah Alexa, dass ihre Worte ihn tatsächlich getroffen hatten. Einmal mehr wünschte sie sich, nicht so … schwach zu sein und in ihm lesen zu können. Doch das hatte sie nun davon. Als sie es noch konnte, als sie es vielleicht hätte sollen, hatte sie nichts Besseres zu tun, als ihn von sich zu stoßen und ihn zu behandeln wie ein … was eigentlich? Vielleicht hatte sie das verdient, was gerade mit ihr geschah.

„Tut … mir leid.“

„Vergessen Sie´s“, gab John zurück und kümmerte sich weiter um ihre Verletzungen.

„Nein. John …“

Erst als sie nach seiner Hand griff, sah er ihr in die Augen und konnte plötzlich eine andere Art von Schmerz sehen und mit einem Mal wurde ihm so vieles bewusst und er spürte auch, wie sie versuchte, in ihm zu lesen. Nein, nicht zu lesen. Sie wollte ihm etwas mitteilen. Nicht mit gesprochenen Worten, aber auf eine Weise, die unmissverständlich wäre. Aber John spürte, wie schwach sie war und wie schwer es ihr fiel, sich zu konzentrieren.

„Ist okay. Hey … ist schon gut.“

„Bitte … ich weiß nicht … John …“

„Hey, wir reden, wenn es Ihnen besser geht. Wir kriegen das hin, okay? Wir kriegen das hin.“

Alexa schüttelte mit dem Kopf, wollte wieder sprechen, als John sie erneut unterbrach. Er wagte einen für Alexa vielleicht zu forschen Schritt vorwärts, als er ihr Gesicht in seine Hände nahm. „Du wirst wieder gesund, hörst du? Du wirst gesund und dann reden wir. Ich werde nicht zulassen, dass du … nicht, nachdem du mich endlich bei meinem Vornamen nennst“, erklärte John leise weiter und hoffte, dass sie sein kleines Lächeln vielleicht erwiderte. Er wurde nicht enttäuscht. „Halt einfach durch, ja? Ich bin sicher, dass sie uns bald finden … halte durch.“

John widmete sich wieder ihren Verletzungen und hatte gerade noch genug Zeit, alle zu säubern und die schlimmsten neu zu verbinden, als die nächsten Krämpfe sie heimsuchten und er abermals alle Kraft aufbieten musste, um sie ruhig zu halten.

~~~///~~~

Für Woolsey war es ein Albtraum, als die gesamt Familie Sheppard sowie Thalis mit einem Jumper durch das Gate zu dem erhofften Planeten reisen wollte. Er konnte praktisch die Stimme des Colonels in seinem Kopf schreien hören, der ebenso wenig begeistert davon wäre. Doch, wie er schon des Öfteren feststellen musste, akzeptierte ein Sheppard Senior schlechtweg kein nein.

Und so waren nun die Familien Sheppard und Thalis, sowie die Doktoren Lam und Jackson, als auch das Team des Colonels in Begleitung von Major Lorne und zwei Marines in einem Jumper unterwegs zu dem Planeten, der laut Dorian und McKay einzig und allein von Atlantis preisgegeben worden war.

Sie brauchten auch nicht lange, um nach Erreichen des Planeten den ersten Hinweis der beiden zu finden. Es waren Schreckmomente für die beiden Familien, als sie den beinahe gänzlich zerstörten Jumper fanden, doch das Fehlen der beiden Soldaten und der Pfeil, den sie hinterließen, um die Richtung anzugeben, in die sie gegangen waren, ließ wieder Hoffnung in Ihnen aufkommen.

Doch erst als Tristanius wieder mit seinem Jumper in die Lüfte stieg und den Planeten scannte, entdeckte er das Signal der subkutanen Transmitter.

„Sind das John und Alexa?“, fragte Carol, als sie das Blinken auf dem HUD sah.

„Sieht ganz so aus. Ich erkenne zumindest Johns Signal“, meinte Rodney. „Colonel Sheppard, hier ist Jumper drei, bitte melden … Colonel Sheppard, bitte melden.“

Aber das Funkgerät blieb auch nach mehreren Versuchen stumm.

~~~///~~~

Es glich vielmehr einer Rangelei, einem Ringkampf, als Johns Versuche, Alexa ruhig zuhalten. Wieder hatte sie sich selbst teils schwere Verletzungen zugefügt und auch John ignorierte mittlerweile die Verletzungen und Schmerzen in seinen Händen und Armen, die er durch seine Versuche, sie ruhig zuhalten, kassiert hatte. Aber er konnte auch nicht mehr darauf achten, vorsichtig mit ihr umzugehen. Trotz allem hatte sie noch enorme Kräfte und konnte sich immer wieder seinem Griff entwinden. Aber John würde den Teufel tun und zulassen und zusehen, wie sie sich in ihrer Pein selbst verletzte. Wieder trat sie um sich, verhedderte sich dabei in den Laken des Bettes, bäumte sich auf und wand sich unter seinem eisernen Griff. Sie schrie, fluchte wohl in ihrer Muttersprache, keuchte und stöhnte, nur um dann wieder markerschütternd zu schreien und dann kraftlos in Johns Armen zusammenzusacken.

„Was um alles in der Welt ist hier los?!“, ertönte Tristanius Stimme.

„Es wurde auch langsam Zeit!“, brach es aus John, der noch immer Mühe hatte, Alexa stillzuhalten. „Macht die Tür zu, sonst kommen noch mehr von diesen Viechern hier rein!“

„Was ist passiert?“, wollte Elisha wissen.

„Sie wurde von einem dieser Mistdinger gebissen.“

„Was?“ Sofort stürmte Elisha auf die beiden zu und konnte erst mit Tristans Mithilfe die Wunde begutachten.

„Ein Tier? Welches? Wann war das?“, verlangte der General zu wissen.

„Eins dieser gelb-schwarz gestreiften hat sie heute Morgen angefallen. Die ganze Zeit über haben sie sich zurückgehalten und plötzlich kam eins aus dem Gehölz geschossen und verbiss sich in ihre Seite. Seitdem versuchen immer wieder welche, hier rein zu kommen.“

„Tristan!“ Der General und Elisha blickten durch das Fenster hinaus auf das, was noch von den wilden Kreaturen übrig zu sein schien. Auch wenn kaum noch etwas von ihnen zu erkennen war -es waren weniger Johns Schüsse, die die Tiere beinahe unkenntlich machten, sondern vielmehr die noch lebenden, die nicht einmal vor ihrer eigenen Spezies haltzumachen schienen und sich an den Kadavern gütlich taten- reichte es, blankes Entsetzen und Panik im Elternpaar wachzurufen.

„Alexa meinte, der Biss sei tödlich“, brachte John mühsam hervor.

„Ja. Wenn das Gegengift nicht rechtzeitig verabreicht wird. Hast du welches dabei?“, wollte Tristanius wissen, ahnte jedoch bereits die Antwort und entsicherte seine Waffe.

„Nein. Und ich habe auch in Atlantis keines vorbereitet! Wie hätte ich denn wissen können, dass es diese Tiere noch immer gibt und dann noch hier.“

„Aber wie kann sie das dann …“ Erneut musste John Alexas Schlägen ausweichen, als sie sich ihm entwand. „Sei meinte, es tötet innerhalb von Minuten. Wie hat sie so lange überstehen können?“

„Sie wurde als Kind schon einmal gebissen, nur hatten wir zu dieser glücklicherweise ein Gegengift dabei. Vielleicht-“

„Wir haben jetzt keine Zeit für längere Erklärungen“, unterbrach der ältere Antiker barsch. „Wir brauchen eines dieser Tiere, um ein neues Gegengift herstellen zu können. Am besten lebend.“

„Zwei wären noch besser“, gab Elisha zurück und versuchte immer wieder Alexa zu erreichen, doch in ihrem Fieber schien sie kaum noch etwas oder jemanden wahrzunehmen.

„Lebend?“, platzte es zweifelnd aus Lorne, der der Szenerie bisher stumm gefolgt war und plötzlich erschrak, als eines der Tiere kreischend einen neuen Angriffsversuch startete, jedoch von der gläsernen Tür aufgehalten wurde.

„Seid ihr mit dem Jumper hier?“, wollte John wissen.

„Ja Sir. Zwei Marines haben ihn unten am Strand geparkt.“

„Der Jumper muss her. So nah wie möglich und warnen Sie die Jungs, Lorne. Und sehen Sie zu, dass Sie ein Behältnis für diese Viecher besorgen“, befahl John.

„Ja, Sir.“

„Ronon, sieh mal, ob du mit deiner Knarre eines dieser Pelzdinger erwischt und sei vorsichtig. Sie sind verdammt schnell.“

„Kommen Sie nicht in Berührung mit diesen Kreaturen. Wenn auch nur eines Sie mit Ihren Zähnen streift, liegen Sie in einer Minute tot am Boden“, warnte Dorian Ronon und die anderen.

Tristanius und Ronon hatten sich eine Taktik für die Jagd nach zwei dieser Tiere zurechtgelegt, während der Jumper nach Anweisung Lornes im sonst unwegsamen Gelände direkt hinter dem Gebäude landete. Eine kleine sichere Box für die Tiere war auch bereits gefunden, doch am Ende half alles nichts. Man musste die Tür öffnen, um in den Jumper zu kommen und das bedeutete, dass auch Patrick endlich zu einer Waffe kommen sollte.

Es galt nur noch darauf zu warten, bis die Schmerzwelle, die Alexa fest im Griff hatte, vorüberziehen und seine Freunde Stellung beziehen zu lassen und so schnell wie möglich in den Jumper zu hechten. John ignorierte seine eigenen Schmerzen, nahm Alexa auf den Arm und stürmte aus dem Raum, während Ronon und Tristanius sich um die Betäubung einiger Tiere kümmerte und der Rest der Truppe, damit beschäftigt war, die restliche Meute im Schach zu halten. Dabei konnte John den einen oder anderen Blick erhaschen und sah, welch kurzen Prozess mitunter auch sein Vater mit den Plagegeistern machte.

Man zielte nur kurz, dafür aber tödlich, doch jeder hatte es unversehrt in den Jumper geschafft, der sofort abhob.

„Ich brauche sofort eine Verbindung zur Krankenstation nach Atlantis. Jennifer muss die ersten Schritte für die Herstellung des Gegengifts einleiten. Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren“, meinte Elisha, die sich neben Alexa und John niederließ.

Für die beiden schien es einfach und halbwegs bequemer auf dem Boden zu sein, zumal John mit ihr noch immer alle Hände voll zu tun hatte, als sie versuchte, ihm zu entkommen.

„Nein, nein, nein. Nicht Alexa, wir sind auf dem Weg nach Hause“, erklärte John, der versuchte, sie wieder sachte zu sich zu ziehen. „Sie haben uns gefunden und fliegen nach Hause. Ist okay. Alles Okay, Alex.“

„Nein … nein. Muss …“

„Alex, es wird alles wieder gut. Es wird alles wieder gut, hörst du? Sie haben uns gefunden. Es geht dir bald wieder besser.“

„Nein, nein. John … ich muss … bitte John … nicht … bitte. Du darfst nicht … er darf nicht …“

Für alle Anwesenden schien Alexas Gestammel belanglos, etwas, das im Fieberwahn gesprochen wurde. Doch John wusste, dass mehr dahinter steckte, und versuchte sie weiter zu trösten und zu beruhigen.

Doch wieder dauerte es nur einige Momente, in denen er zur Verwunderung der anderen, die sich im Jumper zusammenquetschten und zusahen, sie tröstend in seinen Armen hielt, sie beinahe wie ein kleines verängstigtes Kind wiegte.

„Tristan, ihr Fieber ist zu hoch. Sie ist kaum noch ansprechbar“, wisperte Elisha verzweifelt und musste selbst vor ihrer Tochter zurückweichen, die sich erst wandte und zappelte. Dann ertönte das Geräusch von reißendem Stoff, als Alexa eine Handvoll von Johns Shirt erwischte und sich regelrecht an ihn krallte. Blankes Entsetzen machte sich unter der Jumperbesatzung breit, als ihre Schmerzensschreie ertönten. Die Krämpfe erneut begannen und man rückte noch enger zusammen, um ihren Schlägen und Tritten auszuweichen.

Das erschreckendste sollten jedoch Johns harsche Worte sein, als ein Marine Mut beweisen und seinen kommandierenden Offizier Unterstützung geben wollte. „Fassen Sie sie nicht an! Niemand fasst sie an!“

Tristanius ließ sich von Johns barschem Befehl allerdings nicht irritieren, als er versuchte, Alexas Treten zu unterbinden. Nur unterschätzte er die Kraft seiner Tochter, die trotz ihrer Qualen ihren Vater mit einem Tritt von sich katapultierte.

Wieder versuchte John auf sie einzuwirken und brüllte Lorne den Piloten geradezu an, schneller zu fliegen.

~~~///~~~

Woolsey lauschte nur mit halbem Ohr Lornes Bericht, während er beobachtete, wie man den Colonel und die um sich herschlagende Antikerin auf nur einer Liege in die Krankenstation beförderte.

John war kaum in der Lage, auf eine Frage des Expeditionsleiters einzugehen aber das war auch nicht weiter nötig, denn das Bild, das sich bot, erklärte vielmehr.

Man wusste nicht so recht, ob der General versuchte seine Tochter vor dem Colonel zu schützen, oder doch eher den Colonel vor seiner Tochter. Alexa reagierte jedoch weder auf ihren Vater, noch ihren Bruder oder sonst jemanden der versuchte zu helfen und auch John selbst drang kaum noch zu ihr durch. Ihre Hände waren derart ineinander verschränkt, dass man kaum erkannte, wer wo anfing, und wer wo aufhörte.

„John, vielleicht solltest du sie besser loslassen. Man kann sie doch notfalls am Bett fixeren“, schlug Carol vor.

„Nein“, gab John prompt zurück. „Ich kann sie nicht loslassen.“

„Sie verletzt dich womöglich auch noch.“

„Ich lasse sie nicht los. Ich kann nicht.“

„Was soll denn das heißen, du kannst nicht?“

John kam zu keiner Antwort mehr, als ein weiterer Schrei dir Krankenstation durchzog, gefolgt von keuchenden knurren seitens des Colonels, bevor ein knackendes Geräusch ertönte, dass allen Anwesenden durch Mark und Bein ging.

„John! Um Himmels willen, lass sie los!“

„Nein!“

Eine weitere Stunde harrte John aus, bevor Elisha und Jennifer mit dem Gegengift fertig waren. Somit brachte John das letzte bisschen Kraft auf, um den Ärzten eine Möglichkeit zu geben, der jungen Frau einen Zugang zu legen, um sie mit dem Gegengift und weiteren Medikamenten zu versorgen, bevor sie das Bewusstsein verlor.

Erst dann und vor allem mit Hilfe, denn seine Hände schmerzten ihm mehr als er sich eingestehen wollte, war John bereit Alexa loszulassen und genauer zu berichten, was geschehen war.

~~~///~~~

Nun saß John auf einem Bett gegenüber von Alexa und ließ sich mehr oder weniger geduldig die Hände untersuchen. Wie sich herausstellte und man bereits durch das Knacken und Johns schmerzverzerrtes Gesicht annahm, waren einige Finger und Mittelhandknochen gebrochen oder zumindest angeknackst. Doch John interessierte es relativ wenig. Auch das Brennen der Desinfektionslösung, das ein Pfleger ihm in die Kratzwunden auf Rücken und Brust tupfte, bekam er kaum mit. Seine gebrochene Rippe spürte er schon gleich gar nicht mehr. Er verfolgte stattdessen jeden Schritt, denn Elisha und Jennifer bei der Behandlung Alexas unternahmen und spürte dabei wachsenden Ärger aufkommen, als er sah, wie die Antikerin trotz ihrer Bewusstlosigkeit ans Bett gefesselt wurde.

„Was soll das? Sie haben ihr das Gegengift doch gegeben und sie ist bewusstlos. Warum fesseln Sie sie noch?“, wollte John wissen, als Elisha sich seiner annahm.

„Aus Sicherheitsgründen. Sie mag das Gegengift bekommen haben und im Moment bewusstlos sein, aber es ist noch nicht vorbei. Das Gegengift braucht eine Weile um seine volle Wirkung zu entfalten und dann …“, erklärte Elisha.

„Dann? Sie wurde doch als Kind schon einmal gebissen, oder? Ist sie dann nicht immun? Hilft ihr das denn nicht?“

„So wie es aussieht, nicht. Damals, als sie zum ersten Mal gebissen wurde, hatte ich, den Mächtigen sei Dank, das Gegengift sofort zur Hand, doch es ersparte ihr nicht die Schmerzen, die der Kampf des Gegengifts gegen das Gift in ihrem Körper verursachte. Sie war noch ein kleines Mädchen, es war einfach zu viel für ihren kleinen Körper, also mussten wir sie in einen Tiefschlaf versetzen. Ich fürchte, dass dies wieder getan werden muss.“

„Aber -“

„Ich weiß, was Sie sagen wollen, Colonel. Sie ist kein kleines Mädchen mehr, aber sie ist geschwächt. Das Gift dieses Tieres fließt schon eine ganze Zeit lang durch ihr System, und auch wenn es keinen direkten Schaden anrichtet, haben es und die stundenlangen Qualen sie enorm geschwächt. Und Sie dürfen auch nicht vergessen, dass sie schon vor dem Biss geschwächt war.“

Johns Irritation musste ihm deutlich anzusehen gewesen sein.

„Marsilius, Darius … und einige andere Dinge, die sie belastet haben und womöglich noch immer belasten. Sie hat über einen längeren Zeitraum weder gut geschlafen, noch richtig gegessen und ich glaube, Ihnen ist selbst aufgefallen, wie dünn sie geworden ist.“

John schloss die Augen und schluckte den Wall an Selbstvorwürfen hinunter. Dafür wäre später noch genug Zeit. „Sie sagten, dass das Gift keine direkten Schäden anrichtet. Aber es ist tödlich.“

„Ja. Innerhalb weniger Minuten tötet es sogar den stärksten Mann. Es greift nicht direkt die Nerven an, aber es verschafft sich sehr schnell über die Nervenbahnen einen Zugang zum Gehirn. Dann setzt die Atmung aus, danach andere wichtige Funktionen. Halluzinationen, Überreizung der Nerven, unkontrollierbare Muskelkontraktionen, spastische Anfälle, Übelkeit, Krämpfe … ich könnte ewig so weiter aufzählen. Damals haben wir Alexa trotz allem sogar einmal reanimieren und beatmen müssen … wenn man erstickt, kann eine Minute sehr lange sein.“

„Alexa glaubte, sie stünde in Flammen oder … sie kratzte sich immer wieder. Es sah aus, als wolle sie sich aus ihrer eigenen Haut schälen. Ich musste sie davon abhalten“, erinnerte sich John und Elisha nickte, als sie seinem Blick zu seinen Händen folgte.

„Überlastung der Nerven, Halluzinationen … das Gift hat bereits ihr Gehirn erreicht.“

„Aber sie wird wieder gesund. Sie haben ihr das Gegengift gegeben und sie könnte noch immer immun zumindest zum Teil immun sein. Sie hat doch bestimmt einen Vorteil dadurch, dass sie schon einmal … sie hat doch so lange durchgehalten“, fragte John voller Hoffnung weiter, doch Elisha Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes.

„Ich weiß es nicht. Ich wünschte, ich wüsste es, aber … wie Sie sagen, es ist so viel Zeit vergangen. Womöglich zu viel. Sie ist sehr schwach Colonel. Das Gift hat leichtes Spiel bei ihr.“

„Also ist alles, was wir tun können, warten.“

„Ja. Warten und hoffen und auf alles vorbereitet sein.“

„Wenn ihr uns nicht gefunden hättet … hätte sie … wie lange hätte sie noch …“

John glaubte schon, keine Antwort mehr zu bekommen, und das dies eine mehr als deutliche Bestätigung seines Verdachts, seiner Furcht wäre.

„Sie hätte die Nacht nicht überstanden. Und vielleicht ist es trotz allem zu spät.“

Elisha überließ die weitere Behandlung des Colonels den Doktoren Keller, Beckett und Lam und wandte sich stattdessen wieder ihrer Tochter zu, die mittlerweile von Pflegern ins private Krankenzimmer gebracht wurde.

„Lorne …“, keuchte John, der allmähliche begann seine malträtierten Rippen, Finger und andere Körperteile zu spüren, als er sich aufsetzen wollte, dies jedoch kaum ohne die Hilfe seines Bruders und seiner Mutter schaffte. „Lassen Sie Wachen an sämtlichen Ein- und Ausgängen der Krankenstation Posten beziehen und ich will mindestens zwei in Alexas unmittelbarer Nähe haben. Rund um die Uhr.“

„Sir?“

„Klären Sie mich auf Colonel“, verlangte Woolsey neben Lorne zu wissen.

„Er war da. Auf dem Planeten. Letzte Nacht, bevor ihr uns gefunden habt und bevor dieses Mistvieh sie angefallen hat.“

„Wer? Dieser Kerl, der die Antiker verfolgt?“

John sah sich noch einmal um, bevor er leise weitererzählte. „Als wir es uns in dieser Villa gemütlich gemacht haben, hat sie mitten in der Nacht geschrien, und als ich zu ihr bin, habe ich nur noch sehen können, wie jemand im Urwald verschwand.“

„Ihr habt die Nacht zusammen verbracht?“, platze es aus Rodney, worauf John ihm einen giftigen Blick entgegen schleuderte.

„Dann haben Sie ihn gesehen? Sie können ihn beschreiben?“, wollte Richard weiter wissen, aber John schüttelte mit dem Kopf.

„Aber wie können Sie sich dann sicher sein, dass er es war? Dass es überhaupt jemand war? Nach allem, was mir bisher berichtet wurde, könnte es auch gut gerne eines der dort heimischen Tiere gewesen sein und vergessen Sie nicht, es war Nacht.“

„Und die wurde durch zwei Monde hell erleuchtet. Alexa schreit nicht wegen eines Tieres oder weil sie Angst im Dunkeln hätte. Sie hatte geträumt und ich musste sie noch aufwecken, weil es wohl ein Albtraum gewesen sein musste, den er wahrscheinlich noch verursacht hat. Außerdem ist sie offenbar nicht mehr die Einzige, die diesen Typen spüren kann.“

„Wie meinst du das?“, fragte Carol.

„Ich hatte den ganzen Abend so ein ungutes Gefühl, und kurz bevor er sich wohl an sie ran machen wollte, wurde es plötzlich schlimmer, ich dachte noch, dass irgendwas mit Alexa sei und schon schrie sie. Ich bin zu ihr, weckte sie und sie … war voller Panik. Sie hat ihn nicht nur gespürt, sie hat ihn wohl auch gesehen. Ich habe mich selbst umgesehen und da war etwas. Es kann nur er gewesen sein.“

„Aber niemand von Ihnen beiden hat ihn deutlich erkennen können.“

„War auch nicht nötig. Ich habe ihn … spüren können. Mehr als deutlich- genauso wie sie.“

„Genauso wie der Commander? Colonel, kann es vielleicht sein, dass … nun ja, dass-„

„Was? Dass ich mir das alles einbilde? Ich bitte Sie!“, platze es gereizt aus John.

„Es könnte aber auch möglich sein, dass der Commander diese Empfindungen vielleicht auf Sie projiziert. Dass Sie vielleicht neuerdings die Fähigkeit besitzt, die Dinge, die Gefühle, Emotionen und Eindrücke, die sie empfindet oder von anderen empfängt irgendwie an sie übergeben, auf sie übertragen kann.“

„John, du musst zugeben, dass es durchaus möglich wäre. Sie hat schon seit einer ganzen Weile einen besonderen Einfluss auf dich“, stimmte Carol ihr zu und John wusste nicht so recht, was er von dieser Aktion halten sollte.

„Das spielt doch letzten Endes keine Rolle! Er war da! Ob sie ihn gespürt hat und es auf mich übertragen hat oder ob ich ihn selbst habe bemerken können- er war da!“

„Dann ist sie bald nirgendwo mehr sicher“, kommentierte Patrick, der sich bisher zurückgehalten hatte.

~~~///~~~

Carson hielt sich selbst für einen geduldigen Menschen und einfühlsamen Arzt. Doch es gab Tage, da wurden seine Geduld und sein Einfühlungsvermögen stark auf die Probe gestellt. Heute sollte wieder ein solcher Tag sein und wieder einmal war es der Colonel, der derart an seiner Geduld und seinem Mitgefühl rüttelte. Und dabei musste der Soldat noch nicht einmal ein Wort sprechen.

Es reichte, dass John zwar noch nicht voll narkotisiert, aber mit betäubten Händen auf dem OP-Tisch lag, sich dabei jedoch in seinem stoischen Schweigen die schlimmsten Selbstvorwürfe machte und unentwegt an sich zweifelte und sich selbst verfluchte und verwünschte. Man musste also weder besonders feinfühlig noch emphatisch veranlagt sein. Ein Blick zu John, und man konnte die ganze Bandbreite der Gefühle während einer Selbstanklage von seinem Gesicht ablesen. Es war so stark, das sogar Jennifer und Carolyn glaubten, die Luft um sie herum würde vor lauter Unheil geradezu vibrieren. Das Gespenstischste dabei war jedoch, dass Carson selbst diesen Eindruck hatte.

Doch Carson trat die Operation nicht gänzlich unvorbereitet an und konsultierte kurz zuvor Elisha mit seinem Anliegen. Diese hätte über Carsons Bitte und ihrem Wissen um den Colonel und seinen Marotten gelächelt, doch die Sorge um ihre Tochter ließ kaum die kleinste Aufmunterung oder gar Ablenkung zu. Selbst Carolyn hatte dabei vollstes Verständnis dafür, die Schritte um die Anwendung der lantianischen Operationsinstrumente nun von Carson und Jennifer zu lernen.

Carson war also ganz froh und hatte in weiser Voraussicht– er kannte schließlich seine Patienten, aber auch Notwendigkeit – Elisha vor der Operationen von Johns gebrochenen Händen um einen Narkoseinjektor gebeten.

„John, nimm es mir bitte nicht übel, aber du denkst so laut und unsinnig, dass du mir keine andere Wahl lässt. Außerdem brauchst du auch ein bisschen Ruhe. Und da du, so wie ich dich kenne, von diesem OP-Tisch hüpfen würdest, kaum, dass die Geräte richtig abgeschaltete wären, tue ich nicht nur uns einen Gefallen.“

„Was soll das heißen? Hey ho .. einen Moment mal-„

John spürte noch vage den leichten Druck des Narkoseinjektors an seinem Hals, bevor er in die befreiende und erleichternde Schwärze eines tiefen, traumlosen Schlafes fiel.

„Hm, ich kann es Elisha wirklich so gut nachempfinden. Gott, ich liebe diese Dinger“, meinte Jennifer schmunzelnd und Carson und Carolyn nickten zustimmend.

„Ich hätte gerne ein Dutzend davon.“

~~~///~~~

John glaubte nicht so wirklich, dass Carson sich absichtlich mit der Dosierung des Narkosemittels vertan haben könnte, als er einige Stunden später erwachte und sich mühevoll aus dem Bett kämpfte. Seine Finger waren nicht wie befürchtet übermäßig dick bandagiert oder gar eingegipst, nur etwas steif und seine Rippen pochten auch nicht mehr ganz so scharf. Tief Luft holen und durchatmen war dennoch nicht seine erste Option. Er nickte den beiden Wachen, die am Eingang zum privaten Krankenzimmer Stellung bezogen hatten, zu, und begab sich in das Zimmer, nur um dann auf Elisha, Dorian und den General zu treffen, die mit besorgten Mienen Wache hielten.

„Colonel! Sie gehören ins Bett.“

„Wie geht es ihr?“

„Sie ist noch immer bewusstlos“, erklärte Elisha, die die Werte auf den Monitoren studierte.

„Aber sie hat keine Schmerzen, oder?“

„Nein. Aber außer Gefahr ist sie dennoch nicht. Ihre Atmung könnte aussetzen oder lebenswichtige Organe könnten versagen. Sie könnte auch ins Koma fallen, aus dem sie vielleicht nicht mehr erwacht. Ich tue mich deswegen schwer mit der Entscheidung, sie eine Zeit lang in künstlichen Tiefschlaf zu versetzen. Es ist einfach zu gefährlich. Aber womöglich haben wir keine andere Wahl, wenn sie wieder erwacht und wir ihr die Schmerzen ersparen wollen. Sie muss genauestens überwacht werden.“

John sah sich um und bemerkte, dass bereits alle wichtigen Gerätschaften, wie Defibrillator und Beatmungsmaschine und weitere bereitstanden und er hoffte inständig, dass keines davon gebraucht werden musste.

Eine ganze Weile stand er da und blickte die junge zu schlafen scheinende Frau an. Die Erinnerungen an den Biss und ihre Qualen, die darauf folgten, wollten ihn einfach nicht loslassen. Erst als Elisha ihn am Arm berührte, merkte er, dass Dorian und der General sich bereits zurückgezogen hatten.

„Sie brauchen auch etwas Ruhe, Colonel.“

Nachdem auch Elisha das Zimmer verließ, schlich John in seiner Patientenkluft an Alexas Bett und setzte sich nach kurzem Zögern vorsichtig auf die Bettkante. Er studierte ihr Gesicht, ihre Blässe, den dünnen Schweißfilm auf ihrer Stirn und die eingefallen wirkenden Wangen. Sie war wirklich dünn geworden. Zu dünn.

John wusste nicht, wie lange er dort saß und sie beobachtet hatte, als sie flatternd die Augen öffnete.

„Hey.“

Sie antwortete nicht, sah sich stattdessen aber blinzelnd um.

„Atlantis. Wir sind wieder zurück. Sie haben uns gefunden. Erinnerst du dich?“

Noch immer antwortete sich nicht, konnte vielleicht nicht antworten. Sie schluckte gegen den Kloß in ihrem Hals, gegen die Trockenheit in ihrem Mund und wollte sich bewegen, doch die Fixierung ließ ihr kaum einen Spielraum.

Es kostete Alexa eine Menge Kraft gegen die Fixierung anzukommen, doch am Ende gab sie auf. Sie wusste nicht, was sie mehr schmerzte. Die Tatsache, sich selbst eingestehen zu müssen, keine Kraft mehr zu haben, oder jedes einzelne ihrer Glieder.

„Deine Mutter hat dir das Gegengift gegeben, aber sie meinte, dass du noch nicht außer Gefahr wärst. Geht es dir besser?“

Wenn sie bedachte, dass sie diese elenden Krämpfe nicht mehr heimsuchten, könnte man es tatsächlich besser nennen. Auch wenn sie sich von ihrem persönlichen Wohlfühl-Faktor noch weit entfernt sah. John hatte diese Gedanken an ihrem Gesichtsausdruck wohl erkennen können, daher zweifelte er an Alexas kaum merklichem Nicken.

„Ich werde gleich deine Mutter rufen und sie fragen, ob wir die vielleicht abnehmen können“, erklärte John weiter und tippte auf die Fesseln, aber eine Antwort bekam er noch immer nicht.

John atmete einmal mehr tief durch und erntete dadurch ein nicht zu verachtendes Ziehen in seinen Rippen. Er ignorierte es, als er aufstand und sich durchs Haar fuhr.

„Ich wünschte, das Vieh hätte mich angefallen.“

John war überrascht, als er sich wieder zu Alexa drehte und bemerkte, dass sie ihm mit ihrem Blick gefolgt war. Aber er wusste nichts mit der Antwort, das Wegdrehen ihres Kopfes, anzufangen.

„Oder ich wünschte … ich wünschte, ich hätte es verhindern können. Ich weiß, jeder sagt mir, dass es nicht meine Schuld sei, aber … wenn man das ganze mal zurückverfolgt, wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Wäre ich nicht so begriffsstutzig gewesen, hätten wir uns vielleicht nicht ständig in die Wolle gekriegt, der Trainingsraum wäre nicht abgefackelt, man hätte uns keine Strafmission aufgebrummt und Fehlfunktionen wären nicht passiert und Atlantis wäre nicht so von uns angepisst gewesen, dass sie uns stattdessen in dieses scheinheilige Paradies verbannt hätte.“

Alexa sah ihn nicht an und sprach noch immer kein Wort, aber John reichten diese Reaktionen. Sie hörte ihn. Ob sie wollte oder nicht und das musste vorerst reichen.

„Ich hätte vielleicht einfach den Mund halten sollen. Ich hätte … keine Ahnung … es einfach dabei belassen sollen. Aber die Wahrheit ist, ich kann es nicht.“

John durchquerte einmal mehr den Raum, starrte kurz aber schweigend auf einzelne Geräte, bevor aus dem kleinen Fenster in die hereinbrechende Nacht blickte.

„Du kannst in mir lesen. Du weißt … was ich empfinde. Was ich für dich empfinde. Wir beide wissen, wie stark es ist. Es tut mir leid, wenn ich dich damit überrumpelt habe. Es tut mir leid, wenn dir das unangenehm ist. Es tut mir leid, wenn ich dir damit irgendwie wehgetan habe. Das ist das Letzte, was ich will.“

John drehte sich wieder zu ihr, ignorierte diesen unsichtbaren Strang, der seine Kehle geradezu zuzuschnüren schien. „Alles was ich will, ist zu wissen, was du .. wie du … ich wollte eine Reaktion. Von dir.“

Nicht von Dorian, der nach Alexas nächtlicher Trinktour durch Atlantis, die Johns Verständnis und Geduld arg auf die Probe gestellt hatte, eben diesem die Wahrheit oder vielmehr ein Geständnis überbringen konnte.

„Ich wollte dir erklären, was ich … ich wollte wissen, ob du vielleicht dasselbe empfindest. Wenn nicht .. wenn du nicht kannst oder nicht willst, aus welchem Grund auch immer … oder wenn es dir zu schnell geht … dann sag es. Lass uns darüber reden, verdammt. Wir sind erwachsen. Mit so was sollten wir doch umgehen können ohne eine ganze Stadt und ihre Bewohner und vielleicht noch eine ganze Galaxie ins Chaos zu stürzen.“

John wartete. Er wartete auf eine Antwort, die einfach nicht kommen sollte. Alles, was er erhielt, was er sah, war eine junge Frau, die mit ihrem unsteten Blicken selbst beinahe verzweifelt nach einer Antwort suchte.

„Alex … sag mir, was ich tun soll? Sag mir, ob ich warten soll. Sag mir, dass du Zeit brauchst. Oder sag mir, dass du .. du nicht das Gleiche empfindest. Dass du nicht das Gleiche empfinden kannst oder willst.“

John weigerte sich überhaupt an den Schmerz zu denken, sollte sie ihn entschieden abweisen und doch glaubte er, das Messer, das plötzlich in seinem Herzen steckte schon jetzt so stark zu spüren, dass ihm fast schwarz vor Augen wurde. Er setze sich wieder auf ihre Bettkante, starrte aber weiterhin starr aus dem Fenster.

„Wenn das so ist … wenn es dir so unangenehm ist, versuche ich alles zu tun, damit du das nicht mehr in mir lesen kannst. Und wenn das nicht hilft, wenn das nicht reicht …“

John sprang wieder auf, ging zum Fenster und lehnte sich auf die schmale Fensterbank. „Wenn dir das nicht reicht, dann sag es. Sag was ich tun soll. Soll ich gehen? Soll ich Atlantis verlassen? Soll ich meine Versetzung beantragen? Reicht dir das dann?“

Alexa schwieg.

„O´Neill und Landry haben mir den Befehl gegeben, dich zu beschützen und deinem Vater habe ich es auch versprochen, aber vielleicht kann ich es durchkriegen. Lorne wird wohl meinen Posten übernehmen. Er ist ein guter Mann. Er wird diesen Befehl genauso gut befolgen können.“

John wartete und wartete. Er wartete so lange, dass man glauben konnte, Alexa sei in der Zwischenzeit eingeschlafen. Oder Schlimmeres. Aber wusste, er spürte, dass sie wach war. Dass sie sogar mit sich rang. Aber es wollte einfach kein Ton über ihre Lippen kommen.

„Verdammt Alex!“ In seinem Frust schlug John mit seinen Händen auf die Fensterbank und genauso schnell, wie dieser Laut das kleine Krankenzimmer durchzog, so schnell zog auch der Schmerz seiner vormals gebrochenen Hände durch seine Arme, hinein in seien Brust bis hin zum Herzen. Er starrte zu Alexa, konnte aber beim besten Willen nicht sagen, was in ihr vorging. Der Frust und die Wut nahmen überhand und machte sich daran, aus dem Zimmer zu stürmen.

„… gehen!“

John blieb stehen. „Was?“ Er blickte zu Alexa und sein Blick traf auf Angst und Verzweiflung, Schmerz und Hoffnung, die in ihren Augen lagen.

„Nicht … gehen. Nicht gehen.“

„Dann sag mir, was ich tun soll. Sag mir, wie es weiter gehen soll“, bat John leise, als er wieder näher trat. So nah, dass er sie fast berühren konnte. „Was ist los, Alexa? Wo ist das Problem?“

„Stark … es ist zu stark … bei dir.“

John seufzte. „Ich weiß“, flüsterte John und setzte sich wieder neben sie.

„Niemand hat … bei niemand … anderem … so stark.“

John sah, wie schwer es ihr viel zu sprechen und er wusste, dass es nicht nur ihr angeschlagener Zustand war, der es ihr so schwer machte. „Und das macht dir Angst? Ist es dir unangenehm? Lässt es dich … tut es dir irgendwie weh oder … tue ich dir weh?“

Die Verzweiflung schien allmählich Überhand zu nehmen, als Alexa mit dem Kopf schütteln wollte. Zumindest glaubte John dies.

„Ich verstehe es selbst nicht. Ich meine, abgesehen vom Offensichtlichen ist da noch mehr und das fühlst du auch, oder?“ Alexa antwortete wieder nicht und das war auch nicht nötig. John konnte es an ihren Augen ablesen. „Ich kann es nicht erklären, Alex. Ich kann es nicht kontrollieren. Ich kann es nicht abstellen, und wenn ich ehrlich bin, will ich es auch nicht. Ich weiß, es ist nichts Schlechtes. Das, was in mir vorgeht -in uns vorgeht- ist nichts Böses. Ich würde niemals zulassen, dass dir etwas geschieht, weder durch diesen Typen, der dich verfolgt, noch durch jemanden oder etwas anderem und schon gar nicht durch mich. Ich würde mich eher selbst erschießen, als dir wehzutun und das weißt du. Du spürst es.“

Wieder reichte John ein Blick in ihre Augen, aber noch immer lag ein wenig Angst in ihnen.

„Warum vertraust du mir dann nicht? Spürst du dann nicht auch, dass du mir vertrauen kannst? … Ich bin nicht Darius, Alex. Ich bin auch nicht dein Vater. Ich gebe keine Versprechen, die ich dann nicht halte. Ich habe keine Geheimnisse vor dir und ich lüge dich auch nicht an. Beides wäre kompletter Wahnsinn. Es wäre genauso wahnsinnig, wie das, was ich für dich empfinde.“ John schmunzelte leicht aber verlegen. „Nur das wäre wohl wesentlich angenehmer als die Konsequenzen. Wie also soll es weitergehen? Sag mir, wie es weitergehen soll? Sag mir was ich tun soll. Was immer es ist … was immer du willst … es ist deine Entscheidung … du alleine entscheidest.“

„Zeit … brauche Zeit.“

John merkte gar nicht, wie die Erleichterung ihm doch tatsächlich ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberte, doch es verflog schnell wieder, als er nun zum ersten Mal ihre Tränen sah. Er rückte noch ein Stück näher zu ihr. „Ist okay. Hey, ist okay. Ich gebe dir Zeit, so viel du willst. So viel du brauchst. Nur lass uns nicht mehr streiten. Ich will einfach nicht mehr streiten. Wenn es etwas gibt, wenn ich etwas sage oder tue … lass uns drüber reden. Okay?“

Alexa stimmte zu. Stumm, mit einem kaum merklichen Nicken, während ihr die Tränen die Wange hinunter kullerten, um dann in einer sanften Berührung von John weggewischt zu werden. Er hoffte inständig, damit nicht bereits zu weit zu gehen.

„Nicht gehen. Bitte … geh nicht.“

„Ich werde nirgendwo hingehen. Ich bin hier und bleibe hier. Solange du willst.“

Der kurze fast schon intime Moment zwischen den beiden wurde jäh unterbrochen, als Alexa sich plötzlich unter Schmerzen aufbäumte, und begann panisch nach Atem zu ringen.

„Alex? … Alex!“

~~~///~~~

Johns Hoffnung, dass keines der Geräte, die vorsorglich in Alexas Krankenzimmer standen, gebraucht werden würden, wurden jäh zunichte gemacht.

Nun stand John ein wenig abseits und wie gelähmt im Raum und blickte auf die junge Frau, die an dutzenden Kabel und Schläuche und weitere Gerätschaften hing. Elisha war keine andere Wahl geblieben, als sie in einen künstlichen Tiefschlaf zu versetzen, um ihr die Schmerzen zu ersparen, die sie wieder heimsuchten und da bereits ihre Atmung ausgesetzt hatte, als John nach Hilfe für sie rief, wurde sie nun auch künstlich beatmet.

Das ständige Auf und Ab der Beatmungsmaschine und das fortwährende Piepsen des Herzmonitors halfen ihm nicht gerade, die wieder aufkommende Wut zu zügeln.

„Was ist das?“, wollte Jennifer wissen, als sie beobachtete, wie Dorian ein weiteres Gerät in den Raum brachte und es einstellte, während Elisha sich darum kümmerte, es mit Alexa zu verbinden. Es erinnerte stark an ein EEG.

„Kurz gesagt, eine Art Schmerzmessgerät. Etwas, dass zu unseren Zeiten zur Standardausrüstung der Krankenstation gehörte. Mutter vermisste es schon“, erklärte Dorian.

„Es ist in der Lage, uns zu zeigen, wie stark die Schmerzen tatsächlich sind“, fuhr Elisha fort, bevor Dorian sie wieder ablöste.

„Schmerz ist zwar eine subjektive Wahrnehmung, aber das Gehirn ist maßgeblich an diesen Prozessen beteiligt. Das Gerät scannt die entsprechenden Areale des Gehirns und durch ein paar technische Eigenheiten dieses Gerätes, dessen Erklärung jetzt zu lange dauern würde, weil es auch zu kompliziert ist, zu erklären, wird uns das Gerät an dieser Scala hier zeigen können, wie stark die tatsächlich Schmerzen sind. Es ist sozusagen das technologische Pendant zu Ihren numerischen Rating-Skalen, die Ihre Patienten zumeist in den Fragebögen ausfüllen mussten.“

John interessierten all die Erklärungen nicht wirklich. Ihn irritierte viel mehr die Tatsache, dass die Skala offenbar nicht annähernd groß genug zu sein schien, um mitteilen zu können, wie schlimm ihr Zustand wirklich war.

„Spürt sie sie noch?“, wollte er wissen.

„Nein. Die Schmerzen sind zwar da, aber in so tiefer Bewusstlosigkeit nimmt sie sie nicht mehr wahr.“

~~~///~~~

Es war mitten in der Nacht, als Dorian endlich nachgab und sich selbst zurückzog. Sein Vater brauchte noch mehr Zuspruch und John war sich nicht ganz sicher, ob nicht auch eine Drohung mit dem Narkoseinjektor im Spiel war, als er knurrend die Krankenstation verließ.

„Und Sie, Colonel, gehören auch ins Bett“, meinte Elisha.

„Sie nimmt auch uns nicht mehr wahr, oder?

„Aus medizinischem Standpunkt, aus Erfahrung würde ich auch diesbezüglich nein sagen, aber ich weiß noch immer nicht genau, wie stark ihre empathischen Fähigkeiten sind oder wie es überhaupt funktioniert.“

Elisha beobachtete, wie John an das Bett ihrer Tochter trat.

„Das Ding hätte mich beißen sollen“, murmelte er.

„Dann wären Sie jetzt tot und Alexa auch. Sie hätten innerhalb einer Minute tot auf dem Boden gelegen und dann hätten die Tiere sich auf Alexa gestürzt. Sie hätten ihr nicht mehr helfen können. Sie hätten sie nicht in das Haus und in Sicherheit bringen können. Sie hätten sie nicht dazu gebracht, so lange durchzuhalten. Das Einzige, dass ich bedauere, ist die Tatsache, dass wir so lange gebraucht haben, euch beide zu finden. Und dass es diese Tiere überhaupt gibt. Niemand hat auch nur im geringsten das Recht, Ihnen irgendwelche Vorwürfe zu machen. Ich nicht, mein Mann nicht, Dorian nicht und Sie sollten aufhören, sich selbst zu zerfleischen. Alexa wäre davon ganz bestimmt nicht angetan. Auch wenn sie im Moment niemanden anderen mehr wahrnimmt, Sie wird sie immer spüren.“

Elisha drückte aufmunternd seinen Arm. „Legen Sie sich schlafen, John. Sie brauchen Ruhe.“

„Gleich. Ich gehe gleich.“

Als Elisha den Raum verlassen hatte, setzte John sich ganz vorsichtig zu Alexa und beobachtete sie kurz. Dann beugte er sich ganz nah zu ihr und flüsterte ihr zu in der Überzeugung, dass sie ihn sehr wohl wahrnehmen und hören würde.

„Ich habe gelogen. Ich werde nicht gehen. Ich bin hier, hörst du. Ich bin hier. Ich gehe nicht weg.“

~~~///~~~

Carol seufzte und schüttelte beinahe den Kopf, als sie am frühen Morgen mit Elisha das Krankenzimmer betrat und sah, wie John an Alexa Bett wache hielt. Schlafend und handhaltend.

„Ich würde gerne glauben, dass wir nicht mehr so viel Arbeit mit den beiden haben …“, flüsterte Elisha Carol zu.

„Ich auch. Aber das wäre reines Wunschdenken“, antwortete Carol. „Und wir wünschen uns nichts.“

„Nein. Wir wünschen nicht. Wir handeln. Aber zuerst muss ich Alexa wieder auf die Beine bringen.“

„Und ich kümmere mich um John. Wäre doch gelacht, wenn wir die beiden sich nicht in der Mitte treffen lassen würden.“

Carol und Elisha kicherten zunächst leise, bevor Elisha sich daran machte, Alexas Werte auf den Monitoren zu überprüfen, die Dosierung der Medikamente zu checken und ihrer Tochter eine Strähne aus der Stirn zu streichen, während Carol ihrem Sohn eine Decke über die Schulter legte.

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John hatte die kurze Dusche zwar genossen, aber es gefiel ihm weniger, dass seine Mutter ihn danach zum Frühstück in ihrem Quartier bat. Andererseits war es vielleicht doch keine schlechte Idee, denn der elektrische Rasierapparat seines Vaters war im Moment weitaus besser zu handhaben, als sein geliebter Nassrasierer und die Tatsache, dass seine Familie ihm beim Schneiden von Brot und Fleisch und anderen Dingen helfen musste, war wohl auch besser zu ertragen, als wenn es die gesamte Stadtkantine zu sehen bekommen hätte. Danach wollte er so schnell wie möglich zurück zur Krankenstation. Und das sollte schon was heißen, denn John mied die Krankenstation normalerweise, wie der Teufel das Weihwasser. Er wollte aber zu Alexa. Seien Mutter hatte allerdings andere Pläne mit ihm.

So saßen nun Mutter und Sohn auf dem Balkon und sprachen miteinander. Eigentlich sprach Carol mehr, aber sie hatte so ihre ganz eigenen und unumstrittenen Methoden, John dazu zu bringen, ihr zu erzählen, was auf dem Planeten vorgefallen war. Und doch schaffte er es gerade so, sich um die Ohrfeige herum zu manövrieren. Dachte er zumindest, denn Carols skeptisch hochgezogene Augenbraue sprach Bände. Aber er war standhaft geblieben.

„Ich glaube, es ist nicht alleine die Tatsache, dass deine Empfindungen so stark sind.“

„Was meinst du?“, wollte John genauer wissen.

„Zugegeben, es mag vielleicht ihr größtes Problem sein, aber dass sie sie überhaupt empfinden kann, spielt wohl auch eine Rolle. Sie ist Empathin, John, aber das war sie nicht immer. Vor dreizehntausend Jahren hatte sie diese Fähigkeiten nicht. Sie hatte nicht in ihrem Gegenüber lesen können, in ihren Gegnern, in Kollegen, Freunden und Familie. Und sie konnte wohl auch nicht in Darius lesen. Ich glaube auch nicht, dass sie es vor Kurzem konnte, als er hier war.“

„Also zweifelt sie jetzt an ihm und was früher zwischen ihnen war.“ John würde am liebsten auflachen, aber es überraschte ihn selbst, dass ihm das so gar nicht gelingen wollte.

„Vielleicht. Es ist nur eine Theorie, John. Ich habe schon länger nicht mehr mit ihr sprechen können und ihre Meditation liegt jetzt auch schon ein Weilchen auf Eis. Aber es kann auch sein, dass Sie an sich selbst zweifelt.“

„Oder an mir.“

„Das glaube ich nicht. Deine Gefühle spürt sie von allen am deutlichsten und auch wenn man eure kürzliche Vergangenheit mal beiseite lässt, vertraut sie dir mehr, als allen anderen. Aber, egal was der eigentliche Grund für ihre Probleme sein mag, bin ich sicher, dass du früher oder später zu ihr durchdringen wirst. Ohne Streit.“

John ließ sich die Worte kurz durch den Kopf gehen, bevor seine Mutter ihn erneut mir ihrer Beinahe-Allwissenheit überraschte. „Und ohne dir eine weitere Ohrfeige einzuhandeln. Ich bin deine Mutter, John, so schnell und einfach kannst du mir nichts vormachen.“

„Bist du sicher, dass du nicht selbst irgendwelche hellseherische Fähigkeiten hast, seit du zurück bist?“

„Oh John, ich bitte dich. Solche Fähigkeiten werden nicht verliehen. Mit solchen Fähigkeiten werden Mütter geboren.“

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John hatte Woolsey, Daniel, Rodney und die anderen seines Teams zu sich ins Quartier seiner Eltern rufen lassen und ihnen von den Entdeckungen auf dem Planeten berichtet. Es wurmte ihn immer mehr, dass seine To-Do Liste, die er vor seinem Besuch auf der Krankenstation erledigt wissen wollte, scheinbar kein Ende nehmen wollte.

„Es war also ein Bau der Antiker“, schlussfolgerte Woolsey.

„Höchstwahrscheinlich. Der sprechende Computer im Keller spricht jedenfalls dafür. Als Alexa ihn berührt hat, meinte er so was wie Agnosco Initia. Wir dachten zuerst, er hätte eine Störung oder so und dass er nicht richtig hochgefahren wäre. Als ich ihn dann angefasst habe, meinte er Agnosco Agema.“

„Agema. Das höre ich jetzt schon zum wievielten Mal?“, meinte Patrick und zog skeptisch eine Augenbraue hoch.

„Was hat das zu bedeuten?“, wollte Teyla wissen.

„Dass wir der Sache wohl langsam näherkommen“, gab Daniel zurück. „Agema bedeutet übersetzt Leibgarde und Initia bedeutet die Anfänge. Nur wir konnten bisher nicht genau sagen, was es zu bedeuten oder was es damit auf sich hatte. Wenn dieser Computer so reagierte, als Sie oder Alexa ihn berührt haben, haben wir nun den Beweis, dass es sich dabei um Personen handelt. Er hat Sie so angesprochen. Er hat Sie als Agema und Initia erkannt.“

„Leibgarde“, wisperte John, als er sich auf die Lehne der Couch in der sein Vater saß, niederließ. „Deswegen hat General Thalis mich regelrecht schwören lassen, auf Alexa aufzupassen.“

„Ja, davon ist auszugehen.“

„Aber was hat es mit Initia auf sich? Initia bedeutet Anfang, richtig?“, meinte Rodney. „Alexa ist ein Anfang oder was? Soll sie was anfangen oder hat sie etwas angefangen? Oder warum soll ein Anfang überhaupt beschützt werden.“

„Initia bedeutet im lateinischen der Erde die Anfänge. Was es im Antikischen zu bedeuten hat, kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich ist es aber etwas Ähnliches. Ich vermute allerdings, das Initia ein Wortlaut der Sprache ist, zu den die alten Schriftzeichen gehören, die ich immer noch versuche, zu übersetzen.“

„Was das angeht“, meinte John und nahm den Datenkristall aus der Hosentasche, den er an sich nahm, als Alexa ihn kurz nach dem Biss darum gebeten hatte, „Vielleicht hilft das weiter. Alexa hat es geschafft, einige Daten, vielleicht sogar alle Daten aus der Datenbank des Computers darauf zuladen, bevor das Ding den Geist aufgegeben hat. Die Schriftzeichen, die der Computer uns anzeigte, waren ähnlich derer auf dem Stein und die Sie versuchen zu entschlüsseln. Daniel, ich glaube, es ist besser, wenn Sie sich mit Landry darüber unterhalten, länger hierbleiben zu können. Ich will nicht, dass dieser Kristall oder auch nur ein Bit an Information die darauf sind, die Stadt verlässt und Sie und Rodney werden zusammenarbeiten müssen, um überhaupt an verwertbare Daten kommen zu können.“

„Ja, das dachte ich mir. Ich wollte sowieso meine Fühler ausstrecken und sehen, was man davon hält, wenn ich mein Lager hier aufschlage. Vielleicht sollte ich mich auch noch mal mit Jack unterhalten.“

„Ah … noch etwas. Ich glaube, es ist besser, wenn die Information über Alexas Fähigkeiten, ihre Empathie und was vielleicht sonst noch so kommt, keine weiteren Kreise zieht. So vorteilhaft es manchmal sein kann, sind solche Infos auch gefährlich. Wir haben uns schon mit einem Irren zu beschäftigen, ich will nicht, dass sich diese Ziffer erhöht, nur weil jemand denkt, das Alexa nützlich für ihn sein könnte.“

„Aber was ist mit den Trasmans?“, fragte Carol. „Du weißt, Trasman Junior hatte Dave entführt und Alexa hat den Senator ziemlich in die Mangel genommen, bevor er dann half, Dave zu finden. Du selbst hast ihm gesagt, dass Alexa Empathin sei.“

„Über die Trasmans mache ich mir keine Sorgen. Die sitzen beide in Area 51 und können mit niemandem darüber reden, und das Tageslicht werden sie auch nie wieder sehen“, erklärte John und wandte sich dann an Woolsey. „Aber was ist mit dem IOA?“

„Ich habe mich schon vor einiger Zeit dazu entschieden, nichts über die mentale Entwicklung des Commanders in meine Berichte einfließen zu lassen. Sie wissen aber, dass die Antiker einiges zu bieten haben und dass es jemanden gibt, der enormes Interesse an ihr hat und dass die Antiker trotz ihres Wissens schweigen. Das IOA ist alles andere als glücklich darüber und sie sind noch weniger geduldig. Bei meinem letzten Gespräch mit Mr. Coolidge ließ er mich wissen, dass die meisten unserer Kollegen nicht gewillt sind, noch länger auf Erklärungen zu warten“, erklärte Richard.

„Das heißt, wir können hier bald mit einer Abordnung Ihrer Kollegen rechnen“, schlussfolgerte John weiter.

„Ich habe Mr. Coolidge gebeten, sich noch einmal mit den Verantwortlichen in Verbindung zu setzen und ihnen klar zu machen, welchen Nutzen die Antiker wirklich für uns haben können und dass solche Aktionen dem gerade entstehenden Vertrauen nicht besonders dienlich sind. Leider scheinen meine Kollegen unter enormen Druck zu stehen, bedenkt man, dass die Deklassifzierung nun eine endgültig beschlossene Sache ist, die zudem noch mit großen Schritten voranschreitet. Aber ich bleibe dran.“

„Wir müssen rausfinden, was hier los ist, und zwar schnell. Bevor der Nutzen der Antiker sich als zu gefährlich für sie selbst entpuppt.“

„Zumindest wissen wir jetzt etwas mehr über die Worte Agema und Initia“, meinte Patrick, als ihm auffiel, wie irritiert ihn John ansah. „Wie du gesagt hast, hat dich General Thalis schwören lassen, Alexa zu beschützen, weil du offenbar ein Agema bist, folglich ist sie eine Initia. Fragt sich nur noch, was genau das zu bedeuten hat.“

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„Elisha, du weißt, was ich davon halte“, erwiderte Tristanius. Er konnte einfach nicht glauben, dass Elisha sich weiterhin an die Vorstellung einer Beziehung zwischen Alexa und dem Colonel klammerte.

„Ja, ich weiß. Und ich hoffe, dass du weißt, dass es mir mittlerweile vollkommen gleich ist, was du diesbezüglich denkst. Alexa hat ein Recht auf ein bisschen Liebe und Glück und so wie es aussieht und die Dinge laufen, entwickelt sich etwas sehr starkes und Besonderes zwischen den beiden und wenn du gedenkst, ihnen das irgendwie kaputt zu machen, verspreche ich dir, werde ich dich kaputt machen.“

Tristanius zweifelte zwar daran, dass sie dazu in der Lage wäre, doch die die Ernsthaftigkeit, die in ihren Worten lag, hatte sie mit einem derart kühlen und bestechenden Lächeln rübergebracht, dass es ihm doch tatsächlich kalt den Rücken hinunter lief. Sogar Dorian hielt mit seinem Löffel auf halbem Weg zum Mund inne und schluckte einmal mehr, als er unsicher zwischen den beiden hin und her sah.

„Ich kann das, glaube mir. So gut, wie ich dich zusammenflicken kann, kann ich dich auch auseinandernehmen. Und komm mir nicht mit Fraternisierung oder der gleichen. Ich mag Medizinerin sein, aber ich kann auch Gesetzestexte lesen. Es spricht rein gar nichts gegen eine Verbindung der beiden. Weder in unserer Militärregelung noch in der der Erde. Außerdem ist Carol ebenfalls der Meinung, dass die beiden ein sehr schönes Paar abgeben würden. Sie brauchen nur ein wenig … Unterstützung.“

„Carol?“

„Ja. Colonel Sheppards Mutter und ich, wir verstehen uns sehr gut. Sie ist eine sehr intelligente und vernünftige und nette Frau. Und jetzt entschuldige mich. Jennifer und Doktor Lam haben zwar gesagt, dass sie ein Auge auf Alexa werfen, aber ich möchte nicht durch die ganze Stadt gerufen werden müssen.“ Und somit huschte Elisha aus dem Quartier und ließ ihren Mann und ihren Sohn stutzend zurück.

„Was sollte das denn?“, fragte Tristanius mehr an sich selbst gerichtet. Doch Dorian konnte in seiner Art und seines Amüsements nicht den Mund halten.

„Ich glaube, Mutter wollte dich wissen lassen, dass sie und Carol ab jetzt kollaborieren, um die beiden zu fusionieren, sich dabei endlich in 2. Person Plural adressieren und dich wahrscheinlich bald demontieren.“

„Und du würdest ihnen dabei wohl liebend gerne helfen, was?“, fragte Tristanius und spürte, dass sich doch tatsächlich und trotz allem ein wenig Amüsement in ihm breitzumachen schien.

„Oh, das habe ich schon, Vater“, entgegnete Dorian salopp. „Oder wie glaubst du, ist Mutter an die Militärregelungen gekommen?“

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Die Wachen nahmen Haltung an, als John die Krankenstation betrat. Er hörte das kreischen der Tiere, die in einem der hinteren Räume in Käfigen gehalten wurden.

„Wie lange wollen Sie sie behalten?“, fragte John.

„Ich wünschte, wir könnten sie gleich los werden, aber wir brauchen sie noch eine Weile. Jennifer und ich wollen noch mehr Gegengift produzieren und planen, jedes Mitglied eines Außenteams mit mindestens einer Ampulle des Gegenmittels ausstatten“, erklärte Elisha, die von ihrem Mikroskop aufsah. „Wir glaubten vor dreizehntausend Jahren diese Tiere nur auf einem Planeten. Nun sind sie auch auf diesem Planeten. Wir wissen nicht, wie das passieren konnte, aber das Risiko, dass wir früher oder später wieder auf diese Brut treffen, ist wohl recht hoch. So wären wir wenigsten gewappnet. Aber Sie könnten mir einen Gefallen tun, Colonel. Wir müssten den Tieren wieder etwas Gift extrahieren.“

John nickte und winkte eine der Wachen zu sich, die ihm sofort einen Stunner übergab. John betäubte beide Tiere, beobachtete wie zwei weitere Leute der Krankenstation ihre Aufgabe erfüllten und den Tieren das Gift entnahmen, bevor er den Stunner wieder zurückgab.

„Wie geht es Alexa? Hat sich ihr Zustand schon gebessert?“

„Nein. Ich habe ihr vorhin sogar noch eine zweite Dosis des Gegengifts geben müssen. Somit erhielt sie nun Höchstdosis. Wenn das in den nächsten Stunden ebenfalls nicht langsam anschlägt, werde ich mir etwas anderes ausdenken müssen. Wenn mir dazu noch die Zeit bleibt.“

„Kann ich zu ihr?“

„Natürlich.“

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John hatte jegliches Zeitgefühl verloren und merkte nicht einmal wie, sein Vater hinter ihm stand und ihn beobachtete, wie er auf ihren Handrücken tippte und drückte.

„Also, noch mal von vorne. Das ist ein A … das ist das B …“

„Morsecode?“, fragte Patrick stirnrunzelnd, worauf John beinahe erschrak, hatte er doch bisher alles getan, damit man ihn nicht dabei sah, wie er Tag für Tag zu einer tief schlafenden Frau sprach. Doch als er seinen Vater ansah, erkannte er, dass er bei ihm auf der sicheren Seite wäre. Sein Vater hätte selbst den Rest seines Lebens am Bett seiner Mutter, seiner Frau verbracht, wäre diese nicht innerhalb weniger Stunden gestorben.

„Alex und ich haben uns mal darüber unterhalten und sie meinte, sie würde gerne herausfinden, ob es zwischen unserem Morsecode ihrer Version irgendwelche Unterschiede gibt.“

„Ah. Und du glaubst, sie bekommt das mit? Ihre Mutter meinte doch, dass sie nichts und niemanden wahrnimmt.“

„Sie nimmt mich wahr“, lautete Johns kurze aber überzeugte Antwort.

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Beinahe eine Woche war vergangen, in der John jeden Tag bei ihr saß, glaubte, ihr den Morsecode beizubringen, ihr vorlas und von den Geschehnissen in der Stadt und seiner letzten Mission berichtete. Nach fünf Tagen konnte man endlich sehen, dass die erste Verbesserung eintrat, als das Level der Schmerzintensität auf der Scala ein wenig zu fallen schien. Sie war noch nicht so weit abgesunken, dass man Alexa wieder aufwecken könnte, aber es reichte, um wieder Hoffnung zu schöpfen.

John blieb an ihrer Seite, ging immer wieder das Morsealphabet mit ihr durch. Las ihr weitere Bücher oder Teile und Partien aus den Gleichungen ihrer aerodynamischen Arbeit für ihren Fighter vor, in der Hoffnung, selbst irgendwo ein Fehler zu finden, der für die Fehlfunktion während ihres Jungfernflugs verantwortlich wäre. Doch die größte und insgeheimste Hoffnung war, dass Alexa all dies mitbekam und es ihr dabei half, nicht tiefer ins Koma zu fallen, aus dem sie nicht mehr erwachen würde.

Am elften Tag, John war gerade dabei, einige Berechnung über den Antrieb von Alexas Fighter durchzugehen und ihr diese laut vorzusprechen, piepste es plötzlich. Nach anfänglicher Panik und Sorge, sah man es dann doch als ein weiteres gutes Zeichen, dass Alexa wieder selbstständig atmen konnte, während die Schmerzintensität weiter abnahm.

Am fünfzehnten Tag setzte Elisha das Narkotikum ab. Alexa solle ganz langsam und von selbst wieder erwachen. Dies geschah am sechzehnten Tag. Während ihre Familie sich links und rechts am Bett einfand, blieb John am Fußende des Bettes stehen, in der Hoffnung, Alexa würde ihn sofort sehen.

Und das tat sie auch. Auch wenn Dorian seine Freude überschwänglich mitteilte und damit sogar fast seinen Vater ansteckte, der in Johns Augen ungewöhnlich große Zuneigung zeigte und wie Elisha seine Tochter immer wieder streichelte und küsste und ihr erklärte, wie froh er war, dass sie über den Berg sei, blieb ihr Blick starr auf John gerichtet. Aber es dauerte schon eine kleine Ewigkeit, bis man ihn endlich mit ihr allein ließ.

„Hey.“

Alexa antwortete noch immer nicht, aber immerhin schien sie ein kleines Lächeln zustande zu bringen.

„Durst?“, fragte John und Alexa nickte. „Deine Mutter holt dir etwas Eis.“

John setzte sich neben sie, leistete ihr ein wenig Gesellschaft während ihres Schweigens und wartete, bis Elisha fertig war, Alexa etwas Eis einzuflößen und sich wieder zurückgezogen hatte. „Also, wenn ich dich jetzt noch mal frage, ob es dir besser geht, wirst du mir doch hoffentlich nicht wieder so unter den Händen wegtreten, oder?“

„Ich habe es nicht vor“, krächzte Alexa tonlos.

„Gut“, platzte es erfreut aus John, bevor er wieder ernst wurde. „Ich kann mir vorstellen, was dir gerade durch den Kopf geht, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich es nicht vergessen habe … und es auch nicht zurück nehme. Wir …“

„Es tut mir leid.“

„Was? Nein, nein, nein. Nicht … komm schon, nicht weinen. So habe ich das nicht gemeint.“

„Aber … ich. Ich hätte nicht … ich wollte nicht …“

„Shhh. Ist okay. Ist okay, Ich hab´s auch ein bisschen verdient. Ich … war wohl der größte Idiot, der dir seit über dreizehntausend Jahren über den Weg gelaufen ist und ich habe bei vielen Dingen nicht wirklich nachgedacht, bevor ich den Mund aufgemacht habe, also … darf man ruhig mal etwas Dampf ablassen.“

„Das war kein Dampf, das war doch wohl eher wie ein Anschlag mit Giftgas oder so“, lenkte Alexa leise ein und John lächelte mild. „Wie soll es jetzt weitergehen?“

„Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Du hast gesagt, du willst Zeit. Ich habe gesagt, dass ich dir alle Zeit der Welt gebe und das meine ich auch so. Aber das ist kein Versprechen, Alex. Ich kann mir denken, dass du nach alledem Probleme hast, wenn man dir etwas verspricht. Man hat dich verletzt, indem man es nicht gehalten hat. Also … habe ich mir gedacht, dass ich dir keine Versprechen gebe. Wir machen einfach einen Deal. Ist viel einfacher, finde ich. Wir einigen uns darauf, dass wir uns nicht mehr streiten. Wir reden, wenn uns was beim anderen auf den Geist geht, wenn der andere was verbockt hat oder wenn es zu schnell geht oder einer mal wieder der größte Idiot in zwei Galaxien und dreizehntausend Jahren ist und der Rest … na ja, mal sehen, was wird. Aber ich verspreche dir, dass ich dir nichts verspreche.“

Alexa wusste nichts so recht mit dieser Aussage anzufangen und genau darauf spekulierte John, als er sie schelmisch grinsend ansah. „Idiot“, wisperte Alexa lächelnd.

„Ja, ich weiß. Aber siehst du, es klappt. Wir sind hier unter uns, wir reden und du hast mir mitgeteilt, dass dir etwas nicht gefällt. Zwar mit nur einem Wort, aber immerhin scheint die Stadt damit einverstanden zu sein, wir verfallen offenbar nicht in einen Krieg der Galaxien und wir machen uns nicht gegenseitig mürbe. Ich denke, wir haben das ganz gut hin bekommen, fürs erste Mal. Wir müssen nur weiter daran arbeiten.“

„Klingt wie ein Plan.“

„Ja, na ja, mensaverdächtig, weißt du? Aber jetzt ist es wohl besser, wenn du wieder ein bisschen schläfst“, meinte John, als er aufstand.

„Bin nicht müde.“

„Mhm, sagt die Frau, die ihre Augen kaum noch aufhalten kann. Wenn deine Mutter hier gleich wieder reinkommt, wird sie uns die Leviten lesen und meinen, es sei schon spät und man hätte dich ganz schön durch die Mangel gedreht, und dass du noch viel Ruhe brauchen wirst und mich würde sie rausschmeißen und ich weiß, wie sehr du das hassen würdest und das will ich dir auf keinen Fall antun.“

Damit konnte John ihr erneut ein Augenrollen und sogar ein kleines Kopfschütteln entlocken.

„Arroganter Idiot“, wisperte Alexa und wieder musste John mit ihr lächeln.

„Und jetzt sind es schon zwei Worte. Auch wenn es nicht ganz die Richtigen sind, aber wir arbeiten daran. Ich arbeite daran. Aber ich will uns nicht gleich überfordern, also werde ich gleich morgen früh wieder hier vorbei kommen, okay?“

„Du versprichst es nicht?“

„Ich denke nicht im Traum daran“, gab John grinsend zurück.

„Okay.“

„Okay.“ John drückte noch einmal ihre Hand und machte sich daran, zu gehen, als Alexa ihn zurückhielt und noch einmal nach seiner Hand griff und anfing, in einem bestimmten Rhythmus auf ihr zu tippen.

John lächelte erleichtert und gerührt in dem Wissen, dass sie in all der Zeit alles mitbekommen und ihn hatte spüren können. „Gerne geschehen.“

The End

Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis.
Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

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