SGA/ALEXA: Awakening

Awakening (2)

Awakening (in Korrektur)

Characters: Sheppard, McKay, Teyla, Ronon, Woolsey, Keller, Lorne, OC, diverse andere Bekannte des SG(A)-Verse
Genre:OC, ein bisschen AU, Adventure, Friendship, Action
Autor:
Shahar Jones
Serie:
Alexa Saga
Series Order: 01
BETA: Arielen (Kris), Evaine
Rating: PG
Wortanzahl: ca. 30.000 Worte

 

Kurzinhalt:
John Sheppard und sein Team finden während einer Erkundungsmission im Puddle-Jumper eine im All treibende Kapsel. Sie entschließen, sie mit nach Atlantis zu nehmen. Doch in ihr befindet sich kein älter Mensch, sondern eine junge hübsche Frau. Könnte es Ärger bedeuten?

~~~///~~~

 

Irgendwo in einem Sonnensystem der Pegasus-Galaxie

 

„Hm … ist irgendwie merkwürdig. Ich dachte, dass in der Zeit unserer Abwesenheit diese Galaxie irgendwie im Chaos versunken wäre, aber… es sieht doch ziemlich friedlich aus.“

Nachdenklich aber doch ein wenig besorgt, sah McKay aus der Frontscheibe des Jumpers und achtete nicht weiter auf Johns Kommentar.

„Wir sind hier in einer ziemlich einsamen Ecke. Ich frage mich, ob es überhaupt etwas Interessantes zu finden gibt.“

Sie waren mehr als einen Monat zurück in der Pegasus-Galaxie und doch zeigten nur wenige Wehmut oder gar Heimweh nach der Erde, auf der sie mit Atlantis mehrere Monate verbracht hatten.

Nach der turbulenten Ankunft über der Erde, dem Kampf gegen das Super-Hive und der mehr oder weniger gelungenen Landung auf der Erde, war es nur kurze Zeit ruhig geblieben. Da das Atlantis-Gate das ursprüngliche Tor überlagerte, hatten viele SG-Teams ihr Lager in der Stadt der Antiker aufgeschlagen und starteten von dort zu ihren Missionen.
Auch John und sein Team hatten sich gelegentlich auf den Weg gemacht, die Milchstraße genauer unter die Lupe zu nehmen, vor allem dann, wenn durch verschiedenste Gerüchte und Berichte die Möglichkeit bestand, ein ZPM finden zu können.

Doch auch das sorgte für eine gewisse Anspannung und Turbulenz in der Stadt, denn so manch eine Rückkehr der Teams verlief nicht gerade nach Plan und zeugte eher davon, dass Erkundigungen in der Milchstraße immer noch in Schwierigkeiten, unter Umständen auch Auseinandersetzungen ausarten konnten.

Ebenso rechneten Woolsey und einige Abteilungsleiter zwar mit vermehrten Urlaubsgesuchen, doch andererseits saßen ihnen O´Neill und damit die Homeworld-Security, als auch das IOA im Nacken, dass natürlich genaueres über die Stadt erfahren wollte und somit auch glaubte, wesentlich in die Beförderungs- oder Versetzungspolitik reinreden zu können. Doch man ließ sich nicht so schnell beirren und viel Mühe und Not und noch mehr Geduld konnte es den Bewohnern der außerirdischen Stadt doch ermöglicht werden, sich einige Tage frei zu machen, um Familie und Freunde besuchen zu können.

Die Navy und die Küstenwache von San Francisco kümmerten sich darum, dass ein reibungsloser Ablauf beim Verlassen und Betreten der schwimmenden außerirdischen Stadt gewährleistet wurde, ohne dass in der nichts ahnenden Bevölkerung allzu große Gerüchte entstehen konnten.

Und so fand auch John sich einige Tage nach seiner anstrengenden Arbeit bei seinem Bruder ein und genoss die freie Zeit und den Aufenthalt auf der Erde und in seinem einstigen Elternhaus, jetzt wo sie sich in der Zeit nach dem Tod des Vaters ausgesprochen und versöhnt hatten.

„Außerdem waren wir doch nicht allzu lange weg, Rodney“, meinte Teyla. „Was glauben Sie denn, was in dieser kurzen Zeit passiert sein soll?“

„Keine Ahnung. Vielleicht ein Vormarsch der Wraith. Ein weiteres Aufbäumen ihrerseits, um uns zu zeigen, dass sie noch da sind.“

„Die Wraith haben oft genug unsere Entschlossenheit und unsere Kampfesstärke zu spüren bekommen. Außerdem haben sie auch ihre eigenen Probleme, die es ihnen wohl schwer machen, wieder schnell und stark zurückzukehren. Das ist zwar kein großer Anlass zur Freude und es bedeutet auch nicht, dass sie uns nun fürchten würden, aber es lässt uns nach wie vor neue und vielleicht auch bessere Strategien für den Kampf gegen sie entwickeln. Dennoch sollten wir jederzeit die Augen offen halten.“

„Sagen Sie das mal Woolsey. Ihm sind die Forschung und die diplomatische Beziehung zu irgendwelchen Bauernvölkern wichtiger. Ganz zu schweigen von dieser Koalition der Völker. Als ob es noch allzu viele gibt, die sich gegen die Wraith wehren könnten“, entgegnete McKay etwas zynischer.

„Woolsey ist nun mal ein Diplomat und Freundschaften zu schließen, egal, ob es ein fortschrittliches oder bäuerliches Volk ist, ist manchmal nicht verkehrt“, kommentierte John, der wieder in das Hier und Jetzt zurückfand.

Etwas mehr als ein Jahr war es nun her, dass Richard Woolsey in Atlantis das Kommando über Atlantis übernommen hatte, nachdem Colonel Carter zunächst nur zur Erde zurückberufen worden war, um bei der Extraktion eines Symbionten von einem der Ba´al Klone Gast zu sein.
Inzwischen hatte John auch Qualitäten seines Chefs kennengelernt, und die Abneigung, die er bei seinen Besuchen in früheren Jahren gegen den Mann entwickelt hatte, war geschwunden. Auch wenn er zugeben musste, dass Woolsey nie die Aura des steifen Bürokraten losgeworden war.

„Hört, hört. Ich habe ja nichts dagegen, Beziehungen zu einer Agrargesellschaft aufzubauen und zu pflegen, auch wenn die meisten eben in dieser Koalition sind, der wir wohl oder übel auch beitraten. Aber empfinde nur ich es so, als ob das nur deshalb geschah, weil wir die Einzigen sind, die es mit den Wraith wirklich aufnehmen können oder um die Genii dumm da stehen zu lassen?“

„Rodney, Sie selbst wissen doch, dass die Genii immer mehr sein wollen, als sie wirklich sind.

„Sind sie das denn nicht durch ihre Atombomben?“, fragte Ronon und unterbrach damit Sheppard.

„Es gibt ihnen gegenüber den meisten anderen Planeten in dieser Galaxie einen gewissen Vorteil, ja, aber wenn es darum geht, diese Bomben an ihre Ziele zu transportieren, das in den meisten Fällen nun mal die Wraithschiffe sind, sehen sie ziemlich alt aus, denn sie haben selbst keine Schiffe oder sonstige Transportmöglichkeiten.“

„Nein, nur eine ganzen Sack voller Intrigen und Hinterlistigkeiten. Ich vergesse nie, wie sie versucht haben, uns durch diese Koalition und deren Anklagen und Gerichtsverhandlung auszuschalten, nur um selbst gut da zu stehen“, murrte Rodney, der gelegentlich irgendetwas in sein Tablett-PC eingab.

„Es ist schade, dass dieses Volk einfach nicht offen und ehrlich sein kann. Ein darauf basierendes Bündnis in Zusammenarbeit mit der Koalition wäre für viele Völker dieser Galaxie ein großer Vorteil und manch ein Sieg gegen die Wraith könnte errungen werden“, sinnierte Teyla, die sich auch schon des Öfteren darüber Gedanken machte.

„Tja, aber leider, leider ist das nicht der Fall. Aber … nicht, dass ich nicht froh darum wäre, es wundert mich jedoch etwas, dass sich die Genii während unserer Abwesenheit so ruhig verhalten haben. Ich hatte nach unserer Rückkehr erwartet-„

„Chaos vorzufinden! Sag ich doch“, entgegnete Rodney auf Johns Bemerkung.

„Nein, nicht direkt Chaos, aber eben den einen oder anderen Hinterhalt, eine Falle oder irgendwas, womit sie versuchen könnten, uns wieder zu … ach, keine Ahnung. Ich weiß auch nicht“

„Kompromittieren und loszuwerden?“, ergänzte Teyla fragend.

„Ja, so was in der Art.“

„Kann noch kommen. Wir sind noch nicht lange wieder zurück. Und die Genii sind unberechenbar. Wir müssen einfach aufpassen“, murrte Ronon und schien damit das Thema für sich abgehakt zu haben.

Und auch die anderen schwiegen nachdenklich vor sich hin, wobei Rodney sich wieder in seine Arbeit an seinem Tablett-PC vertiefte und John wieder in Gedanken versank.

So verging eine ganze Weile, in der der Jumper seinem vorgegebenen Kurs folgte und McKay gelegentlich die Werte der Sensoren überprüfte, jedoch nichts Auffälliges oder Erwähnenswertes entdeckte.

Doch irgendwann schien es McKay etwas langweilig zu werden. Beinahe alles war ihm recht, nur eben kein langer Flug, auf dem fast durchgängig geschwiegen wurde. Sein Blick fiel auf John, der den Jumper beinahe wie in Trance zu fliegen und gedanklich wohl sehr weit weg zu sein schien. Er war geradezu das perfekte Opfer für seine nächste Attacke.

„Fliegen oder träumen Sie uns durch den Weltraum? Ich frage nur deshalb, weil ich mir dann noch schnell meine letzten Gedanken notieren möchte, bevor wir gegen einen Asteroiden rasen oder eine Bruchlandung hinlegen.“

„Nur keine Aufregung. Hier gibt es keine Asteroiden oder sonst irgendetwas, wogegen wir rasen könnten und Bruchlandungen gibt es auch nicht so schnell. Falls es Ihnen entgangen ist, hier ist weit und breit nichts, das uns-“

John hielt inne, als er plötzlich etwas im oberen rechten Winkel des Fensters sah. Augenblicklich stellte sich bei ihm das Gefühl eines Déjà-vu ein, als er auf den dunklen und länglichen, jedoch nicht allzu großen Gegenstand blickte.

„Das uns was?“, hakte Rodney nach und folgte dann Johns Blick auf das gerade Erblickte.

„Was ist das?“, wollte John wissen und machte sich daran, das Head-Up Display zu aktivieren.

„Sieht aus wie ein Sarg“, meinte Ronon.

„Ja, von der Größe her käme es hin“, stimmte John ihm zu, als er die Sensorenwerte auf dem Head-Up Display studierte.

„Erinnert mich an was“, kam es erneut von Ronon, der jetzt jedoch ein leichtes Grinsen zeigte.

„Phoebus und Thalan? Vielleicht ein weiterer Überlebender deren Völker?“, rätselte Teyla.

„Noch welche?“, zweifelte Ronon. „Ich dachte, die beiden wären die letzten ihres Volkes gewesen. Aber die Jagd zwischen Ihnen und Elizabeth war nicht schlecht.“

„Erinnern Sie mich bloß nicht daran“, kam es von Sheppard, der wirklich nur ungern daran zurückdachte.

„Ich bezweifele, dass es auch nur irgendetwas mit Phoebus und Thalan zu tun hat. Das Design ist nicht gerade schlicht, wie deren Kapseln es waren. Diese da, besitzt schon mehr Eleganz. Irgendwie sieht sie mehr nach einer Hinterlassenschaft der Antiker aus.

John und die anderen Teammitglieder sahen zunächst erstaunt zu McKay, der sich noch immer mit seinen Messungen und vorläufigen Untersuchungen beschäftigte, bevor sich ihr Blick zu einer leichten Skepsis wandelte.

„Sind Sie sicher?“

„Nein, bin ich nicht. Dazu müsste ich sie mir näher ansehen. Aber ich bin sicher, was die Messungen betrifft. Es ist eine Stasiskapsel und ich empfange ein Lebenszeichen.“

„Und können Sie sagen, wie alt sie in etwa ist?“, wollte John wissen, der die Kapsel kaum mehr aus den Augen ließ.

Rodney war so in seine Scans vertieft, dass er Sheppards Frage gar nicht richtig mitbekam. John ließ ihm einige Momente, bevor ihn seine Geduld verließ und er daher mit etwas mehr Nachdruck nochmals fragte.

„Rodney, können Sie jetzt sagen, wie alt sie ist, oder nicht?“

„Was? Äh … ich weiß nicht. Keine Ahnung. Wie gesagt, ich müsste sie mir genauer ansehen, aber das ist etwas schwierig.“

„Wieso ist das schwierig?“, fragte Ronon, wohlwissend, dass er gleich eine spitzfindige Antwort bekommen würde. Aber was sollte tun? Er liebte es nun mal, den Wissenschaftler mit Offensichtlichem zu necken.

„Weil die Kapsel da draußen im All ist und ich hier drinnen im Jumper!“

„Könnte es denn gefährlich für uns werden, wenn wir sie mit nach Atlantis nehmen?“, wollte Teyla wissen.

Wieder kam ein ratloses Kopfschütteln vom kanadischen Wissenschaftler.

„Ich kann nicht in die Zukunft blicken, aber-“

„McKay“, mahnte Sheppard den nun wieder etwas in Überheblichkeit gefallenen Teamkameraden.

„Hören Sie, alles, was ich sagen kann, ist, dass von diesem Ding keine gefährliche Strahlung oder ähnliches ausgeht. Sie sieht zumindest antikisch aus und ich empfange ein Lebenszeichen. Doch wie genau es in ihr aussieht, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Sie scheint irgendwie abgeschirmt zu sein. Das ist aber auch schon alles, was ich sagen kann.“

„Also nichts Genaueres über dieses Lebenszeichen? Antiker? Sonst irgendein Mensch?“, hakte John neugierig nach.

„Oder vielleicht ein Tier?“, neckte Ronon weiter.

„Warum sollte denn ein Tier da drin sein? … Hören Sie, vielleicht ist ein Antiker da drin, vielleicht ist es auch nur ein gewöhnlicher Mensch. Wie gesagt, Lebenszeichen ja. Antikisch, menschlich oder … tierisch oder was auch immer, keine Ahnung.“

„Okay Kinder, das bringt uns jetzt nicht wirklich weiter. Wir werden die Kapsel mit nach Atlantis nehmen. Da können wir dann in aller Ruhe Untersuchungen anstellen und feststellen, wer oder was da drin ist. Ist es wirklich ein Antiker, umso besser“, unterbrach John das Geplänkel zwischen McKay und Ronon.

„Und umso schlimmer, wenn es doch noch eine Gefahr darstellen könnte“, kommentierte Rodney mit einem leicht unsicheren Ton, während er weiterhin die Daten auf seinem kleinen PC studierte.

„Eines nach dem anderem. Das lässt sich wohl schnell raus finden. Und in Atlantis können wir wohl besser damit umgehen als hier. Zuerst müssen wir aber das Ding heimbringen. Daher die Frage, passt sie ins Heckabteil?“, wollte John wissen und wartete auf Rodneys Untersuchungsergebnisse.

„Ja, aber nur ganz knapp und auch nur, wenn wir noch etwas räumen und Sie werden einiges auffahren müssen, um sie unversehrt reinzubringen.“

„Keine Bange, das kriege ich schon hin“, erwiderte John, während Teyla und Ronon im hinteren Heckabteil einige Boxen und Kisten neu ordneten und auch die Sitzbänke wegklappten.
Danach schloss John das Heckabteil und begann mit dem Manöver die Kapsel so vorsichtig wie möglich an Bord zu bringen.

Allerdings konnte das nur sehr langsam geschehen und es musste auch sehr genau geflogen werden, denn ein winzig kleiner Rempler gegen die Kapsel, würde durch die nicht vorhandene Atmosphäre im All dafür sorgen, dass sie unter Umständen mehrere Meter weit weg driften würde. Danach müsste dann wieder gewartet werden, bis die Bewegung der Kapsel wieder relativ zu der des Jumpers stand, um einen neuen Versuch starten zu können. Es war also nicht nur eine Frage von Geduld, sondern für John auch eine regelrechte Millimeterarbeit.

John hatte es gerade so geschafft, den Jumper schon so weit rückwärts gleiten zu lassen, das die Kapsel schon über die Hälfte an Bord war, als das erste schrammende Geräusch zu vernehmen war.

„Langsam, langsam, langsam!“, brach es aus McKay heraus, nachdem er wie John, erst einmal das Gesicht aufgrund des wirklich unangenehmen metallischen Kratzens verziehen musste.

„Ich mache schon so langsam wie möglich“, gab John konzentriert zurück und behielt unentwegt die Daten auf dem Head-Up Display im Auge.

„Und wie steht’s mit der Genauigkeit?“, keifte der Wissenschaftler zurück.

„Mit diesen Daten hier könnte ich ebenso gut auch blindfliegen. Sie geben nun mal nicht mehr her und einen Rückspiegel gibt’s hier nicht.“

„Vielleicht ein kleines bisschen mehr nach rechts“, schlug Rodney vor, doch kurz darauf war ein erneutes Schrammen zu hören, was John dazu brachte, Rodney einen bitterbösen Blick zu zuwerfen.

Das ganze Manöver sollte nur wenige Sekunden dauern und doch kam es John wie eine halbe Ewigkeit vor. Zuerst ein langsames Rückwärtsfliegen, dann auch den richtigen Winkel beachten und immer wieder die Geschwindigkeit und den Kurs korrigieren. Normalerweise kein Problem für John, wobei er sich auch weniger Sorgen um den Jumper und dessen Innenleben machte, sondern vielmehr um die Kapsel und die mögliche Person, die sich darin befand. Doch aus einem unerfindlichen Grund, war es gerade das, was es ihm schwer machte, sich auf andere Dinge konzentrieren zu können.

Nach dem kurzen Geplänkel zwischen John und Rodney, einigen weiteren Schrammen und kratzen, war die Kapsel endlich an Bord und der Druck wieder hergestellt.

„Und?“

„Von wegen, `keine Bange, das kriege ich schon hin´! Sehen Sie sich die Kratzer an!“, entwich es Rodney.

„Das sind nur ein paar kleine Kratzer. Leicht zu beheben. Was mich interessiert, ist die Kapsel“, erwiderte John leicht ungehalten.

„Tja, auf der Seite kann ich einige Schriftzeichen erkennen. Auch wenn sie nicht mehr ganz so gut zu erkennen sind, das eine oder andere Symbol sieht schon sehr antikisch aus. Aber ich kann erst mehr sagen, wenn ich sie in Atlantis habe. Mit diesem kleinen Ding hier kann keine ausreichende Untersuchung anstellen.“

„Na schön. Dann machen wir uns mal auf den Weg“, gab John zurück, nahm wieder im Pilotensitz Platz und nahm Kurs auf die Heimat.

 

Atlantis

Nachdem John zunächst bei Woolsey war, um ihm über den Fund im All Bericht zu erstatten, hatte dieser sich nicht lange bitten lassen, sich die Kapsel selbst einmal genauer anzusehen.
McKay hatte in der Zwischenzeit in einem weiteren Labor genauere Untersuchungen und Messungen vornehmen können. Sollte sich dann dazu entschlossen werden, sie zu öffnen und würde sich tatsächlich ein Mensch darin befinden, wäre die Krankenstation ganz in der Nähe und mit dem medizinischen Personal um Jennifer Keller war es somit der sicherste Ort. Zum einen für die Person aus der Kapsel, deren Zustand noch nicht einmal bekannt war und zum anderen, weil dieses Labor durch einen Trupp Marines am besten gesichert werden konnte.

„Nun, wie sieht es aus?“, erkundigte sich Woolsey, der mit dem Colonel das Labor betrat und sogleich staunend an die Kapsel herantrat.

„Wir sind nicht allzu viel weiter gekommen. Das Einzige was ich mit Sicherheit sagen kann, ist dass es sich definitiv um Antikerdesign und -technologie handelt. Die Schriftzeichen scheinen mir zu einem eher älteren Dialekt der Antiker zu gehören, der nicht ganz mit dem übereinstimmt, den wir von den Archiven und Geräten hier kennen. Die Strahlungs- und Energiewerte, die ich ununterbrochen messe, haben mich schon an ein ZPM denken lassen-„

„Und?“, kam es hoffnungsvoll von Sheppard. Doch McKay musste ihn enttäuschen.

„Nein. Ich kann nicht sagen, womit oder mit welcher Art von Energie diese Kapsel gespeist wird. Im Grunde sind wir nicht viel weiter als vorher. Nach wie vor empfangen wir ein Lebenszeichen, aber auch hier mit all unseren Geräten und Instrumenten können wir nicht sagen ob sie menschlich ist.“

„Es ist aber doch anzunehmen, dass sich da drin ein Mensch befindet“, kam es eher fragend vom Expeditionsleiter.

„Annehmen können wir wohl alles, aber Sicherheit haben wir erst, wenn wir einen Blick rein riskieren“, meinte Rodney und musterte sowohl Woolseys als auch Sheppards nachdenkliche Mienen.

„Und Sie haben immer noch nicht feststellen können, wie alt sie nun ist?“, kam es eine gefühlte Ewigkeit später von John.

„Nicht genau, nein. Aber wenn ich so nach den Symbolen auf den Außenseiten gehe, schätze ich, dass sie älter als zehntausend Jahre ist.“

„Mehr als zehntausend Jahre? Und all die Zeit ist sie einfach so im All umher geschwebt?“,

Mit großen Augen sah Richard zu McKay, der nun selbst die Augenbrauen kräuselte.

„Worauf wollen Sie hinaus?“

„Na ja, in all den Jahrtausenden hätte sie doch von irgendjemandem entdeckt werden müssen …“, meinte John und beobachtete nun seinerseits das perplexe Mienenspiel des Wissenschaftlers.

„… zum Beispiel von den Antikern, die vor zehntausend Jahren hier lebten. Oder den Wraith, den Replikatoren. Und selbst wenn nicht, wer weiß, durch welche Sonnensysteme sie schon während all der Jahrtausende schwebte. Sie hätte doch irgendwo landen können, oder hätte gegen einen Asteroiden krachen oder in eine Sonne fliegen oder sonst was können. Wieso ist sie nahezu unversehrt?“

„Oder warum haben gerade wir sie gefunden?“, warf Ronon ein, der sich bisher im Hintergrund hielt.

„Hm“, war der einzige Laut den Rodney von sich gab, bevor er wieder zu seinen Messinstrumenten griff und weitere Scans vornahm.

Erwartungsvoll blickten die Anwesenden zum Wissenschaftler und ließen ihn zunächst geduldig neue Untersuchungen und Messungen vornehmen, bevor Richard nachfragte.

„Doktor?“

Es kam keine Antwort. Voller Eifer tippte Rodney auf seinen Scanner und Computern rum, schloss ein Kabel hier an, einen Adapter dort und studierte die darauf erscheinenden Daten.
Doch irgendwann, spätestens nach einem mahnenden Blick seitens Woolsey zu Sheppard, reichte es auch diesem.

„Rodney?“

„Das ist es nicht.“

„Was ist es nicht?“

„Ich dachte, ich hätte eine Erklärung für die Werte, die ich messen konnte, gefunden.“

„Und?“, hakte John nach, als Rodney nicht näher auf seine Entdeckung einging.

„Nein. Ich dachte, dass diese Werte, diese Strahlung möglicherweise nur von uns gemessen werden könnte. Oder zumindest von Leuten, die der Technologie der Antiker mächtig sind.“

„Selbst wenn, hätten andere die Kapsel trotzdem finden können“, murmelte Ronon aus dem Hintergrund.

„Ja, beispielsweise die Wraith oder Replikatoren, oder jeder der dazu in der Lage ist, dieses Sonnensystem zu durchqueren. Das Ding ist im Vergleich zu einem Raumschiff vielleicht winzig, aber noch lange nicht unsichtbar.“

„Ein weiteres Rätsel, Colonel. Die Frage ist doch: Wie geht es jetzt weiter? Öffnen wir sie und sehen nach, wer oder was sich darin befindet, oder nehmen wir noch weitere Untersuchungen vor?“, warf Richard ein und begann nachdenklich in der Krankenstation auf und ab zu gehen.

„Es könnte vielleicht ein Vorteil sein, wenn wir sie öffnen und einen Antiker darin finden. Er könnte uns vieles berichten und erklären“, erläuterte Teyla.

„Es könnte ebenso gut auch ein Nachteil sein, wenn wir sie öffnen und ein darin befindlicher Antiker erhebt wieder einmal Besitzansprüche gegen über der Stadt und wir müssen unsere Koffer packen.

„Müssen wir denn gleich vom schlimmsten ausgehen?“, gab Sheppard zurück, als er bemerkte, wie Ronon angespannter wurde.

„Jedenfalls sollten wir davon ausgehen, dass, wenn ein Mensch sich darin befindet, er vermutlich stark gealtert und sehr schwach ist. Ich weiß wirklich nicht, ob es weise ist, die Kapsel zu öffnen und die Person darin aufzuwecken. Das Risiko, das sie den … `Auftauprozess´ nicht übersteht, ist jedenfalls sehr groß“, erklärte Jennifer, die mit Marie und einem weiteren Pfleger in Bereitschaft stand.

„Aber Sie und Ihr Team wären bereit?“, erkundigte sich Richard vorab und vernahm kurz darauf ein Nicken seitens der Chefärztin.

„Eine schwierige Entscheidung. Sollen wir die Person da drin ihrem Schicksal überlassen? Wer weiß, wie viel Zeit ihr noch verbleibt, bis die Kapsel ihren Dienst einstellt. Oder wecken wir sie auf und riskieren womöglich ihren verfrühten Tod?“

Noch immer schritt Richard mit hinter dem Rücken verschränkten Armen durch das Labor.

„Wenn er … oder sie jedoch überlebt und sei es nur kurz, könnten wir vielleicht einiges erfahren. Was wäre, wenn die Person aus einem bestimmten Grund in diese Kapsel stieg, um ihren Nachfahren eine Botschaft zu überbringen? Vielleicht hat sie einen Auftrag. Wäre es dann nicht falsch, sie einfach so sterben zu lassen? Ohne ihr auch nur eine Chance zu geben, ihren Auftrag zu erfüllen? … Es wäre jedenfalls ein sehr trauriger und würdeloser Tod, wenn wir darauf warten, bis die Kapsel nicht mehr funktioniert.“

Wieder einmal war es Teyla, die ihre Gedanken laut aussprach und alle Anwesenden noch mehr zum Grübeln brachte. Doch gerade in John lösten nicht nur diese Worte ein unbestimmtes Gefühl aus. Irgendetwas sagte ihm, diese Kapsel öffnen zu müssen. Irgendwas schien ihm zu verraten, geradezu zu überzeugen, dass schon alles gut gehen würde. Etwas zog ihn geradezu zu dieser Kapsel und schien ihm regelrecht zu befehlen, sie zu öffnen.

„Colonel?“

Rat suchend wendete sich Richard an seinen Militärkommandanten, der aus seinen Gedanken und Empfindungen schreckte.

„Teyla hat Recht. Vielleicht helfen wir jemanden eine Botschaft zu überbringen, auch wenn wir nichts damit anfangen können und selbst wenn nicht, wäre es wirklich kein schöner Tod, tiefgefroren dahin zu vegetieren. Außerdem sagt mir irgendwas, dass wir sie wirklich öffnen sollten.“

Einige Momente sah Richard prüfend in das Gesicht des Soldaten, überlegte und wägte ab, welche Vor- oder Nachteile das Erwecken einer in Stasis liegenden Person, sowohl für die Expedition, als auch für die betreffende Person haben könnte.

„Na schön. Riskieren wir es. Doktor McKay, öffnen Sie bitte die Kapsel“, wies Woolsey den Wissenschaftler an und ging mit den anderen einige Schritte zurück, während John, Ronon und zwei weitere Marines bewaffnet in Stellung gingen.

„Reine Vorsichtsmaßnahme“, entgegnete John auf Richards verdutzten Gesichtsausdruck.

Rodney hingegen tippte einige Befehle in seinen kleinen PC ein und beobachtete nur Sekunden später, wie sich blitzschnell die Oberschale der Kapsel in vier Teile spaltete und in den Hauptteil der Kapsel, der Unterseite, einfuhren.

Langsam und übervorsichtig näherten sich John und Ronon und auch Richard reckte vorsichtig den Kopf, um einen Blick in das Innere erhaschen zu können. Doch kaum konnten sie erkennen, was sich im Inneren der Kapsel befand, wandelte sich die Neugier zu purem Erstaunen. Es war John, der als erstes zur Sprache zurückfand.

„Also … das ist mal was anderes.“

„Hm!“, entfuhr es Rodney überrascht, als er wie alle anderen auf die Person im Inneren der Kapsel starrte.

Doch es war Woolsey, der das Offensichtliche beim Namen nennen wollte.

„Also doch ein Antiker?“

„Eine Antikerin“, korrigierte John ihn und ließ seinen Blick geradezu prüfend über die junge zu schlafen scheinende Frau gleiten.

„Ich kann das irgendwie nicht glauben. Ich dachte, alle Antiker wären entweder tot oder aufgestiegen. Und eine Stasis könnte doch niemals den Alterungsprozess eines Menschen über einen so langen Zeitraum unterbrechen. Verlangsamen ja, aber das …“

Verwunderung, aber auch Beunruhigung ließ sie zu dem kleinen medizinischen Scanner greifen, um erste Untersuchungen vorzunehmen, doch aus irgendeinem Grund schien sie keine vernünftigen Daten zu erhalten.

„So kann ich sie nicht untersuchen. Sie muss da raus. Die Kapsel stört den Empfang des Scanners. Helft mir sie da raus zu nehmen und sie auf die Liege zu legen“, bat Jennifer und ließ den Pfleger vortreten, der mit Ronon gemeinsam die junge Frau aus der Kapsel hievte und behutsam auf die Liege unter dem medizinischen Scanner legte.

Während Jennifer den Scanner aktivierte und ihre Untersuchungen fortsetzte, unterhielt sich das Team weiter über die mysteriöse Fremde, wobei sich Richard fragend an John wandte.

„Colonel?“

„Sie trägt eine Art Uniform. Sie sieht den Uniformen der Antiker auf der Aurora ziemlich ähnlich. Nur diese hier ist schwarz. Sie könnte Pilotin sein oder eine andere Art von Soldatin. Das hier sieht aus wie ein Rangabzeichen, vielleicht auch Auszeichnungen“, meinte John und bemerkte nur am Rand Woolseys zustimmendes Nicken.

„Was nichts bedeuten muss“, knurrte Ronon.

„In diesem Falle schon …“, meldete sich Jennifer wieder zu Wort und gab die Daten der ersten vorläufigen Untersuchung frei.

„Sie hat das Gen. Genaueres kann ich nicht sagen ohne eine detaillierte Blutuntersuchung, aber so wie der Scanner ausschlägt, scheint es mindestens genauso stark zu sein wie Ihres, Colonel. Vermutlich ist es sogar in noch stärkerer Konzentration vorhanden.“

„Tja, eine antikische Stasiskapsel, Antikische Schriftzeichen, Antiker Uniform, Das Gen …ich denke, wir können davon ausgehen, dass wieder eine Antikerin in der Stadt ist.“

„Ja, die uns wieder rausschmeißen kann“, entgegnete Rodney auf Richards Feststellung.

„Warum sollte sie das tun, Rodney? Und vor allem wie? Sie ist alleine, ihre Möglichkeiten sind begrenzt“, erwiderte Teyla.

„Sie braucht doch nur den Rest ihrer Sippe zu rufen und schon haben wir wieder unsere Koffer zu packen, aber diesmal nicht. Mit mir nicht“, murrte Rodney, während er noch immer die Anzeigen der Untersuchung der Kapsel auf seinem kleinen Tablett-PC studierte.

„Ich schlage vor, wir machen nicht die Pferde scheu und warten erst einmal ab. Sie ist noch nicht mal erwacht.“

Wieder war es Richard, der keine voreiligen Schlüsse zog und sie auch kaum zuließ. Natürlich machte auch er sich Gedanken über die Antikerin, doch offenbar war er der Einzige, der mit Ruhe und Besonnenheit an die Sache ging. Vor allem aber, war er derjenige, der auch die anderen zur Ruhe und Besonnenheit ermahnen musste. Bis auf Sheppard. Er schien selbst in Gedanken versunken zu sein, als er unentwegt zur jungen, schlafenden Frau sah.

Vielleicht machte er sich die gleichen Gedanken. Fragte sich, was der Grund für ihren Entschluss, sich in Stasis zu begeben war. Ob sie womöglich ein bestimmtes Ziel hatte? Wie alt sie wohl war und vor allem, wie lange lag sie schon da drin?

„Ich weiß noch nicht einmal, ob sie überhaupt erwacht“, meinte Jennifer, die noch immer mit kleineren Untersuchungen beschäftigt war. „Sie ist zwar nicht gealtert, was mich immer noch wundert, aber dennoch ist sie sehr schwach. Wie ich schon sagte, es ist möglich, dass sie es nicht schafft.“

„Ich denke in Anbetracht der Umstände, sollten wir die Möglichkeit nutzen. Sie ist sehr jung. Möglicherweise verkraftet ihr Körper den Prozess besser, als ein stark gealterter Körper“, brachte Woolsey hervor und wurde sogleich von Sheppard unterstützt.

„Versuchen Sie es einfach, Doc. Sie hat eine Chance verdient.

„Okay. Ich werde ihr zuerst etwas Blut abnehmen und dann versuche ich es mit leichten Stimulanzien. Ich möchte in Anbetracht ihres Zustandes nicht mit harten Medikamenten rangehen, die sie womöglich schneller ins Jenseits befördern, als uns lieb ist.“

„Wie Sie meinen, Doktor“, gab Richard zurück und wartete mit dem Team geduldig darauf, bis Jennifer einen Venenzugang gelegt, eine Blutprobe entnommen hatte und nun so weit war, der jungen Frau das entsprechende Medikament zu verabreichen. Doch dazu kam sie nicht, weil die Antikerin langsam zu sich kam.

Benommen blinzelte sie einige Male, denn sie musste sich erst an das viel zu grell erscheinende Licht gewöhnen. Nur sehr langsam drangen die verschiedensten Gerüche und Geräusche in ihre Nase und Ohren. Doch das Bild klärte sich langsam und verschwommene Umrisse nahmen allmählich detailliertere Strukturen an.

Mehrere Personen standen um sie herum und sahen sie aufmerksam an. Ihr Blick verweilte jedoch nur immer wenige Sekunden bei jedem Einzelnen, bis er auf einem groß gewachsenen, schlanken Mann mit dunklen, zerzausten Haaren und grünbraunen Augen zum Ruhen kam.

Einige Schritte ging John auf sie zu, legte ein kleines freundliches Lächeln auf, bevor er leise sprach. „Hallo … keine Angst. Sie sind hier unter Freunden … Sie verstehen uns doch, hoffe ich.“

Zunächst verwirrt über die Worte kräuselte die junge Frau die Augenbrauen, sah wieder zu den restlichen Personen, bevor ihr Blick verschwamm und sie ihre Augen wieder schloss.

„Sie hat das Bewusstsein wieder verloren. Sie ist noch viel zu schwach“, erklärte Jennifer, nachdem sie Puls und Atmung der Antikerin überprüfte.

„Wird sie es denn schaffen? Ich meine …“, fragte John besorgt und ließ seinen Blick nicht von ihr ab.

„Kann ich noch nicht sagen. Wir versuchen sie mit Vitamin- und Nährstoffpräparaten wieder aufzubauen und zu stärken, aber ich kann Ihnen nichts garantieren. Wer weiß, wie lange sie da genau drin gelegen hat? Für heute und die kommende Nacht wird sie erst einmal im Intensivraum unter strenger Beobachtung stehen. Morgen sehen wir dann weiter.“

„Ich denke im Moment können wir hier ohnehin nichts mehr tun. Halten Sie uns bitte auf dem laufenden, Doktor“, bat Richard, als seine Anspannung etwas nachließ. Jennifer nickte und warf einen erneuten Blick auf die Daten, die auf dem Bildschirm zu sehen waren.

Das gesamte Team verließ die Krankenstation. Rodney und Zelenka machten sich daran, die Kapsel wieder aus der Krankenstation in ihr Labor zu befördern, um sie dort genauer untersuchen zu können, nur John stand noch immer am Bett der jungen Antikerin.

„Jetzt mal Klartext … wie sieht es wirklich aus?“

„Wie ich schon sagte, Colonel. Wir tun alles, was wir können, aber es liegt einzig bei ihr. Doch … wenn sie die Nacht übersteht, denke ich, dass die Chancen ganz gut stehen.“

Zögerlich nickte John und machte sich langsam auf den Weg, doch irgendetwas ließ ihn sich wieder umdrehen. So viele Fragen und Ungereimtheiten schwirrten durch seinen Kopf.

Wer war sie? Wie war ihr Name? Wie alt war sie? Warum war sie in die Kapsel gestiegen? Hatte sie sich überhaupt freiwillig dort hinein begeben? Wie lange hat sie schon darin gelegen? Wieso wurde sie bisher nicht gefunden und wie hatte sie überhaupt so lange da draußen im All überleben können?

John hatte währenddessen gar nicht so richtig mitbekommen, dass man die Patientin in den Intensivraum gebracht hatte, unbewusst war er ihr und den Ärzten jedoch gefolgt und nun lehnte er mit verschränkten Armen am Türrahmen und schreckte durch Kellers Stimme auf.

„Colonel? Stimmt etwas nicht?“

„Alles bestens. Können Sie mir bitte sofort Bescheid geben, wenn sie wieder wach wird?“

„Sicher“, antwortete Jennifer. John bedankte sich schnell und verließ eilig die

Krankenstation.

~~~///~~~

„Ach komm schon! Jetzt stell dich nicht so an, du …!“

John war noch nicht einmal in der Nähe des Labors, als er Rodneys erregte und ziemlich verärgerte Stimme vernehmen konnte. Allerdings bezweifelte er, dass sich der Kanadier gerade über einen seiner Untergebenen aufregte oder gar Zelenka zusammenfaltete. Nein, es hatte höchstwahrscheinlich mit der Kapsel zu tun, die er mit dem Tschechen genauer untersuchen wollte. Vermutlich war sie etwas tückischer, was die Preisgabe von Informationen anging, als der der Chefwissenschaftler anfangs vermutete.

„Na, wie sieht´s aus, Rodney?“, fragte John nach und verkniff sich ein Schmunzeln.

„Gut, gut. Wir haben gerade erst angefangen und-“

„Und stoßen schon auf das eine oder andere Problem“, schaltete sich Radek ein, was Rodney dazu brachte, ihm einen bitterbösen Blick zu zuwerfen und genervt aufzustöhnen.

„Welche Probleme?“

„Wir haben gerade entdeckt, dass sich unter der Liegefläche offenbar noch eine weitere Kammer befinden muss, aber … wir haben sie bisher noch nicht öffnen können. Irgendwie scheint das Ding nicht mitspielen zu wollen.“

„Vielleicht hat ihr unwiderstehlicher Charme keinen Einfluss auf so alte Antikertechnologie“, neckte John ihn, worauf Radek grinsen musste und Rodney abermals giftige Blicke verteilte.

„Ich werde schon noch dahinter kommen. Ich bin bisher noch mit jeder Technologie fertig geworden. Da wird das Ding hier keine Ausnahme sein.“

„Sicher?“

„Was wollen Sie eigentlich hier, Sheppard? Sind Sie nur hier, um einen neuen Rekord, den Chefwissenschaftler in den Wahnsinn zu treiben, aufzustellen?“

„Das Ding macht ihm wirklich zu schaffen“, entgegnete John grinsend an Radek gerichtet, der ihm auflachend Recht gab.

„Vielleicht reagiert die Kapsel, was das angeht, nur auf das Antikergen. Schon mal daran gedacht?“

Rodney verdrehte die Augen und stöhnte erneut auf. „Natürlich! Schon probiert, nichts genutzt.“

„Aber … vielleicht hat die Stärke des Gens einen Einfluss darauf …“, rätselte Radek und sah nachdenklich zu John.

„…würden Sie es mal versuchen, Colonel? Bei Ihnen ist das Gen am stärksten ausgeprägt.“

„Radek, bitte … das ist doch Zeitverschwendung. Was hat die Stärke eines Gens damit zu tun? Was hat das Gen überhaupt damit zu tun?“

Während Rodney und Radek zankten, hatte John sich schon längst dazu entschlossen, sich die Kapsel selbst genauer anzusehen. Auch Berührungen oder gar festeres drücken auf einige Symbole an der Außen- und Innenseite brachten jedoch keinerlei Ergebnisse. Nirgends war auch nur etwas Vergleichbares zu einer Tastatur oder anderen Eingabemöglichkeiten zu finden, was John selbst etwas verwunderte.

„Hm …Offenbar kann der Stasisprozess nur von außen durch einen Zweiten initialisiert werden, oder aber sie war von Anfang an, darauf programmiert, erst dann anzuspringen, wenn jemand drin liegt“, dachte John laut nach und brachte das Gezanke zwischen den beiden Wissenschaftlern damit zu einem Ende.

„Es funktioniert auch nicht bei Ihnen?“, fragte Radek unsicher nach.

„Nein.“

„Na, was habe ich gesagt, Mister dreimal schlau?“

„Wäre es denn möglich, dass die Kapsel so eine Art … Maßanfertigung ist?“, fragte John und

registrierte die verdutzten Gesichter der beiden Wissenschaftler.

„Ich kann nicht ganz folgen, Sheppard.“

„Na ja, vielleicht ist das Ding auf eine bestimmte Person programmiert und nur sie kann diese Zwischenkammer öffnen.“

„Durch ´nen Code? Wie denn? Ich habe nirgends etwas gesehen, was es ermöglichen würde, einen Code oder ähnliches einzugeben“, pfefferte Rodney ihm gereizt entgegen, was John durch einen entsprechend mahnenden Blick ahnde.

„Das ist mir auch aufgefallen. Aber vielleicht gibt es ja eine andere Möglichkeit. Vielleicht reagiert sie eben nur auf … die Anwesenheit oder Berührung der Antikerin. Wie ich sagte, vielleicht ist sie so programmiert worden. In dem Fall, werden Sie warten müssen, bis es unserem Besucher besser geht.“

McKay ließ sich Sheppard’s Theorie einige Momente durch den Kopf gehen und musste zugeben, dass der Soldat durchaus Recht haben könnte. Frustriert warf er schon fast sein Diagnosemessgerät auf den Tisch und sank enttäuscht in seinen Stuhl.

„Großartig.“

 

Am nächsten Morgen

John hatte gerade seinen Bericht fertig geschrieben und war gerade dabei, einen Apfel zu verspeisen, als Doktor Keller sich bei ihm meldete und ihn informierte, dass sie die ersten Untersuchungsergebnisse hätte. Den Apfel bis zum Kerngehäuse abgeknabbert kam er auf der Krankenstation an und steuerte zielstrebig Jennifers Büro an.

„Also, wie sieht´s aus?“

„Sie ist bisher noch nicht aufgewacht, aber ihr Zustand hat sich zumindest auch nicht verschlechtert. Ansonsten ist es, wie ich vermutet hatte. Sie ist definitiv eine Antikerin. Abgesehen von ihrer momentanen Schwäche durch die Stase, scheint ihr Gesundheitszustand sonst geradezu perfekt zu sein.“

„Okay …“ Erwartungsvoll sah John zur jungen Ärztin.

„Es gibt da allerdings noch etwas, von dem ich nicht weiß, ob es mich beunruhigt oder doch eher erstaunt. Das hier zeigt die Stärke ihres Gens.“

„Doc, ich kann mit solchen Werten nicht viel anfangen“, entgegnete John, als Jennifer ihm den Tablett-PC mit Unmengen an Daten überreichte.

„Das denke ich mir. Deswegen habe ich hier … zum Vergleich, Ihre Patientendatei mit der Angabe über die Stärke Ihres Gens …“, antwortete Jennifer und ermöglichte ihm die Einsicht in seine eigene Patientenakte.

„… Sie wissen, dass Ihr Gen im Vergleich der übrigen Expeditionsmitglieder ohnehin schon ziemlich stark ist, aber … es wundert mich, das Sie beide diesbezüglich fast die gleichen Werte haben.“

„Und das heißt? … Ich meine … sind Sie sicher, dass sie eine Antikerin ist?“

„Absolut … Aber ich bin mir nicht sicher, was ich von Ihren Werten zu halten habe. Sehen Sie, wenn ich Sie nicht kennen würde und wüsste, wer Sie sind und woher Sie kommen und ich würde jetzt diese Werte sehen, würde ich sie ebenfalls glatt für einen Antiker halten.“

Es dauerte eine kleine Weile bis John wieder zu Worten fand. „Aber wir beide sind uns sicher, dass ich keiner bin. Also … wie ist so etwas möglich?“

„Ich weiß es nicht. Ich kann es mir im Moment nur so erklären, dass Ihre beiden Elternteile ebenfalls das Gen von Geburt an haben mussten und das auch in einer gewissen Stärke.“

„Es gibt viele Menschen, die das Gen haben. Was spricht dagegen, dass sie beide es hatten?“

„Im Grunde nichts. Das ist auch nicht exakt das, was mich so stutzig macht. Es ist vielmehr …“

„Vielmehr was?“, hakte John nach, als Jennifer haderte.

„Verstehen Sie, damit bei Ihnen das Gen in einer solchen Stärke auftritt, müssten auch Ihre Eltern das Gen in einer solchen Stärke oder noch stärker haben. Genaueres könnte ich erst sagen, wenn ich Blutproben-„

„Das wird wohl schlecht gehen, Doc. Meine Eltern sind tot.“

„Ja, richtig. Tut mir leid, Colonel“, entschuldigte sich die Ärztin, als sie sich erinnerte.

„Also, das soll heißen … was eigentlich? Das hier was nicht mit rechten Dingen zugeht … oder zuging?“

„Das möchte ich nicht unbedingt behaupten. Es ist nicht unmöglich, das Ihre beiden Elternteile das Gen in entsprechender Konzentration haben, aber statistisch gesehen, wäre es doch ein recht großer Zufall.“

„Nun, genauer nachgehen, werden wir der Sache wohl nicht mehr können, oder?“, erkundigte sich John nach einigen schweigsamen Momenten.

„Möglicher durch weitere entsprechende Familienmitglieder. Es wäre zwar etwas schwierig, denn es könnten möglicherweise keine genauen Ergebnisse erzielt werden. Es käme eben auf das entsprechende Familienmitglied an … Geschwister Ihrer Eltern, Großeltern, oder eigene Geschwister wären noch besser.“

„Ich habe einen Bruder.“

„Sein Blut könnte noch die besten Ergebnisse und Vergleichsdaten liefern.“

„Hm, da gibt es nur ein Problem, Doktor. Er weiß nichts vom Stargateprogramm und all dem hier. Und ihm nur deswegen alles auf die Nase zu binden … muss denn diesbezüglich mit irgendwelchen Konsequenzen oder … oder Nebenwirkungen gerechnet werden?“ fragte John und wies dabei auf den Tablett-PC.

„Nein, ich denke nicht. Sie haben bisher keine Beschwerden bezüglich Ihres Gens gehabt, nicht wahr? Und mit der Technologie kommen Sie auch sehr gut zurecht. Ich sehe da auch für die weitere Zukunft keine Probleme.“

„Gut, ein großer Zufall eben. So was soll es geben. Belassen wir es einfach dabei. Aber sollte sich doch noch irgendwann irgendeine Möglichkeit ergeben, der Sache genauer auf den Grund zu gehen, dann sagen Sie mir Bescheid, Doc.“

„Natürlich, Colonel.“

Einige Minuten hatte John noch auf die Daten gestarrt, hatte seinen Gedanken freien Lauf gelassen, doch auch er selbst konnte sich keinen genauen Reim auf Jennifers Entdeckung und Theorien machen. Natürlich konnte es wirklich nur ein Zufall sein, was wohl wahrscheinlich war. Doch in seinem Inneren rumorten immer noch kleine Zweifel, die ihn glauben ließen, dass doch mehr dahinter stecken könnte. Die herannahenden Schritte seiner Teammitglieder und des Expeditionsleiters ließen ihn aufhorchen.

„Doktor, Colonel, guten Morgen. Wie sieht es mit unserer Besucherin aus?“, erkundigte sich Richard ohne große Umschweife zu machen.

„Tja, wie ich dem Colonel schon mitteilte, sie hat die Nacht gut überstanden. Ihr Zustand hat sich nicht verschlechtert, aber sie ist noch nicht wieder wach geworden.“

„Bis jetzt“, kam es aus Ronons Richtung, der offenbar als erstes entdeckte, dass die junge Frau wieder zu sich kam.

Sofort machten einige ein paar Schritte nach vorne, was Jennifer dazu brachte, sie mit einer zurückdrängenden Handbewegung wieder auf Abstand zu bringen. Nur John blieb dicht am Bett stehen und sah prüfend zur Besucherin, die noch einige Male benommen blinzelte.

„Hallo … nochmal“, sprach John leise und sah der jungen Antikerin prüfend in die Augen, doch sie schien ihn wohl nicht zu verstehen.

„Sie müssen keine Angst haben. Wir wollen Ihnen nichts tun. Wir … Sie verstehen uns doch, denn unser Antikisch ist nicht besonders gut“, erklärte John, worauf die junge Antikerin nur zögerlich nickte.

„Das ist gut. Dann auf ein Neues. Also, das hier ist Richard Woolsey, der Leiter dieser … Einrichtung. Da haben wir noch Doktor Jennifer Keller, Ronon Dex, Doktor Rodney McKay, Teyla Emmagan und ich bin-“

Alle brachten bei Erwähnung seines Namens ein kleines Lächeln oder Nicken zustande, doch die junge Frau beäugte jeden noch immer etwas argwöhnisch, bevor ihr Blick wieder auf John fiel und sie zaghaft zu seiner Hundemarke griff, die ausnahmsweise über sein Shirt hing.

„… Colonel Sheppard. John Sheppard.“

Ein wenig beugte sich John nach vorne, sodass sich die Antikerin seine Hundemarke genauer ansehen konnte. Aber auch um zu zeigen, dass sie keine Angst zu haben brauchte.

„Colonel?“, flüsterte sie.

„Ja. Das ist mein Rang. Air Force. Militär“, bestätigte John leise. Fragend schaute sie zu den zwei Soldaten am Eingang.

„Das sind Sergeant Morrison und Lieutenant Brown. Sie dienen hier unter meinem Kommando. Sie sind nur zur Sicherheit hier …“, erklärte John weiter und steckte sich danach die Kette unter sein T-Shirt.

„… Wie ist Ihr Name?“

Es dauerte einige Sekunden bis die Antikerin sprach. „A … Alexa. Alexa Thalis.“

„Freut mich, Alexa. Mein Team und ich haben Sie in einer Kapsel im All treibend gefunden und sie hier her gebracht, Können Sie uns sagen, wie es dazu kam, dass Sie da drin lagen?“

„Ich … weiß nicht. Wo bin ich hier?“

„Auf der Krankenstation unserer Basis“, erklärte Teyla und versuchte mit ihrer ruhigen und entspannten Stimme und Haltung weiteres Vertrauen aufzubauen. Doch es schien nicht so gut zu funktionieren, bis John sich dazu entschloss, ihr noch mehr entgegen zu kommen und die Karten auf den Tisch zu legen.

„Sie sind hier in Atlantis. Sagt Ihnen das was?“

Augenblicklich veränderte sich der Gesichtsausdruck der jungen Frau und sie versuchte sogar sich aufzusetzen, was ihr nur mit Mühe gelang.

„Atlantis? … ich weiß nicht. Ich … bin nicht sicher.“

„Sehen Sie, wir sind nun schon seit über fünf Jahren in Atlantis. Als wir damals hier ankamen, war die Stadt auf dem Meeresboden versenkt und verlassen, was mich gleich zu der nächsten Frage bringt. Woher kommen Sie eigentlich? Warum sind Sie überhaupt in die Kapsel hineingestiegen?“

„McKay!“, mahnte John den Kanadier. Es waren eindeutig zu viele Informationen und Fragen auf einmal und das konnte man auch der Besucherin ansehen, denn sie sah hektisch und verwirrt, gerade zu verängstigt umher.

„Wie lange?“

„Die Stadt war seit zehntausend Jahren verlassen?“

„Wie lange habe ich da drin gelegen?“

„Das wissen wir nicht genau. Wir hatten gehofft, Sie könnten uns das sagen. Aber … es sind wohl mehr als zehntausend Jahre gewesen“, erklärte John leise und sah, wie die Antikerin einmal mehr schluckte und gedankenverloren dreinblickte.

Während John am liebsten mit ihr alleine reden wollte, um ihr alles in Ruhe zu erzählen und zu zeigen und ihr mit mehr Geduld und Einfühlungsvermögen entgegen zu kommen, war Richard schon einen Schritt weiter und sprach leise und mit Mitgefühl zu ihr.

„Miss Thalis, am besten, wir lassen Sie nun etwas alleine, damit Sie sich erst noch ein wenig ausruhen können. Wir können uns dann ein andermal in Ruhe über alles unterhalten.“

Ein Blick zu allen anderen folgte, die daraufhin zustimmend nickten, sich verabschiedeten und die Krankenstation verließen.

„Sie haben von uns nichts zu befürchten“, fügte Woolsey lächelnd hinzu und machte sich denn ebenfalls auf den Weg. Einzig Sheppard blieb noch kurz bei ihr stehen.

„Ich kann morgen früh nochmal herkommen und sehen, wie es Ihnen geht. Und vielleicht erinnern Sie sich ja an das eine oder andere. Dann können wir schon mal in Ruhe darüber reden und werden herausfinden, was passiert ist. Das kriegen wir wieder hin“, erklärte John tröstend und war erleichtert, als die Antikerin zögerlich nickte.

Zudem glaubte John, schon ein kleines bisschen Vertrauen aufgebaut zu haben, was ihn einerseits freute, andererseits doch verwunderte, denn mit diesem Eindruck entstand auch ein anderes merkwürdiges Gefühl, dass er nicht richtig einzuordnen vermochte. Wenn er nur schon in ihre Augen sah, in denen er Verwirrung, Überraschung, Angst und Sorge, aber auch einen gewissen Schmerz entdecken konnte …

„Na schön, dann ruhen Sie sich aus. Wenn etwas ist, Doktor Keller hilft Ihnen sicher gerne weiter“, sagte John und machte sich daran, die Krankenstation weder zu verlassen. Doch kaum, dass er an den beiden Wachen ankam, drehte er sich noch einmal um.

„Ich kann Sie hier alleine lassen? Sie werden doch nichts anstellen?“, fragte er mit einem kleinen verschmitzten Lächeln und einem zaghaften Versuch, sie aufmuntern zu wollen.
Alexa Thalis nickte nur.

„Lieutenant, Sergeant, Sie können wegtreten“, befahl Sheppard, nickte der Antikerin noch einmal vertrauensvoll zu und ging dann.

Alexa hingegen, sank zurück in ihre Kissen, starrte kurz an die Decke, bevor sie sich umdrehte und dann leise in ihr Kissen weinte.

Der Gateraum … das Stargate, das aktiviert wird … der Wahlcomputer, an dem eine Adresse gewählte wird … blinkende Chevrons … das Schutzschild des Tores wird aktiviert … Explosionen … Waffenfeuer … ein Schutzschild, das die Stadt beschützt … schreiende Menschen … Menschen, die eilig und aufgeregt durch die Flure eilen … das Tor wird durchschritten … ein anderer Ort … viele Orte … fremde Planeten … merkwürdige Kreaturen … Gold und silbern schimmernde Türme, die sich in den Himmel recken … Wellen, die sich an den Rändern der Stadt brechen … Labore, Konferenzräume … ein leuchtender Stuhl … kleine leuchtende Flugobjekte, die sich in den Himmel erhoben und Zerstörung bringen … ein riesiger zentraler Turm einer schwimmenden Stadt … Flugmaschinen, die aus dem großen Turm emporsteigen … Raumschiffe … Waffen … Weltraumschlachten … und immer wieder wird gerannt …

Immer mehr Bilder liefen wie ein Film in ihrem Kopf ab.
Sie wälzte sich von einer Seite zur nächsten. Der Schlaf wurde immer unruhiger. Irgendwann schreckte sie hoch.

Völlig außer Atem versuchte sie sich zu erinnern, wo sie war. Die Kopfschmerzen waren noch da. Wenn auch nicht mehr so schlimm.

-Was war das denn? … Was sind das für Bilder gewesen? … Was ist passiert? … Wo … ? … Atlantis … Ich bin in Atlantis.-

Alexa beruhigte sich schnell wieder. Sie sah sich ihre Umgebung an. Als sie merkte, dass niemand in der Nähe war, schlug sie die Bettdecke beiseite und wollte aus dem Bett steigen.
Doch kaum hatten ihre nackten Füße den kalten Boden berührt, knickten ihre Knie ein und sie fiel kraftlos zu Boden. Zulange hatte sie in dieser Kapsel gelegen. Ihre Muskeln und ihre Kraft schienen geschwunden, doch sie biss sich auf die Zähne und zog sich am Bett wieder hoch. Es dauerte nur einige Momente, bis sie glaubte, sich auf den Beinen halten zu können.

Langsam machte sie einen Schritt nach dem anderen und wurde dadurch immer sicherer.

Schnell schlüpfte sie in ihre Stiefel, die bei ihrer Kleidung neben ihrem Krankenbett standen, schnappte sich einen der Ärztekittel, die sie an einem Stuhl hängend fand, und verließ die Krankenstation. Wohl darauf bedacht, von niemanden gesehen zu werden.
Dennoch konnte sie es nicht verhindern, wenig später von einigen Personen in den Fluren gesehen zu werden. Der Arztkittel verfehlte seine Wirkung jedoch nicht. Sie wurde von niemandem aufgehalten. Im Gegenteil, einige grüßten sie und sprachen sie dabei sogar mit „Doktor“ an.

Langsam ging sie ziellos durch die Flure. Ein bestimmtes Ziel hatte sie zunächst nicht. Doch dieser merkwürdige Traum mit all seinen Bildern ließ ihr keine Ruhe.
Ob sie all das, was sie in ihrem Traum gesehen hatte, tatsächlich hier finden würde? Allmählich glaubte sie, sich zumindest bruchstückhaft an das eine oder andere zu erinnern.

 

Büro des Expeditionsleiters

Woolsey und das Team waren noch immer mit Rätselraten über die junge Frau aus der Stasekapsel beschäftigt, wägten Gefahren, Probleme aber auch Vorteile und Nutzen über das Dasein einer Antikerin, als ein Funkspruch von Jennifer Keller den Colonel erreichte.

“Hier Sheppard, was gibt’s, Doc?”

“Colonel, sie ist verschwunden!”

“Verschwunden? Wer? Die Antikerin?”

“Ja. Ich wollte gerade nach ihr sehen. Ihr Bett ist leer. Sie hat sich offenbar ihre Stiefel geschnappt und noch einen Arztkittel mitgehen lassen und schon war sie weg. Ich habe keine Ahnung wie lange schon oder wo sie sein könnte.”

John überlegte nur kurz, bevor er wieder antwortete.

„Wie war ihr Zustand, als Sie sie das letzte Mal gesehen und untersucht haben? War sie wach? Hat sie irgendetwas gesagt?“

„Nein, nichts. Gar nichts. Sie schlief noch, als ich sie das letzte Mal untersucht habe und laut diesen Untersuchungsergebnissen, dürfte sie gar nicht in der Lage sein, das Bett zu verlassen, geschweige denn, schon durch die Stadt zu laufen. Allzu weit wird sie wohl nicht kommen. Sie muss so schnell wie möglich gefunden werden, sonst kann ich für nichts mehr garantieren.“

“Na schön, Doc. Sie bleiben in der Krankenstation und halten Sie Ihr Team bereit. Ich werde einen Suchtrupp aufstellen.”

“Tja, das fängt ja schon mal gut an”, entgegnete Woolsey, der dem Gespräch gefolgt war, und nun unruhig im Büro auf und ab tigerte.

John hingegen verkniff es sich, die Augen zu verdrehen und nahm stattdessen Kontakt zum Major auf. „Major Lorne, bitte melden.“

„Hier Lorne, Sir. Ich höre.“

“Major, stellen Sie mit Ihrem Team einen Suchtrupp auf. Unser Gast ist wohl aus der Krankenstation ausgebüchst. Weiblich, ca. 1.65m groß, braune, lange Haare, blaugrüne Augen. Sie hat wohl einen Arztkittel an und trägt Lederstiefel. Wahrscheinlich nicht bewaffnet, halten Sie aber dennoch die Augen auf. Ich werde mit meinen Leuten in der Nähe der Krankenstation und dem Kontrollraum bleiben und dort suchen. Gehen Sie mit Vorsicht vor, aber versuchen Sie, jede Eskalation zu vermeiden. Sie ist schon verschreckt genug.”

“Verstanden, Sir.”

„Verschreckt? Sie glauben, sie ist verschreckt? Colonel … eine über dreizehntausend Jahre alte Antikerin läuft frei in der Stadt herum und könnte zu … wer weiß was fähig sein. Wie konnte sie überhaupt an den Wachen in der Krankenstation vorbei gelangen?“, verlangte Woolsey zu wissen, der von Minute zu Minute offenbar immer nervöser schien.

„Ich habe die Wachen abgezogen.“

„Sie haben was?!“

„Ich dachte, es kann für einen Vertrauensaufbau nicht schaden“, verteidigte sich John. “ … abgesehen davon, dachte ich nicht, dass sie schon so fit ist.“

„Vertrauensaufbau …“, stöhnte Richard ungläubig. „… das ging wohl gründlich schief.“

„Immer mit der Ruhe. Ich denke nicht, dass sie eine Gefahr darstellt.“

„Und warum ist sie dann aus der Krankenstation entwicht? Was glauben Sie, was sie nun vorhat?“

„Vielleicht will sie sich nur ein wenig umsehen“, kommentierte Ronon, was einige skeptisch werden ließ. Nur Teyla dachte noch ein bisschen weiter.

„Es wäre doch möglich, dass Atlantis ihre Heimat ist und da sie offenbar Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis hat, versucht sie nun einige Erinnerungen wachzurufen, indem sie sich die Stadt ansieht“, pflichtete Teyla dem Hünen bei, worauf auch John ansprang.

„Sehen Sie, Rätsel gelöst.“

„Gar nichts ist gelöst, Colonel. Eine Antikerin läuft frei in der Stadt herum, ist möglicherweise bewaffnet und ob Gedächtnisprobleme oder nicht, mir gefällt die Vorstellung nicht, dass sie möglicherweise mehr Wissen über die Stadt und ihre Technologie hat, als wir. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, was geschah, als das letzte Mal Antiker hier waren. Womöglich könnte sie sogar Verstärkung rufen.“

„Wen soll sie denn rufen? Gäbe es noch irgendwo Antiker … oder andere, dann wären die schon damals bei Helia und ihren Leuten aufgetaucht“, gab John zurück, was bei McKay für ein wenig Erleichterung sorgte, machte er sich doch die gleichen Gedanken um weitere verschollene Antiker oder Feinde.

„Darüber sprechen wir noch. Vorzugsweise unter strenger Bewachung der Dame“, gab Richard zurück und machte mit einer entsprechenden Miene deutlich, langsam am Ende seiner Geduld zu sein.

“Jetzt mal langsam. Bleiben Sie im Kontrollraum und wir machen uns auf den Weg und suchen sie. Wenn wir sie gefunden haben, wird sich alles aufklären und dann wissen wir auch, warum sie abgehauen ist. Ist bestimmt alles halb so schlimm“, erklärte Sheppard und machte sich dann mit seinem Team auf den Weg, Lorne und seine Leute bei der Suche nach der Ausreißerin zu unterstützen.

Das Team war schon aus dem Büro getreten, als Woolsey noch mal aus seinem Stuhl in die Höhe schoss.

„Und was mache ich, wenn sie hier bei mir auftaucht und eine Waffe auf mich richtet?”

“Die Hände heben und uns rufen”, antwortete Ronon, ohne sich umzudrehen oder gar stehen zu bleiben.

Richard hingegen starrte unsicher dem Team hinterher und entschied sich dann, die Zeit im Kontrollraum zu verbringen. Nicht dass er übermäßig ängstlich war, doch es war ihm irgendwie nicht geheuer, jetzt alleine zu sein. Auch wenn Amelia, und einige andere Techniker nur wenige Meter entfernt waren. Nervös wartete er dann auf eine Nachricht der Suchtrupps.

~~~///~~~

Sheppard und sein Team hatten sich nur einmal mit Lorne und dessen Männern getroffen und die Suchbereiche eingeteilt, als John und Rodney sich auf der Krankenstation einfanden, um die Ärztin genauer zu befragen, während Ronon und Teyla sich in der Nähe der Personalquartiere umsahen.

„Wie weit, glauben Sie, könnte sie in ihrem Zustand kommen?“, fragte John.

„Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Es grenzt schon an ein Wunder, dass sie es überhaupt aus dem Bett geschafft hat.“

„Könnte sie sich irgendwelche Medikamente selbst verabreicht haben?“

„Nein, auf keinen Fall. Die meisten Medikamente sind im Medizinschrank und der ist abgeschlossen.“

„Haben Antiker denn nicht ohnehin diese … diese Heilkräfte?“, warf Rodney ein. „… ich erinnere mich da an einige Berichte von SG-1. Damals hatte General O´Neill doch in dieses Gerät, diese Bibliothek der Antiker reingeguckt, und ihm wurde das gesamte Wissen der Antiker in den Kopf transferiert und-„

„Rodney“, unterbrach John den Wissenschaftler, der sich offenbar wieder in stundenlange Erklärungen zu verstrickten schien.

„O´Neill hatte kurz danach die Fähigkeit, zu heilen.“

„Ja, den Bericht habe ich auch gelesen. Aber da hat O´Neill jemand anderen geheilt. Es gibt da aber noch einen anderen Bericht. Damals hat man eine Frau, sie stellte sich später als eine Antikerin heraus, im Eis der Antarktis gefunden und wieder aufgetaut. Es war ohnehin schon verwunderlich, dass sie das überlebt hat, aber während des Auftauens wurde sie am Arm verletzt. Kurze Zeit danach, nicht einmal ein paar Stunden später, war die Verletzung nicht mehr da. Und da ist auch noch die Sache mit Chaya“, schloss sich Jennifer dem Wissenschaftler an.

„Oh ja richtig. Wie war das damals noch gleich, Colonel?“, meinte Rodney fragend und sah mit einem neckischen Grinsen herausfordernd zu John, der ihn daraufhin mit einem entsprechend mahnenden Blick zum Schweigen brachte.

„Ich habe mir die damaligen Untersuchungsergebnisse von Chaya angesehen und sie mit der unseres Gastes verglichen. In vielen Bereichen gibt es geradezu identische Werte. Wie bei Chaya, ist ihr sonstiger allgemeiner Gesundheitszustand, bis auf die Schwäche durch die lange Stase, geradezu perfekt.“

„Das bedeutet also, sie hat wohl spezielle Selbstheilungskräfte“, schlussfolgerte John.

„Sieht ganz so aus … “, stimmt Jennifer zu. „… ich weiß wirklich nicht, in welcher Verfassung oder wie weit sie gekommen ist.“

„Wir werden erst einmal im näheren Umkreis der Krankenstation und des Kontrollraums suchen. Vielleicht ist sie noch in der Nähe. Ansonsten werden wir die Leute anweisen, in ihren Quartieren oder Arbeitsbereichen zu bleiben und die Suchtrupps in Zweier-Teams losschicken. So können wir sie schneller finden. Bleiben Sie in Bereitschaft, Doc. Wir machen uns wieder auf den Weg”

Sheppard machte auf dem Absatz kehrt und verließ mit Rodney die Krankenstation.

~~~///~~~

Alexa betrat einen der Transporter, nachdem sie einen Bewohner der Stadt diesen hatte betreten sehen, der kurz darauf durch ein helles Leuchten darin verschwunden war.

Aus irgendeinem Grund empfand sie keine Angst, als sie in der kleinen Kammer stand und den leuchtenden Bildschirm betrachtete. Eine Ahnung machte sich in breit. Eine Art Wissen, vertraut mit dieser Technologie zu sein.

Schnell suchte sie sich einen Punkt am äußersten Rand des Gebildes auf dem Bildschirm aus und nur einen Augenblick später öffneten sich die Türen und entließen sie in eine neue Umgebung. Nur wenige Meter musste sie noch gehen, um dann durch eine weitere Tür nach draußen zu gelangen. Sie drehte sich um und hatte eines der Bilder wieder gefunden, die sie in ihrem Traum hatte sehen können.

Eine wundervolle Aussicht auf die gold- und silberglänzenden Türme der großen Stadt raubten ihr fast den Atem. Aber es gab ihr auch das Gewissen, schon einmal hier gewesen zu sein.

„Atlantis …“, wisperte sie und ließ sich zu Boden sinken, ums ich etwas auszuruhen und Kraft zu sammeln. „… ich komme aus Atlantis … meine Heimat …“

Es war alles, worüber sie sich bisher sicher sein konnte. Alle anderen Bilder und Eindrücke ergaben einfach keinen Sinn.
Das Laufen durch die Gänge hatte sie eine Menge Kraft gekostet und auch die Kopfschmerzen schienen wieder stärker zu werden. Doch die frische Meeresbrise tat ihr gut und ließ sie noch ein wenig wacher werden. Nur noch eine kleine Weile verbrachte sie auf dem Pier, bevor sie zurück zu dem Transporter ging und ihr neues Ziel eingab.

~~~///~~~

Ronon und Teyla durchforsteten die Gänge zu den Personalquartieren und befragten auch den einen oder anderen Bewohner der Stadt, als Sheppard sich über Funk meldete.

“Teyla, Ronon. Wie sieht es bei Euch aus?”

“Wir haben sie bis jetzt noch nicht gefunden und niemand hat sie gesehen“, antwortete Teyla.

“Wir haben auch noch nichts. Wir werden uns jetzt mal den Stuhlraum und einige Labore vorknöpfen. Bleibt in der Nähe der Personalquartiere und der Krankenstation. Major Lorne?“

„Sir, uns ist sie auch noch nicht über den Weg gelaufen. Wenn sie wirklich von hier ist, kennt sie sich vielleicht besser aus, als wir und-„

„Ich weiß. Bleiben Sie einfach dran. Sheppard Ende.“

„Er hat Recht, wissen Sie? Sie könnte überall sein. Es dauert ewig und drei Tage, bis wir sie irgendwo finden”, schloss sich Rodney der Vermutung des Majors an.

„Oder sie kommt von selbst zurück. Spätestens, wenn sie Hunger oder Durst hat.“

„Hm.“

John und Rodney gingen zum nächsten Transporter und ließen sich in die Nähe des Stuhlraums transportieren.

~~~///~~~

Alexa konnte nicht anders. Sie hatte ihn unbedingt sehen müssen sehen. Es überraschte sie allerdings, dort einige Menschen anzutreffen, die mit ihrer Technologie offenbar Untersuchungen anstellten. Sie konnte den Stuhlraum also nicht betreten, ohne dabei aufzufallen und verraten zu werden. Alles, was ihr blieb, war ihn von ihrem Versteck aus zu betrachten und von dort immer wieder den umherschweifenden Blicken der Menschen zu entgehen.

Eine Zeit lang verharrte sie dort und überlegte ihre nächsten Schritte. Die Kopfschmerzen wurden allmählich stärker und sie wusste, dass es wohl besser sei, wieder zur Krankenstation zurückzukehren. Aber sie begann gerade, sich zu erinnern. So vieles wollte sie noch überprüfen und wiederfinden. Erst dann würde sie sich sicher sein. Sie wartete eine günstige Gelegenheit ab, unbemerkt ihr Versteck wieder verlassen zu können und machte sich auf den Weg zu ihrem nächsten Ziel.

~~~///~~~

Auf dem Weg zum Stuhlraum hatte John erfahren müssen, dass niemand eine Frau gesehen hatte, auf die die Beschreibung passte. Die Situation gefiel ihm immer weniger, wobei er feststellte, dass es weniger Wut über das Verschwinden der Antikerin war, sondern vielmehr Sorge um ihren momentanen Zustand. Zusätzlich bedauerte er es, dass die internen Sensoren der Stadt offenbar nicht richtig funktionierten und somit nicht zwischen Individuen unterscheiden konnte,

“Na schön. Wir gehen zurück zum Kontrollraum. Rodney, was ist mit den internen Sensoren? Sind die noch immer defekt?

„Zelenka arbeitet daran, aber ich denke, ich werde ihm wohl Beine machen müssen. Außerdem werde ich klarstellen müssen, dass so eine Aktion vorher mit mir abgesprochen werden muss. Also ehrlich, was denkt sich der Mann? Er kann doch nicht einfach mit den Sensoren spielen und erwarten, dass alles glatt läuft. Dabei hätte ich ihm auch gleich sagen können, dass es nicht funktioniert.“

„Ich weiß nicht. Die Idee die Sensoren ein bisschen aufzumotzen hat doch was. Hätte es funktioniert, müssten wir jetzt nicht suchen.”

„Ja. Das meine ich ja. Es ist meine Aufgabe. Die Sensoren der Stadt sind zu wichtig, als dass man sie Zelenka oder irgendeinem anderen anvertraut, der am Ende doch nur Mist baut. Aber leider, leider komme ich nie wirklich dazu. Ich bin nämlich ständig damit beschäftigt, irgendwelche Leute irgendwo zu suchen, oder deren Hintern zu retten. Ganz zu schweigen von den vielen Missionen, auf die man mich ständig mitschleppt.”

John hätte ahnen müssen, dass die Frage nach den Sensoren eine von McKays gefürchteten Egoansprachen heraufbeschwören würde und doch wollte er den aktuellen Stand von Zelenkas Arbeit beziehungsweise Reparatur erfahren. Genervt schüttelte John den Kopf und ging weiter.

„Sie hatten während der vergangen Jahre mehr als einmal, mehr als genug Zeit, um sich mal um die Sensoren zu kümmern, Rodney. Das ist genau die gleiche Sache wie mit den Jumpern in der Unterwasserbucht. Hätten Sie die Sache nicht so schleifen lassen, wären viele dieser Suchaktionen nicht nötig gewesen. Außerdem wissen Sie ganz genau, dass wir die Antikerin wirklich gut brauchen könnten.”

“Ha, wenn sie uns denn überhaupt helfen will. Im Moment macht es ja wohl nicht gerade den Anschein.”

John ließ sich mal wieder auf eine Diskussion nach der anderen mit Rodney ein.

“Ich habe irgendwie das Gefühl, das sie mehr über Atlantis und andere Dinge weiß, als wir glauben. Aber ich denke, dass sie wirklich Schwierigkeiten hat, sich zu erinnern.”

“Oder sie will es einfach nicht”, gab Rodney zurück und spürte seinen Magen, der schon fast schmerzhaft knurrte.

„Warum sollte sie das nicht wollen?“

„Hm, wer weiß das schon. Wer weiß, was in den Köpfen von Antikern so vor sich geht … mein Magen knurrt, ich habe Hunger. Ich sollte bereits in der Kantine und mit meinem Essen fertig sein. Stattdessen schleiche ich hier durch sämtliche Flure, um eine Antikerin zu suchen, die uns wohl eher als niedere Wesen oder wer weiß, was sonst noch ansieht. Nicht zu fassen, ich riskiere einen hypoglykämischen Schock zu bekommen, nur um eine Ausreißerin zu suchen.“

“Was glauben Sie, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie nach dreizehntausend Jahren wieder aufwachen und sich an nichts erinnern könnten?”

“Keine Ahnung. Ich würde jedenfalls nicht weglaufen.”

“Doch, Rodney, das würden Sie.”

John hatte nun endgültig keinen Nerv mehr, mit Rodney zu diskutieren. Er überlegte stattdessen, wo sich Alexa aufhalten könnte, oder welche Orte sie aufsuchen könnte, sollte sie wirklich versuchen wollen, ihre Erinnerungen wachzurufen.

Aus einem kleinen Nebenflur in der Nähe des Stuhlraumes konnte Alexa beobachten, wie sich Colonel Sheppard und Doktor McKay von eben diesem wieder entfernten und um eine Ecke bogen, die zu einer Treppe führte. Sie war sich nicht sicher, wohin die beiden Männer nun gingen, aber es spielte für sie auch keine große Rolle.

Immer wieder sah sie die Bilder aus ihrem Traum vor sich. Orte, die sie unbedingt sehen wollte. Sie wusste, dass sie früher oder später entdeckt werden würde, aber sie versuchte so lange wie möglich unauffällig durch die Stadt zu streifen, auf der Suche nach Erinnerungsfetzen.

Die Kopfschmerzen wurden immer stärker und zwangen sie, sich in einem kleinen verlassenen Raum zurückzuziehen. Stöhnend sank sie zu Boden und versuchte, durch tiefes und entspanntes Ein- und Ausatmen die krampfartigen Schmerzen zu vertreiben.
Immer wieder schossen ihr die Bilder ihres Traumes durch den Kopf.

Ein großer leuchtender Ring in einem großen Raum … Wasser, dass offenbar in diesem Kreis stehen konnte … das Stargate …

Die Schmerzen ließen allmählich nach, und nachdem sie etwas Kraft gesammelt hatte, verließ sie den Raum wieder und nahm einen anderen Weg, um wieder zurückzukommen. Ihr nächstes Ziel stand schon fest, aber sie wusste, dass bei ihrer Ankunft ihre kleine Reise zu Ende sei. Doch sie musste es sehen.

 

Im Kontrollraum

Schon seit fast einer Stunde waren Suchtrupps in der Stadt unterwegs, um die junge Frau zu suchen. Nervosität machte sich breit, die vor allem an Richard Woolsey zu sehen war. Immer wieder spazierte er zwischen seinem Büro und dem Kontrollraum hin und her und bereits zum fünften Mal fragte er Chuck, den Techniker, ob er Neuigkeiten hätte. Chuck hatte eine Menge Geduld, aber selbst er konnte es kaum abwarten, bis man die junge Antikerin fand und somit endlich wieder Ruhe und Entspannung herrschte.

Ganz zu schweigen von seiner eigenen Neugier. Er selbst hatte die Antikerin noch kein einziges Mal zu Gesicht bekommen, doch er hatte inzwischen von Colonel Sheppard und auch Doktor Keller erfahren, dass sie wohl ausgesprochen hübsch sein soll. Zu gerne würde er sie einmal mit eigenen Augen sehen und kennenlernen.

Woolsey riss ihn wieder aus seinen Gedanken, als er schon zum x-ten Mal Funkkontakt zu Colonel Sheppard herstellte. “Colonel Sheppard, hier ist Richard Woolsey.”

Sheppard verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. Warum konnte sich Woolsey nicht auf andere Art und Weise melden? Ein einfaches ‚Hier ist Woolsey’ würde auch reichen.

“Was gibt es, Mister Woolsey?”

“Haben Sie schon irgendwelche Fortschritte gemacht?”

“Nein, bis jetzt nicht. Anderenfalls hätten wir uns auch gemeldet. Bisher hat sie niemand gesehen. Wir werden mal kurz zum Kontrollraum zurückkehren. Sheppard Ende.”

Die Tatsache, dass man sie bisher noch nicht gefunden hat, geschweige denn gesehen wurde, beunruhigte John immer mehr. Entweder musste sich die Antikerin verdammt gut in der Stadt auskennen, sodass sie wusste, welche Wege sie gehen konnte, ohne gesehen zu werden, oder aber ihr Zustand hat sich extrem verschlechtert und sie könnte möglicherweise bewusstlos an irgendeinem Ort liegen, der noch nicht entdeckt ist oder an dem kaum jemanden vorbeikommt.

John rief Lorne und seine Männer und die restlichen Teams in den Kontrollraum zurück. Die Suchraster mussten erweitert und vor allem mehr Suchteams aufgestellt werden.

 

In der Nähe der Krankenstation

In einem kleinen Lagerraum kniete Alexa auf dem Boden und hielt sich die Hände an den Kopf. Die Schmerzen wurden von Mal zu Mal stärker und zwangen sie in die Knie.
Immer wieder sah sie dieselben Bilder vor sich.

Der Gateraum … das Stargate wird aktiviert … das Anwahlgerät … blickende Chevrons … Hände, die die Kontrollen bedienen … das Schutzschild des Stargates wird aktiviert … Explosionen … Waffenfeuer … die Schutzschilde der Stadt werden aktiviert … Menschen eilen hastig durch die Flure … Chaos und Panik herrscht … das Tor wird durchschritten … ein anderer Ort … viele Orte … Labore … Konferenzraum … Stuhlraum … aufsteigende Drohnen … die zentrale Turmspitze von Atlantis … im Hintergrund der steigende Schutzschild der Stadt … kleine Flugmaschinen …… Torschiffe …große Raumschiffe …wieder ein anderer Ort …Schüsse, die ertönen … man rennt …

Kaum waren diese Bilderfetzen weg, wurden auch die Schmerzen weniger und Alexa konnte wieder aufatmen. Mit den Bildern allerdings konnte sie nach wie vor kaum etwas anfangen.

Ein paar Minuten verharrte sie noch auf dem Boden, sammelte wieder etwas Kraft und zog sich dann an einem Regal wieder hoch und lauschte an der Tür, ob irgendwelche Geräusche oder vorbeigehende Personen zu hören waren. Kurz darauf schlich sie wieder aus dem kleinen Raum und setzte ihren Weg fort. Nur wenige Momente dauerte es, bis sie wieder in einen stärker belebten Flur trat. Sie wusste, dass man sie suchte und dass die Personen, die ihr entgegenkamen, sie teilweise überrascht und fragend ansahen. Aber Alex setzte ihren Weg unbeirrt fort. Sie musste es sehen. Sie wollte das Stargate unbedingt sehen, bevor man sie stellen würde.

Wenige Augenblicke später sah sie es. Ein großer Kreis, in einem noch größeren Raum. Das Stargate. Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster hinter dem Gate und ließen den Raum in unterschiedlichen Farben erstrahlen.

John stand gerade mit seinen Team und weiteren Soldaten im Kontrollraum und gab neue Instruktionen für eine erneute Suche, als Ronon die Ausreißerin im Gateraum entdeckte.

“Sheppard!”

Mit erhobener Waffe, die er auf Betäubung gestellt hatte, zielte er nach unten auf die junge Frau, die sich langsam dem Stargate näherte. Andere Soldaten taten es ihm gleich und richteten ihre Waffen auf die Antikerin, kaum dass sie sie erblickten.

“Nein! Ganz ruhig! Die Waffen runter … ich gehe runter. Ihr bleibt hier und holen Sie Keller her.”

Leise aber schnell ging John die Treppe zum Gateraum hinunter und ließ seinen Blick über die junge Antikerin gleiten. Sie schien wie in Trance zu sein, als sie sich immer weiter dem Gate näherte.

“Hey …” Alexa reagierte nicht, als John sie leise ansprach.

“Miss Thalis? … Alexa? … Hören Sie … wir haben Sie überall gesucht.”

Noch immer schien sie ihn nicht zu hören und auch sonst nahm sie kaum etwas in ihrer Umgebung wahr. Immer wieder sprach John sie an und trat näher an sie heran. Doch sie reagierte nicht auf ihn. John war direkt hinter ihr und dennoch konnte er nicht sehen, ob sie vielleicht bewaffnet war und er hatte auch nicht die leiseste Ahnung, was sie vorhaben könnte. Sein Griff um seine Waffe verstärkte sich.

“Alexa, bitte treten Sie vom Gate zurück und drehen Sie sich langsam um.”

Alexa erreichte das Stargate und legte ihre Hand an das kühle Metall. Ihre Finger fuhren langsam über die Vertiefungen und Erhebungen der Verzierungen am Gate.

Verwirrt beobachtete John die junge Frau. Noch immer schien sie keine Notiz von ihm zu nehmen. Erst, als er sie am Arm berührte, um sie vom Stargate weg zu führen, schien sie seine Anwesenheit zu realisieren und wisperte leise.

“Stargate …”

“Ja.”

“In Atlantis … das hier ist Atlantis.”

“Ja.”

“Ich … ich kann mich nicht richtig erinnern. Ich glaube, ich war schon mal hier.”

“Das können wir später klären. Ihnen scheint es nicht besonders gut zu gehen. Kommen Sie, ich bringe Sie zur Krankenstation zurück.“

Sheppards Griff um ihren Arm verstärkte sich, als er versuchte, sie langsam vom Gate wegzuziehen.

“Da sind Bilder … ich sehe immer wieder diese Bilder, aber ich weiß nicht …”

„Ist schon gut. Das kriegen wir wieder hin. Hey … Vorsicht!”

Wieder griff sie sich an den Kopf und stöhnte laut auf, als eine erneute Schmerzwelle sie erfasste. John konnte plötzlich nichts anderes mehr tun als sie zu halten und aufzufangen, als sie bewusstlos in die Knie sank. Behutsam legte er sie auf den Boden.

“Wo bleibt Keller?!”

 

Auf der Krankenstation

„Sie stand am Tor, sagte irgendwas von Bildern, die sie immer wieder sieht, und brach dann mit diesen Schmerzen zusammen”, erklärte John der untersuchenden Ärztin Dr. Keller und ließ den Blick dabei nicht von der Besucherin.

Währenddessen hatten sich das gesamte Team sowie Major Lorne als auch Woolsey in der Krankenstation eingefunden und wartete mehr oder weniger geduldig auf die Ergebnisse der Untersuchung, bis Jennifer die Anwesenden endlich in ihr Büro führte.

„Und?“, platzte es fast ungeduldig aus John.

„Tja, meine Tests sind noch nicht ganz abgeschlossen, aber sie scheint sich definitiv schneller zu erholen, als ich dachte.“

„Das sah aber eben beim Gate ganz anders aus”, bezweifelte John.

„Nun, um ehrlich zu sein, haben wir bereits selbst Vermutungen darüber angestellt. Könnten diese Schmerzen und Erinnerungslücken ein Nebeneffekt der langen Stase sein, Doktor?“, wollte Woolsey wissen.

„Gut möglich. Ich weiß allerdings nicht, wie es zu solchen Erinnerungslücken kommen konnte. Vielleicht ein Defekt oder es liegt tatsächlich an der langen Zeit. Auf jeden Fall scheint einiges jedoch wieder zurückzukehren.

„Ist doch gut … ist nicht gut?“, korrigierte sich John, als die Ärztin darauf mit skeptischen Blicken und leichtem Achselzucken reagierte.

“Möglich. Aber da ist noch mehr. Mir ist aufgefallen, dass ihre synaptische Gehirnaktivität und Kapazität seit den letzten Scans zugenommen hat. Auch ihre Gehirnchemie ist komplett anders als unsere. In der Regel benutzt der Mensch zwischen 5 und 10 Prozent der gesamten Gehirnkapazität. Bei ihr sind es schon knapp 8 Prozent.”

“Und das bedeutet?”, fragte Woolsey.

“Nun ja. Teilweise sind Bereiche in ihrem Gehirn aktiv, die bei uns zwar auch vorhanden sind, aber ruhen. Sogar Bereiche, deren Bedeutung und Nutzen noch gar nicht richtig erforscht wurden”, erkläre Jennifer weiter.

“Heißt das jetzt, das sie besondere Fähigkeiten haben könnte, die wir nicht haben, oder …?”, fragte Lorne, der hellhörig wurde.

“Kann ich unmöglich sagen. Ich habe bisher kaum bis keine Anzeichen dafür gefunden, wenn man mal von der Tatsache absieht, dass sie sich so schnell erholt. Aber es wäre gut möglich, dass wir bald doch einige Überraschungen erleben könnten.“

“Wie meinen Sie das?”, fragte Sheppard.

“Die Gehirnaktivität steigt. Zwar langsam, aber sie steigt. Ich vermute, dass die Schmerzen daher rühren, auch wenn ich bisher keine vernünftige Erklärung dafür gefunden habe, denn so was etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. In der langen Zeit, die sie in der Kapsel lag, arbeitete ihr Gehirn so gut wie gar nicht. Gerade mal die allernötigsten Funktionen fanden statt. Extrem verlangsamte Atmung und Puls. Daher glaube ich, dass ihre Erinnerungen nun langsam zurückkehren und mögliche Fähigkeiten … tja, wie gesagt, wir werden uns überraschen lassen müssen.”

Es wurden noch einige Fragen gestellt und Vermutungen geäußert, doch spätestens, als man ein leises Stöhnen aus dem Raum nebenan hörte, stürmte man zurück. Als die Antikerin jedoch bereits wieder aufrecht und munter in ihrem Bett saß, staunten die Anwesenden.

“Es tut mir leid, dass ich einfach so gegangen bin. Ich wollte Ihnen keinen Ärger bereiten, aber … aber ich musste es sehen.”

“Na ja, Sie hätten auch fragen können”, erwiderte John mit einem kleinen Lächeln.

“Ich wollte nur wissen, was passiert ist. Ich kann mich nicht richtig erinnern. Ich sehe immer das Gleiche, immer die gleichen Bilder, aber ich weiß nicht, was es ist oder was es zu bedeuten hat. Bis ich das Gate gesehen habe … und die Kontrollplattform.”

„Die Kontrollplattform?. Sie … Sie haben …“, entfuhr es Woolsey, der zum einen noch immer etwas Unbehagen, aber auch Verärgerung verspürte.

„Schön langsam …“, wandte John ein. „… es ist ja nichts passiert. Sie wollte es nur sehen, richtig?“

Alexa nickte und verstand im ersten Moment die Reaktionen des fast gänzlich kahlköpfigen Mannes nicht.

“Hat es denn zumindest geholfen? Kehren Ihre Erinnerungen zurück? An was erinnern Sie sich denn noch?”, fragte Woolsey nach tiefem Durchatmen weiter nach.

So sehr sie sich auch bemühte, aber sie sah immer nur dieselben Bilder vor ihrem geistigen Auge und schüttelte schließlich mit dem Kopf. „Ich erinnere mich an das Gate, diese Stadt. Ich sehe sie immer wieder vor meinen Augen. Mal bei Nacht, mal im strahlenden Sonnenschein oder bei Sonnenuntergang. Maschinen, Geräte, Computer, Bildschirme … der Kontrollstuhl … aber ich kann nicht wirklich etwas damit anfangen.“

„Tja, so wie es aussieht, müssen Sie früher sehr oft hier gewesen sein. Oder noch besser, Atlantis ist Ihre Heimat“, meinte Lorne, worauf die meisten Anwesenden zustimmend nickten.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.“

„Wir können die Datenbank ja mal durchsuchen. Vielleicht gibt es Eintragungen über Sie“, bot Woolsey erstaunlich hilfsbereit an.

„Ich kann Zelenka darauf ansetzen, während ich mich um … andere Dinge kümmere“, stimmte Rodney zu und verließ schnell die Krankenstation.

„Und ich … könnte mit Ihnen einen Spaziergang machen. Wenn Sie fit genug sind, natürlich“, meinte John und sah zwischen der jungen Frau und der Ärztin hin und her.

Während Alexa recht begeistert von der Idee schien, zeigten sich bei Jennifer, vor allem aber bei Woolsey starke Zweifel. Jennifer traute dem Gesundheitszustand der Antikerin nicht so recht und Woolsey traute der Antikerin insgesamt nicht. Doch beide ließen sich durch die bittenden Blicke der jungen Frau und Johns unnachgiebigen Kommentaren erweichen.

„Gut, von mir aus. Aber unter einer Bedingung. Sie melden sich sofort, wenn die Kopfschmerzen zurückkommen. Oder wenn Ihnen sonst etwas Ungewöhnliches auffällt.”

“Abgemacht”, bestätigte John, während Alexa mit einem „Versprochen“, antwortete.

„Und Sie werden nicht ohne Begleitung durch die Stadt wandeln. Ich möchte weitere … Leute in ihrer Nähe haben Colonel“, schloss sich Woolsey an.

John rollte zunächst mit den Augen. Ihm war jedoch klar, dass er gegen den Expeditionsleiter kaum ankam und zu großen Diskussionen hatte er auch irgendwie keine Lust. Jennifer kümmerte sich darum, dass sich die junge Frau umziehen konnte, und gab ihr noch einige Medikamente, die sie bei ihrer Genesung unterstützen sollten. Dann machten sich der Colonel und die Antikerin auf den Weg, denn John wusste, wo sie mit ihrer Tour anfangen könnten.

 

In der Cafeteria

“Ich kann mir vorstellen, dass Sie großen Hunger haben müssen. Immerhin haben Sie lange Zeit nichts mehr gegessen. Wissen Sie noch, was Sie gerne essen?”, fragte John, während er auf die nicht allzu große Angebotspalette des Tages blickte.

“Keine Ahnung. Ich glaube, ich bin nicht so besonders wählerisch. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ich schon immer gerne Früchte und anderes Süßes gegessen habe”, erwiderte Alexa und sah sich ebenfalls das kleine Büfett an.

“Na das ist doch schon mal was. Aber mit Süßigkeiten kann man wohl kaum den großen Hunger stillen. Wie wäre es mit einem schönen, großen, anständigen Steak? Und danach das süße Dessert?”, meinte John fragend und wies auf die Platte mit den Fleischbeilagen und der kleinen Kühlvitrine mit den verschiedensten Nachspeisen.

“Äh … nein, ich denke … ich glaube, ich habe noch nie gerne Fleisch gegessen.”

“Ach so? Na, wie wäre es dann mit der vegetarischen Lasagne? Die sieht doch aber lecker aus, obwohl … ich frage mich allerdings, ob Sie das schon vertragen. Immerhin hat Ihr Magen die ganze Zeit nur faul da rum … gelegen. Nicht dass Ihnen schlecht wird … Wissen Sie was? Wir probieren es einfach mal aus.“

Alexa’s Zustand und Stimmung verbesserten sich zusehends. Die Medikamente, die sie von Jennifer erhielt und auch das warme Essen trugen dazu bei, dass sie sich zumindest ein kleines bisschen besser und kräftiger fühlte. Und auch das Essen schmeckte ihr überraschend gut, sodass sie zu Johns Verwunderung eine anständig große Portion verschlang und auch beim Dessert kräftig zulangte. John konnte nur lächelnd den Kopf schütteln, auch wenn er verstand, dass sie wirklich großen Hunger haben musste.

Nach dem Essen schlenderte John mit Alexa durch die Stadt, zeigte ihr einige Büros und Labore und auch einige seiner Lieblingsplätze. Darunter auch die Piere mit den unterschiedlichsten Blickwinkeln auf die Stadt, wobei sie gerade auf dem letzten einige Zeit blieben und sich die Meeresluft um die Nase wehen ließen. Immer wieder hatte John nach ihren Erinnerungen gefragt, aber sie konnte ihm keine Neuigkeiten oder Veränderungen mitteilen.

“Wie geht es Ihnen? Was machen die Kopfschmerzen? Kommen sie zurück?”, fragte John.

“Nein. Es geht mir gut”, antwortete Alexa kopfschüttelnd, lächelte kurz und schloss genießerisch die Augen, als sie die Meeresbrise auf sich wirken lassen wollte.

John beobachtete sie wortlos dabei und ließ seinen Blick anschließen über ihr Gesicht gleiten. Seine Gedanken rasten. Er konnte keinen einzigen wirklich fassen und doch wusste er, dass die meisten davon eher Fragen waren, die sie ihm wohl kaum beantworten konnte. Zumindest noch nicht jetzt.

“Ich sollte Ihnen noch was zeigen, auch wenn Sie es schon gesehen haben. Aber vielleicht … vielleicht tut sich ja was und Sie erinnern sich ein wenig mehr. Kommen Sie”, meinte John und führte sie zurück zu einem Transporter, der sie beide in Sekundenschnelle in die Nähe der Kontrollplattform beförderte.

„Sie wissen, was das ist?“, fragte John und beobachtet die Reaktionen der jungen Frau ganz genau.

Sie standen nun am Eingang zum Raum mit dem Kontrollstuhl und es schien, als ob Alexa sich zunächst davor fürchtete, näher zu treten. Er konnte sehen, wie sie angestrengt überlegte, und versuchte sich zu erinnern, doch schlussendlich war John sich nicht wirklich sicher, was in ihr vorging.

„Ja, ich weiß es. Ich habe ihn immer wieder in meinen Träumen gesehen und ich erinnere mich auch irgendwie an ihn. Er sieht noch genauso aus wie … früher. Alles sieht noch so aus wie früher“, antwortete Alexa und ging nun zögerlich auf den Stuhl zu.

Doch kaum hatte sie den ersten Schritt in den Raum getan, drehte sich der Stuhl wie durch Geisterhand in ihre Richtung und begann auch zu leuchten.

„Was … was zum Teufel … das hat er noch nie getan. Jedenfalls nicht bei einem von uns. Er leuchtet allerhöchstens, wenn man sich rein setzt“, entfuhr es John, der das höchst merkwürdige Schauspiel beobachtete.

Auch die umstehenden Techniker und Wissenschaftler ließen alles stehen und liegen und starrten fasziniert zwischen dem Stuhl und der Antikerin hin und her. Egal welche Richtung sie einschlug, der Stuhl folgte ihr. Als ob er wollte, dass sie sich hineinsetzen sollte.

„Ich glaube, er hat es schon früher getan. Ich sehe es vor mir, als ob … „, begann sie zu erzählen und schloss die Augen, als sie mit einer ihrer Hände über die Arm- und Rückenlehne des Stuhls strich.

John gab ihr etwas Zeit, versuchte eine Regung in ihrem Gesicht zu erkennen, aber es gelang ihm nicht, denn sie brach kopfschüttelnd ab.

„Alles in Ordnung?“

„Ja … ja es geht mir gut. Er hat schon immer aufgeleuchtet, wenn ich in seine Nähe kam.“

„Dann waren Sie früher also hier“, schlussfolgerte John.

„Offensichtlich. Ich kann mich an die Stadt erinnern, auch an die Orte und Plätze, die Sie mir gezeigt haben, aber ich weiß nicht … ich weiß einfach nicht.“

„Wollen Sie sich vielleicht mal reinsetzen? Vielleicht tut sich dann ja noch irgendwas“, meinte John, doch Alexa schien von seinem Vorschlag nicht gerade angetan zu sein.

„Nein, ich … ich glaube es ist besser, wenn … noch nicht. Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich … ich glaube, das sollte ich vorerst besser nicht tun.“

„Okay. Kein Problem. Wir lassen es ruhig angehen. Es hat noch Zeit. Aber es ist immerhin schon ein Fortschritt, dass Sie sich erinnern. Der Rest kommt auch noch. Da bin ich sicher.“

„Die Stadt kann sich schützen nicht wahr?“, fragte Alexa vorsichtig weiter, als sie ihren Rundgang durch die Stadt fortsetzten.

„Ja, sie hat einen Schutzschild. Als wir hier ankamen, hatten wir nicht die Möglichkeit ihn zu aktivieren. Erst seit man auf der Erde ein ZPM gefunden hatte, können wir jetzt jederzeit den Schutzschild aktivieren oder die Stadt tarnen“, erklärte John.

„Tarnen? ZPM?“, kam es perplex von der jungen Antikerin. „Die Stadt kann sich nicht tarnen. Die Torschiffe, ja, aber-„

„Ja ZPM … das Ding, das leuchtende Ding, das Energie liefert.“

„Sie meinen das Energiemodul“, korrigierte Alexa lächelnd.

„Ja, genau. Jedenfalls kann die Stadt sich jetzt tarnen. Vor drei Jahren etwa, sind wir auf die Idee gekommen. McKay, Zelenka … und ich. Damit haben wir die Wraith anfangs ganz schön aufs Glatteis geführt.“

„Aufs Glatteis geführt? Was soll das heißen?“

„Na … an der Nase herum geführt … Veräppelt … verschaukelt … für dumm verkauft … verar-”, erklärte John und biss sich gerade noch auf die Zunge.

Noch immer sah sie ihn verwirrt und fragend an und schien nicht so recht zu verstehen, was er meinte, geschweige denn, wovon er sprach. John entschied, ihr eine kleine Kurzfassung zu erzählen.

„Damals standen sozusagen die Wraith vor der Tür und wollten sich an uns nähren und über Atlantis zur Erde gelangen. Wir hatten zwar gerade die Schilde hochfahren können, aber so wie die Wraith uns in die Mangel genommen haben, hätte die Energie nicht lange für den Schild gereicht. Also haben wir ihnen durch Teyla eine nette Warnung rübergeschickt und später so getan, als ob wir die Stadt gesprengt hätten. Wir haben eine Bombe über der Stadt gezündet und sind gleich in den Tarnmodus übergegangen. Die Wraith glaubten, wir hätten uns selbst vernichtet.“

„Verstehe. Eine gute Taktik. Aber … wer sind diese Wraith?“, wollte Alexa wissen, worauf John sie perplex ansah.

Er konnte zunächst nicht glauben, was er gerade gehört hatte. Es wunderte John, dass sie noch niemals von den Wraith gehört haben sollte, aber als er genauer darüber nachdachte, wurde ihm bewusst, dass es zu Alexa’s Zeit die Wraith in ihrer jetzigen Form noch nicht gegeben haben musste.

John entschied sich für eine weitere kleinere Kurzfassung ohne dabei zu sehr in Details zu gehen und sie mit knallharten und gruseligen Tatsachen zu konfrontieren. Sie brauchte noch nicht zu wissen, dass im Grunde ihr eigenes Volk für die Entstehung der Wraith verantwortlich war und dass man sich schließlich von dieser Geißel durch die Replikatoren zu befreien versuchte.

Sie spazierten weiter und John entschied sich, ihr den Kontrollraum und die Jumperbucht näher zu bringen und sie nochmals nach ihren Erinnerungen zu befragen.

„Wie steht es eigentlich mit einem Quartier? Können Sie sich daran erinnern, hier eines gehabt zu haben und wo es gewesen sein könnte?“, wollte John wissen und sah, dass es Alexa schon viel besser zu gehen schien.

Er fand heraus, dass sie momentan keine Schmerzen hatte und dass ihr das Essen und der Spaziergang sehr gut getan hatten. Sie schien sich wohlzufühlen und das freute ihn. Nur an ein früheres eigenes Quartier konnte sie sich nicht erinnern.

 

Alexa’s Quartier

Der Spaziergang war zu Ende, Alexa hatte ihr neues Quartier bezogen und sich für eine heiße Dusche entschieden. Nun stand sie an ihrem großen Fenster und blickte auf das Pier und den Ozean hinaus. Viele Gedanken rasten ihr durch den Kopf, die Eindrücke beschäftigten sie auch noch immer. Gedankenverloren fiel ihr Blick auf ihre Hand …

-Eine Faust … Boxhiebe … Tritte … Griffe … Waffen, die abgefeuert werden … Befehle werden in einen Computer eingegeben … eine Hand, die Geräte bedient …-

Wieder kehrten einige Erinnerungen zurück, doch noch immer konnte sie nicht viel damit anfangen. Es reichte einfach nicht und die Bilder waren zu verschwommen und undeutlich.

Alexa stellte sich vor den Spiegel und betrachtete sich ganz genau, in der Hoffnung hinter ihr eigenes Geheimnis zu kommen. Doch ihr Blick fiel auf die Kleidung, die hinter ihr auf ihrem Bett lag. Stiefel, Hose und ein Oberteil. Sie wusste mittlerweile, dass sie diese Kleidung trug, als man sie in dieser Kapsel fand, aber sie konnte kaum einen Bezug zur Kleidung finden. Sie erschien ihr so fremd. Fremd aber doch vertraut. Sie breitete sie auf ihrem Bett aus und betrachtete sie einige Minuten. Am Ärmel waren drei weiße Streifen und an der Brust hingen merkwürdige Abzeichen, deren Bedeutung sie nicht kannte. Es war definitiv eine Art Uniform. Aber mehr konnte sie nicht herausfinden.

Verwirrt und wieder in Gedanken fallend, faltete sie die Kleidung sorgfältig zusammen und legte sie auf den Stuhl neben dem Spiegel. Danach legte sie sich ins Bett und rollte sich dort regelrecht zu einer Kugel zusammen. Sie war sehr müde und allmählich kamen auch die Kopfschmerzen zurück. Glücklicherweise dauerte es nicht lange und sie war eingeschlafen.

-Eilig und fast im Laufschritt durchquerte man den Gateraum, hastete die Treppe hinauf und betrat dann das Büro. Ein etwas älterer Mann stand auf und grüßte. Es wurde etwas besprochen, aber es war nichts zu verstehen. Nach einigen Minuten wurde kurz Haltung angenommen, salutiert und man ging wieder im Laufschritt die Treppe hinunter zu einem der Labore. Eine Tasche wurde genommen.
Im Gateraum sah man nach oben zum Kontrollraum und gab eine Anweisung. Das Stargate wurde angewählt und durchquert. Auf der anderen Seite waren bereits Schüsse zu hören und überall war Feuer und Rauch.
Explosionen. Ein Gefecht. Eine Hand griff nach der Waffe im Halfter. Ein Mann kam mit einer äußerst primitiven Waffe angerannt und schrie. Die Hand hob sich und die Waffe wurde abgefeuert. Durch den Treffer wurde der Gegner einige Meter nach hinten geschleudert. Ein Blick reichte aus, um zu wissen, dass er tot war. Seine Augen waren noch offen.

Als man sich wieder aufrichtete und umdrehte, gab es plötzlich einen heftigen Schmerz im Bauch und man sah den nächsten Gegner dicht vor sich stehen …-

Alexa wachte mit einem Schrei auf. Sofort setzte sie sich auf und japste einige Male nach Luft. Es brauchte etwas, bis sie sich beruhigt hatte und wieder ins Hier und Jetzt fand.

-Schon wieder ein Traum? … Bin ich durch das Gate gegangen? … Oder war es jemand anders? … Habe ich ihn nur begleitet? … Wann war das?-

Wieder stellte sie sich vor den Spiegel, legte die uniformähnliche Kleidung an ihre Brust und versuchte ihre Erinnerungen wachzurufen. Es tat sich nichts. Langsam zog sie ihr Shirt hoch und betrachtete ihren Bauch. Sie konnte weder etwas sehen noch fühlen.

„Traum oder Wirklichkeit?“, wisperte sie, als die letzten Bilder ihres Traumes vor ihrem inneren Auge auftauchten.

„Erinnerung oder … Albtraum?“

Genervt schüttelte sie den Kopf und ging ins Badezimmer.

 

Im Konferenzraum

„Doktor McKays Nachforschungen in der Datenbank haben bisher leider nichts ergeben. Niemand ist dort mit dem Namen Alexa Thalis verzeichnet. Auch ähnliche Namen sind nicht zu finden“, erklärte Woolsey ruhig, fast schon mitfühlend, als er zu Alexa sprach.

Doch diese schien nicht zu reagieren.

„Ähm … natürlich werden wir dran bleiben und weitersuchen. Sie können schließlich kein Geist sein. Wir werden schon noch etwas finden und dann …“

„Vielleicht heißen Sie auch gar nicht so. Ich meine es könnte ebenso gut der Name von jemand anderen sein und er ist eben der einzige, der ihnen eingefallen ist. Der einzige, an den Sie sich erinnern“, meinte Rodney und rieb sich nervös die Hände.

Rodney war die ganze Nacht wach gewesen und hatte die Datenbank auf den Kopf gestellt. Bisher ohne Erfolg und die dritte Tasse Kaffee, die ihm bisher fehlte, ließ ihn gereizt und missmutig erscheinen.

„Das ist ein bisschen weit hergeholt, finden Sie nicht?“, kam es von John, der stirnrunzelnd und zweifelnd zu seinem Teamkameraden blickte.

„Nein, wieso? Sie hat doch Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis. Wer weiß an was sie sich erinnert. Sie könnte sich an Dinge erinnern, die andere getan haben oder-“

„McKay, das ist doch Blödsinn!“, wandte John erneut ein, worauf Woolsey lieber gleich dazwischen ging.

„Meine Herren bitte.“

„Es kann doch auch sein, dass die Antiker wieder einmal die wirklich richtig großen Dinge und wichtigen Sachen und so ausgelassen und versteckt haben. Vielleicht … vielleicht hatte sie eine enorme wichtige Position inne und wurde daher in der Datenbank nicht erfasst. So was wie eine Undercover-“

„Oh bitte!“, platzte es aus McKay förmlich heraus und bedacht nun seinerseits den Colonel mit amüsierten Blicken.

„Gentlemen! Ich glaube weder das eine noch das andere trifft hier zu. Vielmehr haben wir die entsprechende Eintragung noch nicht gefunden. Wie vorhin schon gesagt, wir werden weitersuchen“, unterbrach Richard das weitere Geplänkel zwischen dem Colonel und dem Wissenschaftler und sah dann wieder zu Alexa, die endlich aus ihren Gedanken schreckte.

“Was?”, fragte sie verwirrt.

“Ist alles in Ordnung?”, fragte Teyla.

“Sind die Schmerzen wieder da?”, schloss sich Jennifer der besorgten Athosianerin an.

“Nein. Nein. Tut mir leid, ich war nur in Gedanken … ich bin mir mit meinem ziemlich sicher. Ich habe Sie nicht belogen.“

„Um Gottes Willen! Das hat auch niemand behauptet. Wir haben uns nur Gedanken gemacht und uns so einiges gefragt. Für Sie muss es aufgrund Ihrer fehlenden Erinnerung schlimmer sein. Gibt es denn in der Zwischenzeit Neuigkeiten? Sind weitere Erinnerungen zurückgekehrt?“, fragte Woolsey neugierig nach, doch Alexa entschied, vorerst nichts von ihren merkwürdigen, beängstigenden Träumen zu erzählen.

„Nein. Es sind immer dieselben Bilder und Träume. Nichts Neues. Es tut mir Leid.“

“Das muss Ihnen nicht Leidtun. Ich glaube, dass Sie wahrscheinlich zu einer Art Militär gehörten. Ihre Kleidung sieht sehr nach Uniform aus …”, kam es von John, der sie musterte, denn sie trug wieder die Kleidung, die sie schon in der Kapsel getragen hatte.

„…Womöglich hatten Sie einen besonderen Posten inne und man kann Sie deshalb nicht so leicht finden.“

“Vielleicht hilft es ja, wenn wir mal nachsehen könnten, was sich in der Kapsel sonst noch befindet. Ich glaube, dort könnten einige Antworten drin liegen”, schlug Rodney vor, ohne dabei zugeben zu wollen, dass er die Kapsel bis jetzt immer noch nicht komplett knacken konnte.

Doch Alexa´s Stimmung änderte sich schlagartig, was alle Anwesenden erschrecken ließ.

„Nein!“

„Was? … Darf ich fragen, warum nicht?“

Woolsey war, ebenso wie alle anderen Anwesenden über die so schnelle bestimmte Antwort der Antikerin überrascht.

„Ich glaube, es ist besser, wenn die Kapsel noch verschlossen bleibt.”

„Sie wissen, was da drin ist”, schlussfolgerte Ronon misstrauisch.

„Nein. Das weiß ich nicht.”

„Aber es könnte Ihnen vielleicht helfen, Ihr Erinnerungsvermögen zurück zu erlangen“, schaltete sich nun auch Teyla ein. Doch Alexas Entscheidung stand fest.

„Nein. Ich möchte … es wäre mir lieber, wenn sie noch verschlossen bliebe.“

„Ja, aber-“

„Doktor, ich bitte Sie zum letzten Mal: Lassen Sie die Kapsel verschlossen. Ich … ich kann Ihnen nicht sagen, was sich in der Kapsel noch befindet oder was meine Beweggründe für diese Entscheidung sind, aber … ich möchte warten, bis für mich selbst einige Dinge klarer sind.“

„Nun gut. Auch wenn ich sowohl Doktor McKays Wunsch und Teylas Argumente teile, wir werden Ihren Wunsch jedoch selbstverständlich respektieren. Erlauben Sie uns denn zumindest weitere Untersuchungen an dem Gerät, die ein Öffnen nicht erfordern? Es ist eine wirklich beeindruckende Technologie und wir würden gerne mehr darüber erfahren“, fragte Richard weiter nach.

„Ja, vorausgesetzt, man hält mich über Ihre Ergebnisse und Erkenntnisse auf dem laufendem?“

„Natürlich. Aber diese Technologie stammt doch von Ihrem Volk. Soll das heißen, dass Sie selbst nichts darüber wissen?“, kam es erneut von dem Expeditionsleiter.

„Es wäre möglich, dass ich mich auch daran nicht erinnere“, antwortet Alexa leicht lächelnd.

„Verstehe. Nun … zum nächsten Punkt der Tagesordnung.“

„Unsere bevorstehende Erkundung auf einem Planeten, deren Bewohner mit den Athosianern früher einmal Handel betrieben haben”, gab Sheppard zurück. “Wir starten in etwa einer Stunde.”

„Gut. Gut.” Woolsey war sichtlich erfreut, dass die Möglichkeit bestand neue Handelspartner zu finden. Ebenso freute er sich über die Tatsache, dass es immer mehr wurden.

„Allerdings habe ich Colonel Sheppard schon darauf hingewiesen, dass unsere Handelsbeziehung vor vielen Jahren plötzlich eingestellt wurde. Wir hatten zu diesem Volk lange Zeit keinen Kontakt mehr”, sagte Teyla.

„Wieso das?”, fragte Ronon.

„Das wissen wir bis heute nicht. Alle Versuche mit ihnen zu sprechen oder rauszufinden, was los ist, sind fehlgeschlagen. Wir vermuten, dass es mit dem Aufwachen der Wraith zu tun hat.“

„Das ist aber doch schon Jahre her“, gab John wieder zurück.

„Wie dem auch sei. Möglicherweise haben die Entwicklungen der letzten Jahre für eine Veränderung gesorgt und das Volk ist uns gegenüber jetzt aufgeschlossener. Dann können sie immer noch rausfinden, was damals war. Aber bitte gehen sie dennoch mit größter Vorsicht an die Sache.”

„Aber immer doch”, lautete Sheppards Antwort auf Woolseys Bitte.

Es war mittlerweile deutlich zu sehen, dass Colonel Sheppard und Richard Woolsey ein viel besseres Auskommen miteinander hatten, als es am Anfang den Anschein hatte. Immerhin hatte Richard schon in den ersten Tagen seines Kommandos in Atlantis auf unangenehme Weise lernen müssen, dass man mit Regeln und Vorschriften nicht immer am besten fährt. Und gerade das hatte ihm Sheppard vor Augen führen müssen.

Zwischen Militär und Zivilisten existierten schon immer verschiedene Ansichten und Meinungen über die noch so unterschiedlichsten Dinge und meist wurde sie hitzigen Debatten und Streitgesprächen dargelegt. Abgesehen davon war Sheppard ohnehin ein Typ Offizier, der es mit den Vorschriften und Befehlen nicht immer so ernst nahm, ganz im Gegensatz zu Richard Woolsey, der wohl sein gesamtes Leben nach solchen ausrichtete. Aber die beiden haben sich über das gesamte vergangene Jahr recht gut zusammengerauft.

„Und ich würde heute gerne noch mal kurz unsere Besucherin untersuchen und ein paar Scans durchführen.”

Dr. Keller wendete sich dabei Alexa zu, die neben ihr saß und plötzlich so gar nicht begeistert schien.

„Ist das denn wirklich nötig? Ich meine, Sie haben mich doch schon mehrmals untersucht”, meinte Alexa, die sich offenbar sehr gegen weitere Untersuchungen sträubte.

John musste schmunzeln. Er kannte das Bedürfnis der Ärzte, einen ständigen untersuchen zu müssen.

Nach jeder Rückkehr von irgendeinem Planeten wurde man auf Herz und Nieren untersucht und gescannt. Ebenso wurde dabei jedes Mal fast literweise Blut entnommen. Am liebsten würde man wohl noch gern jedes einzelne Organ entnehmen und ebenfalls genauestens prüfen.

Alle drei Monate gab es den großen Check-Up. Ob man wollte oder nicht. Dabei wurde dann die geistige und körperliche Fitness festgestellt und kontrolliert. Ebenso musste man sich regelmäßig bei dem Psychologen melden und sein Innerstes regelrecht nach außen stülpen.

John hasste es. Doch wenn er weiterhin seiner Arbeit nachgehen wollte und nicht als dienstuntauglich erklärt werden, oder sich gar mit einem posttraumatischen Stresssymptom auf der Erde wieder finden wollte, musste er eben auf die Couch. Oder auf den Sessel. Zum Glück nahm es Doktor Wingers diesbezüglich nicht so ernst und John schien sich auch langsam daran zu gewöhnen. Es wurden eben keine Ausnahmen gemacht, auch bei Besuchern nicht.

„Ja, es muss. Ich möchte die Aktivität Ihres Gehirns noch einmal kontrollieren. Sie scheint stetig anzusteigen und das möchte ich gerne in regelmäßigen Abständen beobachten und dokumentieren“, erklärte Jennifer, die in dieser Entscheidung hart und unnachgiebig schien.

„Ich verstehe nicht ganz. Meine Aktivität des Gehirns? Was meinen Sie?”, fragte Alexa verdutzt.

Nun blickte Jennifer überrascht auf. Nach einigen Sekunden der Überraschung und des Überlegens, versuchte Keller eine genauere Erklärung zu starten.

„Nun ja, wir wissen, dass die Antiker, Ihr Volk, viel weiter entwickelt waren oder … sind, als wir. Was das Gehirn und seine Leistung angeht, kann dieses einfach mehr leisten, als unseres. Und da Sie nun mal eine Antikerin sind und einige Zeit in Stase verbracht haben, möchte ich gerne sichergehen, dass Ihr Gehirn keinerlei Schaden genommen hat und sich wieder ohne Komplikationen in seinen ursprünglichen Zustand entwickelt. Dafür sind regelmäßige Untersuchungen notwendig.”

Alexa nickte kurz. „Ihr Gehirn ist also nicht so weit entwickelt? Oder wie soll ich das verstehen?”, fragte sie in die Runde.

„Nein, nicht ganz. Das Potenzial der Gesamtleistung unseres Hirns liegt zwischen 5 und maximal 10 Prozent”, antwortete Jennifer.

„Ja, bei dem einen mehr, bei anderen weniger“, schaltete John sich ein.

„Und das bedienen verschiedener Computer und Geräte? Oder der Stuhl? Das ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich“, meinte Alexa verwirrt.

„Ja, wissen wir. Ein Gen. Wir nennen es das ATA-Gen. Einige von uns haben es. Entweder von Geburt an oder durch eine Gen-Therapie”, erwiderte McKay.

„Das ist der Verdienst Dr. Becketts. Ich bin sicher Doktor Keller kann Ihnen gleich mehr davon berichten. Aber jetzt, wenn es sonst nichts mehr gibt, sollten wir uns an die Arbeit machen.”

Es war Woolsey immer noch etwas mulmig zumute, wenn es darum ging, bestimmte Informationen preiszugeben. Ganz besonders, wenn solche Informationen an Antiker gingen. Er hatte noch nicht vergessen, was damals passierte, als ein verschollen geglaubtes eines Antikerkriegsschiffs in den Weiten des Weltalls aufgespürt wurde. Nach einigem Hin und Her und einer Vertreibung des Expeditionsteams aus der Stadt, starben die Antiker und man musste dann auch noch gegen die Replikatoren kämpfen werden. Richard betrachtete es seither als eine enorme Glückssache, dieses mehr oder weniger freiwillige Abenteuer überlebt zu haben.

„Da wäre noch eins, wenn Sie erlauben”, wandte Alexa ein.

„Ja bitte, Miss Thalis.”

„Wäre es vielleicht irgendwie möglich zu erfahren, was in den letzten dreizehntausend Jahren in Atlantis passiert ist? Historisch gesehen. Es ist viel Zeit vergangen und … ich möchte wissen, woran ich bin. Dadurch würden sich auch einige Fragen meinerseits an Sie vielleicht von selbst beantworten. Und Sie hätten sich ihre kostbare Zeit gespart, mir einiges zu erklären und zu erzählen.”

Woolsey war diesem Anliegen nicht abgeneigt und doch überlegte er kurz und sah dann zu Sheppard.

„Ich denke, es wird sich machen lassen, Ihnen unsere Geschichtsdatenbank zur Verfügung zu stellen und auch die Datenbank Ihres eigenen Volkes zu durchforsten. Sie haben damit sicherlich mehr Erfahrung und Routine im Umgang, als jemand von uns. Außerdem würden wir Ihnen auch gerne alles erklären und erzählen, wenn wir wieder zurück sind”, antworte John für Richard.

„Haben Sie denn die Zeit dafür, Colonel?”, fragte Alexa, als sie auf seine bevorstehende Mission anspielte.

„Sicher. Ich werde sie mir nehmen”, lautete Johns Antwort.

„Gut, dann an die Arbeit.”

Damit beendete Woolsey die morgendliche Besprechung. Allerdings blieb er noch auf seinem Stuhl sitzen, während alle anderen sich auf den Weg machten.

„Colonel, auf ein Wort“, bat er, kaum dass John ebenfalls den Raum verlassen wollte. „Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, ihr unsere Geschichte und andere Informationen mitzuteilen. Jedenfalls nicht so schnell.”

Sheppard setzte sich nicht wieder hin, sondern blieb erst mal an der Tür stehen und kniff die Lippen zusammen.

„Ich weiß, dass es gefährlich werden kann. Aber irgendwie habe ich bei ihr ein gutes Gefühl. Irgendwas sagt mir, dass wir ihr vertrauen können. Fragen Sie mich nicht warum.”

„Könnte es vielleicht sein, dass Sie ein wenig …?” Woolsey wollte den Satz nicht ganz aussprechen. Er kannte Sheppards Wirkung auf das weibliche Geschlecht. Irdisch und Außerirdisch. Und die Antikerin war ausgesprochen hübsch. Das musste sogar er zugeben.

„Nennen wir es einfach Menschenkenntnis. Hören Sie, ich kann es nicht wirklich erklären, aber vertrauen Sie mir einfach.”

Richard beäugte seinen militärischen Führungsoffizier prüfend und ließ einige Augenblicke verstreichen. „Sie ist kein Mensch, Colonel”, erwiderte er.

„Sie sieht aber ziemlich menschlich aus. Hören Sie, ich denke es ist immer noch das Beste, wenn wir ehrlich mit ihr sind. Sie scheint es doch auch zu sein. Sie könnte dadurch vielleicht viel mehr in der Stimmung sein, uns zu helfen.”

Woolsey lehnte sich zurück und faltete seine Hände. Nach einigen Sekunden brach er sein Schweigen. „Sie wissen doch noch, was das letzte Mal passiert ist, als die Antiker zurückkamen, Colonel?”

„Wie könnte ich das vergessen. Am Ende haben wir Ihren Arsch gerettet. Und den von General O´Neill.”

„Sie könnte Verstärkung rufen und uns wieder nach Hause schicken.”

„Mister Woolsey, Antiker schwirren nicht in Scharen im All herum. Wenn es noch irgendwo Antiker geben würde, hätte man sie damals gerufen.”

Woolsey schwieg wieder und überlegte. Nach einiger Zeit kam John näher zu ihm.

„Schenken wir ihr ein wenig vertrauen. Lassen wir sie die Datenbank durchforsten. Was ist so schlimm daran, wenn sie unsere Geschichte und die ihres Volkes der letzten dreizehntausend Jahre erfährt. Es gibt nichts sensibles in diesen Aufzeichnungen. Andere heikle Angelegenheiten können wir immer noch für uns behalten und beobachten sie ein bisschen länger. Was haben wir zu verlieren?”

„Die Stadt … mal wieder. Die Expedition, Menschenleben.“

„Wer sagt denn, dass es wieder so abläuft? Zumal die Replikatoren ohnehin vernichtet wurden. Die Gefahr ist gebannt. Ich glaube wir können von ihrer Kooperation mehr gewinnen, als wir uns bis jetzt vorstellen können.“

Es dauerte einige Sekunden, bis Woolsey endlich nachgab. “Na schön. Auf Ihre Verantwortung, Colonel.”

John nickte ihm dankbar zu und verließ den Konferenzraum. Woolsey blieb noch einige Minuten sitzen.

 

In der Krankenstation

Mehr oder weniger geduldig lag die Antikerin wieder auf einer Liege und wartete, bis der Scanner mit seiner Arbeit fertig war. Die ganze Prozedur kam ihr irgendwie vertraut vor. Als ob sie es schon mehrmals erlebt hätte. Auch die Umgebung der Krankenstation schien ihr sogar mehr als vertraut. Mehr aber auch nicht.

„Wir haben es gleich”, beruhigte Dr. Keller sie.

Kaum, dass der Scanner zum Stillstand kam, setzte sich die junge Frau aufrecht auf die Liege und beobachtete die blonde Ärztin, wie sie die Ergebnisse begutachtete. Doch Alexa hatte den Eindruck, als sie die junge Ärztin nervös.

„Sie trauen mir nicht”, platzte es aus der Antikerin, worauf Jennifer sich doch etwas ertappt zeigte.

Das reservierte Verhalten einiger Expeditionsmitglieder war bei Neuankömmlingen oder Besuchern in dieser Stadt offenbar normal und womöglich auch verständlich, aber Alexa schien zu spüren, dass noch mehr dahinter steckte.

„Es steckt bestimmt keine böse Absicht dahinter, nur haben einige von uns in der Vergangenheit schon einige Male unangenehme Erfahrungen machen müssen, was Besucher und auch Antiker angeht.”

„Antiker … Warum nennen Sie uns so?”

„Na ja, das hat mit unserer eigenen Geschichte zu tun. Vor zehntausend Jahren kamen Leute von ihrem Volk, von Atlantis zu uns auf die Erde und haben unsere Entwicklung in einigen Dingen enorm beeinflusst. Der Begriff Antiker wurde im Laufe unserer Geschichte so entwickelt. Ich kann Ihnen das leider nicht so gut erklären. Ist nicht ganz mein Gebiet. Aber in unserer Geschichtsdatenbank werden Sie bestimmt fündig. Sie werden staunen.”

„Was ist mit diesem Dr. McKay? Er scheint so…”

„Unser Genie. Er kommt Ihnen seltsam vor, nicht wahr?” Keller lächelte bei dem Gedanken an Rodney. „Vor ihm müssen Sie sich nicht fürchten. Er ist unser leitender Wissenschaftler. Astrophysiker. Der klügste Kopf in Atlantis. Das behauptet er auch sehr oft und ich finde, er hat nicht Unrecht. Nur manchmal übertreibt er es ganz gerne, aber er ist ein guter Kerl.”

Nach einer kurzen Pause fügte sie noch hinzu: “Manchmal nur etwas schwierig und schwer zu ertragen, wenn man ihn nicht gut kennt.”

Alexa lächelte leicht. „Sie scheinen ihn gut zu kennen.“

„Ja. Doktor McKay und ich … verbindet so einiges und wir …“

„Ich verstehe. Es tut mir Leid. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten und Sie-„

„Oh nein, nein! Ist schon in Ordnung. Sie konnten es nicht wissen und … Sie sind mir nicht zu nahe getreten. Keine Bange.“

„Gut … Ich weiß nicht genau, warum, aber ich wäre wirklich sehr dankbar, wenn man die Kapsel verschlossen halten würde. Nur Doktor McKay scheint nicht gerade damit einverstanden zu sein und ich fürchte-“

„Er wird sich daran halten und Ihren Wunsch respektieren. Zumal auch Mister Woolsey ein Auge auf ihn wirft. Rodney weiß, dass sonst großer Ärger blühen kann. Dennoch sollten Sie sein Verhalten nicht so persönlich nehmen. Rodney kann schon mal etwas egozentrisch und arrogant, besonders in der Wissenschaft auftreten. Und er hat auch einen ganz schön ausgeprägten Drang nach Entdeckung und die dazu gehörige folgende Anerkennung. Aber wie schon gesagt, er ist auch genauso brillant . Wenn wir ihn nicht hätten, wären wir sicher ein oder andermal in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, oder nie aus solchen wieder rausgekommen.”

Alexa nickte und dachte an die kleine Diskussion im Konferenzraum zurück.

-Egozentrisch, arrogant, neugierig und stur. Ja das passt irgendwie zu Wissenschaftlern.-

“Erzählen Sie mir etwas über die anderen. Mister Woolsey, Colonel Sheppard, Ronon Dex, Teyla Emmagan.”

Jennifer überlegte kurz, was sie der Antikerin erzählen konnte, ohne dabei wichtige oder geheime Informationen preiszugeben. Während sie anfing der jungen Frau etwas Blut abzunehmen, legte sie los.

„Mister Woolsey ist der zivile Leiter von Atlantis und durch und durch ein Diplomat. Colonel Sheppard ist ein Air Force Pilot. Er war stationiert in McMurdo und kam eher zufällig hier her. Beide sind von der Erde. Teyla kommt von dem Planeten Athos. Sie ist die Anführerin ihres Volkes. Er war der erste Planet, den wir besucht haben, gleich nach dem wir hier her kamen. Sie ist dann mit einigen aus ihrem Volk geflüchtet, als die Wraith angriffen. Ronon wurde von Colonel Sheppard und Teyla auf einem Planeten entdeckt, als wir nach einem unserer Leute gesucht haben. Nein, eigentlich hat Ronon sie entdeckt”, korrigierte sie sich. “Er war jahrelang auf der Flucht vor den Wraith. Sie haben ihn von Sateda entführt, nachdem sie den Planeten angegriffen haben und ihn zu einem Runner gemacht und ihn dann pausenlos von Planet zu Planet gejagt. Beide haben sich uns angeschlossen. In der Hoffnung, dass diese Wraith irgendwann besiegt werden können.”

Jennifer beobachtete dabei, wie die Antikerin diese Informationen wie ein Schwamm aufsaugte und zu verarbeiten schien.
Dreizehntausend Jahre waren eine lange Zeit und sie fragte sich, ob es überhaupt möglich war, diese Zeit nachzuholen.

-Sie wird es wohl müssen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es ist, sich an nichts erinnern zu können. Ich kenne das nur aus der Sicht eines Arztes, der eine Amnesie behandelt. Eigentlich kann man sie nicht richtig behandeln. Nur abwarten. Aber da gibt es immerhin noch Menschen, die helfen und unterstützen. Familie, Freunde und Bekannte. Aber bei ihr ist es anders. Es gibt niemanden mehr, den sie kennt.-

„Also, so weit sieht bei den Scans alles gut aus. Nichts Ungewöhnliches. Ist Ihnen denn etwas aufgefallen?”, fragte die Ärztin, worauf Alexa mit dem Kopf schüttelte.

„Nein.”

„Haben Sie noch Schmerzen?” Wieder kam ein Nein als Antwort.

„Na schön. Also, auf zu Ihrer ersten Geschichtsstunde. Aber bitte melden Sie sich, wenn Ihnen etwas auffällt oder die Schmerzen zurückkommen, okay?”

„Natürlich, Doktor. Danke.”

Alexa hüpfte von der Liege und verließ die Krankenstation in Richtung Kontrollraum.
In Begleitung von zwei Soldaten, die darauf achteten, dass sie nicht wieder einen ihrer unerlaubten und unangekündigten Streifzüge machte.

Im Kontrollraum standen bereits Rodney, Teyla und Ronon und warteten auf den Colonel, der noch oben im Besprechungsraum etwas erledigen wollte, als Alexa aus der Krankenstation kam.

„Sie brechen schon zu Ihrer Erkundungstour auf?”, fragte sie.

„Ja, warten nur noch auf Sheppard”, antwortete Ronon.

„Wie geht es Ihnen? War alles in Ordnung bei der Untersuchung?”, fragte Teyla.

Teyla schien von Anfang an einen gewissen Draht zu der Antikerin zu haben und glaubte, sich gut mir ihr zu verstehen. Es war nur schade, nicht mehr über sie erfahren zu können. Daher versuchte sie immer wieder in Gespräche mit ihr zu kommen, um vielleicht mehr aus ihr hervorlocken zu können. Ebenso war es auch möglich, dass durch diese Gespräche wieder das Erinnerungsvermögen zurückkehrte.

An das, was damals passiert war, als die Antiker auf dem Kriegsschiff Tria überraschenderweise zurück gekommen waren, hatte sie gar nicht mehr so oft gedacht. Bis vor kurzem, als sie die Kapsel fanden. An die Möglichkeit, dass Alexa sie alle wieder nach Hause schicken könnte, wollte sie auch nicht denken. Eher hoffte sie darauf, dass es endlich jemanden geben würde, der ihnen im Kampf gegen die Wraith und andere Feinde half.

„Ja, es ist alles in Ordnung, danke”, antwortete Alexa lächelnd.

„ Nun, äh … ich würde Zelenka gerne damit beauftragen mehr über Ihre Kapsel in Erfahrung zu bringen. Ohne sie zu öffnen, natürlich. Es würde mich sehr interessieren, was für eine Technologie verwendet wurde, um Sie in eine über zehntausend Jahre lange Stase versetzen zu können, ohne dass Sie währenddessen erheblich gealtert sind.”

Rodney war immer noch sehr enttäuscht über die Tatsache, dass man ausgerechnet ihm verbot, die Kapsel auseinander zunehmen. Aber immerhin konnte man doch noch andere Untersuchungen und Tests machen. Hoffte er zumindest.
Die junge Antikerin nickte und man konnte fast ein kleines Lächeln wahrnehmen.

„Einverstanden, Doktor. Wenn Sie neue Informationen haben, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese ebenfalls mitteilen.”

Rodney blinzelte überrascht. „Wie, Sie wissen es selbst nicht? Aber wieso-”

„Doktor McKay, wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen gerne erklären“, beruhigte sie ihn.

„Aber Sie wollen uns auch nicht sagen, was da noch drin ist”, stieß es aus McKay hervor.

„Den Grund dafür habe ich Ihnen doch schon gesagt: Ich weiß es selbst nicht so genau. Ich habe nur einen Verdacht. Und daher möchte ich aus reinen Sicherheitsgründen nicht, dass sie geöffnet wird. Sie können weiter forschen, aber nicht mehr.”

„McKay, haben Sie sich immer noch nicht eingekriegt?”, meinte John, als er die Treppe hinabstieg und sich zu seinem Team gesellte. „Oder belästigt er Sie?”, wandte er sich humorvoll an Alexa.

„Nein, ich habe ihn nur darum gebeten, mir ebenfalls neue Informationen über die Kapsel zu geben, wenn er etwas erfahren sollte. Das ist alles.”

John nickte und Rodney gab Zelenka, der oben im Kontrollraum stand, das Zeichen sich wieder an die Arbeit zu machen.

„Ist sonst alles klar? Alles in Ordnung oder haben die Untersuchungen neues zu Tage gefördert?“

„Alles bestens, Colonel, danke. Und nein, nichts neues”

Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, stand Alexa vor dem Team und beobachtete sie bei ihren letzten Vorbereitungen und sah sich die Ausrüstung der Menschen genauer an.
Die schwarze Uniformen, sogar Jacken aus Leder, darüber eine Art Schutzweste mit viel Stauraum für andere diverse Utensilien, Messer, Handfeuerwaffen und eine größere Projektilwaffe. Nur Ronon schien eine andere Art von Kleidung und Waffen zu bevorzugen. Doktor McKay war noch zusätzlich mit einem Computer und kleineren Messgeräten ausgerüstet. Es komplettierte das Bild eines typischen Forschers und Wissenschaftlers.

Auf eine merkwürdige Art und Weise kam ihr alles irgendwie bekannt vor. Sie kannte zwar die Waffen nicht, auch wenn die Messer und Ronons Schwert am wenigsten befremdlich auf sie wirkten, aber irgendwie hatte sie einen seltsamen Drang mit auf diese Mission gehen zu wollen. John rief sie wieder aus ihren Gedanken.

„Hören Sie, da ich nicht genau weiß, wie lange wir weg sein werden, man weiß ja nie, habe ich Ihnen unsere Geschichtsdatenbank bereitgestellt. Unser Techniker Chuck wird Ihnen gerne erklären, wie der Computer zu bedienen ist. Und wenn wir dann zurück sind, können wir uns gerne unterhalten.”

„Einverstanden”, gab Alexa lächelnd und it einem leichten Nicken zurück. „Viel Glück bei Ihrer Mission.

John wandte sich nach oben an Chuck und gab das Signal, das Tor anzuwählen. Die Symbole waren schnell eingegeben und das Tor etablierte ein Wurmloch. Das Team machte sich auf den Weg.

Alexa sah ihnen noch hinterher, wie sie durch das Gate verschwanden, richtete dann ihren Blick nach oben zum Kontrollraum und entdeckte dort Woolsey, der ebenfalls dem Team hinterher schaute.

 

Dolan

Als sie auf dem Planeten ankamen, sahen sie etwa hundert Meter weiter eine kleine Siedlung. Ein kleiner Spaziergang und sie waren mitten auf dem Dorfplatz. Keine Menschenseele war zu sehen oder zu hören.

“Hallo?!”, rief Sheppard. Die Atmosphäre glich einer Geisterstadt.

Ist jemand hier?!”, rief John wieder. Ronon sah sich alles genau an. Dabei hatte er seine Waffe auf Betäuben gestellt.

“Nichts deutet auf die Wraith hin. Als ob sie einfach gegangen wären.”

Teyla erkannte den größten Teil der Stadt wieder, bis auf einige neue Gebäude. Die Dolaner, so hieß das Volk, hatten wohl einige große Sprünge in ihrer Entwicklung gemacht. Die älteren Gebäude bestanden hauptsächlich aus Lehm und Holz mit Strohdächern.

“Hallo?!”, rief diesmal Teyla.

“Ich bin es. Teyla Emmagan von Athos. Ihr braucht euch nicht zu fürchten. Ich habe Freunde mitgebracht!”

Es vergingen einige Minuten, bis plötzlich eine Regung auszumachen war. In Sekundenschnelle stürmten etwa 20 bewaffnete Männer aus ihrem Versteck und umzingelten sie.

“Lasst die Waffen fallen! Sofort!”, rief einer aus der Gruppe.

“Ich denke nicht”, sagte John.

“Hören Sie, wir wollen Niemandem schaden. Wir sind Forscher”, meldete sich nun auch Rodney zu Wort.

“Egan?”, fragte Teyla den Anführer.

“Erkennst du mich denn nicht mehr? Ich bin es, Egan. Teyla. Teyla Emmagan von Athos.”

“Ich erkenne dich sehr wohl. Ich weiß, wer du bist. Und was du getan hast.” Egan richtete nun seine Waffe direkt auf Teyla.

“Was ich getan habe?”, fragte sie irritiert.

“Woah. Jetzt mal langsam Jungs!” Sheppard versuchte die Situation zu entschärfen, bevor sie noch in ein Feuergefecht gerieten.

Die Tatsache, umzingelt von zwanzig bewaffneten Männern zu sein, ließ nicht gerade viele Optionen zu. Wenn sie ihr Feuer eröffnen würden, wären sie in Sekundenschnelle tot. Auch wenn die Waffen ihrer potenziellen Feinde im Gegensatz zu ihren primitiv wirkten, wer wusste schon, was sie damit anrichten konnten. Außerdem waren sie eindeutig in der Überzahl.

“Teyla?”, wandte sich Sheppard an sie, ohne den Blick von seinen Gegnern zu nehmen.

“Ich weiß nicht, was er meint, Colonel.” Auch Teyla wendete den Blick nicht ab.

“Natürlich”, spottete Egan.

“Du hast uns die Wraith gebracht. Wegen Dir ist fast unser gesamtes Dorf vernichtet worden. Dutzende starben!” Teyla schüttelte ungläubig den Kopf.

“Warum hätte sie das tun sollen?”, fragte Ronon.

“Vor allem, wie?”, fragte McKay.

“Vor einigen Jahren wollten wir nach Athos. Um mit euch zu handeln. Aber wir fanden nur Zerstörung. Niemand war mehr da. Als wir zurückkamen, dauerte es nicht lange und die Wraith kamen. Sie haben viele unserer Leute geholt und mit ihren Schiffen alles zerstört.
Es war uns sofort klar, dass ihr sie auf uns aufmerksam gemacht habt. Du hast uns an sie verraten”, erklärte Egan voller Hass und Wut.

“Das ist nicht wahr. Wir wurden selbst von ihnen angegriffen und mussten fliehen”, verteidigte sich Teyla.

“Lügen! Ihr werdet dafür bestraft werden.”

“Immer mit der Ruhe. Wieso setzen wir uns nicht zusammen und reden in aller Ruhe darüber. Ich denke das ist wohl alles nur ein großes Missverständnis. Wir sind doch zivilisierte Menschen. Es wird sich mit Sicherheit alles aufklären.” Sheppard versuchte nach wie vor, die Leute zu beruhigen.

“Reden ist zwecklos. Ihr werdet bestraft.”

Egan gab nur einen kleinen Befehl und seine Männer schossen mit Betäubungspfeilen auf Sheppard und sein Team.
Keine zwei Sekunden später sanken alle bewusstlos zu Boden, ohne auch nur die geringste Chance auf Verteidigung.

 

Atlantis

Nachdem Chuck ihr erklärt hatte, wie sie den Computer bedienen konnte, saß sie etwa 3 Stunden am Rechner und versuchte die letzten dreizehntausend Jahre Revue passieren zu lassen.

Die zwei Soldaten standen immer noch ca. 1 Meter hinter ihr und gaben keinen Mucks von sich. Ihre Augen fingen schon an, zu tränen. So sehr hatte sie die ganze Zeit den Bildschirm angestarrt, dass sie jetzt eine kleine Pause brauchte. Alexa rieb sich die Augen, stand auf und ging zu einem der Balkone. Die Soldaten folgten.

Eine Zeit lang stand sie dort und genoss die warmen Sonnenstrahlen in ihrem Gesicht. Tief atmete sie die frische Meeresluft ein. Sie ließ den Blick runter zur Stadt gleiten und musste lächeln.

-Zumindest kann ich mich daran erinnern, hier gewesen zu sein. Sie sieht noch genauso schön aus wie damals.-

“Machen Sie eine Pause?” Vor ein paar Sekunden hatte sie schon bemerkte, dass sich Woolsey dem Balkon näherte, ohne ihn zu sehen. Es war ebenso ein merkwürdiges Gefühl wie das vorhin im Gateraum.

“Ja, ich brauche frische Luft.” Wieder antwortete sie mit einem Lächeln. Woolsey nickte und wollte ein Gespräch beginnen.

“Es ist ein wunderbarer Ausblick, nicht war?” Jetzt war es an Alexa, zu nicken.

“So ähnlich habe ich es in Erinnerung.”

“Dann kann ich annehmen, dass Ihr Erinnerungsvermögen wiederkehrt.” Es war mehr eine Hoffnung als eine Annahme.

“Das eine oder andere, ja”. Nach einiger Zeit brach Alexa erneut das Schweigen.

“Zumindest habe ich den einen oder anderen Verdacht, was mich betrifft. Leider ist nichts in der Datenbank über mich. Ich habe sie rauf und runter durchsucht, aber nichts gefunden, was mir auch nur den kleinsten Hinweis auf meine Herkunft oder die Gründe für meine Stase gibt.”

“Wie kommen sie dann zu einem Verdacht?” Woolsey empfand schon so etwas wie Mitleid mit ihr.

“Es sind immer die gleichen Bilder, die sich in meinem Kopf abspielen. Hin und wieder kommen neue dazu, aber ein großer Unterschied zu den anderen besteht nicht.”

“Was sind das für Bilder?” Wieder versuchte Woolsey, Informationen aus ihr rauszubringen. Sie schüttelte unsicher den Kopf.

“Ich bin mir selbst noch nicht sicher, Mister Woolsey. Tut mir leid.” Einige Augenblicke später lud Woolsey die Antikerin zum Mittagessen ein.

Nach dem Essen wollte Alexa ein bisschen durch die Stadt spazieren. Woolsey gab den beiden Wachen die Anweisung sie nicht aus den Augen zu lassen und dafür zu sorgen, dass sie keine Hochsicherheitsbereiche betrat.

Als sie durch den Gang vor den Personalquartieren ging, kam ihr Major Lorne entgegen.
Nach einer Frage, ob sie in ihr Quartier gehen wolle, oder ob sie schon zu Mittag gegessen habe, bot er ihr an sie bei ihrem Spaziergang zu begleiten. Alexa war das gerade Recht. Vieles in der Stadt kam ihr noch fremd vor und daher war sie froh jemanden an ihrer Seite zu haben, der ihr das eine oder andere erklären konnte.

Die beiden Soldaten, die sie begleiteten, gehörten nicht gerade zu den gesprächigsten Personen. Aber auch Lorne durfte nicht allzu viel Preis geben. Die Themen beschränkten sich meist auf die Ereignisse ihrer Ankunft und die Problematik, für alle Wissenschaftsbereiche die passenden Labore zu finden und einzurichten. Ebenso über die anfänglichen Reibereien über die Einteilung der Personalquartiere. Den einen oder anderen Spruch verstand die Antikerin wieder mal nicht. Manchmal waren auch einzelne Wörter dabei, die der Major ihr hatte erklären müssen. Lorne versuchte, sie immer wieder durch humorvolle Formulierungen und Pointen zum Lachen zu bringen. Im Großen und Ganzen gelang es ihm auch.

Wahrscheinlich dachte er sich, dass eine entsprechende Atmosphäre und Umgebung die Antikerin entspannte und sie somit schneller wieder ihr Gedächtnis finden würde.
Eine ganze Weile gingen sie durch Gänge, Flure, Räume und blieben gelegentlich an einem der Balkone stehen.

Mehrere Stunden waren vergangen, als sie an einem Pier ankamen, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die zentrale Stadt hatte.
Lorne betrachtete Alexa, wie sie am Geländer stand und sich die Stadt ansah. Sekunden später schloss sie die Augen und der Wind wehte durch ihre langen Haare. Dann durchbrach er die Stille.

“In meiner Freizeit stehe ich oft hier und male. Hauptsächlich Bilder von der Stadt. Es ist einfach der schönste Ort. Und dazu noch der ruhigste.”

“Das sind Ihre Bilder, die in einigen Räumen hängen?”, fragte sie mit Begeisterung.

“Ja. Einigen Leuten haben sie offenbar so gut gefallen, dass sie unbedingt eins haben wollten. Und da ich so viele hatte, habe ich die restlichen in den Fluren und Räumen verteilt.” Alexa war beeindruckt und dennoch weckte sich in ihr eine Neugier.

“Sie haben eine ausgeprägte künstlerische Begabung. Warum haben Sie es nicht zu Ihrer Haupttätigkeit gemacht?”, fragte sie. Lorne verzog kurz die Mundwinkel und blickte wieder auf die Stadt.

“Ich wollte meinem Land auf andere Weise dienen. Außerdem fliege ich sehr gerne. Genauso wie Col. Sheppard. Also entschied ich mich, zur Air Force zu gehen.” Alexa nickte kurz. Doch die Neugier ließ sie nicht los.

“Was genau ist das? Air Force?” Major Lorne überlegte kurz, wie er es ihr erklären konnte.

“Die Air Force ist die Luftwaffe der Vereinigten Staaten von Amerika. Einem Land auf unserem Planeten, der Erde.”

“Dann haben Sie noch mehr Militärische … wie soll ich sagen?” Lorne nickte wieder kurz.

“Ja. Es gibt die Luftwaffe, Marine, Army und andere Einrichtungen. Aber dazu können wir Ihnen ein andermal mehr erzählen. Ich würde Ihnen gerne noch mehr zeigen.” Lorne wollte eigentlich nicht so viel ausplaudern.

-Aber vielleicht hilft es ihr ja.- dachte er sich.

Während sie auf dem Weg zur Sporthalle waren, war die Antikerin sehr ruhig und nachdenklich geworden.

„Hier haben wir uns unseren Sport-, Trainings- und Fitnessbereich eingerichtet.”

Alexa sah sich die merkwürdigen Geräte und Ausrüstungen an und fragte sich, wie man mit solchen Geräten wohl trainieren könne. Vor allem, was damit trainiert wurde. Als sie zur Fensterbank blickte, entdeckte sie zahlreiche Stöcke und Stäbe.

„Colonel Sheppard, Teyla und Ronon trainieren sehr oft damit”, antwortete er, als er sah, dass sie ein paar kleine Stöcke in die Hand nahm. Lorne machte es ihr gleich und nahm ebenfalls zwei in die Hand.

„Wenn Sie wollen, zeige ich es Ihnen.” Er ging zur Mitte des Raumes und brachte sie in die richtige Position.

„Ich weiß nicht so recht.” Alexa wurde etwas merkwürdig zumute. Irgendwie kam ihr etwas vertraut vor. Aber sie wusste weder was es war noch warum.

„Ach, kommen Sie. Wir werden ganz langsam beginnen. Nur ein paar leichte Schläge. Parieren und Schlagen. Ganz einfach.” In ihrem Inneren war Etwas, dass sie geradezu dazu drängte, es zu versuchen. Nach kurzer Überlegung ging sie auf Major Lorne zu und nahm die gleiche Haltung ein wie er.

„Bereit?”, fragte er. Alexa nickte. Sehr langsam und vorsichtig schlug er gegen ihren rechten Stock. Alexa hob den linken, um den nächsten Schlag abzufangen.

So ging es einige Sekunden immer abwechselnd voran, bis Alexa den Rhythmus herausfand und nun selbst in die Angreiferrolle schlüpfte. Die gleichen Bewegungen, nur war es diesmal Major Lorne, der parierte.

Während die beiden langsam aber sicher immer schneller wurden und auch etwas härter zuschlugen, verstärkte sich der Griff der beiden Soldaten um ihre Waffen. Sie bewachten Alexa noch immer und folgten ihr. Offensichtlich waren sie sich der ganzen Szenerie, die sich ihnen bot nicht völlig sicher und waren daher bereit in Sekundenschnelle einzugreifen, wenn die Situation es erfordern würde. Es vergingen einige Minuten, bis Alexa sich traute eine Drehung zu machen, um Lornes nächsten Schlag abzuwehren. Sie hob ihren rechten Arm nach oben und hinderte ihn somit sie zu treffen.

„Sie lernen schnell. Sind sie sicher, das Sie das nicht schon früher gemacht haben?”, fragte er erstaunt. Alexa lächelte nur.

Natürlich hatte sie längst bemerkt, dass es ihr bekannt vorkam. Aber es war wie immer nicht mehr als ein Gefühl. Dennoch ging ihr ein bestimmter Verdacht nicht mehr aus dem Sinn. Viele Möglichkeiten waren ihr im Kopf rumgespukt. Und jede einzelne versuchte sie in Betracht zu ziehen. Aber zu keiner einzigen hatte sie so starke Empfindungen und Reaktionen, wie in diesem Moment. Trotzdem war sie sich nicht sicher.

„Ich habe keine Ahnung”, antwortete sie, nachdem sie die Stöcke wieder herunternahm.

„Ich denke, Sie werden bald wieder die Alte sein”, versuchte Lorne sie zu trösten.

„Nicht dass Sie alt wären oder so!… Ich meinte nur, dass Sie bald wieder…Ich dachte nur, weil Sie so lange in Stase….Ich wollte bestimmt nicht sagen, dass Sie…”

„Ich denke, ich weiß, was Sie meinen, Major.” Sie schaffte es mit Müh und Not ein riesiges Grinsen zu vermeiden, aber nicht ein umwerfendes Lächeln zurück zu halten. Auch Lorne musste etwas lächeln.

-Mann, da wäre ich nie wieder raus gekommen- dachte er sich.

Eine Stimme war durch die Lautsprecher in der ganzen Stadt zu hören. “Major Lorne bitte im Kontrollraum melden. Major Lorne bitte zum Kontrollraum.” Lorne griff an sein Head-Set und bestätigte, dass er gleich da sei.

„Entschuldigung, die Pflicht ruft. Finden Sie allein zurück oder…?”

„Ich werde Sie bis zum Besprechungsraum begleiten, wenn Sie einverstanden sind. Ich möchte noch in der Geschichte ihres Planeten forschen”, folgte als Antwort von ihr. Lorne und Alexa machten sich auf den Weg, mit den beiden Soldaten hinter ihnen.

Wieder saß sie schon einige Stunden am Computer und las alles Mögliche über die Geschichte der Menschen. Von der Entstehung der Erde, bis hin zum Mittelalter hatte sie alles regelrecht in sich aufgesaugt. Nun wollte sie versuchen, die nachkommenden Jahre nach möglichen Hinweisen auf die Existenz ihres Volkes zu durchsuchen. Bisher hatte sie kein Wort gefunden, das ihr etwas sagte. Kein Name, kein Datum, kein Ereignis, keine Personen. Nichts.

Das Atlantis einst auf der Erde gewesen war, bevor man mit der Stadt in die Pegasus Galaxie aufgebrochen war, wusste sie nicht. Oder nicht mehr. Es wurde aus Sicherheitsgründen nicht in den Geschichtsdaten erwähnt. Nichts über Atlantis oder ihr Volk war zu finden.

Wieder nagte die Ungewissheit an ihr. Hinzu kam noch, dass sie immer frustrierter wurde. Nicht mehr lange und sie würde wütend werden. Allerdings wusste sie, dass sie das auch nicht weiterbrachte.

Auf der anderen Seite war immer noch ihr Verdacht da. Immer wieder musste sie sich eingestehen, dass es Komponenten in ihrer These gab, die absolut keinen Sinn ergaben. Zum Beispiel die Tatsache, dass sie in der Antikerdatenbank nicht verzeichnet war. Oder das ihr einige Dinge dennoch recht vertraut vorkamen, obwohl sie diese erst jetzt zum ersten Mal sah.

Minutenlang beobachtete sie den Kontrollraum. Das emsige Treiben der Techniker und Wissenschaftler. Mr. Woolsey, der sich immer wieder nach etwas erkundigte. Soldaten, die die Treppe auf und abgingen.

Allmählich fragte sie sich, ob diese Menschen denn keine Familie hatten. Oder diese auf der Erde waren. Vermissten sie sie denn nicht? Oder können sie sie regelmäßig besuchen?

Es dauerte daher nicht lange, bis sie an ihre eigene Familie denken musste. Dumm nur, das sie nichts mehr darüber wusste. Wer waren ihre Eltern? Hatte sie Geschwister? Wie sahen Sie aus? Was war mit Ihnen passiert? Alexa wollte nicht mehr weiter denken.
Sie war müde und die Kopfschmerzen kamen langsam aber sicher zurück. Vorsichtig massierte sie sich die Schläfen und stöhnte, als sie merkte, dass es nicht half.

„Miss, ist alles in Ordnung?”, fragte einer der Soldaten, die hinter ihr standen.

„Ja. Ich bin nur müde. Ich denke ich werde in mein Quartier gehen und mich ausruhen.” Der Soldat nickte. Alexa schaltete den Computer aus und machte sich auf den Weg zu ihrem Quartier.

 

Dolan

John und sein Team waren nun schon seit Stunden auf dem Planeten gefangen. Mit Müh und Not haben sie es geschafft, am Leben zu bleiben. Vorläufig.

-Wem kann man das verdenken? Bei den Wraith und all den anderen Dingen, die es in dieser Galaxie gibt-, dachte sich John.

Durch die Betäubungspfeile waren sie mehrere Stunden bewusstlos. Man hatte ihnen ihre Ausrüstung und Waffen abgenommen und sie in eine Zelle gesperrt.
Rodney versuchte schon eine geraume Zeit lang, einen Weg aus der Zelle zu finden. Bis jetzt erfolglos. Selbst Ronons Rütteln und Zerren und Treten gegen die Gitterstäbe brachte nichts zu Tage.

Jeder versuchte, einen Weg aus der Zelle zu finden. Und jeder hatte wahnsinnige Kopfschmerzen von der Betäubung. Aber keiner beschwerte sich darüber. Mit Ausnahme von Rodney natürlich. John und die anderen seines Teams wünschten sich beinahe, das Rodneys Betäubung doch noch etwas länger hätte halten sollen.

Sie wussten nicht, wie viel Zeit vergangen war. Man hatte ihnen auch die Uhren abgenommen. Aber John konnte aus dem Fenster sehen, das einige Stunden verstrichen sein mussten, denn die Sonne ging schon langsam unter.

„Na schön, es wird langsam dunkel. Wird Zeit, dass sich Atlantis meldet”, sagte John.

„Was nützt uns das?”, fragte Rodney zickig. “Wir haben unsere Funkgeräte nicht mehr.”

„Ja. Aber auf diese Art und Weise merken unsere Leute, das etwas nicht stimmt und schicken Verstärkung.”

John fragte sich gerade, wie Rodney das vergessen konnte. Schließlich war er schon seit Jahren mit John und den anderen auf Missionen. Und er musste doch so langsam aber sicher das Protokoll für solche und andere Fälle kennen.

-Vielleicht hat er größere Schmerzen, als ich dachte. Oder er konzentriert sich eher auf unsere Fluchtmöglichkeiten-, dachte sich John, während er weiter aus dem Fenster blickte, um etwas zu erkennen, das wie Hilfe aussah.

Es verging noch eine weitere halbe Stunde, als die Dolaner Major Lorne und sein Team in die Zelle brachten. Ebenfalls durch Betäubungspfeile außer Gefecht gesetzt.

Teyla lief sofort zu den Männern, um nachzusehen, ob sie noch andere Verletzungen hatten. Sie waren nur ohnmächtig.

„Wir haben durch eure Kommunikationsgeräte erfahren, dass sie kommen werden. Wie viele von euch gibt es noch?”, fragte Egan.

„Hunderte.” Sheppard wollte ihn einschüchtern. “Sie werden nicht aufgeben, uns zu finden und zurückzubringen.”

„Eure Leute werden euch nicht helfen können. Wir haben uns sehr gut vorbereitet. Wir haben einige Waffen, die großen Schaden anrichten können. Ihr habt keine Chance.”

“Hören Sie, wir hatten niemals die Absicht Ihnen auf irgendeine Weise zu schaden. Teyla und Ihre Leute mussten doch selbst vor den Wraith fliehen. Sie haben sich uns angeschlossen und helfen uns im Kampf gegen die Wraith. Das können Sie auch. Es ist noch nicht zu spät”, redete John auf Egan ein. Es brachte nichts.

„Doch, das ist es. Ihr habt die Wraith geweckt. Durch ihre Flucht in die Stadt der Vorfahren wurden die Wraith auf uns aufmerksam. Das kann ich nicht so hinnehmen. Ihr werdet dafür bezahlen.” Egan war regelrecht fanatisch und ließ sich nicht davon abbringen.

„Egan, das ist doch Wahnsinn. Warum hätten wir euch verraten sollen? Wir waren doch immer gute Handelspartner. Und Freunde. Es tut mir sehr Leid um deine Leute, aber wir haben nichts getan. In der Stadt der Vorfahren wären du und deine Leute in Sicherheit. Wir leben dort schon seit vielen Jahren”, sagte Teyla. Egan schüttelte nur mit dem Kopf.

„Ihr habt soeben gestanden, das ihr aus der Stadt kommt und für das, was geschehen ist, verantwortlich seid. Niemand ist es gestattet, die Stadt der Vorfahren zu betreten außer den Vorfahren selbst. Wenn diese wieder zurückkehren, werden sie uns von dem Übel befreien. Ihr dagegen werdet hingerichtet.”

Rodneys Augen wurden immer größer und sein Unterkiefer fiel in Richtung Boden.

John überlegte sich ernsthaft, ob er diesen Leuten sagen sollte, dass sie eine Antikerin in Atlantis hätten. Es war einen Versuch wert. Er schaltete sich wieder ein.

„Hören Sie, was ist, wenn wir Ihnen sagen, dass wir eine Antikerin bei uns in der Stadt haben?”

„Sie lügen.” Egan wurde unsicher.

„Es ist die Wahrheit. Kommen Sie mit uns und wir zeigen es Ihnen. Wir können Ihnen auch

auf andere Weise helfen. Nahrung, Medizin und was sonst noch”, meinte Rodney und fasste mal wieder seinen gesamten Mut zusammen. Was könnte ihm denn hier in der Zelle passieren? Abgesehen von den Betäubungspfeilen. Als er daran dachte, schloss er sein Mundwerk wieder.

„Es ist ein Trick. Ihr wollt uns auseinander bringen und uns somit schwächen”, widersprach Egan.

Sheppard verlor bald die Nerven. “Herr Gott noch mal! Warum sollten wir das tun?”

Einige Sekunden vergingen, als sich Major Lorne meldete. Er war vor einigen Minuten wieder aufgewacht.

„Ein Vorschlag. Ein Teil von uns begleitet Sie in unsere Stadt, während die anderen zur Sicherheit hier bleiben. Es wäre für beide Seiten fair.” Egan überlegte kurz.

„Wenn es tatsächlich eine Vorfahrin bei euch geben würde, wäre sie mit euch gekommen. Ihr seid so armselig.”

-Jetzt reicht´s mir!-, dachte sich Sheppard.

„Schön, dann lassen Sie’s. Glauben Sie es oder glauben Sie es nicht. Aber eines werde ich Ihnen versprechen. Da wo wir herkommen, haben wir größere und mächtigere Waffen, als ihr es euch vorstellen könnt. Ebenso haben wir auch Schiffe. Und es wäre unseren Leuten nur ein allzu großes Vergnügen euer Dorf hier gehörig hochgehen zu lassen. Es wäre besser für euch, uns freizulassen.”

„Wenn ihr erst mal tot seid, werden eure Leichen verbrannt. Es wird keine Spur mehr von euch geben. Eure Leute … werden nie erfahren, was passiert ist.” Egan hatte ein diabolisches Grinsen im Gesicht.

„Sie werden es herausfinden. Und wenn unsere Leute mit euch fertig sind, vergeht dir schon noch das Grinsen”, drohte Ronon. Egan betrachtete die Gefangenen und fing an zu lachen.

„Du hast dich sehr verändert, Egan. Früher warst du ein äußerst friedlicher Mensch, der niemals eine Waffe angerührt hatte. Und jetzt? Jetzt bist du zu einem Mörder geworden.” Teyla hatte fast Mitleid mit Egan.

All diese Geschehnisse hatten ihn derart verändert. Er war das glatte Gegenteil von früher. Egan betrachtete Teyla einen Augenblick lang. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

„Ihr werdet morgen am Mittag hingerichtet.” Er drehte sich um und verließ das Gefängnis. Teyla und die anderen starrten ihm sprachlos hinterher.

Mittlerweile war es spät in der Nacht. Sie versuchten, schon seit Stunden aus dem Gefängnis zu kommen. Die Gitterstäbe waren einfach zu dick. Die Mauern ebenfalls. Sie hatten nichts, womit sie graben konnten oder Ähnliches. Also redeten sie über Pläne, die sie ausführen könnten, wenn sie zu ihrer Hinrichtung abgeholt werden sollten. Nach einiger Zeit einigte man sich auf einen. Rodney hat sich zwischenzeitlich in eine Ecke zurückgezogen und versuchte zu schlafen. Was aber durch seine Angst und Nervosität zum scheitern verurteilt war.

„Ob Woolsey noch ein Team schickt?”, fragte Lorne.

„Hm. Ich hoffe es und hoffe es nicht”, sagte John. Lorne hatte verstanden. Einerseits bestand die Möglichkeit, dass sie doch noch hier rausgeholt werden konnten. Andererseits befürchtete John, dass es bald eine Massenhinrichtung geben würde. Wieder vergingen einige Augenblicke, bis Rodney sich meldete.

„Was ist eigentlich mit unserer Antikerin?”

„Ihr geht’s gut. Sie versucht sich selbst zu finden”, witzelte Lorne. “Sie durchforstet fleißig die Datenbank.”

„Hat sie schon was rausgefunden, bevor Sie herkamen?”, fragte Teyla.

„Nicht viel. Aber sie sagte, dass sie nahe dran ist. Sie habe den einen oder anderen Verdacht”, zitierte Lorne Alexa.

„Tja. Schade. Wir werden wohl nie erfahren, wer sie wirklich ist und woher sie kommt. Vor allem die Technologie dieser Kapsel wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Zelenka wird es nie rausfinden. Er ist einfach nicht so qualifiziert.” Auch Rodney konnte in dieser Situation nicht auf sein Gemeckere verzichten. Alle blickten ihn genervt an und verdrehten die Augen.

„Ich denke, wir sollten uns ausruhen, damit wir morgen fit sind und in diesem Laden mal ein bisschen Dampf machen können.” John versuchte sich so bequem, wie möglich auf den harten Boden zu legen. Alle anderen taten es ihm gleich. Außer Lorne.

„Ich bleibe wach, Sir. Vielleicht …”

„Ja”, sagte John. “Hoffen wir’s.”

Jeder hatte nach wie vor Hoffnung aus dieser Sache noch herauszukommen. Lebend. Ohne Kämpfe und Blutvergießen. Und Hinrichtung.

 

Atlantis

Es war früh am Morgen, als Alexa aus einem Albtraum erwachte. Schweißgebadet und keuchend lag sie mit weit aufgerissenen Augen in ihrem Bett und versuchte das eben Geträumte zu deuten.
Laufen. Schüsse. Kämpfe. Schreie. Explosionen. Personen. Gesichter. Computer. Maschinen. Geräte. Waffen.
All das spukte ihr immer wieder im Kopf herum. Ihr Verdacht erhärtete sich immer mehr.

Nur warum sie jetzt hier war, wusste sie immer noch nicht. Nachdem sie einige Zeit brauchte, um sich wieder zu beruhigen, stand sie auf, ging auf ihren kleinen Balkon und sah die Sonne aufgehen. Danach ging sie ins Badezimmer und duschte.

Ein Frühstück und einen Spaziergang durch einige Bereiche der Stadt später, kam sie im Kontrollraum an. Die Stimmung des dort anwesenden Personals war irgendwie gedrückt. Dennoch waren alle hektisch und vertieft in ihre Arbeit. Alexa sah zu Woolsey ins Büro. Er unterhielt sich mit einem der Soldaten. Sie konnte einige Fetzen der Unterhaltung mitbekommen.

„… das Risiko ist zu groß. Wir sollten warten, bis die Deadalus oder die Apollo hier ist. Dann können wir mit … und unsere …”

„…Könnte es zu spät sein …” Mehr konnte Alexa nicht verstehen. Plötzlich sah sie Zelenka die Treppe heraufkommen.

„Oh, Miss Thalis. Hallo … Wie äh …So früh auf? Wie haben Sie geschlafen?”, fragte er nervös.

„Ganz gut”, antwortete sie in Gedanken versunken. Von ihren Albträumen sagte sie nichts. „Dr. Zelenka, richtig?”, fragte sie nach.

„Äh, ja.”

„Doktor, was ist passiert?”, wollte sie wissen.

„Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so genau”, antwortete der Tscheche. Zelenka sah, wie Alexa zum Büro von Woolsey rüberblickte. Nach ein paar Sekunden wandte er sich ihr wieder zu.

„Aber ich kann’s rausfinden.”

Damit verließ er Alexa und machte sich auf den Weg zu Woolsey. Alexa hielt sich im Hintergrund und beobachtete weiterhin die Kommandozentrale und die Personen. Mit verschränkten Armen stand sie an einer Wand. Die Soldaten, die sie auch gestern begleitet hatten, standen etwas mehr als einen Meter neben ihr. Während der Nacht hatten zwei andere Soldaten vor Ihrem Quartier Wache gehalten. Fünf Minuten später kam Dr. Zelenka zurück und ging zu Alexa.

„Es gibt wohl ein Problem auf Dolan. Dem Planeten, zu dem Colonel Sheppard und sein Team gestern aufgebrochen sind. Sie sind bis jetzt nicht zurück. Und wir können keinen Funkkontakt zu ihnen herstellen. Wir haben gestern Mittag schon Major Lorne und ein Rettungsteam hingeschickt, um nachzusehen. Aber von ihm fehlt jetzt auch jede Spur. Es scheint so, als ob sie von den Bewohnern gefangen genommen wurden. Sie diskutieren gerade darüber, eine weitere Rettungsmission zu starten.”

„Wie kommen Sie darauf, dass man sie gefangen genommen hat?”, fragte Alexa.

„Wir haben ein M.A.L.P. dort hingeschickt. Die Bewohner sahen ein bisschen…wie soll ich sagen. … ein bisschen nach Rebellen aus. Starke Bewaffnung und so.”

Alexa war für einige Sekunden geschockt. Dann allerdings kam es ihr so vor, als klingelte etwas in Ihrem Inneren. Nein. Es war wie ein Alarm. Wieder kam dieses vertraute Gefühl in ihr hoch.

-Rettungsmission.-

„Nur keine Sorge. Das kriegen wir hin. Ist nicht das erste Mal, das so etwas passiert.” Zelenka versuchte, sie zu beruhigen.

„Was ist ein MALP?”, fragte sie. Radek musste sich erst erinnern, das die Antiker so etwas ja nicht hatten.

„Es ist eine Art Maschine …ein Roboter … den wir durch das Tor schicken, um zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Es überträgt Audio und Videosignal und kann bestimmte Messungen durchführen.”

“Verstehe.”

Sie beobachtete den Soldaten in Woolseys Büro und auch die zwei, die neben ihr standen. Plötzlich platzte der Knoten. Ihr Verdacht bestätigte sich. Mit einem Mal war ihr alles klar.

“Dr. Zelenka, wie weit sind Sie eigentlich mit der Kapsel?”, fragte sie.

“Ich, äh … Na ja, wir haben ein paar Scans machen können, aber haben bis jetzt nicht viel neues zu berichten.” Alexa nickte.

-Dann wird es jetzt wohl Zeit. Aber alleine schaffe ich es nicht.-

„Dr. Zelenka. Ich würde gerne zu meiner Kapsel gehen. Ich … ich denke, ich könnte sie öffnen.”

„Jetzt? Ich meine, wollen wir denn nicht warten, bis Rodney wieder da ist. Er wäre sicher gerne dabei, wenn …” Zelenka war etwas perplex.

„Nein. Jetzt. Dr. McKay hat bestimmt genug Zeit, sich alles genau anzusehen und zu studieren, wenn er wieder zurück ist.” Alexa drängte den Wissenschaftler fast dazu, mit ihr zum Labor zu gehen.

„Na schön. Folgen Sie mir.”

Radek grinste von einem Ohr zum anderen, als er erkannte, dass er der erste sein würde, der die Kapsel auseinandernehmen durfte. Das Rodney darüber stinksauer sein würde, wochenlang erst gar nicht mit ihm reden und ihn danach zusammen scheißen würde, kam ihm schon in den Sinn. Und genau das trieb ihn an. Er liebte es mittlerweile seinen Boss auf die Palme zu bringen. Auch wenn dieser danach jedes Mal ein Ekel war. Jetzt war es an ihm endlich mal die Lorbeeren zu ernten. Trotzdem machte er sich Sorgen um seinen Kollegen.

Als sie im Labor ankamen, blieb Alexa fast ehrfürchtig vor der Kapsel stehen und betrachtete sie von einem Ende zum anderem.

„Äh … also wie … wie öffnet man sie?”, fragte Zelenka, der mittlerweile auch nervös war.

Nach einigen Sekunden antwortete Alexa. „Sie können es nicht. Sondern nur ich. Sie ist speziell für mich konstruiert worden. Sie erkennt meine Biosignatur und mein Vorhaben …Wenn Sie so wollen.”

„Sie meinen das Ding weiß, wann sie sich reinlegen oder wann Sie sie öffnen wollen?”

„Ja. Sie erkennt mich. Wenn jemand anderes sie nutzen will, würde sie nicht funktionieren.”

„Aber wir haben sie öffnen können und Sie da raus geholt. Wie ging denn das?” Wieder war Radek verdutzt.

„Genau weiß ich das auch nicht. Vielleicht hat die Kapsel irgendwie entdeckt, dass das hier Atlantis ist. Oder es hat etwas mit dem Gen zu tun, das manche von Ihnen haben. Ich denke, das werden Sie schon herausfinden.”

„Oh, darauf gebe ich Ihnen mein Wort.” Wieder strahlte Radek.

„Dann wollen wir mal”, sagte Alexa leise.

Die beiden Soldaten stellten sich Alexa und Radek gegenüber, mit etwa 2 Meter Abstand zur Kapsel. Langsam ließ Alexa eine Hand über die Kapsel fahren. Sie versuchte sich zu erinnern, wo die Stelle war, die sie benutzen musste, um das Fach zu öffnen. Als sie fand, wonach sie suchte, schloss sie kurz die Augen, legte Hand auf die Fläche und man hörte ein kleines Zischen. Das Liegepolster löste sich in Luft auf und man sah einige Gegenstände. Kleidung, Schriften, Kristalle, verschiedene Geräte, die noch nie zuvor jemand gesehen hatte. Alexa nahm alles raus und legte es auf den Tisch, der daneben stand. Auch die beiden Wachen beäugten die Sachen.

Alexa wartete, bis die Soldaten wieder ihre Plätze eingenommen hatten. Auch Zelenka war erstaunt über manch kleine Geräte. Sie berührte noch mal die Fläche. Eine weitere Trennwand entmaterialisierte sich. Diesmal war es genau das, was sich Alexa erhoffte. Blitzschnell griff sie in die Kapsel, zog eine Waffe raus und feuerte auf die beiden Soldaten. Bewusstlos sanken sie zu Boden.

Alexa richtete die Waffe auf Zelenka.”Ich werde Ihnen nichts tun, Doktor. Im Gegenteil. Sie sollen mir helfen.”

„Was haben Sie getan? Sind Sie verrückt geworden?” Radek wurde fast hysterisch.

„Sie sind lediglich bewusstlos. In ein paar Stunden werden sie wieder aufwachen.” Alexa versuchte, ihn zu beruhigen. Radek wollte zu den Männern gehen, um zu sehen, ob sie die Wahrheit sprach. Alexa ließ ihn. Radek fühlte nach dem Puls der beiden. Als er sah, dass sie die Wahrheit sagte stand er wieder auf.

„Was soll das? Was wollen Sie?”

„Wie ich schon sagte, Doktor, ich brauche Ihre Hilfe.”

„Bei was denn? Wollen Sie uns jetzt auch wieder vertreiben?”

Alexa schüttelte den Kopf, ging auf Radek zu und nahm ihm das Headset ab. “Nein. Ich möchte das Sie mir helfen, Colonel Sheppard und die anderen zu befreien.” Radek war sprachlos. Augenblicke später versuchte er wieder, Worte zu finden.

„Sie wollen … Wieso denken Sie, dass Sie … Können Sie überhaupt … Soll ich etwa mit?!” Erschrocken riss er die Augen auf. “Ich bin doch für so was nicht ausgebildet. Ich bin Wissenschaftler. Außerdem ist Mr. Woolsey schon dabei, ein weiteres Rett-…”

„Was ist Deadalus und Apollo?”, unterbrach ihn Alexa.

„Das sind zwei unserer Raumschiffe. Sie pendeln immer zwischen Atlantis und der Erde hin und her”, antwortete er. Immer noch hielt er die Hände oben und war nervös.

„Wann treffen sie ein?”, fragte Alexa.

„Frühestens in ein paar Tagen”, antwortete er tonlos.

„Bis dahin sind Sheppard und seine Leute tot. Wenn Sie es nicht schon jetzt sind.” Alexa verriegelte das Labor.

„Doktor, ich will nicht auch noch auf Sie schießen müssen. Also bitte helfen Sie mir.” Sie senkte ihre Waffe etwas, um Radek zu zeigen, dass sie es ernst meinte. Radek war hin und her gerissen. Er wusste nicht, was er machen sollte.

„Doktor, Mr. Woolsey würde mir eine solche Mission nicht erlauben. Ich brauche Sie, um etwas Ablenkung zu schaffen. Und ich brauche einige andere Dinge.” Alexa ging noch einen Schritt auf Zelenka zu. Radek war immer noch ratlos. Trotzdem musste er sich entscheiden.

„Doktor Zelenka … wenn nicht sofort gehandelt wird, werden Colonel Sheppard und die anderen sterben.”

„Aber Sie können so etwas nicht alleine machen.” Radek wollte sie davon abbringen.

„Mr. Woolsey wird mir wohl keinen seiner Männer mitgeben. Geschweige denn, mich durch das Tor lassen. Ich habe schon früher solche…Missionen durchgeführt. Doktor, bitte.” Alexa flehte ihn regelrecht an. Zelenka hatte eine Entscheidung getroffen.

„Was brauchen Sie?”

„Ich müsste mir zuerst die Aufnahmen dieses …M.A.L.P.s ansehen.”

„Ja. Aber es dauert einen kleinen Moment”, sagte Radek und begann sofort am Computer nach der Aufzeichnung zu suchen.

„Wo kann ich mich in der Zwischenzeit umziehen?”, fragte sie.

„Dort drüben ist ein kleines Lager”, antwortete Radek und zeigte auf eine Tür.

Alexa nahm ihre Kleidung, die sie zuvor auf den Tisch gelegt hatte, dann drehte sie sich wieder zu Zelenka um und sah ihn an.

„Gehen Sie ruhig. Ich werde Ihnen helfen.” Radek hatte sich tatsächlich dazu entschlossen, der Antikerin zu helfen. Allerdings fragte er sich, was sie wohl noch von ihm verlangen würde. Und ob sie überhaupt Erfolg haben würde.

„Ich hab’s!”, rief Radek in Richtung des Lagerraumes.

„Ich bin gleich fertig!”, rief sie zurück.

Radek stand auf und sah sich die Dinge an, die in der Kapsel lagen. Einiges kam ihm durch das Antikerdesign bekannt vor, allerdings war er nicht wirklich sicher, wozu sie gut waren. Andere sahen nach Waffen aus, von denen er überzeugt war, das sie es auch waren. Radek blieb die Luft weg, als Alexa in ihrer Uniform aus dem Lager kam.

Sie war komplett in schwarz. Eng anliegend. An den Seiten ihrer Arme und Beine waren 2 ebenso dunkle Streifen angebracht. An ihrer linken Brust waren Abzeichen angesteckt. An der rechten war wohl ihr Name in Antiker-Schrift. Ein etwas tieferer Ausschnitt und ein typischer Stehkragen. Ihre Hose war in kniehohe Stiefel gesteckt.

„Zeigen Sie es mir”, sagte sie, während sie auf Radek und den Computer zuging. Beide sahen sich die Aufnahme an. Währenddessen achtete Alexa auf jede einzelne Kleinigkeit, die sie in den Bildern ausmachen konnte. Entfernung des Dorfes zum Gate. Die Umgebung. Zustand des Dorfes. Die Männer und deren Bewaffnung. Einfach alles. Als die Aufnahme beendet war nahm Alexa einige ihrer Waffen und befestigte diese an ihrem Gürtel.

„Doktor, ich brauche noch ein paar Sachen”, meinte sie dann.

„Okay, was?”, wollte Zelenka wissen.

„Waffen”, antwortete sie und Radek zweifelte. Wieder sah Alexa ihm in die Augen.

„Doktor?”

Zelenka rang mit sich. Sekunden später fing er sich wieder. “Ich zeige Ihnen, wo die Waffenkammer ist.”

„Gut.” Alexa sah sich um und suchte nach etwas.

„Was suchen Sie?”, fragte er.

„Etwas, um meine Haare zu binden.” Auch Radek sah sich nun um und entdeckte einen Gummi in einem Regal.

“Hier.”

„Danke. Ich brauche auch noch ein … ein … wie nannte Colonel Sheppard es? … Ach … ein Gate-Schiff.”

„Einen Puddle-Jumper?”, fragte Radek leicht amüsiert.

„Ja, genau.” Auch Alexa musste lächeln. Sie fand es irgendwie lustig, welche Namen die Menschen den verschiedenen Dingen gaben.

„Können Sie ihn denn fliegen?”, fragte Radek. Alexa blickte ihn mit einem ‚Soll das ein Witz sein?’ Blick an.

„Ja, ja, okay. Zuerst die Waffen.” Radek machte sich auf den Weg. Alexa folgte ihm.

In der Waffenkammer angekommen, suchte Alexa einige Maschinengewehre und Handfeuerwaffen zusammen. Sie packte alles in eine schwarze Tasche. Beim rausgehen steckte sie noch ein paar Funkgeräte ein.
Allerdings musste Radek ihr erst erklären, was was war und wie es funktionierte. Bei den Waffen allerdings hatte sie es selbst rausbekommen. Schnell machten sie sich auf den Weg zur Jumper-Bucht, ohne dabei gesehen werden zu wollen.

Gelegentlich kamen ihnen dennoch ein oder zwei Personen entgegen, die etwas merkwürdig reinschauten und sich wohl fragten, was los sei. Aber keiner hielt sie auf.

„Welcher ist einsatzbereit?”, fragte Alexa, während sie sich die gesamte Jumper-Bucht staunend ansah. Genauso hatte sie es in Erinnerung.

„Eigentlich alle”, antwortete Zelenka. Die Antikerin suchte sich einen aus und verstaute die Tasche in der Abwurfkammer.

„Es gibt da noch etwas, was Sie wissen sollten.” Radek ging in den Jumper. Alexa stand wieder auf und wandte sich zu ihm.

“Die Jumper sind mittlerweile alle mit einem Schild modifiziert worden”, erklärte er.

„Damals konnten sie sich nur tarnen.” Alexa staunte wieder über die Menschen.

„Ja, jetzt können sie beides. Nur nicht gleichzeitig. Und…leider kostet der Schild eine Menge Energie, je nachdem, was darauf gefeuert wird”, erklärte Radek.

„Verstehe.”

„Es gibt noch etwas”, meinte er.

„Was?” Alexa hörte aufmerksam zu.

„Das ist ein GDO. Man muss damit einen bestimmten Code übermitteln, damit wir wissen, wer vor der Tür steht.” Alexa blickte ihn fragend an.

„Wenn Sie das Tor nach Atlantis anwählen, müssen Sie vorher den Code eingeben, damit wir den Schild deaktivieren können. Jeder Code ist einzigartig und kann nur von der Person, die den Code hat, eingegeben werden. Praktisch wie ein Fingerabdruck. Der Code darf auf keinen Fall preisgegeben werden.” Radek übergab Alexa ein GDO.

„Hier ist Ihr Code. Wir müssen nur noch Ihren Fingerabdruck einscannen.” Nach einer weiteren Minute waren sie fertig.

„Ich nehme an, dass Sie ein Sicherheitsprotokoll eingerichtet haben, damit niemand unerlaubt mit dem … Jumper durch das Gate fliegt”, sagte Alexa.

„Ja, ich müsste zum Kontrollraum und es umgehen.”

„Gut.”

Radek war sich wohl immer noch nicht sicher, denn er zögerte wieder. Immerhin gab er ihr Waffen, einen Jumper und ein GDO, samt Code. Gut, im Notfall konnte er den Code als ungültig erklären lassen. Aber was, wenn sie die Wahrheit sagte? Alexa musste wohl irgendwie gespürt haben, das Radek wieder zweifelte.

„Vertrauen Sie mir, Doktor. Ich bringe Sie wieder zurück.” Erneut sah sie ihm in die Augen. Radek atmete tief durch und nickte.

„Ich bin in ein paar Minuten im Kontrollraum und kann das Programm unterbrechen, damit Sie durch das Tor können. Hier ist die Adresse des Planeten und dies ist unsere Adresse.”

„Das ist aber nicht die Adresse von Atlantis”, stellte die Antikerin fest.

„Atlantis hat eine neue Anschrift, wenn Sie so wollen. Wir sind umgezogen. Ist eine lange Geschichte.”

„Erzählen Sie sie mir, wenn ich wieder da bin, Doktor.” Alexa gab Radek den Zettel mit der Atlantis-Adresse zurück. Sie hatte sie bereits in ihrem Kopf gespeichert.

„Abgemacht.”

„Reichen Ihnen zehn Minuten, um in den Kontrollraum zu kommen und das Programm abzuschalten?”

„Ja, das ist genug Zeit. In genau zehn Minuten können Sie durch. Der Jumper hat dann die Kontrolle.” Alexa atmete tief durch.

„Na gut. Dann kann es losgehen.”

„Ja. Viel Glück”, wünschte ihr Radek. Alexa legte ein kleines Lächeln auf und nickte ihm zu.

Zelenka machte sich auf den Weg zum Kontrollraum und Alexa schloss die Heckklappe des Jumpers. Sie setzte sich in den Pilotensessel und betrachtete das Cockpit. Auch an das konnte sie sich wieder erinnern. Sie wusste endlich wieder genau, wer sie war, was sie war und welche Aufgaben sie hatte.

Trotzdem fehlten ihr noch einige Erinnerungen. Darunter auch, warum sie die letzten dreizehntausend Jahre in Stase verbracht hatte. Sie aktivierte das HUD und sah auf die Uhr. In ein paar Minuten ging es los.

Zelenka war inzwischen im Kontrollraum angekommen und hatte sich bereits an seine Aufgabe gemacht. Dem zuständigen Personal, das für diesen Tag eingeteilt war, lockte er mit der Ausrede einen Systemcheck machen zu wollen, weg.

Es war so weit. Die zehn Minuten waren um. Alexa atmete einmal tief durch, startete den Jumper und gab die Befehle ein, die veranlassten, dass sich der Hangar zum Gateraum öffnete. Während der Jumper nach unten schwebte, gab sie bereits die Adresse in das DHD ein und beobachtete, wie das Gate aktiviert wurde. Kaum im Gateraum angekommen, kam auch schon Woolsey mit einem Soldaten aus seinem Büro gerannt und befahl das Gate sofort abzuschalten. Zelenka blieb nichts anderes übrig, als den Unschuldigen zu spielen. Er gab vor, nicht zu wissen, wer im Jumper saß und auch keinerlei Kontrolle über ihn zu haben.

„Halten Sie ihn auf!”, rief Woolsey zu allen möglichen Leuten, die um ihn rum standen.

Aber keiner konnte etwas tun. Der Jumper hatte die Kontrolle und die herkömmlichen Waffen, die man in Atlantis hatte, konnten ihn auch nicht bremsen.

„Ich kann nichts tun. Sie wissen doch, dass er die Kontrolle hat”, verteidigte sich Radek.

„Er? Wer?”, fragte Richard irritiert. Radek musste aufpassen, um sich nicht zu verplappern. Mit ER hatte er natürlich den Jumper gemeint.

„Na der Jumper!”, erwiderte er. Woolsey rollte entnervt mit den Augen und musste zusehen, wie der Jumper durch das Tor verschwand.

„Wer fliegt ihn?”, fragte er aufgeregt.

„Keine Ahnung, Sir”, kam wieder von Radek.

„Dann finden Sie es raus. Es wäre auch schön zu erfahren, welche Adresse angewählt wurde.”

„Ich werde mich sofort darum kümmern.” Radek wusste bereits, wie er Zeit gewinnen konnte. So zu tun, als ob er lange daran tüfteln müsse, fiel ihm allerdings dennoch schwer.

Er hoffte nur, dass Alexa es schaffte, Colonel Sheppard und die anderen zu befreien und das auch noch schnell. Ohne dabei selbst verletzt, gefangen oder gar getötet zu werden.

 

Dolan

Sheppard stand schon einige Minuten am vergitterten Fenster und blickte zum Dorfplatz. Ebenso konnte er auch das Tor sehen. Seit gestern wurde es nicht mehr genutzt. Weder von außen noch von den hiesigen Einwohnern. Während er auf seine Leute sah, die schlafend auf dem Boden lagen oder in der Ecke saßen und Trübsal bliesen, musste er daran denken, dass die Dorfbewohner gestern geschworen hatten, sie alle hinzurichten.

Auch Teyla konnte mit ihrer verständnisvollen und vernünftigen Art und Einredung nichts mehr ändern. Diese Leute waren mehrmals von den Wraith angegriffen worden und machten die Athosianer verantwortlich.

Mitten in der Nacht erzählte Teyla John einiges über das Dorf und deren Einwohner. Über ihre Handelsbeziehungen und damalige Freundschaften. Über den Brauch, sich immer gegenseitig zu helfen und zu warnen, wenn der Feind wieder auf Beutezug war. Als aber Athos damals angegriffen wurde, ging alles viel zu schnell. Es konnte keine Warnung mehr an Dolan und seine Leute gesendet werden.

John konnte die Leute verstehen. Andererseits auch wieder nicht. Immer wieder hatte er vergeblich versucht, diesen Leuten ein neues und sicheres Zuhause anzubieten, ebenso auch Nahrung und Medikamente. Aber sie waren letztendlich nur auf ihre Rache aus. In dem Moment, als er wieder aus dem Fenster sah, kam ein Puddle Jumper durch das Gate.

„Wird aber auch Zeit! Jetzt geht’s los”, sprach er fast im Flüsterton.
McKay, der in einer Ecke kauerte und schon anfing sich mit dem Tod zu arrangieren, blickte entsetzt auf.

„Was! Nein. Aber jetzt noch nicht! Ich…ich…ich…ich meine, es ist noch gar nicht Mittag, oder doch? Das kann doch nicht schon jetzt so weit sein?!”, stammelte er.

„Ein Jumper ist gerade durch das Tor gekommen. Ist gut möglich, dass wir zum Mittagessen wieder zuhause sind.”

John versuchte, McKay zu beruhigen und gleichzeitig die anderen zu informieren. Mit einem Ruck standen alle auf und gingen zum Fenster, um einen Blick zu erhaschen. Leider war es nicht groß genug für alle. Somit hatten lediglich Sheppard und McKay Logenplätze.
Die Dorfbewohner fingen sofort an, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf das Fluggerät zu feuern. Die Drohnen des Jumpers wurden abgefeuert und trafen die Hauptverteidigungslinie der Bewohner.

Schon gestern hatten die Leute provisorische Schutzwälle und Schützengraben errichtet. Ebenso hatten sich die Leute mit den Waffen der Atlanter vertraut gemacht und setzten diese nun gegen sie ein.

Der Jumper flog eine Schleife über den Dorfplatz. Wieder wurde eine Drohne abgefeuert und traf in die Nähe einer Truppe, die gerade mit schwereren Steinen und einem altertümlichen Katapult auf den Jumper zielten.

John und Rodney sahen dem Spektakel zu und bemerkten plötzlich, dass der Jumper in Richtung Gefängnis flog. Unterwegs dorthin wurde dessen Schild aktiviert.
In Sekundenbruchteilen erkannte Sheppard den Plan des Piloten und warnte alle anderen.

„In Deckung! Auf den Boden!”, brüllte er.

Alle schmissen sich sofort auf den Boden und bedeckten ihre Köpfe, als der Jumper mit der Antriebsgondel das Dach des Gefängnisses streifte, um dort ein Loch zu erzeugen.

Staub, Dreck und ein paar Teile des Daches fielen nach unten auf das Team, so dass alle husten mussten und zunächst nichts erkennen konnten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Wieder wendete der Jumper und flog nochmals über das Gefängnis, um eine größere Tasche in die eben erzeugte Öffnung abwerfen zu können.

John ahnte bereits, welche Aktion der Jumper machen wollte, als er ihn auf sie zufliegen sah. Daher hielt er seine Leute von der Öffnung fern, so dass niemand durch hereinfallende Objekte getroffen werden konnte. Als die Tasche vor seinen Füßen landete, fing er sofort damit an, die darin enthaltenen Waffen und Funkgeräte zu verteilen. Ebenso wollte er wissen, wer den Jumper flog.

„Sheppard an Jumper, wird aber auch Zeit! Identifizieren Sie sich!”

Während er auf das Schloss des Gefängnisses schoss, wartete er auf die Antwort und bildete im Schnellverfahren eine Formation, die es ihnen ermöglichte, ohne große Schießerei und Verluste zum Gate zu kommen.

„Hier ist Commander Alexa Thalis von Atlantis. Ich werde Ihnen auf dem Weg bis zum Gate Deckung geben.”

Alexa schoss nochmals eine Drohne in die direkte Nähe eines Trupps, der gerade Sheppard und sein Team aufhalten wollten.
John schaute mit einem überraschten Blick zu seinen Kollegen und musste feststellen, dass diese genauso überrascht waren.

„Wusste ich es doch!”, bestätigte er sich beinahe selbst und gab seinen Leuten den Befehl, sich bereit für einen kleinen Sprint zu machen.

Schnell noch ein kleiner Blick hinter sich und er sah den Jumper bereits auf sie zukommen. Als er direkt über ihnen war, gab Alexa über Funk den Befehl los zu laufen.

„Los! Laufen Sie in Richtung Gate! Ich komme Sie dort aufsammeln!” Das ließen sich John, Rodney, Teyla und alle anderen nicht zweimal sagen.

Während Alexa mit dem Jumper die größeren Gruppen der Dorfbewohner in Schach hielt, waren John, Lorne, Ronon und die anderen damit beschäftigt einzelne Leute aus dem Weg zu räumen, die sie hinderten, das Gate zu erreichen. Dabei rannten sie weiterhin dem Jumper hinterher und zielten lediglich auf Arme oder Beine der Bewohner. John und Teyla hofften immer noch auf eine Klärung der Situation. Wenn sie erst einmal zurück waren, könnten sie ein MALP. senden und damit versuchen, wieder Kontakt mit ihnen aufzunehmen und zu reden. Teyla lag schließlich viel an diesen Leuten, was John mittlerweile durch ihre Erzählungen in der Zelle verstehen konnte.

Rodney sah als erstes, das der Jumper einige Meter vor dem Gate landen wollte. Also holte er das letzte aus seinen Kraftreserven hervor, um schnellstens in Sicherheit zu kommen. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals so schnell gerannt zu sein. Obwohl er schon ein paar Mal um sein Leben hatte laufen müssen.

Mittlerweile hatten auch die anderen bemerkt, dass der Jumper landete und die Heckluke geöffnet wurde. Kaum war sie ganz offen deaktivierte Alexa den Schild und ließ die Atlanter rein.

„Alle da?!”, fragte sie schnell, bevor sie die Luke wieder schloss und Atlantis anwählte.

„Also …ein Commander also?”, fragte John, während er auf dem Sitz neben ihr Platz nahm.

Alexa sah ihn nur kurz an und konzentrierte sich wieder darauf Atlantis anzuwählen.

„Also nehme ich an, dass Sie sich wieder erinnern können. Oder war das nur…?”, fragte er neugierig, während er Alexa von oben bis unten musterte.

„Ich bin ein Commander. Aber meine Erinnerungen sind nicht vollständig zurückgekehrt.”

Der Jumper wurde immer wieder von Steinen und Kugeln getroffen, die ihm allerdings kaum etwas anhaben konnten.

„Erzählen Sie mir das, wenn wir zurück sind”, bat John sie und beobachtete, wie sie ein GDO aus ihrer Tasche nahm und einen Code eingab. Das Wurmloch wurde etabliert. Nun hoffte sie, das Zelenka noch im Kontrollraum war, den Code erkannte und den Schild des Tores abschaltete.

John wurde stutzig. Ebenso wie alle anderen. Auch Rodney und Ronon konnten es sich nicht nehmen lassen, sie von oben bis unten zu begutachten.

„Wie kommen Sie an ein GDO?”, fragte Rodney aufgeregt.

„Lange Geschichte. Später, Doktor”, fertigte Alexa ihn ab.

„Gateaktivierung von außen!”, meldete Chuck, der Techniker. Ein Satz, den er mittlerweile schon im Schlaf aufsagte.

Kaum dass er diesen Satz ausgesprochen hatte, begaben sich eine handvoll Soldaten zum Gateraum und zielten auf das Tor und das, was auch immer herauskommen könnte. Zelenka reagierte sofort. Er hatte den Computer und das Gate so programmiert, das der Schild automatisch abschaltete, wenn Alexa den Code eingab.

Innerhalb weniger Sekunden mussten die Soldaten in Deckung gehen, als der Jumper wieder im Gateraum erschien.
Das Tor schaltete ab und John meldete sich per Funk im Kontrollraum.

„Kontrollraum, hier ist Sheppard. Nicht schießen. Ich wiederhole, nicht schießen. Wir sind wieder da.”

Die Soldaten senkten nur zögerlich die Waffen, während Woolsey an einem der Balkone stand und zum Jumper sah. Darin erkannte er Sheppard und auch die Antikerin im Pilotensessel. Die anderen erkannte er nicht, aber er konnte sich denken, dass sie der Rest des Teams waren.

„Soldaten zum Jumper-Hangar”, befahl er, als er sah, dass Alexa den Jumper wieder in Richtung Hangar steuerte.

Zelenka musste einmal tief durchatmen, als er erkannte, dass die Antikerin ihn nicht reingelegt hatte. Nun hoffte er, dass die Situation im Hangar nicht eskalierte, wenn Woolsey Alexa verhaften lassen wollte.

Radek machte sich ebenfalls auf den Weg zum Hangar. Notfalls wollte er sich einmischen und zugeben, dass er ihr geholfen hatte. Auch wenn sie zunächst eine Waffe auf ihn gerichtet hatte.

In dem Moment, als die Luke geöffnet wurde, standen auch schon die Soldaten mit entsicherten Waffen auf ihrem Posten. John reagierte augenblicklich und befahl ihnen die Waffen zu senken.
Woolsey kam auch schon um die Ecke geschossen und fing sofort mit Fragen an.

„Was fällt Ihnen eigentlich ein?! Wie kommen Sie an einen Jumper und an die Waffen?! Wie war es Ihnen möglich, die Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden?!”

Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, wie sich seine Gesichtsfarbe in ein schönes dunkelrot verwandelte und eine Ader an seiner Schläfe hervortrat. Noch ein bisschen mehr Gebrüll und Aufregung und sie würde platzen. Radek wollte sich einmischen.

„Eigentlich, Mister Woolsey …”

„Doktor!”, unterbrach ihn Alexa und schüttelte mit dem Kopf.

„Uns geht es gut. Alle vollzählig zurückgekehrt und keine Verletzten. Danke der Nachfrage”, meinte John, um die Situation zu entschärfen.

Welche genauen Umstände Alexa dazu gebracht hatten, mit einem Jumper eine solche Rettungsmission durchzuführen waren ihm nicht bekannt. Aber offensichtlich wusste Woolsey nichts davon. Was John umso mehr erstaunte. Woolsey musste sich beherrschen, er atmete ein paar Mal tief ein und aus.

„Ich möchte eine Erklärung. Nachdem Sie ihre Waffen und andere … Dinge abgegeben haben. Colonel Sheppard, Sie und Ihr Team begeben sich augenblicklich zur Krankenstation. Und Sie, Miss Thalis, werden vorerst in unsere Zelle einquartiert werden, bis das alles hier … aufgeklärt ist.” Woolsey blickte Alexa direkt in die Augen und fragte sich, wer wohl länger standhalten würde. Keiner von beiden gab nach, bis John sich wieder einmischte.

„Ohne sie wären wir längst hingerichtet worden. Wenn sie nicht gewesen wäre, würden wir alle nicht hier stehen. Also beruhigen wir uns und besprechen das in aller Ruhe. Und zwar im Besprechungsraum. Oder im Büro. Ist mir egal. Aber nicht in der Zelle.”

John blickte zwischen Woolseys und Alexas Augen hin und her, während sich die beiden immer noch in die Augen starrten. Allen kam es wie endlose Minuten vor. Und keiner gab nach.

„Geben Sie Ihre Waffen ab, gehen Sie mit Colonel Sheppard auf die Krankenstation. Verhalten Sie sich ruhig und wir reden”, gab Woolsey nach, ohne seinen Blick von ihr abzuwenden. Alexa rührte sich nicht. Aber die Waffen richtete sie auch nicht gegen jemanden. Wieder meldete sich John.

„Commander …”, flüsterte er zu ihr.

Alexa überlegte kurz. Schließlich übergab sie ihre Waffen und andere Dinge an John, der neben ihr stand und sie entgegen nahm.

Allerdings besaß sie noch einen Körperschutzschild, den sie weder ausschaltete noch abgab. Woolsey starrte sie immer noch an. Alexa hielt stand und ließ ihn durch ihren Blick wissen, dass sie den Schild nicht ablegen würde. Sie hob ihren Kopf ein wenig, ohne Woolsey auszuweichen.

„Wir werden Sie nicht angreifen, Commander.” Auch Teyla mischte sich nun ein. Alexa rührte sich nach einigen Sekunden und deaktivierte ihren Schild und gab ihn ebenfalls dem Colonel. Ronon und die anderen beobachteten das Duell. Woolsey allerdings gab als erstes nach.

 

Im Konferenzraum

Vor ein paar Minuten waren Dr. Keller und ihre Leute fertig geworden, die zurückgekehrte Mannschaft zu untersuchen und die eine oder andere kleinere Verletzung zu behandeln. Nun saß man im Konferenzraum und wartete auf eine Erklärung. Alexa stand auf und ging langsam zum Ende des Tisches. Als sie dort ankam, verschränkte sie ihre Arme hinter ihrem Rücken atmete kurz durch und begann.

„Ich bin Commander Alexa Thalis. Von Atlantis … Abteilung Spezial Operationen. Ich wurde hier geboren, bin hier aufgewachsen, wurde überwiegend hier ausgebildet und arbeitete danach auch hier. Ich bin dem … ich war dem damaligen Oberbefehlshaber von Atlantis, dem General, direkt unterstellt und führte die von ihm erteilten Aufträge und Befehle aus.”

Nach einigen Minuten des Schweigens und des Staunens räusperte sich John und fing an Fragen zu stellen. „Was waren das für Operationen?”

“Aufklärung, Observierung, Bewachung, Beschaffungen verschiedenster Arten und Dinge, Geiselbefreiung, Gewinnung von Informationen, Kampfeinsätze in gegnerischen Gebieten und andere. Meine Hauptaufgabe und mein Oberbefehl lautete: ‚Erhalten und Beschützen’ von Atlantis und seinen Bewohnern mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln.”

Woolsey starrte Alexa immer noch an. Alle anderen sahen sich überrascht und perplex an.

„Und Sie waren immer allein im Einsatz?”, fragte Richard.

„Ich habe immer alleine operiert, ja.”

„Gab man Ihnen den Befehl sich in die Stasiskapsel zu legen?”, fragte John.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie mein letzter Auftrag lautete”, antwortete Alexa.

„Ich weiß nur, das ich nach wie vor an meinen Eid gebunden bin und meinen Auftrag erfüllen muss.”

„Aber Sie sagten doch gerade, dass Sie sich nicht an den letzten Befehl, den man Ihnen gab, erinnern können”, war Ronons Antwort.

„Ich meinte Atlantis. Ich habe einen Eid geschworen. Ich muss mich daran halten”, gab Alexa zurück.

„Was für einen Eid?”, fragte John wieder. Alexa atmete noch mal tief durch.

„Als ich … äh…ich weiß nicht, wie ich es Ihnen beschreiben soll, so dass Sie auch verstehen, was ich meine.” Alexa suchte nach den richtigen Worten und befürchtete, dass die Menschen sie nicht verstehen könnten.

„Erzählen Sie einfach mal drauf los. Wenn wir Fragen haben, fragen wir!”, ermutigte John sie.

„Sie sind ein Soldat, Colonel Sheppard”, sagte sie und John nickte.

„Und Sie wurden doch auch ausgebildet?”, fragte Alexa. John nickte wieder.

„Was passierte, als Ihre Ausbildung beendet war?”

„Ich fing eine Ausbildung zum Piloten an”, antwortete er.

„Ich meinte davor.”

John wusste nicht so recht, worauf sie hinaus wollte, also zählte er alles auf, woran er sich erinnerte. „Ich war in der Grundausbildung. Als diese beendet war, gab es ‘ne kleine Feier und wir wurden vereidigt. Dann ging es auf zur Pilotenausbildung.”

Ronon zog die Augenbrauen hoch. Er war zwar auch zum Soldaten ausgebildet worden, aber eine anschließende Feier oder Vereidigung gab es auf Sateda nicht. Alexa nickte kurz.

„Gibt es bei Ihnen so etwas wie ein … ähm … Offizierspatent?”, fragte sie.

„Ja”, gab John bereitwillig Auskunft. Wieder nickte sie.

„Als meine Ausbildung beendet war und ich mein Offizierspatent erhalten sollte, musste ich vorher einen Eid ablegen. Ich musste schwören, alles in meiner Macht stehende zu tun, um Atlantis zu Erhalten und zu schützen. Ebenso seine Bewohner. …bis zu meinem Tod. Notfalls… muss ich auch mein Leben dafür geben.”

Alexa blickte John direkt in die Augen. Danach sah sie wieder zu Woolsey.”Solange ich lebe, bin ich an diesen Eid gebunden”, ergänzte sie. “Auch jetzt noch.” Wieder schwieg man fassungslos. Nach einigen Minuten musste Woolsey sein Schweigen brechen.

„Was jetzt?”, fragte er. “Sollen wir Atlantis schon wieder verlassen? Ich glaube kaum, dass Sie allein in der Lage wären, die Wraith und die Replikatoren auszuschalten.”

John musste aufstöhnen. Über die Replikatoren wusste Alexa noch nichts.

“Replikatoren?”, fragte Alexa.

„Das ist eine lange Geschichte”, antwortete John und blickte Woolsey böse an. Alexa fuhr sich durch ihre Haare.

„Nur damit das klar ist …”, warf Rodney ein, “ich werde Atlantis so schnell nicht wieder verlassen, um dann zurückzukommen, um es zu retten.” Wieder blickte Alexa fragend zu John. Dieser zog eine Grimasse und schüttelte mit dem Kopf.

„Ich werde Atlantis nicht aufgeben. Außerdem gehört die Stadt mir. Das ist eine Art Regel, wenn Sie wollen, die mit Sicherheit in unserer Datenbank steht”, sagte Alexa.

Rodney machte sich sofort an seinen Laptop, um dies zu prüfen. Es dauerte nicht lange und er wurde fündig. Tatsächlich gab es eine Art Gesetzt, das immer noch galt. Grob übersetzt erklärte Rodney, dass das Gesetz es erlaubte, das ein Antiker einen Anspruch auf die Stadt hat, wenn er dort geboren wurde und der letzte seine Rasse sei. Ebenso habe er oder sie das Recht frei zu entscheiden, was mit der Stadt geschehen sollte, wenn kein Befehl oder ähnliches vorliegt. Dies konnte lediglich durch eine höher gestellte Person der Antiker geändert werden. Somit war es Klar.

Atlantis gehörte Alexa. Sie war die einzige lebende Antikerin, die aus Atlantis kam.

Und somit war sie die Oberbefehlshaberin und konnte allein entscheiden, was von nun an geschehen würde.

„Ich möchte nicht voreilig irgendwelche Entscheidungen treffen oder Sie irgendwie übergehen, bevor ich nicht weiß, was in der letzten Zeit geschehen ist.” Nach einigen Minuten der Verwirrung hoffte John auf etwas Positives.

„Vielleicht wäre es diesmal möglich, dass wir zusammenarbeiten könnten. Eine Antikerin könnten wir hier weiß Gott gut gebrauchen”, meinte er.

„Ich denke jetzt schulden Sie mir eine Erklärung”, forderte Alexa. John und Woolsey blickten sich kurz an.

„Danach können wir bereden, welche Schritte wir unternehmen könnten oder welche Entscheidung ich treffen werde. Solange das alles nicht geklärt ist, möchte ich Sie gar nicht zurückschicken oder sonst irgendetwas tun.”

Woolsey musste sich eingestehen, dass es nun wirklich an der Zeit war, reinen Tisch zu machen.

„Na schön. Bitte setzen Sie sich wieder. Wir werden Ihnen alles erklären.”

Vor einer Stunde war die Besprechung beendet worden und Alexa saß am Ostpier und blickte auf den Ozean.

Mittlerweile hatte sie schon den Dreh herausgefunden, die gerade eben erfahrenen Information schnell und effizient zu verarbeiten.
Nicht genug, dass ihr dreizehntausend Jahre fehlten und dass sie sich immer noch nicht richtig erinnerte, jetzt musste sie sich auch noch damit auseinandersetzen, dass ihre Leute wohl mehr oder weniger versehentlich eine Rasse, die sich Wraith nannte, erschaffen hatten.

Ebenso musste sie die Tatsache akzeptieren, dass man einen groben Fehler gemacht hatte, als man nach einer Waffe gegen die Wraith gesucht hatte. Die Replikatoren waren entstanden.
Insgeheim fragte sie sich, was damals alles schief gelaufen war. Vielleicht war es auch kein Zufall, dass man sie jetzt in der Kapsel gefunden hatte.

Colonel Sheppard war überzeugt davon, auf die Wachen verzichten zu können und Alexa konnte sich daher frei in der Stadt bewegen. Nun fragte sie sich, was sie machen sollte. Sie musste es zugeben. Woolsey hatte Recht. Allein könne, sie die Wraith und die Replikatoren nicht bekämpfen. Von ihrem Volk war niemand mehr da. Atlantis zu versenken wäre auch keine Lösung. Sie hörte hinter sich Schritte, die auf sie zukamen.
Das es Colonel Sheppard war, hörte sie an seinem Gang und musste kurz selbst darüber schmunzeln. Wahrscheinlich konnte sie das früher auch schon. Leute an ihrem Gang erkennen.

„Darf ich?”, fragte er und ließ sich neben Alexa nieder, als diese nickte. Drei, vier Minuten sagte keiner etwas, bis John das Schweigen brach. „Hören Sie, ich kann mir in etwa vorstellen, wie Sie sich fühlen müssen. Vor einiger Zeit wurde ich durch ein paar unglückliche Umstände Tausende von Jahren in die Zukunft geschickt, als ich durch das Tor ging. Ich kam zwar in Atlantis an, aber es war völlig verlassen. Ich war ganz allein. Bis auf Rodney, der ein Hologramm von sich in den Computer gespeichert hatte. Er fand dann auch einen Weg mich wieder zurückzuschicken. Ich war nur kurz in der Zukunft, aber … ich muss zugeben, dass es mir schon irgendwie Angst machte, allein zu sein und ich geschockt war, herauszufinden, das alle, die ich kannte, schon lange tot waren.”

„Wollen Sie mich etwa zurückschicken, Colonel?”, fragte Alexa erstaunt.

„Nein. Das wird wohl nicht gehen. Aber was ich sagen will, ist…” John suchte nach den richtigen Worten. “Sie sind nicht allein. Sie haben uns. Wir sind vielleicht nicht Ihre Familie, aber wir wären sehr gerne Ihre Freunde. Außerdem haben Sie einen Eid geschworen, an den sie immer noch gebunden sind. Wir würden Ihnen gerne helfen diesen Eid…dieses Versprechen, zu erfüllen. Wir wollen auch nicht Atlantis so schnell aufgeben. Wir haben Ihnen ja erzählt, dass Atlantis einmal auf der Erde war. Vielleicht kommt irgendwann die Zeit, wo wir gemeinsam mit Atlantis zur Erde zurückkehren. Natürlich erst, nachdem wir den Wraith und den Replikatoren in den Hintern getreten haben.”

Alexa musste ein kleines Lächeln auflegen. Diese Menschen hatten schon eine komische Art sich auszudrücken. Trotzdem schwieg sie weiterhin. John bemerkte es und versuchte weiter auf sie einzureden und sie zu überzeugen.

„Wir sind eigentlich eine recht friedvolle Rasse und forschen gerne. So sind wir auch auf das Stargate und letztendlich auf Atlantis aufmerksam geworden. Sicher haben wir uns durch unsere Reisen durch das Tor auch Feinde gemacht, die wir besiegt haben, aber im großen und ganzen haben wir in den letzten zehn bis zwölf Jahren riesige Fortschritte bei der Entwicklung von Technik und Medizin und anderen Gebieten machen können. Wir sind unglaublich neugierig. Aber das wissen Sie ja schon.”

„Ja, spätestens seit ich Doktor McKay kennenlernte”, antworte Alexa wieder mit einem Lächeln, das John erwidern musste. Erneut schwiegen beide für einige Minuten.

„Also … schließen Sie sich uns an und wir erfüllen gemeinsam diesen Eid? Wir könnten viel voneinander lernen und zusammen mehr erreichen.” Alexa drehte sich langsam um und sah John direkt in die Augen. Im Grunde hatte sie schon vor langer Zeit entschieden, was sie machen sollte. Daher wollte sie ihm nun ihre Entscheidung mitteilen. Eigentlich wollte sie dem ganzen Team ihre Entscheidung mitteilen.

„Colonel Sheppard, ich habe mich bereits entschieden.”

„Wirklich?”, fragte er gespannt nach.

„Es wäre schön, wenn Sie ihre Leute zusammenrufen würden. Ich würde es gerne allen mitteilen. Bei Mister Woolsey, wenn möglich.”

John konnte es kaum abwarten zu hören, was Alexa zu sagen hatte. Er freute sich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Dennoch musste er sich gedulden. „Okay. Ich rufe sie zusammen und wir treffen uns im Büro”, sagte er.

„Gut ich bin in ein paar Minuten dort”, antwortete Alexa und sah dem Colonel zu, wie er nickte und sich auf den Weg machte. Nach ein paar Minuten machte auch sie sich auf den Weg zum Büro von Woolsey.

Alle waren bei Woolsey versammelt und warteten auf den Commander. Gerade in dem Moment als Rodney schon wieder den Mund aufmachen und John ausfragen wollte, kam Alexa zur Tür herein und sah jeden einzelnen an.

„Wie Ihnen Colonel Sheppard sicher mitgeteilt hat, habe ich eine Entscheidung getroffen.”

Alexa liebte es offenbar, diese Leute auf die Folter zu spannen. Sie konnte regelrecht beobachten, wie einige von ihnen fast vor Neugier platzten.

„Ich habe beschlossen, hier zu bleiben und Sie nicht zurück zu schicken. Ich bin bereit, Ihnen zu helfen.”

Erleichtert atmeten einige auf. Darunter auch Rodney, der befürchtet hatte wieder seine Sachen packen zu müssen, irgendein Forschungsprojekt in Area 51 anzunehmen. Den anderen sah man die Freude in den Gesichtern an.

„Allerdings gibt es ein paar Bedingungen”, warf Alexa ein.

Überrascht fragte Woolsey: “Welche wären das?”

„Ich möchte über Ihr gesamtes Stargate-Programm genauestens informiert werden. Ebenso über Ihre Beziehungen zu anderen Welten. Die von der Erde und die von hier. Ebenso würde ich gerne Ihre Missionsberichte lesen können. Außerdem möchte ich über Ihre Forschungen und Projekte und Entwicklungen seit dem Start des Programms aufgeklärt werden. Kurz gesagt, jedes einzelne Detail. Des Weiteren möchte ich in alle wichtigen Entscheidungen, was Atlantis betrifft, mit einbezogen werden”, stellte sie ihre Forderungen klar und deutlich.

„Soll heißen?”, fragte John.

„Entscheidungen wie zum Beispiel das Versenken der Stadt oder das Verlassen des Planeten und andere. Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam Atlantis leiten könnten.” Alexa wandte sich wieder direkt an Woolsey. Es war wohl so etwas wie ein symbolisches Friedensangebot.

„Offiziell würden Sie allerdings der alleinige Leiter bleiben. Eigentlich bestehe ich mehr oder weniger darauf. Ebenso bin ich bereit Ihnen alle möglichen Daten und Informationen zu meiner Person, meiner Ausbildung und meiner Arbeit zugänglich zu machen. Informationen über Atlantis sind selbstverständlich inbegriffen. Ich denke, das Sie das gesamte Potenzial der Stadt noch nicht richtig kennen gelernt haben.” Alexa war knallhart. Wieder lieferten sich Woolsey und Alexa ein Duell, indem sie sich in die Augen starrten. Und wieder gab Woolsey nach.

„Was passiert, wenn wir nicht darauf eingehen?”, fragte Woolsey. Nach einem kleinen Moment des Zögerns antwortete Alexa.

„Ich bin durchaus in der Lage Sie alle nach Hause zu schicken, die Stadt verschwinden zu lassen und zu deaktivieren. Sodass sie von nichts und niemandem gefunden werden kann. Und ich meine damit nicht die Tarnung, die Sie installiert haben. Im schlimmsten Falle bin ich dazu bemächtigt, Atlantis zu zerstören. Was ich allerdings nur ungern tun würde. Viel lieber würde ich mit Ihnen gemeinsam einen Weg finden, die Wraith und die Replikatoren aufzuhalten und zu vernichten.”

Wieder wurde ein paar Minuten geschwiegen.

„Es sind eine Menge Forderungen. Allerdings bieten Sie uns auch eine Menge dafür an. Tatsache ist, dass wir im Grunde sehr froh wären, Hilfe einer lebenden Antikerin zu erhalten. Daher würde ich gerne noch mit unseren Leuten sprechen und mich danach mit meinen Vorgesetzten in Verbindung setzen und ihnen die Situation und ihre Anliegen schildern. Ich bin sicher, dass wir da etwas machen können”, sagte Woolsey.

„Gut. Ich erwarte Ihre Antwort.”

Damit war für Alexa das Gespräch beendet und sie verließ das Büro Sie war weder ausfallend geworden noch hat sie jemandem gedroht. Sprachlos standen Woolsey und die anderen im Büro. Es dauerte eine Weile, bis man über das gerade Geschehene diskutierte. Nach über einer halben Stunde kam man zu der Ansicht, dass es das Beste sei, ihre Bedingungen zu erfüllen.

Man konnte es sich wohl einfach nicht leisten, die Hilfe einer Antikerin auszuschlagen. Da war das Erfüllen ihrer Bitten nur ein geringer Preis. Und in Anbetracht der Umstände, das Atlantis nun mal Alexa gehörte und sie damit machen konnte, was sie wollte, stand ihr schon irgendwie auch das Recht zu, alles bis ins genaueste Detail zu erfahren.

So kam es, das Richard mit der Erde Kontakt aufnahm und seinen Vorgesetzten alles berichtete. Auf die Möglichkeit von einer Antikerin zu lernen und unterstützt zu werden, wollte niemand verzichten. Zu oft bat man die Antiker um Hilfe. Entweder wollten oder durften sie nicht helfen und wurden von den anderen Aufgestiegenen sogar daran gehindert. Jetzt war es anders. Alexa war keine Aufgestiegene. Also hatte das IOA auf der Erde beschlossen, eine Delegation von Botschaftern und Diplomaten nach Atlantis zu schicken.

Durch den neuen Asgard-Antrieb, der in die Deadalus und die Apollo eingebaut worden war, dauerte die Reise von der Erde nach Atlantis nur noch drei Tage. Innerhalb einer Woche einigte man sich darauf, alle Bitten und Forderungen beiderseits zu erfüllen.
In der zweiten Woche begann Alexa, sämtliche Missionsberichte zu lesen. Ebenso händigte man ihr eine schriftliche Dokumentation über die Entdeckung des Stargates auf der Erde, bis hin zu seinem heutigen Gebrauch aus. John machte sich mit Alexas Missionsberichten vertraut und informierte sich auch über ihre Ausbildung und andere Tätigkeiten. Als Rodney erfuhr, welche Aufgaben und Aufträge Alexa damals erfüllt hatte, verglich er sie mit dem weiblichen Equivalent von James Bond. John, Teyla und Ronon konnten nur darüber schmunzeln.

Woolsey fing langsam an, Alexa zu vertrauen und eine Freundschaft aufzubauen. Schließlich hatten sie mehrere Stunden zusammen verbracht, um gemeinsam Personalakten zu studieren und Woolsey erklärte ihr einige Regeln und Vorschriften, die es beim Führen von Atlantis einzuhalten galt. Gegen Ende der zweiten Woche wollten John und die anderen endlich wissen, wie sie sich in kritischer Situation verhalten würde.

Also inszenierte man ein paar Szenarien, wie Geiselnahme, ein Angriff der Wraith und der Replikatoren, Diebstahl des ZPMs. Außerdem übte man auf der Alpha-Seite eine Mission, die gründlich schief gehen sollte. Alexa bestand alle Prüfungen mit Bravour. Allerdings ließ sie es sich auch nicht nehmen, John und sein Team zu prüfen.

Auf beiden Seiten wurde auf militärisches Können und Geschick geachtet. Taktiken und andere Vorgehensweisen der jeweiligen Situation entsprechend wurden von beiden Seiten beobachtet und man tauschte sich aus.

Schlussendlich beschlossen John und Alexa gemeinsam, ein kleines Übungsprogramm für Außenteams auszuarbeiten und sie darin zu trainieren.

John musste sich selbst eingestehen, dass er sehr froh über Alexas Entscheidung war. Ebenso alle anderen seines Teams.

Am Montagmorgen kümmerte John sich persönlich darum, das Alexa eine komplette Ausrüstung und neue Bekleidung bekam. Darunter fielen Waffen, ein Computer und andere Geräte, Bettwäsche, eine Uhr, taktische Ausrüstungen und auch ein neues Quartier. Das natürlich zufälligerweise neben seinem eigenen lag. Außerdem schenkte er ihr auch noch ein paar Lautsprecher, die sie an ihren Computer anschließen konnte, und erklärte ihr, dass sie damit besser Musik hören konnte, da er herausgefunden hatte, dass sie die Musik der Erde sehr mochte. Er ließ es sich auch nicht nehmen, ihr die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten zu erklären.

„Also, da Sie ja jetzt voll im Bilde sind und wir auch …wie wäre es mit einem Frühstück?”, fragte John.

„Klingt gut. Aber ich muss vorher noch etwas erledigen. Wie wäre es in einer Stunde?”, schlug sie vor.

„Okay. Also, in einer Stunde in der Cafeteria.” Damit verließ John das Quartier. Eine Stunde später erschien Alexa in der Cafeteria. Alexa hatte sich die Haare schneiden lassen. Sie waren jetzt bedeutend kürzer. Rodney fiel sofort auf, dass die Frisur sehr stark an Colonel Samantha Carters Frisur erinnerte. Nein, er war sich sicher; Sie hatte die gleiche Frisur. Und er musste zugeben, dass sie sehr gut aussah.

„Steht Ihnen gut”, komplimentierte Teyla.

„Allerdings”, gab John ihr Recht.

„Danke.” Alexa nahm neben John Platz. Gemeinsam frühstückten Woolsey, John, Rodney, Ronon, Alexa und Teyla.


Dienstagmorgen im Gateraum

„Alles in Ordnung? Kann es losgehen?”, fragte Sheppard sein neuestes Teammitglied.

„Ich bin so weit, Colonel”, antwortete Alexa.

John lächelte kurz und gab dann Chuck die Anweisung das Tor anzuwählen.
Das Wurmloch etablierte sich, John verabschiedete sich und schon startete Alexa nach langer, langer Zeit wieder zu einer Außenmission. Diesmal in einem Team.

The End

Shahar Jones

Meine erste Fanfic schrieb ich über Stargate Atlantis.
Mittlerweile mixe ich meine Storys auch gerne mal mit anderen Fandoms, wie dem Sentinel. Aber im Großen und Ganzen hänge ich immer noch in der Pegasus-Galaxie rum. Allerdings liebe ich es auch, die Leute zu überraschen ;)

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